Therapie mit Psychedelika: Fazit und Ausblick

Forschung zwischen Hoffnungen, Depressionen und finanziellen Interessen

Im ersten Teil ging es um die Entstehung des Hypes um Psychedelika. Eine neue Studie von deutschen Forscherinnen und Forschern sollte jetzt Klarheit schaffen: Wie gut wirkt die Behandlung von Depressionen mit Psilocybin, mit Unterstützung durch Psychotherapie?

Die Ergebnisse zeigten nicht den erhofften Durchbruch, sondern nur eine leichte Verringerung der depressiven Symptomatik – und das bei Nebenwirkungen. Ob das mehr ist als nur ein Placebo-Effekt und wie sich das zu anderen Therapien verhält, thematisieren wir am Ende. Zunächst soll es um die finanzielle Seite dieser Forschung gehen.

Bei einem Hype kommen nämlich schnell finanzielle Interessen ins Spiel. Der schriftstellerische Erfolg von Michael Pollan mit How to Change Your Mind? (2018) wurde im ersten Teil schon erwähnt. Es wird auch gerne noch auf Aldous Huxleys Essays The Doors of Perception (dt. Die Pforten der Wahrnehmung) aus dem Jahr 1954 und den zwei Jahre später folgenden Heaven and Hell (Himmel und Hölle) verwiesen. Diese schrieb der vor allem als Autor von Brave New World (Schöne neue Welt) bekannte Huxley auf Grundlage seiner Meskalin-Erfahrungen.

Aldous Huxley stammte aus einer Gelehrtenfamilie und sowohl sein Großvater Thomas Henry als auch sein Bruder Julian waren bedeutende Biologen. Dadurch wird Aldous sehr früh mit dem Gedankengut zur Eugenik in Kontakt gekommen sein. Dieses wurde im frühen 20. Jahrhundert politisch ausgeschlachtet und formte auch das Gerüst der erstmals 1932 erschienenen Schönen neuen Welt. Diese Romanwelt ist vor allem für die als Oberklasse gezüchteten Alpha-Menschen „schön“ – und wenn doch einmal Traurigkeit aufkommt, hilft die Glücksdroge „Soma“.

Man sollte aber bedenken, dass Bestseller-Autoren wie Huxley oder Pollan nicht unbedingt mit besonders akkuraten, sondern besonders überzeugenden Geschichten ihr Geld verdienen. Die Wissenschaft ist eher zur Wahrheitstreue verpflichtet. Doch bleiben wir einen Moment beim Geldverdienen.


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Verdienmodell

Wie will man mit der klinischen Umsetzung von psychedelischer Therapie große Umsätze erzielen? Mit der britischen Compass Pathways PLC und der kanadischen Cybin Inc. – der Name, gesprochen „Seibin“ mit scharfem S, ist ein Teil von englisch „psilocybin“ – gingen um den Jahreswechsel 2020/2021 zwei entsprechende Firmen an die Börse. Wir erinnern uns, dass in genau diesem Zeitraum Professor Gerhard Gründers Psilocybin-Studie beim Bundesforschungsministerium begutachtet wurde.

Das war also die Zeit der großen Hoffnungen und Versprechungen. Anhand der Börsenkurse lässt sich das quantifizieren: Compass Pathways hatte am 3. Dezember 2020, kurz nach dem Börsengang, sein Allzeithoch von 44 Euro pro Aktie. Am 3. November 2021 gab es noch ein Zwischenhoch bei 38,7 Euro. Heute ist ein Firmenanteil nur noch 4,7 Euro wert. Wer also beim Allzeithoch einstieg und immer noch auf den Durchbruch wartet, hat damit rund 90 Prozent Wertverlust im Depot.

Cybin hatte dazwischen, am 3. August 2021, sein Allzeithoch bei 98 Euro pro Aktie. Auch hier ist der Fall auf 4,1 Euro beziehungsweise um 96 Prozent Wertverlust enorm – jedenfalls für diejenigen, die damals einstiegen.

Beschreibung: Die Abbildung zeigt die Börsenkurse von Compass Pathways PLC (blau, linke Skala, US-Dollar) und Cybin Inc. (rot, rechte Skala, CAN-Dollar). Von den einst hohen Bewertungen in den Jahren 2021 und 2022 sind nur 10 Prozent oder weniger übrig geblieben. Gewinne hat zum Beispiel Cybin noch keine ausgewiesen, dafür große Buchverluste für treue Anteilseigner. Auf dem niedrigen Niveau kommt es seit gut einem Jahr immer wieder zu großen Kursschwankungen. Abbildung: mit freundlicher Genehmigung von TradingView

Man sollte sich fragen, wie das Verdienmodell solcher Firmen aussehen könnte. Hier in den Niederlanden wurde der Verkauf von Magic Mushrooms nach ein paar Unfällen und der erwartbaren politischen und Medienkampagne zwar 2008 verboten. Der unterirdisch wachsende Teil des Pilzes, das Sklerotium, blieb davon aber ausgenommen. Diese „Trüffel“ genannten, etwas nussig schmeckenden Produkte kann man mit einer wirksamen Dosis Psilocybin im Angebot ab ca. 15 Euro im Versandhandel bestellen. Im Smartshop um die Ecke dürften sie für 20 bis 25 Euro über den Ladentisch gehen.

Dass man damit keine schnellen Millionen oder gar Milliarden verdienen kann, liegt auf der Hand. Damit komme ich noch einmal auf die neue deutsche Studie zurück.

Millionenmarkt

Das Folgende ist keine Enthüllung: Dass der Studienleiter Gerhard Gründer und das an der Studie mitwirkende Ehepaar Andrea und Henrik Jungaberle finanzielle Interessen an psychedelischer Therapie haben, ist kein Geheimnis. Auch in der neuen Studie ist das angegeben. Das bezieht sich zum Beispiel auf die Privatklinik OVID Clinic Berlin GmbH, die OVID Health Systems GmbH und die als gemeinnützig anerkannte MIND Foundation gGmbH, an denen die genannten Personen in führender Weise beteiligt sind.

Ein Skandal ist das nicht. Stellen wir uns vor, dass jemand besonderes chirurgisches Talent hat und ein neues Verfahren entwickelt, um Herzoperationen zu verbessern und damit viele Leben zu verlängern. Was wäre daran unethisch, wenn eine Gewinnbeteiligung transparent geschieht und keine öffentlichen Gelder veruntreut werden? Und wieso sollte das dann für die Psychiatrie anders sein?

Bei dem Ansatz des deutschen Forschungsteams wird das Psychedelikum mit psychotherapeutischer Begleitung kombiniert. Wie wir sahen, sind die Kosten für Psilocybin vernachlässigbar. Für Psychotherapie gehen wir mal von einem Kassensatz von ca. 150 Euro pro Stunde aus, bei Privatversicherten auch mehr. Wie die Behandlung aussieht, vermittelt das Symbolfoto zur Pressemitteilung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit vom 19. März (Übrigens ein Foto der MIND Foundation). Links sitzt Professor Gründer, rechts die Psychologin und Erstautorin der Studie Lea Mertens.

Die Untersuchung bestand aus sechs- bis achtstündigen psychedelischen Sitzungen, die von zwei Personen therapeutisch begleitet wurden, zuzüglich einer Übernachtung. Dazu kamen satte 14 Therapiestunden zur Vor- und Nachbesprechung. Wenn man vereinfacht mit 28 Stundensätzen à 150 Euro rechnet, ergeben sich gut 4000 Euro pro Person als Untergrenze. Bei der Multiplikation mit 3000 Freiwilligen, die sich für die Studie gemeldet hatten, kommt man schon auf über 12 Millionen Euro möglichen Umsatz.

Deutsches McCybin?

Da könnte man vielleicht an Wellness-Kliniken am Rande von Großstädten mit gut situierter Klientel denken, wo übers Wochenende Seelenheilung verfügbar ist. Auf Wunsch mit begleiteter psychedelischer Therapie. Es geht hier aber nicht um die genauen Geschäftsmodelle der genannten Personen. Der springende Punkt kommt jetzt:

Die neue Studie wurde am 11. Januar 2026 zur Publikation angenommen. Am 18. März wurde sie veröffentlicht, am 19. März fand die Pressekonferenz am Zentralinstitut in Mannheim statt. Dazwischen, zum 22. Februar, wurde die OVID Health Systems GmbH von den Geschäftsführern Gerhard Gründer und Henrik Jungaberle liquidiert, also aufgelöst. Gegenstand dieser Gesellschaft war:

„Die Entwicklung, Betreibung und wissenschaftliche Erforschung eines Modell-Gesundheitszentrums für die klinische Behandlung und Selbsterfahrung mit Fokus auf der therapeutischen Nutzung veränderter Wachbewusstseinszustände, erzeugt durch pharmakologische und nicht-pharmakologische Methoden“ sowie „die Entwicklung und Umsetzung eines Franchise-Systems (oder analoger Organisationsstrukturen) zur Verbreitung der in OVID entwickelten Behandlungsformen und Dienstleistungen.“ (OVID Health Systems GmbH)

Man wollte damit also eine Modell-Klinik für (unter anderem) psychedelische Psychotherapie entwickeln – und dann anderen dieses Konzept zur Lizenzierung anbieten (Franchise-System). Vielleicht hätte man sich das wie eine Art „McCybin“ vorstellen können, mit standardisierten, ähnlich aussehenden und vorgehenden psychedelischen Kliniken quer durchs ganze Land. Und nochmals: Das ist keine Kritik an sich, sondern verdeutlicht nur die finanziellen Interessen.

Die Liquidation vom 22. Februar 2026 durch die Geschäftsführer sagt wohl genug über die Erfolgsaussichten dieses Vorhabens aus – jedenfalls im großen Stil. Professor Gründer war zum 11. Juli 2025 immerhin ein Teilerfolg gegönnt: Da bewilligte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die Durchführung der Psilocybin-Therapie im Rahmen eines Härtefallprogramms. Das war eine Neuheit in der EU. Diese Zulassung gilt aber erst einmal nur für ein Jahr und für „begründete Ausnahmefälle„.

Welche Zukunft diesen und ähnlichen Verfahren bestimmt ist, hängt entscheidend von den Ergebnissen der wissenschaftlichen Studien ab. Ziehen wir somit ein Fazit.

Fazit

Im ersten Teil sahen wir, dass die neue Studie zwar ihr Hauptziel verfehlte. Die Kombination von Psychedelikum und Psychotherapie führte aber zu einer Verbesserung des Depressions-Werts um sieben bis acht Punkte auf einer 52-Punkte-Skala. Das ist nicht nichts. Und es sind Durchschnittswerte, die verbergen, dass der Effekt bei einigen Versuchspersonen größer war.

Trotzdem wurde hier viel Aufwand für ein eher bescheidenes Ergebnis betrieben, das die Forscherinnen und Forscher selbst als „unschlüssig“ bezeichneten. Zu dem Aufwand gehörte, unter 3094 freiwilligen Meldungen 144 sorgfältig für die Teilnahme auszuwählen. Zu den Ausschlusskriterien gehörten zum Beispiel psychotische Symptome. Das deutet darauf hin, dass eine Ausweitung auf die breite Gesellschaft noch komplexe Herausforderungen mit sich brächte.

Das größte Problem ist allerdings die fehlende Placebo-Kontrolle. Wie im ersten Teil beschrieben, gibt es für die psychedelische Wirkung – und ähnlich für die therapeutischen Gespräche – keine Möglichkeit, die reinen Erwartungseffekte abzuziehen:

Bei so einem Hype-Thema mit dieser Medienpräsenz, der strengen Selektion, dem großen Aufwand und nach so vielen gemeinsamen therapeutischen Stunden sind die Erwartungen natürlich extrem hoch. Zur Medienpräsenz findet man auf der Website der Berliner MIND Foundation den interessanten Hinweis, dass man 166 Personen für die Therapie ausgebildet hat und 260 mediale Auftritte hatte. Nicht zuletzt dürfte zu den hohen Erwartungen beitragen, dass die Therapierten im Alter von durchschnittlich 43 Jahren, davon übrigens 59 Prozent männlich, im Mittel schon seit 13 bis 14 Jahren immer wieder unter depressiven Symptomen leiden.

Zusammen mit der deutschen Studie erschien in der angesehenen Zeitschrift JAMA Psychiatry am 18. März eine umfangreiche Analyse, die das Placebo-Problem auf originelle Weise anging: Das Team von der University of California verglich die Ergebnisse psychedelischer Therapie und Versuche mit herkömmlichen Antidepressiva ohne Placebo-Kontrolle. Dabei fand sich kein wesentlicher Unterschied:

„In Studien zur Depressionsbehandlung erwies sich die Psychedelika-unterstützte Therapie als nicht wirksamer als traditionelle Antidepressiva ohne Placebo-Kontrolle. Die Verblindung hatte einen Einfluss auf die traditionellen Antidepressiva, nicht aber auf die Psychedelika-Therapie. Das bestätigt, dass Studien zur Letzteren faktisch immer ohne Placebo-Kontrolle durchgeführt werden. Diese Ergebnisse sprechen gegen übertrieben optimistische Darstellungen der Psychedelika-Therapie …“ (Williams et al., 2026; dt. Übers.)

Ausblick

Währenddessen strebt das oben erwähnte Börsenunternehmen Compass Pathways PLC die Zulassung einer Psilocybin-Therapie in den USA an. Selbst wenn sich die amerikanische Behörde von der Datenlage überzeugen lässt, müsste wegen des Verbots der Substanz noch die Drogenkontrollbehörde zustimmen. Aufgrund der hier beschriebenen Studienergebnisse sollte klar sein, dass selbst dann kein neues Wundermittel gegen Depressionen auf den Markt käme.

Darum dürfte aber der Hype um Psychedelika noch lange nicht beendet sein. Das Thema hat inzwischen zu viel Aufmerksamkeit und eine große Interessengruppe hinter sich. Allein im Sinne der „Psychonautik“, dem Interesse an anderen Bewusstseinszuständen, werden Menschen sie weiterverwenden.

Außerdem kann es Effekte geben, die sich mit der gängigen wissenschaftlichen Methodik nicht darstellen lassen. Auch in der deutschen Studie gab es Einzelfälle mit positiverem Ausgang. Diese passen zu den enthusiastischen Kommentaren im Internet, den Reportagen und Dokumentationen:

Erst Anfang März berichtete der New York Times-Journalist Robert Draper von seiner eigenen psychedelischen Therapie im mexikanischen Tijuana. Er wollte die traumatische Beziehung zu seinem Bruder aufarbeiten, der erst alkoholkrank wurde und dann bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Ein anderer Teilnehmer war ein US-Kriegsveteran. Er litt unter schweren Schuldgefühlen, weil seine Kameraden im Einsatz starben, während er heimkehrte.

Dass es für die Seele heilsam sein kann, sich solchen schwer traumatischen Erfahrungen zu öffnen, dürften viele Psychotherapeutinnen und Therapeuten bestätigen. Das ist aber etwas anderes als die Entwicklung einer medizinisch standardisierten Therapie für das vielschichtige Störungsbild Depression.

Und damit kommen wir am Ende noch einmal auf den Status quo der biologischen Psychiatrie zurück: Im ersten Teil habe ich die Vermutung in den Raum gestellt, dass diese nun auch psychedelische Behandlungen erforscht, weil damit am verbreiteten „Gehirndenken“ festgehalten werden kann – während die Kritik an den bestehenden Gehirnbehandlungen zunimmt.

Mein Alternativvorschlag wäre, sich wieder mehr mit den gesellschaftlichen Faktoren zu beschäftigen, mit denen depressive Störungen zusammenhängen. Darüber habe ich an anderer Stelle mehr geschrieben.

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35 Kommentare

  1. Ob ich einen LSD-Trip durchmache oder einen Spaziergang mache – ich sehe viele Farbflecken und Formen, die sich rapide verändern. Auch wenn wir dies für normal halten, unser Gehirn sieht den gleichen psychedelischen Salvador-Dali-Trip, den ich im Fernsehen sehe, wenn mir die Visionen eines LSD-Users nahegebracht werden sollen: Dinge, die ineinander übergehen, ihre Bedeutung, Form verändern, mich ständig überraschen, abstrakt und konkret.

    Am Ende bin ich beim Äffchen im Dschungel, das jeden Tag in eine Welt hinausgehen muss, die es nicht versteht, die es nehmen muss, wie sie ist, denn es hat keinen Verstand, sie zu analysieren.

    In vielen Religionen gibt es die Brücke ins Paradies, die für jene, die fest im Glauben sind, breit und sicher ist, für die Zweifler aber schmal. Woher soll ein Affe wissen, dass nicht der Ast breiter wird, sondern er einfach einen sichereren Stand bekommt, wenn er Klettern übt?

    Vielleicht ist es echt so einfach: Unsere psychischen Störungen sind Folgen von Frust, Angst, Untätigkeit. Der Affe fühlt sich nicht wohl und will weg. Ob man jetzt spazieren geht, rennen, klettern, eine Reise macht, etwas Unbekanntes versucht, einen Film macht – das Tier muss nur glauben, dass wir uns von A nach B bewegt haben, weg von all den Gefahren, Raubtieren, Schmerz. Dann atmet es erst mal erleichtert auf, beruhigt sich, erforscht hoffnungsvoll und neugierig die „neue“ Umgebung. Wenn Sie ihn auf diesem neuen „Bäumchen“ freundlich empfangen, kann der Flüchtling in eine neue Fantasiewelt integriert werden, in der er sich deutlich wohler fühlt – der Verstand ist dann offen, bereit, sich mit einer neuen Realität zu verlinken, seinen Platz darin zu finden.

    Ich fange jetzt nicht an, von Teilchen-Welle-Dualität zu faseln, und davon, wie wir in Bewegung immer wieder einen Zustand durchlaufen, in dem wir keine Masse haben und der Heisenbergschen Unschärferelation unterliegen. Allerdings scheint Rausch sehr viel mit Bewegung zu tun haben, der Auflösung des Systems, sodass es sich neu zusammenpuzzeln kann, Sie verpuffen in eine Wolke von unbestimmten Möglichkeiten, um nach dem Quantenkollaps ein anderer Mensch zu sein.

    Und wenn das stimmt, steht nur fest, dass Rausch uns verändert. Zum Besseren, zum Schlechteren, zum Anderen. Und dann brauchen Sie wirklich sehr viel Wissen, Können und Präzision, um mit Drogen mehr zu bewirken als mit leichten oder schweren Schlägen auf den Hinterkopf.

    Was Geschäftemacherei angeht – unter Dieben müssen Sie Dieb sein, sonst werden Sie nur beklaut und bekommen nix zurück. Wir erleben das gerade auf die harte Tour – wir müssen einen Krieg auslösen, um ihn zu überleben: Der Sheriff ist tot, also braucht jeder in der Stadt eine Knarre, wenn jeder eine Knarre hat, sind alle nervös und es wird garantiert geschossen, doch wer keine Knarre hat, geht als Erster drauf.

    Die Menschheit ist ein Spinnennetz aus Fliegen, wir lassen uns alle gegenseitig keine Wahl, als das zu tun, was alle anderen machen, die große Weltverschwörung, der wir alle angehören. Die Lemminge können nur alle gemeinsam die Richtung ändern, jeder einsame Abweichler wird zertrampelt, zu viele Abweichler führen zu Karambolagen. Und wenn Sie sich anschauen, wie sehr Trump die Welt verändert hat, einfach indem er uns allen ordentlich auf den Hinterkopf gehauen und uns alle schrödingisiert hat, wenn Sie sich anschauen, wie sehr seine Zirkusshow einem LSD-Trip ähnelt – können wir nur hoffen, dass an den Geschichten über die therapeutische Wirkung von Psychedelika mehr dran ist, als an den Horrorgeschichten über ihre Schädlichkeit.

    Tja. Bis wir schlucken, dass eine Gesellschaft ein lebender Organismus ist, bei dem wir uns wie Zellen verhalten, wird’s wohl ein wenig dauern. Doch bis es offiziell so weit ist, können Sie’s ruhig schon mal als hypothetische Prämisse nehmen und nach Parallelen suchen. Vielleicht finden Sie ja etwas, das Sie schon jetzt brauchen, und nicht erst, wenn der Groschen gefallen ist.

  2. „Dieses wurde im frühen 20. Jahrhundert politisch ausgeschlachtet und formte auch das Gerüst der erstmals 1932 erschienenen Schönen neuen Welt. “
    „nicht unbedingt mit besonders akkuraten, sondern besonders überzeugenden Geschichten ihr Geld verdienen. “
    So ist es. Huxley hat das wohl als bewußt deutlich überzeichnete Warnung vor den Gefahren des Kapitalismus gemeint, dem er zwar positiv gegenüber stand, aber dessen negative Seiten er ebenso gesehen hat.

  3. @Paul S, Ihre Sprache erinnert mich an den Buchtitel Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft: Eine Geschichte der Genußmittel (englisch: Tastes of Paradise) von Wolfgang Schivelbusch. 1990.

    Mit Ihrer Sprachgewalt sollten Sie auch mal ein Buch schreiben! Ihre Kommentare zusammengenommen würden wahrscheinlich schon dicke reichen.

  4. @DH, „Kapitalismus“ halte ich bei Huxley nicht für die passende Kategorie. Es geht in der Geschichte auch gar nicht um Gewinnmaximierung.

    Eher sehe ich darin eine Kritik am Fortschrittsversprechen der Moderne, hier mit einem Schwerpunkt auf die Biologie: Glück lässt sich nicht einfach züchten; und auch nicht mit einer Pille herstellen.

  5. Worum geht es ?
    Jemand ist krank und soll behandelt werden. Der Jemand hat Depressionen.
    Herr Schleim stellt hier die Therapie mit Psychedelika vor, genauer, mit dem Pilzgift Psilocybin .
    Was sagen die Krankenkassen dazu ?
    In Deutschland werden klassische psychedelische Therapien (wie mit Psilocybin oder LSD) derzeit nicht als Regelleistung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
    Auch die privaten Krankenversicherer übernehmen in der Regel die Behandlungskosten nicht.

    Anmerkung: Wer gerne Pilze isst und schon einmal eine Pilzvergiftung hatte, ist auch nicht begeistert. Die ist noch unangenehmer als eine Fischvergiftung.

  6. natürliche Intelligenz: Psilocyn/Psilocybin würde ich nicht als „Pilzgift“ bezeichnen. Bei diesen Stoffen (ähnlich wie bei LSD oder auch Haschisch) müsste man ca. das Hundert- bis Tausendfache der wirksamen Dosis konsumieren, um zu sterben. Aber man sollte es nicht darauf ankommen lassen und der Trip, den man dann hat, dürfte alles andere als angenehm sein.

    In jeder Apotheke sind z.B. Schmerzmittel frei verkäuflich, die schon sehr viel schneller schwere Schäden verursachen können. Nennen Sie die auch „Medikamentengift“? Übrigens wurden deshalb die Packungsgrößen bewusst reduziert.

    Aber bei Pilzen in der freien Wildnis muss man aufpassen: Zum Beispiel kann der auch in Europa vorkommende Grüne Knollenblätterpilz schon in geringen Dosen die Leber zerstören. Besonders tückisch ist, dass es nach der ersten Vergiftung zu einer Verbesserung kommt und die Vergifteten dann denken, sie hätten das überstanden – während die Zerstörung weitergeht, bis es schließlich zu spät ist.

  7. Peter D.
    Gift oder nicht Gift ?
    Was sagt der Gesetzgeber : Rechtliche Einordnung: Obwohl es kein Nervengift ist, gilt Psilocybin in Deutschland als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel (Anlage I BtMG). Besitz, Anbau und Handel sind strafbar.

    Nachste Frage an Google, sind Betäubungsmittel Gifte ?
    Antwort : Übersicht mit KI
    Ja, Betäubungsmittel (BtM) können als Gifte betrachtet werden
    , da viele in höheren Dosen toxisch wirken, Organe schädigen oder zum Tod durch Atemlähmung führen können (z.B. Opioide). Obwohl sie medizinisch genutzt werden, ist die Grenze zwischen therapeutischer Wirkung und giftiger Überdosierung oft gering, weshalb sie streng reguliert sind.

    Der Chemiker bezeichnet Psilocybin als 4-Phosphoryloxy-N,N-dimethyltryptamin (4-PO-DMT). Gesundheitsrisiken: Die Wirkung ist unvorhersehbar und kann schwere psychische Krisen, Panikattacken oder bleibende Psychosen auslösen.

    Und dann, dann ist das Wort „giftig“ sogar noch untertrieben.

  8. natürliche Intelligenz: Betäubungsmittel sind schlicht das, was der Gesetzgeber auf die Liste setzt. Das hilft hier nicht weiter.

    Obwohl sie medizinisch genutzt werden, ist die Grenze zwischen therapeutischer Wirkung und giftiger Überdosierung oft gering, weshalb sie streng reguliert sind.

    Das trifft, wie gesagt, aufs Psilocybin gerade nicht zu, da wirksame und toxische Dosis wohl um den Faktor 1000 auseinanderliegen. Da müssten Sie erst hundertmal Alkohol verbieten, bevor Sie beim Psilocybin-Pilz ankommen!

    Wenn man jemandem den Zucker eines überall käuflichen Schokoriegels direkt in die Blutbahn spritzen würde, würde die Person das wahrscheinlich auch nicht überleben. Alles Gift, Gift, Gift! Verbieten, Verbieten, Verbieten!

  9. Peter D.
    Nachdem man sogar Beziehungen zwischen Menschen als toxisch bezeichnet, können wir uns ja darauf einigen, dass im übertragenen Sinn und umgangsprachlich der Ausdruck „Pilzgift“ die Gefährlichkeit im Gebrauch von Pilzen zum Ausdruck gebracht wird.

    Anmerkung : Begrifflich korrekt ist das Psilocybin nicht giftig.

  10. @Sven
    Seinerzeit gab es bekanntlich den Gegensatz(?) zwischen Kapitalismus und Kommunismus/Sozialismus, Viele rechneten sich einer Seite zu, ein Lagerdenken inklusive daß das heutige noch in den Schatten stellt.
    Huxley tendierte stark zur Präferenz des kapiatlistischen Systems, war aber nicht unkritisch ihm gegenüber. Er hat auch die Gefahren gesehen und hat, wie der Sozialist Orwell zu den Gefahren des Sozialismus, ganz bewußt eine Überzeichnung dieser Gefahren geschrieben.
    Das ist kein Widerspruch zu Ihrer treffenden Aussage über die Moderne, der Kapitalismus birgt ja tatsächlich die Gefahr in eine pervertierte Form zu entgleisen, einiges ist ja längst Realität, inklusive des gescheiterteten Fortschrittsversprechen eines „reinen“ Kapitalismus“.

  11. natürliche Intelligenz: Sie schrieben erst, das Wort „giftig“ sei noch untertrieben – und jetzt, „giftig“ sei nicht der richtige Begriff. Na ja.

    Und als „natürliche“ Intelligenz die AI fragen…

  12. Peter D.
    Na ja, hattest du schon einmal eine Pilzvergiftung ?
    Mein Urteil , mit Worten lässt sich der Verlauf nur beschreiben, und das ist der Unterschied von dir und mir, du klammerst dich an Begriffe , ich erzähle von der Realität.
    Nachtrag: KI ist zu begrüßen, sie erlaubt eine schnelle Recherche und in Kombination mit persönlichen Erfahrungen ist das optimal.

  13. natürliche Intelligenz: Das hat halt nichts mit Psilocybin zu tun – und darum geht es doch im dem Blog hier, oder?

  14. @DH, was Huxley vom Kapitalismus hielt, weiß ich nicht. Auf jeden Fall profitierte er selbst davon. Vielleicht gibt es schon Analysen dazu, ob man Brave New World kapitalismuskritisch lesen kann. Ich habe meine Meinung schon erklärt.

    Es gibt übrigens noch einen Aufsatz, Brave New World Revisited, in dem Huxley nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal über das Thema reflektiert. Es könnte sein, dass er sich darin zum Kapitalismus äußerte. Ich erinnere mich v.a. an seinen Gedanken dazu, was der Krieg mit der Psyche der Menschen machte – leider wieder ein aktuelles Thema.

    Jetzt, wo ich noch einmal darüber nachdenke, erscheint mir Brave New World doch eher kommunistisch als kapitalistisch: Man erarbeitet sich ja nicht seinen Status (= meritokratisches Versprechen), sondern wird in seine „Klasse“ geboren bzw. gezüchtet. Das ist dann zwar keine klassenlose Gesellschaft; das waren/sind die realkommunistischen Systeme mit ihren Eliten aber auch nie. Das Ganze erinnert mich übrigens ans indische Kastenwesen, wozu der Begriff „Soma“ passen würde (ein Sanskritwort).

    Wie dem auch sei: Ich glaube, dass Huxleys Roman Islands hier besser in diesem Sinne diskutiert werden könnte. Dafür fehlt mir aber gerade die Zeit.

  15. Peter D.
    Ein gutes Schlusswort, bei uns fängt es gerade an zu regnen, passt auch irgendwie.
    Gerade gelesen:
    Alkaloide sind stickstoffhaltige, meist basische sekundäre Pflanzenstoffe, die oft einen bitteren Geschmack haben und stark auf den tierischen/menschlichen Organismus wirken. Sie sind meist kristalline Feststoffe, bilden mit Säuren wasserlösliche Salze und dienen Pflanzen oft als Schutz vor Fressfeinden. Viele zeigen zudem fungizide oder entzündungshemmende Eigenschaften.
    Psilocybin gehört zu den Alkaloiden.
    Tschüssle !

  16. @Sven D.
    Huxley sah sich eher als kapitalismusfreundlich, was seinerzeit noch eine Art Glaubensfrage war. Sein Werk ist mehr, stimme zu.
    Kommunistische Anteile, interessanter Ansatz, und ebenfalls kein Widerspruch.
    Wir haben heute eigentlich keinen reinen Kapitalismus, sondern eher eine Mischform aus Hyperkapitalismus und irgendwas mit Postmarxismus. Wenn man sich die Art ansieht, wie mit kulturellen Fragen umgegangen wird, trägt das deutliche Züge früherer Marxisten, genauso wie der Umgang mit „Abweichlern“ in allen möglichen Bereichen.
    Auch ökonomisch haben wir deutliche Zeichen einer art neoliberaler Planwirtschaft, wie etwa bei den extremen Marktkonzentrationen im Techbereich, oder der Preisgestaltung im Energiemarkt.
    Auch diese unselige Mischung aus menschlicher Vereinzelung und Gleichmacherei ist eine seltsame Mixtur und hat in der Tat kommunistische Züge.
    Huxley hat also ziemlich treffend vorhergesagt, was heute oft Realität ist.

  17. @Sven
    Ergänzung:
    Man könnte vielleicht sagen, daß wir bei uns eine Mischform aus Huxley und Orwell haben, mit Schwerpunkt Huxley.
    In China hingegen das gleiche, aber mit Schwerpunkt Orwell.

  18. @natürliche Intelligenz
    25.03.2026, 12:38 Uhr

    Der Vergleich mit einer Pilzvergiftung hat mit der medizinischen Anwendung recht wenig zu tun.
    Das ist so als würde man den Konsum von rotem Fingerhut mit der Anwendung von Digitoxin bei Herzinsuffizienz vergleichen. Das ist gedanklich ziemlich unscharf und leicht am Thema vorbei.
    Ich empfehle einfach nochmal das Fazit zu lesen, besonders den Schluss:

    Mein Alternativvorschlag wäre, sich wieder mehr mit den gesellschaftlichen Faktoren zu beschäftigen, mit denen depressive Störungen zusammenhängen.

    Für die medizinische Anwendung wäre es ja auch ziemlich egal ob der Wirkstoff vernünftig überwacht aus natürlichen Quellen extrahiert oder ob er künstlich hergestellt wird (was ja genauso gut überwacht wird). Man will ja in der medizinischen Anwendung gerade den „bunten Mix“ nicht. Das ist für die „natürlichen“ Naturheilkundler… DIE würden vieleicht Pilze empfehlen ^^

    Disclaimer: Ich will KEINE Diskussion über Naturheilkunde anzetteln!
    Also bitte nicht auf den Zug aufspringen.

    Ich finde persönlich nichts was dem Inhalt des Blogartikels widersprechen würde.

    Hätte denn hier jemand etwas ernst zu nehmendes? DAS wäre interessant 🙂 Ich bin schliesslich bei der Suche danach nur Laie 😉

  19. Uli Schoppe,
    Du hast Recht, man sollte die medizinische Anwendung von der Naturheilkunde unterscheiden.
    Da haben wahrscheinliche die Frühjahrshormone zugeschlagen, ….locker bleiben.

    Also, was gibt es noch zu sagen, Herr Schleim hat es schon angedeutet, die Befürworter von Psilocybin haben den Beweis für die Wirksamkeit noch nicht erbracht, und auch die Krankenkassen bezahlen die Behandlung nicht.

    Zurück zu den gesellschaftlichen Faktoren, Überbelastung, Existenzängste, Ausgrenzung, traumatische Ereignisse,
    da stehen uns harte Zeiten bevor, kurz, da müssen auch die Parteien ihre Berechtigung noch beweisen.

    Was fehlt noch, der Ausblick in medizinischer Sicht. Da ist einmal ein Lob auszusprechen an die Medizin, die stellt schon wahre Wundermittel her bei der Schmerzbekämpfung, bei der Anästhesie, bei künstlichen Gliedmaßen, künstliche Augenlinsen, da muss man keine Angst mehr haben.
    Und…..wir können froh sein, dass es noch Menschen gibt wie Herrn Schleim, der die Brücke schlägt zwischen Forschung und der menschlichen Realität.

  20. Man kann aus diesem Beitrag auch einen anderen Schluss ziehen, nämlich den: Die Depression und ihre Behandlung ist inzwischen eine Milliardenindustrie. Dafür sorgen die hohen Fallzahlen und natürlich die Einstufung aller Formen von Depression als behandlungsbedürftige Krankheit.
    Allerdings fällt schon auf, dass trotz immer mehr Therapieformen die Anzahl der Ersterkrankungen oder nur schon die Rückfallquoten nicht zurück gegangen sind.

    Kurzum: Wenn Stephan Schleim hier den Vorwurf erhebt, Depression werde biologisiert und zur Gehirnkrankheit erklärt, dann ist er damit nicht weit davon entfernt, überhaupt in Frage zu stellen ob Depressionen generell Erkrankungen seien, denn Erkrankungen haben in unserem Kultur- und Wissenskreis immer eine physisch/psychische Ursache. Das heisst es muss eine erkrankte Stelle oder ein erkranktes physisch/psychisches System oder Subsystem geben, damit wir von einer Krankheit sprechen.
    Eine Krankheit manifestiert sich im Patienten und die Therapie will auf den Patienten, bezugsweise auf die Krankheitsmanifestation einwirken.
    Wäre es aber bestimmte gesellschaftliche Kräfte oder Verhältnisse wären, die Depressionen bewirken, wie Stephan Schleim hin und wieder suggeriert, dann müsste die Therapie nicht unbedingt beim Patienten ansetzen.

  21. Martin Holzherr, Betreff Definition einer Depression

    Laut KI :
    Um eine Depression medizinisch als Krankheit (und nicht nur als vorübergehendes „Stimmungstief“) zu definieren, müssen spezifische Kriterien erfüllt sein.
    In Deutschland orientieren sich Ärzte und Therapeuten dabei primär an dem Klassifikationssystem ICD-10 (bzw. dem Nachfolger

    Meiner Meinung nach sollte das die medizinische Forschung nicht davon abhalten, nach Substanzen zu suchen, die die negativen Erscheinungen einer Depression abschwächen. Also vergleichbar einem Schmerzmittel das bei Zahnschmerzen genommen wird. Das beseitigt auch nicht die Zahnentzündung sondern lindert nur den Schmerz.

    Mehr weiß ich nicht darüber, außer, dass Depressionen starke Auswirkungen haben die einen Menschen zu einem Pflegefall werden lassen können.

  22. @natürliche Intelligenz (Zitat): „ dass Depressionen starke Auswirkungen haben die einen Menschen zu einem Pflegefall werden lassen können“
    Klar, das gilt aber nur für schwere Fälle. Heute wird die Diagnose „Depression“ aber tendenziell bei jeder Verstimmung, jeder anhaltenden Unpässlichkeit gestellt. Zugegeben ist das eine schwierige Entscheidung, denn etwa das, was man früher die Griesgrämigkeit des Alters bezeichnet hat, ist nach heutiger Sicht einfach eine Altersdepression. Und die war früher und ist auch heute häufig und eine Behandlung kann sie potenziell lindern. Allerdings fragt sich, was die richtige Behandlung ist. Sind es wirklich Medikamente, die den Altersgriesgram vertreiben oder ist es eine andere Lebensführung?

  23. @Martin Holzherr

    Also eigentlich hat sich doch das moderne Modell von Krankheit weiterentwickelt und umfasst heute mehr Dimensionen. Biopsychosoziales Modell, in den 1970er Jahren formuliert…

  24. Martin Holzherr,
    Gute Beschreibung was das Phänomen Depression betrifft.
    Das Entscheidende bleibt die Diagnose.
    Und es gibt eben Menschen, die gehen sehr oft zum Arzt und es gibt Menschen, die gehen gar nicht zum Arzt.
    Und , das wäre eine Frage an Herrn Schleim, es gibt ältere Menschen, die arbeiten 18 Stunden am Tag, das ist doch auch nicht die Norm. Ob hier eine Depression mit Arbeit verdrängt wird ? Wenn diese Personen nicht zum Arzt gehen, dann ist es auch kein Problem der Medizin oder der Krankenkassen mehr.
    Und……braucht jemand eine Therapie, wenn er gar keine Hilfe annimmt.

  25. Martin Holzherr, Korrektur
    Es muss heißen „was das Problem Depression“ betrifft und nicht Phänomen.

  26. natürliche Intelligenz
    27.03.2026, 08:17 Uhr

    Wenn diese Personen nicht zum Arzt gehen, dann ist es auch kein Problem der Medizin oder der Krankenkassen mehr.
    Und……braucht jemand eine Therapie, wenn er gar keine Hilfe annimmt.

    „Schöne, einfache“ Individualisierung. Ich würde dazu raten sich erst nochmal mit den Sympthomen einer Depression zu befassen …

    Ein kleines Rätsel: Was gibt es möglicherweise noch für Motive zB eine Abhängigkeitserkrankung nicht therapieren zu lassen? Ganz einfach mal versuchen: Lauf mal herum und erzähl mal Du seiest Abhängigkeitserkrankt.

    Ich verrate gerne, das Mangelnde Einsicht und Motivation nicht immer der Grund ist. Und das Phänomen hast Du bei Depression auch …

    Generell finde ich auch die Vorstellung, dass wenn man mal eben zum Arzt läuft weil man ein kleines Tief hat und dann sofort eine Diagnose „Depression“ bekommt schon fast witzig.

    Und natürlich brauchen auch Menschen, die zuerst mal keine Hilfe annehmen wollen, in Wirklichkeit eine Therapie. Wie wäre denn in dem Fall eine Vorgehensweise die Du vorschlagen würdest? „Ja dann halt nicht, dann geh doch kaputt!“ ?

    DIe Frage ist nur ob es mit Psychedelika besser wird ^^

    Herr Merz, sind Sie das? 😎

  27. Uli Schoppe,
    Du machst da eine zentrale Aussage.
    „Und natürlich brauchen auch Menschen, die zuerst mal keine Hilfe annehmen wollen, in Wirklichkeit eine Therapie.“
    Das ist vergleichbar mit der Grunderkenntnis des Christentums, jeder Mensch braucht Liebe, auch wenn er sie nicht annimmt.
    Was jetzt die Abhängigkeitserkrankungen betrifft, dazu kann ich nicht viel sagen, nur das was man so sieht im persönlichen Umfeld, dass der Außenstehende mehr sieht als der Betroffene selbst. In dieser Hinsicht hast du Recht,
    man sollte den Betroffenen helfen auch wenn die ihre Situaation nicht wahrhaben wollen.
    Was den Herr Merz betrifft, der ist für mich ein rotes Tuch, der hat kein Gespür für die Nöte der Menschen. Frau Merkel hatte das sofort erkannt und ihn zu Beginn ihrer Amtszeit aus ihrem Umfeld verbannt.
    Was jetzt die Psychedelika betrfft, dazu fehlt mir jede Erfahrung, mein Credo ist, ein klarer Kopf ist die stärkste Droge.

  28. @natürliche Intelligenz
    28.03.2026, 08:21 Uhr

    Was jetzt die Psychedelika betrfft, dazu fehlt mir jede Erfahrung, mein Credo ist, ein klarer Kopf ist die stärkste Droge.

    In dem Blockbeitrag ging es ja auch um den Sinn psychedelischer Therapie.

    Das was Du da erwähnst ist etwas ganz anderes. Zu dem Thema gibt es hier auf dem blog aber auch viel Erhellendes. Einfach noch mal lesen 🙂

    Du solltest Dich von Deiner auf einen Effekt heruntergebrochenen Vorstellung für den Grund für Substanzkonsum lösen.

  29. @ natürliche Intelligenz 28.03.2026, 08:21 Uhr

    Von „Ernährungsangelegenheiten“ auch im „weitesten Sinne“ (Pilze, Drogen,….), verstehe ich nicht so viel, „was der Bauer nicht kennt“,…..

    Höchstens an eine kuriose Anekdote erinnere ich mich, von einem frühen „Verschwörungs- und Queerdenker“. Der hatte die Vermutung, als giftig geltende Pilze wären in Wirklichkeit besonders lecker, aber manche Menschen wollten sie für sich selber „reservieren“ und behaupten einfach, sie wären giftig. Keiner konnte es ihm Ausreden. Er hat es ausprobiert, es war sein „letztes Experiment“.

    Deiner Sicht dass manche Politiker die Denke des Volks nicht wirklich verstehen, der stimme ich zu.

    Ich war schon als Kind immer sehr neugierig, habe gerne zugehört und meine Eltern haben mich nicht „abgeschirmt“. So habe ich ungewöhnlich viele „Sichtweisen“ schon sehr früh kennen gelernt und sie auch mit persönlichen und gesellschaftlichen Eigenschaften der „Meinungsträger“ im Zusammenhang gebracht.

    Anderen Schulkollegen wurde von den Eltern strikt verboten, „unpassenden Umgang“ zu pflegen…. Den Herren Habeck und Merz wurde ehemals vermutlich beigebracht, artig „Diener zu machen“, aber die „Denke des Volkes“, die dürften sie eher nicht verstehen.

    Frau Merkels Vater war angeblich Pastor und Leiter eine Heimes für Behinderte in der DDR. Die Familie soll auch dort gelebt haben. Da hat die Exkanzlerin als Jugendliche vermutlich erste „Fronterfahrungen“ gemacht…..

    Beispiele aus der letzten Zeit: Politiker setzen sich für immer spätere Pension ein. Andere Politiker haben Sorge, dass durch KI viel Arbeitslosigkeit (eher bei den gehobenen Berufen) entstehen wird.

    Eine Widersprüchlichkeit, die bei Betroffenen zu Depressionen führen muss. Da wären wir wieder beim Thema. Sie tritt dann auf, wenn einer länger arbeiten soll und gleichzeitig will ihn der Chef los werden, weil er lieber billigere und gesündere jüngere Arbeitskräfte einstellen will….. Derartiges wird, trotz Sozialstaat“ bedrohlich empfunden…..

    Ich schätze auch Herrn Schröder, besonders dass er die wirtschaftliche Situation realistisch sieht. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass ausgerechnet eine sozialistische Partei diese Konzepte realisieren soll. Derartiges bekommt einer „sozialistischen Partei“ gar nicht gut. Gilt natürlich auch umgekehrt….

    Deswegen sind auch „Koalitionen“, zu denen die Politiker ohnehin „gezwungen“ sind, nützlich. Sie sollen gemeinsam und fair (und leicht verständnisvoll für den Partner) durchsetzen was notwendig ist.

    Depressionen entstehen nicht nur „Schicksalshaft“, sie werden zusätzlich bei Menschen, die eigentlich (derzeit noch) gar nicht betroffen wären, durch die Verbreitung schlechter „Nachrichten“ gefördert.

    Es sind an sich übliche Widersprüche im Leben. Sie werden aber noch zusätzlich von Politikern, die bestimmte Botschaften verbreiten wollen und von den Medien, die an der Verbreitung verdienen wollen, intensiv gefördert….

    Gegen die unglaublich zahlreichen „Abhängigkeitserkrankungen“ sollte besser informiert werden.

  30. Uli Schoppe,
    „auf einen Effekt heruntergebrochenen Vorstellung für den Grund für Substanzkonsum “
    Klar ,gibt es vielerlei Gründe, mir fehlt auch die Phantasie für die menschlichen Abgründe.
    Als Beispiel, wir kannten einen jungen Mann, gut aussehend, addrett gekleidet, gewählt in der Ausdrucksweise,,,,,,,,bis ich ihm einmal persönlich begegnet bin und er schien fast euphorisch , so zwischen einer alkoholisierten Erheiterung und dem Bestreben, besonders höflich zu wirken.
    Von meiner Mutter erfuhr ich, dass er gerade aus einem Alkoholentzug entlassen worden war, und ich sollte vorsichtig sein.
    Also, ich hielt ihn auf Abstand. Einige Wochen später traf ich ihn wieder , diesmal aber sichtlich betrunken, schwankend auf der Straße, für einen Jugendlichen nicht mehr lustig, sondern irgendwie fremdartig.
    Kurz darauf hieß es, er sei gestorben…..ob das stimmte……..jedenfalls traf ich ihn nie wieder.

    Nachtrag: Ich bemühe mich, kein Urteil über andere Menschen zu fällen -Was die Liebesbeziehungen angeht, schon gar nicht.

  31. Elektroniker,
    wer die DDR überlebt hat, der ist nüchtern genug, unsere gegenwärtige Politik richtig einzuordnen.
    „Klassenkampf“ drückt das Geschehen aus, nur diesesmal sind es nicht die reichen Bonzen, sondern es sind die Etablierten, die eine Symbiose eingegangen sind zwischen ihrem Wohlbefinden und dem , was sie für das Wohl der Allgemeinheit halten.
    Depressionen , ein Fremdwort, erdacht von arbeitsscheuem Gesocks.
    Bis es sie selbst erwischt, ………

  32. @ natürliche Intelligenz
    28.03.2026, 15:54 Uhr

    Von meiner Mutter erfuhr ich, dass er gerade aus einem Alkoholentzug entlassen worden war, und ich sollte vorsichtig sein.

    @ natürliche Intelligenz
    28.03.2026, 15:54 Uhr

    Von meiner Mutter erfuhr ich, dass er gerade aus einem Alkoholentzug entlassen worden war, und ich sollte vorsichtig sein.

    Warum? Und was soll an so einer Stigmatisierung sinnvoll sein?
    Die vieleicht die Probleme die der Mensch hat noch verschlimmert?
    Dir ist anscheinend auch nicht klar wie viele Menschen es gibt die Du vieleicht sogar kennst und bei denen das genauso ist. Von denen Du nur erfährst das sie Probleme mit der Hüfte hatten oder sowas.

    Aber das erklärt auch nicht Deine Meinung zu psychedelischer Therapie. Die ich teile aber aus völlig anderen Gründen.

    Benzodiazepine wären für Dich irgendwie keine „Drogen“?

    Lies doch noch mal den „Ausblick“ des Artikels.

  33. Uli Schoppe,
    Alkohol und Berufsleben
    Das geht nicht zusammen.
    Zu meiner Zeit galt der Spruch: Kartenspiel und Wein reißen große Häuser ein.
    Und das habe ich verinnerlicht, ich spiele auch kein Lotto, Glücksspiele mit Geld sind tabu.
    Andere Drogen , also Aufputschmittel, Schlafmittel , auch das geht nicht.
    Wenn du mit 80 noch Joggen willst, dann nimmst du Rücksicht auf deinen Körper.
    Was ich verwende, das sind Bäder mit Lavendel, aber da musst du aufpassen, dass dir keine Brüste wachsen, Lavendel wirkt wie ein weibliches Hormon, der Name fällt mir gerade nicht ein.

    Also, den Ausblick habe ich gelesen, dir geht es vielleicht um die „psychedelische Behandlung“. Andere Bewusstseinszustände lehne ich ab, weil die mit Kontollverlust verbunden sind.
    Was allerdings eine entscheidende Erfahrung ist, die Läufer nennen es „runners high“, das ist eine Erfahrung, die man höchstens 2 x im Leben erreichen kann, es ist so als ob die Grenze von deinem Körper und deinem Willen aufgehoben ist.
    Der Körper tut das, was du denkst , wenn du mit dem Rennrad fährst und denkst nach rechts zu fahren,, dann fährst du nach rechts ohne den Umweg zu denken und den Lenker zu betätigen.
    Wirklich unglaublich !
    So das reicht mal, wir haben gerade hier einen Wintereinbruch.
    Tschüssle !

  34. @natürliche Intelligenz
    28.03.2026, 18:20 Uhr

    Uli Schoppe,
    Alkohol und Berufsleben
    Das geht nicht zusammen.

    Das ist ein ziemlicher Irrtum. Das geht sogar über Jahrzehnte gut. Abhängigen Konsum zu tarnen ist für Abhängigkeitserkrankte Alltag. Gerade wegen der Stigmatisierung.
    Besuch mal eine Therapieeinrichtung. Die ist dann voll mit Menschen bei denen das ziemlich lange gut geklappt hat. Und die, die behaupten „2.3 Jahre länger war es nicht!“ kommen wieder.

    Was ich verwende, das sind Bäder mit Lavendel

    Da isses. Du machst nichts anderes. Du regulierst Dich nur mit etwas anderem.

    Was allerdings eine entscheidende Erfahrung ist, die Läufer nennen es „runners high“

    Wird gerne als Suchtverlagerung genutzt …

    Wobei wir schon wieder ab sind. Ich kann mich nur wiederholen: Lies doch noch mal den „Ausblick“ des Artikels.

    Ich höre hier jetzt auch auf!

    Wir nehmen sonst den anderen vieleicht den Spass an Dingen die nicht so OT sind …

  35. Uli Schoppe Betreff: Alkohol
    Es hängt auch vom Beruf ab. Als Berufskraftfahrer ist man schnell seinen Führerschein los. Das betrifft auch den Genuss von Drogen.

    Letztlich, was ich herauslesen soll, wenn ich nicht weiß , was .
    Also, verbleiben wir dabei, Genuss ohne Reue.

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