Warum die Wissenschaft nicht frei ist

Risiken blinden Vertrauens: das Gutachtenssystem

Im ersten Teil der Serie haben gesehen, wie die Karriere von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch materielle Bedingungen bestimmt wird. Insbesondere die Lehre – an sich eine noble Aufgabe – ist eine Armutsfalle für die Spitzenforschung. Das Gutachtenssystem, in dem Peer Reviewer die Arbeit anderer Forscherinnen und Forscher kontrollieren, ist von der Idee her zwar richtig, krankt in der Praxis aber an Gewinnabsichten der Verlage und Interessenkonflikten der Wettbewerbsteilnehmer.

Ein Hauptproblem war, dass Entscheidungen über Publikationen eine große Bedeutung für die Laufbahn haben, die Entscheider aber nicht zur Verantwortung gezogen werden können: Sie arbeiten häufig nach unbekannten Regeln, beeinflusst von finanziellen Interessen und im Geheimen. Eine unabhängige Kontrolle findet nicht statt. Die Qualität der Wissenschaft steht und fällt damit, ob das (häufig blinde) Vertrauen in die Menschen gerechtfertigt ist.

Missbrauch möglich

Natürlich behaupte ich nicht, dass dieses Vertrauen immer missbraucht wird. Meine Kritik soll aber verdeutlichen, dass ein systematischer Missbrauch möglich ist und alles davon abhängt, wie sorgfältig und sauber die Gutachterinnen und Gutachter, genannt Peer Reviewer, sowie die Redaktionen arbeiten. Letztere sind meistens Angestellte gewinnorientierter Unternehmen, die um Geld, Aufmerksamkeit und Impact konkurrieren. Die Redakteurinnen und Redakteure, kurz: Editors, können allein schon durch die Auswahl der Reviewer den Publikationsprozess in eine bestimmte Richtung lenken.

Wir kennen das doch aus der Politik: Will eine Regierung ein Gutachten, das Atomenergie als sicher darstellt, dann kennt sie dafür die passende Adresse; oder ein Gutachten, das Schutzlücken im Sexualstrafrecht findet, dann auch. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass die Identität der Gutachterinnen und Gutachter hier immerhin offenliegt, der Prozess also zwar nicht neutral, doch für die Betroffenen wenigstens nachvollziehbar ist. Dies gilt nicht für das wissenschaftliche Publikationswesen.

Oder um es einmal anders zu formulieren: Die Entscheidungen, die den Erfolg und den Karriereweg von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern maßgeblich mitbestimmen, unterliegen keiner öffentlichen Kontrolle. Dabei geht es nicht nur um öffentliche Gelder und Positionen, sondern auch um die öffentliche Institution Wissenschaft an sich.

Meinungsherrschaft

Wenn etwa eine herrschende Schule, denken wir zum Beispiel an die Volkswirtschaftslehre, die Konkurrenz ausschalten möchte, dann kann sie schlicht die Posten der Editors und der Peer Reviewers besetzen – und dann jeder abweichenden Arbeit mangelnde Qualität bescheinigen. Wenn die Konkurrenz dann überhaupt noch eine Chance hat, dann hat sie es in jedem Fall sehr viel schwerer, in den einschlägigen Publikationsorganen publiziert und gelesen zu werden.

Würde ein Verwaltungsorgan auf diese Art und Weise seine Entscheidungen treffen, dann hielten sie keiner gerichtlichen Prüfung stand. Die Editors jedoch arbeiten frei nach ihren eigenen Regeln, wenn sie überhaupt welche haben, und sind keiner Kontrolle unterworfen. Eine Berufungsinstanz gibt es auch nicht, allenfalls einen neuen Versuch bei einer anderen Zeitschrift, bei der dieselben Prozesse wieder von vorne ablaufen. Vor allem können aber die Peer Reviewer, auf deren Empfehlungen die Entscheidungen gestützt werden, dafür nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Rechtsstaatliche Standards werden unterlaufen

Was im Kern gut gemeint ist, ist in der Praxis also schlecht gemacht. Es entspricht schlicht nicht rechtsstaatlichen Kriterien, sondern basiert auf purem Vertrauen und Idealismus. Wenn man an den großen Konkurrenzdruck (“Hyperwettbewerb”) und die zahlreichen Interessenkonflikte denkt, dann ist es schlicht naiv, nicht von Missbrauch auszugehen.

Ein Forscher erzählte mir einmal, in Manuskripte bewusst Fehler einzubauen, sodass ein Experiment nicht mehr funktioniert, falls die Konkurrenz die Idee klaut. Dumm nur, wenn man vergisst, diese in der Endfassung zu korrigieren – dann steht das unter dem eigenen Namen in den Bibliotheken. Die Chance, dass die Peer Reviewer mit akutem Zeitmangel es selbst merken, ist jedenfalls eher gering.

Eine Forscherin beichtete mir einst eine andere Absurdität: Über mehrere Ecken hatte sie ihre eigene, anonymisierte Arbeit zur Begutachtung bekommen. Derjenige, an den sich der Editor gewand hatte, hatte dafür keine Zeit. Es entspricht nicht den Regeln, passiert in der Praxis aber regelmäßig, dass jemand den Auftrag dann einfach weitergibt, das Gutachten später aber unter eigenem Namen beim Verlag einreicht. Korrekterweise müsste man es wegen Zeitmangels ablehnen.

Problemfall Forschungsförderung

Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die jährlich rund 3 Milliarden Euro vom Steuerzahler bekommt, hat das Problem geschickt gelöst: Als privater Verein hält sie das Verwaltungsrecht (und damit auch das Informationsfreiheitsgesetz) nicht für verbindlich. Die wenigen Kontrollen, die es gibt, sind nicht unabhängig (Die freie Wissenschaft ist bedroht).

Immerhin kann man seit einigen Jahren in einer Datenbank nachschauen, bei wem das Geld am Ende landet. Auch diese Kritik bedeutet nicht, dass alle Entscheidungen von DFG-Gremien falsch sind, sondern dass systematischer Missbrauch möglich ist.

Da in den Niederlanden die Forschungsgemeinschaft NWO dem Wissenschaftsministerium angegliedert ist, kann man sich dort verwaltungsrechtlich dagegen wehren. Andere und ich haben auch schon mit Erfolg Ablehnungen von Forschungsanträgen gerichtlich korrigieren lassen (Worum geht es in der Wissenschaft?).

Vertrauen oder Kontrolle?

Letztlich gibt es auch hier mangelnde Transparenz, da das Verwaltungsorgan Ablehnungen mit Verweis auf die angeblich bessere Konkurrenz begründet. Deren Anträge werden aber vorgeblich zum Schutz von Ideen und Benachteiligung geheim gehalten. Auch hier bleibt ein Dunkelfeld, in dem man den zuständigen Gremien, die von der Regierung besetzt werden und Interessenkonflikte haben können, schlicht vertrauen muss.

Es ist schon sehr auffällig, dass diejenigen Führungspersönlichkeiten, die von uns Qualitätssicherung und permanente Evaluationen fordern, sich selbst nicht unabhängig evaluieren lassen und lieber vom Rechtsstaat ungestört im Geheimen arbeiten. Man fühlt sich an dieses Otto von Bismarck zugeschriebene Zitat erinnert: “Je weniger die Leute davon wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie.” Doch heute wissen wir: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Kolleginnen und Kollegen mit langjähriger Erfahrung in den Gutachtensgremien räumen manchmal ein, dass es in letzter Instanz ein Glücksspiel ist. Gibt es in einer Förderrunde Geld für zehn Forschungsprojekte, dann finden sie auch zehn, die “exzellent” sind. Reicht das Geld für fünfzehn, dann sind es so viele. Warum spielen sie das Spiel dann überhaupt mit? Sie liefern denjenigen, die die Wissenschaftswelt spalten, erst die inhaltliche Rechtfertigung.

Verbesserungsmöglichkeiten

Zum Glück ist es aber nicht so, dass es keine Verbesserungen gäbe: Open Access ist im Kommen. Die Früchte öffentlicher Forschung sollen der Öffentlichkeit dann auch frei zugänglich sein. Bei einigen neueren Journals werden die Namen der Gutachterinnen und Gutachter mitveröffentlicht. In einem nächsten Schritt könnte man auch die Gutachten selbst bekanntmachen. Sie sind ein wesentlicher Teil des wissenschaftlichen Publikationsprozesses und würden Aufschluss darüber geben, wie eine Wissenschaft wirklich funktioniert.

Wenn man Peer Reviewer wirklich schützen muss, könnte man die Veröffentlichung um einige Jahre verzögern. Damit gäbe es zumindest ein Mindestmaß an Transparenz und Verantwortlichkeit. So würde es auch auffallen, wenn Editors schlechte Arbeiten einfach so durchwinken, weil sie ihrem Unternehmen Aufmerksamkeit, Zitationen und letztlich Geld verschaffen wollen.

Unabhängige Kontrolle

Es kann natürlich auch gute Gründe geben, eine Arbeit abzulehnen, schlicht weil sie schlecht oder falsch ist. In der Praxis haben wohl aber alle Forscherinnen und Forscher schon schlampige oder inhaltlich falsche Gutachten bekommen. Für solche Fälle sollte man eine unabhängige Beschwerdestelle einrichten. Auch wenn man die Verlage so nicht zu einer Veröffentlichung zwingen könnte, würden Ungerechtigkeiten immerhin dokumentiert und nachvollziehbar gemacht. Das würde Druck auf die Editors ausüben, gute und faire Arbeit zu leisten. Oder warum keine Schiedsgerichte, wie sie auch fairen Handel garantieren sollen?

In der heutigen Zeit gestehen selbst Koryphäen der Forschungswelt, im Einzelfall ihre Arbeiten nicht so schreiben zu können, wie sie das selbst für richtig halten. Im Zweifelsfalle ließen die Peer Reviewers das nicht zu. Eine Alternative hierzu wäre ein offener Gutachtensprozess, indem man erst einmal nur die grundlegende methodische Korrektheit der Arbeit bescheinigt und danach der Online-Community die Diskussion überlässt. In den Zeiten des Internets ließe sich so ein Peer-to-Peer-System problemlos implementieren.

Moden bestimmten den Ton

Ich schrieb hier kürzlich über Fachleute aus der Primatenforschung, die das Publikationswesen kritisierten: Würde man nämlich herausfinden, dass Tiere dem Menschen ähneln, dann ließe sich das leichter in führenden Fachzeitschriften publizieren; der Befund, dass Tiere etwas nicht können, sei demgegenüber schwer zu publizieren (Wie ähnlich sind Tiere und Menschen?).

Dabei ist diese Frage nicht nur aus purem Erkenntnisinteresse, sondern auch für unser Menschenbild und die Ausformung des Tierschutzes von Bedeutung. Die von den Forscherinnen und Forschern genannte Verzerrung dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Editors provokantere Ergebnis bevorzugen. Damit lässt sich immerhin mehr Aufmerksamkeit erzielen und damit kommt man in die Medien. Man denke zum Vergleich noch einmal an die Willensfreiheitsdebatte, die jahrelang trotz offensichtlicher Substanzlosigkeit sowohl wissenschaftliche Fachzeitschriften als auch Feuilletons füllte.

Auch die Physik ist betroffen

Man sollte nicht denken, dass die Physik, manchmal als “Mutter aller Wissenschaften” oder “harte Wissenschaft” verehrt, von solchen Einflüssen und Moden frei wäre. So antwortete etwa Michael Krämer, Professor für Theoretische Teilchenphysik und Kosmologie an der Universität Aachen, kürzlich im Interview mit Spektrum der Wissenschaft auf die Frage nach dem Einfluss “soziologischer Faktoren” auf die Wissenschaft:

Es stimmt, dass man insbesondere in Drittmittelprojekten oft Themen bearbeitet, die entlang des wissenschaftlichen Mainstreams laufen. Auch der Wettbewerb zwischen Universitäten trägt dazu bei. In welche Richtungen geforscht wird, wird zum Teil von außerhalb der Wissenschaft vorgegeben, etwa von der EU oder vom deutschen Forschungsministerium. … Manchmal denke ich schon: Wenn ich Fördergelder möchte, muss ich bei diesen Dingen mitmachen.

Dabei sollte man bedenken, dass sich viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Medien eher zurückhaltend ausdrücken. Das gilt allgemein für öffentliche Kritik: Die oder der Kritisierte könnte ja das nächste Gutachten schreiben, von dem der eigene Werdegang abhängig ist. Dann sind wir wieder bei den Missbrauchsmöglichkeiten angekommen, die oben diskutiert wurden.

Abweichen vom Mainstream

Man sollte sich Fragen, ob dieses Regime der Qualitätskontrolle und des Wettbewerbs nicht unterm Strich Erkenntnisse eher behindert oder gar verhindert als sie zu ermöglichen. Was wäre denn so schlimm daran, mehr Kreativität und vor allem mehr Abweichler vom Mainstream in der Wissenschaft zuzulassen?

Große Vorbilder wie Galileo, Darwin oder Einstein galten lange Zeit auch als umstritten, bis man ihnen schließlich Recht geben musste. Die Wissenschaftsgeschichte hat Zeit, doch für die Menschen von heute wäre es doch schön, wenn manche wichtige Erkenntnisse nicht erst sehr viel später in die Diskussion kämen.

Alternative Buch

Charles Darwin war bekanntlich Privatgelehrter. Als Spross einer wohlhabenden Familie konnte er sich diesen Luxus erlauben. Dies gab ihm aber auch die Freiheit, seine Ideen in aller Ausführlichkeit in Büchern auszuarbeiten – die im Übrigen bis heute gelesen werden –, nicht nur in kurzen wie kurzlebigen Zeitschriftenartikeln.

Das Medium Buch sollte man daher keinesfalls totsagen. Hierin können Forscherinnen und Forscher noch am ehesten frei schreiben, was sie denken; und auch in dem Umfang, den sie selbst für angemessen halten. Hauseigene Verlage der Universitäten sollten die Bücher den Steuerzahlerinnen und -Zahlern zudem kostenlos (zumindest als eBook) zur Verfügung stellen, also denjenigen, die den ganzen “Spaß” ohnehin finanzieren.

Alternative Neue Medien

Zum Schluss sei auch einmal das Vorbild TELEPOLIS erwähnt: Hier macht eine Redaktion seit vielen Jahren mit minimalsten Eingriffen Wissen frei zugänglich, das in einigen Fällen, man denke etwa an Markus Kompas historische Untersuchungen über Geheimdienste, wissenschaftlichen Charakter aufweist.

Auch mein Blog wurde gerade zehn Jahre alt (Zehn Jahre MENSCHEN-BILDER). Darin wurden vielleicht keine großen Erkenntnisse publiziert, wohl aber Ideen besprochen, die wiederum meine Forschung voranbrachten und vielleicht auch die anderer.

Wagen wir mehr Freiheit

Kurzum, das gegenwärtige Publikationswesen in der Wissenschaft fördert nicht die Freiheit, sondern erschwert sie in vielen Fällen. Die Möglichkeiten systematischen Missbrauchs habe ich hier nur kurz angerissen; sie und andere Mängel wurden von anderen ausführlicher dokumentiert (siehe etwa How science goes wrong oder Rettet die Wissenschaft!).

Mehr Freiheit würde bedeuten, vielleicht ein paar falsche Ideen mehr in Kauf zu nehmen. Warum wäre das so schlimm, wo das heutige System doch sowieso überwiegend Fehler produziert? Gerade in Zeiten immer neuer Krisen und Herausforderungen brauchen wir weder in der Gesellschaft noch in der Forschung immer mehr vom Gleichen, sondern wirkliche Innovation und neue Erkenntnisse aus allen Disziplinen!

Postskriptum: Ich habe die Lehre als “Armutsfalle” bezeichnet, die die Forschungsleistung reduziert. Seit ca. 2003 hielt ich als Student die ersten Tutorien über Argumentationstheorie oder Algorithmen. Als Doktorand unterrichtete ich danach (freiwillig) interdisziplinäre Seminare. Seit 2010 haben über 2.000 Psychologiestudierende und Dutzende anderer Fächer bei mir studiert. Dass ich von der Armutsfalle rede, meine ich keineswegs geringschätzend; im Gegenteil war es für mich immer eine große Freude und ein Privileg, mit den jungen Menschen an der Universität zusammenarbeiten zu dürfen. Es hat mich oft vor Herausforderungen gestellt aber auch als Mensch weiter gebracht.

Diese Erfahrungen möchte ich um nichts in der Welt missen! Meine Kritik richtet sich also nicht gegen die Lehrverpflichtung selbst, sondern gegen ihre Vernachlässigung für das berufliche Vorankommen. Unter den heutigen Regeln ist sie faktisch ein Klotz am Bein auf dem Weg zur festen Stelle. Das darf so nicht sein und verkennt die eine der wesentlichen Aufgaben der Universität.

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint parallel auf Telepolis – Magazin für Netzkultur. Bei den Zwischentönen im Deutschlandfunk sprach der Autor kürzlich über die Freiheit der Wissenschaft.

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei die Frage, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promoviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Der Forscher und Autor ist auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschsprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert." Ausgewählte Beiträge erscheinen auch auf Telepolis – Magazin für Netzkultur, für das Stephan Schleim seit vielen Jahren schreibt.

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Alles richtig, bzw. vorsichtiger formuliert : zustimmungsfähig.
    Es darf mehr Freiheit in der Wissenschaft gewagt werden, es darf sowieso mehr gewagt werden, Willy Brandt hat ja auch versucht mehr Demokratie zu wagen, 1969.

    Das Peer-Review-Verfahren ist per se zweifelhaft, die Wissenschaftsjournale werden ihrer Verantwortung nicht immer gerecht und Open Access ist gut.

    Vielen Dank für Ihr diesbezügliches Engagement, lieber Herr Dr. Schleim, wobei der eine oder andere, in diesem Fall : der eine, noch ein wenig an der Artikel-Überschrift zu nagen hat, auch weil sie bereits mehrfach vorkam.
    ‘Warum die Wissenschaft nicht frei ist’ kann insofern recht einfach erklärt werden, A) nichts ist frei, was im Rahmen von Interaktion stattfindet, die Wissenschaft ist Veranstaltung und B) einer muss es bezahlen, sofern die Forschung nicht direkt monetär selbsttragend wird.

    Gerne vielleicht auch mal ganz abstrakt die wünschenswerte Freiheit der Wissenschaft skizzieren. So ganz klar ist dies ja in aufklärerisch-demokratischen Systemen ja nicht definiert.

    MFG + schöne Rest-Woche noch,
    Dr. Webbaer

  2. PS und hier…

    Man denke zum Vergleich noch einmal an die Willensfreiheitsdebatte, die jahrelang trotz offensichtlicher Substanzlosigkeit sowohl wissenschaftliche Fachzeitschriften als auch Feuilletons füllte.

    setzt es natürlich noch einen fetten Bonuspunkt, ein +1; sehr nett, wie Sie im Vorübergehen und in Nebensätzen in der Lage sind Substanzlosigkeit festzustellen.

  3. Stephan Schleim schrieb (11. Oktober 2017):
    > Das Gutachtenssystem […] in der Praxis […]
    > Eine Alternative hierzu wäre ein offener Gutachtensprozess, indem man erst einmal nur die grundlegende methodische Korrektheit der Arbeit bescheinigt und danach der Online-Community die Diskussion überlässt.

    Damit (oder nur noch ein wenig weiter gedacht) kämen wir zu einem offenen Gutachtensprozess, indem zunächst und routinemäßig nur die grundlegende zivile bzw. rechtliche Korrektheit “der Arbeit” bescheinigt, und die betreffende Arbeit dann methodisch-thematisch eingeordnet (“getaggt”) wird (insbesondere um denjenigen weitere Mühen zu ersparen, die ihre Bemühungen ausdrücklich nicht an Arbeiten des betreffenden Themas verschwenden wollten);
    und danach der Online-Community die Diskussion überlassen ist (wobei “die Diskussion” auch das eventuelle Einreichen weiterer “Arbeiten” umfasst).

    > In den Zeiten des Internets ließe sich so ein Peer-to-Peer-System problemlos implementieren.

    Genau.

  4. @Stephan Schleim: Freiheit vs. Gleichheit

    Sie schreiben:

    Was wäre denn so schlimm daran, mehr Kreativität und vor allem mehr Abweichler vom Mainstream in der Wissenschaft zuzulassen?
    Große Vorbilder wie Galileo, Darwin oder Einstein galten lange Zeit auch als umstritten, bis man ihnen schließlich Recht geben musste. Die Wissenschaftsgeschichte hat Zeit,

    Gehen wir das einmal durch:
    1.

    Was wäre denn so schlimm daran, mehr Kreativität und vor allem mehr Abweichler vom Mainstream in der Wissenschaft zuzulassen?

    Unter den derzeitigen Bedingungen haben alle Wissenschaftler im Prinzip die gleichen Chancen auf Erfolg; jeder kann anhand dieser Bedingungen überprüfen, wie jemand zu seinem Thema, seinem Forschungsobjekt gekommen ist, wie er vorgegangen ist, um es zu untersuchen und welche Schlussfolgerungen er gezogen hat. Das lässt sich also kontrollieren, überprüfen und sorgt für Nachvollziehbarkeit.

    Wie dagegen ein kreativer Geist auf seine Idee gekommen ist, lässt sich nicht kontrollieren, lässt sich nicht nachvollziehen und überprüfen – meist wissen die Leute es ja nicht einmal selber: die Idee war einfach da – wie Friedrich Gauß einmal schrieb: “…mit Gottes Hilfe…”. Dieser Entzug einer Kontrolle ist, was die Sache schlimm macht, denn auch wenn man versuchen wollte, dieselben Bedingungen auch für Andere zu schaffen, wird dies nicht dazu führen, dass sie auf diese selbe Idee kommen.
    Dörner schrieb in seiner “Logik des Misslingens”, dass sich die Teilziele Freiheit und Gleichheit nur schwer miteinander in Einklang bringen lassen: Freiheit würde sehr schnell zu Ungleichheit führen, wenn es denen, die für bestimmte Handlungen besser ausgerüstet sind, auch besser gelingt, sich Zugang zum Erfolg zu verschaffen, Freiheit der Wenigen führt daher zur Ungleichheit der Vielen. “Umgekehrt wird der Versuch , ein hohes Maß an Gleichheit in einem politischen System zu realisieren, dazu führen, daß ein hohes Maß an Behinderungen etabliert werden muß. Und das wiederum ist nicht Freiheit.” (1998, S. 99)
    Dieses Letztere, die Egalisierung, haben wir derzeit, sowohl in der Gesellschaft als eben auch im Wissenschaftssystem. Was wir dort ebenfalls haben, ist das Übermaß an einschränkenden Bedingungen, u.a. beim Verfassen von Publikationen und dem Veröffentlichungsprocedere

    2.

    Große Vorbilder wie Galileo, Darwin oder Einstein galten lange Zeit auch als umstritten, bis man ihnen schließlich Recht geben musste.

    Diese großen Vorbilder sind aber doch passé. Thomas S. Kuhn schrieb in seinem Essay “Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen”, dass es stets zunächst die große Idee eines Einzelnen gewesen ist, die zu einer neuen Weltsicht geführt habe, und dass erst dann die ‘normale’ Wissenschaft sich daran machte, die Aufräumarbeiten als Aneignungsprozesse zu erledigen – wobei dann im Laufe der Zeit wieder Anomalien auftreten, die zu einer neuen Idee führten.
    Nachdem man diese Möglichkeit, die Idee eines Einzelnen, die gedankliche Schöpfung eines Elfebeintürmlers als Weg zur Erkenntnis eliminiert hat, soll nun die ‘normale’ Wissenschaft diese Aufgabe erledigen – nämlich in Teamarbeit winzige Erkenntnis-Teilstücke zu einer neuen Weltsicht zusammensetzen – , womit sie überfordert ist, weil auch die Menge der Teilstücke nicht zu einer neuen Idee führt. Weder Galilei noch Darwin noch Einstein haben im Team gearbeitet, und auch wenn sie experimentell unterwegs waren, waren es nicht die Experimente, die zur großen Idee führten. Das Argument, dass angesichts der Größenordnungen, in denen sich die Wissenschaft bewegt, ihre Aufgaben nur noch im Team und nicht mehr von Einzelnen bewältigt werden können, zieht deshalb nicht, weil diese Teamarbeit nur dann fruchtbar sein kann, wenn es zuvor eine große Idee gab.
    Sie nannten im vorherigen Beitrag den LHC und das HBP als Beispiele, und dort schrieb ich schon, dass die LHC-Teams nur deshalb erfolgreich waren, weil es die Idee des Peter Higgs gegeben hatte. Den Teams die am HBP beteiligt sind, fehlt eine solche Idee, aber wenn es sie gäbe, würde ihre Arbeit damit nicht überflüssig, im Gegenteil.

    3.

    Die Wissenschaftsgeschichte hat Zeit

    Das ist aber nicht der springende Punkt. Auch nicht, dass es doch ganz schön wäre, wenn wichtige Erkenntnisse früher in die Diskussion kämen. Sondern dass

    Gerade in Zeiten immer neuer Krisen und Herausforderungen brauchen wir weder in der Gesellschaft noch in der Forschung immer mehr vom Gleichen, sondern wirkliche Innovation und neue Erkenntnisse aus allen Disziplinen!

    , zumal man sehr schnell in Sackgassen geraten kann – siehe den behaviorismus, der es fast geschafft hätte, die Psychologie als wissenschaftliche Disziplin wieder aus dem Wissenschaftssystem zu katapultieren. Wenn es nicht mutige Leute wie Karl Lashley und den Zufall, dass justament zu diesem Zeitpunkt die Computertechnologie auf den Markt kam, gegeben hätte.

    Es wäre daher zu wünschen, dass außer Ihnen noch einige Ihrer Kollegen für mehr Freiheit und Offenheit in den Wissenschaften plädieren, um zu verhindern, dass die Wissenschaften sich ihr eigenes Grab schaufeln. Danke für Ihre tollen Beiträge, 🙂

  5. @Trice
    Die Argumentation unter 1. ist nicht allgemeingültig und scheint etwas einseitig auf experimentelle/empirische Wissenschaften beschränkt. Für theoretische Wiss., in denen der „kreative Geist“ notwendig ist (z.B. in der Mathematik), kann niemand jemanden verbieten, einen „Geistesblitz“ unter der Dusche zu haben. Solche Dinge werden anekdotisch immer wieder berichtet.
    Die Kontrolle und Nachvollziehbarkeit liegt „nur“ in der Qualität der Veröffentlichung, in der auf relevante Vorarbeiten und Methoden Bezug genommen und alles nachvollziehbar dargelegt wird. Die verwendeten neuen Methoden sind dann eben „vom Himmel gefallen“, Produkt einer kreativen Leistung, inspiriert von alten Ideen.
    Und das lässt sich nicht kontrollieren, jeder weiß das und niemand hat ein Problem damit.

    Wobei die Mathematik mit der prinzipiellen Möglichkeit eines Beweises (abzüglich der Unvollständigkeit des Axiomsystems) einen Vorteil hat, das ist mir klar.

    Und in der Mathematik funktioniert public open peer review ganz gut, wie man an der berühmten Geschichte von G. Perelman (2002!) und an der weniger berühmten, aber aktuelleren von N. Blum sehen kann. Wenn es auch die Ausnahme ist.

    Und was schlimm an Kreativität und Abweichlertum ist, dass Forschungsförderung angesichts knapper Mittel nur superkalkuliertes Risiko eingeht um hinterher mit einer möglichst hohen Quote „erfolgreicher“ Projekte nicht dem Vorwand des Verschwendens öffentlicher Mittel ausgesetzt zu sein.
    Projekte/Veröffentlichungen mit wirklich neuem Gehalt sind nicht selten Zufälle und Seitenprodukte geförderter Projekte (vermehrt eher in Physik, Biologie & Chemie), auf denen dann trotzdem das Projektförderkürzel des eigentlich geförderten Projekts draufsteht. Da freut sich das Ministerium. Aber das ist halt nicht so schön plan- und wiss.politisch ausschlachtbar und wird deshalb außerhalb der wiss. community nicht öffentlich thematisiert.

    Immerhin gibt es bei nicht finanziellen Zuwendungen sowas wie „directors time“ (bei Observatorien, Großrechnern und anderen wiss. Großanlagen), für Ideen mit größerem Risiko, die extra bei einem Gremium (director’s board) angefragt werden können.

    Eine Differenzierung zwischen den verschiedenen Fachgebieten mit ihren teilweise jeweils ganz eigenen ungeschriebenen Regeln scheint mir jedenfalls sehr angebracht.

  6. @Trice: Gleiche Chancen?

    Wie kommen Sie darauf, alle hätten die gleichen Chancen?

    Ich schrieb doch ausführlich über die Armutsfalle Lehre, über den Matthäus-Effekt… und in der Praxis dürfte auch viel davon abhängen, man eine(n) Mentor(in) hat, der oder die einem unter die Arme greift und gut in der Scientific Community etabliet ist.

  7. @Name: Open Peer Review

    Danke, das wusste ich noch nicht. Es ist aber zurzeit eher ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Genauso verhält es sich meiner Erfahrung nach mit vor-registrierten Versuchen und Replikationen: Jeder weiß, dass es wichtig wäre, und doch geschieht es eher in Ausnahmefällen.

  8. @ Stephan Schleim
    Open peer-review findet bei anonymer Veröffentlichung wohl eine knappe Mehrheit unter Editoren, Publishern und Autoren, nimmt man eine unverbindliche Umfragen von 2016 zur Gurndlage [1].
    Diskutiert wird es schon seit mindestens 15 Jahren [2].
    Und ihr Vorschlag, Vorstudie, Meßprotokoll, Daten und Ergebnis getrennt zu publizieren, fängt auch langsam an, Praxis zu werden [3].
    Ja, zuerst bei großen (“high impact”) Verlagshäusern [Anm. 1], aber immerhin. Der Wandel läuft und wird nicht mehr aufzuhalten sein. Angesichts der seltsamen Mischung in der Wissenschaft, als Institution superkonservativ und progressiv gleichzeitig zu sein, ein Fortschritt.
    Früher oder später werden andere nachziehen.
    Und gerade Nature & Science müssen das machen, da es eine Studie gab, dass genau in diesen Journalen für potentiell karriere-entscheidene Publikation aufgrund des Publikationsdruck vermehrt schlecht fundierte Studien, die aber spektakulär schienen, aufgetaucht sind.
    Ein bonmot auf einer Konferenz: “If it’s published in Nature or Science, it’s almost certainly wrong.” 🙂

    Das Mentoring in der Wissenschaft empfinde ich als reinste Zumutung, aber darüber schreibe ich auch noch mal was.

    [1] dx.doi.org/10.1038/nature.2016.20969
    [2] dx.doi.org/10.1038/416258a (paywall, notfalls mit sci-hub.ac)
    [3] dx.doi.org/10.1038/549431a
    [Anm. 1] Ich habe nur den “Nature-Teil” der Debatte schnell gesucht, aber da verfolge ich die Diskussionen schon einige Zeit. Bietet sich aber auch an, da da zum Einen wissenschaftspolitische Dinge diskutiert werden als auch Studien aus allen Gebieten der Naturwissenschaften publiziert werden.

  9. @Stephan Schleim: Ideen vs. Realität /14. Oktober 2017 @ 12:21

    Ich schrieb: “Im Prinzip…” , nicht, dass alle gleiche Chancen hätten. Haben Sie den ganzen Absatz gelesen? Ich habe mich mit ihm auf Ihre Frage bezogen, was denn so schlimm sei an Kreativität. Kreativ kann nur das Individuum sein, sie ist keine Eigenschaft eines Kollektivs.
    Aber eben darum geht es doch wohl, nämlich um die Idee, dass es nicht mehr die Leistung eines Einzelnen, wie die von Ihnen angeführten Galilei und Darwin, ist, die die Wissenschaft vorantreiben soll, sondern dass

    die moderne Naturwissenschaft vor allem Teamarbeit ist, ein mühsamer Prozess, in dem viele Forscher kleine Erkenntnisfortschritte langsam zu einem genaueren Bild der Welt zusammenfügen.

    *
    Das kann aber doch wohl nur gelingen, wenn all die vielen Forscher, die dazu beitragen sollen, die gleiche Chance haben, um dies zu tun.
    Dass diese Chancengleichheit nicht zu realisieren ist, hindert nicht daran, sie trotzdem zu fordern und Bedingungen zu schaffen, von denen man meint, sie würden dem Zweck auch dienen. Nur sieht die Realität dann ganz anders aus, weil man an die Folgen nicht gedacht, weil man die, wie Dörner schrieb, Fern- und Nebenwirkungen nicht berücksichtigt hat, die das eigentliche Ziel konterkarieren.

    Sie machen alle den gleichen Fehler: Sie verwechseln die Symptome mit der Krankheit und setzen an den Symptomen an, in der Annahme, dass dort die Ursache das Problems liegt (Und nebenbei: was hat die Gleichheit der Chance, eine wissenschaftliche Arbeit zu publizieren, mit Armutsfalle zu tun? )

    Und das ist nicht der einzige Fehler, der gemacht wird. Wenn Sie z. B. Meinungsherrschaft oder Vertrauensmissbrauch ansprechen, dann sind das Sachverhalte, für die Sie nie einen Schuldigen finden werden. Sie werden auch nie Situationen und Bedingungen schaffen können, in denen diese nicht auftreten. Alles, was man tun kann ist, sich, bevor man eine Idee umsetzt, ein System errichten will, sich Gedanken auch über die Konsequenzen zu machen, die sich mit der Umsetzung ergeben und frühzeitig darauf zu reagieren. Doch selbst das wird nicht davor bewahren, dass Wirkungen eintreten, die niemand in dieser Weise vorhersehen konnte.

    Christian Weber im Januar 2017 in der “Süddeutschen”

  10. @Name / 13. Oktober 2017 @ 13:34

    Die Argumentation unter 1. ist nicht allgemeingültig und scheint etwas einseitig auf experimentelle/empirische Wissenschaften beschränkt.

    Das ist sie im Wesentlichen auch: auf die empirischen Wissenschaften beschränkt.

    Für theoretische Wiss., in denen der „kreative Geist“ notwendig ist (z.B. in der Mathematik), kann niemand jemanden verbieten, einen „Geistesblitz“ unter der Dusche zu haben.

    So einen kreativen mathematischen Geist könnte ich derzeit gut gebrauchen, :-).
    In den Naturwissenschaften ist der, so wie es aussieht, allerdings nicht erwünscht – und er lässt sich jedenfalls nicht veröffentlichen.

    Und in der Mathematik funktioniert public open peer review ganz gut, wie man an der berühmten Geschichte von G. Perelman (2002!) und an der weniger berühmten, aber aktuelleren von N. Blum sehen kann. Wenn es auch die Ausnahme ist.

    Es wäre auch in den Naturwissenschaften die Ausnahme, lässt sich aber trotzdem nicht veröffentlichen. Nicht mal in Nature oder Science, 🙁

    Und was schlimm an Kreativität und Abweichlertum ist, dass Forschungsförderung angesichts knapper Mittel nur superkalkuliertes Risiko eingeht um hinterher mit einer möglichst hohen Quote „erfolgreicher“ Projekte nicht dem Vorwand des Verschwendens öffentlicher Mittel ausgesetzt zu sein.

    Ähhm… wer spricht von Forschungsförderung und Fördermitteln? M.W. haben weder Darwin noch Einstein etwas in dieser Art erhalten. Sie hatten allerdings die Möglichkeit, ihre Ideen zu veröffentlichen – sonst hätten wir wohl kaum davon erfahren, ;-).

  11. @Name: Danke

    Danke für die Ideen und die Links – die Arbeit von 2002 kannte ich noch nicht.

    Ich bin gespannt, was sich ändern wird; als Theoretiker unterliege ich ja anderen Karrieremechanismen.

    Wie dem auch sei: Der Leistungs- bzw. Publikationsdruck hat sich nicht verringert; und an den entscheidenden Stellen sitzen immer noch diejenigen, die vom Status Quo profitieren.

    Falls Sie mehr über den Punkt der MentorInnen schreiben möchten, dann sind Sie willkommen – hier als Kommentar oder alternativ in Form eines (gerne auch anonymen) Gastbeitrags.

  12. @Trice: Schwierigkeiten

    Ich hatte Schwierigkeiten, mit meinen Gedanken an Ihre Argument anzuknüpfen.

    Praktische Wissenschaft ist oft wenig kreativ, können wir uns darauf einigen? Sie können doch eine beliebige Publikation wählen, die Discussion/Conclusion lesen und im Anschluss daran neue eigene Hypothesen stricken, die dort vielleicht sogar genannt werden, zumindest aber auf der Hand liegen. Ich denke, dass nicht wenige genau so arbeiten; produktiv ist es mit Sicherheit!

    Die großen Genies und Durchbrüche sind aber doch die Ausnahme, Stichwort Serendipität. Ich erinnere mich an die Diskussion in einem KI-Kurs im Philosophiestudium. Wir besprachen die Versuche, in den 60er/70er Jahren die schöpferische Leistung von Genies algorithmisch zu fassen, um sie Maschinen beizubringen. Es hieß über einen Mathematiker oder Informatiker vom MIT, der auf die Frage, wie er auf gute Lösungsansätze für ein Problem komme, geantwortet haben soll: “Erst einmal schmiere ich mir ein Butterbrot.”

    Wie dem auch sei – was das alles mit den Mechanismen zu tun haben soll, die ich in den beiden Texten beschrieben habe und die so doch für die Mehrheit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gelten, wenn auch nicht für alle, erschließt sich mir immer noch nicht.

  13. Das war doch bestimmt damals schon nicht neu.
    Das Butterbrot/die körperliche Belohnung, ist Grundlage jeder Richtung, welche der Geist nimmt.
    KI ohne Körper – Belohnung, sind nicht selbstorganisierend = niemals genial.
    Ohne den Richtung weisenden Versuch, durch Bewegung im Raum, im Nacheinander,und Bewertung, erfolgreich oder Verlust, kann der Geist nicht wissen in welcher Richtung…
    Deshalb, da liegt die Antwort drin : erstmal ein Butterbrot, wenn er es vielleicht nicht so gemeint hat, ist trotzdem richtig.

  14. @Stephan Schleim: Schwierigkeiten

    Ad: Anknüpfen an meine Argumente:
    Da muss ich mich entschuldigen – mir wird öfter einmal vorgeworfen, dass ich als bekannt oder selbstverständlich voraussetze, was keineswegs bekannt oder selbstverständlich sei.
    Sie schreiben:

    Praktische Wissenschaft ist oft wenig kreativ, können wir uns darauf einigen?

    Das trifft zu und ist auch im Wesentlichen darauf zurückzuführen:

    Sie können doch eine beliebige Publikation wählen, die Discussion/Conclusion lesen und im Anschluss daran neue eigene Hypothesen stricken, die dort vielleicht sogar genannt werden, zumindest aber auf der Hand liegen.

    Entweder es läuft so, oder jemand widerspricht einer der Aussagen der Konklusion und regt damit zu weiteren Untersuchungen an – produktiv ist eine solche Vorgehensweise allemal. Aber um Produktivität geht es ja weder Ihnen – wenn ich Sie richtig verstanden habe – noch mir.

    Das folgende Beispiel nur als Einstieg: Einstein veröffentlichte seine Relativität der Gleichzeitigkeit in der Fachzeitschrift Annalen der Physik und (physikalischen) Chemie. Wie das damalige Publikationssystem genau funktionierte, weiß ich nicht, aber seinen Artikel bekam Max Planck in die Hände, der erkannte, was er vor sich hatte.
    Wenn es heute die Editors der diversen Fachzeitschriften sind, die über eine Veröffentlichung entscheiden, dann habe ich massive Zweifel, dass sich unter ihnen jemand vom Format eines Max Planck befindet, der erkennen kann, wenn ein Artikel eine außergewöhnliche Idee enthält, die zunächst einmal absolut nicht in das herrschende Weltbild passt. Zudem war Einsteins Artikel eine rein theoretische und keine empirische Arbeit.
    Darwin hat zwar experimentiert, aber seine Entstehung der Arten hat er in Buchform veröffentlicht, weil sie viel zu umfangreich war, um sie in einem Artikel von ca. 20 Seiten oder max. 10.000 Wörtern unterzubringen.

    Für das heutige Wissenschaftssystem ist die Veröffentlichung in Form von Artikeln das Kommunikationsmittel überhaupt, Bücher werden nur in Ausnahmefällen gelesen.
    In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Fachzeitschriften explosionsartig angewachsen, die Menge der Publikationen unübersehbar geworden; die meisten werden nicht einmal mehr gelesen und wenn, dann diagonal, um evtl. daraus zu zitieren. Allein die schiere Masse sorgt schon dafür, dass letztlich nur noch ‘überlebt’, was produktiv ist, woran sich anknüpfen lässt, weil jeder versteht, wovon der Autor spricht – dafür sorgen schon die jeweilige Fachsprache und die Themen, mit denen man sich im jeweiligen Fachgebiet beschäftigt, etwas Neues, Unerwartetes passt da nicht mehr hinein.

    Worauf ich hinauswill ist Folgendes: Die Naturwissenschaften haben, was das Publikationswesen betrifft, in den vergangenen hundert Jahren diese Richtung genommen: weg vom Buch hin und zur Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift, wenn man zur Kenntnis genommen werden will. Daran ist zunächst nichts falsch, denn Fachzeitschriften gab es auch in den Jahrhunderten vor unserem schon. In unserem aber läuft diese Praxis aus dem Ruder – mit all den Auswirkungen, die Sie beschrieben haben: das gesamte Gutachtensystem, das auf Vertrauen aufbauen muss, um zu funktionieren, aber negative Eigenschaften wie Vertauensmissbrauch befördert; die Meinungsherrschaft, die es zwar schon immer gab, die aber nun durch das Publikationssystem der Abschottung eine freie Wissenschaft mehr und mehr unmöglich macht; die Forschungsförderung, die ebenfalls Abhängigkeit produziert.

    Und meine Frage ist: wodurch wurde das möglich, was sind die Ursachen für diese Entwicklung? Eine Antwort – vermutlich nicht die einzige, aber die aus meiner Sicht entscheidende ist: die Entwicklung wurde (mit-)verursacht durch das Streben und die Umsetzungsmaßnahmen für eine Chancengleichheit.
    Als ich die vierte Grundschulklasse besuchte, mussten alle Schüler, für die eine Chance bestand, das Gymnasium zu besuchen, an einer vierzehntägigen Prüfung teilnehmen. Von den vierzig Schülern meiner Klasse waren wir damals nur fünf Kinder, die den Sprung schafften. Heute gehen ohne Prüfung und mit und ohne Lehrerempfehlung rund die Hälfte aller Schüler zum Gymnasium – nachdem man damals die Bedingungen für den Übertritt geändert und die Sekundarstufe eingeführt hat. Das Ergebnis war ein Ansturm von Absolventen auf die Universitäten, dem man zwar mit dem NC versuchte, entgegen zu wirken, aber ohne durchschlagenden Erfolg. Was man mit dieser Maßnahme auf Chancengleichheit übersehen hatte war, dass das Abiturzeugnis so etwas wie ein Kapitänspatent ist – und wer Kapitän ist, will nicht das Boot rudern, heißt: der will studieren und kein Facharbeiter werden. Und von denen, die studieren, wollen viele im Wissenschaftsystem bleiben, wollen dort vorankommen. weshalb ihnen die Möglichkeit der Teilhabe eingeräumt werden muss, u.a. die, an Forschungsgelder heranzukommen und publizieren zu können (und zu müssen).
    Ein grandioser Fehler, der bei all solchen wundervollen Ideen wie der der Chancengleichheit gemacht wird ist, dass man die Idee als Ziel vor Augen hat, aber nicht darüber hinaus denkt. Niemand fragt: brauchen wir diese Menge an Akademikern im Wissenschaftsbetrieb, gibt es für sie alle eine Planstelle gibt und ob im Haushalt die Gelder zur Verfügung stehen, um sie zu bezahlen.
    Die Antwort darauf dürfte die Übliche gewesen sein: darum kümmern wir uns, wenn es soweit ist, erst einmal müssen wir allen die gleichen Chancen einräumen.
    Was gemacht wurde, als es soweit war, haben Sie beschrieben: alle Maßnahmen, die eingeleitet wurden, um der Menge an Wissenschaftlern Herr zu werden, die forschen und publizieren müssen, wenn sie vorankommen wollen, führen in der Folge zu eben den von Ihnen genannten Auswirkungen: die Forschungsgelder sind im Haushalt nicht mehr drin, weshalb nun Drittmittel beantragt werden müssen und die Zahl der Fachzeitschriften muss zunehmen, um die Menge der Artikel, die eingereicht werden, einigermaßen auffangen zu können.
    Mit diesen Begrenzungmaßnahmen, die – wie in allen selbstorganisierenden Systemen aufgrund der Eigendynamik verselbstständigt haben – weitere Begrenzungsmaßnahmen nach sich ziehen, musste die Wissenschaft unfrei werden.

    Ich kann hier nicht auf sämtliche Einzelheiten eingehen, davor ist der Gegenstand zu komplex, aber ich hoffe, dass deutlich geworden ist, weshalb ich den Begriff Chancengleichheit genannt habe, obwohl die Missstände, die Sie beschrieben haben, gerade das Gegenteil von Chancengleichheit sind. Wir leben in einer Welt, die auf Komplementarität beruht: je mehr man das Eine forciert, umso mehr schafft man sein komplementäres Gegenstück, auch das wird gern übersehen.

    Wir besprachen die Versuche, in den 60er/70er Jahren die schöpferische Leistung von Genies algorithmisch zu fassen, um sie Maschinen beizubringen

    Das ist schon erheiternd, 🙂
    Schade, dass Schwank ihre Theorie erst Ende der 80er Jahre veröffentlicht hat. Nicht, dass sie den Algorithmus bereits kannte, aber immerhin die Voraussetzung dazu.

    Es hieß über einen Mathematiker oder Informatiker vom MIT, der auf die Frage, wie er auf gute Lösungsansätze für ein Problem komme, geantwortet haben soll: “Erst einmal schmiere ich mir ein Butterbrot.”

    Wissen Sie, imgrunde ist es genau das: Man plagt sich mit der dem Problem, findet keine Lösung, schiebt dann all das beiseite, was nichts gebracht hat und beschäftigt sich mit etwas Banalem, das nichts mit dem Problem zu tun hat – und hat die Lösung plötzlich vor Augen – die Lösung, nicht den Lösungsweg. Den muss man separat finden, und das ist die eigentlich Arbeit.

  15. @Trice: Akademiker(innen)wahn

    Vielen Dank erst einmal für die verständliche (Er-)Klärung.

    Nun ja, es heißt ja von Seiten etwa der OECD, dass die rohstoffarmen Länder die Quote der Akademikerinnen und Akademiker noch viel weiter steigern müssten. Es stimmt allerdings nicht, dass das niemand kritisiert; hier kann ich Nida-Rümelins “Der Akademisierungswahn…” von 2014 wärmstens empfehlen.

    Selbst wenn ich Ihnen folgte und ein Problem darin sähe, dass immer mehr Menschen in die Wissenschaft gehen… Die Stellen müssen ja irgendwo herkommen! Die Anzahl der Promotions- und PostDoc-Stellen ist national wie international stark gestiegen und steigt immer noch. Dass hier die Nachfrage das Angebot diktiert, kann ich mir nicht recht vorstellen.

    Meine Erklärung ist: PhD-Studierende und PostDocs (einschließlich der wiss. MitarbeiterInnen in Deutschland) sind vor allem eins, billige Arbeitskräfte. Der Publikationsdruck geht heute schon so weit, dass Master- und in Einzelfällen gar Bachelorarbeiten in Fachzeitschriften veröffentlicht werden sollen, wo das nur geht – freilich immer mit den Namen der Betreuerinnen oder Betreuer an prominenter Stelle.

    Was wir hier sehen, ist ein Beispiel einer durchgedrehten rationalistischen Ökonomie, die wissenschaftliche Leistungen erst quantifiziert hat (nach Anzahl, Kategorien für A-, B- & C-Zeitschriften, Impact, Zitationen usw.) und dann, im Wettbewerb, immer mehr “Optimierung” dieser Zahlen erfordert.

    Es handelt sich also im Wesentlichen um dieselben Mechanismen, wie in der freien Wirtschaft auch; hier wie dort kommt es zu immer mehr Skandalen, Schummeleien usw.; und genau so, wie es in der Wirtschaft immer weniger um die Befriedigung sinnvoller Bedürfnisse geht (wer wartet schon innig auf das iPhone X), geht es in der Wissenschaft immer weniger um Innovation und Erkenntnis.

  16. @Stephan Schleim: Massendemokratie?

    Dass ich nicht die erste und einzige bin, die diesen Akademisierungswahn kritisiert, ist klar. Dennoch ist er ungebrochen, und daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern. Sie haben Herrn Nida-Rümelin erwähnt, der damals auch gesagt hat, dass die OECD-Staaten mit der niedrigsten Akademikerquote zugleich auch die niedrigste Jugendarbeitslosigkeitsrate hatten. Insofern ist die Forderung der OECD nach einer Steigerung der Akademikerrate ja wohl zugleich die Forderung, die Jugendarbeitslosigkeit voranzutreiben.
    Wenn Sie schreiben:

    Die Stellen müssen ja irgendwo herkommen! Die Anzahl der Promotions- und PostDoc-Stellen ist national wie international stark gestiegen und steigt immer noch. Dass hier die Nachfrage das Angebot diktiert, kann ich mir nicht recht vorstellen.

    , dann haben Sie Recht – und die Antwort haben Sie ja auch schon gegeben:

    PhD-Studierende und PostDocs (einschließlich der wiss. MitarbeiterInnen in Deutschland) sind vor allem eins, billige Arbeitskräfte.

    Das ist nicht verwunderlich, denn schließlich ist die OECD ja auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa. Das heißt, hier kommt beides zusammen: der Wunsch nach Chancengleichheit, also Abi für alle und Akademisierung für so viele wie möglich, und der Wunsch des Marktes nach billigen Arbeitskräften. Auf diese Weise wird das, was ursprünglich als Wert gedacht und deshalb als Möglichkeit geschaffen wurde, in sein Gegenteil verkehrt. Das schrieb ich doch: Wenn man genau bis zum Ziel hindenkt, der Verwirklichung der Chancengleichheit und nicht weiter, sieht man die Folgen, u.a. für das Wissenschaftssystem, die negativen Auswirkungen nicht, und hat vor allem nicht die Interessen z. B. der Wirtschaft sowie menschliche Schwächen im Blick. Aber in einer massendemokratischen Gesellschaft wie der unseren geht es nun einmal darum, zum einen über eine große Zahl an der Massenproduktion von Gütern beteiligte billige Arbeitskräfte und zugleich über eine große Masse an Konsumenten zu verfügen, deren Bedürfnisse man weckt – selbst wenn niemand auf das iPhon X wartet, kommt es darauf an, zu denen zu gehören, die eins besitzen -, und für die Entwicklung solcher und anderer Produkte braucht man eben auch die Wissenschaft. Würden beim HBP nicht Ergebnisse anfallen, die im Bildungswesen, in der Computertechnologie, der Medizin, der Pharmazie gebraucht werden, es gäbe kein Geld für dieses Projekt.
    So gesehen könnte der Titel Ihres Beitrags auch lauten: Warum die Wissenschaft unter diesen derzeitigen Bedingungen nicht frei ist und auch nicht frei sein kann. Es sind nicht nur dieselben Mechanismen am Werke wie in der Wirtschaft, sondern die Interessen der Wirtschaft dominieren inzwischen auch die der Wissenschaft. Das ist nicht mehr eine Zusammenarbeit zweier gleicher Partner, sondern ein Machtspiel, in dem die Wissenschaft zu unterliegen droht.

    PS: Ich bitte für die Tipp-Fehler im vorherigen Beitrag um Entschuldigung, aber ich hatte keine Zeit mehr für die Vorschau

  17. @Trice: Chancengleichheit

    Guter Punkt, das mit der OECD und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Das erinnert mich an die “marktkonforme Demokratie”. Dabei könnte man “Wirtschaft” und “Markt” aber auch so verstehen, dass sie mit Demokratie und Wissenschaft kompatibel sind.

    Aber ich verstehe immer noch nicht, warum Sie von Chancengleichheit sprechen. Selbst wenn Sie jedem und jeder ein Abitur in die Hand drücken, dann entwertet das vor allem dieses Abschlusszeugnis, macht die Chancen aber doch nicht gleich: Dann sind es eben noch stärker als bisher andere Faktoren wie das Aussehen, die Beziehungen, die Bildungsherkunft, verfügbare finanzielle Mittel und andere Ressourcen, die die Karrierewege bestimmen.

    Die Abhängigkeit von der Wirtschaft variiert zwischen den Disziplinen; aber dort, wo sie gegeben ist, führt sie oft zu großen Problemen, ja.

  18. @Stephan Schleim: Chancen(Un-)gleichheit

    Nun, der Begriff stammt ja nicht von mir, sondern bezeichnet, was geplant und gewünscht ist. Wie ich aber schon schrieb, haben Maßnahmen, die ergriffen wurden, um dieses Ziel zu erreichen, dieses konterkariert und Auswüchse hervorgebracht, die Sie ja beschrieben haben.
    In meiner Verwendung des Begriffs sollte eigentlich auch ein wenig Sarkasmus zum Ausdruck kommen, den ich angesichts der Situation empfinde, obwohl es eigentlich Kummer und Fassngslosigkeit sind, die mich umtreiben.

  19. @Trice

    …obwohl es eigentlich Kummer und Fassungslosigkeit sind, die mich umtreiben.

    Hmm, das wird das Problem leider auch nicht lösen. Was man nicht ändern kann, das kann man vielleicht stoisch ertragen.

  20. @Stephan Schleim

    das kann man vielleicht stoisch ertragen.

    Nicht im Ernst, oder? Sie ertragen diese Missstände ja auch nicht stoisch, sonst hätten Sie diese Beiträge nicht geschrieben.

    Und wer sagt, dass man sie nicht ändern kann? Oder nicht wenigstens dazu beitragen kann, dass sich etwas ändert? Es kommt nur darauf an, zu erkennen, wo man ansetzen muss, sonst reibt man sich auf: nicht an den Symptomen, sondern an den Wurzeln des Übels. Dazu muss man aber erst einmal bis zu ihnen vordringen, was nicht gelingt, wenn man sich an den einzelnen Symptomen abarbeitet. Darauf hatte ich hinweisen wollen.

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben