Internationales Recht: Cannabis-Legalisierung gescheitert?

Wissenschaftliches Gutachten des Bundestags zeigt Probleme für Gesetzesvorhaben auf

Die seit 2021 regierende Rot-Grün-Gelbe Koalition hat sich zum Ziel gesetzt, noch in dieser Legislaturperiode Cannabis (auch: Haschisch, Marihuana) zu legalisieren. Das bereits am 16. August 2022 erschienene Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags (PDF) weist allerdings auf Probleme mit europäischem und internationalem Recht hin.

In verschiedenen Medien (Tagesschau.de, Süddeutsche Zeitung) erhielt der Bericht mit dem Titel “Vorgaben des Europäischen Unionsrechts im Hinblick auf eine mitgliedstaatliche Legalisierung von Cannabis” jüngst Aufmerksamkeit. Dabei sind die völkerrechtlichen Verträge der Vereinten Nationen, die hierfür maßgeblich sind, alte Bekannte:

  • das Einheitsabkommen über Betäubungsmittel von 1961;
  • die Konvention über psychotrope Substanzen von 1971; sowie
  • das Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen und psychotropen Stoffen von 1988.

Wo im 19. Jahrhundert noch Kolonialmächte wie Großbritannien und Frankreich die größten “Drogendealer” waren und nicht nur prächtig am Opiumhandel verdienten, sondern sogar mit Waffengewalt gegen Drogenverbote vorgingen (Stichwort: Opiumkriege gegen China), wendete sich das Blatt im 20. Jahrhundert unter US-amerikanischer Führung: Nachdem die von protestantischen Werten getriebene und sich gegen neue (und oft katholische) Migranten aus Deutschland, Irland und Italien gerichtete Prohibition von Alkohol kläglich gescheitert war, suchten sich die Beamten ein neues Arbeitsgebiet. Immerhin stand die Große Depression der 1930er vor der Tür und wollte man nicht arbeitslos werden. So wechselten viele vom nationalen Anti-Alkohol- zum Anti-Drogen-Büro.

Als “Höllenkraut” im wörtlichen Sinne verteufelte dieses Beispiel der Anti-Drogen-Kampagne in den USA der 1930er Cannabisprodukte. “Bizarre Orgien, wilde Partys, entfesselte Leidenschaft” wollte man der amerikanischen Öffentlichkeit nicht zumuten. (Abbildung aus Mike Jay, 2010, High Society: Mind-Altering Drugs in History and Culture. Thames & Hudson.)

Auch Jahrzehnte später waren Drogenverbote ein probates Mittel, um gegen unliebsame Minderheiten vorzugehen: So verbot man das bei Chinesen beliebte Opium – das in ihrer Heimat erst die Briten verbreitet hatten, weil ihnen beim Import des geliebten Tees das Silber auszugehen drohte und sie sonst keine interessanten Güter anzubieten hatten –, die bei Latinos und Farbigen beliebten Hanfprodukte, die man mit gezielten Kampagnen mithilfe des Fremdworts “Marihuana” dämonisierte, und schließlich auch das bei den Hippies beliebte LSD.

Eine Counterculture, wo die jungen Männer ihr Leben nicht “fürs Vaterland” im sinnlosen Vietnamkrieg opfern wollte, konnte man sich nicht leisten. In Vietnam hielten die Soldaten derweil mit Heroin durch, das es dort in so hoher Qualität und so günstig gab, dass man es sich nicht spritzen musste, sondern rauchen reichte. Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Dafür sei noch einmal an das Interview mit dem Drogenrechtsexperten Jan Fährmann erinnert (Teil 1, Teil 2).

Gegenwart & EU-Recht

Absurderweise hat man inzwischen den USA verstanden (wieder einmal), dass die Verbotspolitik mehr schadet als nutzt. Die Prohibition gab man nach “nur” 13 Jahren als verfehlt auf. Beim Cannabisverbot hat es viele Jahrzehnte gedauert. Viele US-Staaten haben das Mittel inzwischen entkriminalisiert oder sogar legalisiert.

Damit verstößt nun also die Großmacht gegen die völkerrechtlichen Drogenverbote, die sie selbst überhaupt erst durchsetzte. Und was passiert? Richtig, nichts! Übrigens haben um die 190 Länder inzwischen die wesentlichen Abkommen ratifiziert, Stand 2021.

Das könnte Deutschland auch machen – oder, etwas sauberer, aus der Konvention aus- und dann unter Vorbehalt wieder eintreten. So haben das auch südamerikanische Länder gelöst, bei denen Produkte der Coca-Pflanze traditionell genutzt werden. (Wer erinnert sich noch, warum Coca Cola so heißt? Richtig, die süße Brause enthielt früher wirklich auch Kokain!)

Anders als die USA oder Südamerika ist die Bundesrepublik aber auch an EU-Recht gebunden. Und hier traf man 2004 den “Rahmenbeschluss 2004/757/JI”, der die Mitgliedstaaten zum Bestrafen der folgenden Handlungen verpflichtet: “das Gewinnen, Herstellen, Ausziehen, Zubereiten, Anbieten, Feilhalten, Verteilen, Verkaufen, Liefern, Vermitteln, Versenden, Befördern, Einführen oder Ausführen von Drogen”. Dazu kommen ähnliche Vereinbarungen aus dem Schengen-Abkommen.

Drogenpolitik auf Drogen?

Man müsste also seit Jahrzehnten wissen, dass eine Canabis-Legalisierung nicht so ohne Weiteres möglich ist, seit immerhin rund satten 20 Jahren auch nach EU-Recht (das Schengen-Protokoll ist von 1997). Das wirft die Frage auf: Wie konnte man dann im Wahlkampf und im Koalitionsvertrag etwas Anderes versprechen? Hat man an führender politischer Stelle vielleicht selbst bestimmte Substanzen konsumiert, die zu Realitätsverlust führen? Dabei ist doch gerade Kanzler Scholz als Abstinenzler bekannt.

Es bleibt also spannend, wie die Rot-Grün-Gelbe Regierung ihr Wahlversprechen einlösen will. Die jungen Wählerinnen und Wähler werden sich 2025 daran erinnern. Doch was bringt das, wenn die Alternativen auch nicht viel besser sind?

Immerhin kann man im vorhandenen Rechtsrahmen die Entkriminalisierung vorantreiben. So wird der Besitz “geringer Mengen” im Normalfall nicht mehr strafrechtlich verfolgt. In den Niederlanden gibt es schon seit den 1970ern die berühmten Coffee-Shops, in Portugal seit einigen Jahren verpflichtende Beratungsgespräche.

Ein Nachteil solcher halbherzigen Lösungen ist allerdings, dass damit der Anbau beziehungsweise die Produktion immer noch nicht erlaubt sind. So bleibt eine Nische für die organisierte Kriminalität und lassen sich keine Qualitätskontrollen durchsetzen, wie etwa für alkoholische Getränke. Die Regeln diktiert dann die Unterwelt.

Wie dem auch sei: Worin genau die Straftat beim Drogenbesitz – ich konsumiere selbst übrigens nichts Verbotenes – bestehen soll, ist mir nach wie vor unklar. Und gerade diejenigen, denen es um die Gesundheit der Bevölkerung geht, nehmen das Wort “Verbot” besser erst gar nicht in den Mund. Die Opioid-Epidemie in den USA, die erschreckende viele Leben zerstörte und immer noch zerstört, wurde zum Teil ganz legal im Gesundheitssystem befördert und von der Verbotspolitik nicht verhindert.

Die Bundesregierung sollte sich also schnellstmöglich mit den anderen EU-Staaten abstimmen, um diesen großen Fehler der Menschheitsgeschichte rückgängig zu machen: die Drogenverbotspolitik seit den 1960ern. Idealerweise arbeitet man parallel auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.

Die UN-Abkommen sind hier nicht das größte Problem. Wir brauchen uns aber von den USA, die ihre eigenen Verbote selbst nicht mehr ernst nehmen, kein weiteres Mal einen Streich spielen zu lassen.

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133 Kommentare

  1. Drogen… Kann Cannabis abhängig machen? Verursacht Cannabis Psychosen? Wie hoch ist der derzeitige Gehalt im Vergleich zu früher? Gibt es legale Medikamente, die dem Cannabis ähneln? Warum nennt man Cannabis eine Einstiegsdroge zu Heroin – vielleicht weil beides illegale Drogen sind?

    Pro Legalisierung: Kontrollierter Anbau, kontrollierter Gehalt, Polizeikapazitäten werden frei, mehr Aufklärung, Cannabis kann als Schmerzmittel verschrieben werden -> Krebspatienten, organisierte Kriminalität entfällt

    Kontra Legalisierung: Konsum steigt, Jugendliche kommen schneller in Besitz, Gefahr von Psychosen steigt, organisierte Kriminalität bleibt bestehen, Gehalt der Pflanzen steigt (Pflanzen werden potenter)

  2. Schon interessant,wie und womit wir uns selbst selbst Recht mit was machen. Wer macht mit was womit warum wozu und wie eine Regel? Und: warum halten wir sie warum ein?

  3. @Mussi: Drogengesetzgebung

    In der Drogengesetzgebung (ich schreibe gerade ein Buch über Substanzkonsum, fast fertig) geht es leider, ich kann es nicht anders sagen, meist um die Unterdrückung sozialer Gruppen, die sowieso schon benachteiligt sind (z.B. ethnische Minderheiten; arme Menschen).

    Man kann halt heute nicht mehr so offen rassistisch oder ausgrenzend sein und Menschen mit einer bestimmten Hautfarbe oder mit wenig Geld einfach so strafrechtlich verfolgen. Wenn man sie aber mit Drogen erwischt, die sie oftmals schlicht nehmen, um mit der Härte ihres Lebens besser zurechtzukommen, dann hat man auf einmal einen Vorwand. Das lässt sich mindestens seit dem 19. Jahrhundert nachweisen.

  4. @ Schleim

    ‘Vorwand’ ist dann doch das Schlüsselwort.
    Gerade heute lass ich einen interessanten Gedanken:
    warum mehrere egoistische Motivationen mehr gelten sollen,als ein einzelner?!
    Da frage ich mich auch,was Egoismus ausmacht?

  5. @Schleim

    Abhängigkeit,nicht nur substantiell,sondern mental ist treibt mich seit Jahren um.
    Es ist zentrales Thema bei Führen vs Folgen bzw. Überlegenheit vs Unterlegenheit.
    Vorsagen vs Nachahmen,Vorbild vs Nachbild.
    Brauchen wir nicht Versager,um uns besser zu fühlen,moralisch?

  6. @Mussi: Abhängigkeit…

    …ist ein komplexes Thema – und auch darüber habe ich gerade viel geschrieben. Ein anderes Mal mehr. Wir haben hier ja gerade auch das Thema Alkohol sehr ausführlich diskutiert.

    Mich wundert, dass wir sehr schnell die Abhängigkeit von Substanzen problematisieren – aber was ist mit den Abhängigkeiten von Menschen und Institutionen in unserem Leben?

  7. @Schleim

    Das meine ich mit ‘mentalen’ Abhängigkeiten.
    Das scheint mir zentraler,als physiologische!
    Die Gegenfrage wäre,wie erreiche ich Unabhängigkeit? Somit Selbstständigkeit im reziproken Verhältnis im Sein?

  8. @Mussi: Unabhängigkeit

    Die Antwort ist natürlich individuell – aber es gab hier doch immer wieder einmal Artikel zum Thema Freiheit.

    Und ich habe dazu auch vor Kurzem ein Buch geschrieben, das Anfang 2023 erscheinen sollte.

  9. Herr Schleim,
    Drogen als Werkzeug zur Unterdrückung von Menschen. So habe ich das noch nicht betrachtet.
    Die Engländer haben die Chinesen kleingehalten , indem sie das Opium freigegegeben haben.
    Bei uns geht es umgekehrt, die Bierfeste sind eine Festung gegen die Gängelung der Staatsbürokratie.
    Machen Sie weiter so !

  10. @fauv: Drogen & soziale Kontrolle

    Wenn die Mechanismen dieser Form von sozialer Kontrolle allgemeiner Bekannt wären, dann würden sie auch nicht mehr so gut funktionieren.

    Gerade eine Quelle für mein Buch gefunden: Wenn Angehörige der weißen Mittelklasse in den USA MDMA (Ecstasy) konsumieren, dann relativieren Politiker das nachweislich; wenn es jedoch um Angehörige von Minderheiten geht, dann ist aber ‘was los!

    Constructing Drug Using Victims: Race and Class in Policy Debates on Ecstasy Use in the U.S. (2018)

    In diesem Kontext für Deutschland Interessant: Der Schildower Kreis

  11. Ist die Antidrogenpolitik gegen Minderheiten gerichtet?
    Zitat Stephan Schleim:

    Auch Jahrzehnte später waren Drogenverbote ein probates Mittel, um gegen unliebsame Minderheiten vorzugehen: So verbot man das bei Chinesen beliebte Opium – das in ihrer Heimat erst die Briten verbreitet hatten, weil ihnen beim Import des geliebten Tees das Silber auszugehen drohte und sie sonst keine interessanten Güter anzubieten hatten –, die bei Latinos und Farbigen beliebten Hanfprodukte, die man mit gezielten Kampagnen mithilfe des Fremdworts “Marihuana” dämonisierte, und schließlich auch das bei den Hippies beliebte LSD.

    Mir scheint: die Antidrogenpolitik will Minderheiten eher schützen – vor den Folgen der Drogen (Suizid, Überdosis, sozialer Abstieg) schützen.

    Schon das von den Briten nach China importierte Opium schadete den einfachen Chinesen, von denen viele nur noch für Opium lebten. China (die Regierung) sah den Drogenimport sogar als verdeckte Kriegsführung gegen China an.

    Auch die jüngste Drogenwelle in den USA (Opioide, teils von Hausärzten verschrieben) töteten unzählige Leute aus dem Rust Belt, Menschen, die wenig Perspektiven in ihrem Leben sahen und nun sogar an Überdosen von Drogen starben. Die US-Regierung will letztlich Drogensuizide verhindern und den Betroffenen ein drogenfreies und damit überhaupt erst wieder sinnvolles Leben anbieten.

  12. @Holzherr: Bürgermoral

    Ich habe mit genau so einem Beitrag von Ihnen gerechnet!

    Sie drehen es (wieder einmal) auf dem Kopf: Dass die Armen so arm sind, stört das Bürgertum nicht (vielleicht, weil das Teil der Voraussetzung seines eigenen Wohlstands ist?).

    Wenn die Armen aber Substanzen konsumieren, um ihre Armut besser zu ertragen, dann machen die Bürgerlichen auf einmal ein Problem daraus – und schicken die Polizei vorbei. Natürlich nur zum Schutz der Menschen, versteht sich. Man ist ja so ein Gutmensch.

  13. P.S. Und klar, so “hilft” man Menschen, indem man sie auf kleinem Raum mit Kriminellen einpfercht (wovon in den USA übrigens private Gefängnisbetreiber profitieren).

    Ganz sicher kommen sie nach Jahren der Isolation von der Gesellschaft dann als “bessere Menschen” wieder aus dem Gefängnis und nicht als noch schwerer beschädigte Wesen.

  14. P.S. Opioide: Und Ihre wilden Spekulationen über Opioide könnten falscher nicht sein:

    Erst einmal haben Ärzte, Apotheker und Pharma-Unternehmer kräftig daran verdient, Menschen in übertriebenem Maße Schmerzmittel zu verschrieben. Es geht hier echt um viele Milliarden. Und nachdem das Unternehmen (z.B. Purdue Pharma) schon verurteilt wurde, ging es erst richtig los.

    Als man das zunehmend als Problem erkannte und bei den (inzwischen) süchtig Gemachten die (legale und bezahlbare) Quelle versiegte, kam es in einem prohibitionistischen Rahmen natürlich zu dem bekannten Elend (mit Verbrechen & Tod).

    Schauen Sie doch einfach mal auf die Statistik der Drogentoten in den USA und nehmen Sie endlich die Verantwortung für das mörderische Modell, dem Sie und ähnlich Gesinnte hier seit Jahren das Wort reden. (Tipp: Auf die stark steigende hellblaue Linie müssen Sie achten, weil Ihr Englisch ja nicht so ausgeprägt ist.)

  15. Martin Holzherr,
    Zustimmung bei China. Die Freigabe von Opium in China war eine Form von Kriegsführung. ein Chinese war um 1900 für die Europäer nur ein Schlitzauge, eine gelbe Gefahr. Kaiser Wilhelm II: ” Wenn ein Chinese einen Deutschen nur scheel ansieht ……”.
    Was jetzt die Staatsmoral betrifft, “Die US-Regierung will letztlich Drogensuizide verhindern und den Betroffenen ein drogenfreies und damit überhaupt erst wieder sinnvolles Leben anbieten.”
    oder doch die Sichtweise von Herrn Schleim :”dann machen die Bürgerlichen auf einmal ein Problem daraus – und schicken die Polizei vorbei.”

    Aus der Sichtweise eines Sozialisten haben die USA eine Klassenjustiz.
    Beim Streit der Demokraten mit den Republikanern geht es auch darum.

  16. @fauv: Kolonialismus

    “Freigabe” ist hier ja wohl kaum das treffende Wort, wenn einem das nach zwei Kriegen vom Britischen Empire (später unter Beteiligung von Frankreich) aufgezwungen wurde.

    Die Chinesen, die das Opiumrauchen im frühen 19. Jh. von den britischen Händlern überhaupt erst lernten, wurden dann im späten 19. Jh. wegen ihres “furchtbaren” Substanzkonsums (Opium war ja immerhin in vielen Drogerieartikeln und Mittelchen enthalten) in den USA auf einmal als “gelbe Bedrohung” der westlichen Welt angesehen. So geht Gerechtigkeit.

  17. Dabei spielt der Konkurrenzkampf unter Drogenhändlern wohl eine Rolle: All unser Konsum ist ja darauf ausgelegt, uns durch Übertreiben zu desensibilisieren, sodass wir immer wieder einen neuen Schuss brauchen. Die Wirtschaft ist auf Junkies angewiesen, der Kapitalismus ist insofern eine Verbesserung gegenüber der Sklaverei, dass der Sklave auch mit dem Maul erntet, der Bauer wurde mit der Melkkuh gekreuzt (ich komme vom Dorf, irgendwann musste es ja klappen), doch er wird über die Plantage getrieben wie eh und je. Und bereits die Droge Internet setzt der physischen Realität gewaltig zu. Man kann’s finden, wie man will – sich billig zudröhnen, ist wenigstens umweltfreundlich und ressourcenschonend, es ist auch rational kaum zu vermitteln, warum man Konsum statt Heroin drücken sollte, wo’s doch nur um den Rausch geht.

    Wenn die Drogen besser an den Körper angepasst werden, sodass sie weniger gesundheitsschädlich sind, besteht die Unterhaltungsindustrie nur noch aus Drogenfabriken. Oder elektromagnetischen Drüsen-Stimulatoren, oder Viren, die den Stoffwechsel verändern, sodass er Opiate besser verträgt, whatever. Eigentlich sind wir schon fast so weit, die Droge du jour ist Geld – weil es für all die Kicks steht, die man sich dafür leisten könnte, unendlich viel mehr, als man dafür in Wirklichkeit bekommen kann (entweder ich kaufe mir ein Auto oder behalte das Geld, gehe zu Fuß und träume von all denen, die ich mir kaufen könnte), stimuliert es bereits die Happy-Hormone-Produktion und reicht aus, um als Rauschmittel zu fungieren.

    Ob der Rausch von Cannabis wohl intensiver ist? Ich sehe schon das globale Verbot und die mexikanischen Aktiendealer-Kartelle, die mit Tunneln unter der Grenze Wertpapiere nach New York schmuggeln. Als Nächstes verbieten wir dann Schokolade, weil sie schmeckt und Trockenbrot, weil es satt macht. Die Unterschiede zwischen körpereigenen und anderen Drogen liegen in Details, wer sich am Wesentlichen aufhängt, macht sich früher oder oder später zum Affen. Meistens outet man sich dadurch nur als Sklaventreiber, der es nicht erträgt, wenn die Leute Spaß haben, statt Baumwolle zu ernten. Wenn man sich dann anschaut, wer von der Baumwolle profitiert, fühlt es sich an, als hätte man ein Überraschungs-Ei geöffnet und, statt Spielzeug, die zerknüllten Verpackungen der tausend längst gegessenen Ü-Eier darin gefunden, die einen auf die gleiche Weise überrascht haben.

    Der Nachteil ist, dass sich dann niemand um die Matrix kümmert. All die ausgeknockten Träumer brauchen Handwerker, Pfleger, Energie – im Grunde ist das Großbayrische Reich Europäischer Nation die Vorstufe zum Junkieparadies, und zeigt all die Probleme von Leuten, die sich nur um die nächste Dröhnung scheren, genauso wie jedes andere Wrack, das mit seligem Lachen und Nadel im Arm am Bahnhofsklo in eigener Pisse verreckt.

    Natürlich führt dieser Weg auch dann zum Aussterben, wenn die Matrix genug Personal hat, denn Fortpflanzung ist Arbeit, die mit Happy Hormonen entlohnt wird, und wenn man das Happy ohne die Arbeit haben kann, wird der Anatomie untenrum gekündigt. Aber das ist kein Problem, Überleben ist ein Drang, kein Zwang, wenn die Drogen den Drang unter Kontrolle kriegen, wird Überleben zum Hobby für religiöse Spinner und weltfremde Idealisten. Mir kommt’s falsch vor, aber ich bin eben maßgeschneiderter Sklave der Evolution, die Bitch war nie besonders nett zu uns, also kann sie mich mal. Sollen die geistig Schwachen die Erde erben.

    An „use it, don’t abuse it“ müssen wir halt noch feilen. Das „jedem Tierchen sein Pläsierchen“-Prinzip würde ich dabei gut im Auge behalten. Wenn Sie die Erde erben wollen, nur zu, doch wenn Ihr Nachbar nicht mitmachen will, haben Sie kein Recht auf seine Hilfe, nur darauf, dass er Sie genauso wenig stört, wie Sie ihn. Kooperation ist fast immer sinnvoller als gegenseitiges Ignorieren, aber Sinn und Freiheit sind allergisch gegeneinander, denn Freiheit erlaubt viele Formen Sinn und streut so die Kraft, sinnvoll zu handeln, während die Kraftbündelung einen zum Sklaven eines fremden Sinns macht, der für einen selbst sinnlos sein kann. Es geht immer um Balance, und eine gute Balance verträgt und nützt Extreme. Die berüchtigte Glockenkurve zeigt einen Seiltänzer, der durch die Zeit wandert, über einem Abgrund voller Feuer, Krokodile und anderer nerviger Nachbarn.

    Saufen ist legal, Kiffen ist verboten – Menschenrechte gibt’s auf dem Papier, sie werden von Richtern geschützt, deren Karrieren von der Politik abhängig sind, und die ist wiederum von sehr realen Wahlkreuzchen-Dealern abhängig. Das ergibt eine Tyrannei der Mehrheiten (streng genommen, eine ochlokratisch-plutokratische Chimäre, bei der die Willkür der Massen mit der Willkür der Reichen mal konkurriert, mal kooperiert). Wir sehen’s bei vielen Emanzipationskeilereien, eine diskriminierte Minderheit muss der großen Mehrheit auf den Sack gehen, um ihre Rechte gegen die schnöde, hämische Freude am Mobben der Schwächeren durchzudrücken, von der manche Politiker und moralischen Autoritäten nur so triefen, und die Mehrheit geht gleich auf die Barrikaden, weil sie nie geahnt hat, dass sie irgend jemandem schadet, weil sie die Vorstellung eines Universums außerhalb des eigenen Bauchnabels, geschweige denn intelligenten Lebens drin, für Hirngespinste hält, und irrtümlich glaubt, die Springinsfelds würden ewig nerven, wenn sie bekommen, was sie wollen, wo man doch nur friedlich, zugedröhnt und wiederkäuend in einem Futtertrog voller Eigenkacke dösen will.

    Agent Smith, einmal Aufwischen in Gang E, Mister Anderson hat seinen Superkräften freien Lauf gelassen, um Mami zu ärgern…

    Das Recht ist eben dazu da, den sozialen Junkie-Frieden zu erhalten, koste es die Anderen, was es wolle. Es ist Süchtigen-Mentalität, in Paragraphen gemeißelt: Man würgt jede Veränderung ab, findet billige Ausreden, jeden Tag zum Bahnhof zu rennen und sich einen Schuss zu holen, die Eltern anzupumpen und der Oma die Handtasche zu klauen. Alles, was einen davon ablenken könnte, ist Ketzerei, man wird hysterisch, kreischt und schlägt um sich, denn man weiß, man ist zu kaputt, schwach und überspezialisiert, um mit Neuem und Unbekannten fertig zu werden. Da die Evolution grundsätzlich mit Drogen läuft, ist ein Junkie-Leben ein jedes Leben, aufs Wesentliche reduziert. Ist nur so, dass das Unwesentliche häufig unerlässlich ist, damit das Ganze auch funktioniert. So wie Luft im Kapitalismus – kann man nicht verkaufen, hat keinen Sinn, nützlich nur als Deponie für Rauch und Gas.

    Junkies regieren die Welt nicht, weil sie viel zu sehr in ihrer eigenen Welt leben, und die hat nicht viel mit der Welt zu tun, in die sie eingebettet ist. Sie brauchen diese Matrix-Überwelt zum Überleben, doch müssen sich auch vor ihr verstecken, denn wenn die Wirklichkeit sie einholt, gehen sie drauf. Was genau sehen Sie gerade auf dem ganzen Planeten? Die Matrix der Junkies war selbst nur eine Wahnvorstellung im Drogenrausch, der Bahnhof ist dem Dealer namens Realität bloß eine Zwiebelschalen-Wahnwelten-Schicht ferner als der Palast. Wir haben auf Pump gekauft und wollen nicht zahlen, also kommen vier Inkasso-Mitarbeiter angeritten, um ein Wörtchen mit uns zu plaudern.

    Im Moment wären Drogen vor allem Palliativtherapie: Wenn der Organismus nicht mehr die Kraft hat, um sein Leben zu kämpfen, betäubt man die Schmerzen. Würde auf jeden Fall mehr Sinn machen, als zuzusehen, wie der Patient sich in Agonie windet, wie es die Menschheit derzeit macht. Wer die Kraft findet, wird überleben und die Erde erben, doch er wird viele Leichen zum fleddern brauchen, bevor er wieder auf die Beine kommt. Und wenn’s um Leichenproduktion geht, sind Drogen besser geeignet, als Krieg, Hunger, Krankheit – weniger lästige Nebenwirkungen. Klingt nach ‘nem Plan. Warum uns ein paar Zettelchen mit Klecksen drauf davon abhalten sollten, weiß ich nicht. Die sind nur was wert, wenn die Polizei schießt, und die tut es nur, wenn Mehrheit oder Geld es wollen. Und ob die Mehrheit unter Qualen verrecken will, bezweifle ich.

    Wenn man sich Dinge gründlich durchdenkt, wirkt das Ergebnis oft zynisch. Liegt das an mir? Oder ist das der Grund, warum alle Lebewesen Drogen brauchen? Letzteres passt mir besser ins Konzept, aber ich irre mich eigentlich recht oft.

  18. Warum sterben die Menschen?

    Vielleicht etwas freundlicher für diejenigen, die es einfach noch nicht besser wussten:

    Wieso steigen bei abnehmender oder zumindest nicht noch weiter steigender Anzahl an Konsumenten die Sterbefälle so dramatisch?

    Wenn die Süchtigen ihren “Stoff” eben aus unsicheren Quellen beziehen müssen, geht eher einmal etwas schief. Die starken Schmerzmittel werden z.B. aus (gebrauchten) medizinischen Pflastern (z.B. aus Abfällen) gewaschen. Wie hoch die Dosis ist, kann man so unmöglich abschätzen. So entsteht eine Art russisches Roulette.

    Bei einer Überdosierung schläft man ein – und die Mittel lähmen schließlich die Atmung. So erstickt man im Schlaf, wenn man nicht rechtzeitig ein Gegenmittel bekommt.

    Wo und wie genau, das erkläre mir jetzt bitte einmal jemand, hilft diesen Menschen Repression und Kriminalisierung?! Vielmehr gilt, wieder einmal: The harder the enforcement, the harder the drugs.

  19. Paul S, es liegt an Dir, weil duch auch ein Tier bist, nicht besser als ein elefant, der vergorene Früchte isst.
    Wie heißt es doch so schön: “Der Teufel hat den Schnaps gmacht…”

    Stephan Schleim
    “Freigabe” war wirklich der falsche Ausdruck.
    Ich kannte übrigens einen Zahnarzt, der 1900 in Peking beim Boxeraufstand noch dabei war. Die Geschichte ist noch gar nicht so lange her und bei den Chinesen auch nicht vergessen.!!

  20. Die Chinesen, die das Opiumrauchen im frühen 19. Jh. von den britischen Händlern überhaupt erst lernten

    anders in Wikipedia

    Die Versuche der kaiserlichen Regierung, Tabak als neues Rauschmittel zu unterdrücken, schlugen fehl, und Mitte des 17. Jahrhunderts war der Tabakkonsum in ganz China verbreitet.[14] Mit der Zeit kam das Rauchen einer Opium/Tabak-Mischung als neue Konsumform für Opium in Mode und verdrängte die bisherige Aufnahme über den Verdauungstrakt.[13]

    Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts wurde der inhalative Opiumkonsum zu einem begehrten Luxus der vermögenden Elite

  21. Nicht Kriminalisierung sondern Entwöhnung ist die richtige Drogenpolitik

    In Europa ist der Alkohol- und Nikotinkonsum bereits deutlich zurückgegangen. Und dies nicht (vorwiegend) mit Verboten, sondern durch den Aufbau von sozialem/gesellschaftlichen Druck (Rauchverbot in Restaurants, etc). In mehreren europäischen Ländern (z.B. Skandinavien) wird eine „Entwöhnungs“-Drogenpolitik nicht nur für Alkohol und Tabak, sondern auch für andere Drogen betrieben. Ja, man will den Einstieg der Jugend ins Rauchen, Trinken, Cannabis Rauchen von vorne herein weniger wahrscheinlich machen. Für mich ist das der richtige Ansatz.

    Wer behauptet, die Gesellschaft habe nur etwas gegen Drogen, wenn sich diese negativ auf die Leistungsträger auswirkt und die Drogenpolitik wolle bestimmten Gesellschaftsgruppen und ihnen angehörige Menschen bestrafen, ausgrenzen und ihnen schaden, der hat für mich die Indizien nicht auf seiner Seite. Denn die Bekämpfung etwa des Alkoholismus hilft/half etwa in den USA auch den ehemaligen Indianern, denn Gemeinden, in denen der Alkohol den Alltag bestimmt, sind Gemeinden ohne Stimmen, Gemeinden ohne Zukunft.

    Das gilt nicht nur für Alkohol, sondern für fast die meisten Drogen.

  22. @Uwe: Opiumrauchen

    Danke für den Hinweis, gerne auch mit genauer Quelle (Wikipedia ist groß).

    Es wird dort auf ein Buch verwiesen, das online nicht zugänglich ist. Ich müsste die Quelle lesen.

    Opiumrauchen mag vorher ein Luxus für die Eliten gewesen sein. Aber damals gab es in China selbst noch gar keinen oder kaum Opiumanbau. Ob nun die Briten im 19. Jahrhundert “nur” den Markt mit dem Mittel fluteten oder auch die Art des Konsums (rauchen) förderten, ändert meiner Einschätzung nach an der Schlussfolgerung nichts: Die Kolonialmächte setzen den Opiumkonsum in China erst großflächig durch – einige Jahrzehnte später wurde Chinesen diese Gewohnheit in den USA dann verboten.

    Übrigens waren die ersten Anti-Drogen-Gesetze noch offen rassistisch. Das Opiumrauchen wurde in den USA am Anfang ausdrücklich nur bei chinesischen Einwanderern unter Strafe gestellt. Dazu Mike Jay (Quelle siehe oben im Text):

    It was in this climate of fear, and with emigration booming as Chinese workers sought to escape poverty at home, that the first prohibitions of opium were introduced. In San Francisco, where railway-building ‘coolies’ formed the largest Chinese population in the Western world, the Opium Exclusion Act of 1875 criminalized the smoking of opium by Chinese (but not by whites) after a public campaign that focused on the dangers of racial mixing, and particularly the threat to vulnerable white women. (S. 156)

  23. @Holzherr: verkehrte Logik

    Auch den Native Americans wurde das “Saufen” erst von den “zivilisierten” Weißen beigebracht.

    Zudem geht der Alkoholkonsum, wie wir gerade erst ausführlich diskutierten, bereits seit den 1970ern stark zurück. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Das Gesundheitsbewusstsein hat zugenommen. An zunehmender Regulierung (Holzherr’schem Schutz der Bevölkerung) wird es wohl eher nicht liegen, so ist z.B. die Weinsteuer in Deutschland nach wie vor bei null Prozent.

    Gerade zitiert:

    Holmes, M. D. & Antell, J. A. (2001). The Social Construction of American Indian Drinking: Perceptions of American Indian and White Officials. The Sociological Quarterly, 42, 151-173.

  24. Guten Tag Stephan,

    Erstmal vielen Dank für Ihren ausführlichen und sehr spannenden Beitrag zu der aktuellen Situation der Drogenpolitik. Nun habe ich einige Gedanken dazu:

    Es ist erstaunlich, dass die Diskussion über die Legalisierung von Cannabis schon so lange andauert, dann endlich ein Beschluss für die Legalisierung fällt, jedoch die deutsche Regierung aufgrund des internationalen Rechts nun Cannabis doch nicht legalisieren kann.

    Hätte dies nicht für die Politiker und Wissenschaftler bereits bekannt sein müssen? Die ganze Diskussion war somit sinnlos?

    Ich freue mich auf weitere interessante Beitrage zu diesem Thema!

    Beste Grüße
    Graffitiartist

  25. @Graffitiartist: Politiker

    Ja, sie hätten es wissen sollen.

    Wenn man es positiv deuten will, dann kann man ihnen vielleicht einen etwas naiven Optimismus vorwerfen; sie dachten möglicherweise, das mit dem internationalen Recht kriegen sie schon hin und haben dabei die EU-Ebene vergessen.

    Vielleicht findet man aber auch noch einen Weg. Eine Möglichkeit wäre, auf europäischer Ebene gemeinsam umzudenken. Demgegenüber stünden einige Länder wohl offen, andere eher nicht. Letzteren könnte man dann eventuell einen Kuhhandeln anbieten, wie das in der Politik ja oft geschieht.

    Bei einem anderen Weg könnte man sich auf die Grundrechte berufen und versuchen, das vor dem Europäischen Gerichtshof durchzuboxen. Das wäre auf jeden Fall auch ein Statement, dass man es ernst meint, selbst wenn das Gericht dem am Ende einen Strich durch die Rechnung macht.

    Pragmatisch könnte man sich vielleicht auch irgendwie ausdenken, Menschen “medizinisches” Cannabis auf Rezept beziehen zu lassen. Das gibt es ja heute schon – aber eben nur bei bestimmten Diagnosen. Vielleicht könnte man die ausweiten und (ich übertreibe etwas) auch “Langeweile” mit aufnehmen? 😉 Ärzte und Apotheken hätten vermutlich nichts dagegen, weil daran würden sie ja mitverdienen. Übrigens gab es auch während der Prohibition (1920-1933) Alkohol auf Rezept, auch wenn der Großteil von Kriminellen geliefert wurde.

  26. Viele westliche Gesellschaften wollen heute über alle sozialen Schichten hinweg ihre Bewohner vor Sucht, Krankheit und Gewalt schützen
    Viele westliche Denokratien haben sich dem Grundsatz: „das größtmögliche individuellen Glück für eine möglichst große Zahl von Menschen“ verschrieben.

    Es ist falsch, Ärzte, die Opioide verschreiben oder Händler, die Alkohol an Indigene verkaufen, mit der Gesellschaft gleichzusetzen. US-Pharmafirmen, die für den Einsatz von Oxycontin und andere Opioide warben, wurden vor Gericht verurteilt. Die Familie Sackler kann heute nicht einmal mehr in Kunst, Ballett und Kultur investieren/spenden, weil sie mit der Opioid-Krise in Verbindung gebracht wird.

    Heute gibt es Gesetze/Regulierungen gegen Spielsucht und Neuseeland will das Tabakrauchen in der nächsten Generation unmöglich machen. Dahinter steckt immer der Gedanke des Gesundheitsschutzes.

  27. @Holzherr: Die haben schon noch genug Milliarden, da ist mein Mitleid doch eher begrenzt.

    Es ist eine offene Frage, ob sie und andere, zumindest moralisch verantwortliche Menschen noch strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Wo bleibt da Ihr Sinn für Gerechtigkeit?

    Vergessen wir nicht die zehntausenden Toten und viel mehr Leid auf der anderen Seite. Auch dank der Kriminalisierung und Prohibition.

    Ich frage mich, ob ich irgendwann noch einmal miterlebe, wie Sie mehrere Seiten einer Medaille sehen und miteinbeziehen.

  28. Zitat Stephan Schleim : „Ich frage mich, ob ich irgendwann noch einmal miterlebe, wie Sie mehrere Seiten einer Medaille sehen und miteinbeziehen.„

    Ich verteidige doch nur das Vorgehen der meisten westlichen Staaten (aber auch von China) gegen Sucht, unnötige Krankheit und vermeidbare Unfälle.

    Dagegen vorzugehen ist für mich zweifelsfrei richtig. Es ist nur noch eine Frage des Wie und nicht mehr eine des Ob.

  29. @Holzherr: Vorgehen

    Wenn man etwas vermeiden will, sollte man es mit seinem Verhalten besser nicht erzeugen. Das ist im Prinzip mein Standpunkt hier.

    Vielleicht haben Sie auch schon einmal das geflügelte Wort gehört, dass im Vietnamkrieg Dörfer (vor den Kommunisten) “gerettet” wurden, indem man sie zerstörte.

    Für solche “Lösungen” ist MENSCHEN-BILDER nicht gedacht.

  30. @Stefan Schleim: Holland, Schweden oder die Schweiz wollen bestimmt nicht zerstören um zu retten. Die Menschen in diesen Ländern sind pragmatisch und wollen Krieg und Misere vermeiden, nicht fördern.

  31. Wenn Deutschland nun eine bevölkerungsweite, auf jahrzehnte angelegte Studie der Wirkungen legalen und geregelten Cannabis-Konsums auflegt?

    Ist ja Wissenschaft, total legal, Probandenstatus wird via Staatsbürgerschaft erlangt (evtl. auf Antrag, und vielleicht zusätzlich gegen einen jährlich ausgefüllten anonymisierten Fragebogen und alle paar Jahre eine medizinische und eine psychologische Untersuchung) … Was kann da schon schiefgehen?

  32. @Holzherr: Absicht und Tun

    Die US-Soldaten wollten sie vietnamesischen Dörfer auch nicht zerstören, sondern vor den Kommunisten retten.

    Behalten Sie meinetwegen Ihre guten Absichten: Ich messe die Menschen an ihrem Tun, so wie man auch mit an meinen Taten erkennen soll.

    Dass Verbote und Kriminalisierung von Substanzkonsum im Endeffekt mehr schadet als nutzt, wissen wir nun zur Genüge; wie können Sie Ihre Augen nur z.B. vor den Todeszahlen aus den USA verschließen? Wenn Sie die Fakten nicht endlich zur Kenntnis nehmen, dann kann ich Sie eben nur noch als Ideologen sehen.

  33. @Wort: wissenschaftliche Studie

    Geniale Idee! Haben Sie die schon dem Abgeordneten der Regierungskoalition Ihres Vertrauens mitgeteilt?

    Nur das mit der “Staatsbürgerschaft” scheint mir schwer. Wäre das nicht eine unzulässige Diskriminierung von EU-Ausländern?!

  34. Alle Primaten neigen zu Suchtverhalten
    Auch Schimpansen werden schnell zu Säufern/Alkoholikern, wenn sie jederzeit Zugang zu Alkohol haben.

    Der moderne Mensch hat zum ersten Mal das Problem der Überversorgung mit allem möglichen. Er kann beliebig viel Nahrung zu sich nehmen, weil es in der Umgebung fast jedes Menschen beliebig viel Nahrung gibt. Für Alkohol, Tabak und beliebige andere Drogen gilt das gleiche. Tatsächlich schneiden Menschen in dieser Situation sogar besser ab als Schimpansen. Aber nicht viel besser. Es gibt immer noch mehr Menschen als genug mit fehlender Selbstdisziplin oder einfach mit einer Veranlagung, die es ihnen schwer macht, zu verzichten.

    Schon Platon hat sich mit diesem Problem beschäftigt. Und er ist zum Schluss gekommen, dass Menschen lernen müssen ihren Konsum zu mässigen. Er wollte keine Verbote, sondern einen Lernprozess.

  35. @Holzherr: Moral

    Selbstdisziplin, Sie sagen es: Es geht um Moral.

    Wären Sie endlich einmal so diszipliniert, von Ihrem von den Fakten widerlegten Verbotsdenken abzurücken!

    Man wird wohl noch träumen dürfen……

    Das Bild vom Säufer/Abhängigen ist übrigens erst im 18./19. Jahrhundert entstanden, das von Sucht als Erkrankung noch einmal später.

    Viel länger galt Alkohol als Nahrungsmittel, das in der Fastenzeit sogar den praktischen Vorteil hatte, Flüssignahrung zu sein. Damit haben die Mönche (dank ihrer Brauereien) die harte Arbeit auch vor Weihnachten und vor Ostern ausgehalten. Wahrscheinlich waren sie damit auch geselliger, als manche hier in der Diskussion.

    Quelle: Levine, H. G. (1978). The discovery of addiction. Changing conceptions of habitual drunkenness in America. Journal of Studies on Alcohol, 39, 143-174.

  36. OK, war eigentlich eine silly idea, aber könnte tatsächlich klappen.

    Die Drogengegner kann man damit beruhigen, das es ja nur ein Versuch ist. Und in zwei Jahrzehnten sind sie in die Minderheit heruntergestorben.

    Die Befürworter haben mit dem Vorläufigkeitsstatus kein Problem, denn, s.o., Gegner, und in der Praxis wird der Zugang leichter sowie die Qualität gesichert und standardisiert (wie bei Heilkräter-Präparaten). Und es herrscht Zuversicht über die positiven Ergebnisse.

    Das wäre sogar sauberer als diese immer neu ideologisch missbrauchbare Grauzone mit dem Schwangerschaftsabbruch, vgl. $219 StGB kürzlich.

    Bürgerschaft eines EU-Mitgliedslandes wäre sogar besser als nur Deutsche, aber natürlich nur auf Antrag (dies ist Deutschland — wir haben einen Ruf zu wahren!).

    Übrigens bekämen wir einen kleinen Wirtschaftsschub durch den zu erwartenden Kifftourismus aus dem Schengenraum, von Personentransport über Gastronomie bis zu spezialisierten Pauschaltrips, äh, …Reisen.

    Nur die Holländer werden sauer sein und versuchen, uns bei der EU zu verklagen. Vielleicht sollten wir das im Joint Venture mit ihnen machen. Und mit Portugal — das hat schon gute Vorerfahrungen, und ein Partner am anderen Ende der EU senkt auch die durch das Reisen (der Spanier und Westfranzosen) entstehenden CO2-Emissionen.

    >Regierungskoalition Ihres Vertrauens

    Da hapert es am Vertrauen, und v.a. exponiere ich mich ungern. Deshalb auch nur Pseudonym hier.

  37. > Viel länger galt Alkohol als Nahrungsmittel, das in der Fastenzeit sogar den praktischen Vorteil hatte, Flüssignahrung zu sein.

    Unsere abendländische Kultur wurde unter viel Alkoholeinfluss vorangetrieben. Schlechte Quelle auf die Schnelle (letzte Absätze):
    https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/bp_2016/europa_im_mittelalter/kloster-froemmigkeit/zisterzienserabtei-bebenhausen/AB8a_Askese_oder_Genuss_im_Kloster.pdf

    In den wachsenden Städten der Neuzeit mit ihren unhygienischen Trinkwasserqellen waren leicht alkoholisierte Getränke per Saldo gesünder als das (idR, man wusste noch nichts von Krankheitserregern) nicht abgekochte Wasser.

    So, ich geh jetzt Bier holen. Schönen Abend allerseits!

  38. @Wort: Niederlande & Alkohol

    Nun ja, die Coffee-Shops hier sind in der Bevölkerung nicht unumstritten. Wegen der zu erwartenden Kundschaft, die nicht gerade dem Idealbild des Bürgertums entspricht, will die niemand in der Nähe haben.

    Ehrlicherweise muss man zudem einräumen, dass Touristen bei Läden in Grenznähe oder in Ballungsräumen wie Amsterdam auch Probleme verursachen, weil sie sich daneben benehmen. Deshalb dürfen mancherorts nur Ortsansässige einkaufen. (Deshalb hat jemand die Niederlande tatsächlich vor dem EuGH verklagt, wird auch im Bundestagsgutachten zitiert, jedoch verloren, weil der Gleichbehandlungsgrundsatz von EU-Bürgern bei verbotenen Substanzen nicht gilt.)

    Und ja, Brunnenwasser war früher gefährlich. Wer es sich leisten konnte, trank besser (verdünnten) Bier oder Wein, auch Kinder. Wenn das die Holzherren wüssten… Nur den Armen oder Asketen blieb nichts anderes übrig, als das potenziell krankmachende Wasser zu trinken.

  39. Bei allem Pragmatismus,
    es geht bei Verbot oder Nichtverbot auch um das Staatsverständnis.
    Wieviel Rechte darf/soll ein Staat verkörpern.
    etwas einfacher formuliert, soll der Bürger nach der Polizei rufen oder soll er Probleme jeglicher Art selbst lösen ?
    Die Niederländer sind dabei etwa freiheitsliebender als z.B. die Österreicher.
    Das hängt wiederum mit der landschaft zusammen. Der Niederländer schaut auf das freie Meer, der Österreicher ist gefangen in seinem Tale. Die Landschaft prägt den Menschen. Schon deshalb kann es keine allgemeingültige Lösung bei der Handhabung von umstrittenen Substanzen geben.
    Und diese Tatsache wird sich auch nicht von selbst auflösen, sie wird immer neu aufleben.

  40. @fauv: Pragmatismus

    Ja – aber auch ein “es ist uns egal”-Pragmatismus oder dass man dachte, es kostet mehr Mühe als dass es nutzt. Jetzt zeigt sich ja, dass das zu kurz gedacht war, weil man mit der Hintertürproblematik ein großes Schlupfloch für die organisierte Kriminalität ließ.

    Übrigens schrieb ich gerade heute über das (vorerst wohl gescheiterte) Verbot von Lachgas hier in den Niederlanden, das die Regierung schon längst umsetzen wollte. Erst im Juli kam der wichtige Staatsrat zum Ergebnis, dass das – wegen der Anwendungen in u.a. Medizin und Nahrungsmitteltechnologie – sehr komplex wäre und es wohl an personellen Ressourcen fehlen würde, so etwas durchzusetzen.

    Stattdessen müssen die Städte und Gemeinden jetzt selbst Zonen definieren, in denen sie das verbieten, wegen des Abfalls und Lärmbelästigung. Man kann halt, anders als viele Holzherren es sich wünschen, ungewünschtes Verhalten nicht einfach wie auf einer Menükarte verbieten.

  41. @Schleim / fauv / holzherr

    Mein Eindruck scheint sich zu bestätigen,dass diejenigen,die Drogen bevorzugen die Methode des ‘Hinterfragens’ beherrschen.

    Holzherr und Konsorten hinterfragt sich nicht und zählt sich zur ‘Elite’.

    Das ist der Grund,warum ich ein zwiespältiges Verhältnis zur Dunklen Triade habe,die letztendlich Gesellschaften bestimmt und führt.

  42. Es gab 2008 zur Finanzkrise schon mal die Diskussion,das Narzismus das Übel – der Ökonomie – ist.

    Aus jetziger Sicht kann ich dem nur wiederholt zustimmen.

  43. Mussi,
    jetzt wird es spannend, die Dunkle Triade.
    Führungspersönlichkeiten gehören nicht zwangsläufig diesem Menschentypus an.
    Willy Brandt z.B. hatte Grundsätze und Realitätssinn gleichermaßen.

    Unserem Blogmaster hier wollen Sie doch nicht unterstellen, dass er dunkle Triebe hätte. Und trotzdem hat er eine “führende” Position im Leben erreicht.

    Und die Gesellschaft selbst, die huldigt nicht nur diesen Egomanen, sie zeigt Gefühle wie jetzt bei der Beerdigung der englischen Königin.

    Stephan Schleim
    mit der Hintertürproblematik kommen wir zur Lösung . die richtig einzuschätzen ist eine Mischung aus Moral und Realitätssinn. Ich wünschen Ihnen Erfolg bei ihrem Bestreben !

  44. Ich meine, nicht die „Drogen an sich“ sind das Problem, sondern die Idee des „Drogenhandels“.

    Drogen und Alkohol waren und sind zweifellos auch nützlich.

    Das Problem ist, die hinter den Drogen stehende „Geschäftsidee“ des womöglich „freien Drogenhandels“.

    Man manipuliert „sich“ einfach Kunden, macht sie süchtig und zockt sie danach ab. Wegen des Risikos wird diese Abzocke noch erfolgreicher, wenn Drogenhandel verboten ist.

    Dieser „Mechanismus“ ist extrem einfach. Man braucht keine Ausbildung, kaum Sprachkenntnisse, jeder „dahergelaufene“ kann diesen „Job“ sofort ausüben und man kann auch noch schnell reich werden.

    Gleichzeitig könnte damit praktisch jeder schnellstens, womöglich auch noch zusätzlich aus politischen Gründen, die Gesellschaft ruinieren. Z.B. ehemals China, das zu einer riesigen Opiumspelunke verkam. Möglicherweise ist Amerika heutzutage auf ähnlichem Weg.

    Ich stelle die Frage in die Runde, wie anders, als es Herr Holzmann vorschlägt, soll man diese Entwicklung realistisch einbremsen?

  45. @ Mussi 14.09.2022, 22:21 Uhr

    Zitat: „Das ist der Grund,warum ich ein zwiespältiges Verhältnis zur Dunklen Triade habe,die letztendlich Gesellschaften bestimmt und führt.“

    Die Gesellschaft wird in so manche Staaten von „Hampelmännern/Frauen“ geführt, die zu tun und unterlassen haben was „Regisseure“ im Hintergrund so aushecken.

    Praktischer Weise haben sie in der Ukraine gleich einen Schauspieler als Häuptling eingesetzt, der ist es gewohnt auf die „Regisseure“ zu hören….

    Über die Medien erzeugen sie Druck und die „Hampelmänner“ müssen nach ihrer Pfeife tanzen, sonst fallen sie in Ungnade und verschwinden wieder im Untergrund….

  46. Realo
    Fentanyl spielt in den USA eine ähnliche Rolle wie das Glyphosat in Deutschland. Sie sind sehr wirksam , frei erhältlich, preisgünstig und ihre dramatischen Nebenwirkungen sind bekannt.
    Trotzdem scheint die Gesellschaft hilflos diesem Phänomen ausgesetzt.
    Wie kann man dagegen vorgehen ?
    Beim Glyphosat war es die Regierung selbst, die wahrscheinlich Bayer unterstützen wollte.
    Bei Fentanyl ist es das Recht auf ein schmerzfreies Leben.

    Die Opiodkrise in den USA wird wahrscheinlich nur beendet werden können, wenn sich ein Ersatzmedikment finden lässt .
    Beim Glyphosat ist es ähnlich. Es erspart dem Bauer einen Arbeitsgang und wenn man Glyphosat verbietet, werden die Lebensmittelpreise in Deutschland zusätzlich steigen

  47. @Realo: Lösung

    Ich denke, man sollte weniger schädliche Substanzen legalisieren, ähnlich wie Alkohol, und darüber hinaus Prävention anbieten.

    Die beste Prävention wäre freilich, Leute nicht in Umständen erheblicher Armut und mit einem großen Mangel an Chancengleichheit zu lassen, wo sich zudem auch öffentliche Einrichtungen zurückgezogen haben und Kriminelle diese Aufgaben übernehmen.

    Davon abgesehen kann man Traumata und so weiter, die manche auch mit Substanzkonsum kompensieren, natürlich nicht ganz gesellschaftlich verhindern, schon gar nicht “verbieten”. Man könnte aber dafür sorgen, die Probleme jedenfalls nicht zu vergrößern, indem man die Betroffenen etwa doppelt stigmatisiert (nämlich erst als Traumatisierten und dann als Drogenabhängigen).

    Leute wie “Holzmann”, nette Variante, kriegen es halt nicht in ihr Weltbild integriert, dass nicht alle Menschen mit fairen, geschweige denn gleichen Chancen aufwachsen.

    Eine gerechtere Gesellschaft würde wohl nicht nur denjenigen gut tun, die abgehängt werden und das mit Psychostimulanzien kompensieren, sondern auch denjenigen, die sich vor lauter Überfluss langweilen und darum zur Abwechselung Rauschmittel nehmen.

  48. @fauv, Holzherr: Fentanyl & Co.

    Ist das nicht vor allem eine Epidemie der Abgehängten? Vielleicht trifft es die USA so hart, weil es eben eine asozialere Gesellschaft ist? In der jeder sich selbst der nächste ist und man schon bei kleineren Fehltritten schnell ins Gefängnis kommt.

  49. Mona
    der Zusammenhang von Strafe und Drogentoten ist nicht valide.
    Man kann konstruiren, dass wenn Drogenkonsum toleriert wird, der Abhängige seinen Arbeitsplatz behält . wird er dagegen bestraft, verliert er seinen Arbeitsplatz und muss ich über Beschaffungskriminalität seinen Unterhalt verdienen.
    Meine Meinung, bei der Kriminalisierung von Drogenkonsum ist es wie bei der Kriminalisierung von Jugendlichen . Man muss da einen Zwischenweg finden, der paktikabel ist, der die Polizei nicht überfordert, Zustimmung bei der Gesellschaft findet und dabei “menschlich” bleibt.

  50. Wie dem auch sei: Worin genau die Straftat beim Drogenbesitz – ich konsumiere selbst übrigens nichts Verbotenes – bestehen soll, ist mir nach wie vor unklar. [Dr. Stephan Schleim]

    Sog. Drogen dürfen in Besitz und Anwendung verboten werden, auch im Rechtsstaat, wenn, der zu erwartende Schaden diesees Nutzens gesellschaftsgefährdend sein könnte.

  51. @ fauv 15.09.2022, 15:33 Uhr

    Zitat: “Man kann konstruieren, dass wenn Drogenkonsum toleriert wird, der Abhängige seinen Arbeitsplatz behält . Wird er dagegen bestraft, verliert er seinen Arbeitsplatz und muss sich über Beschaffungskriminalität seinen Unterhalt verdienen.“

    Der Arbeitsplatzverlust und die Beschädigung für das künftige Leben in (unserer) Gesellschaft könnte auch der Hauptgrund dafür sein, dass „Zugewanderte“ bei den Drogendelikten überrepräsentiert sind. Einerseits haben sie weniger Chancen auf einen „guten“ Job, andererseits ziehen sie einfach weiter wenn es brenzlig wird.

    Früher blieb einen Vorbestraften bei uns oft nur die Fremdenlegion….

  52. @Mona // 15.09.2022, 15:05 Uhr

    »Man muss gar nicht nach Amerika zu schauen. Bayern hat Deutschlands strengste Drogenpolitik, aber auch die meisten Drogentoten.«

    Interessant! Dann ist es wohl kein Zufall, dass ausgerechnet ein CSU-Politiker (Stephan Pilsinger) das Gutachten beim Wissenschaftlichen Dienst bestellt hat—obwohl die internationale Rechtslage allen Beteiligten durchaus bekannt ist. Wenn man Carmen Wegge (SPD) glauben darf… 😉

    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2022-09/cannabis-legalisierung-eu-recht-ampel-koalition/komplettansicht

  53. @ Stephan Schleim 15.09.2022, 11:40 Uhr

    Das Problem mit den ungleichen Chancen ist vermutlich unlösbar, weil es einfach zu viele gibt die „steuern“ wollen und zu wenige die „rudern“ wollen.

    Ich habe früher beobachtet, dass sowohl den Kirchen als auch sozialistischen Parteien die Solidarität und der würdevolle Umgang mit „ärmeren Menschen“ wichtig war.

    Die Betroffenen haben gemeint, dass sie sich dafür “nichts kaufen können“.

    Ich meine halt, dass die Tafeln und Gutscheinsysteme die Situation zumindest stark mildern könnten.

    Vermutlich geht “Holzmann”, von auch so etwas wie „Schicksal“ aus, worauf man grundsätzlich nur sehr wenig Einfluss nehmen kann.

    Auch ein Milliardärstöchterchen kann schwer krank sein und das muss nicht zwingend an „chronischer Fadesse“ liegen….

  54. @ Stephan Schleim 15.09.2022, 11:41 Uhr

    Zitat: “Ist das nicht vor allem eine Epidemie der Abgehängten? Vielleicht trifft es die USA so hart, weil es eben eine asozialere Gesellschaft ist? In der jeder sich selbst der nächste ist und man schon bei kleineren Fehltritten schnell ins Gefängnis kommt.“

    Für Amerika sehe ich es wie Sie. Die Amerikaner machen sogar mit ihren Gefängnissen Geschäfte.

    Ich kann nicht beurteilen ob es repräsentativ ist, aber bei uns haben zumindest scheinbar intakte Familien Kinder an die Drogen verloren. In einer Familie ist die Drogensucht eines Sohnes erst aufgeflogen, weil der Fernseher plötzlich weg war….

  55. @fauv

    Zu Beginn und im Anfang meines Berufslebens hatte ich Umstände,die mir es durchaus erlaubt hätten, Teil der Spitzenelite zu sein.

    Ich habe mir heute auf ‘oure world in data’ nochmal die wesentlichen Fakten zur globalen Demographie und Lebensumständen zur Gemüte geführt. Ich hatte einen depressiven Nachmittag.

    Das anfertigen von Psychgrammen ist Standard. Welches Psychogramm müssen die Vorstände der fossilen Industrie haben,die firmeneigene wissenschaftliche Studien zum Klimawandel anfertigen lassen und ihn bestätigen,dann aber alles verleugnen?

    Das ist für mich die Definition von Dummheit.

  56. @ fauv – Skrupellosigkeit

    Skrupel ist auch so ein Begriff mit Bedeutung,der mir völlig aus der Kommunikation und im Sein gestrichen zu sein scheint. Er hängt mit Gewissen zusammen und politische, sowie generell, sollten Entscheidungen mit besten Wissen und Gewissen getroffen werden.

    Nichts,aber auch fast gar nichts, finde ich im sogenannten Neoliberalismus und der Tendenz zum Autokratismus wieder.

  57. @ Mussi 15.09.2022, 20:14 Uhr

    Ich meine, die „Spitzenelite“ (im Technikbereich) hat eine weitgehend emotionsfreie, rationale Sicht auf die Angelegenheiten für die sie verantwortlich ist.

    Sie lassen aus Planungsgründen verschiedene wissenschaftliche Studien aus den unterschiedlichsten „Blickwinkeln“ anfertigen. Allein schon deswegen, weil es in unserem politischen System grundsätzlich unterschiedliche Sichtweisen und Bewertungen gibt, die oft völlig gegensätzlich sind.

    Letztlich kommt es darauf an, welche von den immens vielen (oft auch noch unsicheren) Parametern die in die Berechnungen eingehen, sie auswählen lassen.

    Die Entscheidungsträger müssen auf die meisten Sichtweisen „vorbereitet“ sein, um sich bei den Diskussionen für die Position die man von ihnen erwartet durchsetzen zu können.

    Dass sich das Klima z.B. in den letzten 2000 Jahren abwechselnd in beide möglichen Richtungen entwickelt hat, kann man vermutlich auch an der Ausdehnung und am zurückgehen der Gletscher festmachen.

    Jedenfalls dürften sich die von der Pandemie erzwungenen Einschränkungen z.B 80% weniger Flugverkehr, weniger Schiffs- und LKW Transporte, stillgelegte Industrien, kaum Urlaubsreisen, Homeoffice,…. praktisch nicht messbar auf das Klima ausgewirkt haben.

    Andererseits hätten die Einschränkungen, wären sie nicht nur temporär sondern dauernd, die Wirtschaft, die Gesellschaft in den Ruin getrieben.

    Panikmache hilft überhaupt nichts, „rationale Denke“ ist angebracht.

  58. @HassanX: Schutz der Gemeinschaft

    Okay, verbieten wir also Messer, Fahrzeuge…

    …aber auch Dachziegel, die jemandem auf den Kopf fallen können, oder Bananen, auf deren Schalen jemand ausrutschen kann…

    …wir müssten eigentlich Körper insgesamt verbieten, denn ich könnte auf jemanden fallen oder jemand stolpert über mich…

    …oder verbieten wir die Verbote, weil sie nachweislich Menschenleben kosten?

    Und das wird ein Spaß mit all den Blockwärten, die die Verbote kontrollieren. Doch nein, die haben wir ja auch schon verboten!

  59. @fauv & Realo: Droge & Arbeit

    Schon einmal darüber nachgedacht, dass die meisten Drogenkonsumenten überhaupt erst aufgrund ihres Substanzkonsums so lange am Arbeitsplatz funktionieren?

    Ich erinnere mich noch gut an den Sportlehrer, der auf dem Weg zum Sportplatz gerne einen “Kurzen” heruntergeschüttet hat.

    Bis zur Pension wird er damit wohl durchgekommen sein. Die rote Nase ließ aber nicht unbedingt darauf schließen, dass er seinen Ruhestand noch lange genießen konnte.

    Allgemeiner: Wenn Menschen auf Drogen gut funktionieren, wie das bei den allermeisten Konsumenten der Fall ist, dann schaut man gerne weg; wenn es dann aber irgendwann zum Crash kommt, dann ist auf einmal die böse, böse Droge schuld!

  60. P.S. Ich fand gerade das Buch David Nutts im Briefkasten. Auf einer Tabelle spricht er von einer Million Kokain-Nutzer im Vereinigten Königreich. Irgendwo muss die Ware über Rotterdam ja irgendwo landen.

    Also alles Drogenkriminelle? Oder vielleicht doch eher Banker, Versicherungsvertreter, Parlamentsabgeordnete……?*

    Nutt, D. J. (2020). Drugs – Without the Hot Air: Minimizing the harms of legal and illegal drugs. Cambridge: UIT Cambridge.

    * Die Münchner Polizei dürfen wir in der Aufzählung nicht vergessen; das ist ja aber das gute alte Deutschland.

  61. @Realo: Chancengerechtigkeit

    Wieso? Z.B. mit Rawls “Schleier des Nichtwissens” gibt es doch seit Jahrzehnten ein praktikables Modell.

    In der Praxis baut man aber halt Institutionen, die den Aufstieg der Unterschicht gerade verhindern. (Und man nennt sie: “Schule”.)

    P.S. Zu den Tafeln bitte Stefan Selke lesen; kurz gesagt, sind auch diese ein Instrument, das nachweislich Armut verstetigt – und die Betroffenen nicht gerade emanzipiert. (engl. empowerment)

  62. @Realo: Familie & Sucht

    Das sind ja Verhältnisse, wenn die Familie das gar nicht mitbekommt – oder fällt der Drogenkonsum vielleicht einfach nicht so stark auf?

    Und der Fernseher, na ja… Wären die Substanzen anders verfügbar, hätte er dafür wohl nicht den familiären Fernseher verkaufen müssen. (Ernsthaft: Drogenprobleme sind immer auch Probleme des Systems, in dem der Drogenkonsum stattfindet.)

  63. @ Mussi 15.09.2022, 23:15 Uhr

    Zitat: „herje realo
    was wollen Sie aussagen?“

    Das ist ganz einfach: Man sollte nicht daran glauben, dass hoch komplexe Systemen, (wie z.B. Klima, gesellschaftliche Prozesse, ….) sicher berechenbar sind.

    Allenfalls bekommt man vage statistische Aussagen.

    Letztlich rechnet sich jeder seine eigene Sicht „schön“.

  64. @ Stephan Schleim 15.09.2022, 23:35 Uhr

    2 Zufällige Beispiele zur „Chancengerechtigkeit“.

    Vater: Polizeibeamter. Mutter: Köchin. Intakte Familie. 3 Töchter. 2 Akademikerinnen, 1 Dipl. Krankenschwester (mit „passendem“ Job).

    Die Akademikerinnen hätten früher Berufe mit höchstem Sozialprestige eingenommen (Studienrätin an einem Gymnasium, Forstdirektorin eines landwirtschaftlichen Großbetriebes.)

    Die eine sitzt an einer Supermarktkasse, die andere lebt von gelegentlichen Forschungsaufträgen zur Waldbewirtschaftung im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung.
    Erstere hat zusätzlich eine Sprachausbildung als Dolmetscherin, hat aber gegen mehrsprachig aufgewachsene Mitbewerber keine Chance.

    So ähnliche Beispiele gibt es zumindest „zahlreich“. Es werden einfach mehr „Ruderer“ gebraucht als „Steuerleute“….

    Ich meine, wir haben alle, auch wegen des billigen Russen Gas, recht gut und auch noch im Frieden gelebt.

    Das dürfte so manchen „Kapitalisten“ nicht gepasst haben…..

  65. @Realo: Chancen & Gerechtigkeit

    Es ist immer schwer, aus solchen Einzelfällen allgemeine Erkenntnis abzuleiten.

    Es herrscht doch fast überall Lehrermangel. Darum erschließt es sich mir nicht, warum jemand mit der geeigneten Qualifikation nicht Studienrätin werden kann. War man vielleicht zu sehr an einen bestimmten Ort gebunden und konnte/wollte man sich darum nicht anderswo bewerben?

    Und die wissenschaftliche Welt lässt in mir nun, traurig aber wahr, weder die Stichwörter “Chancen” noch “Gerechtigkeit” aufkommen. Man braucht 1) ein heißes Thema und 2) die richtigen Kontakte. “Klimawandel” könnte ja nun heißer kaum sein! War man auch hier nicht bereit, sich anderswo zu bewerben, zur Not im Ausland?

    Nebenbei: Ich hätte in Deutschland bis auf Weiteres wohl auch nur mit Projektstellen als Postdoc zu tun gehabt, wäre also wohl kein Großverdiener geworden. Mit meinem interdisziplinären Interessenspektrum wäre das Finden eines (disziplinären) Lehrstuhls sehr schwierig geworden. Also habe ich mich auch im Ausland umgeschaut.

  66. @HassanX: Vom Bundestag

    Aus dem verlinkten Artikel auf Zeit.de (danke) und den Worten einer Bundestagsabgeordneten:

    Eine Entkriminalisierung ist das Mindeste. Viele Menschen müssen Strafen zahlen, weil sie Cannabis dabeihaben, einige sind auch traumatisiert von Wohnungsdurchsuchungen. Dabei schaden sie mit Cannabiskonsum nicht der Gesellschaft, sondern höchstens sich selbst. Die Entkriminalisierung ist unabdingbar.

    Das fällt mir leider immer öfter auf: Drogenhasser, die Substanzen aus ideologischen Gründen ablehnen, sehen immer nur die Fakten, die in ihr eigenes Weltbild passen; das größere und zutreffendere Bild haben sie aus den Augen verloren.

  67. @ Stephan Schleim 16.09.2022, 07:53 Uhr

    Eine gewisse Ortsgebundenheit liegt vor. Studienratjobs, mit wesentlich ungünstigeren Pensionsbedingungen als früher gäbe es wieder, aber dafür fühlt sie sich zu alt.

    Die Nähe zur Familie ist ihnen wichtig, obwohl beide im Ausland unterwegs waren.

    So viel Glück wie es meine Nachkriegsgeneration noch hatte, gibt es einfach nicht mehr.

    Der verrückte, vom Westkapitalismus und von den Ukraineoligarchen provozierte Krieg ist der Höhepunkt an kollektiver Dummheit. Kann nicht verstehen, warum der Sozialismus bei diesem verrückten Treiben so willig mitmacht.

    Vermutlich ist der Druck extrem.

  68. @Realo: Gesellschaft

    Wir schweifen jetzt vom Thema ab…

    Wenn man auf den demographischen Wandel blickt, dann dürfte Arbeitslosigkeit erst einmal kein drängendes Problem sein. Das ist aber noch keine Garantie für den Traumjob.

    Und wenn Herr Putin häufiger mal ‘nen Joint geraucht hätte, dann wäre es vielleicht erst gar nicht zum Krieg gekommen. Wie war das noch mit der Friedenspfeife?

  69. Chancengleichheit & Gerechtigkeit

    Ich bin aufgrund meiner Intelligenz aufs Gymnasium gegangen. Nach unserem sozioökonomischen Status hätte ich auf die Hauptschule gemusst. Aufgewachsen in einem Haushalt mit finanziellen Sorgen und mehreren Geschwistern, davon eins behindert, habe ich mir schulisch alles selbst erarbeiten müssen. Ich war die erste in meiner Familie, die aufs Gymnasium ging und einen Hochschulabschluss erworben hat.

    Von Chancenungleichheit kann ich ein Lied singen und muss mir von meiner eigenen Familie anhören, dass ich mit meinem hohen Abschluss doch genauso arbeiten gehen könne wie der Akademikerkindabsolvent und mir eine Wohnung leisten könne, was manches Akademikerkind während des Studiums fest bezahlt bekommt, während ich mein 12 Quadratmeterzimmer in einer beengten Wohngemeinschaft seit mehr als 10 Jahren optimiere, um zurechtzukommen. Aber genau das habe ich mein ganzes Leben lang gelernt: Mit wenig Geld und Platz auskommen zu müssen und auf gar keinen Fall Ungerechtigkeiten in Frage zu stellen.

    Da viele Leute nur auf das Ergebnis schauen und nicht berücksichtigen unter welchen Umständen jemand an das Ergebnis gekommen ist, fühle ich mich komplett verarscht.

    Dann bekommt man noch gesteckt, man solle dankbar dafür sein, dass man überhaupt studieren durfte. Achja, vielen Dank, dass ich überhaupt in diese lieblose Familie geboren wurde, aus der ich dank Bildungssystem fliehen konnte. Und selbst das hat mich traumatisiert!

    Thema Doktorandenstelle: Ich bin krank geworden in diesem Hyperkonkurrenzsystem und seit Jahren arbeitsunfähig. Habe kein Einkommen und kann keins beziehen, weil die Voraussetzungen nicht stimmen. Der nächste Schritt ist Armut – also der Zustand in meiner Familie, der mich u.a. fliehen ließ.

    Also zurück auf Start!

    P.S. Aufgrund persönlicher Inhalte möchte ich nicht unter Klarnamen auftreten.

  70. @ Stephan Schleim 16.09.2022, 10:45 Uhr

    Zitat: „Und wenn Herr Putin häufiger mal ‘nen Joint geraucht hätte, dann wäre es vielleicht erst gar nicht zum Krieg gekommen. Wie war das noch mit der Friedenspfeife?“

    Wenn der “”Westkapitalismus” diesen Aspekt mitbekommt, wird die Cannabis-Legalisierung bald durchgewinkt werden….

  71. Anonym
    Der Preis für den sozialen Aufstieg kann hoch sein, vorallem wenn man wenig Geld und keine Beziehungen hat.
    Das war aber auch schon in en 60iger Jahren so, man musste sich entscheiden, Schule, Studium, oder Beruf und Heirat.
    Heutzutage ist das noch viel krasser, weil man damals Bafög bekam und auch davon leben konnte. Die Mieten lagen bei einem Zimmer bei 70 DM. Brot 1 DM, Leberwurst 30 Pfennig für 100 g.
    Sogar für ein auto hat es noch gereicht bei 50 Pennig pro Liter Benzin.

    Im Vergleich zu heute haben es die Jugendlichen früher einfacher gehabt.
    Dass Sie einen Doktortitel ins visier genommen hatten, zeigt, dass sie zielstrebig sind.
    Tipp: Wenn sie handwerklich begabt sind, versuchen Sie sich als Hausmeister/in, solche Leute sind tatsächlich gesucht, weil eben einige Hausbesitzer Deutsche bevorzugen.
    Viel Glück !

  72. @fauv
    Danke für Ihre Antwort.

    Der Preis für den sozialen Aufstieg kann hoch sein, vorallem wenn man wenig Geld und keine Beziehungen hat.

    Das spüre ich gerade deutlich und vor allem gesundheitlich. Dabei hatte ich früher immer geglaubt, Intelligenz, Bildung und erworbenes Wissen wird sich später auszahlen und dabei strebe ich kein Großverdienertum an. Ich habe ein MINT-Fach aus intrinsischer Motivation studiert und bin Forschungstyp. Davor habe ich eine Berufsausbildung als Jahrgangsbester absolviert. Ich habe sehr gute Abschlüsse erworben und in meinem Studiengang inkl. Nebenfach eine anspruchsvolle Kombi gewählt.

    Leider musste ich im Leben feststellen, dass die berufliche Laufbahn mehr von Glück und Zufall abhängt als von Können! Ich war schon immer zielstrebig und am Lernen interessiert, bzw. sehr wissbegierig. Ich habe einen Doktortitel ins Visier genommen, leider war ich im falschen Umfeld, wo es nur um Veröffentlichen von Sachen ging, die sich gut verkaufen lassen.

    Erkenntnisgewinn – nope! So wie Doktortitel mittlerweile regelrecht am Fließband generiert werden – siehe vorallem Medizin und weil schlechte Ergebnisse in Schubladen landen, möchte ich bei diesem Wettbewerb nicht mitmachen, aber forschen dürfen. Das muss man sich leisten können.

    Deshalb beschäftige ich mich zur Zeit ohne irgendeine Vergütung dafür zu bekommen, selbst motiviert mit Forschungsthemen, die meinem Kernfach entstammen. Traurig, aber wahr muss ich feststellen, dass ich mir finanziell damit schädige.

    Interessant, was Sie von DM Zeiten schreiben. Die hohen Mieten sind heutzutage ein großes Problem.

    Vielen Dank für Ihren Tipp. Ich bin tatsächlich handwerklich begabt von Metallverarbeitung bis Nähen/Stricken.

  73. @Anonym (Hallo S.!) & fauv: Thema

    Gerne erinnere ich daran, dass es hier um die Cannabislegalisierung ging, nicht um Chancengerechtigkeit.

    P.S. Und allgemein gilt: Beim Vergleich von Summen über so lange Zeit muss man schon auch Inflation & Lohnentwicklung mitberücksichtigen. Ich habe gerade einmal verglichen: Für die (Sozial-) Wohnung in einer Arbeitersiedlung in Wiesbaden, wo ich in den späten 1990ern wohnte, zahlt man für 40qm nun EUR 400 statt DM 400. Dafür wurde die inzwischen aber auch saniert.

  74. Anonym,
    Das hört sich alles optimistisch an. Sie können ja zweigleisig fahren. Halbtags ein handwerklicher Job, und den Rest mit eigenen Forschungen verbringen.

  75. Hallo Herr Schleim,
    Ihnen geht es doch um Menschen, und wenn sich die Gelegenheit bietet, Hilfe anzubieten, dann muss man sie wahrnehmen. Wir wollen ihren blog nicht sabotieren.

    Schon in Ordnung. Ich habe die gute Absicht hinter Ihren Worten nicht übersehen. Sie kennen aber nicht die Geschichte hinter “Anonym”. Es war vor allem als Hinweis für den weiteren Verlauf der Diskussion gedacht. Danke. S. Schleim

  76. Interessanter Dunning Krueger Effekt, der in den Kommentaren Auftritt. Idealistische Lösungen für Hochkomplexe Probleme die nachweislich nicht funktionieren… Naja egal…
    Interessanter wäre es vlt das Modell Spanien zu diskutieren, dort ist es quasi legal, die Qualität bzw. Reinheit des Produkts gegeben usw.
    Da bleibt zwar dann das “Coffeeshopproblem” bestehen, aber darum geht es doch eigentlich. Republikaner wie CDU/CSUler als letzte Bastion von Law und Order brauchen eine Klasse auf die herabgeschaut werden kann, in die man selbst absteigen kann, wenn man seine illusionäre Kontrollsucht aufgibt.
    Gesellschaftlich gesehen wäre das natürlich dämlich, weswegen die Chancen bestimmt gut stehen…

  77. @Soeder: Cannabis in Spanien

    Danke für den Hinweis. Die Details der “spanischen Lösung” sind mir bisher nicht bekannt, werde ich mir aber gelegentlich anschauen.

    P.S. Anderen ihr Überlegenheitsgefühl und Herabschauen vorzuwerfen, dann aber selbst mit dem DKE zu kommen, überzeugt mich jetzt aber auch nicht unbedingt.

  78. @fauv:
    Danke für Ihr Feedback. Ich überlege zweigleisig zu fahren. Eine Talentgruppe für den Unterhalt nutzen und die andere für die Forschung. Dann könnte ich mein Potential entfalten. Ich bin dankbar um jede menschliche Hilfe. Vielen Dank.

    P.S. Ich dachte, ich hätte mich an die Blogregeln gehalten, in dem ich mich am Thema der Blogbeiträge orientiert habe (Chancengleichheit & Gerechtigkeit). Gerne nehme ich die Hinweise auf die Rückbesinnung zum Thema Cannabislegalisierung dankbar entgegen. Meine Ziele sind Lernen (auch aus Fehlern), zwischenmenschlichen Kontakt üben und keine Blogsabotage.

  79. Anonym
    meine Erfahrung ist, dass ein Gefühlshoch den Genuss von Wein und Bier überflüssig macht, man braucht einfach kein Bier mehr um sich wohlzufühlen.
    Bei Cannabis kenne ich mich nicht aus. Auch beim Rauchen von Tabak nicht, hat mich nie gereizt.
    Lassen Sie Herrn Schleim an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben !
    (Hoffentlich war das kein falscher Rat, ich kann Herrn Schleim nicht ganz einordnen, der ist mir über ) es wäre aber interessant zu wissen, ob Drogenkonsum auf Frust wächst oder auf einem Gefühlshoch.

  80. @ Anonym 16.09.2022, 13:56 Uhr

    Ihr Beitrag hat mich sehr berührt weil Sie sehr offen über Probleme berichten die eigentlich, selbst wenn es (nach eigentlich willkürlicher Definition) nur rund 2% Hochbegabte gibt, dennoch häufiger sind.

    Ihr Beitrag berührt sehr wohl das Thema, weil Ihre Situation zum Konsum von Medikamenten „verführt“.

    Ich kann zufällig durch Vergleich mit einem höchst intelligenten ehemaligen Kollegen mit ähnlichem Background berichten.

    Er hatte allerdings ein unglaublich starkes, natürliches psychologisches Einfühlungsvermögen und eine große körperliche Stärke. Sein Hobby war Gewichtheben und er entwickelte eine beachtliche Resilienz, was ihm half sein schwieriges Leben zu meistern.

    Seine Frau verstarb früh an Krebs, er musste die Kinder versorgen und hatte auch noch das Pech das er die realen Folgen (Arbeitsplatzverlust) des politisch motivierten „Umsturz von 1989“, vom humanen zum perversen Kapitalismus, voll abbekam. Kraft seiner überragenden Intelligenz, seines Willens, seiner immensen Stärke und Resilienz meisterte er die Probleme.

    Ich meine, psychologische Kenntnisse kann man erwerben, ich als „naiver“ Technik Student, habe sie ehemals von meinen Kumpels (Psychologiestudenten) in einer ehemaligen 68er WG vermittelt bekommen. Man konnte bei den Nächte langen Diskussionen auch gut trainieren sich einen „dicken Panzer“ und ein „großes Maul“ zuzulegen. Eine humanitäre Gesinnung kann man trotzdem haben….

  81. @fauv:
    Ich habe ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass ein Gefühlshoch Alkohol überflüssig macht. Bevor ich aus dem Doktorandenstudium ausstieg, trank ich leider für mich bedenkliche Mengen Alkohol (halbe Flasche Wein) mehrmals pro Woche um den Stress auszuhalten. Heute feiere ich alkoholfrei.

    Cannabis konsumiere ich nicht. Es ist nicht meine Droge. Am Cannabis interessierte mich nur der angstlösende Inhaltsstoff, ich brauche nicht mehr Paranoia. Die habe ich schon genug im Leben gehabt.

    Cannabis sollte legalisiert werden. Dann aber bitte mit weniger Gehalt, damit das Psychoserisiko sinkt. Bin für Aufklärung über Drogen und da gehört dann auch Alkohol zu. Bald ist wieder das größte Drogenfestival in D – Oktoberfest! Wieder Gewalt, Sexismus und Gesundheitsschädigung.

    Lassen Sie Herrn Schleim an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben !

    Ich habe Angst vor ihm. Er ist mir argumentativ überlegen…

  82. @Realo:
    Vielen Dank für Ihr Feedback. An welche Medikamente haben Sie dabei gedacht? Ich bin nicht alleine mit meinen Problemen, das hilft. Ich werde einen Weg finden, mein Leben zu meistern.

    Hut ab, was Sie über Ihren Kollegen schreiben. Ich halte keinen weiteren Todesfall mehr aus. Es gab genug in meiner Familie. Sehr beeindruckend, wie Ihr Kollege das geschafft hat. Wow.

    Man konnte bei den Nächte langen Diskussionen auch gut trainieren sich einen „dicken Panzer“ und ein „großes Maul“ zuzulegen. Eine humanitäre Gesinnung kann man trotzdem haben….

    Diese Trainingsorte fehlen mir tatsächlich. Mir wurde oft nachgesagt ich sei sensibel. Tut mir leid, mir sind Alltagsgeräusche schon zu laut und ich erspüre Stress und Spannungen, vor allem zwischenmenschliche.

  83. @ Anonym 16.09.2022, 17:00 Uhr

    Mir ist auch aufgefallen, dass Sie sehr sensibel sind.

    Ich habe schon befürchtet, dass ich Sie mit dem Beispiel des „sehr starken Kollegen“ überfordern könnte.

    Vielleicht könnte Ihnen ein erfahrener Psychotherapeut behilflich sein eine passende Selbsthilfegruppe zu finden, wobei sich Menschen gegenseitig helfen ihre Probleme zu überwinden.

    Vielleicht hilf es auch, zu versuchen viel Verständnis für die Mitmenschen zu haben und sich sozusagen „mit zu freuen“, wenn sich „andere freuen“ um die übertriebene Sensibilität zu überwinden. Auch wenn Sie das „Oktoberfest“ kritisch sehen, man muss ja nicht hingehen….

    Es gibt auch Sendungen im Fernsehen die letztlich wie Medikamente gegen Depressionen wirken, wenn man sich bemüht diese zu genießen, auch wenn diese Sendungen recht „deftig“ scheinen und am Anfang gewöhnungsbedürftig sind. Z.B. „Schlagerspass mit Andy Borg“ – im SWR, oder die Musiksendungen im MDR am Freitag abends. Oder Reise – Landschaftssendungen wie „Wunderschön“….

    Ich wünsche Ihnen alles Gute.

  84. @ Realo:

    Danke für Ihre Anteilnahme. Mir war nicht klar, dass man Sensibilität anhand meiner Beiträge herauslesen kann.

    Wartezeit für Psychotherapie liegt bei einem Jahr. Für mich kommt nur eine durch eine qualifizierte Fachkraft moderierte Selbsthilfegruppe in Betracht.

    Schematherapeuten gibt es in meiner Region nicht. Also studiere ich selbst „Andere Wege gehen – Lebensmuster verstehen und verändern“.

    Sie nennen meine Sensibilität übertrieben. Sie hat aber mit extremer Schreckhaftigkeit, Geräuschempfindlichkeit, Reizüberflutung etc. zu tun, was ich nicht steuern kann. Es ist nicht böse gemeint, aber warum soll sich ein sensibler Mensch an seine laute Umgebung anpassen? Warum gestaltet man nicht eine reizarme Lern- und Arbeitsumgebung?

    Zurück zum Thema: Drogen werden meiner Meinung nach aus verschiedenen Anlässen konsumiert. Alkohol enthemmt, macht geselliger, aber unter Umständen auch aggressiv, möglicherweise wird der Sexualtrieb gesteigert. Schattenseite: Alkohol macht abhängig. Es ist ein Suchtmittel.
    Cannabis kann meines Wissens nicht körperlich abhängig machen, aber das Psychoserisiko erhöhen. Außerdem können Gedächtnisprobleme auftreten. Es soll entspannen. Es sollten nur Erwachsene konsumieren. Jugendliche haben noch kein ausgereiftes Gehirn.

    Ich behaupte: Alkohol ist die Droge um im Arbeitsleben zu funktionieren. Cannabis eher eine um zu entschleunigen. Vielleicht wird deshalb Cannabis nicht legalisiert. Was sagt die Fachwelt dazu?

    P.S. Sorry für den hohen Anteil an persönlichen Themen 🙁

  85. Anonym,
    Sozialarbeiter rauchen, wenn sie im Stress sind.
    Trinken spielt im Arbeitsleben eine geringere Rolle, weil man den Versicherungsschutz verliert.

  86. @fauv:

    Ich kenne einen Sozialarbeiter, der alkoholabhängig war und den Weg aus der Sucht mit Entzugsklinik und Therapie am meistern ist – das ist eine lebenslange Aufgabe. Er schafft das und stellt sich sogar beim Feiern der Sucht.

    Einer meiner besten Freunde steht alkoholabhängig im Arbeitsleben. Als er mich zu einer Party abholte, fiel mir deutlich seine Fahne auf. Ich sprach mit ihm den ganzen Abend über seine Alkoholabhängigkeit, die er zugab. Ich bot Hilfe an, dass ich für ihn in Kliniken anrufen kann. Er lehnte ab. Muss ich das akzeptieren? Welche Verantwortung in welcher Rolle trage ich? Was sind meine Handlungsmöglichkeiten?

    Die Gesellschaft im Übrigen guckt weg und beim Thema Alkohol und Herbst wird mit Freuden auf das Oktoberfest hingearbeitet. Ich bin kein Spielverderber. Aber dieses Fest hat nichts mehr mit Spaß zu tun, sondern mit Gewalt und Vergewaltigungen. Pardon, aber eine Bekannte von mir hat sich gerade ein Dirndl gekauft und bekommt erwartungsgemäß Zuspruch, weil sie sich gesellschaftskonform zu diesem Anlass kleidet. Aber nicht von mir. Ich hinterfrage die Kleidung, das Fest, die Drogen auf diesem Fest und am Ende noch die Menschen, die auf dieses Fest gehen.

    Wie sähe ein Oktoberfest mit Bekifften aus? Statt Alkohol saufen, Cannabistörtchen essen, Graspfeifchen rauchen, etc.

  87. @Anonym (Zitat): “ Die Gesellschaft im Übrigen guckt weg und beim Thema Alkohol und Herbst wird mit Freuden auf das Oktoberfest hingearbeitet.“

    Stimmt tendenziell, ist aber übertrieben, denn heute wird in Europa bereits sehr viel weniger getrunken als vor 30 Jahren.

    Für mich geht es bei Fragen nach Rauschmitteln und Sucht eher um eine Frage des Vorgehens und nicht um eine Frage von ja oder nein, denn ich bin der festen Überzeugung, dass weniger Rausch- und Suchtmittel und weniger Medikamente konsumiert werden sollten. Doch wie gesagt: es ist eine Frage wie man das erreicht. Das Oktoberfest „canceln“ ist für mich nicht der richtige Weg. Auch ein Alkoholverbot wie bei den Moslems kommt für mich nicht in Frage.

    Fazit: Drogen werden schon lange in fast allen Kulturen konsumiert. Hier im Westen werden heute weniger als früher konsumiert. Andererseits gibt es hier eine Tendenz zur Polytoxikomanie. Das heisst: nicht wenige schlucken und paffen heute alles mögliche: von stimmungsaufhellenden Medikamenten über den Feierabendtrink bis zu Partydrogen. Es geht diesen Leuten teilweise um die chemische Affekt- und Gefühlsregulierung und teilweise darum ihr sinnloses Leben zu „beleben“/interessanter zu machen.

  88. Martin Holzherr,
    Bei einem Volksfest geht es nicht nur um das Saufen. Es geht um die Stimmung, Zusammenzusitzen, Geselligkeit.
    Trinken ist auch wichtig. Hier könnte man mit Light-Bier die Gefahr der Trunksucht verringern. Es gibt schon gute 2 %ige, die fast genauso gut schmecken wie 5%iges.

    Anonym,
    die Aussichten sind eher schlecht, wenn der Betroffene meint, er könne auch ohne eine Entziehungskur sein Leben meistern. Und selbst dann nicht……
    Wir kannten eine Person, die war in einer Kur und als wir ihn kurz danach wieder trafen, war er betrunken. Nach meiner Einschätzung fehlte ihm eine Bezugsperson, die ihn kontrolliert.
    TiPP: Wenn du dir das zutraust, dann kontrolliere ihn. Es wird ihm dann schwerer fallen rückfällig zu werden.
    Vorallem muss man herausfinden, warum jemand trinkt !

  89. Wer THC freigibt, kann auch anderen Drogen freigeben,
    es wird schön werden.

  90. @fauv: Alkohol im Arbeitsleben

    Das hängt wohl auch von der Tätigkeit ab, oder? Wenn man fährt oder Maschinen bedient, sollte man besser keinen Alkohol verwenden.

    Auf Betriebsfeiern wird Alkohol doch meist sogar aktiv angeboten, weil das zur Tradition gehört – und die Stimmung aufheitert.

    In verschiedenen Sportarten sind geringe Mengen Alkohol (vielleicht bis ca. 0,5 Promille?) nützlich, weil er beruhigt und damit die Konzentration erhöht bzw. Nervosität und Zittern verringert. Deswegen war er lange Zeit auch auf der Anti-Doping Liste, wurde meines Wissens inzwischen aber wieder davon gestrichen.

    Beim Dartspiel war er nie verboten, weil das Mittel bei den Fans so beliebt ist – und die Spieler selbst konnten mit geringen Mengen wohl ihre Hände stabilisieren.

    Mein in Bälde erscheinendes Buch über Substanzkonsum wurde zum Teil unter derartigem Alkoholeinfluss geschrieben. Das Endresultat sollen die Leserinnen und Leser beurteilen.

  91. @Domesticus: Für oder gegen Cannabis?

    Ist das jetzt ein Argument für oder gegen eine Legalisierung?

    Man könnte es auch so formulieren: Wer Alkohol und Zigaretten erlaubt, der sollte auch weniger gefährliche Mittel erlauben.

    Aber eigentlich sollte man es umdrehen: In einem liberalen, demokratischen Rechtsstaat ist nicht die Erlaubnis, sondern das Verbot erklärungsbedürftig. Eine Partei wie die FDP zu haben, ist in diesem Sinne nicht verkehrt; wenn sie nur nicht so neoliberal scheißegal wäre.

    Ich warte seit Wochen (Monaten?) darauf, dass jemand endlich mit einem Argument kommt, wieso der Besitz solcher Substanzen eine Straftat darstellen soll.

  92. @fauv:

    Alkoholsucht sollte in professionelle Hände. Kontrollierende Bezugsperson im Freundeskreis birgt die Gefahr einer Co-Abhängigkeit.

  93. @Stephan Schleim:

    Mein in Bälde erscheinendes Buch über Substanzkonsum wurde zum Teil unter derartigem Alkoholeinfluss geschrieben. Das Endresultat sollen die Leserinnen und Leser beurteilen.

    Das macht mir Angst. Sie als Professor haben eine Vorbildfunktion und ich muss von Ihrem Alkoholkonsum lesen, wo ich doch soeben erst von meinem alkoholabhängigen Freund schrieb.

    Cannabis: Warum ist also Cannabis ein Betäubungsmittel? Weil es die Bewegungsfreiheit einschränken kann und Radtour wie auch Spaziergänge verlängern kann. Das können auch Neuroleptika gegen Psychosen. Also sollte man die besser ebenfalls als Betäubungsmittel auffassen. Das wäre aber nicht so schlau. Wenn es zu einer Cannabislegalisierung und möglicherweise vermehrten Psychosen kommt, dann brauchen wir die Neuroleptika. Hmm?!

    P.S. Ich erkläre Sie mitverantwortlich für meine Sorge.

  94. Stephan Schleim
    …..Besitz strafbar…..
    Die Begründung ist einfach, die Einstellung eines Menschen zu Drogen lässt sich nicht beweisen. Da Foltern verboten ist, nimmt man als Beweis den Besitz.

    Sogar die Benutzung von Dopingmittel lässt sich einen Tag später nicht mehr nachweisen, also nimmt man auch hier den Besitz von Dopingmittel als Beweis.

    Sie haben Recht in dem Punkt, dass Drogenabhängigkeit keine Straftat ist.
    Und jetzt den Besitz zu kriminalisieren, das ist fragwürdig.
    Wenn das positive Recht, so ist, dann muss man diese Tatsache akzeptieren.

  95. @Anonym: Verantwortung

    Bevor man irgendwen für irgendwas verantwortlich machen kann, muss man erst einmal Verantwortung für sein eigenes Verhalten übernehmen und nicht z.B. wochenlang Menschen mit Nachrichten auf verschiedenen Kanälen mit verschiedenen Identitäten und verschiedenen Phantasiegeschichten belästigen, vor allem dann, wenn diese schon x-mal unmissverständlich den Wunsch geäußert haben, in Ruhe gelassen werden zu wollen.

  96. @fauv: Irrtümer

    Ich glaube, dass Sie hier Kategorien verwechseln: Beim Doping im Sport geht es um den Konsum, der sich bei manchen Stoffen über viele Tage (z.B. durch Rückstände im Urin), wenn nicht sogar Wochen (z.B. durch Haarproben) nachweisen lässt. Die Dopingbehörden haben meines Wissens i.d.R. keine Befugnisse zur Durchsuchung Eigentums (z.B. Wohnung).

    Man bestraft in einem modernen Rechtsstaat auch nicht Gesinnungen oder Einstellungen, sondern Taten oder – seltener – Unterlassungen.

  97. Stephan Schleim,
    Zustimmung, der Gesetzgeber tut das nicht, die Gesellschaft tut es.
    Für die gibt es den Alkoholiker , den Kiffer und den Drogensüchtigen.
    Und die sind unzuverlässig , verdächtig und gehören weggesperrt.(in der Meinung der Öffentlichkeit)

  98. Hallo Herr Schleim, hallo zusammen…
    Jetzt habe ich alle nach letzter Zählung 101 Kommentare hier durchgelesen, rund um das Thema ‘Drogenkonsum’ – und musste mal wieder das klassische Muster feststellen, über das ich mich seit vielen Jahren ärgere: alles dreht sich nur um Sucht, Gesundheitsschädigung, negative persönliche und soziale Folgen etc. etc.
    Der übliche Sermon von Leuten, die aus Unkenntnis oder Borniertheit nicht einmal in der Lage sind, die verschiedenen Substanzklassen von ihrer Wirkung her, und von der Intention, sie zu konsumieren, zu differenzieren! Ich beschäftige mich seit mehr als drei Jahrzehnten mit primär psychedelischen Substanzen wie LSD, Psilocybin und DMT, am Rande auch mit entaktogenen wie MDMA und Universalsubstanzen wie Cannabis/THC, und finde es einfach extrem enttäuschend, dass wir nach wie vor nicht in der Lage sind, in solchen Diskussionen diese Substanzen von Alkohol, Koks, Heroin, Meth etc. KONSEQUENT abzugrenzen. Wir leben jetzt seit mehr als zehn Jahren schon in der viel beschworenen ‘psychedelischen Renaissance’, in der die o.g. Psychedelika nach jahrzehntelanger dummer und unsinniger Verbotspolitik und einer notorischen Feigheit auf Seiten der Forschung, hier klar und sachlich Stellung zu beziehen, endlich wieder als Theurapeutika ernst genommen werden. Da sie, Herr Schleim, hier eigentlich auf ‘meiner Seite’ sind würde ich mir wünschen, dass sie sich hier nicht immer so schnell von den uninformierten Miesmachern mit ihrem völlig einseitigen ‘Gefahr, Sucht, Psychose, Tod auf dem Bahnhofsklo’ Klischees vereinnahmen lassen, sondern hier die genannte Differenzierung permanent propagieren und von den Kommentatoren einfordern.

  99. THC-haltiges Produkt sollte verboten bleiben.
    Sicherlich könnte hier eingewandt werden, dass sog.Kulturdrogen, Tabak, Alkohol und vielleicht auch Kaffee, Tee und Fett, Zucker ebenfalls irgendwie wirken.
    Doch ist es so, dass mit THC vergleichsweise direkt auch persönlichkeitsverändernd gemeint ist, bedenken Sie dies gerne.

    Frikkel

    [Wenn Sie meinen, hier immer weiter mit neuen Fake-Identitäten mitdiskutieren zu müssen, kann ich das nicht ändern; das ist mir zu viel Arbeit. Wenn die Diskussion im Forum zu doof wird, wird sie eben beendet bzw. das Forum ganz allgemein geschlossen. S. Schleim]

  100. @Belzagor: Substanzen & Diskussionen

    Erst einmal sind Sie mir als jemand, der sich offenbar gut mit dem Thema auskennt, in der Diskussion sehr willkommen.

    Inwiefern denken Sie, dass ich von Lesern hier in der Diskussion vereinnahmt werde?

    Ich würde mir übrigens auch ein höheres Niveau wünschen – aber habe darauf nur begrenzten Einfluss.

    Ich bin gerade dabei, ein Buch über Substanzkonsum abzuschließen. Zu dem Thema sollten also in der näheren Zukunft (sagen wir ab ca. Anfang 2023) mehr und fundiertere Artikel folgen. Die von Ihnen gewünschte Abgrenzung behalte ich im Hinterkopf. In der Zwischenzeit dürfen Sie hier gerne Ihre Meinung teilen.

    P.S. Mir fällt im Bekanntenkreis, wo einige Personen Psychedelika konsumieren, während ich übrigens selbst keine “illegalen” Substanzen zu mir nehme, eine Abgrenzung gegenüber Alkohol und Tabak auf, auch im moralischen Sinne; das sieht man sogar bei David Nutt. Mit anderen Worten: Man ist zwar gegen die bestehenden Regeln, will dann mit neuen Regeln aber wieder “gute” und “böse” Substanzen voneinander unterscheiden. Sieht so Neutralität aus?

    Lese-Tipps:

    David Nutt (2. Aufl. 2020). Drugs – Without the hot air. Making sense of legal and illegal drugs.
    Suzi Gage (2020). Say Why to Drugs: Everything You Need to Know About the Drugs We Take and Why We Get High

  101. @Stephan Schleim

    > “Inwiefern denken Sie, dass ich von Lesern hier in der Diskussion vereinnahmt werde?”

    Naja … sie geben sich oft Mühe, hier auch noch auf den Bodensatz der hoffnungslosen Fälle an Voreingenommenheit, Ignoranz und Uninformiertheit unter den Kommentatoren einzugehen. Was ich einerseits bewundere – denn in anderen Diskussionsforen herrscht eher das Gegenteil vor, dass es die Artikel-Verfasser nach dem ‘fire-and-forget’ Prinzip in aller Regel gar nicht schert, wieviel Nonsens in den Kommentaren dann auftaucht (solang er wenigstens ‘pc’ und ‘woke’ ist). Aber man kann eben alles übertreiben – ich denke einfach, dass ihre wertvolle Zeit hier etwas ökonomischer eingesetzt werden könnte. Dann kann man sich auch den Furor sparen, wenn mal wieder einer der Clowns zum x-ten Mal ins selbe sinn- und verständnisbefreite Horn gestossen hat.
    Wenn ich an Ihrer Stelle wäre würde ich mir höchstens noch ein Abkürzungs-System für ein gezieltes, aber un-aufwändiges Feedback an die ‘Elite der üblichen Verdächtigen’ überlegen, nach dem altbekannten tldr; Muster, zum Beispiel ‘
    ==zvndaeaw==’; was dann heissen würde: ‘zu verschwurbelt, nicht den Aufwand einer Antwort wert’, oder
    ==issemüdabdt==: ‘informieren sie sich erst mal über die absoluten Basics des Themas’

    😉

    Ist natürlich nur halb ernst gemeint – aber ich denke es hat evtl. auch einen erzieherischen Einfluss, wenn gewisse Leute merken, dass Sie unterhalb eines gewissen Niveaus erst gar nicht antworten. Da scheint mir einfach die Grenze bisher zu niedrig angesetzt zu sein (traue ich mich zu sagen, als jemand, der zum Thema ‘Drogen’ bei einer grossen Online-Publikation in 8 Jahren fast fünftausend Kommentare verfasst und viele ähnliche Debatten geführt hat, wie sie hier ablaufen …).

    > “während ich übrigens selbst keine “illegalen” Substanzen zu mir nehme”

    Ja, das ist mir schon aufgefallen, dass sie das regelmässig betonen; was ich mich da immer Frage: fehlt da evtl. ein ‘mehr’ in dem Satz? Also sie konsumieren ‘nicht mehr’ – sind aber durchaus aus früheren Lebensphasen schon einigermassen ‘experienced’? Sich hier als strikter Nicht-Konsument darzustellen kann ja sonst nur zwei Gründe haben; der Naheliegende: Sie wollen ihre öffentliche Position und ihr Renomee unter keinen Umständen irgendwie angreifbar machen – und da bleibt unter den gegebenen Umständen wohl auch in Holland aktuell nur beinhartes Dementieren.
    Wäre einerseits verständlich, aber dann doch ein kleines bisschen zu hasenfüssig, nach meiner Einschätzung … schliesslich wären wohl kaum ernste Konsequenzen zu fürchten, wenn Sie auf irgendwelche ‘Erfahrungen aus ihren 20ern’ verweisen würden, um wenigstens dem Verdacht zu entgehen, dass hier ein Blinder über Farbe schreibt, und man sich dann fragen muss, welches Motiv Sie reitet, sich hier ausgerechnet für eine Änderung der Drogenpolitik in die Bresche zu werfen.
    Der zweite Grund, weshalb sie sich hier zwar als ‘Pro-Aktivist’ engagieren, und gleichzeitig als strikter Nicht-Konsument beschreiben, kann aus meiner Sicht nur sein, dass sie dem weit verbreiteten Klischee aus der untersten Mottenkiste keine Nahrung geben wollen, jeder der mal Drogen konsumiert hat würde vom ‘Rauschgift’ natürlich sofort ‘hirngewaschen’, und ab da unumkehrbar als Befürworter-Zombie durch die Welt wandeln, der alle in seiner Reichweite auch ‘süchtig machen’ will (eine Vorstellung, die genau so absurd, wie in konservativen Kreisen nach wie vor verbreitet ist).
    Worauf ich raus will: mit ihrer Haltung, dass sie zwar für eine Entkriminalisierung / Legalisierung sind, aber gleichzeitig quasi klar stellen, dass keine der ‘illegalen Substanzen’ für sie persönlich irgendeinen Mehrwert hat (bzw. haben könnte – mangels Erfahrung können sie das ja gar nicht wirklich beurteilen …) gibt dem ganzen Bild eine gewisse Schieflage, an der ich regelmässig hängen bleibe. Ich vertrete hier ganz klar die umgekehrte – Huxley’sche – Ansicht, dass jeder einigermassen reflektierte, selbstkritische und ansatzweise intellektuell denkende Mensch mit stabilem Lebensumfeld von einer verantwortungsvoll organisierten, tiefgehenden psychedelischen Erfahrung genug profitieren kann, um dieses Experiment wenigstens einmal zu wagen. Punkt.

    > “Man ist zwar gegen die bestehenden Regeln, will dann mit neuen Regeln aber wieder “gute” und “böse” Substanzen voneinander unterscheiden. Sieht so Neutralität aus?”

    Nö, keineswegs – niemand redet hier von ‘Neutralität’. Ganz im Gegenteil: die von mir angemahnte Differenzierung der verschiedenen Stoffklassen im Hinblick auf a) Gefährdungspotential und vor allem, weil weithin vernachlässig, b) Motivation der Konsumenten im Hinblick auf die drei Kernbereiche “Genuss / Erholung”, “Therapie / Selbstoptimierung” und “Bewusstseinserweiterung / Weltanschauung” erfordert geradezu eine komplette Neubewertung – und keineswegs eine Aufhebung des bisherigen “Gut/Böse” Schemas, die Nutt leider seinerzeit nur halbherig vorgenommen hat, indem er sich praktisch nur auf das Schadenspotential konzentrierte.
    Oder ist es wirklich so schwer, sich drauf zu einigen, dass eine Substanz wie Alkohol, die den Geist massiv betäubt (geradezu absurd, welche in Wahrheit Geist-erweiternden Substanzen dagegen als ‘Betäubungsmittel’ klassifiziert sind!), übelste Charakterzüge zum Vorschein bringt und Entgrenzungen bis hin zu vielfachen Unfällen und Verbrechen auslöst, UND dazu noch süchtig macht und den Körper massiv schädigt, ‘böser’ ist, als eine Substanz wie LSD, auf die diese ganzen Attribute nachweislich nicht zutreffen, UND die dazu noch bei vielen Konsumenten eine Hinwendung zur Natur, eine pazifistische Grundhaltung – und eine deutliche Reduzierung der Ego- und Konsum-Fixierung, unter der diese Welt inzwischen im Turbogang immer mehr leidet, auslöst? (Sie wissen selbst, dass LSD massgeblich deshalb verboten wurde, weil es der Kriegstreiberei und den erz-materialistischen ‘Werten’ der USA entgegen lief). Oder wollen Sie so eine Substanz ‘neutral’ auf derselben Ebene ansiedeln, wie Kokain, das einen fast automatisch zum sich selbst überschätzenden Egomanen mutieren lässt, dem Protzerei und BlingBling und materieller Besitz das wichtigste auf der Welt ist?

    Grundsätzlich: man kann die Haltung der breiten Bevölkerung und der Politik zu dem Thema nicht dadurch grundlegend ändern, indem man gebetsmühlenartig nur erzählt, dass ‘Cannabis ja gar nicht so schädlich ist, wie Alkohol’, und ‘Reiten gefährlicher als MDMA konsumieren’ etc. etc. – solange man den Leuten nicht auch angemessene erstrebenswerte Ziele, Zwecke und Benefits positiver Erfahrungen mit ganz spezifischen Stoffen vor Augen hält, die es bei anderen Stoffen so eben NICHT gibt. Welches ernstzunehmende Hobby, welche Sportart kann man denn den Bürgern ‘verkaufen’, wenn man immer nur erzählen würde: ‘ist gar nicht SO gefährlich’? Umgekehrt wird doch ein Schuh draus: wenn der Bürger Spaß, Erfolg, Erlebnis und Horizonterweiterung vor Augen hat, dann ist ihm doch in der Praxis kein Aufwand und kein Risiko zu gross: siehe klassische Beispiele wie Ski und Motorrad fahren, Paraglidung, Fallschirmspringen, Bergsteigen, Tauchen, von den ganzen touristischen Strapazen und Eskapaden, die sich viele Leute in exotischen Ländern antun, gar nicht zu reden.

    Sie verstehen, worauf ich hinaus will?

  102. @Belzagor: Diskussionen

    Danke, dass Sie sich kümmern – aber machen Sie sich bitte keine Sorgen: Jetzt da sich gleichzeitig mein 400. Blogpost & das 15-jährige Jubiläum nähern, kann ich endlich das große Geheimnis verraten: MENSCHEN-BILDER war im Wesentlichen als Beschäftigungstherapie für mich gedacht.

    Nein, es stimmt schon, dass das Niveau der Diskussionen hier zu wünschen übrig lässt. Viele verstehen nicht, dass das hier kein Marktplatz ist (wo sie sich übrigens nicht so benehmen würden, weil sie sich da nicht hinter einem Pseudonym verstecken können), sondern etwas wie das Wohnzimmer eines Freundes. Aber wissen Sie, ich war schon als Kind oft der Beobachter, wunderte mich und dachte: So ist halt der Mensch! Ecce homo!

    Wenn ich dafür Ressourcen hätte, würde ich Ihnen den Job als Community Manager anbieten und hätten wir bestimmt Spaß.

    Leider haben sich die Zustände in der Coronapandemie noch einmal verschlimmert; wohl, weil der Zustand von manchen Leserinnen und Lesern sich verschlimmerte. Aber “==issemüdabdt==” werde ich mir merken – für Holzmänner und Konsorten.

    Und wenn das alles nichts hilft, kann ich mit einem Klick die Diskussionen ausschalten – oder hier einfach nicht mehr nachschauen und es ist nicht mehr mein Problem.

  103. @Belzagor: Substanzkonsum

    Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich von ca. 13/14 bis 16 (also bis anno 1996) viel* Hasch/Gras geraucht habe. Ich hörte damit auf, als die “bad trips” zunahmen und die Paranoia größer wurde. In Erinnerung ist mir noch heute ein Spaziergang durch den Biebricher Schloßpark geblieben, wo ich quasi aufgewachsen bin und nie Angst hatte, und auf einmal lief ich im Dunkeln dadurch, bekifft, und bekam ich Panik. Das kam mir so befremdlich vor, dass ich aufgehört habe.

    * viel = über einen längeren Zeitraum wohl täglich bis mehrmals an einem Tag; dem Vernehmen nach war der “Stoff” damals aber noch nicht so stark

    Ich denke, dass das THC die Erfahrung verstärkte. Die Ursache der Angst hatte wohl mehr mit den Lebensumständen zu tun, über die ich gerade einen Absatz in dem neuen Artikel über Antidepressiva geschrieben habe.

    In dieselbe Zeit, also 1993/94 bis 1996, fallen auch ein paar krasse Alkoholerfahrungen. Mir wurde auch einmal Kokain angeboten. Ein älterer Freund war dabei und sagte “nein”, also lehnte ich auch ab. Sonst wäre mein Leben vielleicht anders verlaufen? Und hätte es auch diesen Blog nie gegeben?

    1999 hörte ich nach sechs Jahren mit dem Rauchen auf, weil ich viel Sport machte und mir auffiel, wie schnell ich nach einer Zigarette außer Atem kam; außerdem störte mich der Gestank in der Kleidung.

    Viel mehr gibt es da nicht zu erzählen.

    Wenn ich MDMA in guter Qualität in der Apotheke kaufen könnte, würde ich das wohl einmal ausprobieren. Warum? Ich hab viele Leute gesprochen, die das taten. Ich denke, dass ich kein Hilfsmittel brauche, um in diesen Zustand zu kommen. Die letzte Gewissheit gäbe mir nur ein Selbstversuch.

    Und Psychedelica… Warum nicht? Irgendwann einmal, wenn Set & Setting stimmen. Ich habe keine Eile.

  104. @Belzagor: Aktivismus?

    Schauen Sie, es geht mir um harm reduction. Davon abgesehen ist die Drogenfrage ein Definitions-/Klassifikationsproblem, das mich als Philosoph interessiert.

    Außerdem suche ich ernsthaft nach einem guten Argument, worin die Straftat beim Drogenbesitz bestehen soll. Ich verstehe es einfach nicht.

    Und wenn ich betone, dass ich keine (illegalen) Mittel konsumiere, unterstreiche ich damit, dass hier kein “Junkie” schreibt, der seinen eigenen Konsum rationalisieren will.

    Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Ich erledige nach wie vor einen Großteil meiner Arbeit mit viel Leidenschaft. Ich habe aber zu viele Systemfehler und korrumpierte Persönlichkeiten/korrumpierende Situationen miterlebt, um mir daraus noch viel zu machen. Der Tag, an dem meine Anstellung da endet, wird ein Tag der Befreiung sein!

    Denken Sie an einen Hofnarren: Der durfte alles sagen, selbst im Beisein des Königs, weil ihn keiner mehr ernst genommen hat. Wie viel mehr Freiheit kann man haben, wenn man sich nicht mehr ständig an das anpassen* muss, was “die Anderen” von einem denken?

    * Ich habe sogar ganz offiziell vom Amtsarzt eine “Anpassungsstörung” diagnostiziert bekommen. Es stimmt: An diese Gesellschaftsform will ich mich gar nicht anpassen.

  105. @Belzagor: Stoffklassen

    Es sagt doch im Prinzip alles Nötige über eine Gesellschaftsform aus, die den Verkauf einer relativ ungefährlichen Substanz, die in den Konsumenten regelmäßig ein Gefühl der Verbundenheit auslöst sowie vielleicht den Wunsch, andere zu umarmen (MDMA), die diesen Verkauf mit bis zu lebenslänglicher(!) Haftstrafe bestraft (UK, Class A) – und den Besitz immer noch mit bis zu 14 Jahren(!) Gefängnis, wenn ich mich nicht irre.

    Aber wir leben in einer Demokratie, in der Mehrheiten von Wählerinnen und Wählern letztlich Personen in Ämter befördern, die diese Entscheidungen treffen und aufrechterhalten. Die auch heute noch vorhandene Dämonisierung der Substanzen in vielen Medien trägt wohl dazu bei. In Deutschland sieht man jetzt vielleicht gerade einen Wandel zu mehr Toleranz?

    Konservative Politik funktioniert meiner Erfahrung nach so, dass man dafür sorgt, dass es bestimmten Minderheiten so schlecht geht, dass sie gesellschaftliche Probleme verursachen; und dass man dann mit der Bekämpfung dieser Probleme Wahlkampf machen kann. Die Grenze zum Rassismus ist dann nicht mehr weit weg.

    Schauen Sie, ich sehe es als ein großes Räuber-und-Gendarme-Spiel. Als Wissenschaftler/Philosoph/Hofnarr stehe ich irgendwo dazwischen. Und wundere mich über die Intensität, mit der manche sich mit diesen Rollen identifizieren. Ein indischer Guru des 20. Jh. wies in einer Schrift zum Thema Freiheit einmal daraufhin, dass auch mit Reaktanz gegen ein kaputtes oder ungerechtes System, dieses System das eigene Verhalten beeinflusst.

  106. Belzagor,
    dieser Satz ist erhellend.
    “wenn mal wieder einer der Clowns zum x-ten Mal ins selbe sinn- und verständnisbefreite Horn gestossen hat.”
    Damit teilen sie die blog-Teilnehmer in zwei Gruppen ein. Diejenigen die Ihrermeinungnach Vernünftiges reden und diejenigen, die sinn und verständnisbefreit sind.

    Wofür ist denn dieser blog. Zur Selbstdarstellung oder als Aufklärung der noch Unwissenden ?

    Als Lehrer hat man nur mit Unwissenden zu tun. Der gute Lehrer passt sich in seiner Sprache diesem Niveau an und führt die Kinder auf eine neue höhere Erkenntnisstufe. Und er wiederholt auch zum 1001 male , das was falsch verstanden wurde.

    Herr Schleim macht das übrigens sehr gut.

  107. @fauv

    Es ist weder die Aufgabe dieses Forums, noch die von Herrn Schleim, diverse Kommentatoren über gewisse grundlegende Tatsachen und Basis-Informationen aufzuklären, die überall im Internet oder in der Literatur zu finden sind. Basis-Information, um die sich die betreffenden Teilnehmer hier nur deshalb nicht kümmern, weil sie ihre ‘Meinung’ schon lange – oder schon immer – über Fakten gestellt haben – und die auch dann nicht zu ihnen vordringen werden, wenn Herr Schleim oder andere sie noch so oft wiederholen.
    Wenn hier Themen diskutiert werden, die offensichtlichen Meinungs-Charakter haben, dann sind wir hier alle zunächst einmal gleichberechtigt. Aber wer hier z.B. über das Thema ‘Drogen’ mitdiskutieren will, und von Anfang bis Ende nur ‘Meinung’ ohne Substanz absondert, weil er schon zu einfachsten Unterscheidungen unfähig bzw. eher unwillig ist (z.B. süchtig machende Substanzen vs. NICHT süchtig machende), der verschwendet hier nur Platz.
    Es ist traurig genug, dass von Hundert zufällig Befragten in einer beliebigen deutschen Fußgängerzone mit grosser Sicherheit 99,8 nicht einmal die ‘Nutt-Skala’ zum Risiko-Spektrum verschiedener psychoaktiver Substanzen kennen werden. Aber gut, das ist politisch genau so gewollt, und die Medien hätten auch nichts dabei zu gewinnen, Fakten-Öl auf die Hysterie-Wogen des konservativen Spießbürgers zu giessen.
    Aber wer HIER zu einem Artikel wie diesem in die Tasten greift, der sollte etwas mehr zu bieten haben, als das immer gleiche PingPong von unbegründeter Bedenkenträgerei und Panikmache, wie sie auch und speziell beim Thema Cannabis-Legalisierung hierzulande wohl unausrottbar ist. Als gäbe es nicht bereits mehr als genug Länder, die schon lange den Beweis führen, dass freier(er) Zugang zu Cannabis NICHT der Untergang des (Abend-) Lands ist. Diese Debatten sind so zermürbend wie völlig unnötig, und man möchte den gewissen Herrschaften permanent zurufen: ‘read a f*ck*ng book first!!’

    Und: Sie bellen den völlig falschen Baum an, wenn sie hier bei mir auf ‘Selbstdarstellung’ verweisen – genau diese ‘üblichen Verdächtigen’, die ich hier meine sind doch ganz offensichtlich reine faktenbefreite Selbstdarsteller erster Kategorie, die sich vielfach nicht einmal die Mühe geben, verständliches unverschwurbeltes Deutsch zu schreiben – und das hat auch Herr Schleim hier schon desöfteren so festgestellt und sich durchaus ärgerlich darüber geäussert.

  108. @Belzagor, fauv: Teilnahme

    Es gibt hier keine Mindestvoraussetzungen und ich halte es gerade für eine Kunst, so zu schreiben, dass es möglichst viele Menschen verstehen.

    Es stimmt (leider) aber auch, dass manche hier mit sehr starken Meinungen auftreten, wie wir es gerade wieder bei der Diskussion über Drogenpolitik gesehen haben, ohne sich vorher zu informieren oder den eigenen Standpunkt einmal zu hinterfragen; darin kommen dann eben die gesellschaftlichen Vorurteile zum Vorschein.

    Was wäre aber damit gewonnen, Leute ohne Erklärung einfach abzuweisen? Deshalb habe ich auch jemandem wie “HassanX” oben weiterführende Literatur gegeben. Ich kann ihn freilich nicht dazu zwingen, das zu lesen.

  109. @Stephan Schleim

    Hallo Herr Schleim – vielen Dank für Ihre gestrigen noch spät verfassten, ausführlichen Antworten. Ich sehe, dass wir die ganze Thematik überwiegend aus demselben Blickwinkel sehen, und auch dieselben historischen, gesellschaftpolitischen bis hin zu psychologischen Problematiken kritisieren.

    Ich bewundere ehrlich gesagt Ihre Entscheidung, sich – wenn ich das richtig verstanden habe – trotz ihrer schon früh entwickelten Institutions-kritischen und grundlegend ‘dissidenten’ Haltung, dann doch auf den akademischen Weg zu machen, und nicht eben mit wenig Erfolg und öffentlicher Wahrnehmung!
    Genau hier weichen wir allerdings voneinander ab: mir war schon bei der Frage der Berufswahl klar, dass es für mich unerträglich wäre, all jene speziellen Interessengebiete und ‘Herzensthemen’, die sich bei mir schon früh herausgebildet hatten, im Zuge einer akademischen Karriere vom bürokratischen KleinKlein, dem Zwang zur Hyper-Spezialisierung und der ganzen Konkurrenz- und Ellbogen-Denke und den alles durchdringenden Eitelkeiten (um nur einen der notorischen ‘human factors’ zu nennen), des akademischen Betriebs zerrieben zu sehen (ich bin mit einigen Akademikern näher bekannt, die hier alle kein Gegenbeispiel liefern können…). Bereits als Gymnasial-Schüler habe ich die (für mich offensichtlichen) massiven Schieflagen unseres Bildungssystems regelmässig kritisiert, und lange Zeit nicht verstanden, weshalb so viele meiner Mitschüler lieber ‘im System’ den Streber und Punktesammler geben, als ihre Intelligenz dafür zu verwenden, es an grundlegenden Punkten zu hinterfragen. Heute, mit fortgeschrittenem Alter und einem nahezu abgeschlossenen Berufsleben bin ich natürlich weniger naiv.

    Mein ganzer Werdegang war deshalb ein anderer, als Ihrer: ich habe mir einen Beruf gesucht, der mich zwar geistig fordert und ‘wach’ hält, und mich finanziell absichert, aber mir viel Freiraum lässt, private Interessen zu verfolgen – UND ich habe mein Leben grundsätzlich so eingerichtet, dass ich nicht den üblichen finanziellen und familiären Zwängen und Verpflichtungen unterliege, die einen Privatmann normalerweise daran hindern, sich so breit und tief in bestimmte Fachgebiete einzuarbeiten, die ihm dabei nicht gleichzeitig auch als finanzielle Grundlage dienen.
    Ob es noch je dazu kommen wird, dass ich mein eigenes ‘Drogen-Buch’ fertigstelle ist leider nach wie vor offen. Ich kann mich zunehmend schwer mit der Erkenntnis anfreunden, dass wohl genau diejenigen, die es am nötigsten hätten, das Buch sowieso nie lesen werden – und ich bin weitgehend frei von der Eitelkeit (die einen schon früh ausgeschiedenen Co-Autor massgeblich motiviert hatte), unbedingt mal meinen Namen auf einem Buchcover plazieren zu müssen. Was auch nicht gerade hilft ist, dass ich eine sehr grosse Stoffsammlung, und hohe Ansprüche an Struktur und Vollständigkeit habe, die mich schon seit Jahren das ganze Projekt ständig ‘umbauen’ lassen, so dass es leider nie über einen bestimmten Level der Fertigstellung hinaus kommt. Die beständige Frage lautet: will ich ein erstes – und mit Sicherheit einziges – Buch in die Welt setzen, mit dem ich dann hinterher nie wirklich zufrieden bin – nur damit es eben publiziert ist? Und das dann die meisten Leute, die mir wichtig wären, eh nicht lesen werden? Ich denke als Autor darf man a) nicht zu selbstkritisch sein, und b) nicht zuviel von anderen Autoren gelesen haben, und sich vor allem nie die Frage stellen, ‘muss ausgerechnet ICH das in die Welt setzen – und gibt es das nicht alles schon (besser)?’ – sonst hat man schon verloren … Ich bin aber schon sehr gespannt auf ihr ‘Substanzen’-Buch!

  110. @Schleim @Belzagor

    Ich verstehe Sie voll und ganz!

    Haben Sie Kinder?

    Ich denke,die Rolle des Versorgens und des Elternsein verändert Perspektiven enorm.

  111. @Belzagor: Wege

    Danke für Ihre Offenheit…

    …und ich muss etwas schmunzeln, dass meine Antwort auf beide Teile eigentlich dieselbe ist: Go with the flow.

    So war es zum Beispiel nie eine bewusste Entscheidung meinerseits, eine akademische Laufbahn anzustreben. Es ist einfach passiert – und auch, dass ich in der Philosophie gelandet bin, war zum Teil Zufall (Stichwort: verspätete Rückstellung vom Zivildienst wegen einer laufenden Psychotherapie). In der “Familie”, in der ich aufwuchs, gab es keine akademischen Vorbilder, nicht einmal jemanden mit einem Abitur.

    Aus heutiger Sicht würde ich andere Entscheidungen treffen und nicht so viel Privates (einschließlich Beziehungen und Freundschaften) opfern, um den “Systemanforderungen” gerecht zu werden. Ich war eben darauf programmiert, die Anerkennung bestimmter Bezugspersonen zu bekommen, weil ich die früher nie hatte. (Wie ich Ihnen wohl kaum erklären muss, macht einen das auch Anfällig für Missbrauch und Ausbeutung.) Hinterher ist man immer schlauer und es war/ist ein Entwicklungsprozess.

    Das erste Buch (Gedankenlesen, 2007/2008) schrieb ich aus der Unzufriedenheit mit der Darstellung der Hirnforschung in der Öffentlichkeit heraus, abends und an den Wochenenden, neben meiner Doktorarbeit. In der Zeit hatte ich auch einen ersten Panikanfall, dass ich nachts aufwachte und dachte, ich würde ersticken. Wurde das Buch perfekt? Nein. War es besser und vor allem korrekter als viele vergleichbare Bücher? Ich finde schon. Wurde es ein Bestseller? Nein. Aber es gehörte zum Entwicklungsprozess dazu, so wie dieser Blog.

    Mir scheint, dass Sie die Anforderungen an Ihr Buch sehr hoch stellen. Wenn es perfekt sein muss, werden Sie es wahrscheinlich nie fertigstellen, allein schon deshalb, weil es keinen klaren Standard für Perfektion gibt. Eine wichtige Frage wäre, ob Sie dafür einen Verlag wollen? Wenn ja, redet der mitunter auch noch mit. Wenn nein, haben Sie mehr Freiheit, müssen Sie aber auch mehr selbst tun.

    So oder so – wenn Sie den Schritt nie wagen, werden Sie auch nie wirklich wissen, wie es ist, es getan zu haben. Daher: Go with the flow.

    Und allein schon aus der Tatsache, dass Sie so lange daran arbeiten, schließe ich den Wunsch, dass daraus etwas Größeres werden soll. Überarbeiten können Sie es nach der Veröffentlichung immer noch. Das wird dann die zweite Auflage.

    Noch zum Werdegang:

    “Sitzenbleiben ist sinnlos” (2017)

    Zeit, Erinnerung und Gemeinschaft (2019)

  112. @Mussi

    Nein, ich habe keine Kinder, aber eine langjährige feste Partnerin – lebe aber trotzdem allein. All das bewusst so entschieden.
    Und ja, das Eltern sein und die Verantwortung für das Wohlbefinden einer Familie verändert die Perspektiven enorm – aber bei Menschen, die reflektiert und kritisch auf die Welt blicken selten zum Besseren. Die Biologie und Anthropologie und nicht zuletzt die ganz konkreten Verschiebungen von Prioritäten kommen da der intellektuellen Freiheit in aller Regel massiv in die Quere. Man kann sich schlicht nicht mehr leisten, Wahrhaftigkeit im Denken und Handeln an erster Stelle zu halten, wenn ggf. Frau und Kinder dann darunter materiell zu leiden haben.
    Und gerade Frauen mögen zwar intelligente Männer – aber nur wenn diese Intelligenz weitgehend kompatibel mit sozialem Aufstieg ist, und sich direkt in finanziellem Output niederschlägt.
    Da bin ich aber nicht der Erste, der das ganz klar feststellt…

  113. Ich habe die Erfahrung gemacht,dass sowohl der Beschützerinstinkt als auch die Vorbildfunktionnicht unbedingt den Gedanken der Selbstbestimmung fördern.
    Mir ist schon klar,dass ein Baby oder Kind nicht selbstbestimmt ist. Aber sind es nicht die Prägungen und Konditionierungen,die Jahrzehnte später in Meinung wiederzufinden sind? Die in Elternschaft und System weitestgehend adäquat sind?

  114. Belzagor,
    Wow, ein einziger Satz mit 87 Wörtern. Ich glaube, das reicht für eine Charakterisierung.

    Herr Schleim,
    Respekt, keine Mindestvoraussetzungen. So sollte es sein, so macht bloggen Spaß.

  115. @Schleim @Belzagor

    Danke!

    Darin liegt meines Erachtens der Schlüssel!
    Die Angst des Versagens in Offenheit und Transparenz und damit der Ablehnung.

    Wir erleben gerade eine Generation,die nie ‘freier’ aufgewachsen ist und sie weiss um ihr Sein.

  116. @Mussi

    “Aber sind es nicht die Prägungen und Konditionierungen,die Jahrzehnte später in Meinung wiederzufinden sind? Die in Elternschaft und System weitestgehend adäquat sind?”

    Na, DAS ist doch genau das Problem!
    Wir sind zwar schon weit entfernt von den repressiven patriarchalen Strukturen der bürgerlichen Kleinfamilie, wie sie noch Wilhelm Reich als Quelle vieler Übel der Individual- und Massenpsychologie seht hellsichtig identifiziert hatte.
    Aber nach wie vor stehen die familiären Prägungen nach meiner Überzeugung und Erfahrung sehr vielen Leuten massiv im Weg, wenn es um ein neues, besseres und freieres Denken geht. Das Probleme ist… Was ist dir Alternative? Mehr ‘Erziehung durch den Staat’ kann es nicht sein – aber auch das Bildungssystem heutiger Prägung versagt hier kläglich. Schon deshalb weil es die Prioritäten notorisch auf die Verwendbarkeit in der Arbeitswelt setzt und kaum Anreize bietet, über Alternativen zu Karriere und materiellen Erfolg auch nur nachzudenken…

  117. @Belzagor

    Aufklärung und Zeit.

    Prof. Ernst-Ulrich von Weizsäcker meint, Änderungen vollziehen sich weitestgehend mitunter über 30 Jahre oder länger.
    Das wäre eine Generation und heisst aber auch,dass eine Generation selbst sich ändern kann.

  118. Belzagor,
    “Aber nach wie vor stehen die familiären Prägungen nach meiner Überzeugung und Erfahrung sehr vielen Leuten massiv im Weg”
    Zum Glück , kann ich nur sagen. Was ist denn die Alternative zur Familie ?
    Das Werbefernsehen ?

    “Das Bildungsystem versagt hier kläglich”, schon wieder so eine pauschale Behauptung. Die Lehrer arbeiten an der Leistungsgrenze,
    um der “Hipp Hopp Geselschaft” zu zeigen, was Ideale sind, was Pflichtgefühl ist.

    Die Aufgabe der Schule ist es primär, die Kinder auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Ohne Beruf, ohne Job bist du ein Nichts. Geh doch mal in die Schweiz, und schau dir dort die Preise an. Für einen Becher Sahne zahlst du 3,50 Schweizer Franken. Glaubst du, die fallen vom Himmel herunter ?

    Wenn der Lehrer zusätzlich Sinn für Philosophie hat, dann ist das gut.
    Was du meinst, die ethische Bildung, die wird im Religionsunterricht vermittelt. Für die Konfessionslosen gibt es Ethikunterricht. Und als Neuestes, ja, mach mal die Augen auf, es gibt jetzt auch noch Islamunterricht.

  119. @Schleim

    Selbstbestimmt,im eigentlichen Wortsinne, halte ich nur ca. 0.2-0,5 % der Bevölkerung.
    Der Rest hat die Einsicht, dem Durst,dem Hunger,Sex und Familie und Geldbeschaffung zu folgen.
    Vieles darin ist ‘frei’. Aber wirklich frei ist nur der ‘Freitod’.

  120. @fauv

    Sorry, da vertrete ich nahezu zu 100% andere Ansichten, was Schule und Bildungssystem angeht.

    1. Wäre es nach der Schule gegangen, hätte ich heute wahrscheinlich nicht mal die Hälfte des Einkommens, und höchstens ein Drittel meiner Bildung. Ich kann nur froh sein, dass ich TROTZ sämtlicher Versuche des Schul- und Unterrichtssystems, mir meine Offenheit für und die Neugier auf bestimmte Themen systematisch auszutreiben, die Energie aufgebracht habe, ‘dran zu bleiben’ und mir den Zugang dazu auf anderen Wegen zu erarbeiten, als auf den vom Lehrer vorgegebenen. Allein das Spektrum und die thematische Tiefe der Unterrichtsfächer gehört schon seit Jahrzehnten kritisch hinterfragt, und ganz sicher nicht noch mehr am Maßstab des ‘Lohnsklaven’ ausgerichtet. Wieviele Lebenswege allein von so etwas lächerlichem und unnötigem wie einer Mathematiknote massgeblich behindert oder gar zerstört wurden, will ich gar nicht wissen – und das sage ich als jemand, der seit Jahrzehnten einen gut dotierten MINT Beruf in der freien Wirtschaft hat, in der Schule aber nie besser als 3,5 in Mathe war, und jahrelang auf einer 5 herumdümpelte. Hätte man sich daran orientieren müssen wäre mein Leben komplett anders verlaufen.

    2. Ich habe mehrere Lehrer im Bekannten und sogar Verwandtenkreis und bin in engem Kontakt mit einer inzwischen im Ruhestand befindlichen Schulsekretärin, und hatte viele Jahre Gelegenheit, Insider-Perspektiven auf das System ‘Schule’ zu bekommen. Hier verbietet sich schlichtweg jegliche Schönrednerei!

    3. Dass es im deutsche Schulsystem wenig bis nichts zu jubeln gibt – über die Gründe kann man streiten – hat ja exemplarisch die Corona-Pandemie gezeigt, wo zwar sicher viele Lehrer geackert haben bis zum Umfallen, damit aber eigentlich nur ein sowohl organisatorisches als auch technisch völlig rückständiges System stabilisiert haben, statt endlich mal massiv auf die Barrikaden zu gehen.

    4. Und auch das gezielte Lehrer-Bashing werde ich ihnen hier nicht ersparen – denn der durchaus fordernde Lehrer-Beruf (ich war selbst einige Zeit lang Dozent und weiß, weshalb ich damit wieder aufgehört habe) hat auch seine andere Seite, und nirgends sonst kann man sich, wenn man der Typ dafür ist, ab einem bestimmten Punkt seiner Karriere einen so schlanken Fuss machen, und sich wegen Nichtigkeiten beurlauben oder gar in Frührente schicken lassen (und dann lustig noch Jahrzehnte durch die Welt reisen; mehrere Beispiele im Bekanntenkreis), als als Lehrer.

  121. Belzagor,
    sehr gut, dass auch eine andere Meinung gehört wird, als meine.
    Sie sind eine Ausnahme. Einem minderbegabtem Schüler, nicht nur in Mathematik, Illusionen zu machen , er solle selbst seinen Weg finden, das ist nicht gut. Der sichere Weg ist zu pauken, das zu pauken, was einem schwerfällt.

    Der riskante Weg ist sich selbständig zu machen, einen künstlerischen Beruf zu ergreifen, nach Ibiza zu ziehen und zu offen, das die Rechnung aufgeht.

    Mal Hand aufs Herz, wieviele Maler werden bekannt, wieviele Maler leben an der Armutsgrenze. Web-Designer gibt es mittlerweile mehr als Bäcker. Das gilt auch für das Schowgeschäft. Die Künstler dort, die haben ständige Finanzsorgen. Ein schöner Beruf, zugegeben, gut, ich will den Beruf nicht madig machen.

    Nene, Ihre Meinung in Ehren, ich teile sie nicht.

  122. @Belzagor, fauv: Schule

    Das (staatliche) Schulsystem spiegelt noch heute das alte Ständesystem sowie die Anforderungen der Industrialisierung wider und richtet sich nach dem, was für gesellschaftlich nötig befunden wird; und wir wissen, was demnach der Sinn des Lebens ist: Wirtschaftswachstum.

    Wir können das hier nicht lösen. Es wird bei MENSCHEN-BILDER sicher irgendwann einmal wieder ums Thema Bildung gehen.

    Weiterführend:

    Wie Deutschland bei PISA auf Platz 1 kommen könnte

    Ken Robinson: Changing Education Paradigms (YouTube)

  123. Stefan Schleim,
    Sie bringen es auf den Punkt gebracht, die Stellung des Menschen in der Gesellschaft. Sind wir in erster linie ein Teil der Gesellschaft, und ein Teil der Wirtschaft. Dann müssen wir nach deren Gesetzmäßigkeiten leben.

    Oder stehen wir außerhalb und suchen uns die Gesellschaft aus, die zu uns passt. Verlassen wir Deutschland, gehen in die USA oder nach England oder ziehen nach Italien, wir haben die Wahl .

    Nur am Rande, die Pisa Studie berücksichtigt nicht, dass die meisten Kinder in den Städten zu 70 % einen Migrationshintergrund haben. Und damit ein Defizit an Sprache. Ja und die gestellten Aufgaben waren alle sprachlich gestellt, mit der Ausnahm e von Mathematik. Aber auch da gab es Textaufgaben. Also, bewerten Sie Pisa nicht zu hoch !

    Den Sinn des Lebens als Wirtschaftswachstum zu bezeichnen, das ist schon mehr als Ironie, es ist tatsächlich Fakt. In unserer Ellbogengesellschaft muss man aufpassen um nicht in die Hartz IV Falle zu tappen.

  124. @fauv

    Sie verstehen gar nicht worauf ich hinaus will: genau darauf nämlich, dass es ein Armutszeugnis ist, dass die Schule als Abbild der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse einem suggeriert, man müsse sich zwischen einem 9to5 Erwerbsleben mit Familie, Haus, Auto(s) und regelmässigen Fernurlauben – und einer dauer-präkeren ‘Künstler’ Randexistenz nahe dem Hungertuch entscheiden.
    Und hier aktiv verhindert, dass sich angemessene ‘Graustufen’ zwischen diesen beiden Extremen überhaupt entwickeln können, und für breite Bevölkerungsschichten einen interessanten und gangbaren Weg darstellen können. Aussage eines dauer-gestressten sehr alten Bekannten (klassischer Karriere & Manager-Typ), als ich ihn fragte, ob er bei dem was er mit Anfang 50 damals schon alles erreicht hatte, nicht einfach mal ‘kürzer treten’, und auf ‘Teilzeit’ umsteigen könnte: ‘Spinnst Du? Wenn ich Teilzeit machen will, bin ich so gut wie raus aus dem Job’.
    Gegen diese Art von ‘Gehirnwäsche’, die Menschen nur in dauer-gestresste Gewinner, und ‘Versager und Minderleister’ einzuteilen, wobei dann letztere der Elite ab und zu in Spurenelementen als ‘Künstler’ Dienste tun dürfen – ist eine Schande für den ganzen zivilisatorischen Prozess, und ein klares Zeichen, dass wir da noch einen weiten Weg vor uns haben, wenn wir uns nicht – bereits absehbar – allein aufgrund unseres Turbo-Materialismus schon lange vorzeitig selbst das Licht ausblasen.

  125. Belzagor,
    ich hatte nur die Extreme gezeichnet.
    Es ist geradezu wünschenswert, dass beide extreme Lebensziele nicht erreicht werden. In Wirklichkeit pendeln sich die Menschen dazwischen ein.

    Wir dürfen aber nie vergessen, dass Deutschland ein Land ohne Rohstoffe ist.
    Unser Wohlstand beruht eben auf diesen Menschen, die ihr Leben der Wirtschaft opfern.

    Was passiert, wenn ein Philosoph Wirtschaftsminister wird ,erleben wir gerade mit Habeck, der von Wirtschaft gar nichts versteht, und der die Milliarden ausgibt wie andere Kleingeld. Der hat noch nicht gemerkt dass die Inflation uns erreicht hat. Und wenn erst mal die kleinen Handwerksbetriebe schließen, wenn die Heizkosten das meiste Geld verschlingen, und nichts mehr übrig bleibt für das schöne Nichtstun, dann ist auch Schluss für frei gewählte Zukunftspläne.

  126. @fauv

    hahaha…wenn Habeck mal Philosoph geblieben wäre…
    Als Ökonom hat er nur von einer akademischen Disziplin abgeschaut und die Disziplinin versagt.

  127. Mussi,
    ja, und wer hat den Habeck gewählt ?
    Es bleibt an uns hängen. An Dir und mir , und wenn es uns schlecht geht, wer füttert dann die Schweine und womit ?
    Dann laufen wieder einige mit der Buddel Rum unterm Arm herum und singen, …
    ja, was denn ?
    Und dann füllen sich auch wieder die Kneipen, weil die Wohnung zu Hause kalt ist.
    Auch keine schlechten Aussichten !

  128. @fauv

    Ich habe ihn gewählt und würde es auch heute wieder tun.

    Nochmal: wäre er Philosoph geblieben,dann läge er richtiger als durch Ökonomenen Beratener.

  129. Mussi,
    Herr Habeck ist ein pflichtbewusster Mensch und auch integer.
    In der freien Wirtschaft braucht man einen anderen Menschentypus, einen Realisten. Unsere Regierung hat noch nicht verstanden, dass mit dem Sinkflug des Euro alle Preise steigen, weil international in dollar bezahlt wird.
    Die haben noch nicht verstanden, dass die internationalen Anleger raus gehen aus dem Euro und ihr Kapital mittlerweile in der Schweiz anlegen oder in den USA.
    Die haben noch nicht verstanden, dass man mit dem Aussetzen von Steuern genau das Gegenteil erreicht, weil dann über Leerkäufe am Spotmarkt die Preise hochgehen, weil dann auf auf eine Hausse spekuliert wird.

    Was hat das mit Cannabis zu tun. Vordergründig nichts, aber hintergründig schon, weil man mit dem Verbot von Drogen auch das Gegenteil erreicht was man will, weil dann die Preise hochgehen, weil sich der Schmuggel wieder lohnt.

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