Neues Buch zum Neurorecht: Das Gehirn im Recht

Willensfreiheit, Lügendetektion, Strafmündigkeit und Gehirnentwicklung – was trägt die Hirnforschung hierzu bei?

Das Thema „Gedankenlesen“ ist zurzeit wieder häufiger in den Medien anwesend: Kann man mithilfe von Gehirn-Computer-Schnittstellen die Gedanken von jemandem lesen, der zum Beispiel schwer krank im Bett liegt oder gelähmt im Rollstuhl sitzt und sonst nicht mehr mit der Welt kommunizieren kann?

Gedankenlesen. Pionierarbeit der Hirnforschung war auch der Titel meines ersten Buchs (2008). Schon damals merkte ich an, dass Sensationsberichte Erwartungen wecken, die die Forschung (noch) nicht erfüllen kann. Wie weit sind wir heute?


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Praxistest im Recht und Neurorecht

Wie hat sich die Forschung im Neurorecht seitdem weiterentwickelt? Ein Prüfstein ist die Anwendung im Rechtswesen, wo es um hohe Summen oder gar die Freiheit von Menschen gehen kann – in manchen Ländern sogar um Leben und Tod.

Ich freue mich, mit Zwischen Norm und Neuron. Altersgrenzen, Verantwortung und das Gehirn im juristischen Kontext die Veröffentlichung meines ersten Buches beim Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (gegründet 1949) bekanntzugeben. Hogrefe ist ein traditionsreicher und führender Verlag für psychologische Forschung.

Das Buch fasst insbesondere die neuesten Erkenntnisse zur Gehirnentwicklung und ihrer Rolle in politischen und juristischen Debatten zusammen. Zum Vergleich werden auch die Fortschritte in der Neuropsychiatrie (Kapitel 1.1) herangezogen, der wohl wichtigsten und finanziell am beten ausgestatteten Neuro-Disziplin.

Wussten Sie schon, dass:

  • die Forschung zur Gehirnentwicklung in mehreren Ländern zur Änderung des Alters der Strafmündigkeit sowie des Verkehrs- und Drogenrechts beigetragen hat?
  • die hirnbasierte Lügenerkennung bereits vor 20 Jahren versprochen wurde; ist sie inzwischen Praxisreif?
  • die Debatte über das Gehirn, den freien Willen und dessen Auswirkungen auf das Recht bereits im 19. Jahrhundert begann – und bis heute andauert?
  • Fälle von (angeblichen) Hirnschäden bereits im 19. Jahrhundert vor Gericht verhandelt wurden – und dies bis heute der Fall ist?
  • Forscher*innen versuchen, kriminelles Verhalten im Gehirn vorherzusagen, insbesondere bei sogenannten Psychopathen, doch dass diese Forschung umstritten ist?

Wichtiges Praxis- und Grundlagenwissen

Zusätzlich zu diesen Anwendungsbeispielen vermittelt das Fachbuch auch Grundlagenwissen in Psychiatrie, Psychologie, Philosophie und Recht. Es ist jetzt im Angebot des Hogrefe Verlags verfügbar und eignet sich insbesondere für Studierende, Forschende und Neugierige der betroffenen Fächer:

Schleim, S. (2026). Zwischen Norm und Neuron. Altersgrenzen, Verantwortung und das Gehirn im juristischen Kontext. Bern: Hogrefe.

Speziell zum Thema „Gedankenlesen“ kann diese Forschungsarbeit von Stephan Schleim online gelesen werden:

Schleim, S. (2025d). Hirnforschung und Mind Control. José M. R. Delgados «stimoceiver» im Vergleich zu Elon Musks Neuralink. Zeitschrift für Medienwissenschaft, 17, 71-83.


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5 Kommentare

  1. Viel Erfolg.

    Sie können kein System beobachten, ohne zuvor Teil davon geworden zu sein, hat was mit Netzwerken und Login zu tun – Internet hat nämlich nicht Apple erfunden, sondern der Wozniak, aber dann hat ihm der Urknall die Idee geklaut und vermarktet sie jetzt im ganzen Universum.

    Deswegen würde ich im nächsten Buch eher die Neurologie der Gesetzesmacher, Richter, Geschworenen, Allgemeinheit beleuchten, denn weder die Psyche der Straftäter noch die Mischung aus Wissenschaft, Vorurteil, Gewohnheit und Wunschdenken, die zu jedem beliebigen Zeitpunkt sowohl in Recht wie in Forschung einfließt, kann ohne die Welt drum herum verstanden werden.

    Empirische Daten deuten darauf hin, dass wir erwachsen werden, bis wir achtzehn sind und den Quatsch lassen können, danach vergessen wir alles und werden wieder Kleinkinder, außer in den Bereichen, in denen die Welt immer noch Mami und Papi spielt und uns den Hintern versohlt, wenn wir nicht Erwachsene spielen. Und diese Neigung zum kindischen, opportunistischen Machtmissbrauch bestimmt nicht nur die Straftäter, sondern auch Recht und Richter und Gesetzesmacher und die Gesellschaft, die Druck auf sie ausübt.

    Der Dieb mäßigt seine Willkür mehr als der Mörder, und so mäßigt der Richter seine Willkür mehr als der Lynchmob. Das Recht schafft etwas Fair Play zwischen zwei Triebtätern, das Wissen sorgt dafür, dass es halbwegs rational bleibt, statt zum Wrestlingkampf zu degenerieren, in dem es nur noch ums Gewinnen geht, wie in der US-Justiz. Aber das Vorurteil, dass hier die Gesunden über die Kranken richten, die Gerechten über die Ungerechten, die Guten über die Bösen, entspricht der Weltsicht eines kleinen Kindes, das zu keiner Einsicht fähig ist.

    Und aus solchen Windeln ist auch die Neurologie längst hinausgewachsen. Das sowohl sie wie die anderen Kinder sich vor den Hausaufgaben drücken wollen, ist normal. Aber muss man nicht ein Mindestalter erreicht haben, um Richter zu werden?

  2. @Paul S: In Gehirne gucken

    Für meine Doktorarbeit war ich wohl sogar der erste auf der Welt, der (systematisch) Gehirne von Rechtsanwält*innen untersuchte. Viel weiter, als dass es auch dort „aufleuchtet“, hat das aber nicht geführt.

    Ich denke, man muss sich eher das Verhalten der Entscheidungsträger anschauen; und die Regeln der Institutionen. Damit kommt man weiter. In einem der nächsten Beiträge wird es darum gehen.

  3. Als Ergänzung
    in den USA gab es eine Studie über den Zusammhang von Berufen und Schwerstkriminellen.
    Dabei fand man heraus, dass Börsenmakler, geistliche Oberhäupter und Politiker ähnliche Psychogramme hatten bezüglich der Empathie.
    Den Titel des Buches habe ich leider vergessen.

  4. Herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung des Buches! Die Verbindung von Hirnforschung und Recht finde ich unglaublich spannend, weil sie viele Fragen aufwirft, die uns als Gesellschaft direkt betreffen. Besonders die Themen Willensfreiheit, Strafmündigkeit und Verantwortung werden in Zukunft sicher noch stärker diskutiert werden. Es ist gut, dass solche komplexen Zusammenhänge wissenschaftlich fundiert und verständlich aufgearbeitet werden. Das klingt nach einer sehr interessanten Lektüre für alle, die sich für Recht, Psychologie oder Neurowissenschaften interessieren. Viel Erfolg mit dem Buch und ich hoffe, dass es viele spannende Diskussionen anstößt!

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