Endlich: Trauer wird als psychische Störung anerkannt

Zwölf Monate nach dem Verlust kann jetzt laut US-Psychiatern die Diagnose gestellt werden. Spezialisierte Psychotherapie und Medikamente sind in Vorbereitung.

Wer meine Artikel über psychische Störungen und psychische Gesundheit der letzten Jahre mitverfolgt hat, der erinnert sich vielleicht noch: Im Zusammenhang mit depressiven Störungen war lange umstritten, ob und, wenn ja, ab wann Trauer als Störung angesehen werden soll.

Ein Streitpunkt war, ob die Diagnosekriterien nicht natürliche Trauer medizinalisieren, also in den psychiatrisch-medizinischen Bereich verschieben. Zur Medizinalisierung beziehungsweise Medikalisierung gibt es auch eine reiche soziologische Forschung, unter anderem in der Tradition Michel Foucaults – doch wer liest heute noch Soziologen?

Als 2013 das weltweit einflussreiche Diagnosehandbuch DSM der US-Psychiater in seiner fünften Auflage erschien (DSM-5), kochte die Diskussion wieder hoch: Zum erbitterten Kritiker mutierte insbesondere Allen Frances, der als Psychiater noch die Vorgängerversion DSM-IV von 1994 federführend herausgegeben hatte.

2013 hatte Frances gerade sein neues Buch “Saving Normal” veröffentlicht und durfte ich ihn erst auf einer Konferenz in Berlin und später als Gast in unserer Forschungsgruppe in Groningen erleben. Neben der Kritik an zahlreichen finanziellen Verstrickungen der Psychiater, die das neue DSM-5 entwickelt hatten, mit der Pharmaindustrie, war ihm vor allem der Umgang mit Trauer in Dorn im Auge.

(Nebenbei: Genau quantifiziert haben das zwei kritische US-Forscher mit dem Ergebnis, dass in fast allen DSM-Arbeitsgruppen die Mehrheit der Psychiaterinnen und Psychiater finanzielle Verbindungen zur Pharmaindustrie hatte. Allerdings war das beim DSM-IV unter Frances’ Leitung auch schon so.)

Wer sein Buch nicht lesen will, findet hier seinen Aufruf, “Trauer vor den Medikamentenherstellern zu retten” und hier einen kurzen YouTube-Clip mit ihm. Frances berichtet darin auch vom Tod seiner eigenen Frau und dass er selbst die Kriterien für einige DSM-Störungen erfüllen würde.

Im Ergebnis, wohl auch in Reaktion auf die öffentliche Kritik, diskutierten die Psychiater das Thema ausführlich im Abschnitt über Depressionen (Major Depressive Disorder, MDD) des DSM-5. Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass Trauer genau dann eine psychische Störung beziehungsweise eine Depression ist, wenn ein Arzt oder Therapeut das Ausmaß der Trauer nicht mehr für soziokulturell angemessen hält.

Neues DSM, neue Lösung

Jetzt, fast zehn Jahre später, erschien das DSM-5 in einer aufgefrischten Version. So einen Zwischenschritt bezeichnet man als “Textrevision”, daher DSM-5-TR. Dieses wurde nun Ende März von der American Psychiatric Association, also den führenden US-Psychiatern vorgestellt.

Die größte Änderung betrifft genau diesen Punkt: Wie geht das Diagnosehandbuch und damit auch diejenigen, die es verwenden, mit dem Thema Trauer um? Die Frage wurde in den Medien auch ausdrücklich auf Todesfälle in der Coronapandemie bezogen.

Im DSM-5-TR gibt es nun genau eine neue psychische Störung, nämlich: Prolonged Grief Disorder (PGD), also in etwa: “Verlängerte-Trauer-Störung”.

Damit ist die Frage, wie sich Trauer zu Depressionen verhält, eindeutig beigelegt. Und zwar in dem Sinne, dass eine psychologisch-psychiatrische Diagnose von PGD möglich ist, sobald einige Bedingungen gegeben sind:

Erstens soll der Todesfall mindestens zwölf, bei Kindern und Jugendlichen mindestens sechs Monate her sein. Charakteristisch für die Störung sei ein intensives Verlangen nach der verstorbenen Person oder eine intensive gedankliche Beschäftigung mit ihr.

Diese “Symptome” sollen mindestens einen Monat lang und dann so gut wie an jedem Tag vorliegen. Wie es für alle psychischen Störungen gilt, muss dieser Zustand mit “klinisch signifikanten” Einschränkungen im Privat-, Arbeits- oder Sozialleben einhergehen, um eine Diagnose zu rechtfertigen.

Typisch für PGD seien zudem: eine Identitätsstörung (als ob ein Teil von einem selbst gestorben sei); Unglauben an den Todesfall; Vermeidung an die Erinnerung, dass die vermisste Person gestorben ist; emotionale Schmerzen; Schwierigkeiten, sein Leben weiterzuleben; emotionale Abgestumpftheit; das Gefühl, das Leben sei sinnlos; und intensive Einsamkeit.

Wer die diagnostischen Kriterien für Depressionen kennt, der dürfte hier schnell eine Überschneidung erkennen: depressive Verstimmung, Interessenverlust, Trägheit, Verlust von Energie, Entscheidungslosigkeit oder ein Gefühl von Wertlosigkeit.

Mit fünf solcher von insgesamt neun Symptomen auf der Liste käme die Diagnose – nach zwei Wochen – bereits in Frage. Dass der Verlust eines geliebten Menschen vielleicht auch mit Schlaflosigkeit oder Schläfrigkeit, Gewichtszu- oder Abnahme und wiederholten Gedanken an den (eigenen) Tod einhergeht, kann man sich leicht vorstellen. Damit wären die Neun komplett.

Beim Vorliegen einer depressiven Störung ist das aber die vorrangige Kategorie und soll PGD nicht diagnostiziert werden. Zudem führen die US-Psychiater aus:

“Dauer und Stärke der Verlustreaktion müssen außerdem eindeutig das übersteigen, was auf Basis der sozialen und kulturellen Standards sowie des religiösen Hintergrunds eines Individuums zu erwarten ist. Das heißt nicht, dass diejenigen automatisch die Störung haben, die für ein Jahr oder länger nach dem Verlust einer geliebten Person regelmäßig Trauer erleben. Personen mit intensiver und behindernder Trauer können aber nach einem Jahr für die Diagnose in Betracht gezogen werden.”

American Psychiatric Association; dt. Übers. d. A.

Medizinalisierung

Damit wurde nun der offizielle Standpunkt der US-Psychiatrie zur Trauer geklärt – und wohl eher nicht im Sinne von Allen Frances: Ab einer bestimmten Zeit kann diese insbesondere dann psychologisch-psychiatrisch diagnostiziert (und behandelt) werden, wenn sie nach Meinung des Arzt oder Therapeuten sozial, kulturell oder religiös nicht mehr angemessen ist.

Dabei sollte man wissen, dass das DSM auch in vielen anderen Ländern rund um den Globus verwendet wird und für viele seiner diagnostischen Kategorien sogenannte “unspezifische” Alternativen enthält. Diese können vergeben werden, wenn die eigentlichen Kriterien nicht ganz erfüllt sind. Damit sind also auch die zeitlichen Grenzen nicht in Stein gemeißelt.

Kritiker von Medizinalisierung (oder Medikalisierung) bemängeln regelmäßig, dass bestimmte Bereiche menschlicher Erfahrung nicht in den medizinischen Bereich gehören. Dabei sollte man berücksichtigen, dass der ganze Bereich der Medizin – trotz Affinität der heute vorherrschenden Biomedizin zu den Naturwissenschaften – von menschlichen Normen durchtränkt ist.

Das gilt auch für die tastbarere, primär körperliche Medizin: Für bestimmte Blutwerte gelten Grenzwerte, also Normen. Auch darüber, ab wann eine bestimmte Auffälligkeit mit einem anderen diagnostischen oder bildgebenden Verfahren “klinisch relevant” ist, können Meinungen von Fachleuten auseinandergehen.

So weit so gut. Die Meisten von uns, mich eingeschlossen, dürften für den medizinischen Fortschritt dankbar sein. Skurril wird das Ganze aber schon etwas, wenn man es im Kontext des (jedenfalls zurzeit noch) vorherrschenden molekularbiologischen Paradigmas in der Psychiatrie sieht: Demnach sind psychische Störungen nämlich Gehirnstörungen.

Das heißt, wenn ein Arzt oder Therapeut demnächst PGD diagnostiziert, weil er das Ausmaß der Trauer seines Klienten nicht mehr für sozial, kulturell oder religiös angemessen hält, attestiert er impliziert auch ein Gehirnproblem des Betroffenen. Und wenn derselbe Klient in einem anderen Kontext ist, in dem vielleicht zwei oder sieben Jahre Trauer normal sind, dann hat er keine Hirnstörung?

Wir erinnern uns daran, dass man verhaltensauffälligen Kindern im 20. Jahrhundert viele Jahre lang schlicht einen “Minimal Gehirnschaden” (Minimal Brain Disorder, MBD), später dann eine “Minimale Gehirnstörung” diagnostizierte. Aufgrund anhaltender Kritik nannte man es in den 1980ern in ADHS um.

Bei den Kriterien der ADHS spielte Allen Frances in den 1990ern übrigens auch eine bedeutende Rolle. 20 Jahre später würde er kritisieren, dass die Kriterien in der Praxis anders angewendet wurden, als er und die anderen Köpfe hinter dem DSM-IV sich das vorgestellt hätten.

Individualisierung

Die Beispiele PGD, MBD sowie unzählige andere veranschaulichen das Potenzial einer medizinischen Diagnose, Probleme im Individuum, insbesondere in einem biologischen Zusammenhang, zu dekontextualisieren und depolitisieren. Will sagen: Die Probleme verschwinden dann von der sozialen Bildfläche und werden auf einmal molekularbiologische beziehungsweise neurologische Probleme.

So können Psychologie und Psychiatrie politisch werden. Und ist es ein Zufall, dass die Individualisierung und Biologisierung von Problemen (und damit auch von Verantwortlichkeit) dem neoliberalen Modell in die Hände spielt? Und dass in unserer neoliberalen Zeit ausgerechnet diejenige psychologische und psychiatrische Forschung mit Milliarden bedacht wird, die diesen Ansatz vertritt?

Ich übertreibe? Warum prangen dann auf dem einseitigen Faltblatt der American Psychiatric Association zu PGD ganze drei Gehirnbildchen? Und warum ist dann davon die Rede, dass Antidepressiva bei PGD kaum helfen? (Zur Erinnerung: Tun sie bei Depressionen oft auch nicht.) Und warum gibt es nun Versuche, PGD stattdessen mit Naltrexon zu behandeln, einem Mittel zur Behandlung von Alkohol- oder Opioid-Abhängigkeit?

Es sei auch noch einmal daran erinnert, dass die Deutsche Stiftung Depressionshilfe und insbesondere ihr Sprecher Professor Ulrich Hegerl den Deutschen vorwirft, nicht biologisch genug über psychische Störungen zu denken. “Psychische Störungen sind Erkrankungen im medizinischen Sinn”, heißt es dann so schön.

Hilfe, wem Hilfe gebührt

PGD ist meiner Meinung nach das neueste Beispiel dafür, dass Psychiater das medizinische Modell endlich aufgeben sollen. Doch wichtig: Damit wird weder die Realität psychischer Probleme noch deren leidvoller und einschränkender Charakter angezweifelt.

Im Gegenteil ist es ein Plädoyer dafür, die Probleme eines Menschen als genau das zu sehen: Das Problem eines bestimmten Individuums mit einem bestimmten Körper in einer bestimmten Lebenssituation und einem bestimmten sozialen Kontext einschließlich seiner Historie.

Natürlich ist das aufwändiger als Therapie und Forschung nach bürokratischen Vorgaben – aber es wird der holistischen Ganzheit besser gerecht, die jeder von uns, jeder einzelne Mensch ist.

In diesem Sinne: Hilfe, wem Hilfe gebührt! Wenn Menschen die PGD-Diagnose, spezialisierte Psychotherapie oder medikamentöse Therapie hilft, dann ist das eine gute Sache. Dann rede ich aber von einer Hilfestellung im Sinne dieser Menschen – und nicht der behandelnden Expertinnen und Experten.

Dass dafür Checklisten eine große Hilfe sind, wage ich zu bezweifeln. Erfahrene Ärzte und Therapeuten verwenden sie darum aber oft nur zur Orientierung oder zur Erfüllung institutioneller Anforderungen, insbesondere der Krankenkassen. Das ist aber etwas Anderes, als eine Kategorie wie PGD für ein echtes Ding im Gehirn zu halten.

Wie schon so oft in der jüngeren Geschichte der Psychiatrie wird die Einführung einer neuen Diagnose von entsprechenden Medienberichten begleitet. So erschien erst kürzlich im Knowable Magazin der lange, mit medizinischen Fakten untermauerte Erfahrungsbericht einer Betroffenen.

Ihre PGD entstand nach dem Tod ihrer Mutter. Und sie verschwand auf mysteriöse Weise sieben Jahre später: mit der Geburt ihrer Tochter.

Das sind schon mysteriöse Gehirnstörungen, die durch die Ankunft eines eigenen Kindes spontan geheilt werden. Wie gut, dass Trauer endlich als psychische Störung anerkannt ist!

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint auch auf Telepolis. Titelgrafik: Tumisu auf Pixabay.

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44 Kommentare

  1. Ich kenne da viele Fälle von dieser Trauer. Oft ist es so -gerade im Alter- wenn einer gehen muss, folgt bald der andere. Trauer ist eine Grundemotion die wir nicht verdrängen können und die, meiner Ansicht nach, traumatisch wirkt da sie Einsamkeit ,Sinnlosigkeit und Hilflosigkeit im Schmerz vereint. Trauer scheint sich auch zu vererben in dem Sinne das die Mutter diesen “Schmerz” nonverbal an ihr Baby bzw. Kleinkind weitergibt, was dieses wiederum prägt. Erinnert sei hier an Kriegskinder die das dann als Trauma empfinden. Trauer kann wohl nur sekundär an den Symptomen medikamentös behandelt werden da die Seele “krank” ist. Hilfe sehe ich hier vielleicht im spirituellen Bereich wo echtes Mitgefühl mitschwingt .

  2. Vor einigen Jahrzehnten erregte dieses Buch Aufmerksamkeit „Die Unfähigkeit zu Trauern“. Verfasser war ein Alexander Mitscherlich.
    Darin verstand man unter Trauern etwas Rationales, das Bewusstwerden einer Schuld.
    Wenn man also nicht fähig ist , oder nicht willens ist, zu trauern.
    Diese Unterscheidung zu treffen, das überlasse ich einem Psychologen.

    Es geht also um Gefühle und dem Umgang mit Gefühlen.
    In Griechenland muss die Witwe ein Jahr lang Schwarz tragen, das verlangt die Sitte.
    Der Umgang mit Gefühlen ist also auch kultureller Art.
    Es wäre auch befremdlich , wenn einer bei einer Beerdigung lacht.
    Beim Umgang mit dem Tod gibt es sowas wie ein gemeinschaftliches Verhalten.

    Wörtlich genommen ist der Tod eine psychische Störung. Behandelt werden sollte diese Störung sofort, indem man der Person Anteilnahme signalisiert und ihr hilft.
    Der Leichenschmaus ist der erste Schritt in die Welt der Lebenden zurück.

    Wenn man den Trauernden/die Trauende allein lässt, dann kann die Person in ein „Loch“ fallen aus dem sie nicht mehr heraus findet. Aber sie muss sich auch helfen lassen, das wäre gut.

  3. @Golzower: Ja – und gerade wegen dieser Komplexität und Tiefe von Trauer, die uns in diesem Fall auch mit unserer eigenen Sterblichkeit konfrontiert, sollte man sie meines Erachtens nicht auf ein Etikett wie PGD reduzieren.

    P.S. Dass kurz nach dem Versterben von Partnern die “überlebende Hälfte” schwer krank wird und vielleicht sogar auch stirbt, wurde in einem der verlinkten Texte thematisiert. Auf diese “Seitenstraße” wollte ich aber nicht “abbiegen”. Vielleicht ein anderes Mal.

  4. @hwied: kulturelle Unterschiede

    Ich denke, dass die Einführung von PGD auch ein Ausdruck unserer individualisierten und “hochentwickelten” Gesellschaft ist.

    (Ich gehe aus, dass wir uns auf eine schwere Rezession hinbewegen; und dass die Menschen sich auf andere Werte werden besinnen müssen. Darüber in Zukunft bestimmt mehr.)

    In Indien gab (und vielleicht sogar vereinzelt noch: gibt) es diesen Brauch – genannt Sati –, dass die Witwe nach dem Tod des Mannes mitverbrannt wird.

    Furchtbare Vorstellung. Sie hatte aber den sozio-ökonomischen Hintergrund, dass die Versorgung alleinstehender, älterer Frauen nicht gesichert war. Und wenn man dann auch noch ein feindliches Frauenbild hat und sowieso denkt, dass die Seele (Atman) sich nach dem Tod einfach den nächsten Körper sucht…

  5. Trauer ist – ebenso wie Schmerz und Angst und Stress – ein Element des Lebens. Wenn mans auf Funktionalität runterbrechen will gibts Unterschiede, aber das alles ist mit dem Leben untrennbar verbunden.

    Ich finde Palliativmaßnahmen, wo nötig, schwer in Ordnung, aber – ehrlich gesagt – beim Ausdruck „psychische Störung“ fass ich mir schon an die Birne. Besonders, wenn ich sich da jemand eine Metrik ausdenkt, also eine Grenze, bis zu der es „normal“ und ab der es „krankhaft“ sein soll.

    Man verzeihe mir die Polemik.

  6. @Hauptartikel / Stephan 08.04. 11:37

    „Dann rede ich aber von einer Hilfestellung im Sinne dieser Menschen – und nicht der behandelnden Expertinnen und Experten.“

    Sollte selbstverständlich sein, ist es aber öfter nicht. Gerade im psychischen Bereich ist vieles undurchsichtig, dazu kommt noch die spezielle Situation im stationären Bereich. Die meisten Patienten sind nicht freiwillig da, und entsprechend verzichtet man schnell ganz darauf, dass der Patient der konkreten Behandlung auch zustimmt.

    Der widerwillige Patient ist dann eben krankheitsuneinsichtig, und damit ist das Thema auch schon erledigt.

    „Das Problem eines bestimmten Individuums mit einem bestimmten Körper in einer bestimmten Lebenssituation und einem bestimmten sozialen Kontext einschließlich seiner Historie.“

    Genau so sieht man sich das auch am besten an.

    „und gerade wegen dieser Komplexität und Tiefe von Trauer, die uns in diesem Fall auch mit unserer eigenen Sterblichkeit konfrontiert, sollte man sie meines Erachtens nicht auf ein Etikett wie PGD reduzieren.“

    Die Auseinandersetzung mit Tod und Sterblichkeit ist ein ganz wesentlicher Teil des ganzen Lebens. Hier geht es um sehr viel mehr als nur um das Vermeiden von Unpässlichkeiten. Hier spielen Religion, Kultur und auch Wissenschaft als Weltbild herein, und dies braucht eine gründliche Auseinandersetzung nicht nur für den Tod, sondern für das ganze Leben vor dem Tod. Eine gelungene Akzeptanz von Sterblichkeit führt auch zu Lebenshaltungen, die ein sinnvolles Leben trotz Befristung gewährleisten.

    Hat man hier Lösungen gefunden, kommt man nebenbei auch mit Todesfällen besser klar. Der Schmerz ist unvermeidbar, aber die Perspektiven hängen mehr von der eigenen Einstellung gegenüber dem Leben und dem Tod ab. An dem Thema kommt man kaum vorbei, man muss sich hier positionieren, sonst kann der konkrete Tod das ganze Leben lähmen.

    Allein überhaupt an den eigenen Tod konkret erinnert zu werden, kann schon so manchen aus der Bahn werfen. Da kann man dran arbeiten.

  7. @Tobias: Zwang & Psychiatrie

    Hmm – bei den allermeisten Menschen in psychiatrischen Einrichtungen handelt es sich aber doch nicht um Zwangseinweisungen, oder?! Dem sind gesetzlich enge Grenzen gesetzt.

    Und zur Einsichtigkeit mal ein nettes Beispiel aus dem Alltag: Ich hatte Anfang Februar COVID. Im Prinzip waren es vier schwere Tage, konnte ich die ganze Zeit aber weiterarbeiten, wenn auch etwas weniger als sonst.

    In einer Runde von Psychologen, von denen manche schon seit Monaten mit COVID kämpfen, brachte ich vor Kurzem unsere chronische Überarbeitung und ihre Folgen (schon vor der Pandemie), die Stressreaktivität unseres Immunsystems und damit auch die Psychosomatik ins Gespräch – du kannst dir nicht vorstellen, was daraufhin los war!

    Und das bei unseren Experten für die “Seele”.

    Übrigens habe ich das mehrmals schon von Hausärzten gehört, dass es zwei Arten von Patienten geben soll: diejenigen, die offen für psychologische Aspekte sind, wenn sich keine Krankheitsursachen finden lassen; und diejenigen, die ewig weitersuchen. Zu den Letzteren gehörte ich bis in meine frühen 30er auch; aber na ja, ich wusste es halt nicht besser.

  8. @Tobias: Tod und Schmerz

    Schwierige, tiefe Themen, ja.

    Ich kann mir vorstellen, dass hierfür auch eine Rolle spielt, ob man denkt, dass man gut gelebt – oder so viel verpasst hat.

    In diesem Sinne ist das Beispiel der Geburt des eigenen Kindes aus dem Text sehr interessant: Eigene Kinder sind für viele Menschen ja so etwas wie eine Verlängerung des eigenen Egos über die eigene Sterblichkeit hinaus; im biologischen Sinne ist das auch die einzige Chance zum Weiterleben, die wir haben, sowohl auf individueller Ebene als auch als ganze Spezies.

    Hier könnte man auch noch einmal an Huxleys Schöne neue Welt denken: In dieser Gesellschaft ist das Thema Sterben tabuisiert, wird förmlich im Geheimen gestorben; wenn man sich mal nicht gut fühlt, gibt es Soma. Die offizielle Verabschiedung von PGD könnte ein Schritt in diese Richtung sein –

    – ich will das aber auch nicht nur negativ sehen. Bei Menschen, die über einen Verlust partout nicht hinwegkommen, kann ich mir schon psychotherapeutische Hilfen vorstellen. Dabei hängt es natürlich auch immer davon ab, bei wem man landet. Manche Menschen haben auch sonst niemanden, mit dem sie das verarbeiten könnten.

    (Dazu fällt mir ein, dass ich hier in den Niederlanden auf Listen niedergelassener Psychologen gesehen habe, dass sie die Behandlung älterer Menschen kategorisch ausschließen.)

  9. Früher hat man den Menschen 4 Temperamente zugeordnet.
    1. der Sanguiniker
    2. der Choleriker
    3. der Phlegmatiker
    4. der Melancholiker
    Das bedeutet, man kann die Menschen nur in einem bestimmten Rahmen therapieren.
    Alles ganz normal. Aber eben doch nicht. Für die Trauerzeit nach einem Todesfall galt 1 Jahr als normal.
    Tod ist nicht die einzige Ursache für Melancholie. Es gibt ja auch noch Mißhandlung, Stoffwechselstörungen, übermäßige Enttäuschung, verschmähte Liebe.
    Kann man, soll man Melancholie behandeln ? Frage an die Profis .
    Nachtrag: Ich kenne /kannte mehrere Menschen , die Kriegstraumata nicht überwunden haben.
    Ich kannte einen Menschen der nach einer Folter durch die Stasi nach 9 Jahren Suizid gemacht hat.
    Das Thema Selbstötung gehört also mit zu dem Thema Trauerbewältigung.

  10. @Mussi: Leute verstehen dann psychosomatisch = nicht echt = das bildest du dir nur ein – und werden dann sehr wütend.

    P.S: Es ging um einige Psychologen, mit denen ich im Gespräch war, nicht die Psychologen schlechthin.

  11. @Schleim: die Psychologen
    Danke für die Korrektur,aber manchmal ist das auch wie eine Stichprobe.

    Ansonsten: hahaha…jaja…die Ehre,der Stolz und der Respekt…und die Kränkung…

  12. @Schleim:Ergänzung

    …der Ernst…

    Hoffentlich löst man das dann wieder mit Humor auf,sonst kann es echt böse werden…oder noch schlimmer… 🙂 … noch nicht mal mehr ignorieren.

  13. @Stephan 09.04. 07:14 / 07:21

    „bei den allermeisten Menschen in psychiatrischen Einrichtungen handelt es sich aber doch nicht um Zwangseinweisungen, oder?!“

    Es wird besser, aber es ist immer noch verbreitet. Neben denen, die direkt per PsychKG eingewiesen werden, gibt es noch mal so viele, die „freiwillig“ in die Klinik gehen, um ein PsychKG zu vermeiden.

    Ich habe auch gar nichts gegen Zwangseinweisungen, im Gegenteil kenne ich einige Fälle, wo die Leute jahrelang unbehandelt bleiben, weil sie es schaffen, eben keinen Anlass für eine Zwangseinweisung zu bieten. Aber dann immer weiter in den Wahnsinn abstürzen. Hier würde ich mir sogar wünschen, dass man nicht nur bei akuter Gefahr Zwangseingewiesen werden kann, sondern auch, wenn eine Behandlung aus gesundheitlichen Gründen sehr wichtig wäre.

    Bevor man die Einweisungsmöglichkeiten erweitert, sollte man allerdings die Prüfung durch einen Richter verbessern, und z.B. einen unabhängigen Genesungsbegleiter mit einbeziehen. Derzeitig winken die Richter praktisch alles durch, und folgen einfach der Argumentation der Mediziner. Hier fehlt sowas wie ein Anwalt, als Gegengewicht zur alleinigen Expertise des einweisenden Psychiaters.

    Mir ging es darum, dass man sich einfach wenig Mühe gibt, den Patienten von einer konkreten Behandlung zu überzeugen, weil man es eben nicht muss. Auch wenn viele inzwischen freiwillig in die Klinik gehen, wird bei der Medikation selten diskutiert. Die wird verordnet, und notfalls mit Fixierung erzwungen. Das geht einfach schneller, als den Patienten davon zu überzeugen, dass er seine Medikamente braucht.

    „Ich kann mir vorstellen, dass hierfür auch eine Rolle spielt, ob man denkt, dass man gut gelebt – oder so viel verpasst hat.“

    Das bleibt in jedem Fall übrig, egal wie man sich ein Leben bzw. eine Nichtexistenz nach dem Tod vorstellt. So lässt die Angst vor dem Tod mit dem Alter auch immer mehr nach, weil man inzwischen immer mehr Leben gelebt hat. Aber eben auch, weil man sich mit der Zeit immer besser mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

    „Eigene Kinder sind für viele Menschen ja so etwas wie eine Verlängerung des eigenen Egos über die eigene Sterblichkeit hinaus…“

    Das müssen keineswegs eigene Kinder sein. Die eigenen Gene sind als tausendfache Kopien im Genpool unterwegs. Auch wenn man selber keine Kinder hat, lebt man in den Kindern anderer weiter. Die persönliche Komposition der eigenen Gene geht in jedem Fall verloren, da helfen auch Kinder nicht, da müsste man sich schon klonen lassen.

    Und überhaupt können auch die Werke des eigenen Lebens noch nachwirken, und einen selbst überleben. Vor allem aber geht das Leben selbst weiter. In dem Maße, wie man sich als Teil eines allgemeinen Lebens versteht, in dem Maße lebt man im Prinzip auch in den anderen weiter. Nicht nur in Kindern, auch in der physischen Welt allgemein.

  14. @Tobias: psychiatrische Klinik & Autonomie

    Es ist wohl leider so, dass aufgrund des Marktmodells leichte psychische Störungen über-, schwere Fälle aber unterbehandelt werden. In einer freien Gesellschaft ist es aber schwierig, jemanden zu einer Behandlung zu zwingen. Das gilt übrigens auch für Menschen mit Tumoren, die mitunter schon deutlich sichtbar sind und darauf von ihren Mitmenschen angesprochen werden, die aber trotzdem den Ganz zum Arzt ablehnen.

    Dazu, wie genau Richterinnen und Richter Anträge auf Zwangseinweisung prüfen, kann ich mittels Sachkenntnis zurzeit nichts sagen.

    Zu Fixierungen und Zwangsmedikation hat es aber in den letzten Jahren wegweisende Gerichtsurteile gegeben, auch auf europäischer Ebene, die die Autonomie der Patienten unterstreichen.

    Zu deinen übrigen Punkten passt das neue Buch von Ludger Tebartz van Elst, der hier auch schon bei den Interviews zu Gast war: Jenseits der Freiheit: Vom transzendenten Trieb. Es ist sehr lesenswert; leider hat der Verlag es sehr teuer gemacht.

  15. Zu hWied :
    Sie kannten einen Menschen der sich nach der Folter durch die Stasi umgebracht hat. Ich kenne Menschen die als ehemalige DDR-Bürger sich mehr oder weniger totgesoffen haben bzw. Selbstmord verübten weil sie mit dieser neuen Bundesrepublik incl. deren Werte nicht klar gekommen sind. Will sagen: Trauer ist wohl eine Art Verlust. Man kann Menschen verlieren, Ideale verlieren, Träume verlieren, Vertrauen verlieren , von der vermeintlich großen Liebe betrogen werden etc . Melancholie wird dann -unbewusst- zu einem steten Grundgefühl an dem alles gemessen wird und was auch organisch krank macht. Ein Zirkusdirektor wurde einmal von einem Reporter gefragt wer von den vor ihnen sitzenden Mitarbeiter nun der Clown sein. Die Antwort: Der mit dem traurigsten Gesicht. Dieser Vergleich fällt mir ein wenn ich an K. Krömer denke.
    (Psychologisch erklärbar)

  16. Letztlich geht es doch vor allem darum, dass es eine neue Diagnose gibt: Prolonged Grief Disorder. Dianosen ziehen vieles nach sich:
    1) Ohne Diagnose keine Therapie
    2) Ohne Diagnose zahlt keine Krankenkasse
    3) Ohne die „richtige“ Diagnose auch nicht die richtige Therapie.

    Nebenbei: Wenn Stephan Schleim hier fordert, die Psychiatrie sollte sich vom medizinischen Modell verabschieden, dann meint er wohl nicht, psychiatrische „Erkrankungen“ sollten nicht mehr von der Krankenkasse übernommen werden. Allerdings kann das genau die Folge sein, denn: Wenn die „Kunden“ von Psychiatern plötzlich keine Kranken mehr sind, weil man das medizinische Modell nicht anwenden will, wie will man dann die Krankenkasse davon überzeugen, dass sie trotzdem zahlen müssen.

  17. @Holzherr
    Nehmen Sie die Definition der WHO zu Gesundheit,dann dürfte wohl der geringste Teil der Menscheit als nicht krank gelten.
    wikipedia bietet einen guten Überblick zum Begriff Gesundheit.
    Da findet man eigentlich auch zwischen den Zeilen die Aufhebung des Gegensatzes zwischen dem medizinischen und sozialen Modell.
    Wer immer noch zwischen Körper und Geist trennt,anstatt beides in einer Hülle/Haut zu betrachten,der ist sehr weit weg vom Wesen des Sein.

  18. Golzower,
    sie sprechen etwas Verbreitetes an, sich tot saufen, das wird gar nicht als Selbsttötung gesehen. Dann kommen noch die vielen Geisterfahrer, in Japan soll es sogar Menschen geben, die sich tot arbeiten.
    Also woran mangelt es, an Lebensfreude.
    Und jetzt kommt die Gretchenfrage, wer ist der bessere Mensch ?
    Der, der im größten Durcheinander lustig bleibt, oder der , der sich sorgt und an seinen Sorgen zerbricht ?

  19. @hwied
    Trauer und Leid sind Zwillinge.
    Anstatt eine Lösung in der Theodizee zu suchen,die so oder so nicht zu einem eindeutigen Ergebnis führt,sollten wir in der Anthropodizee nach Wegen suchen.
    Mich treibt z.B. die Frage um,warum wir es nicht schaffen,uns gegenseitig mehr Lebensfreude zu geben/zu vermitteln?
    Schwierig bei selbstverursachten Krisen des Anthropozäns.

  20. Trost und Trostlosigkeit in Beziehung zum transzendentalen Trieb,darüber muss ich nochmal in Zusammenhang mit Erlösung nachdenken.

  21. @Schleim
    Was mich bei Ihnen umschleicht ist die Sorge, dass Fürsorge kommerzialisiert wird.
    Damit habe ich mich auch schwer getan im Neoliberalismus.
    Es ist dann schwierig,wenn man sie wegen Geld verweigert.

  22. Mussi,
    wer bist du `? woher kommst du ? Wohin gehst du ?

    Weil wir diese einfachen Fragen nicht beantworten können, wird unser Sein auch als transzendent empfunden.
    Wir füllen die Lücke mit der Kunst. Sie drückt das aus, was sich mit Sprache nicht sagen lässt.
    Was sich auch nicht denken lässt, denn unser Denken ist an Sprache gebunden und wenn wir keinen Begriff für etwas haben, dann gibt es das einfach nicht.

    Den kulturellen Sprung haben wir mit dem Gedanken des Eingott geschafft. Der füllt die Lücke, weil er der Lücke einen Sinn verleiht.
    Aber jetzt diesem Gott alle Fehler der Menschen anzulasten, das ist unlogisch, wie die ganze Theodizee ein logisches Konstrukt ist, ein Zirkelschluss.

    Glück und Unglück erinnern uns ständig daran, dass es neben der realen physischen Welt noch eine ideelle Welt gibt, in der die Begriffe wie Liebe, Gerechtigkeit, Freiheit eine Heimat haben.
    Die dazugehörige Philosophie nennt sich Idealismus.

  23. Zu Mussi:
    Betrifft “Lebensfreude…”
    Ich würde meinen das Menschen generell mit Lebensfreude ausgestattet sind und das alle Kulturen dieser Welt sie auch besingen, betanzen oder mit einem oder mehreren Gläsern Bier oder Wein feiern. Vielleicht gibt es zwischen den Völkern verschiedene Auffassungen /Mentalitäten und der Deutsche ist ja nicht gerade diesbezüglich Weltmeister da sein Ego mehr auf Hochleistung trainiert ist was sich dann oft in Konkurrenzdenken , Arbeitswut, Neid, Geiz oder Mobbing zeigt . Vielleicht sollte man aber auch gar nicht über diesen Begriff philosophieren denn Freude empfindet jeder anders und es ist gut so dass man
    sich trotz all dem was so passiert noch freuen kann, solange es nicht auf Kosten anderer geht.
    Zu hWied:
    Die Hinduisten fragen nicht “Wer bist du ?” sondern “Wer bin ich ?”
    Diese Fragestellung scheint mir effizienter da man andere nur verstehen kann wenn man sich und seine Schwächen selbst kennt. Bei “Wer bin ich ” muss ich ehrlich werden und die Hosen runterlassen und kann mich nicht hinter dem von meinem eitlen EGO erstellten Wunschbild verstecken.

  24. Ich kanns nur durch den Bauch sagen, aber auch mein Eindruck ist der eines Fortschritts durch diese neue Anerkennung.
    “Die Meisten von uns, mich eingeschlossen, dürften für den medizinischen Fortschritt dankbar sein. ”
    …der sicher nicht erzielt wurde durch unkritische Begleitung wie heute oft üblich und nicht selten eingefordert.
    Im Gegenteil, man kennt das auch aus dem Sport, das Ersticken am eigenen Erfolg. Passt die Medizin nicht auf, ist schnell Ende mit Fortschritt, durch unkritische Selbstgerechtigkeit und verwandte Haltungen.
    Schon heute versagt das System bei der Herstellung neuer Antibiotika .
    “Ich übertreibe?”
    Äh…nein. Die Tendenz num Neoliberalismus ist klar erkennbar. Wie auch anders, derartiges Denken durchdringt immer alle Lebensbereiche, warum also haltmachen vor der sehr politischen Frage der Medizin, die sogar ein traditionelles Lieblingsthema der Sozialdarwinisten ist.

  25. @Holzherr: Statt des (bio-)medizinischen Modells kann man doch auch das biopsychosoziale Modell anwenden. In der Praxis dürften das ohnehin die Meisten machen – aber weil das MM als “wissenschaftlicher” gilt und seit den 1980ern das große Geld in den biomedizinischen Bereich strömt, tut man so, als gäbe es das BPS nicht.

    Bei Ihnen scheint der Trick ja funktioniert zu haben.

  26. P.S. Für Patienten und Krankenkassen wäre das BPS viel ökonomischer, weil man dann nicht Jahr für Jahr diese Milliarden(!) in Forschung für die Mülltonne stecken müsste.

  27. @Schleim
    Der link funktioniert nicht.

    [Danke. Probieren Sie es bitte noch einmal. S. Schleim]

  28. @hwied
    Ich meine,sie irren, wenn Sie die physiologische von der ideellen Welt trennen.
    Nach meiner Ansicht gehört es zusammen.
    Erst die Trennung macht es schwierig.

  29. @Schleim:Depressionen
    Meine Erfahrung mit der Psychologie/Psychatrie ist,das Viele das Logik-Problem nicht lösen können:
    Worin besteht die Gemeinsamkeit zwischen: Widerspruch und Zwiespalt?
    Das Kausalitätsproblem,die eine Ursache,in beidem ist nicht lösbar.
    Daran zu scheitern ist kein Beinbruch

  30. Mussi,
    gerade lese ich das “Kirchenblättle”. Darin fordert unser Pfarrer “mehr Bescheidenheit ” ein. Der um sich greifende Materialismus, der alles bestimmt, bis hin zum Krieg, der kann nur durch das Ideal der Bescheidenheit begrenzt werden.
    Anmerkung: Marine Le Pen fordert einen Austritt aus dem Euro ! Eine Schreckensvision für unsere verwöhnten Politiker.
    Sollen wir bei diesem Gedanken jetzt jubeln oder trauern ?
    Die Welt der Ideen ist unverzichtbar, wenn wir nicht in einer ökologischen und wirtschaftlichen Katastrophe enden wollen.

  31. @hwied: Damit würde Frankreich erst einmal sich selbst finanziell ruinieren; aber klar, wir sitzen alle in einem Boot. Die Bevölkerung scheint es übrigens kaum zu interessieren (geringe Wahlbeteiligung). Aber bleiben wir doch beim Thema.

  32. Das Thema lautet, ist Trauer eine Gehirnstörung ?
    Wenn das so wäre, dann könnte man sie mit Medikamenten behandeln.
    Der Volksmund sagt:”Wer Sorgen hat, hat auch Likör”.
    Es funktioniert also, aber eben nur eingeschränkt. Die Nebenwirkungen von dauerndem Alkoholgenuss reichen bis zum Tod.
    Und es wird nur die Niedergeschlagenheit bekämpft, nicht die Ursache der Trauer.
    Dabei wird auch offensichtlich, dass das Wort Trauer in zweifacher Hinsicht benützt wird. Einmal als Folge einer Störung, zum Anderen als Ursache der Störung.
    Wer also mit Medikamenten behandelt, der hält die Trauer für die Ursache der Störung.
    Wer Trauer psychisch behandelt, der hält die Trauer für die Folge einer Störung.
    Warnung: Meinung eines Laien.

  33. @hwied 10.04.2022, 15:50 Uhr

    Der Volksmund sagt: „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“.
    (…)
    Und es wird nur die Niedergeschlagenheit bekämpft, nicht die Ursache der Trauer.

    Du legst den Finger in die Wunde. – Wer das ebenfalls thematisiert ist der große alte Mann des Humors in Deutschland mit der Volksdroge.

  34. Wolf-Dieter Busch,
    Anstelle der Volksdroge schlage ich eine Ziege vor. Wenn man so richtig deprimiert ist, dann bestreut man seine Füße mit einem Salzstreuer. Dann ruft man seine Ziege “Zicklein komm” und schon kommt die Ziege und leckt die Füße ab. Der Effekt bleibt nicht aus. Augenblicklich beginnt man zu Lachen, weil die Zunge der Ziege kitzelt. Aber nicht übertreiben, es sind schon Todesfälle bekannt geworden.

  35. “Trauer und Gehirnstörung”
    Finde ich persönlich großen Humbug. Bei den Buddhisten heißt das Anhaftung und die hat Ursachen. Wenn Trauer , also eine Emotion, eine Gehirnstörung wäre, wären auch Hass, Wut, Neid, Gier (Habgier/Machgtgier) etc. Gehirnstörungen, womit dann wohl garantiert 99,9 Prozent der Menschheit Gehirnstörungen hätten. Banker könnte man dann wahrscheinlich geschlossen in die Psychiatrie überweisen und die Militärs auch .Vielleicht sollten dann auch einige Psychologen ihre “Gehirnstörungen” mal von Psychologen behandeln lassen.

  36. Wolf-Dieter Busch
    Joggen wird so langsam zum Volkssport.
    Die evolutionäre Ursache für das Wohlbefinden beim Laufen kann man sich herleiten. Der Urzeitmensch, der am agilsten war, der sein Gelände untersucht hat, der , der dem Wilde nachgezogen ist, der war erfolgreich.
    Stellen Sie sich mal vor, wenn man Unlustgefühle beim Laufen bekäme.
    Die höchste Empfindlichkeit geht in Richtung Zehen, also dorthin , wo der Fußabdruck erfolgt.
    Frauen sind in der Mitte es Fußes empfindlich, dort wo der Abdruck nicht erfolgt. Deswegen sind die vielleicht häuslicher.

  37. @hwied — zutreffend. Das Gehen bei einer gewissen Geschwindigkeit bringt den Bewegungsapparat in rhythmische Bewegung, die als Überlagerung von Kreiselbewegungen darstellbar ist. Minimaler Energie-Aufwand, und man kann dabei träumen.

    Für Eilige gibts den sogenannten Wolfstrott: paar Hundert Meter Dauerlauf, paar Hundert Meter Schritt, dann wieder Dauerlauf, und so weiter. Hab ich in meiner Jugend bei diversen Jugendfreizeiten selbst gemacht, und hat Spaß gemacht. (Heute nicht mehr.)

    Joggen find ich allerdings krank.

  38. Wolf-Dieter Busch,
    grundsätzlich ist jede Form von Bewegung gut für den Körper und gut für den Geist.
    Der Übergang vom Dauerlauf zum Joggen ist fließend. Entscheidend ist die Schrittlänge. Jogger machen kurze Schritte und dafür schneller, (Langstrecken)Läufer ziehen den Schritt lang und langsamer.
    Wichtig, beim Laufen müssen beide Füße den Boden verlassen. Beim Gehen ist immer ein Fuß auf dem Boden.
    Warum Joggen krank ist, wenn sie mal das letzte viertel ihres Lebenszyklusses erreicht haben, dann bleibt nur noch Joggen.

    Stephan Schleim
    an dieser Stelle, Laufen/Joggen wäre eine Therapie bei Depressionen.
    Mir ist noch kein Läufer begegnet, der einen traurigen Eindruck gemacht hat.
    (Wenn man Hüftprobleme hat, dann hilft auch die oben genannte Ziege)

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