Warum bekommen immer mehr Menschen Depressionen diagnostiziert?

Ein tiefer Einblick in die Depressions-Epidemie
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird nicht müde, auf die zunehmenden Herausforderungen durch depressive Störungen hinzuweisen. Als Kernsymptome gelten einerseits die depressive Verstimmung beziehungsweise Niedergeschlagenheit und andererseits die Motivations- und Antriebslosigkeit. Laut WHO leiden etwa 4 Prozent der Weltbevölkerung darunter, rund 6 Prozent der Erwachsenen.
Häufige Begleitsymptome sind Schlafprobleme – zu viel oder zu wenig Schlaf – und Konzentrationsstörungen. Das Denken an den Tod und sogar Pläne oder Versuche für einen Suizid gehören zu den schwersten Symptomen. Zwar sind Selbsttötungen zum Glück sehr selten, doch für die Betroffenen und Angehörigen erschütternd. Als Suizid-Paradox ist bekannt, dass zwar Frauen, die auch häufiger die Diagnose Depression bekommen, mehr Suizidversuche unternehmen. Im Endeffekt sterben aber in allen Ländern der Welt mehr Männer durch Selbsttötungen. In den USA trifft es sogar viermal so viele Männer wie Frauen.

Auch wenn das Thema Depression in aller Munde ist, ist es kaum verstanden. Wie ich in meinem Buch über die Depressions-Epidemie genauer ausführe, lassen offizielle diagnostische Kriterien 227 unterschiedliche Formen von Depressionen zu. Dabei kann es sein, dass zwei Betroffene gerade einmal ein Symptom gemeinsam haben.
Depressionen kennen also viele Gesichter. Dass die genannten Probleme als Symptome anerkannt sind, nicht aber häufig ebenfalls auftretendes Grübeln, Magen-Darm-Probleme oder Schmerzen, ist eine Konvention: Führende Fachleute verständigen sich alle Jahre wieder am Konferenztisch auf die offizielle Lesart.
Ein einflussreicher britischer Psychiatrieforscher des 20. Jahrhunderts sprach daher von der „depressiven Verwirrung“. Damit meinte er aber nicht etwa den Geisteszustand der Betroffenen, sondern das Unvermögen seiner Kolleginnen und Kollegen, sich auf ein Verständnis von Depressionen – oder früher: Melancholie – zu einigen. Ein von mir im Buch angeführter deutscher Professor bezeichnete sie vor 120 Jahren schlicht als „krankhafte Traurigkeit“.
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Diagnostische Trends
Man könnte meinen, dass die von der WHO genannten 4 Prozent schon viel sind. Schaut man auf das medizinische Handeln in Deutschland, zeichnet sich aber ein ganz anderes Bild: Demnach bekamen 2022 ganze 38 Prozent der Kassenpatientinnen und -patienten eine psychische Störung diagnostiziert. Das bedeutet einen Anstieg von 13 Prozent gegenüber 2012. Es scheint immer normaler zu werden, ernsthafte psychische Probleme zu haben – und dafür psychotherapeutische und/oder ärztliche Hilfe zu suchen.
Angeführt wurde das mit 14 Prozent tatsächlich von Depressionen. Frauen erhielten diese Diagnose 1,7-mal häufiger als Männer. Danach folgten psychische und Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit psychoaktiven Substanzen (8 Prozent). Diese wurden bei Männern 1,5-mal häufiger diagnostiziert. Angststörungen landeten mit 7 Prozent auf Platz drei, bei Frauen 1,9-mal so oft. Posttraumatische Belastungsstörungen waren mit 1 Prozent vergleichsweise selten, verdoppelten sich aber gegenüber 2012 (plus 116 Prozent). Auch diese Diagnose erhielten Frauen in etwa doppelt so häufig.

Aber wie passt das zusammen: Die WHO spricht von 4 Prozent, während in Deutschland mit 14 Prozent mehr als dreimal so viele die Diagnose bekommen? Ich erwähnte bereits, dass etwas diffus bleibt, was Depressionen eigentlich sind. Neben der Festlegung und Veränderung der Kriterien am Konferenztisch stellt sich in der Praxis ein viel größeres Problem: Wie schwer müssen die genannten Symptome sein, um eine Diagnose zu rechtfertigen? Wie niedergeschlagen muss etwa jemand sein, wie oft muss der Schlaf gestört sein, wie stark die Konzentration eingeschränkt oder wie oft an den Tod gedacht werden?
Hierauf gibt es keine eindeutige Antwort. Die offizielle Meinung lautet, dass die Diagnose einer psychischen Störung üblicherweise ein erhebliches Leiden und/oder eine erhebliche Einschränkung des Alltags voraussetzt. Mit „erheblich“ habe ich hier den Fachbegriff der „klinischen Signifikanz“ übersetzt. Was das ist, dafür gibt es Richtwerte. Im Endeffekt liegt es aber im Auge des Betrachters: Wenn der Arzt oder die Psychotherapeutin denkt, dass die Probleme ernst genug sind, dann wird er oder sie eine Diagnose stellen. Das System zur Abrechnung der Behandlungskosten setzt oft auch eine Diagnose voraus.
Folgen einer Diagnose
Diesen Vorgang sollte man aber nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Diagnose einer psychischen Störung mag zwar einerseits die Tür für bestimmte Behandlungen öffnen. Andererseits kann diese aber in verschiedenen sozialen Kontexten zum Bumerang werden: zum Beispiel beim Abschluss einer Versicherung, bei der Aufnahme einer Hypothek fürs Eigenheim oder mit Blick auf eine mögliche Verbeamtung im Staatsdienst.
Ich selbst habe gerade wieder die monatlichen 3,38 Euro „Strafgebühr“ für meine Hypothek abgezogen bekommen, schlicht weil ich wegen Stress bei einer Psychotherapeutin war – und das ehrlich gegenüber der Bank angegeben habe. Wenn man es verschweigt, kann einem das später als Versicherungsbetrug oder andere Art der Täuschung ausgelegt werden und als doppelter Bumerang zurückkommen. Manchen, die es versuchten, wurde deswegen schon der Beamtenstatus aberkannt.
Aufgrund langer Wartelisten, insbesondere für die Kassenpatienten, hat sich ein regelrechtes Diagnose-Shopping entwickelt: Eine ADHS-Vordiagnostik lässt sich beispielsweise für 140 Euro kaufen; für eine vollständige Diagnostik wird man eher auf 300 bis 400 Euro kommen. Die gewünschte Diagnose ist damit zwar nicht garantiert. Aber wer wird schon seine zahlenden Kunden enttäuschen und negative Bewertungen riskieren?
Das diagnostische Ergebnis erleben viele als Entlastung: „Endlich wusste ich, was mit mir nicht stimmt!“ Damit deutet man bestimmte, unerwünschte körperliche oder psychische Wahrnehmungen nicht nur als medizinisches Problem; vielmehr verinnerlicht (internalisiert) man sie auch. Was das bedeutet, dazu gleich noch mehr.
Zum Glück liefert die Medizin beziehungsweise die klinische Psychologie nicht nur die Diagnose, sondern vor allem auch: die Entschuldigung. „Es ist eine Krankheit; du kannst nichts dafür!“ Eine Diskussion der Ursachen von Depressionen zeigt, dass das aus gesellschaftlicher Sicht kein trivialer Vorgang ist. Analog gilt das Folgende für die meisten anderen psychischen Störungen, von denen inzwischen Hunderte unterschieden werden.
Geschichte
Um diesen Gedanken besser zu verstehen, müssen wir uns kurz mit der Geschichte der Psychiatrie beschäftigen: In der aufkommenden bürgerlichen Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts gab es zwei traditionelle Institutionen, die sich mit der Aufrechterhaltung der Normalität befassten, die Kirche und die Polizei. Im Zuge der Verstädterung blieb aber eine größer werdende Gruppe von Menschen übrig, die nicht so recht in diese Institutionen passte. Diese nannte man damals Irre, Unsinnige oder Wahnsinnige. Sie waren weder „verlorene Schafe“ des Herrn noch wirklich Kriminelle, auch wenn manche von ihnen ernsthafte Probleme verursachten.
Noch bis in die 1830er-Jahre suchten französische Minister nach einem passenden bürgerlichen Umgang mit diesen Menschen. Die ersten modernen Psychiater wie Philippe Pinel (1745-1826) oder dessen Lieblingsschüler Jean Étienne Dominique Esquirol (1772-1840) boten mit der Errichtung psychiatrischer Kliniken die passende Lösung. Bei deren Nachfolger Jean-Martin Charcot (1825-1893) sollte später der junge Sigmund Freud (1856-1939) studieren, der die Psychiatrie mit seiner Neurosenlehre ins 20. Jahrhundert führte.
Pioniere wie Pinel und Esquirol stellten diagnostische Systeme der „Geisteskrankheiten“ auf und unterschieden zum Beispiel Demenz, Manie, Melancholie und „Idiotismus“. Sie sammelten Statistiken zu deren Häufigkeit und entwickelten Gedanken über die Ursachen und Therapien.
Von der Beobachtung zum Gehirn
Die Psychiatrie brauchte aber vor allem ein passendes Organ, das als Krankheitsherd dienen konnte. Sie fürchtete, sonst nicht so ernst genommen zu werden wie die anderen Felder der Medizin. Damals war die Phrenologie in Mode und man übernahm schließlich deren Ansicht der funktionellen Spezialisierung des Gehirns, ohne den folkloristischen Teil der Schädellehre anzuerkennen – die später in Verruf geratene Sichtweise, man könne von der Kopfform auf den Charakter eines Menschen schließen.
Der Gedanke, dass die Psychiatrie im Grunde eine Medizin des kranken Gehirns ist, prägt die Forschung und Praxis dieser Disziplin bis heute. Bei der damals noch unbehandelbaren Geschlechtskrankheit Syphilis stimmte das sogar oft: Das Bakterium Treponema pallidum richtete auf Dauer immer größeren Schaden an, bei vielen auch im Nervensystem. Das führte zur gefürchteten „Neurosyphilis“, die neben neurologischen Wahrnehmungs-, Bewegungs- und Sprachstörungen auch zum psychiatrischen „Wahn“ führen konnte. Und weil dessen Symptome denen der sogenannten Schizophrenie ähnelten, vermutete man auch hier und für die anderen Störungsbilder eine neuronale Ursache.
Dieser neuropsychiatrische Traum ist aber bis heute nicht in Erfüllung gegangen. Psychologisch-psychiatrische Diagnosen stellt man nach wie vor durch Gespräche und Verhaltensbeobachtung. Einen zuverlässigen Gen- oder Gehirn-Test gibt es für keines der Hunderten Störungsbilder. Der angebliche genetische Beitrag auf die Entstehung der Probleme wird regelmäßig übertrieben. Dabei wollte man sich in den 1970ern von Freuds Modell verabschieden und endlich die lang ersehnte neue wissenschaftliche und objektive Psychiatrie schaffen.
Erst kürzlich formulierten führende Fachleute die Pläne für die nächste Überarbeitung des diagnostischen Systems, das wohl in den 2030er-Jahren fertig sein dürfte: Ganz oben auf der Liste stehen nach wie vor eine neurowissenschaftlich fundierte Krankheitslehre und biologische Tests für die Störungen. Für Alzheimer soll das bald möglich sein. Man wird es sehen. Jedenfalls zeigt das die große Wissenslücke des Gehirn-Denkens in der Psychiatrie auf.
Risikofaktoren
Was bleibt unterdessen? Ein vages Störungsbild der Depression. Unerklärlich steigenden Diagnosen. Eine Psychiatrie und zum Teil auch klinischen Psychologie, die objektive Neurowissenschaft sein will, doch der das seit 200 Jahren nicht gelingt. Treffenderweise sollte man daher auch nicht von den „Ursachen“ psychischer Störungen sprechen, sondern von „Risikofaktoren“. Und diese finden sich laut jahrzehntelanger Forschung vor allem im psychosozialen Bereich.
Wie ich im Buch über die Depressions-Epidemie näher ausführe und auch die WHO bestätigt, sind das bei depressiven Störungen vor allem schwere Lebensereignisse. Das sind zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Verlust einer Beziehung durch Trennung oder Tod, traumatische Erfahrungen etwa in der Kindheit, als Opfer eines Unfalls, Verbrechens oder im Kriegs- oder Kriseneinsatz. Allgemein anerkannt erhöht schwerer, anhaltender Stress die Wahrscheinlichkeit für viele psychische und körperliche Probleme. In diesem Sinne können auch Erfahrungen anhaltender Armut oder Ausgrenzung an der Seele zehren.
Schwerer Drogenmissbrauch ist ein weiterer Risikofaktor. Dabei sind psychoaktive Substanzen aber oft ein Mittel, um ein hartes Schicksal zu bewältigen; die Richtung der Ursache-Wirkung-Beziehung ist hier also nicht ganz klar. In vielen wissenschaftlichen Studien aus mehreren Ländern ist bestätigt, dass erlebte Kindesmisshandlung das Risiko von schwerem Alkohol- und anderem Drogenkonsum, Depression und Suiziden um ein Vielfaches erhöht. Und eine Emigration – oder umso mehr unfreiwillige Flucht – in eine andere Kultur erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Schizophrenie-Diagnose erheblich.
Zerrissenheit
Das führt uns zu der inneren Zerrissenheit, die die Psychiatrie bis heute plagt. Sie will so objektiv und wissenschaftlich sein wie die anderen Zweige der Medizin. Dafür hat sie schon im frühen 19. Jahrhundert das Gehirn-Modell eingeführt. Die Betroffenen leiden aber noch heute unter dessen Folgen: Indem man der Psychiatrie (wörtlich: Seelenheilkunde) sozusagen die Psyche, die Seele austrieb und aus ihr in heutiger Redeweise eine „klinische Neurowissenschaft“ machen wollte, riss man sie aus der Verankerung. Noch in Freuds Lehre entsprangen psychische Störungen nämlich oft unbewussten psychischen Vorgängen.
Ohne Verankerung erfahren viele Betroffene bis heute, dass man ihre Probleme als „psychisch“ oder „psychosomatisch“ relativiert, kleinredet oder sogar gänzlich leugnet. Eine Leserin formulierte es in der Diskussion chronischer Erschöpfung (engl. Chronic Fatigue Syndrome, CFS) einmal treffend so: „Nein, das ist nicht psychisch, das ist real!“
Wenn das Psychische, unsere intimste Innerlichkeit, zur Illusion abgestempelt wird, dann ist die Entfremdung des Menschen von sich selbst vollendet. In der Folge gibt man dann selbst sichtbar schwer Depressiven nutzlose und demütigende Ratschläge, etwa „Stell dich nicht so an!“ oder „Mach doch mal Urlaub!“, wenn man sie nicht gleich ganz als Faulenzer und Simulanten abstempelt.
Es hätte Vorteile, wenn die Neuropsychiatrie ihr Versprechen eingelöst hätte und wenn die Störungsbilder zum Beispiel im Hirnscanner diagnostizierbar wären: Dann könnte es nicht sein, dass die WHO die Häufigkeit von zum Beispiel Depressionen auf 4 Prozent der Bevölkerung schätzt, 2022 aber in Deutschland – wie wir oben sahen – 14 Prozent die Diagnose bekamen. Die neuesten Zahlen des Robert Koch-Instituts deuten sogar auf 22 Prozent, verwendeten hierfür aber andere Kriterien.
In der Praxis sehen Fachleute massenweise Menschen mit unspezifischen Problemen wie Erschöpfung, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit, vielleicht Schlafproblemen, Gewichtsveränderungen. Dazu kommt eine fast beliebig große Anzahl anderer psychischer und körperlicher Beschwerden, für die es keine eindeutige medizinische Erklärung gibt. Den Statistiken nach denken viele dann an eine depressive Störung und diagnostizieren diese auch. In einer Psychotherapie kann man dann, sofern man überhaupt einen Platz bekommt, je nach Verfahren problematische Denkmuster, unbewusste Konflikte und/oder Beziehungsdynamiken bearbeiten.
Individualisierung
Der Haken an der Sache ist aber: Sowohl das Gehirnmodell der Psychiatrie als auch die gängigen Psychotherapieverfahren individualisieren die Probleme. Dabei sahen wir, dass die Risikofaktoren oft in der Umwelt und in vergangenen Erfahrungen liegen. Wenn man nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel. Und wenn man eine Person immer nur für kurze Zeit und unter vier Augen in der abgeschotteten Praxis oder Klinik sieht, ist der naheliegendste Ansatzpunkt eben genau dieses Individuum. Seine normale, alltägliche, familiäre und berufliche Umgebung sieht man in der Regel nicht.
Zum Anstieg der psychologisch-psychiatrischen Diagnosen – oben wurde ihre Häufigkeit auf jährlich 38 Prozent beziffert, Tendenz steigend – wäre noch viel mehr zu sagen. Doch schließen wir an dieser Stelle damit, auf eine therapeutische Zwickmühle zu verweisen: Soziale Härten werden immer öfter psychologisiert, psychiatrisiert, medikalisiert. Doch diese Masse der Menschen lässt sich unmöglich psychotherapeutisch versorgen, selbst wenn wir heute mehr Therapeutinnen und Therapeuten haben denn je. Ich habe selbst Tausende akademisch im Fach Psychologie ausgebildet.
Ein derartiger Anstieg kann nur dann bewältigt werden, wenn sich auch die therapeutischen Maßnahmen entsprechend vervielfältigen lassen. Hier kommen Psychopharmaka ins Spiel, die sich – anders als Therapeutinnen und Therapeuten – fabrikmäßig produzieren lassen. Zum erwähnten Anstieg bei den diagnostizierten Depressionen auf inzwischen 14 oder mehr Prozent im Jahr passt, dass Hausärztinnen und Hausärzte die (angeblich) passenden Medikamente immer häufiger selbst verschreiben und das seltener den Fachleuten aus der Psychiatrie überlassen. Dabei geht es um die sogenannten Antidepressiva, die heute elfmal so häufig verabreicht werden wie vor 35 Jahren.

Mit welchen Wirkungen und Nebenwirkungen das einhergeht und was das für die Betroffenen bedeuten kann, diskutieren wir im zweiten Teil.
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Quellen
- Ashton, A. K., Jamerson, B. D., Weinstein, W. L., & Wagoner, C. (2005). Antidepressant-related adverse effects impacting treatment compliance: results of a patient survey. Current Therapeutic Research, 66(2), 96-106.
- Felitti, V. J., Anda, R. F., Nordenberg, D., Williamson, D. F., Spitz, A. M., Edwards, V., & Marks, J. S. (1998). Relationship of childhood abuse and household dysfunction to many of the leading causes of death in adults: The Adverse Childhood Experiences (ACE) Study. American Journal of Preventive Medicine, 14(4), 245-258.
- Oquendo, M. A., Abi-Dargham, A., Alpert, J. E., Benton, T. D., Clarke, D. E., Compton, W. M., … & Gogtay, N. (2026). Initial strategy for the future of DSM. American Journal of Psychiatry, 183(5), 292-300.
- Rosen, R. C., Lane, R. M., & Menza, M. (1999). Effects of SSRIs on Sexual Function: A Critical Review. Journal of Clinical Psychopharmacology, 19(1), 67-85.
- Schleim, S. (2026). Perspektiven aus der Depressions-Epidemie: Was Depressionen sind und wie man sie behandelt. BoD, Hamburg.
- Thom, J. et al. Dtsch Arztebl Int 2024; 121: 355-62; DOI: 10.3238/arztebl.m2024.0052
- Zeiss, R., Malejko, K., Connemann, B., Gahr, M., Durner, V., & Graf, H. (2024). Sexual dysfunction induced by Antidepressants—A pharmacovigilance study using data from vigibasetm. Pharmaceuticals, 17(7), 826.
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Schon die Evolution installiert uns Gehirne, die die Augen fest verschließen, sich die Finger in die Ohren stecken und laut Lalala schreien, um nicht mehr vom Leben mitzubekommen als nötig. Geistig gesund sind Psychopathen mit einer sehr selektiven Empathie. Und ich sehe nicht ein, warum Verdammte in der Hölle nicht wenigstens in Wahn, Unwissenheit und Realitätsflucht ihr Glück finden sollten, sodass sich die Momente der Erkenntnis auf die hoffentlich kurzen Zeiträume beschränken, in denen sie von ihren Mitverdammten auf die Folter- oder Schlachtbank gezehrt werden.
Wir werden zu sehr viel Empathie, Offenheit und einer objektiven Weltwahrnehmung erzogen, wir bekommen sehr nüchtern sehr viele Informationen über die Welt und ihre Funktionsweise. Wir wachen auf, doch indem wir uns für die Wahrheit öffnen – öffnen wir uns auch für den Schmerz.
Vielleicht ist das der Grund, warum die Depressionen zunehmen. Ich kenne das allerdings umgekehrt: Weil ich als Depri vor dem Schmerz nicht fliehen konnte, habe ich ihn studiert. Depression öffnet einem die Augen für viele Dinge, die die Normalos nicht sehen wollen.
Ich brauche die Wahrheit, um zu überleben und die Lüge, um die Wahrheit zu ertragen. Entweder Sie finden einen brauchbaren Kompromiss – und sei es, indem Sie sich mit Drogen zuknallen oder einer Lobotomie unterziehen – oder Sie kündigen und nehmen sich den Strick. Und weder die Psyche noch das Leben sind so gestaltet, dass man von Menschen verlangen könnte, sich im Namen von Wahrheit, Logik, Realismus und Konsequenz umzubringen.
Es gibt aber auch keine Rechtfertigung dafür, es ihnen zu verbieten. Gesunde entscheiden sich für eine funktionale, lebenserhaltende Art des Massenwahns. Die Mehrheit der Depressiven würde sich wohl gern anschließen, denn so sind wir nun mal programmiert – und wenn’s Drogen oder Therapien gibt, die ihre Hirne so umgestalten, dass sie das Leben ertragen und glücklich werden, warum nicht? Solange wir fressen, macht das Ganze ja Spaß, außer wir entwickeln zu viel Mitleid mit unseren Opfern. Zu wenig Mitleid, und wir knabbern uns zu oft gegenseitig an, um glücklich zu werden – dann werden wir einfach nur sehr, sehr langsam gefressen.
[Wegen der Überlänge und Sprache gekürzt. Sie dürfen sich gerne an der Diskussion Beteiligen. Die Ausführungen zu Psychopharmaka passen besser zum folgenden Teil. S. Schleim]
Paul S.
„Nein, das ist nicht psychisch, das ist real!“
Du schreibst das auf deine Weise :“ Gesunde entscheiden sich für eine funktionale, lebenserhaltende Art des Massenwahns.“
Und die Kranken ? Die sind dann wenigstens nicht mehr wahnsinnig. Das wäre die Schlussfolgerung ?
Jetzt mal wieder zurück in die Wirklichkeit. Gestern erlebt in einem großen Supermarkt. Die Klimaanlage ist überfordert, sie pfeift und rattert, man wird taub, die Mitarbeiter rennen durch die Gänge, die Kunden rennen durch die Gänge um dem Lärm zu entgehen.
Kann man dabei gesund bleiben ? Wer nur diesen Arbeitsplatz hat wird taub oder depressiv.
Damit hätten wir schon mal einen Auslöser, es ist der Stress, ein lebenslanger Stress. Und der ist nicht nur psychisisch, der ist real.
Anmerkung: auch ein Name kann Stress machen.
@biobrain: Stress
Und dann kommt der-/diejenige Person nachhause und da wird dann noch vorm Haus gebaut und die (ebenfalls gestressten) Nachbarskinder tanzen über einem herum.
Stress wird in unserer Kultur meistens nur verwaltet, nicht aufgelöst. Man geht zum Coach, zum Yoga, meditiert und fühlt sich etwas besser – aber bleibt am Ende doch gestresst.
Das ist unser „Normalzustand“ geworden. Die genannten Professionen profitieren davon ganz gut. Jede(r) Einzelne soll es bitte selbst auflösen. Und wer dann ausfällt, bekommt eine ICD-Diagnose und wird psychologisch/psychiatrisch behandelt.
(Die Ursachen bzw. Risikofaktoren psychischer Störungen sind natürlich komplexer als das, wie es ja auch schon im Haupttext stand; aber ein Teil der Geschichte ist es doch.)
Stephan Schleim Thema : Stressabbau
Wir waren gestern so „aufgeheizt“ , dass wir zwei Zwetschenkuchen gebacken haben. Wir waren erst um 23.30 Uhr damit fertig, aber der Geruch von frisch gebackenem Kuchen zog durch das ganze Haus.
Und heute Morgen, der Kuchen zu frischem Kaffee, das ist auch Stressabbau, auch wenn es Arbeit macht.
Tipp für Lehrkräfte: Ein gemeinsames Frühstück mit den Schülern sollte man einplanen, es ist einfacher als man denkt, auch unter Schülern gibt es schon Feinschmecker, und wenn jeder sein Lieblingsfrühstück vorstellen darf, das ist ein Erlebnis.
Tipp 2: Wer es gern süß mag, türkische Baklava sind kalorienreich aber schmecken. Vielleicht sind türkische Schüler deshalb belastbarer als ihre deutschen Freunde.
@biobrain
02.09.2026, 13:23 Uhr
Du empfiehlst Substanzkonsum zum Stressabbau? Von Deiner Seite aus eine interessante Wendung ^^
Uli Schoppe,
Substanzkonsum zum Stressabbau?
Gemeint war, dass alles was Genuss bereitet auch den Stress vergessen lässt.
Deswegen trinken die Männer doch Bier und die Frauen trinken einen Cappuccino.
Das geht auch mit Essen.
Der Nachteil „Genuss“ macht süchtig.
Stephan Schleim
Was die Antidepressiva betrifft, sie brauche Leser, die solche Medikamente einnehmen. Als Laien sind wir da nicht die richtige Zielgruppe.
Tipp: Vielleicht ist ihre Überschrift verräterisch.
Wer Depressionen hat, der hat auch Angst, und wer sich hier fachkundig meldet, der gibt dann auch zu ein Betroffener zu sein. (Und wer will das schon?)
@Schoppe: Zucker
Gut aufgepasst! Wann wird uns endlich die Politik und den Zucker verbieten?! Idealerweise werden dabei auch die Moleküle im Innern unserer Körper mitberücksichtigt.
@biobrain: Laut den Statistiken gibt es mehr als genug Menschen, die schon Erfahrungen mit „Antidepressiva“ gemacht haben. Die Diskussion steht hier allen offen, die sich konstruktiv daran beteiligen wollen. Und man muss ja nicht seinen echten Namen preisgeben, wie man an Ihrem Beispiel gut sieht.
@biobrain
08.09.2026, 08:53 Uhr
Ich suche gerade den Unterschied bzw. den Wiederspruch.
Das empfinde ich als sexistisch:
https://www.aerzteblatt.de/news/insbesondere-gut-ausgebildete-und-erfolgreiche-frauen-konsumieren-mehr-alkohol-423eb5fe-f80e-468b-8034-313c9852877f
Ja. Ich kann da mitreden. Ich biete eine Bulimie aus jungen Jahren an. Gehst Du mit? 🙂
Nein. Eine Abhängigkeitserkrankung liegt vor wenn aus einem gelegentlichen Genuß ein zwanghaftes Verlangen und Verhalten wird begleitet von Kontrollverlust.
In meinen Augen ist das bei Dir unter anderem klassisch der Fehlschluß „Mit dem heißt wegen dem“.
Ich sage immer ganz gerne obgleich natürlich etwas simplifizierend und provokant ein Alkoholiker oder anders Abhängigkeitserkrankter nimmt seine Medizin …
Das sind alles Annahmen bei denen mir fehlt woher Du nimmst das sie zumindest nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Ich denke heausgelesen zu haben das ich da nicht der einzige Leser wäre.
Zu Antidepressiva kann ich nicht viel sagen, nur zu Distra und Haldol (nicht in der auch gerne genommenen Kombi mit Benzodiazepin).
Ich werde den Teufel tun und die Einnahme irgendwie verteufeln oder stigmatisieren.
Ich bin im Gegenteil der Überzeugung das die Einnahme in einem akuten Stress- und emotionalen Ausnahmezustand ausgesprochen hilfreich sein kann.
Ich kann nur für mich sagen das ich zu meinem Glück auf einen guten leitenden Mediziner getroffen bin der sich nach meiner Verweigerung der Einnahme nur dazu berufen fühlte sich zu vergewissern das ich das ernst meine und mir zu erklären womit ich zu rechnen hätte was dann passieren kann und ob ich das wolle.
Dem war ziemlich klar das Menschen keine Maschinen sind wo man oben Medikamente reinschmeißt und dann ein anderer Mensch dabei herumkommt.
Das solltest Du dann schon näher erläutern. Ich finde nämlich nichts…
Das sind Dinge die eigentlich nicht in einen Satz gehören. Aber gut, zum Einen: Natürlich gehen Depressionen gerne mit Ängsten einher. Negative Gedanken verstärken Ängste, wie sollten sie nicht? Das ist aber nicht immer so.
Sich fachkundig äußern können in der Tat Betroffene am Einfachsten aber eben nicht alleinig. Schließlich sind die die Experten. Die Therapeutinnen haben im Regelfall keine entsprechende Erfahrung zu bieten. Was auch dem Umstand zu verdanken ist das man in der Regel keine Therapeutinnen mehr einstellt die in der Hinsicht einen eigenen Erfahrungshintergrund aufzuweisen haben (was ich für vollkommen sinnbefreit halte. Ich spreche doch lieber mit jemandem der weiß wovon ich rede. Was andere Therapeuten natürlich nicht automatisch ausschließt. Schließlich bringen die einen anderen eigenen Erfahrungshintergrund mit und eine andere Außensicht ist keinesfalls kontraproduktiv und im besten Fall ausgesprochen hilfreich. Ich fand auch Gespräche mit einem Therapeuten der nicht mal raucht oder Kaffee oder Tee trinkt was nun auch unter Therapeutinnen nicht die Regel ist als ausgesprochen interessant und hilfreich. So ein Gespräch ist ja keine Einbahnstrasse: Was ist bei diesem Menschen denn jetzt anders als bei mir? )
Was mir so zu dem Thema Häufigkeit der Verschreibung einfällt:
Natürlich ist das so das an der Stelle auch Gewinninteressen mitspielen. Ich neige aber eher weniger dazu zu unterstellen das mich viele Ärztinnen und Therapeuten für entsprechendes Entgelt auch auf die nächste Galeere verschachern würden.
Die Tatsache, das wer einen Hammer hat gerne überall Nägel sieht könnte nicht auch eine Rolle spielen?
Die Wahrscheinlichkeit das man Ärztin oder Therapeut wird hat ja gerne auch etwas mit der Tatsache zu tun das man anderen Menschen gerne hilft.
Ich stelle mir vor wenn ich sehen würde das ein Medikament erst mal hilft und die Situation verbessert auch wenn der Effekt dann vieleicht kein Bleibender sein sollte das es mir passieren könnte das zu tun von dem ich schon mal gesehen habe das es eine Wirkung hat. Da drauf dann noch die ja nicht grundsätzlich falsche Annahme, das vieleicht nur die Dosis zu niedrig ist und Tada! steckt man in der Falle.
Um endlich mal einen Autovergleich zu bringen: Wenn sich das Auto beim Anschieben nicht bewegt muss ich doch nur fester drücken oder?
Kann ja gar nicht das vieleicht die Handbremse noch angezogen ist…
@Schoppe: Alkohol und Geschlecht
Danke für die interessante Quelle im Deutschen Ärzteblatt.
Verwirrend an dieser Berichterstattung finde ich aber, dass 1) die Grenze für den „riskanten Konsum“ bei den Frauen i.d.R. viel niedriger liegt als bei den Männern, nämlich bei der Hälfte, was sie da nicht mitteilen; und 2) mit keinem Wort erwähnt wird, dass die Menschen sowieso immer weniger trinken. Gut informierte Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen das natürlich schon lange.
Und, ja – ich bin auch nicht immer damit zufrieden, wie manche hier argumentieren. Darum freue ich mich, wenn auch andere, wie Sie hier, dem kritisch auf den Zahn fühlen. Danke!
P.S. Noch ein Gedanke zum Ärzteblatt: Schade, dass sie nicht auf die Idee kommen, dass die Überschrift „Insbesondere gut ausgebildete und erfolgreiche Frauen konsumieren mehr Alkohol“ einen Kausalzusammenhang ausdrücken könnte.
@Schoppe: Psychopharmaka
Ja, na ja – insbesondere dann, wenn es keine andere (realistische) Möglichkeit gibt, dass sich jemand wieder beruhigt.
Aber dann sollte man meiner Meinung nach ehrlich sagen, dass man Psychopharmaka oder Drogen dazu verwendet, um vorübergehend ein paar unangenehme Symptome zu dämpfen. Und eben nicht ursächlich eine „Gehirnstörung“ behandelt, mitunter über Jahre oder gar Jahrzehnte. Damit verhindert man vielleicht sogar, dass die betroffene Person nach Alternativen sucht, die mehr Spielraum im Leben eröffnen könnten, statt passiv psychoaktive Substanzen zu konsumieren.
Ich könnte bei Gelegenheit einmal die Studie diskutieren, die zeigte, dass in der Notfallmedizin männliche Ärzte schneller und öfter ein Beruhigungsmittel geben, während Ärztinnen dasselbe Ziel häufiger durch gutes Zureden erreichen. In diesem Kontext ist ihr Bild vom Mensch als Maschine doch ganz interessant.
Sehr gut. Und meine Artikelserie ist ja vor allem als Plädoyer gemeint, umfassend und ehrlich über Wirkung und Nebenwirkungen zu informieren. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein; ist es dem Anschein nach (leider) aber oft nicht.
@Stephan Schleim
10.09.2026, 12:37 Uhr
@Schoppe: Alkohol und Geschlecht
Danke für die interessante Quelle im Deutschen Ärzteblatt.
Ich habe den Artikel an der Stelle so verstanden das unterschiedliche Grenzen zunächst einmal ganz simpel aus dem Umstand resultieren sollen, das Männer und Frauen metabolisch anders mit der Substanz Alkohol umgehen und deshalb die körperlichen Risiken für eine Schadigung einfach anders sind. Was mir gefehlt hat ist der Hinweis das die Risiken vieleicht nicht so monokausal sind wie der Eindruck erweckt wird. Mit Risiken zu Argumentieren ist immer so eine Sache … vor allem wenn man da relative und absolute Zahlen nicht auseinanderhält.
Natürlich sollten sie das wissen 🙂 Das ist auch eine wirklich interessante Frage. Die Verbotshansel werden das natürlich als Erfolg von Repression werten wie immer und dabei ignorieren wie schlecht Prohibition schon öfter funktioniert hat.
Was hat sich geändert? Hat sich überhaupt grundsätzlich etwas verändert oder machen die Menschen ganz simpel etwas anderes? Ich habe da aus dem Stegreif keine einfache Antwort drauf.
Was mich an dem Artikel stört sind die mehr oder weniger gut versteckten Wertungen die mit drinnen stecken.
Aus „Auch wenn die Hauptursachen des Konsumbeginns die gleichen sind – Verfügbarkeit, Gelegenheit und gesellschaftliche Akzeptanz“ kann man schon relativ leicht erkennen wo die Reise vieleicht hingehen soll: Konsumbeginn verhindern notfalls auch über gesellschaftliche Ächtung…
Das gebe ich gerne zurück. Was das Phänomen Depression angeht ist das hier ein Ort an dem bei mir ziemlich erfolgreich vorhandene Annahmen als Gewissheiten abgeschafft wurden. Hier kommt viel an Fakten und möglichen anderen Zusammenhängen die ich selbst erst mal gar nicht gefunden hätte.
Ich habe das so verstanden das die Möglichkeit eines kausalen Zusammenhangs da ist und es sich vieleicht nicht einfach nur um eine Korrelation handelt. Vieleicht unterstelle ich da aber auch beim Artikel ein Nachdenken das gar nicht da war.
@Stephan Schleim
10.09.2026, 12:46 Uhr
Ich sehe das auch als Möglichkeit an sich, aber wirklich nur für den Moment!, Zeit zu verschaffen um Ansatz für einen Umgang mit dem Menschen und de Situation zu finden. Das Ziel sollte ja in meinen Augen nicht einfach eine medikamentöse Intervention sein die im Grunde nichts löst. Vieleicht passt das als Vergleich: Wenn ein Mensch eine akute Bluthochdruckkrise hat ist es sinnvoll mit einem entsprechenden Medikament einzugreifen um sich Zeit zu verschaffen. Damit habe ich dann erst mal verhindert das jemand zB einen Schlaganfall erleidet. Als Therapie ist es natürlich vollständig ungeeignet das dann einfach regelmäßig so zu machen…
Aber natürlich, alles andere wäre ja vollkommen unredlich!
Da sind wir sowas von vollkommen einer Meinung. Die Vorstellung bestimmte Dinge durch herumfummeln zB am Serotoninspiegel behandeln zu können hat sowas von versagt… Das Gerücht wird sich aber meiner Meinung nach leider noch eine ganze Weile halten…. Die „Chemisches-Ungleichgewicht“-Theorie ist einfach am Ende.
Das fände ich jetzt auch spannend. Den Eindruck das das häufig so ist hatte ich ja schon öfter, ich habe das aber bei mir selbst unter „Mögliches sexistisches Vorurteil“ eingeordnet weil ich dazu selbst nichts belastbares gefunden habe.
Dem kann ich nicht wiedersprechen. Und ich halte das (zu meinem Leidwesen) nicht nur für einen Anschein. Das hat schon sowas wie System.
@Schoppe: Drogenpolitik…
…ist meiner Erfahrung nach selten logisch. Aber unter den Wählerinnen und Wählern scheint es nur wenige zu interessieren. Solange es nicht den eigenen Konsum betrifft. (Sogar während der Prohibition in den USA gab es Alkohol auf Rezept – wenn man ihn sich denn leisten konnte.) Und den Rest bearbeitet man schrittweise mit Gesundheits-Tipps.
Ohne Not wird jetzt also das „begleitete Trinken“ verboten. Auch das Deutsche Ärzteblatt informiert falsch, dass man damit unter 16 nicht mehr trinken dürfe. Das JuSchuG regelt aber nur eine Ausnahme für das Trinken in der Öffentlichkeit.
Hier in den Niederlanden zeichnet sich gerade ein anderer Trend ab: Während die Politik eine „rauchfreie Generation“ will, wird rauchen bei Jüngeren wieder beliebter. Dabei spielt jetzt der Ausdruck einer Protesthaltung eine wichtige Rolle – und Schmuggler bzw. EU-Auslandsreisen bieten niedrigere Preise.
Protesthaltung? In Deutschland? Vielleicht wird man Unter-16-Jährigen bald Alkohol als Zeichen des Protests gegen Bevormundung aus Berlin anbieten.
@Schoppe: Gehirn&Psychiatrie
Die Psychopharmaka versprechen eben eine schnelle Lösung – und wenn sie unangenehme Gefühle dämpfen und das vom Arzt als „evidenzbasierte Medizin“ dargestellt bekommen, werden viele das als Heilungseffekt deuten. Und vielleicht wird daraus dann manchmal sogar eine self-fulfilling prophecy?
Ich gönne das ja allen – aber glaube, dass man dann ebenso auf viele „Drogen“ zurückgreifen könnte, auch natürliche. Und das hat man ja im Laufe der Zeit bei depressiven Störungen ja auch gemacht (Alkohol, Opioide, Stimulanzien……).
Und weil die Diskussion mit Ihnen so angenehm ist, habe ich mir die (kleine, dank passender Stichworte) Mühe gemacht, für Sie die Studie herauszusuchen. War Ende 2024 an der Uniklinik Ulm:
Einfühlsame Worte statt Beruhigungsspritze: Ulmer Studie zu Gender-Effekten bei der notärztlichen Behandlung psychiatrischer Notfälle
Vielen Dank 🙂
Ich werde mich heute Abend damit beschäftigen sobald ich Ruhe habe.
Habe ich vergessen anzumerken:
Das korreliert mit meinen Erfahrungen aus der Klinik. Das ist natürlich anekdotisch, aber das Angebot einer Medikamentenintervention kam wenn ich das mal so mit Abstand betrachte eher von männlicher Seite wenn es mir akut im Moment schlecht ging. Das war auch nicht an die Fachrichtung gekoppelt. Ich habe da für mich persönlich den Psychologen vor Augen der eigentlich sofort mit dem Angebot eines Beruhigungsmittels kam während die Neurologin (gibt ja Mediziner:innen verschiedener Fachrichtungen da), von der man / ich das jetzt so im Nachgang eben wegen der unterschiedlichen Ausbildung eher erwartet hätte als erstes ein in dem Sinne ein Gesprächsangebot gemacht hat in einer ähnlichen Situation. Ich zähle das einfache „Ich muss wieder nach vorne, kommen sie doch einfach mit und setzen sie sich einen Moment hin“ ausdrücklich dazu.
Bietet Vorteile: Man hat den Menschen im Blick und kann sehen wie sich die Situation entwickelt. Hat natürlich den „Nachteil“, das man jetzt auch persönlich involviert ist und sich kümmern muss. Benzos stellen einfach erst mal den Akutzustand ab. Man muss sich auch nicht wirklich „kümmern“ in dem Moment.
So rückblickend würde ich auch sagen, dass die Erfahrung, das akute Krisen eben auch ohne irgendeinen! Substanzkonsum beherrschbar sind unglaublich hilfreich war.
Und nachhaltiger: Die positive emotionale Erfahrung habe ich ja mitgenommen und die nimmt mir ja auch keiner mehr weg. Und das Verhalten das man sich zulegt ist ein ganz anderes. Den Impuls die Lage durch Substanzkonsum zu verbessern zu löschen ist unglaublich schwierig. Viel einfacher ist es wenn man Alternativen zur Hand hat. Es ist einfach leichter zur Alternative zwischenmenschlicher Kontakt zu greifen als sich mit dem Impuls zum Konsum prügeln zu müssen…
@Schoppe: Gespräche oder Medikamente
Schön, wie Sie das beschreiben.
Im Klinikalltag, gerade bei begrenzten Personalmitteln, ist das Ruhigstellen mit Medikamenten gewissermaßen „praktischer“. Das hat ja der Psychiatrieprofessor Hasler im dritten Teil ganz deutlich gesagt. (Und die Bundesregierung plant wohl wieder weitere Milliardenkürzungen im Sozialen.)
Bei Eltern oder Armutsgefährdung – oder wenn beides oder noch mehr zusammenkommt – kann der Druck, irgendwie zu „funktionieren“ noch höher sein.
Aber ich stimmte Ihnen zu, dass die Erfahrung, so eine Seelenkrise selbst bewältigen zu können, z.B. mit Ruhe und dem Rückzug von Stressauslösern, auch wichtig sein kann.
@Stephan Schleim
30.09.2026, 15:01 Uhr
Danke für die Antwort 🙂
Wie man aus der hier immer wieder beschriebenen Falle:
Im Text des Artikels wieder herauskommt da bin ich nämlich völlig ratlos. Darum schweife ich vieleicht auch vom eigentlichen Thema des Artikels ab…
@Schoppe: Darauf will ich im letzten Teil antworten. Noch etwas Geduld.
@Stephan Schleim
„Gesprächstherapie – Medikamente“ scheint derzeit eine ökonomische Frage. Medikamente sind eher billiger, manchmal selektiv ….
Ich hätte die Frage, was Sie von der Anregung halten, künftig relativ kostengünstige „neuartige KI Systeme“, eine moderne „Eliza“ sozusagen, für Behandlungen in Betracht zu ziehen???
@Realo/Elektroniker: KI in der Psychotherapie
Dazu wird ja schon seit Jahren intensiv geforscht. Ein paar meiner früheren Studenten haben dafür sogar ein Start-up gegründet.
Ich denke, dass es im Wesentlichen um die Menschlichkeit geht und KI das nicht wird ersetzen können. Dass man solche Systeme zum Verteilen allgemeiner Informationen oder zur allgemeinen Orientierung wird nutzen können und auch schon nutzt, kann ich mir aber ganz gut vorstellen.
@ Stephan Schleim 02.10.2026, 05:44 Uhr
Zitat: „Ich denke, dass es im Wesentlichen um die Menschlichkeit geht und KI das nicht wird ersetzen können. Dass man solche Systeme zum Verteilen allgemeiner Informationen oder zur allgemeinen Orientierung wird nutzen können und auch schon nutzt, kann ich mir aber ganz gut vorstellen.“
KI kann zwar keine eigenen „Empfindungen wahrnehmen“, aber allgemeine Informationen einbinden, was Sie bestens erkannt haben.
“Patienten“ könnten besser, entsprechend ihrer Fähigkeiten, Ziel genau in „Lebenssinn generierende“ allgemeine Hilfsprogramme eingebunden werden, z.B. in Ehrenämter, Tafeln, ….. bis hin zum Tierschutz, wenn sie im Tierheim Hunde ausführen oder Katzen streicheln.
Eine KI könnte Interessenprofile und Bedürfnisse von Organisationen automatisch zusammenbringen.
Es geht um bessere Einbindung in die Gemeinschaft, nicht nur um Individualtherapie. Zumal viele Probleme individualisiert werden, obwohl ihre Ursachen teilweise sozial sind.
Einsamkeit, Sinnverlust oder Vereinsamung, Nebenwirkungen von Depressionen, sollten nicht nur durch bessere „Gedankenmuster“ gelöst werden, sondern auch durch „learning by doing“.
Eine KI könnte daher als eine Art von Sozialnavigator, Gemeinwohl-Coach, Sinn-Finder,… wirken.
KI könnte diesen Ansatz, passende Jobs in der Nähe zu finden, sogar (Überschuss) Ressourcen zu verteilen ohne den „Markt zu belasten“, massiv ausbauen und zu mehr Wohlstand beitragen.
Im Sinne von Viktor Frankl würde eine KI die Menschen nicht nur analysieren, sondern ihnen helfen, einen passenden Platz in der Gesellschaft zu finden, um für andere Menschen wichtig zu werden.
Das wäre nicht nur „Psychotherapie durch KI“ sondern eher eine Form von KI-gestützter Sinn- und Gemeinwohlvermittlung.
Ein derartiges Vorgehen könnte bei manchen Problemen sogar wirksamer und ökonomischer sein als eine zusätzliche Gesprächsstunde beim Psychologen……
@Realo
02.10.2026, 07:48 Uhr
Genau deswegen wird KI am langen Ende eine Therapeutin nicht schlagen können. In dem Sinne hätte die KI eine reine Außensicht. Ein KI Rechenknecht könnte die reale Person zwar irgendwie statistisch einordnen kommt aber einfach nicht auf den eigentlichen Haken den die reale Person emotional geschlagen hat…
Das qualifiziert KI aber nur als Hilfsmittel für die Thearapeutin: Als bessere Suchmaschine für konkrete Maßnahmen zB.
Das Ziel von Individualtherapie ist nicht auch bessere Einbindung in die Gemeinschaft? Und ist „teilweise“ nicht vieleicht eine unzulässige Verharmlosung? Damit man die allgemeine oder eigene Verantwortung dann doch auf das Individuum abschieben kann?
Da geht mir der Inhalt nicht so ganz auf. Und den Gegensatz der durch „sondern“ nahegelegt wird finde ich jetzt auch nicht. Hilf mir gerne weiter 🙂
Sagte ich schon „besseres Google“? Und „ohne den Markt zu belasten“: Was soll das? Eben redest Du noch von zuviel Individualisierung und jetzt willst Du den „Markt“ aus seiner Verantwortung entlassen?
Das kann KI gar nicht, Nicht mal ansatzweise.
Ach daher weht der Wind…
@ Uli Schoppe 03.10.2026, 11:31 Uhr
Zitat: „KI kann zwar keine eigenen „Empfindungen wahrnehmen“, aber allgemeine Informationen einbinden, was Sie bestens erkannt haben.
Genau deswegen wird KI am langen Ende eine Therapeutin nicht schlagen können. In dem Sinne hätte die KI eine reine Außensicht. Ein KI Rechenknecht könnte die reale Person zwar irgendwie statistisch einordnen kommt aber einfach nicht auf den eigentlichen Haken den die reale Person emotional geschlagen hat…“
Auch ein Therapeut, der z.B. niemals „echte Depressionen“ selber empfunden hat, kann nicht wirklich verstehen, wie der Patient leidet.
Leichten „Wald und Wiesen Weltschmerz“ hatte ich gelegentlich. Aber ich kann, wegen meiner Interessen für Psychologie (1968er WG), recht erfolgreich mit „Autosuggestionen“, ausgerichtet an den „Yogi“ Methoden, mich recht erfolgreich selber „high“ machen. Gelegentliches Kopfweh „wische“ ich mir einfach aus dem Kopf….
Aber ein Schlüsselerlebnis für mich war, dass ich eigentlich völlig entspannt, bei einer Routinebesprechung saß, und plötzlich hat eine „heftige Welle absurder Empfindungen“ für rund 20 Sekunden meinen Körper „durchströmt“, einmal und niemals wieder…. Es könnte ein epileptischer Anfall gewesen sein?
Da hatte ich Glück. Aber wenn einer derartiges, womöglich Stunden lang und immer wieder darunter leidet…. Das möchte ich mir gar nicht vorstellen….
KI kann die Aussagen und Erlebnisse hunderter Fachleute „inhalieren“, da haben die besten Spezialisten ihre Grenzen….
Durch KI können besonders die ökonomischen Grenzen weit verschoben werden…. Natürlich auch als Hilfsmittel für Therapeuten genutzt werden.
Zitat: „Einsamkeit, Sinnverlust oder Vereinsamung, Nebenwirkungen von Depressionen, sollten nicht nur durch bessere „Gedankenmuster“ gelöst werden, sondern auch durch „learning by doing“.
Da geht mir der Inhalt nicht so ganz auf. Und den Gegensatz der durch „sondern“ nahegelegt wird finde ich jetzt auch nicht.“
Damit meine ich die spontanen Möglichkeiten der Nutzung von KI.
Man braucht keine Termine, sucht bei passenden Gelegenheiten einfach im Laptop nach geeignete Antworten…..
Zitat: „Und „ohne den Markt zu belasten“: Was soll das? Eben redest Du noch von zuviel Individualisierung und jetzt willst Du den „Markt“ aus seiner Verantwortung entlassen?“
Das ist ganz offensichtlich und nahe liegend: Jeder Unternehmer könnte fast auf Knopfdruck, z.B. 1000 Brötchen mehr vom Automaten backen lassen. Nur ruiniert er sich letztlich selber, weil der Preis (durch das Überangebot) verfällt und das Mehl Geld kostet.
Das könnte er verhindern und sogar Gutes tun, wenn er den Überschuss an Obdachlose verschenkt. Die müssen dann nicht den Mistkübel am Münchner Bahnhof durchsuchen um essbares zu bekommen….
Zitat: „Im Sinne von Viktor Frankl würde eine KI die Menschen nicht nur analysieren
Das kann KI gar nicht, Nicht mal ansatzweise.“
Warum soll KI das nicht können?
Zitat: „Ein derartiges Vorgehen könnte bei manchen Problemen sogar wirksamer und ökonomischer sein als eine zusätzliche Gesprächsstunde beim Psychologen……
Ach daher weht der Wind…“
Ich meine, Du kritisierst meine „ökonomische Einstellung“. Die habe ich von meinen Eltern gelernt. Die Ökonomie musste ich mein ganzes Berufsleben strengstens beachten.
Ein Betrieb würde im Konkurrenzkampf untergehen und die Verantwortlichen müssten in den Knast gehen…..
@Realo
03.10.2026, 13:46 Uhr
Eine typische Falschannahme. Professionelle Empathie (besser ist das mit dem professionell, Abgrenzung ist da durchaus hilfreich…), entsprechendes Fachwissen und eben auch eine entsprechende therapeutische Haltung helfen da durchaus weiter. Man muss auch nicht selbst von Rassismus betroffen sein zum Beispiel um nachvollziehen zu können was das für die Betroffene bedeutet.
Um nachzuvollziehen, wie sich Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit oder der Verlust von Freude anfühlen braucht man nicht einmal eine therapeutische Ausbildung. Schon als Laie kann man das. Wenn nicht hat man selber ein Problem um es freundlich zu sagen.
Im Prinzip ist jeder Mensch zu einer Perspektivenübernahme in der Lage. Deine Vorstellung ist irgendwie… neuwoke?
KI kann die Aussagen und Erlebnisse hunderter Fachleute „inhalieren“, da haben die besten Spezialisten ihre Grenzen….
Sie „inhaliert“ sie nicht und sie zieht auch keine Schlüsse. Eine KI ist ein Sprachmodell.
Dem habe ich auch gar nicht wiedersprochen. Selbst google kann so eingesetzt werden.
Das funktioniert so einfach nicht. Es fehlt einfach die Aussenansicht.
An dieser Stelle wiedersprichst Du mir nicht einmal, darum brauche ich auch nichts zu wiederlegen…
KI Systeme verarbeiten Daten und zeigen Muster. Die Fähigkeit für Verständnis,emotionales Erleben, Verständnis von Kontext oder die Möglichkeit zum Beziehungsaufbau hat ein Sprachmodell einfach nicht.
Nein. Ich kritisiere Deine Reduktion. Um auch nur irgendwie „wirksamer und ökonomischer“ sein zu können müsste überhaupt erst mal die Leistungsfähigkeit da sein.
Nein. Es gibt zwar sogar ökonomische Analysen die die Kosteneffektivität von Therapiemaßnahmen belegen (Du darfst gerne mal danach googlen ^^), das ist aber gar kein Maßstab für den Therapieerfolg. Der ist bei Dir anscheinend nur, die Verwertbarkeit von Individuen wieder herzustellen.
Nochmal: Ein Sprachmodell kann schlicht nichts von dem was eine Therapeutin oder ein Therapeut kann. Einer KI fehlen schlicht schon grundliegende Fähigkeiten die für eine wirksame Therapie unerlässlich sind.
Psychotherapie ist eine kooperative Form von Behandlung. Das kann eine KI einfach nicht. Sie ist nicht intentional (sie hat einfach keinen eigenen Antrieb oder teilt irgendwelche Werte), es gibt keine emotionale Resonanz, eine Kooperation auf Augenhöhe findet nicht statt. Kooperation ist ein menschliches Konzept das nur zwischen Personen funktioniert. Eine KI ist keine.
NUR die Funktionalität am Arbeitsmarkt wiederherzustellen reicht schlicht nicht. Wenn das für Dich genug ist fehlt Dir vieleicht Empathie.
Sorry, ich bin etwas müde 🙂 Darum ist das Lesen von dem vorher nicht ganz so einfach weil ich zu viele Fehler (nicht inhaltlich sondern von der Formatierung her) gemacht habe die ich ja leider nicht mehr korrigieren kann und die mir erst in der tatsächlichen Ansicht aufgefallen sind. Ich habe das Problem immer noch nicht gelöst warum mir scilogs oft einfach keine Vorschau anzeigen will. Ohne sieht man das Ergebnis halt erst nach dem Absenden…
Der Brüller ist: Bei diesem Beitrag funktioniert das jetzt 🙄
@Realo, Schoppe: einander verstehen
Es ist überhaupt eine schwierige Frage, wann wer wen wirklich „verstehen“ kann – kann man auch nur sich selbst verstehen?
Für eine Therapie (aber auch für eine tiefe Freundschaft?) ist ein gewisses Maß an Empathie wichtig. Ich stimme zu, dass der/die Therapeutin die Störungsbilder dafür nicht alle aus der inneren Anschauung kennen muss. Das wäre dann ja auch absurd, wenn man nur an die häufigsten Störungen denkt, wie Angst-, Aufmerksamkeits-, Substanzkonsum-, Zwangsstörugen und so weiter. Und was ist mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen und dem ganzen Rest?
Die Vorstellung klingt aber nach einem guten Woody Allen-Film.
@Schoppe: AI & Empathie
In einem philosophischen Seminar käme man mit der Bemerkung, eine AI könne keine Empathie (oder was auch immer) empfinden, weil sie ja nur ein Sprachmodell ist, nicht so einfach weg; das klingt fast schon nach Speziesismus (hier in etwa: nur Menschen/Tiere können fühlen).
Da wir niemandem direkt „in die Seele schauen“ können, auch nicht mit einem Hirnscanner, läuft das schnell auf die Verkörperung hinaus und auf das Verhalten, einschließlich Sprechakten.
AIs haben keinen Körper. Als Computersimulation oder spätestens als Roboter aber schon. Sprechen können sie jetzt schon.
Das wirft also die Frage auf, auf welcher Grundlage man solchen Systemen keine Empathie (etc.) zuspricht, wenn Verkörperung und/oder Verhalten irgendwann (so gut wie) identisch sind?
Solche Fragen spielten hier bei Menschen-Bilder in den ersten 10-15 Jahren eine größere Rolle; schön, daran einmal wieder zu erinnern.
P.S. Ja, die Kommentarfunktion hier ist nicht ideal. Wir haben aber leider nichts Besseres. Ich verweise die Leserinnen und Leser am Ende jedes Beitrags auf eine Reddit-Gruppe, in der man besser diskutieren könnte.