Psychedelika gegen Depressionen: Durchbruch oder teures Placebo?

Verschafft eine neue, mit Millionen geförderte deutsche Studie jetzt Klarheit?
Spätestens seit dem internationalen Bestseller How to Change Your Mind? (2018) des amerikanischen Wissenschaftsjournalisten Michael Pollan sind psychedelische Substanzen kein Nischenthema mehr. Der vollständige Titel in der deutschen Übersetzung von 2019 verrät mehr über die Breite des Themas: Verändere dein Bewusstsein. Was uns die neue Psychedelika-Forschung über Sucht, Depression, Todesfurcht und Transzendenz lehrt.
Bei Psychedelika, so scheint es, ist keine Frage zu groß: besser gesunden, besser leben, sogar besser sterben. 2022 folgte eine Serie von Netflix-Dokumentationen mit Pollan.
Inzwischen ist die Fülle an Ratgebern und anderen Medien zum Thema kaum noch überschaubar. Und wer nicht einfach über sich selbst schreiben will, weil das vielleicht egoistisch wirkt, schreibt halt über seinen Trip: „Wie ich endlich zu mir selbst fand und nebenbei noch meine psychischen Probleme in den Griff bekam.“
Die Erwartungen sind hoch. Gerade Patientinnen und Patienten mit schweren Depressionen hoffen auf einen Durchbruch, auch solche mit der Diagnose Schizophrenie. Sind wir dem jetzt einen Schritt näher gekommen?
Tipp: Mit einem Abonnement des Menschen-Bilder Newsletters verpassen Sie keinen Blogbeitrag mehr.
Psychiatrische Krise
Dass man inzwischen selbst Millionenförderung für diese Forschung erhält und die Ergebnisse in den führenden Fachzeitschriften publizieren kann, hat meines Erachtens mit einer doppelten Krise der Psychiatrie zu tun. Psychedelika-Forschung ist ja alles andere als neu. Man experimentierte damit schon in den 1950ern und 1960ern, auch in der Wissenschaft. Die erste Krise sehe ich darin, dass die vorherrschende biologische Psychiatrie dem Dogma nicht gerecht wird, dass psychologisch-psychiatrische Störungen Gehirnstörungen sein sollen.
Ja, warum kann man sie dann allen modernen Hirn- und Gen-Tests zum Trotz nicht biologisch diagnostizieren? Warum ist man immer noch auf Gespräche, Fragebögen und Beobachtung angewiesen? Und warum kann man auch den Erfolg einer Therapie nicht einfach im Körper nachweisen? Diese Tatsache wird auch bei der Besprechung der neuen Studie zu Psychedelika weiter unten eine Rolle spielen.
Die zweite Krise besteht in der stetigen Zunahme der Krankheitslast durch die Störungsbilder: Dass es immer mehr psychologisch-psychiatrische Diagnosen gibt, liest man seit Jahren in den Nachrichten. Vor Kurzem behandelte ich hier die Vervielfachung der Erwachsenen-ADHS seit der Coronaviruspandemie. Die Diagnosen von Angst- und depressiven Störungen steigen schon viel länger. Von den sogenannten Antidepressiva werden in Deutschland inzwischen jährlich über 1,8 Milliarden Tagesdosen verschrieben – genug für die tägliche Behandlung von fünf Millionen Menschen.
Man würde sich ja wünschen, dass diese Mittel – neben dem Anstieg von Psychotherapie sowie Magnet- oder Strombehandlungen für das Gehirn – den Betroffenen helfen. Doch im Ergebnis nimmt deren Leiden, zum Beispiel in Zeiten der Arbeitsunfähigkeit ausgedrückt, immer weiter zu. Dementsprechend war es keine Übertreibung, dass ich meinem neuen Buch zum Thema den Begriff „Depressions-Epidemie“ in den Titel geschrieben habe.
Neues Buch zur Depressions-Epidemie

Erfahren Sie mehr über psychische Störungen im neuen Buch von Stephan Schleim: Was sind Depressionen überhaupt und wie diagnostiziert man sie? Warum steigen die Diagnosen und Medikamentenverschreibungen endlos an? Die 27 Kapitel behandeln grundlegende und aktuelle Themen. Bestellen Sie das Buch mit viel Wissen und zahlreichen Abbildungen jetzt für nur 19,95 Euro versandkostenfrei im BoD Shop. Oder als eBook für nur 9,99 Euro bei Amazon, Apple Books und Google Play Books.
Dann halt Psychedelika!
Man könnte die Krise so zusammenfassen, dass einerseits die von den Fachleuten seit Jahrzehnten gemachten Versprechen über bessere Behandlungen und weniger Ausgrenzung nicht eingelöst werden; und andererseits die Probleme immer größer werden, obwohl man immer mehr dagegen unternimmt. Ich schlug schon vor fünf Jahren vor: Psychiatrie: Gebt das medizinische Modell endlich auf! Schaut weniger aufs Gehirn und mehr auf die Lebensumstände, in denen die Störungen entstehen.
Doch Dogmen können sich selbst in der Wissenschaft sehr lange halten. In Anlehnung an ein berühmtes Zitat von Max Planck: Sie sterben am Ende mit denjenigen, die sie vertreten. Anstatt anders zu suchen, sucht man lieber auf die gleiche Weise, doch mit anderen Mitteln. Und so kamen die Psychedelika ins Rampenlicht.
Diejenigen, die am Gehirndenken festhalten wollen, rufen jetzt, Psilocybin, LSD & Co. würden die Neuroplastizität erhöhen. Damit meint man, dass mehr Zellverbindungen entstehen. Nebenbei: Dasselbe behaupten diese Leute jetzt auch über die sogenannten Antidepressiva, wo sich die These vom Serotonin-Mangel zum Beispiel bei Depressionen als unhaltbar erwiesen hat.
Und nebenbei zwei: Die Neuroplastizität dürfte man auch mit Psychotherapie oder überhaupt vielen Aktivitäten, einschließlich ausgedehnter Spaziergänge in der Natur, Sport oder aktiven Hobbys erhöhen. Das Gehirn ist schließlich ein plastisches Organ und passt sich an das an, was wir mit Körper und Geist so machen.
Ein anderes – und tendenziell euphorischeres – Lager hält Psychedelika aber wegen der psychedelischen Erfahrung für vielversprechend. Dabei bedeutet „psychedelisch“ erst einmal nur, dass sie das Bewusstsein verändern oder wortwörtlich: dass sie etwas in der Psyche offenbaren. Damit ist „psychedelisch“ kein klar pharmakologisch bestimmbarer Begriff, sondern ergibt sich aus dem, was Menschen durch die Einnahme solcher Mittel erfahren.
Neue Studie
Ob sich das klinisch und insbesondere zur Behandlung depressiver Störungen nutzen lässt, sollte ein groß angelegtes Forschungsprojekt unter der Leitung von Gerhard Gründer, Professor am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, klären. Er und seine Forschungspartner erhielten dafür seit Ende 2020 mehrere Millionen vom Bundesforschungsministerium.
Kritischen Journalisten fielen damals schon außergewöhnliche kommerzielle Interessen auf, auf die ich im zweiten Teil näher eingehen werde. Doch was für ein Fauxpas: Gründers Geschäftspartner stellte die Millionenförderung wohl schon als bewilligt dar, bevor das Ministerium die Entscheidung getroffen hatte. Die Ministerialbeamten waren nicht erfreut. Aber vielleicht verleihen Psilocybin-Pilze ja die Fähigkeit, in die Zukunft zu schauen?
Wie dem auch sei: Dass man der Frage nach der Wirksamkeit wissenschaftlich nachgeht, ist angesichts des Hypes um Psychedelika natürlich richtig. Ich selbst bin auf den Zug nicht aufgesprungen, weil für mich Depressionen und andere psychische Störungen keine „Gehirn-Dinge“ sind, sondern in einer komplexen Wechselwirkung von Körper, persönlicher Erfahrung und der Umgebung entstehen.
Wären Psilocybin, LSD & Co. wirklich Wundermittel, hätte man das schon in den 1960ern herausgefunden. Oder bereits in den 1950ern, als es klinische Studien mit dem psychedelischen Meskalin aus der Frucht des Peyote-Kaktus gab. Diesen Mitteln ist gemeinsam, dass sie die Funktion des Botenstoffs Serotonin im Gehirn beeinflussen. Doch wie sie das genau tun, ist ein sehr komplexes Thema.
Für die neue Studie unter der Leitung Gründers wurden von 2021 bis 2024 144 Menschen – ausgewählt aus über 3000 Freiwilligen – mit mittleren bis schweren Depressionen behandelt, die von pharmakologischen Therapien nicht langfristig profitiert hatten. Damit galten sie als „therapieresistent“. Die Ergebnisse wurden am 19. März dieses Jahres am Zentralinstitut in Mannheim vorgestellt.
Die Studienergebnisse
In der Pressemitteilung ist von einer „bedeutsamen antidepressiven Wirkung“ die Rede. Das klingt vielversprechend. Ein Blick in die am 18. März in der einflussreichen Zeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlichte Studie relativiert das allerdings. Dort ist in der Schlussfolgerung von einem „unschlüssigen Versuch“ (inconclusive trial) die Rede. Doch der Reihe nach.
Man muss erst einmal verstehen, wie die Depressivität der Versuchspersonen gemessen wurde. Hierfür verwendete man hauptsächlich eine 52-Punkte-Skala, die auf die Forschung des emigrierten Deutsch-Briten Max Hamilton (ursprünglicher Name: Himmelschein) in den 1960ern zurückgeht. Je höher die Punktzahl aufgrund von Fragen zum Beispiel zur Schwere der Niedergeschlagenheit, von Schlafproblemen, Libidoverlust oder Gewichtsveränderungen, desto schlimmer die Depressionen. Ab 17 Punkten spricht man von einer moderaten, ab 25 von einer schweren depressiven Störung.
Das Hauptziel der Studie war, die so gemessene Punktzahl zu halbieren. Dieses Ziel wurde in der Breite verfehlt.
Die trotzdem berichtete „bedeutsame Wirkung“ besteht darin, dass sieben und zwölf Wochen nach dem Start des Versuchs der Depressionswert im Schnitt um sieben bis acht Punkte niedriger war als am Anfang. Dadurch dürften einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einen niedrigeren Schweregrad gerutscht sein und ein paar sogar unter den Grenzwert für die depressive Störung. Das Ergebnis ist also nicht nichts – aber wirkt im Vergleich zum Hype ernüchternd.
Demgegenüber standen Nebenwirkungen wie unangenehme Wahrnehmungsverzerrungen und bei jeweils 4 Prozent Paranoia oder Suizidgedanken nach der Psilocybin-Gabe. Insgesamt ist in 28 Prozent der Fälle von ernsthaften Nebenwirkungen die Rede, verglichen mit 8 Prozent nach dem Placebo. Diese waren jedoch in der Regel von vorübergehender Art.
Das Placebo-Problem
Doch, Stichwort „Placebo“, hier lauert ein großes Problem der Psychedelika-Forschung: Schon bei der Untersuchung der sogenannten Antidepressiva wird die eigentlich nötige Placebo-Kontrolle oft durchbrochen. Das liegt daran, dass einige Versuchspersonen und klinische Fachleute aufgrund der Nebenwirkungen darauf schließen können, wer den Wirkstoff bekommen hat. Dabei sollen mit den Placebos die Wirkungen der subjektiven Erwartungen der Teilnehmenden und der Behandlungssituation abgezogen werden.
Nun gibt es für Psychedelika per Definition keine echte Placebo-Kontrolle. Wir wir gesehen haben, werden diese Mittel gerade über ihre Bewusstseinseffekte charakterisiert. Ob man einen psychedelischen Trip hat oder nicht, das weiß man im Prinzip immer – jedenfalls bei einer starken wirksamen Dosis wie den 25 mg Psilocybin in der neuen Studie.
Das brachte Mediziner an der Stanford-Universität auf die pfiffige Idee, Depressiven bei einem chirurgischen Eingriff unter Vollnarkose – natürlich nach Aufklärung und Einwilligung – das Rauschmittel Ketamin zu geben. Dieses wird in jüngerer Zeit auch als Antidepressivum verwendet. Damit konnte man sozusagen denn Bewusstseinseffekt gesichert abziehen und zuverlässig mit einem Placebo kontrollieren. Im Ergebnis zeigte die 2024 in Nature Mental Health veröffentliche Studie dann aber auch keinen positiven Effekt. Das spricht für einen Placebo-Effekt bei bewusster Einnahme.
Aufgrund der langfristigen psychedelischen Wirkung von Psilocybin über viele Stunden hinweg, wäre so ein Vorgehen hier problematisch. Stattdessen wurden in der Studie unter der Gründers Leitung neben 25 mg in Kontrollbedingungen 5 mg des Psychedelikums verabreicht oder stattdessen Nicotinamid, eine Form von Vitamins B3. Und nicht zu vergessen: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten bei dem Versuch psychotherapeutische Begleitung. Daher spricht man auch von „psychedelisch-augmentierter Psychotherapie“.
Zwischenfazit
Das Zwischenfazit so weit: Die neue Studie erbrachte nicht den erhofften Durchbruch. Es gab im Durchschnitt eine gewisse Verringerung der Depressivität, deren Bedeutung wir im zweiten Teil des Artikels weiter thematisieren. Darin wird es auch um die finanziellen Interessen hinter dieser Forschung gehen.
Neues Buch zur Depressions-Epidemie

Erfahren Sie mehr über psychische Störungen im neuen Buch von Stephan Schleim: Was sind Depressionen überhaupt und wie diagnostiziert man sie? Warum steigen die Diagnosen und Medikamentenverschreibungen endlos an? Die 27 Kapitel behandeln grundlegende und aktuelle Themen. Bestellen Sie das Buch mit viel Wissen und zahlreichen Abbildungen jetzt für nur 19,95 Euro versandkostenfrei im BoD Shop. Oder als eBook für nur 9,99 Euro bei Amazon, Apple Books und Google Play Books.
Neu: Diskutieren Sie die Blogbeiträge in der Community PsycheUndMensch auf Reddit (gratis).
Folgen Sie Stephan Schleim auf Twitter/X oder LinkedIn. Abbildung: auf Grundlage von Ivana Tomášková, Pixabay-Lizenz.
Im Allgemeinen wirkt der ganze Psychopharmaka-Hype, wie eine Neusprech-Variante des alten „Geht’s dir schlecht? Saufe!“, verbunden mit den üblichen modernen Tricks, Schlangenöl zu verkaufen, das angeblich alle Krankheiten der Welt kurieren soll, während das einzig wirksame Mittel darin eben 10 Prozent Alkohol sind.
Und ab und zu einen zu heben, um die Zunge zu lösen und sich mit Kumpels auszuquatschen hat tatsächlich eine enorme therapeutische Wirkung. Der Placebo-Effekt, dass man an die Wirkung des Mittels glaubt, kann dies verstärken, und darf damit nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Bevor die Wissenschaft zur Religion wurde, wirkten die Reliquien ja auch irgendwie. Ganz besonders, wenn die Wallfahrt-Stätte an einem Ort war, wo es auch Heilquellen, vitaminreiche Ernährung oder ein gesundes Klima gab.
Irgendwie wirkt das Gehirn versessen darauf, uns zu enttäuschen. Egal was wir uns Neues einfallen lassen, es will immer nur die gleichen Dinge. Und wir tricksen und forschen so lange herum, bis wir wieder bei Dingen sind, die wir schon kennen. Alles Design muss berücksichtigen, dass ein paar Dinge sich einfach nur im Kreise drehen wollen.
[Gekürzt. Bitte bleiben Sie näher am Thema und vermeiden Sie hier extreme Ausdrücke. Danke. S. Schleim]
@Paul S: Es ist auf jeden Fall eine interessante, inverse Korrelation: Je weniger die Menschen trinken, desto mehr „Antidepressiva“ nehmen sie.
Im zweiten Teil wird es noch etwas mehr um den Placebo-Effekt gehen.
@ Paul S 21.03.2026, 20:16 Uhr
Zitat: „Im Allgemeinen wirkt der ganze Psychopharmaka-Hype, wie eine Neusprech-Variante des alten „Geht’s dir schlecht? Saufe!“, …..
Und ab und zu einen zu heben, um die Zunge zu lösen und sich mit Kumpels auszuquatschen hat tatsächlich eine enorme therapeutische Wirkung. Der Placebo-Effekt, dass man an die Wirkung des Mittels glaubt, kann dies verstärken, und darf damit nicht auf die leichte Schulter genommen werden.“
Da kann ich nur zustimmen. Das scheint in der Vergangenheit ein echter „Problemlösungsansatz“ gewesen zu sein. Abgesehen vom Alkohol, ich mag keine chemischen Substanzen, außer starken Kaffee, den ich allerdings jetzt nicht mehr vertrage….
Dass man weniger aufs Gehirn schauen sollte und mehr auf die Lebensumstände, scheint naheliegend.
Einerseits sind manche Menschen eben robuster und resilienter und andere „Sensibelchen“….
Aber wie kann ein Laie schon wirksam auf die Lebensumstände Einfluss nehmen??? Verluste durch Tod oder Trennung, oder ein trostloser Arbeitsplatz, unlösbare Konflikte mit Nahestehenden,….
Mir persönlich hat eine gewisse „psychologische Bildung“ (als Student in einer Ingenieursschule) habe ich in in einer 68 WG mit Psychologiestudenten gelebt. Dazu noch passende Literatur konsumiert.
Habe viel über (auch unbewusste) Motivationen erfahren. Von den gewonnenen Erkenntnisse habe ich mein ganzes Leben bestens profitiert. Man kann psychische Probleme, auch in der Umgebung sehr schnell durchschauen und passend reagieren….
Besonders war es mir ein Spaß, die Methoden der Autosuggestion der indischen Yogis erfolgreich nachzuahmen….. Dazu noch ein passendes Hobby, selbst im Urlaub gedrehte Videos von „Traumlandschaften“ (Nordsee, Ostsee, Rheinland vom Rhein aus, Venedig, Gardasee, Großglockner,….). Damit kann ich mich richtig “high“ machen….
Für mich sind Depressionen usw. so gut wie unbekannt. Vermutlich haben mich „alters depressive Menschen“ in meiner Umgebung zu dieser Art von „Vorbeugung und Problemlösung“ inspiriert.
@Schleim
Ich will Sie nicht verärgern, da Sie das Thema ´Naht°d-Erfahrung´(NTE) nicht mögen.
Aber zum Blog-Thema ist es interessant zu wissen, dass bei NTEs Erlebnisse ab dem 5. Schwangerschaftsmonat lebenslang dem bewussten Erinnern in genau der gleichen Reihenfolge zugänglich werden, wie sich die physikalischen Sinne entwickeln:
Tastsinn > Hören > Sehsinn > Geburt(indirekt) > frühe Sozial-/Umwelt-Erfahrungen *) > autobiographische Erlebnisse ab dem 2. Lebensjahr bis zum aktuellen Alter.
Nach Einnahme von Psychedelika werden gleichartige Erlebnisse berichtet, welche im Rahmen von NTEs der frühen Kindheit *) eindeutig zugeordnet werden können.
z.B. Lichtwahrnehmung, Auflösung des Ich (EGO-Dissolution), Entgrenzungserfahrung (Einssein mit dem Universum)
Dies bedeutet, dass Psychedelika offenbar Erinnerungsbereiche bzw. Erfahrungszustände SELEKTIV reaktivieren, welche der frühen Kindheit *) entsprechen.
D.h. eine Wirkung von Psychedelika könnte darauf beruhen, dass damit mentale Zustände/Erinnerungen reaktiviert werden, als man noch gesund war und noch keine Depression hatte.
Gleichzeitig ist hier ein Problem erkennbar: Wenn diese von Psychedelika bewirkte Reaktivierung als Erfahrung gelernt/abgespeichert wird – dann kann es sein, dass die Wirkung von diesen Psychedelika bei weiteren Gaben abgeschwächt wird, wodurch eine längere Therapie nicht möglich ist.
Kurz gesagt: Wenn nicht erforscht wird, wieso bei NTEs und der Verwendung von Psychedelika gleichartige Erlebnisse berichtet werden, vergibt man eine mögliche Chance zur Behandlung von Depressionen.
Ergänzend,
neben den zunehmenden Umweltbelastungen als Auslöser von Depressionen sollte man die Ernährungsgewohnheiten untersuchen.
Vorallem ernähren sich viele Berufstätige in Kantinen und zu Hause mit Fertignahrung. Die Kantinen müssen knapp kalkulieren und verwenden ebenso Fertigprodukte.
Hilfreich , dieser Link: https://www.nu3.de/blogs/health/mood-food
@natürliche Intelligenz
22.03.2026, 08:41 Uhr
Kann man immer machen. Aber die sind nicht das Hauptproblem, auf keinen Fall. Wenn man solche Nebenschauplätze eröffnet landet man weit ab vom Problem …
@Elektroniker
21.03.2026, 23:08 Uhr
Das ist in meinen Augen eine absolut unfaire Individualisierung der Probleme.
„Sensibelchen“ ist in meinen Augen problematisch, da es so wie ich das sehe eine herablassende Haltung gegenüber emotionalen Reaktionen darstellt. Es wird, weil man die äußeren Einflüsse nicht verändern will, das Problem einfach auf die Menschen zurück geworfen…
@Elektroniker: Vorbeugen & Verändern
Danke fürs Teilen dieser interessanten Erfahrungen. Und gut zu hören, dass Sie nicht von (Alters-) Depressionen betroffen sind.
Na ja, wir können hier tatsächlich nicht die Kriege in z.B. Ukraine oder Iran beenden.
Wir können Parteien wählen, die sich für mehr Frieden und bessere soziale Umstände einsetzen – und nicht primär die Wohlstandsvermehrung der Vermögenden. (Ich habe es gerade am Mittwoch gemacht, da waren hier Wahlen für die Gemeinderäte.)
Wir können – im Rahmen unserer Möglichkeiten – uns eine geeignete Umwelt suchen (z.B. Umzug) oder die vorhandene anpassen. Und wir können uns und unsere Beziehungen – im Rahmen unserer Möglichkeiten – anpassen, wo Psychotherapie und psychoaktive Mittel direkt ansetzen können.
Vielen Menschen wäre schon damit geholfen, wenn es nicht so viel Stress gäbe. Man kann heute ja gar nicht mehr in die Nachrichten schauen, ohne zu lesen: Krise, Krise, Krise – überall Krise. Sogar schon „Meta-Krise“.
@Kinseher: Es ist ja nicht primär so, dass ich das Thema nicht mag. Offenbar fanden viele hier bei den SciLogs das so aufdringlich, dass sogar ein Wortfilter eingerichtet wurde.
Sie haben ja jetzt ihren Punkt auf kreative Weise gemacht. Jetzt ist aber wieder gut für zehn Jahre.
@Intelligenz: Die Ernährung ist auf jeden Fall ein präventiver Faktor. Es geht dabei nicht nur darum, was man isst – sondern auch, dass man z.B. beim Kochen eine ausgleichende Tätigkeit mit den Händen, idealerweise ohne Internetnutzung aber dafür mit Geschmacks- und Erfolgserlebnis, vielleicht sogar noch in Geselligkeit mit andern Menschen, ausübt.
@Schoppe: Ich stimme insoweit zu, als man die Depressions-Epidemie nicht mit besserer Ernährung beenden wird.
Aber es geht ja darum, nicht nur über die großen sozialen Fragen, sondern auch die individuellen Möglichkeiten zu reflektieren. Und beim Lebenswandel mit mehr Struktur und Ausgleich, dafür weniger Stress und Ungesundem kann man schon etwas für die Vorbeugung tun.
@Schoppe, Elektroniker: Ich würde das mit den „Sensibelchen“ jetzt nicht zu hoch aufhängen. Hier wurde ja nicht die Meinung verbreitet, die Menschen oder bestimmte Gruppen wären heute psychisch anfälliger als früher; soweit ich das sehe, wurde auf die Unterschiede in der Anfälligkeit zwischen den Menschen hingewiesen – und die gibt es ja, teils veranlagt, teils durch die Erfahrungen, teils durch die Umgebung.
Uli Schoppe,
du hast schon Recht, sogar die Bibel sagt:“Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.“
Stephan Schleim
„präventiver Faktor“ sehr gut.
Der Mensch ist neben seiner Eigenschaft ein Tier zu sein auch noch ein schöpferisches Wesen. Und man kann ihn mit einem Smartphone vergleichen. Das kann hören und es kann Antworten geben. Und es benötigt Energie. Es hat dazu einen Akku, der regelmäßig aufgeladen werden muss.
auch der Mensch hat einen geistigen Akku, man kann ihn Seele nennen und dessen Nahrung ist Liebe und Fürsprache. Und die Fürsprache bekommt man kostenfrei beim Gottesdienst am Sonntag in der Kirche, wenn der Priester seinen Segen spendet.
@Stephan Schleim
22.03.2026, 10:47 Uhr
Auch @Elektroniker: Es kann wirklich sein das ich das gerade wegen meiner persönlichen Situation überbewertet habe. Das war keine Absicht.
Menschen sind so, vieleicht habe ich mir da gerade wirklich etwas angezogen was gar nicht nötig wäre. War kein Vorsatz.
@Stephan Schleim
22.03.2026, 10:45 Uhr
Ich denke dann sehen wir das ähnlich. Ich fand den Kommentar nur etwas plakativ. Ich will dem Menschen dahinter nichts unterstellen, so wird nur gerne argumentiert wenn man auf die anderen Lebensumstände nicht eingehen will. Das Argument welches ich dazu schon öfter gehört habe ist in etwa: „Fang´ Du erst mal an gesund zu leben dann wird schon alles besser“.
Das ist vollkommen richtig. Das ist nur wirklich schwierig (obwohl alle möglichen Menschen das Gegenteil behaupten). Ich hätte zB bestimmte Dinge anders gemacht wenn mir klar gewesen wäre wo das hin führt.
Darum kann man nicht oft genug darauf hinweisen.
@Schoppe: Vorbeugung
Ich bin auch in diese Falle getappt. Meiner Erfahrung nach ist der Mensch im Prinzip ein Gewohnheitstier – man hält sich an dem Leben fest, das man kennt. Aber z.B. durch unvorhergesehene Ereignisse kann man so aus der Balance kommen, dass die alte Gewohnheit (zumindest vorläufig) nicht mehr erreichbar ist. Hoffentlich findet man dann eine neue Balance.
Man kann natürlich wissenschaftlich viel über das gute Leben (dann oft nur im Sinne der einfacher messbaren Gesundheit) sagen. Aber im Ende dürfte es doch auf eine eher klassische Weisheit hinauslaufen: eine Mischung aus bedeutungsvollen Beziehungen und Tätigkeiten.
Und auch in schweren Zeiten gibt es meist noch Alternativen, die noch nicht ausgeschöpft wurden; und Heilungsmöglichkeiten, die Hoffnung geben können.
Stephan Schleim, und andere
um einmal eine Vorstellung zu schaffen, was mit psychedelisch gemeint sein kann hier eine Vorstellung aus der indischen Kultur.
https://www.youtube.com/watch?v=XCV7_LcEruw
@Stephan Schleim
22.03.2026, 12:52 Uhr
Ja, das ist das Problem. Und wirklich schwieriger aufzulösen als die Meisten meinen. Weil man ja erst eine neue Perspektive haben muss damit man etwas verändern kann…
Aber wenn Sie auch schon in die Falle getappt sind (was ich so von außen gar nicht vermuten würde) gibt es offensichtlich Lösungen.
@Schoppe: Sie wissen ja: „Schein und Sein“.
Und auch wenn ich Psilocybin-Pilze (bzw. die „Wurzel“, Sklerotia) hier in der Stadt legal kaufen kann, haben sie in meinem Leben bisher keine große Rolle gespielt. Ich habe es eher so erfahren, wie wenn man ins Kino geht, wobei der „Film“ meine gesammelte Kunst war.
Danach habe ich den Surrealismus und Die Beständigkeit der Erinnerung besser verstanden.
„Schaut weniger aufs Gehirn und mehr auf die Lebensumstände, in denen die Störungen entstehen.“
Die Spatzen sind mittlerweile Legion die das schon lange von den Dächern pfeifen, aber das stellt natürlich nichts weniger infrage als den ganzen aktuellen Zeitgeist der zumindest in der deutlichen Mehrheit des Establishments vorherrscht, und das hat viel mit Interessen zu tun.
Wer schon belastet ist, braucht übrigens nicht „hier“ zu schreien, um zu geklatscht zu werden mit Folgeproblemen, daher ist es ein fieser Witz, hier von Sensibelchen zu sprechen. Meiner Wahrnehmumg nach gibt es die v.a. bei den Privilegierten mit ihren tausend Befindlichkeiten und erfundenen Diskriminierungen.
Alles hübsch mit Chemie zukleistern , mich erinnert das ein wenig an die Wunderpille „Soma“ in Huxleys „Schöne Neue Welt“.
@ Stephan Schleim
@ Uli Schoppe
@ DH
Ich verstehe, dass mit meinen Sichtweisen und Formulierungen nicht jeder einverstanden ist.
Ich persönlich habe ein „recht dickes Fell“, versuche für alles Verständnis zu haben, nehme kaum was übel, mich regt kaum etwas auf.
„Sensibelchen“ ist mir ehemals im Zusammenhang mit einem Mädel eingefallen, da bin ich mit dem „wegküssen der Tränen“ fast nicht zurecht gekommen…..
(Das sollte als „kleiner Gag“ verstanden werden!!!)
@DH: Haben Sie eine Kristallkugel? Mit Huxley, Schöne neue Welt und Soma geht Teil 2 weiter, der heute um 13 Uhr freigeschaltet wird.
@all: „Sensibelchen„: Ich denke, dass @Elektroniker es nicht so ernst gemeint hat, wie manche das aufgefasst haben. Aber beim heutigen Stress und der angespannten Lage kann es schnell gehen, dass so ein „kleiner Scherz“ missverstanden wird.
Denken wir daran, dass Kommunikation schiefgehen kann, dass dabei Missverständnisse entstehen können – und wir im Endeffekt alle Menschen sind, die versuchen, von anderen verstanden zu werden.
Gemäß dem „Principle of Charity“ (etwa: Prinzip der Nachsicht oder Wohltätigkeit) sollte man übrigens auch in wissenschaftlichen und philosophischen Diskussionen erst einmal von guten Absichten beim anderen ausgehen – und im Zweifelsfall nachfragen.
Elektroniker.
„dickes Fell“ nach älteren Statistiken hatten Busfahrer und Elektroniker die niedrigste Lebenserwartung.
Du bist eine Ausnahme.
Bei den Busfahrern ist es die nervliche Überbelastung, bei den Elektronikern war es die chronische Bleivergiftung und die Belastung durch PCB der Platinen.
Umgekehrt, Busfahrerinnen weinen sehr selten ??
Spaß beiseite, wenn man sich die Statistiken zu Suiciden anschaut, dann sind die medizinischen Berufe besonders betroffen, übermäßig stark die Ärztinnen, und am geringsten betroffen sind die Geistlichen.!
Wer also die falsche Berufswahl getroffen hat, ist gefährdet.
DH
ob Spatzen auch Depressionen bekommen ?
Vögel reißen sich oft die Federn heraus, wenn sie unglücklich sind.
Wenn es nicht so ein eirnsthaftes Thema wäre, könnte man hier eine neue Klasse von Schwarzem Humor kreieren.
@ natürliche Intelligenz 23.03.2026, 10:08 Uhr und @ alle
Zitat: „….Elektroniker die niedrigste Lebenserwartung. ….. bei den Elektronikern war es die chronische Bleivergiftung und die Belastung durch PCB der Platinen.“
Das mit der „niedrigsten Lebenserwartung“ habe ich nicht gewusst….. höchstens dass die Dämpfe ungesund sind.
Ich hatte von Kind an, elektronische Schaltungen gebastelt. Im Einstiegsjob, nach meiner Ingenieursausbildung, habe ich ca. 5 Jahre als Schaltungsentwickler in einem Labor gearbeitet.
Danach praktisch das ganze Berufsleben als „technischer Aussendienstler“, Hälfte anspruchsvolle Büroarbeit, andere Hälfte extrem viele „Laufereien bei jedem Wetter“. Das dürfte sehr gesund gewesen sein.
Bezüglich „Sensibelchen“ im Zusammenhang mit Depressionen, habe ich meine „psychologisch sensible KI“ (Copilot) gefragt, die hat doch tatsächlich gemeint, dass sensible Personen die womöglich auch noch an Depressionen leiden, recht verletzt sein könnten. Man nimmt sie und ihre Erkrankung zu wenig ernst,
Das tut mir leid, habe nicht daran gedacht, war selber zu wenig sensibel. Bei den Betroffenen entschuldige ich mich.
Zitat: „….wenn man sich die Statistiken zu Suiziden anschaut, dann sind die medizinischen Berufe besonders betroffen, übermäßig stark die Ärztinnen, und am geringsten betroffen sind die Geistlichen.!“
Das wundert mich nicht. Ärzte können „Momente des allergrößten Glücks“ erleben. Wenn ihnen schwierige Behandlungen (z.B. hoch komplexe OPs) geglückt sind, oder sie einen Patienten im letzten Moment das Leben gerettet haben.
Wenn sie sich nach der letzten Untersuchung vom überglücklichen Patienten verabschieden dürfen….
Z.B. einen Patienten, dem ebenfalls im letzten Momente, das Leben gerettet wurde, der an einer heutzutage extrem seltenen Erkrankung litt.
Medizinische Koryphäen haben den Patienten für einen Hypochonder gehalten. Der Arzt konnte sich erinnern, dass er bei der Ausbildung gehört hatte, dass es nach dem Krieg diese seltene Erkrankung öfter gab. Er hat an einer bestimmten Stelle in die Niere gestochen und das Eiter ist „heraus gespritzt“. Alles andere war Routine. Aber die Dankbarkeit des Patienten, …..
Dem Arzt wurde klar, dass sich allein für diese „kurzen Momente des Glücks“ seine ganzen Mühen gelohnt haben….
Traurig ist, dass kleinste Irrtümer tödlich sein können. Das können manche nicht verkraften….. es kommt zu Suiziden.
Elektroniker
„Traurig ist, dass kleinste Irrtümer tödlich sein können.“
Wenn man Verantwortung trägt, dann ist der Lebensverlauf schicksalhaft.
Ein falsches Wort kann man nicht zurückholen, eine falsche Entscheidung kann man oft nicht rückgängig machen.
Wer also mit seinem Schicksal hadert, der beschäftige sich mit den griechischen Tragödien. auch die Götter waren nicht vor Fehlern gefeit.
@Elektroniker (23.03.2026, 08:39 Uhr)
„(Das sollte als „kleiner Gag“ verstanden werden!!!)“
Im gleichen Sinn wie die rehbraunen Augen?
Irgendwie hatte ich das die ganze Zeit übersehen ^^ :
Wie zum Teufel soll man denn die Effekte von beiden Interventionen auseinanderhalten?
Ich finde es schon schwierig den Effekt der Persönlichkeit der Therapeutin oder des Therapeuten heraus zu nehmen. Und der hat gar nichts damit zu tun wie gut oder schlecht man ausserhalb des Therapiesettings mit dem Menschen zurecht kommt … Oder mit der Befähigung der Therapeutin.
@Maria: @Elektroniker hat sich um 11:27 Uhr für die Bemerkung zu den „Sensibelchen“ entschuldigt und überhaupt nicht zu „rehbraunen Augen“ geäußert.
Wenn sich jetzt alle bitte wieder ans Thema halten würden, siehe auch die Diskussionsregeln.
@Elektroniker
Ziehe zurück, habe die Ironie übersehen, sorry dafür.
@natürliche Intelligenz
„ob Spatzen auch Depressionen bekommen ?
Vögel reißen sich oft die Federn heraus, wenn sie unglücklich sind.“
Würde das für ziemlich wahrscheinlich halten, wie auch bei anderen Tieren.
„Traurig ist, dass kleinste Irrtümer tödlich sein können.“
Eine ganz spannende moderne Tragödie ist die Miniserie „Gestern waren wir noch Kinder“, wo es um etwas Ähnliches geht (ZDFneo).
@Stephan Schleim
Hab einen Bot bei ihnen eigeschleust….
DH
Mit der modernen Tragödie „Gestern waren wir noch Kinder“ zieht der Regisseur alle Register. Nur……brauchen wir das ?
Die Nachkriegsgeneration hat viele traumatische Ereignisse erlebt …..und überlebt. Schuld und Schuldverarbeitung, vielleicht steckt ja hinter jeder Abhängigkeitserkrankung eine nicht verarbeitete Schuld.
Und……was die Haustiere betrifft……..die sind Punchingball und Sorgenkissen gleichzeitig.