Schadet Bloggen der wissenschaftlichen Karriere?

BLOG: MENSCHEN-BILDER

Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft
MENSCHEN-BILDER

Zwischen Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation herrscht ein Spannungsverhältnis. Einerseits wird inzwischen mehr Wert auf Bekanntheit und öffentliche Darstellung gelegt. Andererseits gilt es in manchen akademischen Kreisen als unfein, für die Allgemeinheit zu publizieren. Wie damit umgehen?

Der Auftritt der Hochschulen in der Öffentlichkeit hat sich in den letzten Jahren erheblich geändert. Sicher auch im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Internets und einem größeren allgemeinen Interesse an Wissenschaft dürften nun beinahe alle Hochschulen über PR-Angestellte verfügen, die das öffentliche Bild ihrer Einrichtung pflegen und auf aktuelle Entwicklungen hinweisen. Früher musste man als Externer schon aktiv nach Informationen suchen, die heute nur einen Mausclick weit entfernt sind. Dementsprechend dürfte es die Hochschulleitung zunächst einmal begrüßen, wenn sich ihre Mitarbeiter an der Wissenschaftskommunikation beteiligen, beispielsweise in Form eines Blogs.

Allerdings kann es auch schnell zu Interessenkonflikten kommen. Beispielsweise könnte ein Forscher eine Minderheitsmeinung vertreten, die in der Öffentlichkeit als problematisch gilt und ein negatives Bild auf die Einrichtung wirft – man denke etwa an Berichte zum Zusammenhang zwischen Genen und Intelligenz oder die Kritik an einer weitverbreiteten herrschenden Meinung. Ein Forscher könnte gar einen Bericht veröffentlichen, in dem er eine Hochschule oder das Hochschulsystem allgemein kritisiert, indem er beispielsweise die Arbeitsbedingungen kritisiert (z.B. Markus Dahlem: Hochschulpolitik) oder andere Missstände offenlegt. Im Extremfall könnte so ein Bericht sogar zu einer Klage führen.

Hat ein guter Wissenschaftler Zeit fürs Bloggen?

Nehmen wir für die Untersuchung der Frage aber einmal an, dass es zu keinem dieser Sonderfälle kommt und der Forscher unstrittige Berichte über seine Arbeit schreibt; und zwar aus dem ehrlichen Bedürfnis heraus, die Früchte seiner Arbeit sowie seines Arbeitsgebiets mit Kollegen und/oder anderen interessierten Menschen zu teilen. Dies könnte allenfalls mit einer – womöglich aber nach und nach altmodischer werdenden – Vorstellung kollidieren, ein guter Wissenschaftler müsse permanent im Labor stehen und könne daher gar keine Zeit zum Kommunizieren über die Fachgrenzen hinaus haben. Wer es dennoch täte, sich auf diesem Weg womöglich gar Anerkennung verschaffte, die er von Kollegen nicht erhielte, der sei wahrscheinlich eben auch kein guter Wissenschaftler.

Öffentliche Anerkennung ist ein kaum zu unterschätzender Faktor für das Einwerben öffentlicher Finanzierung. Ein Forschungsgebiet, das öffentliche Aufmerksamkeit erreichen kann wie die Hirnforschung, ist auch in der Forschungspolitik besser gestellt als exotische Spezialitäten, von denen niemand etwas weiß. (Peter Janich, 2009. Kein neues Menschenbild: Zur Sprache der Hirnforschung, S. 92.)

Wenn Wissenschaftskommunikation jedoch in zunehmendem Maße akzeptiert, ja vielleicht sogar als erwünscht oder notwendig angesehen wird – ein Kollege bezeichnete es aber auch einmal schlicht als „Bullshitting“, d.h. der Allgemeinheit irgendetwas aufs Brot schmieren, damit sie weiter Geld zur Verfügung stellt –, dann mag das an ihrem indirekten Nutzen liegen, nämlich über Bekanntheit die Chancen auf Fördergelder und Kooperationen zu erhöhen. Dies geht damit Hand in Hand, dass auch das verbreitetste Maß zur Bewertung wissenschaftlicher Qualität, der sogenannte Impact Factor, letztlich ein Maß schnelllebiger Aufmerksamkeit ist (Die Größe der Wissenschaft). Allerdings dürfte der Nutzen der Kommunikation spätestens dann an seine Grenzen stoßen, wenn unter der kommunikativen Fähigkeit die primäre wissenschaftliche Arbeit leidet – denn um etwas kommunizieren zu können, sollte man auch etwas erforscht haben. Diese Kritik gilt natürlich nicht für diejenigen, die als Journalisten bloggen, denn dann besteht die Arbeit ja primär im kommunikativen Produkt.

Hat Wissenschaftsbloggen einen direkten Nutzen?

Abgesehen von dem Spaß, den jemand (hoffentlich) beim Bloggen hat, besteht ein Reiz in der direkten eines Blogs an der direkten Rückkopplungsmöglichkeit, nämlich der Kommentarfunktion. Zwar mag es unwahrscheinlich sein, dass man als Experte eines Fachgebiets von einem allgemeinen Publikum wichtige forschungsrelevante Hinweise bekommt, aber eine kritische Diskussion, durch die man den eigenen Standpunkt hinterfragt oder ausführlicher zu begründen versucht, kann zu ganz unerwarteten Einsichten führen. Allgemein kann einen die Bekanntheit, die man im Internet mit den richtigen Stichworten schnell gewinnen kann, mit anderen wichtigen Kollegen bekannt machen; oder man kann Kontakte knüpfen oder festigen, indem man andere zu einem Gastbeitrag im eigenen Blog einlädt (Gastbeiträge bei MENSCHEN-BILDER).

Beispiele für diese Form des Nutzens habe ich durchaus selbst erlebt; ebenso habe ich schon aktiv von den Blogs anderer profitiert, beispielsweise den Ideen zu Wissenschaft 2.0 oder alternativen Modellen der Hochschullehre, die ich kürzlich auf einem Bloggertreffen kennenlernte (SciLogs-Treffen 2012), oder inhaltliche Beispiele, die man in der eigenen Lehre verwenden kann (The Dark Matter Crisis). Womöglich befinde ich mich aber auch in einer Luxusposition, da in meinem Gebiet, der theoretischen Psychologie, öffentliche Kommunikation ausdrücklich erwünscht ist und hier auch die beiden Professoren unserer Abteilung mit gutem Beispiel vorangehen. Dennoch sprechen mich hin und wieder andere Kollegen darauf an, ob ich nicht wieder mehr „echte Wissenschaft“ betreiben wollte, anstatt „den Kommunikator zu mimen“.

Man merkt es meiner Diskussion wahrscheinlich an, dass es mir schwerfällt, hier eine eindeutige Meinung zu vertreten. Das liegt einerseits daran, dass akademische Laufbahnen oft so unvorhersehbar sowie nicht planbar verlaufen und wichtige Entscheidungen häufig hinter verschlossenen Türen stattfinden. Daher dürfte es auch schwer sein, die zentrale Frage, ob Wissenschaftsbloggen einer akademischen Karriere eher schadet oder nutzt, ernsthaft empirisch zu untersuchen. Andererseits stößt man tatsächlich hin und wieder auf die Meinung, dass es sich für einen Wissenschaftler nicht ziemt, zu viel mit der breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren. Hier gibt es sicher aber auch Unterschiede zwischen den Gebieten.

Mein eigener Umgang mit der Situation besteht darin, dass ich mich für die Antwort, ob es nun besser oder schlechter für die Karriere ist, nicht interessiere. Schon bei der Auswahl meines Doktorarbeitsthemas, das mich aufs interdisziplinäre Glatteis führte, aber auch auf die Einladung hin, bei den BrainLogs zu bloggen, dachte ich nicht über die Karrieremöglichkeiten und -risiken nach, sondern was am besten zu meinen Wünschen und Überzeugungen passt. Denn lieber will ich mit meinem eigenen Weg scheitern, als auf einem fremdbestimmten Weg erfolgreich sein. Diesen Standard will ich aber niemandem vorschreiben – es mag ferner Situationen im Leben geben, in denen man kaum eine andere Wahl hat. Daher dürfte es auch Fälle geben, in denen man eher zur Vorsicht mahnen müsste: Get tenure first, krieg erst einmal eine Festanstellung, bevor du dich auf Experimente mit ungewissem Ausgang wagst!

P.S. Nachdem ich diesen Beitrag geschrieben habe (20.04.), hat meine Blogger-Kollegin von Medicine&More diesen schönen Text darüber verfasst, was mit einem passiert, wenn man nur an die Vorgaben anderer denkt: Das Prinzip des kleinen Pinguins: Lernen loszulassen.

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Die Diskussionen hier sind frei und werden grundsätzlich nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen oder Monologe. Beim Gedankenaustausch darf es auch mal heiß hergehen, jedoch nicht beleidigend werden, vor allem nie unter die Gürtellinie gehen. Stephan Schleim ist studierter Philosoph, Psychologe und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Der Autor schreibt auch für zahlreiche andere Medien.

16 Kommentare

  1. Interessant

    Interessant, dass mal so zu lesen. Ich habe mich im Hinterkopf immer mal wieder damit beschäftigt, aber nie so konkret wie in diesem Beitrag.
    Ab und an begegnet ist mir noch ein weiterer Punkt (nicht unverwandt mit dem Zeit-Argument, denke ich): Nämlich, dass vermehrte Darstellung der eigenen Arbeit, auf inhaltliche Schwäche hinweist (im Sinne von: muss man wohl offensiv darstellen, da es inhaltich nicht für sich alleine sprechen kann). Schade eigentlich.

    Davon ab geht es mir aber wie Dir: Bloggen tue ich nämlich ohnehin auch aus anderen, nicht karriere-bezogenen Gründen.

    Gruß, Arne

  2. @Arne: interessanter Gedanke

    Nämlich, dass vermehrte Darstellung der eigenen Arbeit, auf inhaltliche Schwäche hinweist (im Sinne von: muss man wohl offensiv darstellen, da es inhaltich nicht für sich alleine sprechen kann).

    Interessant, das einmal so herum darzustellen. Es erinnert mich an die weisen Worte eines deutschen Philosophen: Die Stimme der Vernunft spricht leise. Nun ja, er ist nicht zum Professor berufen worden.

    Ich würde mir so ein Wissenschaftssystem wünschen; meine Chefin hier in Groningen ist auch häufig darauf bedacht, nicht anzugeben (niederl. “opscheppen”). Dann geht man aber zu Info-Veranstaltungen für Drittmittel (die scheinen mancherorts ja wichtiger geworden zu sein als die eigentlichen wissenschaftlichen Inhalte), und da kriegt man dann den Kopf gewaschen: Man könne gar nicht oft genug “ich” sagen und sich positiv darstellen.

    Tja, woher kommt dieser Drang/Zwang zur Selbstvermarktung? Und wieso wollen/müssen wir die Gebrauchtwagenhändler so oft nachäffen?

  3. “Wissenschaftsbloggen”

    … schadet jedenfalls dann der Karriere, wenn eigene Schwächen offenbar werden und/oder die vertretenen Sichten angreifbar sind.

    Zudem entsteht der Verdacht des Zuviel-Zeit-Habens und der Nutzung der wissenschaftsnahen Inhaltseinheit um politische Ziele voranzutreiben – wobei dieser Verdacht nicht immer zutreffend sein muss und dessen Äußerung auch unfair sein kann.

    Wissenschaftsbloggen kann einen direkten und/oder indirekten Nutzen haben, für den Publizisten wie für die Rezipienz.

    MFG
    Dr. Webbaer (der diesen Bereich seit ca. 3 Jahren “beforscht”, mit sehr gemischten Eindrücken – es ist aber immer sehr schön einen Guten oder zumindest gelegentliche sehr gute Beiträge zK nehmen zu können)

    PS: Was halten Sie von wissenschaftsnahem Tweeten?

  4. “Denn lieber will ich mit meinem eigenen Weg scheitern, als auf einem fremdbestimmten Weg erfolgreich sein.”

    Unterschreibe ich sofort.

    Ich sehe meine eigenen Blogbeiträge sowieso nicht nur vor dem Hintergrund der Darstellung von Themen für andere, sondern durchaus auch für mich selbst. Was ich verschriftliche, habe ich anders durchdacht als wenn ich es nur in meinem Kopf herumschwirren lasse. Das Blog nutze ich als Reflexionsinstrument. Ja, könnte ich auch im stillen Kämmerlein machen, aber so bekomme ich gleich noch Rückmeldungen und Gedanken von anderen dazu, die mir helfen können.

    Aber sei es drum, selbst wer an seine Karriere denkt, kann Vorteile davontragen. Das wurde gestern in einer Session auf der re:publica deutlich: http://re-publica.de/12/panel/wissenschaftliches-bloggen-in-deutschland/

  5. unfein

    Sie zitieren Peter Janich: “Öffentliche Anerkennung ist ein kaum zu unterschätzender Faktor für das Einwerben öffentlicher Finanzierung. Ein Forschungsgebiet, das öffentliche Aufmerksamkeit erreichen kann wie die Hirnforschung, ist auch in der Forschungspolitik besser gestellt als exotische Spezialitäten, von denen niemand etwas weiß.”

    Da hat er recht, aber:
    Als “Ökologie” populär war, also etwa ab den frühen 70ern für 1-2 Jahrzehnte, gab es Geld in Hülle und Fülle und ein Lehrstuhl nach dem anderen wurde gegründet. Als es (vorübergehend?) vorbei war mit dem öffentlichen Ansehen, wurde einer dieser Lehrstühle nach dem anderen in einen umgewandelt, der nicht in dem Geruch stand, bloß wegen des öffentlichem Interesses eingerichtet worden zu sein.

    Im Übrigen: man kann die Frage, ob Bloggen schadet oder nicht, nicht beantworten, ohne auf die Unterschiede zwischen den Fächern einzugehen und auch nicht ohne zu berücksichtigen, daß unter “Wissenschaftskommunikation” vollkommen verschiedene Dinge fallen – nicht zuletzt dann, wenn es darum geht, ob es als “unfein” gilt. Ich habe eben in einem längeren Kommentar im Blog “Der Islam” (Chronologs) etwas dazu geschrieben.

    Im Übrigen: Alle Differenzierungen ändern nichts daran, daß das “Publizieren für die Allgemeinheit” nicht nur “in manchen akademischen Kreisen als unfein” gilt, sondern in den meisten.

  6. @Oliver Tacke

    Das Blog nutze ich als Reflexionsinstrument.

    Fein formuliert! – Hier entsteht idT oft sofortiger direkter Nutzen, beispielsweise wenn eine bestimmte Sicht auf unerwarteten kommentarischen Widerstand stößt, den man selbst nicht in seiner Argumentation antizipiert oder bedacht hat, oder wenn es zu einem allgemeinen Abnicken bei einer Sichtenmenge kommt, die man selbst für spekulativ hält. Wichtig hier natürlich die Rezipienz.

    Der Nutzen auf Empfängerseite muss sicherlich nicht näher beschrieben werden.

    MFG
    Dr. Webbaer

  7. @Trepl: Nachfragen

    Inwiefern widerspricht die Darstellung Peter Janichs nun dem Beispiel Ökologie? Meines Erachtens passen die sogar ganz gut zueinander.

    Lässt sich das irgendwie belegen, dass Bloggen in den meisten Disziplinen als unfein gilt? Ich habe versucht, in meinem Beitrag beide Seiten zu beleuchten; zu einem Urteil, welche nun überwiegt, fühle ich mich aber nicht fähig.

  8. “Inwiefern widerspricht die Darstellung Peter Janichs nun dem Beispiel Ökologie?”

    In dem Zitat von Janich geht es nur um die unbezweifelbaren Vorteile des öffentlichen Interesses (Finanzen). Das Beispiel der Ökologie zeigt, daß die Vorteile leicht in Nachteile umschlagen können: Langfristig, das sieht man da, zählt die innerwissenschaftliche Reputation eines Fachs mehr. Dafür gibt es auch noch andere Beispiele.

    Daß man belegen kann (also durch Umfragen, kontrollierte Beobachtung usw.), daß Bloggen in den meisten Disziplinen als unfein gilt, wüßte ich nicht, glaub ich auch nicht. Man kann das wohl nur mit der sogenannten phänomenologischen Methode machen (also der wohl häufigsten Methode in den Geisteswissenschaften, neben der Hermeneutik, und etwas formalisiert in der sog. qualitativen Sozialforschung): Jemand, der damit Erfahrungen gemacht hat, formuliert und veröffentlicht sie, und andere, die auch damit Erfahrung haben, bestätigen den Eindruck, differenzieren ihn oder teilen mit, daß sie einen anderen haben. Dadurch verbessert sich das Ergebnis allmählich. – So kommt vermutlich mehr heraus als durch die Methoden der quantitativen empirischen Sozialforschung.

  9. @StephanSchleim

    Die Schaubilder aus den Sessions sollen eigentlich (demnächst) auf der Website der re:publica zu finden sein.

  10. @Trepl: Zyklus vom Hype zur Ernüchterung

    Dann ergänzt Ihr Beispiel der Ökologie das Beispiel Janichs sinnvoll, widerspricht ihm nicht; das kurze Zitat ist natürlich in seiner Aussage sehr begrenzt, im ganzen Büchlein (“Kein neues Menschenbild”) geht es aber insgesamt um so manch übertriebene Schlussfolgerung der Hirnforschung (bsp. Willensfreiheit).

    Tatsächlich sehe ich seit einiger Zeit Indikatoren in der öffentlichen Wahrnehmung der bildgebenden Hirnforschung – manche Kollegen sprechen schon von “Neuroskepsis”, wiederholt habe ich miterlebt, wie ein Professor nun den Medien die Schuld für die verzerrte Darstellung seines Gebiets gibt.

    Gerade erschien in bild der wissenschaft der Konferenzbericht meiner Konferenz Imaging the Mind? – und zwar unter der Überschrift “Hirnscans unter Beschuss – nicht zu viel hereininterpretieren”.

    Vor allem hat mich das große Interesse an meinem G&G-Artikel über Neuro-Mythen überrascht – dieser wurde nicht nur auf den Titel gesetzt, sondern kurz darauf von Spiegel Online gekauft und ca. eine halbe Million mal aufgerufen.

    Eine unreflektierte Ablehnung der Forschung würde ich jedoch ebenso schade finden wie die übertriebenen Versprechen der letzten Jahre, von denen sich fast keine erfüllt hat. Ich freue mich insgesamt über das zunehmende Interesse an kritischer Berichterstattung, fände es aber schade, wenn man nun die gesamte Forschung ablehnt; das würde den Bemühungen viele Forscher nicht gerecht werden.

    Es geht vielmehr darum, die Spreu vom Weizen zu trennen.

    Vielleicht hätte daher so mancher Kollege von Ihrem Beispiel der Ökologie lernen können; und übrigens hat der Neurobiologe Nikos Logothetis, Direktor am MPI für Biologische Kybernetik in Tübingen, schon lange vor der Überinterpretation der bildgebenden Hirnforschung gewarnt.

  11. ornithologische Kommunikation

    Wissenschaftliches Twittern – ich kann es mir nicht vorstellen. Wenn hier schon davon gesprochen wird, dass zu Weilen über Blogger wissenschaftlicher Provenienz die Nase gerümpft wird, so könnte es sein, dass man bei getwitterter Wissenschaftskommunikation nur noch hoffen kann, dass die Kollegen mit dem Konzept nichts anfangen können und man unbehelligt Wissenschaftssfragmente in das Äthernet schießen kann…und führte das nicht auch zu einer krassen Verfälschung, gar Trivialisierung des Wissen-Schaffens? Wenn ja schon über den Impact Faktor geklagt wird, wie ist es dann erst mit Twitter, wo zwar unter sofortigem peer review von ALLEN (also qualifiziert und eben auch nicht) alles soweit wie nötig aufgeblasen wird? Was soll man denn in 140 Zeichen sinnvoll kommunizieren? Und an wen? Und was soll derjenige denn damit anfangen, außer es zur Kenntnis zu nehmen? Ich glaube kaum, dass sich jemand Psychologen wünscht, die die Welt mit Trivialitäten à la “Gerade einen in die Röhre geschoben – MRT ist schon was feines!” oder “Schreibe grad mein nächstes Paper – die Results sind DER HAMMER!!!!” behelligt haben wollen. Nein, bitte nicht!

  12. @Wloszczynski: Häppchenweise

    Ich denke, bei Twitter geht es eher um die Steuerung von Mikro-Aufmerksamkeit, als um die Übermittlung von Inhalten; kann aber gut sein, dass man dadurch Menschen auf interessante Inhalte aufmerksam machen kann. Ich hoffe nur, dass man das Zwitschern von mir nicht erwartet. Dafür ist mir meine Zeit zu schade.

    Gestern sah ich in einem sozialen Netzwerk die Kommentare eines Bekannten, er putze jetzt gerade die Fenster, dann kam ein Bericht übers Autowaschen, Gartenarbeit usw. Wer dieses Mitteilungsbedürfnis hat (“Ich habe gerade einen Kaffee bestellt”, “Ich kommentiere in meinem Blog”), dem sei es meinetwegen gegönnt, darauf ein paar Reaktionen von anderen zu erhalten.

    Ich klicke dann mal auf “absenden”. 🙂

  13. aset

    Dies ist eine interessante Sache, die wir nehmen können, wie die jüngste eine Sache in den Sinn gekommen und könnte wahrscheinlich in dem Wissen gemacht werden

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