Sexuelle Lust – Wie Wissenschaft das Phänomen verschiebt

Wie oft wünscht der Chefredakteur eines populären Wissenschaftsmagazins seiner Leserschaft »gute Gefühle«? In diesem Fall geht es sogar um das Titelthema weibliche Sexualität. Leider erfahren wir in Folge vor allem etwas über gestörte Sexualität. Analog zur Positiven Psychologie setze ich mich daher für positive Sexualität ein. Die Wissenschaft reduziert das Phänomen auf das, was sie einfach messen kann. So kommt es dann zur wenig anregenden Masturbation im Gehirnscanner.

Die neue Ausgabe von Gehirn&Geist widmet sich ausführlich der weiblichen Lust. Der Untertitel relativiert das Ganze jedoch schon: »Wie das Gehirn zum Höhepunkt kommt.« Geht es also gar nicht um Lustgefühl von Frauen, sondern von Gehirnen? Die fühlen aber doch gar nichts!

Diese neurophilosophische Spitzfindigkeit beiseite, darf man sich auf eine spannende Ausgabe des Psychologie-Magazins freuen. Im Editorial wünscht der Chefredakteur Carsten Könneker den Leserinnen und Lesern sogar »gute Gefühle bei der Lektüre«.

Störung statt Betörung

Wie man diese Gefühle erreicht, wird in den immerhin drei Artikeln zum Titelthema aber leider kaum beschrieben. Die Ausgabe beschäftigt sich mit dem Thema nämlich vor allem unter dem Gesichtspunkt der Störung: Was tun, wenn die sexuellen Erfahrungen hinter den Erwartungen zurückbleiben?

Immerhin hält die Gesprächspartnerin Kirsten von Sydow, Psychotherapeutin und Klinische Psychologin, ein paar praxisrelevante Tipps bereit. So solle man nicht von den Medien übertriebene Erwartungen wecken lassen. Sexuelle Probleme in einer Beziehung könnten auch daher rühren, dass manche Frauen ihre Bedürfnisse ihrem Partner nicht anvertrauen.

Wenig Lust im Interview

Zum Thema, wie man die »guten Gefühle« erleben kann, scheint die Psychologin dann aber doch nicht der rechte Gesprächspartner zu sein. Auf die Frage, welche Umstände die Lust fördern, antwortet sie nämlich eher trocken:

Das Alter spielt einige wichtige Rolle, der Hormonstatus und natürlich die aktuelle Lebenssituation. Frauen, die beispielsweise gerade ein Baby zur Welt gebracht haben, verspüren meist gar kein oder nur ein sehr geringes sexuelles Verlangen. Das Gleiche gilt für viele Frauen, die unter einer Krankheit leiden, ihren Partner pflegen oder beruflich großem Stress ausgesetzt sind. Förderlich für die Lust hingegen sind gemeinsame Abenteuer und ungewohnte Tätigkeiten. (Gehirn&Geist, 5/2016, S. 14-15)

Über Abenteuer und Ungewohntes hätte man/frau gerne mehr Erfahren. Im Folgenden geht es dann aber wieder um Statistiken, ob etwa jüngere Frauen mehr Verlangen haben oder inwiefern Stress die Lust beeinflusst.

Vier Stufen des Orgasmus

Auf der folgenden Infografik wird dann das Vier-Stufen-Modell zweier amerikanischer Forscher aus den 1960er Jahren zur Darstellung des weiblichen Orgasmus schlechthin erhoben: Auf die Erregung folge das Plateau, danach der Orgasmus (alternativ: mehrere Orgasmen) und schließlich die Rückbildung. Dazu gibt es ein paar Hirnbilder mit Erklärungen, in welcher Hirnregion bei welcher Phase am meisten passiert.

Zärtlichkeit zu zweit: schöner als Masturbieren im Hirnscanner. Quelle: Jörg Brinckheger / pixelio.de
Zärtlichkeit zu zweit: schöner als Masturbieren im Hirnscanner. Quelle: Jörg Brinckheger / pixelio.de

Konsequent aber eher lustlos folgt im Anschluss der Artikel von Kayt Sukel über Anorgasmie: Jetzt schlägt das medizinische Modell vollends zu und für die Erforschung von Orgasmusstörungen hat die Autorin sogar höchstpersönlich im fMRT-Scanner masturbiert. Alles im Dienste der Wissenschaft! Ich hoffe nur, dass die Erfahrungen der Selbstbefriedigung in einer engen, kalten und lauten Röhre nicht das sexuelle Erleben der durchschnittlichen G&G-Leserin wiedergeben.

Von der Positiven Psychologie zur positiven Sexualität

Die gewünschten »guten Gefühle« haben sich bei mir eher nicht eingestellt. Der Psychologie hat man lange Zeit vorgeworfen, sich vor allem mit Störungen zu beschäftigen und zu wenig damit, was Menschen glücklich macht. Das war die Geburtsstunde der Positiven Psychologie (siehe zur Einführung den Braincast Arvid Leyhs, Teil 1 und Teil 2). Warum nicht auch so über Sexualität denken?

Schon um die Jahrtausendwende haben sich Sozialwissenschaftlerinnen damit beschäftigt, wie sich das medizinische Modell der sexuellen Dysfunktion auf die Menschen auswirkt – und ob es überhaupt zu deren Erfahrungen passt. Das geschah unter dem Eindruck des damals neuen Viagra.

Viagra als Lustverstärker oder Lusttöter?

Dabei kam beispielsweise heraus, dass ältere Paare, bei denen sich die von Medizinern so getaufte männliche »erektile Dysfunktion« äußerte, neue Formen der Sexualität entdeckt hatten. Das ging sogar so weit, dass sich manche Frauen über die Verfügbarkeit von Viagra ärgerten. Dadurch hatten sie nämlich wieder mehr 08/15-Sex, der eben zum medizinischen Modell passt (Erregung, Plateau, Orgasmus – vor allem des Mannes – und Rückbildung).

Zum Glück hebt die Psychologin von Sydow im genannten Interview unmissverständlich hervor, dass das eigene Erleben maßgeblich ist: Wo niemand leidet, da auch keine Störung. Fehlt nur noch die positive Seite, was das Erleben von Lust steigert.

Hygiene und Gesundheit stehen im Vordergrund

Im Sexualkundeunterricht wird man darauf – auch Jahrzehnte nach der sogenannten sexuellen Revolution – kaum Antworten finden. Die staatlichen Institutionen sorgen sich eben vor allem um unsere Hygiene, Krankheits- und Schwangerschaftsvorsorge. Das spart immerhin Kosten für Behandlung und Verdienstausfall. Lust steht dort nicht auf dem Programm.

Wo lernt man also positive Sexualität kennen? So wie sich immer mehr Menschen für östliche Entspannungstechniken wie Meditation und Yoga interessieren, erfreuen sich auch Tantrakurse immer größerer Beliebtheit. Dort lernen Westler nach zweitausend Jahren Christentum, dreihundert Jahren Industrialisierung und hundert Jahren Medikalisierung wieder die Verbindung mit sich selbst. Im nächsten Schritt geht es darum, Kontakt mit anderen zu schließen.

Verbindung mit sich selbst, dann mit anderen

Dabei steht Sexualität gar nicht zentral, die zwar ein integraler Bestandteil des Menschen ist, jedoch nur einer unter vielen. Wenn man sich aber für seine Bedürfnisse und Gefühle nicht zu schämen braucht, wenn man einander als Menschen mit allen Möglichkeiten und Beschränkungen gegenübersteht, ehrlich und verletzlich, dann kann eine tiefe Verbindung entstehen.

Zugegeben, das ist eine Welt jenseits von medizinisch definierter Dysfunktion, jenseits von Anorgasmie, Psychotherapie und Medikamenten. Körperempfinden erforschen Menschen aber bereits seit Jahrtausenden, nicht erst seit den 1960er Jahren.

Reizlose Objektivierung

Eine verengte Wissenschaft beschäftigt sich leider vor allem mit dem, was sie beim heutigen Wissensstand messen und in diesem Sinne »objektivieren« kann. Einem Irrtum fällt zum Opfer, für wen das alles ist. So landen wir dann masturbierend im Hirnscanner. (Mein Tipp: Bitte nicht tun.)

Nein, ich hoffe, dass Sie ein paar Schritte weiter denken – können und wollen. In diesem Sinne: Gute Gefühle!

Postscriptum: Wer es nicht schon zwischen den Zeilen gelesen hat, der sei hiermit darauf hingewiesen, dass Untersuchungen von Orgasmen im Gehirnscanner ziemlich irrelevant sind, da sie nicht einmal zehn Prozent der menschlichen Sexualität abbilden. Wer hat es erkannt, das so alte wie vergessene Lied von der ökologischen Validität?

Quellen:
Potts, A. et al. (2003). The downside of Viagra: women’s experiences and concerns. Sociology of Health & Illness, 25, 7, 697-719.
Potts, A. et al. (2004). “Viagra stories”: challenging ‘erectile dysfunction’. Social Science & Medicine, 59, 489-499.

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43 Kommentare

  1. Viagra hat mit Lust absolut nix zu tun. Kein Lustverstärker, sondern eher nur Ermöglichung des Auslebens der Lust, die ansonsten von allein da sein muß. Viagra steigert nicht die Lust, sondern die physische Potenz. Ohne die “Lust” auch keine Potenz im Penis. Mehr Lust ist also von Viagra nicht zu erwarten.

    Aber weil ja alle nur irgendwelche Schlagzeilen um die Pille oder gar irgendwelche versauten Hintergedanken im Zusammenhang mit dem falsch verstandenen Sinn des Medikamentes fokussieren, wird der Nutzen von Viagra einfach mal verdreht und daraus Schlagworte gemacht (Lustverstärker…), die nichts mit der Realität zu tun haben. Und das in einem wissenschaftlichen Blog..naja, Punktabzug.

  2. Ich habe Hirnscanner auch abseits von Orgasmusforschung als relativ Irrelevant erlebt. Was die im Kern und in der normalen Kassenleistung verwendeten Scanner so scannen, taugt viel zu wenig, um auch nur annähernd menschliche Probleme zu beschreiben. Da wird gescannt und dann erklärt: “Sie sind gesund”, obewohl man haufenweise Beschwerden hat.
    Das Maximalziel der Fachärzte ist schlicht nur Hirntumore zu erkennen, um dann zu sagen, dass man den nicht operativ entfernen kann. Als Patient muß man da doch höchst unzufrieden sein (ebenso, wie es mit der Orgasmusforschung und folgender evidenzbasierten Medizin sei, die einem daraufhin nur zuteil wird).

  3. Dabei steht Sexualität gar nicht zentral, die zwar ein integraler Bestandteil des Menschen ist, jedoch nur einer unter vielen.

    ‘Integer’ meint ja unberührt, sozusagen unbeeinflusst. So ist es ja nicht. Die humane Sexualität, wie auch die Sexualität der Säuger allgemein, wie auch weitergehend die Sexualität sich replizierendes Lebens, ist schon eine vglw. coole Erfindung der Natur, weil so durch die Durchmischung von Anlage Kompetitivität und Besserung eintreten könnte, im Sinne eines “Survival of the Fittest”.

    ‘Zentral’ wäre hier das Fachwort und ‘integral’ bestmöglich ergänzend oder ersetzend.

    Sexualität dient der Fortpflanzung; dass seit vielleicht 50 Jahren hier eine Entkoppelung möglich geworden ist, Stichwort: Antikonzeption, ist nicht unproblematisch.
    Betroffene Gesellschaften leiden insofern, auch i.p. Fertilität; es ist keine Kleinigkeit, wenn sich dbzgl. leidende Gesellschaften je Generation zweidritteln.
    Weil dann andere kommen werden beispielsweise.

    Ihr Kommentatorenfreund, Herr Dr. Schleim, weist an dieser Stelle gerne ergänzend auf diese Machwerk hin:
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Triebstruktur_und_Gesellschaft (ein durch und durch blödes Werk, aber wirkmächig – der Schreiber dieser Zeilen ist insofern auch bspw. Herrn Dr. Blume dankbar, dass er hier effektiv, geplant oder auch nicht, gegenredet und anderweitig theoretisiert)

    Insgesamt kurz angefragt: “Schwul” geworden sind wir aber nicht, oder?

    MFG
    Dr. Webbaer

  4. “Wo lernt man also positive Sexualität kennen? So wie sich immer mehr Menschen für östliche Entspannungstechniken wie Meditation und Yoga interessieren, erfreuen sich auch Tantrakurse immer größerer Beliebtheit. Dort lernen Westler nach zweitausend Jahren Christentum, dreihundert Jahren Industrialisierung und hundert Jahren Medikalisierung wieder die Verbindung mit sich selbst. Im nächsten Schritt geht es darum, Kontakt mit anderen zu schließen.”

    Die Themen Gefühle, Sexualität und Religion wurden bereits in Siegmund Freuds “Das Unbehagen in der Kultur” thematisiert. Insofern müsste auch den Machern von populären Wissenschaftsmagazinen klar sein, dass Sex mehr ist als eine rein mechanische Angelegenheit, die man im Gehirnscanner messen kann.

    In einigen östlichen Glaubenslehren, wie dem chinesischen Daoismus, gilt die Sexualität als mächtige Energie und kann als ein Weg zur spirituellen Vollkommenheit genutzt werden. Die oben erwähnten Tantra-Praktiken und das Kundalini-Yoga stammen aus der indischen Hindu-Religion. In den 1970er Jahren propagierte der indische Philosoph Bhagwan Shree Rajneesh (genannt “Osho”) das Neo-Tantra, welches auf den westlichen Menschen zugeschnittenen war und eine Verbindung von Spiritualität und Sexualität darstellte. Der Zusammenhang zum traditionellen Tantra ging dabei allerdings immer mehr verloren.

    http://www.hindu-religion.de/tantra/

    Mit dem Vajrayana oder Tantrayana (“Tantrafahrzeug”) gelangte ein Zweig des Mahayana-Buddhismus von Indien nach Tibet. Der Dalai Lama schreibt dazu in seinen Lehren des tibetischen Buddhismus: “Durch das Schmelzen des Bodhicitta [in Folge der sexuellen Vereinigung, Anm. der Red.] erfährt man einen glückseligen, nicht-begrifflichen Bewusstseinszustand. Wenn man in der Lage ist, diese Glückseligkeit in die Erfahrung der Leerheit zu überführen, dann hat man damit erreicht, eine Leidenschaft in die Weisheit, welche die Leerheit erkennt, umzuwandeln, denn diese Weisheit ist aus Begierde hervorgegangen. Die so erzeugte Weisheit dient als Gegenmittel gegen alle verblendeten Emotionen und Vorstellungen. Aufgrund dieses Zusammenhangs kann man sagen, dass die Leidenschaften selbst die Leidenschaften zerstören. […] Es ist ein einzigartiges Merkmal des Tantra, in dieser Weise Leidenschaften als integralen Bestandteil des Pfades zur Erleuchtung nutzbar zu machen.”

    Quelle: https://www.tibet.de/fileadmin/pdf/tibu/2008/tibu085-2008-27-cs-tantra.pdf

  5. @Andromed

    Woran machen Sie das fest, ich hätte Viagra als Lustverstärker bezeichnet?

    Im Text schrieb ich, dass die Qualität zärtlicher Kontakte darunter leiden kann. Das haben Studien ergeben (siehe Quellen).

    Noch ein kleines P.S.: Bei Leuten, die ihre Kritik gleich auf die persönliche Ebene bringen (“und sowas in einem wissenschaftlichen Blog”), vergeht mir allmählich die Lust. Machen Sie es erst einmal besser.

  6. @demolog

    Nunja, psychologische/psychosomatische Probleme entdeckt man eben nicht im Hirnscanner. Das kann frustrierend sein. Seien Sie aber froh, dass dort eben kein Tumor gefunden wurde, schon gar kein inoperabler.

    Dass Ihre Aussage über die Tumore übertrieben ist, das wissen Sie wahrscheinlich selbst; sonst wären ja auch so gut wie alle Neurochirurgen arbeitslos.

  7. Menschen haben sicher nicht erst seit der Pille Sex aus Spaß/Spaß aus Sex.

    Haben Sie schon einmal barocke Literatur gelesen? Oder den Marquis de Sade?

    Wenn es stimmt, was ich wiederholt über die Pille hörte, dann haben viele (Frauen) seitdem sogar weniger Lust.

    Woran machen Sie eigentlich Ihre Frage zu meiner sexuellen Orientierung fest? Diese ist übrigens nicht Thema dieses Beitrags.

  8. @Monat, Freud und Osten

    Denken Sie, dass Freuds Thesen zur Sexualität noch (oder vielleicht wieder?) aktuell sind? Sind sie denn lesenswert?

    Und, nun ja, natürlich wird das östliche Wissen über Sexualität und Körper auch vermarktet. Darauf verstand sich sicher Osho sehr gut. Die Leere, die durch den Verlust unserer Tradition und Kultur entstanden ist, die füllen wir durch den Konsum solcher Kurse.

    Darum muss aber übrigens nicht alles verkehrt und schlecht sein, was man da lernt. Oder was denken Sie?

  9. PS:
    Nett natürlich, dass dies hier angemängelt worden ist:

    Auf die Frage, welche Umstände die Lust fördern, antwortet sie nämlich eher trocken: [Stephan Schleim, Artikeltext]

    Das Alter spielt einige wichtige Rolle, der Hormonstatus und natürlich die aktuelle Lebenssituation. Frauen, die beispielsweise gerade ein Baby zur Welt gebracht haben, verspüren meist gar kein oder nur ein sehr geringes sexuelles Verlangen. Das Gleiche gilt für viele Frauen, die unter einer Krankheit leiden, ihren Partner pflegen oder beruflich großem Stress ausgesetzt sind. Förderlich für die Lust hingegen sind gemeinsame Abenteuer und ungewohnte Tätigkeiten. (Gehirn&Geist, 5/2016, S. 14-15) [Kirsten von Sydow]

    Die Dame “weiß halt auch nicht”, die humane Sexualität ist eben nur begrenzt wissenschaftlich fassbar, es liegt Kultur vor, die vielleicht am besten feuilletonistisch bearbeitet wird.

    Ihr Kommentatorenfreund, werter Herr Dr. Schleim, beneidet Sie insofern auch beim Thema humane Sexualität nicht um Ihren schwierigen Job. – Die die Nachricht weiter oben abschließende pers. Anfrage war natürlich weniger dem Interesse geschuldet, sondern folgte einem humoristischen Impetus: Es wäre halt (für einige) sehr lustig, wenn diese kleine Artikelserie zum Thema (auch: nicht reproduktive) Sexualität beizeiten mit einem “Icke schwul!” ergänzt oder abgeschlossen werden würde.

    MFG
    Dr. Webbaer

  10. @Stephan Schleim

    Zu Freud: Ich habe “Das Unbehagen in der Kultur” in jungen Jahren mal gelesen und fand es recht beeindruckend. Heutzutage sieht man zwar manches von dem was Freud schrieb etwas anders, trotzdem ist das Werk ein Klassiker und durchaus lesenswert.

    Zum Reinlesen: http://gutenberg.spiegel.de/buch/das-unbehagen-in-der-kultur-922/1

    Ob man die Leere, die durch den Verlust unserer Tradition und Kultur entstanden ist durch den Konsum entsprechender Kurse füllen kann muss jeder für sich entscheiden. Im Gedankengut östlicher Philosophien finden sich viele Weisheiten, die als Anleitung für ein harmonisches leben dienen sollen. Inwieweit sich diese Anschauungen mit unserer modernen Wettbewerbsgesellschaft vertragen ist fraglich. Und es darf auch nicht übersehen werden, dass vieles was durch Religion und Esoterik zu uns gekommen ist in den Bereich der Sagen und Märchen gehört. Während jedoch im Westen die Sexualität durch das Christentum mit einem Tabu belegt wurde und als sündhaft galt, erhielt sie im östlichen Denken eine positive Rolle zugewiesen. Sie galt als Teil der Natur und wurde als Kraftquell des Lebens angesehen.

  11. Ich soll es besser machen? Wie könnte ich? Aus Scheixxe wird kein Bonbon. Mal ganz umgangssprachlich ausgedrückt.

    Und Lustverstärker steht da eindeutig im Text drinnen. Vielleicht haben sie meine Kritik daran affektiv zu sehr auf sich bezogen? Sie jedenfalls haben das Wort “Lustverstärker” verwendet (egal, wozu) und damit beigetragen, diesen Terminus ungerechtfertigt zu verbreiten – also falsche Meme zu verbreiten. (Auch, wenn sie das mit dem Hinweis auf eine Studie dann entkräften wollten).

    Indem sie den Begriff als wirksames Schlagwort nutzen, haben sie den folgenden Hinweis leider erheblich entkräftet – in den Hirnen mancher Leser. Vielleicht sind sie sich nicht bewusst, was Schlagwörter so alles im Geiste anstellen?

    Naja, anyway, haben wir das ja geklärt.

  12. Keine Ahnung, ob man die unbedingt im Hirnscanner entdecken muß, um hinreichende Therapien einzuleiten .. oder erstmal zu erfinden.

    Auf jeden Fall gibt es in der Realität der Fachärzte zu wenig engagemang bei solchen Symptomatiken. “Psychosomatik” und fertig ist die Diagnose … und auch alle Therapie. Wenn ich das Wort Psychosomatik höre, stellt sich bei mir der Kamm, weil das eben bei den Fachärzten eine Sackgasse ist. Da kommt nix mehr, als das Wort.
    Da gehört noch viel erfolgreiche Forschung gemacht. Und wenn möglich, schon gestern.

    Korrekt: Ich übertrieb – ums auch wirklich deutlich zu machen. Übertrieben ist es aber auch nur in Bezug auf den Tumor, nicht auf die Realität der Psychiater. Bei denen hört jede Anamnese beim MRT auf. Das ist das “Höchste” aller Ursachensuche. (Ist ja auch immer ein kollossales Gerätchen…kann man immer ein bischen pralen und beeindrucken)

  13. Dett spielt ja kene rolle, ob der Schleim vileicht schwul is. (Du meinst doch den Schleim, oder?)

  14. Es wäre halt (für einige) sehr lustig, in etwa so lustig, wie es lustig ist, wenn homosexuelle Professorinnen das bundesdeutsche Familienministerium eben i.p. Familie beraten.
    So ein Disclaimer of Interest (dbzgl. bei Bedarf gerne selbst recherchieren) wäre in diesem Fall vielleicht schon angebracht-

  15. @Andromed: Viagra

    Im Text steht allein: “Viagra als Lustverstärker oder Lusttöter?”

    Wenn Sie einen Fragesatz nicht von einem Aussagesatz unterscheiden können oder wollen und wenn Sie auch kein zweites Mal darüber nachdenken können oder wollen, dann besuchen Sie bitte einen anderen Ort, anstatt hier Ihre Beleidigungen zu verbreiten.

  16. @demolog: Psychosomatik & MRT

    “Psychosomatisch” und “stressbedingt”, ja, mit diesen Worten speisen wahrscheinlich viele Ärzte ihre Patienten ab. Wahrscheinlich geschieht das aber oft bloß darum, weil sie es nicht besser wissen. Dann muss man selbst den Schritt zum Facharzt/zur Fachärztin für psychosomatische Medizin oder zum Psychologen/zur Psychologin gehen.

    … nicht auf die Realität der Psychiater. Bei denen hört jede Anamnese beim MRT auf. Das ist das “Höchste” aller Ursachensuche.

    Das habe ich in der Tat aus erster Hand miterlebt: Machtkämpfe zwischen Psychiatern und Neuroradiologen um Messzeiten, Autorenschaften und so weiter.

    Man sollte aber fair und ehrlich sein und zugeben, dass nicht alle Psychiater so sind, dass auch viele von ihnen wissen, dass bei den Erwartungen an die MRT viel Hokuspokus beteiligt ist.

    Zum Schluss sollte man auch nicht vergessen, dass die Psychiatrie, schon seitdem es sie gibt, ein so weites wie schwieriges Feld ist: Die Störungen sind unklar, die Ursachen unbekannt – und wenn man dann doch einmal etwas findet, dann wandert die Störung schnell in die Neurologie.

  17. @Mona: weibliche Lust

    Während jedoch im Westen die Sexualität durch das Christentum mit einem Tabu belegt wurde und als sündhaft galt, erhielt sie im östlichen Denken eine positive Rolle zugewiesen. Sie galt als Teil der Natur und wurde als Kraftquell des Lebens angesehen.

    Na, hoffentlich schreiben Sie, wenn es in Gehirn&Geist wieder einmal um weibliche Lust geht, einen Artikel zum Thema!

  18. Lieber Herr Schleim,
    also ein besonderes pers. Interesse besteht natürlich nicht, “es wäre halt lustig gewesen, wenn”, insofern vielen Dank für Ihre Geduld.
    Old Webbaer ist halt seinerzeit bei dieser Aussage – ‘In der Wissenschaft bürgert sich übrigens nach und nach die Bezeichnung MSM – men who have sex with men – ein.’ – ein wenig hellhörig geworden.

    Nö!, Ihnen fällt vielleicht auf, das Ihr Kommentatorenfreund regelmäßig Sinnhaftes in Ihren hier im WebLog dankenswerterweise bereitgestellten Texten entdeckt, die Hirnforschung bei Ihnen (vs. bei anderen) in guten Händen weiß.

    MFG
    Dr. Webbaer

  19. Wer sich für die Kulturgeschichte der Sexualität interessiert, dem kann ich folgendes Buch: Einar Petterson, Amans amanti medikus. Das Genremotiv Der ärztliche Besuch in seinem kulturhistorischen Kontext, Berlin 2002.

    Es geht um junge Frauen, die “liebeskrank” sind, eine “Krankheit”, die der Arzt nicht behandeln kann. Nur der Liebhaber ist der richtige “Arzt” für die Verliebte. Das Bildthema war typisch für die niederländische Kunst des 17. Jahrhunderts.
    Der Autor geht auch auf damalige medizinische Ansichten ein, z.B. auf die historische Diagnose einer “morbus virgineus” oder “furore uterina”, eine “hefftige und unersättliche Begierde zum Beyschlaff” (S. 288).

  20. Die pointe (Schleim Schwul geworden) ginge an mir völlig ohne Beeindruckung vorbei. Ich weiß aber nicht, in welchem Zusammenhang sie das lustig finden würden könnten. Ich habe nicht alle Kommentare vollständig gelesen.

  21. Ob solche “kurse” oder besser Praktiken Wirkung zeigen, hängt davon ab, ob man erstens auch genug “üben” tut (wozu auch eine Begeisterung .nötig wäre) und davon, wie sich das Gehirn dann wieder umformt. Dazu ist viel Praxis (Übung) und viel Spaß nötig.

    Alle aus dem System herausgefallenen haben schlicht keine andere Möglichkeit, da sie ansonsten ein sinn- und zweckloses Leben führen würden (worin dann eine absolute Langeweile und Leere alltag wäre – vielleicht der Grund, warum viele Menschen etwa in Alkoholsucht versacken?). Oder sie fangen von vorne an, sich dem System anzudienen/ zu integrieren, dass sie vorher aber erst ausgeschlossen hat. Der Weg wäre also sehr anstrengend und demütigend – was wohl die wenigsten durchstehen.

    Ich selbst bin aufgrund meiner “Bildung” (im weitesten Sinne) skeptisch hinsichtlich solch spezielle (weiß nicht, wie ich das nennen soll) Praktiken und Lebensweisen eingestellt. Es scheint mir zusehr der Hauch des utopischen und des “transzendenten” dran zu kleben. Mir scheint es zu wenig “Hier und Jetzt” in solchen Praktiken enthalten zu sein. Wobei das erlebte “hier und Jetzt” ja gerade verändert werden soll / mit neuen Inhalten gefüllt werden soll, die sich nicht bei Wettbewerbssituationen und Leistungszwängen erschöpfen (bezüglich der Konsumgesellschaften, die sich für ihren Konsum erst in Ausbeutungsverhältnissen verausgaben müssen – wobei “Ausbeutung” ja für viele darin zufriedene nicht empfunden wird… bis sie dann irgendwann ausbrennen)

  22. @Mona: Simone de Beauvoir vs. Freud

    Wo Sie Freud ansprechen, fällt mir jetzt erst ein, dass ich seit letztem Sommer hin und wieder de Beauvoirs “Das andere Geschlecht” lese. Wenn es ein bedeutendes Buch zur weiblichen Sexualität im 20. Jahrhundert gibt, dann wohl dieses. Die belesene Philosophin fasst übrigens auch Freud zusammen.

    Da man nicht über weibliche Sexualität schreiben kann, ohne auch auf männliche Sexualität einzugehen, kann ich das Buch jedem nur empfehlen.

  23. @demolog: Bildung

    Ich selbst bin aufgrund meiner “Bildung” (im weitesten Sinne) skeptisch hinsichtlich solch spezielle (weiß nicht, wie ich das nennen soll) Praktiken und Lebensweisen eingestellt.

    Ich weiß nicht, ob Bildung dem im Wege stehen muss, oder nicht im Gegenteil Türen öffnet. Schließlich waren es schon im 18. wie 19. Jahrhundert vor allem Gebildete, die sich für den Osten, seine Psychologie, Philosophie und Spiritualität interessierten (man denke an Goethe, Schopenhauer, Nietzsche… bis zu Hermann Hesse, dessen Siddharta 1922 erschien und bis heute gelesen wird).

    Wie ich vor langer Zeit schon einmal diskutierte, interessieren sich auch viele Gebildete, vor allem Frauen, für Alternativmedizin.

    Neben Menschen, die an Magie glauben, Schamanismus und so weiter begegnet man eben auch gebildeten Frauen mit Interesse für Psychologie und Philosophie, die verstehen, dass man den Menschen nicht auf eine Formel reduzieren kann und über den Tellerrand hinausschauen – wenn das kein Vorteil ist?!

  24. Fein, wenn einem jemand gute Gefühle wünscht. Meine sind allerdings eher ambivalent. Das betrifft nicht das Thema weibliche (Un-)Lust als solches, auch nicht die Forderung nach positiver Psychologie im Allgemeine und positiver Sexualität im Besonderen. Sondern die Frage, ob das schon alles ist. Ob mit Studien und Untersuchungen wie der o.g. der Auftrag der Wissenschaft(en) erfüllt ist.

    Kuhn schrieb in seiner “Struktur wissenschaftlicher Revolutionen” sinngemäß, dass jedem Paradigmenwechsel die Aufräumarbeiten folgen müssen, die der Zusammenbruch des alten Weltbildes notwendig macht. Wenn man Freuds Tiefenpsychologie und die Begründung der Psychoanalyse als Paradigmenwechsel ansehen möchte, dann könnten o.g. Untersuchungen zu den Aufräumarbeiten gezählt werden. Für mich sieht das allerdings inzwischen nach rein handwerklicher Tätigkeit aus. Nicht, dass ich etwas gegen das Handwerk habe, im Gegenteil, und ohnehin werden Facharbeiter in der Wirtschaft ja dringend gebraucht. Aber in der Wissenschaft? Besteht ihr Auftrag nur darin, gute handwerkliche Arbeit zu leisten? Erschöpft sich darin der ganze Ehrgeiz eines Wissenschaftlers?
    Wo bleiben da die großen Ideen, die einen Paradigmenwechsel erst möglich machen, der die menschliche Gesellschaft voranbringt? Wissenschaftler früherer Epochen haben sich für ihre Ideen zerrissen, was hätten sie für die Möglichkeit gegeben, so forschen zu dürfen, wie dies heute möglich sein könnte, aber nicht möglich gemacht wird? Verengte Wissenschaft, ja das trifft es schon gut.

    Und in diesem Fall kann ich Herrn Dr. Webbar, den ich sehr schätze, nicht zustimmen: ich denke nicht, dass Wissenschaft und Hirnforschung derzeit in guten Händen sind. Was sich als kritik keinesfalls gegen Sie persönlich richtet, Herr Schleim, sondern an den Wissenschaftsbetrieb als solchen.
    Aber ich weiß schon, die Wissenschaft ist eine große Masse, und große Massen sind träge …

  25. @demolog:

    Wie @Stephan Schleim bereits schrieb, “waren es schon im 18. wie 19. Jahrhundert vor allem Gebildete, die sich für den Osten, seine Psychologie, Philosophie und Spiritualität interessierten”. Man könnte das Ganze sogar noch ausweiten, weil es bereits im Altertum Interaktionen zwischen den verschiedenen Kulturkreisen gab. Als Beispiel wäre der Greco-Buddhismus zu anzuführen:

    http://www.cs.mcgill.ca/~rwest/wikispeedia/wpcd/wp/g/Greco-Buddhism.htm

  26. @ Trice :

    Und in diesem Fall kann ich Herrn Dr. Webbar, den ich sehr schätze, nicht zustimmen: ich denke nicht, dass Wissenschaft und Hirnforschung derzeit in guten Händen sind.

    Herr Schleim ist schon ein “Schlaubie” und wenn er nicht politisch-sittlich wird, hat Dr. W hier oft zuzustimmen, von “Kleinigkeiten” einmal abgesehen, so in der Art, dass Neuro-Enhancement (der Webverweis ist jetzt mal so ohne nähere Prüfung beigebracht worden – Herr Dr. Schleim hat anzunehmenderweise zu diesem Topic ausgesagt, was er zu diesem Topic auszusagen pflegt) nicht funktioniert; vorsichtshalber angemerkt: Dr. W ist hie abstinent, auch weil ohnehin allgemein tauglich und phantasievoll.

    Hmm, könnte es sein, dass wir i.p. Wissenschaft hier ein wenig negativ unterwegs sind, Trice?!

    Also i.p. Hirnwissenschaft und deren Grenzen fühlt sich Ihr Kommentatorenfreund schon sehr gut beraten, Herr Schleim teilt auch kräftig aus, was hier natürlich gut ankommt, wenn oder weil er recht hat; denn er ist ja auch Philosoph.

    MFG
    Dr. Webbaer

    PS:
    So schaut’s besser aus, sorry!!

  27. @Stephan Schleim: Zu Simone de Beauvoir vs. Freud

    Freud sah das weibliche Geschlecht in bekannt patriarchaler Manier als “defizitär” an. Besonders der von ihm propagierte “Penisneid” geriet schon früh in die feministische Kritik. Die Freud’sche Weiblichkeitstheorie konnte nicht zuletzt durch Beauvoirs “Das andere Geschlecht”, das zur Bibel der Frauenbewegung wurde, als weitgehend verfehlt betrachtet werden.
    Siehe dazu auch:
    http://phase-zwei.org/hefte/artikel/psychoanalyse-in-der-feministischen-kritik-29/

    Simone de Beauvoir sieht die Versklavung der Frau größtenteils in deren wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Mann begründet. Vermutlich ist dieses Denken der damals üblichen Hausfrauenehe geschuldet. Ich würde aber eher gesellschaftliche Zwänge unterstellen, denn auch berufstätige Frauen, die wirtschaftlich unabhängig waren, mussten sich den herrschenden Konventionen beugen. Aus diesem Grund wurde ein generelles Umdenken und entsprechende Gesetze nötig.

  28. Wenn ich von Bildung in dem Kommentar sprach, war das so gemeint, dass ich genau nur meine Bildung meinte. Nicht die “Bildung” die angenommen wird, wenn jemand intellektuel entsprechend hohe Leistungen vollbringen kann. Sie werden mir also eine “Bildung” zugestehen, die mehr oder weniger einzigartig, aber eben nicht großartig ist. Tun sie das?

    Bildung ist im weitesten dann auch noch nicht nur intellektuelle oder intelligente Hochleistung gemeint, sondern alles, was den Menschen ausmacht. Sogesehen hat jeder Mensch eine “Bilsung”. Denn irgendwie ist dieser irgendwer eben gebildet.
    Die Eigenschaft, “Bildung” nur in Intelligenzleistung zu messen, ist eben … falsch… dekadent oder auch beschränkt.

  29. Zum eigentlichen Problem:

    Ich bin skeptisch gegen solche Lebensweisen eingestellt, weil ich weiß, wie fokussiert und damit eingeschränkt ein Leben dann ist. Ausserdem verlief mein Leben bisher völlig anders – sehr wenig (bis gar nicht) transzendental und spirituell. Was auch hinsichtlich gewisser “Bildungsmängel” (jetzt als intellektuelle Höchstleistung gemeint) in meiner Familie/sozialem Umfeld (Eltern und so) geschuldet sei – in welcher das “hier und Jetzt” (meistens gemeint waren die unmittelbaren Zwänge und Bedürfnisse … auch/meist wirtschaftlicher Art) einzige Dimension der Existenz waren und sind. Also eher eine diktatorische Umgebung, die mir da zuteil wurde. Insgesamt musste jede Handlung, jede Art Zeitvertreib einen unmittelbar produktiven Zweck haben. Und da hatte Yoga etwa, bei dem man quasi unproduktiv Zeit vertreibt, nun mal keinen Platz. Meine Familie war also vollkommen unspirituel. Das “Hier und Jetzt” also als eine unmittelbare Handlungsanweisung und Diktat für das Handeln. Weil eben auch gewisse wirtschaftliche/ökonomische Zwänge nur das unmittelbare Problemlösen (also etwa “arbeiten”) zuließ.

    Für den Zustand bin ich dieser Welt heute noch böse und unversöhnlich eingestellt. Denn das kann kein Mensch wieder gut machen, was mir damit angetan wurde.

  30. Auch bei dir ist die falsche Idee von Bildung vorhanden. Ich meinte die individuelle Bildung. Denn jeder Mensch ist durch seine individuelle Lebenssituation irgendwie “gebildet”. Diese Vision von Bildung ist demnach völlig frei von der Idee der Bildung als eine intellektuelle Höchstleistung.

  31. @Dr. Webbaer
    “Hmm, könnte es sein, dass wir i.p. Wissenschaft hier ein wenig negativ unterwegs sind, Trice?!”

    Nein, in puncto Wissenschaft ganz sicher nicht. In puncto derzeitiger Wissenschaftsbetrieb allerdings schon.

    “Also i.p. Hirnwissenschaft und deren Grenzen fühlt sich Ihr Kommentatorenfreund schon sehr gut beraten, ”

    Das ist auch nicht mein Kritikpunkt.Aber wenn man wie ich gesagt bekommt, dass der eigene Ansatz absolut zutreffend ist, aber dennoch nicht ins derzeitige Wissenschaftssystem passt, dann schaut man sich das System und wie es funktioniert schon an, um zu erfahren, warum etwas, das richtig ist, dennoch nicht anerkannt werden kann.
    Zu Zeiten Galileis oder Keplers gab es das ja auch, und da lag es daran, dass die Kirche sagte, man dürfe ja gern forschen und Wissenschaft betreiben, aber bitte nur innerhalb des Rahmens, den wir vorgeben. Also: keine Erkenntnisse, die mit den Lehren der Kirche nicht zu vereinbaren ist.
    Na gut, letztlich hat sich der wissenschaftliche Fortschritt dadurch auch nur aufhalten, aber nicht verhindern lassen.

    Fehler wiederholen sich, auch wenn sie sich in den Details unterscheiden. Doch wieder ist der vorgegebene Rahmen, innerhalb dessen nach Erkenntnisgewinn gestrebt werden darf, das Hindernis, das den wissenschaftlichen Fortschritt wieder einmal aufhält.
    Ob er ihn diesmal verhindern kann, hängt davon ab, wie sich unsere Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten verändern wird.

    “Herr Schleim teilt auch kräftig aus, was hier natürlich gut ankommt, wenn oder weil er recht hat; denn er ist ja auch Philosoph.”
    Dagegen habe ich nichts, im Gegenteil. Denn das dient dem Erkenntnisgewinn ebenfalls.

    Viele Grüße,
    Trice

  32. @Mona: de Beauvoir und Emanzipation

    Simone de Beauvoir sieht die Versklavung der Frau größtenteils in deren wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Mann begründet.

    Ich weiß nicht, ob ‘Versklavung’ de Beauvoirs eigener Terminologie entspricht, aber verstehen wir es einmal sinngemäß.

    De Beauvoir erklärt auch anthropologisch-historisch die Verschiebung vom Matriarchat zum Patriarchat; danach zeigt sie auf, dass in ihrer Gesellschaft (also um 1950), folglich aber auch in unserer Gesellschaft, keine guten Gründe mehr für die Unterdrückung von Frauen bestehen.

    Damit kommen wir folgerichtig zum nächsten Punkt:

    Ich würde aber eher gesellschaftliche Zwänge unterstellen, denn auch berufstätige Frauen, die wirtschaftlich unabhängig waren, mussten sich den herrschenden Konventionen beugen. Aus diesem Grund wurde ein generelles Umdenken und entsprechende Gesetze nötig.

    Richtig, doch unterlagen/unterliegen berufstätige Männer nicht auch diesen gesellschaftlichen Zwängen?

    Dieses Umdenken war der Aufschwung für die Zweite Welle des Feminismus, als dessen Initiatorin de Beauvoir häufig angesehen wird. Ihre Gesellschaftskritik verstehe ich aber breiter.

    Meine Ideen diesbezüglich habe ich in zwei Telepolis-Artikeln ausführlicher Formuliert:

    Werbung für den Karrierefeminismus
    Wem nutzt die Frauenquote?

  33. Wo ist den der Psychiater, der sich hinreichend (und über das Maß hinaus, was das Gesundheitssystem verlangt) Zeit und Muße nimmt, um Symptomatik und Dynamik in Zusammenhang mit unmittelbarem Umfeld zu erschliessen?

    Ich habe im Laufe meiner Psychiatrie-Karriere wirklich keinen gefunden, der bereit wäre, mehr zu tun, als das Gesundheitssystem verlangt. Das verlangt schlicht nur Medikation mit einschlägigen Mitteln (Dopaminhemmer o.ä.).
    Die andere Seite des Problems ist die Sicht auf den “Patienten”. Der nämlich ist meist diagnostiziert mit einer dieser unsäglichen Diagnosen aus ICD10. Damit haben sie einen Stempel, den sie nie wieder los bekommen. Dieser Stempel ist die Ursache, das sihnen niemand mehr zuhört. Auch der Arzt nicht. Der hat wenige Eckpunkte, auf die er achtet, ansonsten interessiert es dem wenig, was der Patient zu sagen hat. Patienten dieses Faches reden doch sowieso nur blödsinn daher. Kein Anlass, um tiefer in die Inahlte einzugehen.

    An dieser Stelle hat das (Gesundheits)System einen extremen Mangel, der sogar echte Menschenrechte verletzt – ganz ohne das je dieser Mangel öffentlich angesprochen würde…weil, solchen diagnostizierten braucht man ja nicht zuzuhören. Also auch ein gesellschaftliches Problem – weil nicht nur der Facharzt nicht zuhört, sondern auch jeder andere sogenannte “gesunde” / “normale” Mensch nicht.

    Ein geniales Unterdrückungssystem – funktioniert immer. Können sie testen (indem sie irgendwo, wo sie unbekannt sind, erklären, sie sind mit Schizophrenie diagnostiziert worden. Sodann werden sie nicht mehr ernst genommen, sondern es wird nach einem Ausweg aus der Situation gesucht – etwa einen Schutzbefohlenen / Betreuungsperson, wie ein Elternteil etwa. Sie existieren gar nicht mehr.

    Unterm Strich also ist das jetzige System (Gesundheitssystem) Schuld, dass sich bezüglich der Psyche und so auf therapueutischer Basis nichts verändert. Niemand braucht mehr zu leisten, als das System vorgibt. Und das ist nicht viel vorgegeben. Das ist das selbe Problem, wie mit der Forschung zum SexErleben. Sex ist in unserer Kultur zu sehr Privatsache, als dass man da weiter geht, als über ein Maß, welches die Gesellschaft bereit wäre, breit öffentlich zu debattieren. Die Diagnose (…Schizophrenie etwa) ist auch Privatsache und man tut gut daran, sie niemals öffentlich zu äußern. Man ist sofort Diskreditiert – freilich ungerechtferitgt. Ich würde sogar soweit gehen, dass ich meiner Mutter, die als “normal” gilt, einen Hirnschaden andichten würde – sie also für Behindert abstempeln würde. Menschen, denen sein Umfeld derart egal ist, wie etwa meiner Mutter und so manchem Facharzt, täte ich ein Defizit in Empfindungsfähigkeit und Emphatie andichten – mithin beinahe eine Diagnose aus der ICD10 vergleichbar – also als krank bezeichnen würde. “wir behandeln die falschen”… hiess doch mal ein Büchlein vor ein paar Jahren!?

  34. Selten einen größeren Unfug gelesen, naja ein echter Bär eben- von Anfang bis Ende nicht zu ertragen.
    Daß man homosexuell nicht”wird”, sondern auf Grund spezieller Genkonfiguration einfach ist, müßte sich doch auch zu Dir rumgesprochen haben, Du nichtsnutziger Schwätzer!

  35. Nein, Bär, es wäre für niemanden lustig, wenn eine wie auch immer geartete Artikelserie mit “Icke schwul” beendet würde, jedenfalls nicht für den gebildeten oder erzogenen Teil des Auditoriums.

  36. Herr Schleim, ist es denn nicht so, daß Viagra weder Lusttöter noch Lustverstärker ist, sondern p. def. ganz einfach Lustermöglicher ?!

  37. Hallo! Unsere Online-Apotheke bietet rezeptfreie Potenzmittel zu niedrigen Preisen an! Jetzt haben wir für Sie ein Angebot – Sie können einen schönen Rabatt bekommen. Die Lieferung ist wirklich schnell; sie dauert nicht länger als 48 Stunde. Für mehrere Informationen besuchen Sie bitte unsere Webseite, wo Sie alle Kontaktinformationen finden werden.
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  38. “Lustig” wäre es nicht, da man den Hintergrund nicht verdrängen kann, dass zahlreiche Menschen eine homosexuelle Person automatisch für weniger kompetent halten. Es geht aber nicht um eigene Erfahrungen, die immer nur einen Bruchteil der Realität abbilden können, sondern um Entscheidungen, die für die ganze Gesellschaft sinnvoll sind.

  39. “Im Sexualkundeunterricht wird man darauf – auch Jahrzehnte nach der sogenannten sexuellen Revolution – kaum Antworten finden. Die staatlichen Institutionen sorgen sich eben vor allem um unsere Hygiene, Krankheits- und Schwangerschaftsvorsorge. Das spart immerhin Kosten für Behandlung und Verdienstausfall. Lust steht dort nicht auf dem Programm.” Ich stelle mir grade meinen Aufklärungsunterricht vor, wenn dieses Thema auch noch behandelt worden wäre. Ein positives Szenario scheint mir schwer vorstellbar. Ganz davon abgesehen, dass der Staat ganz sicher nicht für das Lustempfinden seiner Bürger verantwortlich ist.

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