Warum geht es in der Drogenpolitik selten um Freiheit?

Dass die Verbotspolitik gescheitert ist, sollte klar sein. Wie könnte ein besserer Umgang mit Drogen aussehen?

Im ersten Teil behandelten wir den zum Weltdrogentag (26. Juni) von den Vereinten Nationen veröffentlichten neuen Jahresbericht. Demnach konsumieren mehr Menschen denn je psychoaktive Substanzen, wobei man – wohl durch eine westliche Brille – Alkohol und Tabak ausklammert. Außerdem sahen wir, dass schon der Begriff “Droge” nicht neutral definiert, sondern von Interessen und Werten geprägt ist.

Der Diskurs wird vor allem gesundheitspolitisch und mit Blick auf die Risiken geführt. Dass die Verbote offenbar kaum funktionieren, die Probleme vielleicht sogar vergrößern und sich Menschen aus bestimmten Gründen für den Substanzkonsum entscheiden, wird seltener thematisiert.

Freiheit…

So geht ein wichtiges Grundprinzip des liberalen Rechtsstaats in der drogenpolitischen Diskussion regelmäßig unter: nämlich das Prinzip der freien Entscheidung zumindest von erwachsenen Menschen über sich selbst, das Prinzip der Selbstbestimmung. Und damit auch über Mittel und Wege zum Erreichen der von ihnen gewünschten psychischen Zustände.

Es war nicht zufällig, dass Sucht im Zuge des im ersten Teil genannten politischen-religiösen Fanatismus erstmals offiziell als medizinisches Problem klassifiziert wurde, nämlich in den 1930ern in den USA. Doch auch (fast) 100 Jahre später haben sich Mediziner nicht auf eine einheitliche Definition des Suchtbegriffs einigen können. Er ist fast so (un)logisch wie die Drogenverbote selbst.

Die medizinischen Standardwerke gingen dann seit den 1970ern einen anderen Weg: Man legte Kriterien dafür fest, wann Substanzkonsum als problematisch gilt. Dafür gibt es jetzt das im Deutschen unschöne Wort der Substanzkonsumstörung (englisch substance use disorder, SUD). Kennzeichnend hierfür sind einerseits der Kontrollverlust des Konsumierenden; und andererseits das Leiden, die Krankheit und Dysfunktion durch den Substanzkonsum.

Wenn man dann die empirischen Tatsachen anerkennt, dass, erstens, selbst bei den als sehr gefährlich dargestellten Mitteln in aller Regel nur eine Minderheit der Konsumierenden die Kriterien dieser Störung erfüllt und, zweitens, die Verbote den Konsum nicht verhindern, bleibt doch ein sehr großes, fett gedrucktes Prinzip Freiheit übrig.

…und ihre Schranken

Leider wird das bis heute maßgebliche Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Cannabisverbot aus dem Jahr 1994 hier regelmäßig falsch gelesen: Damit war nicht das “Recht auf Rausch” vom Tisch, sondern nur so ein uneingeschränktes Recht (Beschluss vom 9. März 1994; Rn 119).

Das heißt, auch der Konsum von psychoaktiven Stoffen ist vom Grundrecht auf die Persönlichkeitsentfaltung nach Art. 2 Abs. 1 Grundgesetz gedeckt. Er darf, wenn überhaupt, nur auf Grundlage eines Gesetzes beschränkt werden. Und im liberalen Rechtsstaat gilt: Erlaubt ist, was nicht verboten ist; das Verbot – wohlgemerkt, das schärfste Mittel des Rechtsstaats – muss hinreichend begründet werden, nicht die Freiheit; es muss zudem verhältnismäßig sein, also zielführend und angemessen; und die Freiheit des Einzelnen endet an der Grenze zur Freiheit anderer.

Dann ist Drogenkonsum vom Prinzip her eher damit zu vergleichen, dass man in seiner eigenen Wohnung nicht beliebig laut und lange Musik hören darf. Denn ab einer bestimmten Lautstärke und Dauer schränkt das die Freiheit der Nachbarn ein, diese Musik nicht hören zu müssen.

Die (Doppel-) Moral von der Geschicht

Damit kommen wir zur Moral zurück: Man muss Drogenkonsum ja nicht gutheißen. (Dann bitte aber auch beim nächsten Bier oder der nächsten Zigarette, vielleicht sogar beim nächsten Tee oder Kaffee daran denken.) Man darf insbesondere niemanden zum Konsum verbotener Substanzen auffordern, denn das kann genauso hart wie der Drogenbesitz oder Körperverletzung bestraft werden (§ 29 Abs. 1 Nr. 12 BtMG).

Man kommt aber auch nicht einfach so aus dem Dilemma heraus, dass einerseits Drogenkonsum zwar mit Risiken einhergeht, auch wenn diese in der Regel beherrschbar sind und von vielen Nebenfaktoren abhängen, einschließlich der Verbotspolitik; und dass andererseits Menschen (und sogar manche Tiere) immer schon psychoaktive Substanzen konsumiert haben – und das auch weiterhin tun werden.

Wie lange man sich den sinnlosen Kampf gegen die Vorlieben großer Bevölkerungsteile in Zeiten knapper Ressourcen noch leisten will, wird in den nächsten Jahrzehnten auch aufgrund des demografischen Wandelns und dem zunehmenden Mangel an Arbeitskraft zur immer drängenderen Frage werden. Man kann sich darauf besinnen, dass Drogenverbote von Anfang an auf Lügen basierten: Opium zum Beispiel galt lange Zeit als wichtigstes Heilmittel der Ärzte schlechthin. Mit politisch-religiösen Fanatismus dämonisierte man es und wollte man gleichzeitig die chinesischen Einwanderer, die es gerne rauchten, loswerden.

Beides ging nach hinten los: Die Einwanderer blieben und kosteten auf dem Weg ins Gefängnis und während des Aufenthalts darin gesellschaftliche Ressourcen; und anstatt unruhigen Kindern ein paar Tropfen der natürlichen Opiummilch zu geben, verabreicht man heute massenweise sogenannte Antidepressiva, Angstlöser und ADHS-Medikamente. Übrigens verschwand Opium trotz der Dämonisierung nie ganz aus der Apotheke, denn seinen angeblich höllischen Wurzeln zum Trotz enthalten auch heute noch manche Erkältungsmittel seinen Bestandteil Codein – gegen Hustenreiz und für ein besseres Gefühl.

Cannabis landete vor hundert Jahren aufgrund eines politischen Kuhhandels unter Federführung der Ägypter und ebenfalls mit Lügen auf der Verbotsliste. Das Fremdwort “Marihuana” wurde bewusst gewählt, weil das gefährlicher klang. Um sich davon einen Eindruck zu verschaffen, kann man sich den offiziellen amerikanischen Propagandafilm “Reefer Madness” aus dem Jahr 1936 ansehen. (“Reefer” ist Slang für Joint oder Cannabiszigarette.)

Elend

Wie gesagt, man muss Drogenkonsum ja nicht gut finden. Aber gerade als ehrlicher Bürger sollte man die politischen Lügen mit ihren dramatischen gesellschaftlichen Folgen nicht immer weiter an der Wahlurne stützen. Die Verbotspolitiker spielen mit der Angst, die sie selbst schüren. Und die meisten Medien spielen das Spiel aufgrund ihrer Aufmerksamkeitsinteressen mit. Wie die Drogenangst und -Panik schon in der Weimarer Republik politisch-medial konstruiert wurde, hat zum Beispiel die Sozialwissenschaftlerin Annika Hoffmann in ihrer Doktorarbeit nachgewiesen.

“Aber sind nicht gerade die ‘harten’ Drogen gefährlich?“, fragen viele. Das können sie sein, ja, ebenso wie das Schlucken von zu viel Alkohol oder Paracetamol. An einer Überdosis dieser beiden Substanzen wird man aber eher zugrundegehen als an zu viel Cannabis oder Psilocybin – trotzdem kann man sie überall mehr oder weniger frei kaufen. Warum? Weil die allermeisten Menschen gelernt haben, damit verantwortungsvoll umzugehen.

Vergessen wir dabei nicht, dass die Unterscheidung in “weiche” und “harte” Drogen schon ein Eingeständnis der Verbotspolitiker war: dass nämlich die Drogenpropaganda im 20. Jahrhundert mit ihrer Dramatisierung der Nebenwirkungen weit überzogen war. Anstatt vom eingeschlagenen Irrweg abzuweichen, hielt man die Verbote insgesamt instand, indem man Delikte wegen (angeblich) weniger gefährlichen Substanzen weniger hart bestrafte.

Es gibt Leute, die aus Neugier psychoaktive Substanzen konsumieren – dann problematischen Konsum entwickeln und nicht mehr davon loskommen. Das höchste Risiko dafür haben aber Menschen mit traumatischen Erfahrungen oder in schweren psychosozialen Verhältnissen. Erinnern wir uns, dass im Vietnamkrieg viele US-Soldaten ihr Elend dieser Hölle auf Erden mit Heroin erträglicher gestalteten.

Sie konnten die aus der Veredlung natürlichen Opiums gewonnene Droge rauchen anstatt spritzen, weil sie in Vietnam günstig, in großen Mengen und in hoher Qualität verfügbar war. Damit fielen auch die Gesundheitsrisiken des Spritzens weg. Aus heutiger Sicht frappierend ließen die allermeisten von ihnen nach der Rückkehr in die Heimat davon wieder die Finger. Und diejenigen, die auch zurück in den USA weiter Heroin nahmen, hatten meist schon vor dem Kriegseinsatz psychosoziale Schwierigkeiten, die sie für problematischen Substanzkonsum anfällig machten.

Opioide

Heute sind viele Opiate – das sind Opioide natürlichen Ursprungs wie Opium, Morphium oder Heroin – und synthetische Opioide verboten. Trotzdem sind wahrscheinlich mehr Menschen denn je von den Opioiden Oxycodon und Fentanyl abhängig, die beide auch als wichtige Medikamente gelten.

Das Problem besteht fort, ganz gleich ob man es drogenpolitisch leichter oder härter anpackt. Das ist ein starker Hinweis darauf, dass es hier im Kern gar nicht um die richtige Drogenpolitik geht. Vielmehr verschwindet soziale Not hinter der Chiffre der “gefährlichen” Substanz: Die Menschen gelten dann nicht als Betroffene von Traumata, ungleichen Chancen, Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung, verwahrlosten Familien oder Strukturen. Nein, stattdessen haben sie nach dieser Lesart individuell die falschen Entscheidungen getroffen.

So kann man eine Politik der sozialen Härte mit fehlender Partizipation bestimmter Schichten und wachsenden Unterschieden zwischen Reicheren und Ärmeren ganz im Sinne des Neoliberalismus verklären: Es ist doch deren Schuld, wenn sie Drogen nehmen und die Kontrolle darüber verlieren. Wohlgemerkt, schon in der Antike hatte das griechische Wort pharmakon neben “Arznei” und “Gift” auch die Bedeutung “Sündenbock”.

Verstetigung der Probleme

Die so individualisierten Probleme von Menschen werden dann, sofern verfügbar, suchtmedizinisch zwar entschuldigt. Indem man das Phänomen in den Bereich der Krankheit aufnimmt, verschwindet – zumindest theoretisch – die Schuld. Aber in der Praxis ist dem natürlich nicht so und sucht man die soziale Distanz zu den “Alkoholikern”, “Drogensüchtigen” oder “Junkies”. Jedenfalls dann, wenn man nicht gerade in der Sozialarbeit tätig ist.

Diese Suchthilfe kommt aber eigentlich immer zu spät. Und auch sie verstetigt durch die Behandlung der Symptome die eigentlichen Ursachen des Problems. Wenn man heute die Massen der Drogenabhängigen in amerikanischen Großstädten in ihren Zombie-mäßigen Zuständen – die meisten sind schwarz, viele kommen aus schwierigen Verhältnissen, viele beides – sieht, kann man verzweifeln:

Welche Perspektive haben diejenigen, die nur noch für den nächsten Rausch leben und sich dafür, wenn es geht, prostituieren, ansonsten betteln und stehlen oder gar rauben? Gezeichnet vom harten Leben auf der Straße, mangelnder medizinischer Versorgung, vielleicht schon mit ein paar Nahtoderfahrungen aufgrund von Überdosierungen. Ein Schuss, eine Pille, lässt das alles für ein paar Momente vergessen, so als hätte man ein normales Leben.

Doch, aufgepasst! Die bei kleiner Dosierung gewünschte Unterdrückung des Hustenreizes führt bei zu hoher Dosierung zum Bewusstseinsverlust mit Atemlähmung. Um das Schlimmste zu verhindern, führen in den USA viele Polizisten und Sanitäter die Gegenmittel mit. Doch mit den neuesten, immer stärkeren Opioiden sind mitunter mehrere Dosen nötig – und irgendwann ist die Grenze des Machbaren einfach über schritten.

Die Lage jetzt und bald

Dass das Problem in den USA so viel größer ist als in anderen Ländern, dass die Verbote alter und neuer Opiate und synthetischer Opioide es nicht verhindern konnten, liegt auf der Hand. Ärzte, Apotheker und Pharmafirmen haben jahrzehntelang an dem Versprechen einer medizinisch möglichen schmerzfreien Welt sehr gut verdient.

Als diese Quellen gesetzlich zum Versiegen gebracht wurden, überließ man die Abhängigen dem gefährlicheren Stoff auf dem Schwarzmarkt. Der seitdem dramatische Anstieg der Drogentoten ist bekannt.

Eine Lösung dieser Tragödie ist nicht in Sicht. In Europa lässt sie sich vielleicht noch verhindern, jedenfalls in diesem Ausmaß. Dabei sollte man die Situation der Betroffenen wenigstens nicht verschlimmern, wenn man sie schon nicht verbessern kann. Eine evidenz- statt ideologiebasierte Drogenpolitik wäre hierfür das Minimum.

Erfahren Sie mehr über die Cannabis-Gesetzgebung sowie wichtige Grundlagen: Was ist eine Droge? Was ist Abhängigkeit? Seit wann gibt es Cannabiskonsum in der Menschheitsgeschichte? Und was sind sein Nutzen und seine Risiken? Das neue Buch von Stephan Schleim gibt es als eBook für nur 9,99 Euro bei Amazon, Apple Books und Google Play Books.


Neu: Diskutieren Sie die Blogbeiträge in der Community PsycheUndMensch auf Reddit (gratis).

Folgen Sie Stephan Schleim auf Twitter/X oder LinkedIn. Titelgrafik: Dee Lizenz: Pixabay

Avatar-Foto

Die Diskussionen hier sind frei und werden grundsätzlich nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen oder Monologe. Bei Zuwiderhandlung können Kommentare gekürzt, gelöscht und/oder die Diskussion gesperrt werden. Nähere Details finden Sie in "Über das Blog". Stephan Schleim ist studierter Philosoph und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden tätig, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie.

44 Kommentare

  1. Ich habe den Tick, dass ich das Universum als Lichtstrahl verstehe, der durch die Zeit rast und aus unzähligen kleineren Lichtstrahlen besteht. Und damit erkläre ich mir alles auf der Welt mit Wellen.

    Das Böse hat eine hohe Frequenz, das Gute eine hohe Amplitude, und das eine geht auf Kosten des anderen: Das Böse bietet schnellen Profit hier und jetzt nur für Sie, es hämmert sich als hartes UV durch die Zeit, zerstört alles auf seinem Wege, bevor es langfristig wachsen kann. Das Gute ist auf Profit für alle aus, der sich durch Kumulation statistischer Effekte langsam aufbaut und damit erst in zehn, hundert Jahren für das Individuum den Profit des Bösen überschreitet – dafür kann sich dieser Infrarot-Profit dann größer aufbauen und länger halten.

    Weil wir aber vor dem Abkassieren 3650 Tage lang genug Profit haben müssen, um bis zum Abend zu überleben, müssen wir ein wenig böse sein. Die Infrarot-Welle unterdrückt also das Böse so weit, dass es seine zerstörerische Wirkung nicht entfalten kann, wir sind im Alltag böse, führen unendlich viele Kleinkriege, doch ohne dass es in Gewalt und Grausamkeit eskalieren darf. Und dann wird aus dem Bösen etwas Tolles und Wichtiges: Spiel und Spaß.

    Wettbewerb, Konkurrenzkampf, Individualismus fördert die Evolution, macht uns stärker und besser. Kooperation stabilisiert das System, sorgt dafür, dass das Bewährte erhalten wird, dass wir jeden Tag wieder Essen auf den Tisch schaffen und Ziegelsteine so lange stapeln, bis Häuser daraus werden. Das Böse zweifelt und lernt, das Gute bleibt standhaft und weiß, und wenn wir über Gesetze reden, reden wir darüber, wie wir das Zusammenspiel der Widersprüche optimal regeln.

    Freiheit und Sicherheit schließen einander aus, doch wenn man sie nicht kombinieren kann, eskalieren sie zu ihrer extremsten Reinform – Blutrausch vs. Sklaverei. Mit anderen Worten, wenn Sie nicht Staat können, bekommen Sie erst Populisten-Amok und Etablierten-Apathie, dann deren schlechtestmögliche Fusion – Donald Trump.

    Was fällt auf, wenn es um persönliche Freiheit geht? All das kann mir scheißegal sein. Das Universum spielt Spielchen und hat Regeln, aber es kann mir noch so sehr verbieten, einfach vom Spieltisch aufzustehen und zu gehen – das Verbot gilt ja nur, solange ich im Spiel bin, wenn ich nicht mitspiele, betrifft es mich nicht. Das ist das universelle Recht auf Selbstmord.

    Doch der Drogensüchtige spielt ja noch mit. Er will leben, also muss er Miete zahlen. Wenn er entscheidet – ich habe ein kurzes Leben voller Rausch oder ein langes Leben voller Mühen, das kaum über allgemeine Zufriedenheit hinaus gehen kann – trifft er eine Entscheidung, die das Universum ihm erlaubt.

    Doch er ist immer noch Teil einer Gemeinschaft, die ihn kleidet, ernährt, schützt. Wenn er dieser Gemeinschaft keine Gegenleistung bietet, schuldet sie ihm auch nichts. Das Minimum dabei ist, an roten Ampeln zu halten und keine Omas zu erschlagen, um ihnen die Handtasche zu klauen, also eine gewisse Zurückhaltung bei der Ausübung der persönlichen Freiheit, mit der man sich sein Existenzminimum kauft.

    Und hier haben wir das Problem, dass Gesellschaften nicht gleich sind, und das auch noch aus verschiedenen Gründen.

    Wenn Sie reich sind und disziplinierte Soldaten Ihren Palast bewachen, können Sie meist saufen, vögeln, sich zudröhnen, dumm aufführen, Risiken eingehen, ohne dass es für Ihre Gesellschaft die geringsten Konsequenzen hat. Wenn Sie als Nomade in einer sehr gefährlichen Umgebung leben, sind Sie selbst halb Soldat und müssen sehr viel Selbstkontrolle und Eigenverantwortung ausüben, sich Ritualen und Traditionen fügen – für Spiel und Spaß und Experimente und Weiterentwicklung fehlen einfach Zeit und Ressourcen. In der modernen kapitalistisch-demokratischen Gesellschaft sehen Sie, dass Sie in Teilzeit Herr und Sklave sind – in der Arbeitszeit bauen Sie Baumwolle und Zuckerrohr an, in der Freizeit verprassen Sie die Profite.

    Nun, ich schätze mal, in winzigen Gemeinschaften irgendwelchen kargen Bergen und Wüsten gibt es Gründe, warum eine Frau, die Ehebruch begeht, gesteinigt werden muss, damit die Gemeinschaft überlebt. Wenn ich das dort ändern will, muss ich gleichzeitig die Lebensbedingungen der Gemeinschaft verändern. Wenn diese Kultur aber in eine bessere Welt umzieht und an ihren Traditionen festhalten will, einfach weil’s für die Männer bequem ist, die Frauen durch Terror unter Kontrolle zu halten, hat die Ehebrecherin hundertprozentig Recht und die Tradition ist ein Verbrechen.

    Alle Beteiligten sind Menschen. Alle wollen sie Kosten sozialisieren und Profite personalisieren, alle wollen sie das Extra, das das Böse hier und heute bietet, für die Sicherheit und die langfristigen Profite sollen bitteschön die Anderen schuften und auf Spaß verzichten. Doch der ultimative Richter, die letzte Instanz, ist die Welt, in der sie überleben müssen. Sie bestimmt, welche Ressourcen die Gemeinschaft haben kann und welche Opfer sie dafür bringen muss. Dieser Richter bestimmt ganz allein, ob die Gesellschaft das Recht hat, dem Individuum die Drogen zu verbieten, weil sein Überleben von allen einen hohen Preis verlangt, oder ob er das Recht hat, von der Gemeinschaft Wandel zu verlangen, weil sie einfach nur wirtschaftlich, politisch, sozial so schlecht strukturiert ist, dass sie Ressourcen nicht nützt oder Lasten und Profite ungerecht verteilt.

    Wir sehen gerade, dass eine Welt endet. Ein Wirtschaftsmodell ist erschöpft, der See ist leer gefischt, das Fischerdorf lernt entweder Ackerbau und wacht im Schlaraffenland auf, oder es verhungert und zerfleischt sich in Verteilungskämpfen in einer blühenden Welt. Die Fischer sind alt, müde, zu verkalkt, sich zu wandeln, ihr Wissen ist nutzlos geworden, lernen können sie nicht mehr. Also brauchen sie mehr Disziplin, weniger Spaß, die Arbeit wird von Tag zu Tag unproduktiver, Fisch wird durch Versprechen von Fisch (Geld und Aktien) verdrängt, unnütze Träume vom vollen Magen. Es gibt keine Realität mehr, die das Zusammenspiel von Gut und Böse, Sicherheit und Freiheit, Arbeit und Spaß, Wiederholungstätigkeiten und Experimenten, regeln würde. Und so bekommen wir die Anarchie der Sklavenhalter.

    Das Sinnvollste in einer solchen Welt ist die Abkehr. Wenn Sie eine Zukunft haben wollen, entnehmen Sie ihr die Ressourcen und basteln am Keim Ihrer eigenen, die Fischer-Könige leben ja nicht ewig. Und wenn Sie sich einfach nur mit einem Knall oder Winseln verabschieden wollen, ist’s bestimmt anständiger, sich mit Drogen zuzudröhnen, als aus purer Langeweile sinnlose Kriege vom Zaun zu reißen, und würdevoller, als bei bizarr-slapstickhaften Hexen-Ritualen mitzumachen, mit denen wir die Wirtschaft gesundbeten und die Fische in den See zurück tanzen wollen.

    Alles ändert sich, sobald wir wieder die Chance bekommen, eine Welt aufzubauen. Die kann Sie dann wieder in die Pflicht nehmen, und welche Position dann den Drogen zustehen wird, wird sich ergeben. Im Moment sind wir bei Falco: Die Titanic sinkt in Panik, Dekadenz. Du sollst keinen Gott haben außer dem, ähm, Entzug und Jay und Silent Bob sind sein Prophet. Bis ein Gott in die Stadt reitet, der nicht so wirkt, als hätte er sich gerade in die Hose gepisst und würde dich niederbrüllen oder anflehen, dass du das nicht bemerken darfst.

  2. Die Krux bei dem Thema ist, (oder auch logische Folge) ist, dass der freie Welthandel nicht zu kontrollieren ist.

    ein zweiter Grund bleibt, ein Teil der Landbevölkerung in Südamerika , in Afghanistan und anderen Ländern Asiens lebt traditionell vom Anbau von Drogen.

    Es gibt also nur zwei Wege den Dorgenhandel zu verringern. Den Preis für die Drogen zu senken , daran sind die Anbauländer nicht interessiert ,oder den freien Welthandel stärker zu kontrollieren, daran sind die Exportnationen nicht interessiert.

    Fazit: Das Hauptgewicht bei der Drogenprävention sollte die Prävention sein. Jugendliche müssen vom Staat geschützt werden.
    Aber…..das sind Absichtserklärungen. Letzte Woche im Hamburger Hauptbahnhof.
    Offene Drogenszene. Fixer setzen sich auf der Eingangstreppe zu den Bahnsteigen offen eine Spritze und die Schlange der Touristen geht teilnahmslos vorbei.

  3. Stephan Schleim,
    Der Jugendliche muss sich mit seinem Staat identifizieren können.
    In den Schulen müssen die Sportangebot erhöht werden, nicht wie gerade verringert.
    Körperliche Fitness muss als erstrebenswert hingestellt werden.
    Wann kommt das totale Rauchverbot ?

    Und jetzt zum Schwierigsten. Eine Kontrolle des Internet muss gegen alle Widerstände durchgesetzt werden.
    Die öffentlich rechtlichen Fernsehsender können die Aufklärungsarbeit übernehmen. Wir zahlen nicht umsonst Fernsehgebühren !

    Das ist die Richtung, in die sich die Politik bewegen sollte.
    Aber das funktioniert eben nicht.

    Zu ihrem eigentlichen Ziele, Cannabis ins rechte Licht zu rücken.
    Wenn Cannabis zu unrecht verteufelt wird, dann sollte man als erstes Cannabis nicht mehr zu den Drogen zählen. (und Alkohol erst bei einer Konzentration von über 10 %)
    Ich selbst habe keine eigenen Erfahrungen zur Verfügung und muss mich auf die öffentliche Meinung verlassen . Und ich finde es befremdlich, wenn ein Staat, der sich wissenschaftlich nennt, verschiedene Meinungen gelten lässt. Entweder ist Cannabis bedenklich oder es ist es nicht (im Vergleich zu den Kulturdrogen Alkohol und Koffeein)

  4. @Doe
    04.07.2025, 14:23 Uhr

    Wann kommt das totale Rauchverbot ?

    Wann kommt das totale Autoverbot? Bei der Frag Rate …

    Eine Kontrolle des Internet muss gegen alle Widerstände durchgesetzt werden.

    Wie stellst Du Dir das vor? Wie in China?
    Aber da weiß man woher der Wind weht.

    Wenn Cannabis zu unrecht verteufelt wird, dann sollte man als erstes Cannabis nicht mehr zu den Drogen zählen.

    Dwfiniere doch bitte erst mal Droge.

    (und Alkohol erst bei einer Konzentration von über 10 %)

    Warum? Wo habe ich verpasst das die neueste wissenschaftliche Erkenntnis ist, das Alkohol erst bei einer Konzentration im Getränk von 10% Vol. psychoaktiv ist?
    Oder dient das dazu zu verschleieren, dass auch die sogenannten Genußtrinker natürlich den Effekt mitnehmen??
    Wo habe ich das verpasst mit der Konzentrationsgrenze ab der es abgeht? Nochmal die Frage.

    Ich selbst habe keine eigenen Erfahrungen zur Verfügung und muss mich auf die öffentliche Meinung verlassen .

    Nein, auch Du darst Dir eigenständig ein Bild machen. Fakten sind dabei hilfreich.

    Und ich finde es befremdlich, wenn ein Staat, der sich wissenschaftlich nennt, verschiedene Meinungen gelten lässt.

    Ich nicht. Gerade wenn es um Meinungen geht finde ich das positiv.

    Entweder ist Cannabis bedenklich oder es ist es nicht

    “bedenklich” nach welchem Maßstab?

    (im Vergleich zu den Kulturdrogen Alkohol und Koffeein)

    “Kulturdrogen” sind dann in Deinen Augen irgendwie wie anders als”Drogen” die Du ja ablehnst? Und Nikotin ist dann aus welchem Grund keine Kulturdroge?
    Nochmal für Dich: Es gibt keine Untergrenze an der ein Nervengift wie Alkohol nach unten hin unschädlich ist. Auch Coffein unterliegt dieser Beschränkung.

    Ich sehe schon. Dir geht es einfach nur darum Gesellschaft und Zusammenleben einfach mal nur nach Deinen kruden Vorstellungen zu gestalten.

    Oder denke ich zu menschenfreundlich und das ist nur ein Trollversuch?

    Und die Vorschau will mal wieder nicht. Man entschuldige mir bitte alles, was am Beitrag komisch aussieht 🙂

  5. Uli Schoppe,
    im Mittelalter haben die Leute Wein getrunken anstelle von Wasser, weil das Wasser nicht sauber war.
    Wein hat bei normaler Gährung etwa 10 % Alkohol. Und weil die Leute im Mittelalter das gut überlebt haben, darum scheint mir Wein ein Lebensmittel und keine Droge.
    Was jetzt den Hanf betrifft, aus dem wurde früher Stoff gewebt. Ich habe mein Hausdach innen mit Hanfmatten isoliert und das ist erlaubt, und es riecht auch gut.
    Deswegen sind die Argumente von Herrn Schleim nicht abwegig.

    Und was die Meinungsfreiheit betrifft, bei Motoröl kannst du nicht sagen, ja Motoröl ist ein Getränk, und du kannst sagen, nein , Motoröl ist kein Getränk.
    Ein wenig Entschlussfreudigkeit erwarte ich schon.
    Und deswegen ärgert es mich , wenn die Wissenschaft um die Entscheidung herumeiert.
    So, jetzt muss ich aufhören, die Kartoffeln sind weich und wir machen gerade Kartoffelsalat.

  6. Mal davon ab das ich immer noch darauf warte, das Du eine vernünftige Definition des Wortes Droge lieferst ^^ (Da ich soweit ich kann das Wort in der Diskussion vermeide weil die meisten Definitionen nicht vernünftig zielführend sind) ist es an Dir zu erklären was Du damit meinst.

    Ach ja, das Mittelalter ^^ 🙂

    Also erst mal zu dem Alkoholanteil:
    Der war im Mittelalter einfach aus technischen und biologischen Gründen so niedrig. Destillen waren auch nicht wirklich ein Massenprodukt.
    Weil die Menschen damit jetzt öfter unter Strom standen, was mit Sicherheit das nicht einfache Leben im Mittelalter angenehmer machte, war das doch psychologisch ein gewünschter Effekt und eine Alkoholabhängigkeit als Folge ein akzeptiertes Nebenprodukt?

    Der Versuch Lebensmittel und Drogen trennscharf abgrenzen bringt durchaus Probleme bei der Trennschärfe mit sich. Praktisch verschwimmen die Grenzen bei Genussmitteln und bei Lebensmitteln mit starker Wirkung auf das Gehirn. Die Einteilung ist teilweise kulturell und gesellschaftlich geprägt, was die Einteilung tatsächlich zur Verhandlungssache machen kann. Klingt seltsam ist aber so ^^
    Vieleicht wundert es Dich, aber ich finde sowas wie:

    Was jetzt den Hanf betrifft, aus dem wurde früher Stoff gewebt. Ich habe mein Hausdach innen mit Hanfmatten isoliert und das ist erlaubt, und es riecht auch gut.

    Eigentlich eher als nicht gültiges Verharmlosungsargument. Wenn man auf der Basis diskutiert: Wie sollen dann Menschen den verantwortungsvollen Umgang mit Substanzen lernen? Solche Argumente werden oft von tatsächlich Abhängigkeitserkrankten ins Feld geführt um sich den eigenen abhängigen Konsum schön zu reden.
    Nur damit kein Mißverständnis entsteht: Ich bin für die Veränderung der Politik in der Hinsicht. Ich sehe einfach kein vernünftiges Argument dafür den Menschen das Kiffen zu verbieten. Nur Deine Ausführung oben dient einfach zu oft der Rationalisierung von abhängigem Konsum und ist damit eher am Thema vorbei. Ich wäre damit eher vorsichtig.
    Was in meinen Augen wie gesagt nicht für eine Kriminalisierung und Ächtung spricht. Ich käme als trockener Alkoholiker auch nicht auf den Gedanken meinen Töchtern den Konsum von Alkohol zu verbieten. Ich kann nur meine Hilfe anbieten falls jemand merkt, das der Konsum gefährlich wird oder die Grenze zum Krankheitswert überschritten hat. Damit Der Mensch nicht erst wie ich noch 30 Jahre so weiter laufen muss. Ja das geht. Man landet nicht irgendwie zwangsläufig unter der Brücke auch wenn das eine gängige Vorstellung ist.

    Und was die Meinungsfreiheit betrifft, bei Motoröl kannst du nicht sagen, ja Motoröl ist ein Getränk, und du kannst sagen, nein , Motoröl ist kein Getränk.

    Doch. Natürlich deckt die Meinungsfreiheit auch Unsinn ab, der der Faktenlage widerspricht. Den Unterschied zur Tatsachenbehauptung muss man natürlich gefunden haben.
    Meinungen sind erst einmal unabhängig von zB ihrer wissenschaftlichen Richtigkeit als möglicher Maßstab für ihre Qualität durch die Meinungsfreiheit des Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG geschützt. Unser Recht interessiert es zum Glück nicht, ob die Äußerung rational oder emotional, begründet oder grundlos ist und was jemand für nützlich oder schädlich, wertvoll oder wertlos hält.
    Was das Motoröl betrifft gilt also erst mal: Natürlich kann ich das sagen.
    Wo wir gerade beim Thema Konsum von Mineralölprodukten sind und beim Recht auf Selbstgefährdung:
    In “alternativen” Gesundheitskreisen wird Terpentin (die Methode der Gewinnung spielt da ja nun mal grundsätzlich keine Rolle. Nichts wird gesünder weil es irgendwie “natürlich” aus Kiefernharz gewonnen wird ^^ Chemie ist echt ein Miststück 😉 ) als „Heilmittel“ gegen Parasiten, Candidainfektionen, Hautprobleme und andere Beschwerden propagiert.
    Innere Anwendung ist gesundheitlich nun wirklich bedenklich und, wenn man es nett sagen will, wissenschaftlich nicht belegt. Medizinisch anerkannt sind nur äußerliche Anwendungen.
    Darfst Du in Deutschland trotzdem machen. Ich darf Dich dann aber auch für bescheuert halten und das auch so sagen, das es andere Gesetze nicht tangiert. Beleidigung zB scheidet aus.

    Und deswegen ärgert es mich , wenn die Wissenschaft um die Entscheidung herumeiert.

    Erst mal ist es eine der Grundlagen für Wissenschaftlichkeit wenn man Unsicherheiten reflektiert. Man nennt das Transparenz …
    Wissenschaft trifft allerdings keine gesellschaftlichen Entscheidungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind auch nicht dazu da, politischen Agenden zu dienen.
    Wissenschaftliche Erkenntnisse sind auch immer schon alleine durch den Komplexitätsfaktor mit Unsicherheiten behaftet. Nur weil Du das gerne anders hättest kommst Du an der Wirklichkeit leider nicht vorbei.

    Bleibt noch:

    Deswegen sind die Argumente von Herrn Schleim nicht abwegig.

    Sie sind sogar vernünftig und folgerichtig. Und begründet. Wissenschaftlich kann man auch sagen.

  7. @Stephan Schleim,

    danke für den Artikel!
    Wenn man es genau nimmt ist es ja einfach ein Logischer Entschluss, man kann durch Verbote den Konsum nicht unterbinden und es kostet massiv viel Energie und Zeit diese durchzusetzen die woanders dann fehlt. Gleichzeitig wird durch die Illegalität Akteuren Macht und Geld verliehen, die damit im Endeffekt andere Kriminelle Machenschaften auftrieb geben. (Drogenkartelle in Mexiko zb. oder die Diktaturen wie in Nordkorea, Afghanistan)
    Es kostet somit doppelt es zu Verbieten. Die Reichen Konsumenten können sich dabei wohl sehr gefahrlos das leisten während Ärmere dazu noch Kriminalisiert werden. Ganz nebenbei das ja unterschiedlichste Substanzen in die gleiche Kategorie eingeteilt werden, obwohl sie völlig andere Wirkungsweisen haben.
    Ich hoffe ich habe es so halbwegs richtig erfasst.
    Was wäre da ihr Vorschlag, völliges Legalisieren mit vielen offenen Hilfsangeboten und strengen Jugendkontrollen oder vielleicht ein rein staatliches Monopol auf den Verkauf um Suchtverhalten kontrollieren zu können?

    @Doe
    Tatsächlich würde eine Legalisierung vermutlich für die Anbau Länder einen massiven Aufwind bedeuten da einerseits die Produzenten direkt verhandeln können als über Drogenkartelle und der Staat aktiv dabei Mitwirtschaftet. Drogen sind deswegen so teuer weil einerseits der Konsum erschwert wird als auch weil es viele Zwischenhändler gibt. Wie man Jugendliche vor sich selbst oder skrupellosen Abnehmern beschützt, schwer zu sagen in einer Zeit wo über diverse neue Medien Werbung für Alkoholmarken gemacht werden. Manche zählen das ja auch zum Lebenstil. Wenn ein Jugendlicher sich entscheidet Reggae zu hören und sich Rasta machen lässt muss das nicht heißen das er auch Cannabis raucht. Aber man würde es zu seiner Subkultur zählen.
    Da kann sich der Jugendliche mit dem Staat identifizieren was er will, wenn er der Meinung ist das er irgendetwas konsumieren will, dann wird dieser es auch tun wenn der Wille groß genug ist.
    Da hilft auch der staatliche Rundfunk nicht.

    Zum Mittelalter: Bitte, nicht mehr irgendwelche obskuren Halbwahrheiten verbreiten! Die Bergquelle die in das Tal hinunterläuft wird über Jahrzentausende eine recht ähnliche Wasserqualität gehabt haben, genauso wie vermutlich jede andere Wasserstelle dieser Welt! Wieso zum Henker, soll im Mittelalter das Wasser so dermaßen schlecht gewesen sein?
    Weil die Vorstellung ist, das man ein paar Hundert Meter wo man das Wasser rausholt vorher noch reinscheißt?!
    Der Hauptgrund warum man Wein, Bier, Fruchtsäfte, Most, Met und was sonst noch alles getrunken hat, wird wohl daran liegen, weil der Mensch diese Sachen einfach gerne trinkt! Schließlich haben die Leute in der Antike ebenfalls Wein getrunken und das werden sie nicht nur deswegen gemacht haben, weil das Wasser giftig war!

    Entschuldigung, aber mich regt das etwas auf.

  8. Uli Schoppe,
    “Natürlich deckt die Meinungsfreiheit auch Unsinn ab, der der Faktenlage widerspricht. Den Unterschied zur Tatsachenbehauptung muss man natürlich gefunden haben.”

    du sprichst den Kernpunkt aus. Was ist die Faktenlage. ?!
    Darum dreht sich doch alles. Und die Faktenlage muss dann auch noch für die Juristen begrifflich gut abgrenzbar sein, denn nur dann können die einen Gesetzesvorschlag machen.

    Herr Schleim hat ja ein gutes Beispiel gebracht mit den verschiedenen Bezeichnungen für ein und die selbe Substanz. Einmal ist sie erlaubt, ein anderes Mal ist sie verboten. Je nach Bezeichnung.

    Der Politiker, der muss liefern, der muss Stellung beziehen können und zwar so, dass der Wähler es versteht und akzeptiert.

    Ein Ausweg wäre mehr Spielraum für die Gerichte, die nach Sinn und Zweck urteilen und nicht dem Wortlaut des Gesetzes nach.

    So, wieder Ende, der Kartoffelsalat muss noch verfeinert werden.

  9. @Doe: Der Jugendliche muss sich mit seinem Staat identifizieren können.

    Wenn wir hier “seinen Staat” mit “seiner Gemeinschaft” ersetzen, käme es mir nicht so falsch vor.

    Aber dass z.B. Mitgliedschaft in Sportvereinen durchaus eine präventive Wirkung hat, wird auch in der Suchtprävention eingesetzt.

    Natürlich passiert ein Teil des Rauschmittelkonsums dann gerade in der Gemeinschaft (z.B. mit Freunden Bier trinken). Aber in der Regel ist da auch eine gewisse gegenseitige Kontrolle, vielleicht sogar auch mit ein paar älteren und vernünftigeren Leuten, dass man das Schlimmste vermeiden kann.

    Und es geht meiner Meinung nach insbesondere darum, das Abgleiten in die soziale Isolation und immer größere Probleme zu verhindern, die dann eben mit Betäubungsmitteln zugedeckt werden – was die Probleme natürlich nicht löst.

  10. Berthold Forster,
    “weil der Mensch diese Sachen einfach gerne trinkt!”

    Die Leute mussten früher noch körperlich arbeiten. Wenn du einen Rausch hast, dann bereust du das.
    Und auch der Volksmund sagt:”Kartenspiel und Wein reißen große Häuser ein.”
    Merkst du was ?
    einmal guter Wein, einmal böser Wein.
    Einmal guter Kiff, einmal böser Kiff.
    Und deswegen diese Diskussion hier.

  11. “Wann kommt das totale Rauchverbot?”

    Hoffentlich nie? In den Niederlanden will die Regierung eine “rauchfreie Generation” heranziehen.

    Was ist das Ergebnis?

    Nach einem fallenden Trend seit 2015 hat das Rauchen von 2022 auf 2023 wieder leicht zugenommen.

    Dazu kommt das Vapen, das gerade bei Jugendlichen sehr populär ist.

    Beim Verdampfen entstehen vielleicht erst einmal weniger schädliche Stoffe als beim Verbrennen.

    Dafür kann es aber der Inhalt der Verdampfstoffe in sich haben. Erst kürzlich mussten einige auf die Intensivstation, weil importierte Vapes eine viel zu hohe Nikotinkonzentration hatten.

    Was hat man nun gewonnen?

    Und, ach ja, Lachgas soll ja jetzt in Deutschland verboten werden. Das hatten wir hier in den Niederlanden schon 2023. Da hatte der Konsum übrigens schon längst wieder abgenommen.

    Einige von ihnen scheinen nun auf härtere Rauschmittel wie 2MMC, 3MMC etc. umgestiegen zu sein.

    Was hat man nun gewonnen?

  12. “Wenn Cannabis zu unrecht verteufelt wird, dann sollte man als erstes Cannabis nicht mehr zu den Drogen zählen.”

    Zum Begriff der Droge wäre viel zu sagen (vgl. z.B. Kap. 4 in meinem Buch).

    Cannabis kann halt, wie viele andere psychoaktive Substanzen auch, als Genussmittel eingesetzt werden oder als Rauschmittel oder als Medikament.

    Die Dosis und die Art bzw. der Kontext des Konsums spielen eben oft eine Rolle.

  13. @Doe, Schoppe: zum Begriff der Droge, siehe den Link zu meinem Buch, den ich gerade geteilt habe. Das sollte in absehbarer Zeit auch auf deutsch erscheinen.

    Es wäre auch ein schönes Thema für einen eigenen Blogbeitrag bzw. eine Podcast-Folge.

  14. @Doe: “Wein getrunken anstelle von Wasser”

    Das stimmt, übrigens taten das auch schon Kinder. Meines Wissens wurde der Wein aber i.d.R. verdünnt, dürfte der Alkoholgehalt also niedriger gelegen haben.

    Nur wer arm war oder Asket trank damals Wasser – und wurde halt häufiger Krank.

  15. @Schoppe: Alkohol im Mittelalter

    Weil die Menschen damit jetzt öfter unter Strom standen, was mit Sicherheit das nicht einfache Leben im Mittelalter angenehmer machte…

    Ich weiß nicht – wenn mehr oder weniger die ganze Bevölkerung konstant einen Pegel von vielleicht 0,5 bis 1/1000 im Blut hatte, dann pendelt – fast möchte ich sagen: pegelt – sich das ein.

    Das Angebot war natürlich ganz anders. Ebenso der Wohlstand.

    Gegenüber seinem Herren bestand übrigens eine Trinkpflicht: Das heißt, man durfte den gefüllten Becher nicht ablehnen. Das führte dann zu den Trinkgelagen, für die die Germanen bekannt sind. (Noch heute ist das sogenannte binge-drinking im nördlichen Großbritannien beliebter.)

    Zur Kulturgeschichte des Alkohols sind nach wie vor die Bücher von Hasso Spode zu empfehlen, mit dem ich auch im freundlichen Austausch stand.

    Oder ein Blick in frühere Posts zum Thema Alkohol.

  16. “Praktisch verschwimmen die Grenzen bei Genussmitteln und bei Lebensmitteln”

    In bestimmten Kulturen war bis in unsere Zeit z.B. das Glas Rotwein zur Mahlzeit ein Teil der Mahlzeit und kein Genuss- oder gar Rauschmittel.

    Den Nährwert des Bieres findet man auf jeder Flasche. In der Fastenzeit, in der man keine harte Nahrung zu sich nehmen durfte, half er den Mönchen bei der schweren körperlichen Arbeit. Das war ein Grund dafür, warum Klöster oft ihre eigenen Brauereien hatten.

    Natürlich haben wir heute andere Möglichkeiten der Nahrungsversorgung als früher. (Komischerweise aber auch sehr viel mehr “Zivilisationskrankheiten”.) Aber da es zurzeit en vogue ist, immer nur die Risiken des Alkoholkonsums zu erwähnen, werden solche Gedanken kaum noch ernst genommen.

  17. @Forster: Kosten falscher Drogenpolitik

    Danke für die gute Zusammenfassung. Das hätte eine AI auch nicht besser hinbekommen. 😉

    In einem anderen Kontext – der Einstellung der finanziellen Förderung für einen bekannten Verein zur Suchtprävention in Höhe von gerade einmal 300.000 Euro im Jahr hier in den Niederlanden – suchte ich gerade nach den Kosten für einen Gefängnisplatz pro Jahr: der dürfte bei um die 100.000 Euro pro Kopf liegen, bei der Sicherungsverwahrung gut fünfmal so hoch.

    Mit anderen Worten: Wenn es diesem Verein gelingt, im Jahr gerade einmal drei Personen vor dem Gefängnis zu bewahren oder auch nur eine vor der Sicherungsverwahrung, dann ist das Geld schon zurückverdient; es ist ein Drama.

    Dazu kommen übrigens auch noch individuellen Kosten, d.h. was hätte die Person vielleicht an gesellschaftlichem Nutzen schaffen können? Wie sind die Folgen für Kinder, die dann einen Elternteil (i.d.R. den Vater) nicht oder kaum noch sehen? Und dann sind nach der Rückkehr aus dem Gefängnis die Integrationschancen wahrscheinlich geringer und das Risiko für “echte” Kriminalität höher.

    Ich würde viel lieber eine frohe Botschaft verbreiten. Aber wir müssen uns, denke ich, auf härtere Zeiten einstellen: Mehr Geld geht vom sozialen Bereich in Justiz und Verteidigung, während übrigens wegen der Alterspyramide immer mehr Menschen auf Hilfsleistungen angewiesen sein werden. Es sieht leider sehr düster aus.

  18. @Forster, all: vernünftige Drogenpolitik

    Ein paar Ratschläge in aller Kürze:

    * aufhören, Menschen anzulügen (Beispiel: “Einstiegsdroge”, seit den 1970ern widerlegt; maßlose Übertreibung von Risiken)

    * sicherer Zugang zu den weniger gefährlichen Mitteln (siehe z.B. die Grafik hier), die Menschen sowieso konsumieren

    * Präventionsarbeit mit ehrlicher Information über Risiken und Nutzen des Substanzkonsums

    * Präventionsarbeit mit gemeinschaftlichen Initiativen (z.B. Vereinen und anderen Gelegenheiten, die Vereinsamung und Verelendung der Leute vorbeugen)

    * und, wo es für Prävention zu spät ist, leicht zugängliche individuelle soziale und medizinische Suchtbehandlung, mit undogmatischen therapeutischen Angeboten und, wo nötig, einer Ersatztherapie (z.B. Methadon bei Opioid-Abhängigkeit); was man in wissenschaftlichen Kreisen als “harm reduction” bezeichnet.

    Die genaue Rechnung wäre natürlich komplex; aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Gesellschaft damit nicht nur menschlich, sondern auch finanziell sehr viel besser dran wäre, als wenn nun immer mehr Geld in Strafverfolgung und das Gefängniswesen geht.

  19. @ Berthold Forster 05.07.2025, 09:13 Uhr

    Zitat: „Zum Mittelalter: Bitte, nicht mehr irgendwelche obskuren Halbwahrheiten verbreiten! Die Bergquelle die in das Tal hinunterläuft wird über Jahrzentausende eine recht ähnliche Wasserqualität gehabt haben, genauso wie vermutlich jede andere Wasserstelle dieser Welt!“

    Das Problem ist, dass die wenigsten Menschen direkt an der Bergquelle leben und sich auch die „Wasserkultur“ in den letzten 2000 Jahren recht verändert hat.

    Die Moslems, die in besonders heißen und Wasser armen Gebieten leben müssen, haben eine ganz besonders hochwertige Kultur und Ökonomie im Umgang mit Wasser entwickelt.

    Zitat: „Wieso zum Henker, soll im Mittelalter das Wasser so dermaßen schlecht gewesen sein?
    Weil die Vorstellung ist, das man ein paar Hundert Meter wo man das Wasser rausholt vorher noch reinscheißt?!“

    Sie haben es fast erraten! Früher gab es weder saubere Wasserleitungen noch Abwasserkanäle. Das Problem war die Trennung von sauberem Wasser und Abwasser (Fäkalien) und die extrem zunehmenden Bevölkerungszahlen.

    Früher war es so, dass z.B aus der Donau Trinkwasser entnommen wurde, obwohl, sagen wir 100km oberhalb, Fäkalien eingeleitet wurden. Allerdings gibt es eine „Selbstreinigungskraft“ der Flüsse.

    In Großstädten wurden Kübel mit Fäkalien an den Straßenrand gestellt und Bauern holten sie ab um die Felder damit zu düngen…

    Es ist doch offensichtlich, wie sich diese „Methoden“ auf das Grundwasser, die Brunnen und die Gesundheit ausgewirkt haben…. Leicht alkoholische Getränke waren offensichtlich bei uns die optimale Lösung für das Problem.

    Die Römer hatten bereits Wasser/Abwasserleitungen errichtet, im Mittelalter ist diese Kultur in Vergessenheit geraten und um 1750 begann man wieder mit dem Bau derartiger „Kulturbauten“ in Europa.

    Ich habe es als Kind (ca. 1950) am Land noch selbst gesehen, dass „Scheiße“ im Rinnsal neben der Straße getrieben ist und einige Meter daneben ein Hausbrunnen war.

    In manchen Ländern ist es noch immer nicht angeraten, Wasser aus der Trinkwasserleitung zu trinken.

    Kein Wunder, dass sich so mancher sogar die Zähne lieber mit Whisky putzt….

  20. @Realo, Forster: Alkohol statt Bergquelle

    Die Bergquelle…

    …mag als saubere Ausnahme existiert haben aber sicher nicht zur Versorgung der Massen.

    Sie scheinen zudem zu vergessen, dass man damals noch nichts von Bakterien und anderen Krankheitserregern wusste, deren Existenz allenfalls vermutete.

    Es gab also keinen sicheren Weg, sauberes und kontaminiertes Wasser voneinander zu unterscheiden.

  21. @Stefan Schleim danke für den Link 🙂

    Die Frage nach der verwendeten Definition von Droge hatte bei mir den Zweck einfach mal auf den Tisch zu bekommen woraus die verwendete Begrifflichkeit meines Gegenübers gemacht ist 🙂
    Ich persönlich würde das Wört ganz aus der Diskussion entfernen weil es im umgangssprachlichen Gebrauch einfach negativ besetzt ist. Gemeint ist dann nämlich im Regelfall eine Substanz, die man gesellschaftlich und gesetzlich als illegal markiert und definiert hat.
    Um eine vernünftige Diskussion führen zu können wäre es in meinen Augen sinnvoll das Wort zumindest im Sinne der WHO ( eine Substanz die im Organismus Funktionen verändern kann und kein Nahrungsmittel ist).
    In diesem Zusammenhang hier wäre es in meinen Augen sinnvoll (wenn man das Wort eben unbedingt weiter verwenden will ^^ ), damit Substanzen zu bezeichnen, diie den Menschen als Persönlichkeit verändert wenn er sie konsumiert. So benutzen Kinder eigentlich das Wort nach meiner Erfahrung.
    Und das ist ganz schön weise.
    Bei Erwachsenen geht es da meist nur um gesellschaftliche Definition und Ideologie.

  22. @Stephan Schleim
    05.07.2025, 11:01 Uhr

    Ich weiß nicht – wenn mehr oder weniger die ganze Bevölkerung konstant einen Pegel von vielleicht 0,5 bis 1/1000 im Blut hatte, dann pendelt – fast möchte ich sagen: pegelt – sich das ein.

    Das ist natürlich vollkommen richtig. Mea culpa, ich gebe zu das ich immer, wenn es um den Konsum von Alkohol im Mittelalter geht, etwas aus dem Takt gerate und dann ebenfalls etwas Plakatives in das Gespräch werfe. Ja das ist natürlich destruktiv aber das überschreitet dann bei mir irgendwie eine Grenze.
    Ähnlich geht es mir wenn das Thema “Whisky” oder ähnliches aufkommt bei dem dann erst mal “da geht es ja nur um Genuß” auf den Tisch kommt. Tut es auch, nur ist mit der Aussage gemeint, das man natürlich niemals nicht die psychische Wirkung des Alkohols mitnehmen würde. Die dann vieleicht auch noch Teil des Genusses ist. Das ist doch für die Alki´s 😉

    Ich komme irgenwie gar nicht damit klar, dass sich so viel Widerstand regt, wenn man die Ziele so wie Du sie in

    Stephan Schleim
    05.07.2025, 11:29 Uhr
    @Forster, all: vernünftige Drogenpolitik

    formuliert hast benennt.
    Ich hatte gestern Morgen wieder eine absolut sinnlose Diskussion über Lachgas mit Menschen, die das als selbst Abhängigkeitserkrankte normalerweise deutlich besser wissen sollten, die war so obskur, da kann ich mich irgendwann nur noch ausklinken weil die ideologische Verbohrtheit dann bei mir (un-)lustigerweise tatsächlich mal Suchtdruck erzeugt 😉 Was irgendwie interessant ist, da das natürlich meine eigentlichen Probleme anleuchtet.
    Ich bedanke mich an der Stelle mal ausdrücklich dafür das Du da immer wieder Energie aufbringst!

  23. Uli Schoppe,
    “damit Substanzen zu bezeichnen, diie den Menschen als Persönlichkeit verändert wenn er sie konsumiert. ”

    Diese Beschreibung gefällt mir. Ja, besonders wenn sie die Persönlichkeit verändert im positiven Sinn.
    Die Kulturdrogen verändern die Menschen, sie verschaffen in Maßen genossen Wohlbefinden.
    Und wenn man Genussmittel in Maßen genießt, dann sind sie eine Lebenshilfe.

    Nur mal als Anregung. Trink mal einen Monat lang kein Cola.
    Und dann nur mal ein Schnapsglas voll .
    Welch eine Wirkung, Cola ist ein Zaubermittel, wenn man es in sehr geringen Mengen genießt.

    Das trifft vielleicht auch für Cannabis zu. Leute, Cannabis selten und in sehr geringer Dosis . Ich persönlich habe es mit dem Duft von Rosen. Die verändern auch die Persönlichkeit zum Positiven hin.

  24. @Schoppe: “Droge”

    Ich würde auch lieber von “psychoaktiven Substanzen” sprechen – aber was ist dann eigentlich mit Zucker?

    Im ersten Teil hatte ich übrigens gerade das geschrieben:

    Aus biochemischer Sicht ist diese Grenzziehung aber willkürlich. Als “Droge” könnte man hier am ehesten diejenigen Substanzen auffassen, die durch die Blut-Gehirn-Schranke gelangen, die Aktivität der Hirn-Botenstoffe verändern und so zu bestimmten Veränderungen im Erleben und Verhalten der Konsumierenden führen.

    In der gesellschaftlichen Praxis sieht man es pragmatisch: Für die Medizin sind diejenigen psychoaktiven Substanzen Drogen, die die Menschen ohne Rezept beziehungsweise nicht über die etablierten pharmakologischen Wege beziehen. Und für Juristen und die Behörden ist die Aufnahme der Substanzen auf eine Drogenliste, in Deutschland im Wesentlichen die Anlage zum Betäubungsmittelgesetz (BtMG), entscheidend.

    Es lebe das Kurzzeitgedächtnis!

    Im Englischen ist interessant, dass es dort Anfang des 20. Jh., zumindest in den USA, eine PR-Kampagne von Apothekern gab, “drug” den von ihnen verkauften “Medikamenten” vorzubehalten, und den Rest “dope” oder “narcotic” zu nennen. Damit konnten sie sich aber nicht durchsetzen, weswegen im englischen “drug” nach wie vor legale und illegale Substanzen bzw. Medikamente und Drogen im deutschen Sinne vereint sind.

    Entweder habe ich das schon in Kap. 4 meines 2023er Buchs geschrieben oder habe ich das erst für einen späteren Vortrag herausgefunden.

  25. @Doe
    06.07.2025, 08:28 Uhr

    Diese Beschreibung gefällt mir. Ja, besonders wenn sie die Persönlichkeit verändert im positiven Sinn.

    Danke 🙂 Aber Du solltest Dich da mal von von Deinen subjektiven Urteilen lösen. Was ist denn eine “Veränderung im positiven Sinn”? Für den Konsumenten verändert sich doch erst mal sein emotionaler Status immer in eine positive Richtung.

    Die Kulturdrogen verändern die Menschen, sie verschaffen in Maßen genossen Wohlbefinden.

    Hach da isses wieder! 😉
    Schau mal was so alles “Kulturdrogen” sind:
    Amazonas DMT
    Jemen Cathin
    Nord- / Mittelamerika Meskalin
    Mittel / Südamerika Psilocybin
    Anden Kokain
    Indien / Jamaica TATAA! 🙂 Cannabis
    Alles Substanzen, die bei uns illegal sind. Da es sich um Kulturdrogen handelt müsstest Du doch jetzt den Konsum “in Maßen” (was für eine schwammige Konstruktion) befürworten wenn Du fair bleiben willst oder?
    Oder bist Du der Meinung das sei ja nicht “unsere” Kultur und deshalb sei das was änderes? Das fände ich konsequent zu Ende gedacht ein kleines bisschen rassistisch.
    Wobei wir dann schon wieder bei dem Punkt wären, das das Verbot von Cannabis und Opiaten im Grunde TATSÄCHLICH rassistische Wurzeln hat. Cannabis, das ist für und von den komischen Schwarzen und Opium, das sind die komischen Gelben, die gefälligst unsere Eisenbahn bauen sollten damals anstatt unproduktiv im Rausch zu versinken 😉 (Wer Zynismus oder Ironie findet darf beides behalten!).

    Und wenn man Genussmittel in Maßen genießt, dann sind sie eine Lebenshilfe.

    Womit wir bei “in Maßen” wären. WAS heißt das? Schon geringe Mengen Alkohol sind zum Beispiel gesundheitsschädlich.
    Für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse reicht schon einmal ein höherer Konsum. Kommt in der Regel nicht so, ist aber dann ausgesprochen, nunja, unangenehm. Mich hat eine in der ersten Nacht fast umgebracht. Das war jetzt wirklich kein Spaß mehr. Hat aber meinen Konsum nicht abgestellt. Soviel am Rande zu der in meinen Augen blödsinnigen Aussage es müsste den Abhängigen nur schlecht genug gehen, dann wird das schon, dann geht ja nur aufwärts. Pustekuchen ^^
    “in Maßen” ist eh so ein Begriff, der schlicht und ergreifend individuell und kulturell geprägt ist. Den kann man sehr schwer mit konkret handhabbarem ausfüllen.
    Den Mythos der “positiven körperlichen Effekte” hat die Medizin auch schon länger zu Grabe getragen. Der ist durch.

    Ich kann Dir versichern, das so ein Alkohol Blackout zum Beispiel negative Gedankenspiralen nach unten bis nichts mehr geht und die Suizidgefährdung extrem hoch ist effektiv durchbricht. Generell unterbricht er sie. Das muss gar nicht zu Suizidgedanken kommen.
    EIn in meinen Augen ausgesprchen positiver Effekt, sonst könnte ich Dir nicht schreiben. Das ich das kann finde ich jetzt aber ziemlich gut 🙂
    Obwohl ich nun auch ganz weit davon weg bin daraus eine Therapieempfehlung machen zu wollen kann ich Dir trotzdem einen Tipp geben: Das Problem ist nicht der Konsum. Egal ob Alkohol oder was anderes.
    Die Opioidkrise kommt woher? Alles charakterschwache Individuen? (hier gerne weitere blödsinnige Theorien einfügen ^^)
    Die Konsumerschwernisse beheben am Problem genau wieviel? (Guter Tipp: Nichts …)
    Anstatt sich schon jetzt damit zu befassen wird sich darin gesonnt das die Opioidkrise Deutschland noch nicht ernsthaft erwischt hat (obwohl ich Mediziner kenne, die jetzt fragen würden “Wirklich jetzt? Noch nicht erwischt?”)

  26. @Schoppe: “Genuss”

    Genuss ist, denke ich, Teil der “psychischen Wirkung”; dazu kommt der Rausch, der im Idealfall den Genuss vertieft, bei manchen aber Traurigkeit vertrieft und bei wieder anderen aggressives Verhalten aggregiert?

    Dazu noch die Anekdote, dass in dem verlinkten BVerfG-Entschluss zu Cannabis aus dem Jahr 1994 eine Grenze zum Alkohol gezogen wird, weil man Letzteren ja nicht zur Berauschung trinke. Schon klar, *Zwinkersmiley*.

    … dass sich so viel Widerstand regt …

    Tja – viele Leute weisen andere gerne auf Ihre Fehler hin, doch werden wütend, wenn man das bei ihnen macht. Wie war das mit dem Splitter im Auge des anderen und dem Balken vor dem eigenen?

    Und es gibt eben auch viele Leute, deren Meinungen festgefahren sind und die sie nicht mehr ändern wollen.

    Das gehört zum Leben dazu. Aber wenn diese z.B. in politische Entscheidungsfunktionen kommen, dann kann’s arg werden.

    Ich hatte gestern Morgen wieder eine absolut sinnlose Diskussion über Lachgas mit Menschen …

    Vielleicht wäre sie weniger sinnlos gewesen, wenn sie nicht nur über, sondern auch mit Lachgas geführt worden wäre?

    Ich habe’s nie genommen. Aber es sei daran erinnert, dass das im 19. Jh. für Intellektuelle eine beliebte Inspirationsquelle war.

    Und noch zu Genuss und Rausch: Ich habe kürzlich für eine Freundin, eine Französischlehrerin, eine Champagnerflasche geöffnet. Weil sie gesundheitsbedingt wenig trinkt, musste ich davon ca. 0,5 Liter selbst genießen – 48g Alkohol, mehr, als ich eigentlich trinke. Im Rausch tat ich dann ca. zwei Stunden lang so, als könnte ich französisch sprechen. Es wurde ein Abend mit vielen Lachern. Welch Genuss!

  27. Cannabis selten und in sehr geringer Dosis.

    Für den größeren Genuss wäre das vielleicht besser, ja.

    Aber es sei auch an die medizinischen Konsumierenden erinnert: Die nehmen es wahrscheinlich täglich.

  28. Kulturdroge: Indien … Cannabis

    Dazu möchte ich aber ergänzen, dass der kulturelle Konsum hier meines Wissens ausschließlich religiös eingebettet erfolgt: Wenn man nicht gerade Shiva persönlich ist und auf dem Berg Kailash einen dicken Joint raucht, konsumiert man Cannabis nur an bestimmten religiösen Feiertagen in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen, vielleicht sogar als Gabe im Tempel.

    Es könnte die Gemüter erheitern und den Eindruck vermitteln, eine Stufe näher bei den Göttern zu sein.

  29. Uli Schoppe,
    “Für den Konsumenten verändert sich doch erst mal sein emotionaler Status immer in eine positive Richtung.”

    Genau das meine ich. Und deshalb soll man aufhören, wenn es am besten schmeckt. (Alte Volksweisheit)

    Was jetzt das Wort Kulturdroge betrifft, ich meine damit Bier, Wein, Zigaretten und
    seit Neuestem auch Cannabis.

    Und mit Maßen meine ich, das was die meisten damit meinen, bei Bier ist es klar, wenn dein Führerschein in Gefahr ist, beim Wein und Sekt und bei einem “Kurzen” ebenso.
    Dass Alkohol in jeder Menge gefährlich sei, wo hast du denn die Weisheit her ?
    Dann darfst du auch kein überreifes Obst mehr essen.
    Und willst du dann den Frauen die Schnapspraline verbieten. Das scheint mir einfach daneben.

    Es geht doch beim Thema Drogen um den Missbrauch. Und der ist gegeben durch die Menge. So einfach ist das.
    Als Beispiel. Du hast Verdaungsstörungen und bist zu einer Feier eingeladen.
    Es gibt fette Ente mit Knödel.
    Dann trinke ich einen Aperitif z.B. Sekt etwa 6 Milliliter, Alkoholgewicht 4,8 Gramm. Das reicht, du bekommst Appetit, dir läuft das Wasser im Munde zusammen und die Verdauung funktioniert.

    Wenn schöne Frauen anwesend sind , brauchst du auch keine Aufputschmittel mehr.
    So einfach ist das.
    Was jetzt die harten Drogen betrifft, einfach die Finger davon lassen. OK.
    wer schon betroffen ist, mir fehlen da die Erfahrungen.
    Wir sind ja dem Thema nach noch bei Cannabis.

  30. Nachtrag für Uli Schoppe,
    es muss heißen 60 ml Sekt. Der Fehlerteufel war besoffen.

  31. Ich muss mal kurz am Leben teilnehmen 🙂
    Aber mal was zu “unbedenklichen” Mengen Alkohol (mal davon ab das ich die Verniedlichung / Abwertung mit “diese Weisheit her” jetzt irgendwie ungehörig finde 😉 ):
    Die DEG sieht das so:
    https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/alkohol/

    Wenn Du die WHO fragst kommt das Gleiche:
    https://www.who.int/europe/de/news/item/28-12-2022-no-level-of-alcohol-consumption-is-safe-for-our-health

    Du findest die Einschätzung “risikoarm”, die Einschätzung “unbedenklich” oder “unschädlich” ist wissenschaftlich einfach nicht haltbar.

    Ich nehme mal die DEG:
    Die DGE bezeichnet weniger als 27 Gramm reinen Alkohol pro Woche (etwa ein bis zwei kleine Gläser Wein oder ein bis zwei kleine Flaschen Bier) für gesunde Erwachsene als risikoarm.

    Pro WOCHE und RISIKOARM. Fällt Dir was auf? 🙂

    Kommen wir kurz noch zum Mißbrauch (ich sehe das Umbiegen auf Mißbrauch übrigens als einen Versuch zur Verharmlosung an. Ohne böse Absicht zu unterstellen):
    Fakt ist: Alkoholmissbrauch wird in der Medizin nicht einfach nur über eine bestimmte Trinkmenge definiert. So wird das gerne kolportiert (und ich kann Dir versichern: Eigentlich schon Abhängigkeitserkrankte Machen genau DAS: Sie ZÄHLEN Bierchen ^^ Und führen TRINKPAUSEN als Argument an warum eigentlich noch gar keine Abhängigkeitserkrankung vorliegt).
    Kriterien sind Kontrollverlust (ich kann Dir versichern: Nach dem sechsten Bier erst mal eine Pause einlegen können, meinetwegen auch bis Morgen ist KEINE Kontrolle über den Konsum. Das schiebt Mensch nur vor), Vernachlässigung von Pflichten (Dafür finden sich schnell ganz herrliche Rationalisierungen. Kannst Du mir ruhig glauben ^^ ich habe genug davon auf Lager), riskantes Verhalten unter Alkoholeinfluss (Und das ist nicht nur unter Alkoholeinfluss Auto fahren. Da kann ich Dir eine Palette von Aktionen bieten. Trotz Höhenangst auf einer Baustelle über eine Mauer balancieren auf die erst Montag die Betondecke kommt ist eine der lustigeren Nummern … Wenn es ohne Unfall abgeht … Und das zieht sich in alle Lebensbereiche) oder dem Fortsetzen des Konsums trotz negativer Folgen (Du glaubst gar nicht wie ungerecht die Umwelt zu einem Abhängigkeitserkrankten sein kann. Das lässt sich schön externalisieren. Beim Arbeitsunfall hat man eben einfach nur mal Pech gehabt. Führerschein weg? Die blöden Wegelagerer. Man kann schliesslich noch fahren, man kennt sich doch ^^ Und der Arbeitgeber der einen gerade vor die Tür gesetzt hat war eh immer schon ein &%$§”§!!!! ).

    Ich bin echt kein schlechtgelaunter miesepetriger Alkoholiker der anderen nicht gönnt was er selber nicht mehr haben kann. Dann könnte ich nicht mehr in den Spiegel schauen.

    Aber ich bin schon dafür da einfach mal ehrlich zu reden. Was Herr Schleim ja weiter oben auch als Punkt angeführt hat was eine vernünftige Drogenpolitik angeht.

  32. Uli Schoppe,
    Als junger Mann hatte ich schon einen Alkoholabhängigen kennengelernt.
    Der war korrekt gekleidet, sah gut aus, sprach vornehm und niemand hätte geglaubt, dass der schon einen Alkoholentzug hinter sich hatte.
    Bis ich ihn an einem Nachmittag schon taumelnd auf der Straße begegnete. Und der war auf Brautschau !

    Also, früher war betrunken sein noch alltäglicher. Den Vertretern wurden beim Hausbesuch ein Schnaps angeboten. Und der durfte nicht ablehnen.
    Heutzutage wird Betrunkensein in der Öffentlichkeit geächtet.
    Helfen tut ihm das nicht, da ist die Öffentlichkeit gnadenlos.

    Was das alles heißen soll, wer schon abhängig ist, für den sind meine Vorschläge zur Beschränkung bei alkoholischen Getränken zu spät.
    Ich finde es gut, dass du so offen über die Probleme sprichst. Niemand ist vor Schicksalschlägen gefeit und was danach kommt,…….
    Ein Verwandter, ein Mann wie ein Bär , ……….ein tragisches Ende.

  33. @Schoppe: Alkohol & Risiko

    Die Aussage, “kein Alkoholkonsum ist ohne Risiko”, ist ziemlich sinnleer; auch “keine Autofahrt ist ohne Risiko”, nicht mal das Wechseln einer Glühbirne zuhause, vor allem wenn man dafür eine Leiter braucht.

    Es gab jetzt eine andere große Studie, die die Daten anders ausgewertet hat als frühere Studien (übrigens alle auf Grundlage schlechter Daten, weil fehleranfällige Selbstauskünfte), und so von der J-Kurve auf einen linearen Anstieg kommt, die WHO posaunt das in einer Pressemitteilung heraus – und auf der ganzen Welt ändern die Redaktionen und Suchtberatungsstellen ihre Meinung. Achtung: neue Medienaufmerksamkeit, neue Fördermittel winken! Ist das jetzt gute Wissenschaft oder gute PR?

    Übrigens hat gerade die amerikanische FDA die Kriterien mit < 40g/Tag Alkohol für Männer bzw. < 20g/Tag für Frauen = niedriges Risiko bestätigt, worüber ich bei anderer Gelegenheit noch einmal schreiben werde.

    P.S. Und Achtung, online surfen ist nicht ohne Risiken, man könnte ja von der Tastatur abrutschen und sich den Finger verstauchen – oder vom Stuhl fallen!

  34. @Stephan Schleim
    06.07.2025, 14:32 Uhr

    Konsummenge und Risiko

    Ich glaube ich war da an der Stelle schwer verständlich. Ich habe das auch nicht so richtig auf den Punkt gebracht.
    Ich finde das jetzt tatsächlich nicht sinnleer. Der Punkt ist ja gerade eben das auf den Stuhl klettern um die Birne zu wechseln relativ riskant ist, auf die Leiter klettern immer noch wenn vieleicht auch weniger. Ich möchte aber trotzdem vieleicht nicht im Dunklen sitzen auch wenn es geht (das im Dunklen sitzen).
    OK, ein etwas schräger Versuch im Bild zu bleiben vieleicht.
    Meins ist gerade, das sich mit solchen Mengenangaben an der viele Menschen dann ihren Konsum orientieren gerade nicht viel anfangen lässt.
    Wird ja gerne genommen, dass man über die Jahre hinweg mal aufschreiben soll wie denn die Konsummenge ausgesehen hat. Toll wenn dabei eine Kurve mit Dosissteigerung heraus kommt.
    Habe ich nicht hin bekommen (ich habe mir für die Jahre Karteikarten gemacht, mir die Jahre dann genommen wie ich mich am Besten erinnern konnte und das war nicht chronologisch sortiert …).
    DIe Kurve die dabei heraus kam war schon ziemlich erratisch. Dann habe ich mal eingeordnet wann mein Konsum in abhängiges Verhalten gerutscht ist. Das war dann nicht mal eine Zeit mit hohem Konsum.
    Mein Fazit dazu wäre, und jetzt muss ich das was ich gerade am Anfang geschrieben habe dann vieleicht doch korrigieren: Weder das Einordnen als risikoarm noch das Einordnen als gefährlich sind so richtig hilfreich. Darum gibt es keinen risikoarmen Konsum (so ist das Leben nun mal). Aber die andere Einordnung (“riskant”) ist beim Thema Abhängigkeit auch nicht so richtig hilfreich.
    Das ist natürlich anekdotisch ist mir klar.

  35. “keine Autofahrt ist ohne Risiko”, nicht mal das Wechseln einer Glühbirne zuhause, vor allem wenn man dafür eine Leiter braucht.

    Im Haushalt verunglücken etwa 5mal soviele Menschen als im Straßenverkehr. Q.:ht*tps://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/sterbefaelle-unfaelle.html
    Wenn ich die Leute von der Müllabfuhr sehe, dann haben die häufig eine Zigarette in der Hand. Ob die den Job noch machen würden, wenn sie keine Möglichkeit mehr hätten sich zu betäuben oder aufzuputschen? Wozu will ich länger leben, wenn ich mir alle Dinge verkneife, die Spass machen, um länger zu arbeiten?

  36. Naja, es könnte ja sein, das Dir der Rest deines Lebens auch Spaß macht …

    Ich finde das schwierig zu beurteilen ob andere Menschen mit ihrem Leben oder ihrer Arbeit zufrieden sind. Weil das halt nicht mein Erleben ist, sondern das Anderer. Wird immer erst klar, wenn sich jemand äußert.

  37. @Schoppe: Risiken

    Darum gibt es keinen risikoarmen Konsum (so ist das Leben nun mal).

    Was sind überhaupt “Risiken”? Die Gewissheit ist, dass wir alle irgendwann sterben. Wann genau, weiß in der Regel keiner. Und selbst wenn einem der Arzt irgendwann eine Zahl nennt, muss die nicht stimmen.

    Was wir aber wissen: Es gibt einen Zusammenhang mit der Dosis. Was wir aber ehrlicherweise dazu sagen müssten: Aus solchen epidemiologischen Studien lassen sich gerade keine Schlüsse auf das individuelle Leben ziehen, sondern eben nur auf den Bevölkerungsdurchschnitt.

    Und was wir auch wissen: Der Blick auf eine Substanz oder eine Lebensgewohnheit ist viel zu reduziert. Vielleicht trinkt jemand ein paar Bierchen mehr, isst dafür aber ein paar verkohlte Steaks vom Grill weniger als andere? Oder macht mehr Sport? Und vielleicht lernt einer auf einer geselligen Karnevalsparty mit viel Alkohol die große Liebe kennen und lebt glücklich viel länger zusammen, als wenn er depressiv und einsam zuhause dahinvegetiert wäre.

    Wie jetzt Alkohol (oder jedes beliebige andere Mittel) einseitig stigmatisiert wird, das halte ich weder für journalistisch noch für wissenschaftlich; und zu dieser Einseitigkeit tragen leider viele Journalisten und Wissenschaftler bei.

  38. @Uwe: Unglücke & Spaß

    Im Haushalt verunglücken etwa 5mal soviele Menschen …

    Oh ja: Verbieten wir Haushalte!

    Wozu will ich länger leben, wenn ich mir alle Dinge verkneife, die Spass machen, um länger zu arbeiten?

    Genau das. Diese freudlose, protestantische Arbeitsethik hatten wir schon viel zu lange. Jetzt kommt sie im neuen Gewand der Gesundheitswissenschaften.

    Ich sehe, wir verstehen uns.

  39. @Schoppe, Uwe: Freiheit

    Ich finde das schwierig zu beurteilen ob andere Menschen mit ihrem Leben oder ihrer Arbeit zufrieden sind. Weil das halt nicht mein Erleben ist, sondern das Anderer.

    Ja – und genau deshalb muss sich der Staat hier zurückhalten, zumal mit dem stärksten Mittel, dem strafrechtlichen Verbot.

  40. @Stephan Schleim
    07.07.2025, 11:26 Uhr

    @Schoppe: Risiken

    Darum gibt es keinen risikoarmen Konsum (so ist das Leben nun mal).

    Was sind überhaupt “Risiken”? Die Gewissheit ist, dass wir alle irgendwann sterben. Wann genau, weiß in der Regel keiner. Und selbst wenn einem der Arzt irgendwann eine Zahl nennt, muss die nicht stimmen.

    Darf ich sagen das wir eigentlich grundsätzlich einer Meinung sind? 🙂
    So ist das Leben nun mal meinte ich durchaus ernst. So zu tun als gäbe es risikofreien Konsum ist falsch, aber darum muss man nicht gleich die Nerven verlieren. Kennst Du bei der Unstatistik des Monats diesen Artikel?

    Ich finde den sehr erhellend was so das Hantieren mit Risiken angeht. Natürlich ist er kein Argument gegen Prävention, nur für das was wir manchmal mit der Angabe von Risiken so zaubern finde ich den ganz interessant:
    https://www.rwi-essen.de/presse/wissenschaftskommunikation/unstatistik/detail/lungenkrebs-screening-rettet-leben-1

    In dem Zusammenhang hier ist der hier auch ganz interessant finde ich:
    https://www.rwi-essen.de/presse/wissenschaftskommunikation/unstatistik/detail/allein-die-dosis-macht-das-gift-warum-schadstofffunde-oft-ungefaehrlich-sind

    Was wir aber wissen: Es gibt einen Zusammenhang mit der Dosis. Was wir aber ehrlicherweise dazu sagen müssten: Aus solchen epidemiologischen Studien lassen sich gerade keine Schlüsse auf das individuelle Leben ziehen, sondern eben nur auf den Bevölkerungsdurchschnitt.

    Und mit der Expositionshäufigkeit und Dauer. Konservativer Korrosionschutz: Das lösen wir im Arbeits- und Brandschutz in der Regel ganz prakmatisch nur bei der “Drogenpolitik” bekommen wir das nicht hin …
    Was mache ich denn jetzt: Muß wirklich der schwere Atemschutz von der Feuerwehr her oder reicht “Sorge für Lüftung beim Arbeiten damit!” (In der Regel reicht gute Lüftung. Und das bekommt jeder hin ^^)

    Und was wir auch wissen: Der Blick auf eine Substanz oder eine Lebensgewohnheit ist viel zu reduziert. Vielleicht trinkt jemand ein paar Bierchen mehr, isst dafür aber ein paar verkohlte Steaks vom Grill weniger als andere? Oder macht mehr Sport? Und vielleicht lernt einer auf einer geselligen Karnevalsparty mit viel Alkohol die große Liebe kennen und lebt glücklich viel länger zusammen, als wenn er depressiv und einsam zuhause dahinvegetiert wäre.

    Oder was machst Du mit alten Leuten? Nein das Argument gegen Abstinenz auf Teufel komm raus ist da nicht “Die sterben eh bald”, das ist irgendwie menschenverachtend.
    Das Argument wäre: “Willst Du dem Menschen wirklich den Rest seines Lebens mit sowas noch sauer machen?” Solange der nicht darunter leidet ist doch alles im Lot…

    Wie jetzt Alkohol (oder jedes beliebige andere Mittel) einseitig stigmatisiert wird, das halte ich weder für journalistisch noch für wissenschaftlich; und zu dieser Einseitigkeit tragen leider viele Journalisten und Wissenschaftler bei.

    Aber natürlich, da hast Du Recht. Da werden ideologische Grabenkämpfe auf dem Rücken von Menschen ausgetragen.

  41. @Stephan Schleim
    07.07.2025, 11:29 Uhr

    @Schoppe, Uwe: Freiheit

    Ich finde das schwierig zu beurteilen ob andere Menschen mit ihrem Leben oder ihrer Arbeit zufrieden sind. Weil das halt nicht mein Erleben ist, sondern das Anderer.

    Ja – und genau deshalb muss sich der Staat hier zurückhalten, zumal mit dem stärksten Mittel, dem strafrechtlichen Verbot.

    Kein Widerspruch.
    Ich frage mich was ich falsch mache. Irgendwie halten mich alle für einen Verbotshansel.

    Vieleicht weil man heutzutage schon fast automatisch davon ausgehen kann das, wenn jemand sagt “Das ist mir etwas zu einfach” der eigentlich mit unnützen STOP Schildern wedeln will?
    Also seinen Paternalismus mit einer Scheinargumentation austoben will?

  42. @Schoppe: (Un-) Statistiken

    Darf ich sagen das wir eigentlich grundsätzlich einer Meinung sind?

    Ja, das ist doch schön.

    Und zu den Unstatistiken: Die erste ist ja von Gigerenzer, der solche Fehler sicher schon seit 20 Jahren entlarvt, wenn nicht sogar noch länger.

    Laut anderen Untersuchungen ist die “fünf Jahre nach der Diagnose Überlebensrate” schlicht darum höher, weil man heute mehr scant als früher, dabei Tumore früher und damit in einem weniger schlimmen Stadium diagnostiziert. Selbst wenn man dann nicht behandelt, ist es trivial, dass bei einer Diagnose im früheren Stadium nach t Jahren noch mehr Patienten am Leben sind als nach einer Diagnose im späteren Stadium.

    Aber wenn man Scans bzw. solche Apparate verkaufen will, hört sich das natürlich gut an.

  43. Dennoch passiert es häufig, dass Menschen nach dem Cannabiskonsum im Krankenhaus vorstellig werden. In den USA allein waren es im Jahr 2013 fast 30 000, wobei unter allen Drogen nur Kokain häufiger im Zusammenhang mit dem Krankenhausbesuch genannt wurde (2). Wenn es also so unwahrscheinlich ist, am Cannabiskonsum zu versterben, dann stellt sich die Frage:

    Warum endet der Cannabiskonsum so oft im Krankenhaus?

    Q.: Nachbarblog ht*tps://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/anti-cannabis-gibt-es-bald-eine-rausch-stop-pille/
    30 000a⎺¹:365da⎺¹=82d⎺¹ bei 340 10⁶ Einw. Mir erscheint das wenig. Es würde mich nicht überraschen wenn es beim alkoholbedingten Krankenhausbesuch ein mehrfaches wäre.

Schreibe einen Kommentar