Einführung zur Serie über Drogenpolitik

Wie können wir besser mit Medikamenten, Genussmitteln und Drogen umgehen?

Die zahlreichen Widersprüche in der Drogenpolitik lassen sich nicht mehr leugnen: Die heutige Regulierung ist traditionell verwurzelt und von politischen Interessen beeinflusst. Insbesondere haben die USA im 20. Jahrhundert ihre Verbotsideen, hinter denen ursprünglich die Ausgrenzung von Minderheiten wie Gastarbeitern oder Hippies stand (Mit Drogenpolitik wird Sozial- und Migrationspolitik gemacht), international durchgesetzt. Was dabei herauskam und in heute fast allen Ländern gilt, spiegelt die wissenschaftlichen Ergebnisse zur Gefährlichkeit verschiedener Substanzen nicht gut wider (Die Doppelzüngigkeit der Gesundheitspolitik).

Dabei waren noch im 19. Jahrhundert Kolonialmächte wie Großbritannien oder Frankreich selbst die größten Drogendealer und führten sogar Kriege zur Durchsetzung ihrer Macht- und Handelsinteressen. In Deutschland hatte man zwar den Höhepunkt der Kolonialzeit verpasst, dafür aber früher als andere Länder den leistungssteigernden Nutzen – nicht so sehr die damit einhergehenden Risiken – stimulierender Substanzen wie Amphetamin (“Speed”) militärisch untersucht. Den “Blitzkrieg” führten viele Wehrmachtsoldaten auf Drogen (siehe etwa Norman Ohlers “Der totale Rausch: Drogen im Dritten Reich”).

Den von US-Präsidenten Richard Nixon Ende der 1960er ausgerufenen “Krieg gegen die Drogen”, wo der wenige Jahre vorher ermordete John F. Kennedy wahrscheinlich für eine liberalere Politik gestanden hätte, muss man heute als gescheitert ansehen. Absurderweise ist gerade in den repressiven USA die Anzahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Drogen und Medikamenten in den letzten Jahren rasant gestiegen.

Insbesondere kosteten dort Überdosen von Opioiden (starken Schmerzmitteln) 2017 fast 50.000 Menschen das Leben (vor allem Männer), wodurch vor dem Jahr 2000 noch weniger als 10.000 Menschen jährlich gestorben waren. Zum Vergleich: Bei Unfällen im Straßenverkehr kamen dort 2017 rund 37.000 Menschen ums Leben. Die sogenannte Opioidkrise der USA geht aber nicht nur auf das Konto der Drogenszene. Auch Pharmaunternehmen und Ärzte haben zur massenweisen Verbreitung der Substanzen beigetragen – und daran kräftig mitverdient.

Wir sehen aber auch deutliche Lockerungstendenzen: Nach den Niederlanden und Portugal probiert man in immer mehr Staaten Nordamerikas die Legalisierung von Cannabis aus. International gerät zudem der mögliche medizinische Nutzen vieler heute (noch) verbotener Substanzen vermehrt in den Fokus von Wissenschaft und Gesundheitspolitik. Die bahnbrechende Forschung des Züricher Psychiatrieprofessors Franz X. Vollenweider zur Behandlung psychischer Störungen mit bewusstseinsverändernden Substanzen wie Psilocybin, Ketamin oder MDMA (Ecstasy) seit inzwischen mehr als 20 Jahren sei hier nur als Beispiel angeführt.

Was nicht verboten ist, ist erlaubt!

Im rechtsstaatlichen Kontext einer politisch liberalen und demokratischen Verfassung bedarf nicht die Legalisierung, sondern das Verbot einer besonderen Begründung: Was nicht verboten ist, ist erlaubt! Auch in Deutschland hat das Bundesland, das am härtesten gegen Drogen vorgeht – nämlich Bayern –, mit Abstand die meisten Todesfälle zu verzeichnen (Warum repressive Drogenpolitik nicht funktioniert). Die heutige Gesetzeslage bindet Ressourcen von Polizei und Justiz, die an anderer Stelle fehlen. Dabei gäbe es ohne die Verbote einen Großteil der Drogenkriminalität gar nicht.

Die neue Artikelserie über Drogenpolitik beginnt mit einem Beitrag “Die Droge als Instrument” von Christian P. Müller, Professor für Suchtmedizin an der Universitätsklinik Erlangen. Darin fasst er wesentliche Forschungsergebnisse zu Nutzen und Risiken verschiedener Substanzen (auch des Alkohols) zusammen. Müller plädiert dafür, die Chancen des Substanzkonsums nicht zu übersehen. Die meisten Menschen wüssten sehr gut, was sie täten und welche Zwecke sie damit beabsichtigten. Entscheidend sei die bestmögliche Aufklärung der Konsumenten.

In meiner Replik “Drogen als Instrumente – zur Anpassung? Kritische Anmerkungen zum Vorschlag, Drogen zum Erreichen von Zielen einzusetzen” weise ich daraufhin, dass die Aufhebung von Verboten mit einem zunehmenden Druck auf die Menschen einhergehen wird, sich an gesellschaftliche Verhaltens- und Leistungsnormen anzupassen. Diese Tendenz sehen wir heute schon sehr deutlich bei der Verschreibung von Psychopharmaka und beim “Gehirndoping” (Gehirndoping und die süchtige Arbeitsgesellschaft). Darauf reagiert Christian Müller in seiner kurzen Replik “Drogen als Anpassung – weil wir es können?”

Den vorläufigen Abschluss der Serie bildet mein Artikel “Medikamente und Drogen im Wandel gesellschaftlicher Erwartungen”. In diesem zeige ich auf, wie sich unser Denken über Drogen im Laufe der Zeit verändert. Insbesondere ist die Unterscheidung in die Kategorien Genussmittel, Medikament und Droge abhängig von Wertvorstellungen und in diesem Sinne ein sozial-politisches Konstrukt.

So mache ich am Beispiel der Stimulanzien wie Methylphenidat (“Ritalin”) und Amphetamin (“Speed”) zur Leistungssteigerung die Doppelmoral in unserem Umgang mit den Mitteln deutlich: Wenn immer mehr Kinder, Jugendliche und inzwischen auch junge Erwachsene vom Arzt diese Mittel verschrieben bekommen, weil sie angeblich an einer – auch nach über 100 Jahren immer noch nicht objektiv feststellbaren – Aufmerksamkeitsstörung leiden, dann gilt das als richtig; wenn Soldaten sich ihrer bedienen, um im Einsatz besser zu funktionieren, auch dann gilt das als wünschenswert; wenn aber Jugendliche oder junge Erwachsenen dieselben Mittel nehmen, um etwa auf Partys mehr Spaß zu haben, dann ist das auf einmal ein Drogendelikt, mit dem sich Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte beschäftigen sollen (und nach dem Legalitätsprinzip sogar müssen).

Die Überwindung des einfachen Dualismus zwischen (guten) Medikamenten und (bösen) Drogen eröffnet neue Gestaltungsräume in der Diskussion über die beste Drogenpolitik. Damit trete ich keineswegs für eine radikale Freigabe der heute kontrollierten Substanzen ein. Mir geht es vielmehr darum, aufzuzeigen, wie unsere Kultur das Denken über und den Umgang mit den Substanzen prägt. Kritisches Denken und wissenschaftliche Ergebnisse können und sollen den unbefriedigenden Status quo verbessern.

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint auch auf Telepolis – Magazin für Netzkultur. Die Titelgrafik stammt von Pixabay.

Die Serie über Drogenpolitik

Stephan Schleim

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Die Diskussionen hier sind frei und werden grundsätzlich nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen oder Monologe. Beim Gedankenaustausch darf es auch mal heiß hergehen, jedoch nicht beleidigend werden, vor allem nie unter die Gürtellinie gehen. Stephan Schleim ist studierter Philosoph, Psychologe und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Der Autor schreibt auch für zahlreiche andere Medien.

22 Kommentare

  1. “Bewusstseinsverändernde Subtanzen ”
    Was im Bewusstsein wird verändert ? Durch Drogen explodiert der Neurotransmitterhaushalt, Dopamin wird in tausendfach größerer Stärke produziert, was wiederum einen Rauschzustand mit verschiedenen Wohlgefühlen, Wahnvorstellungen, Realitätsverlust etc. erzeugt. Das Bewusstsein nimmt also eine andere Realität war da normale Grundemotionen wie Angst nicht mehr existieren. Diese extremen Erregungsformen sind gekoppelt an körperlichen und geistigen Stress, an einer Übererregung des Sympathikus , also unmenschlich, da dieses Konstrukt durch Erschöpfung irgendwann zusammenbrechen und kollabieren wird. Es wird also nicht das Bewusstsein verändert, sondern die Beurteilungen der Sinneswahrnehmungen. Das Bewusstsein, also die Erfahrung deseigenen SELBST, findet nicht mehr statt…

  2. @Querdenker: Bewusstseinsveränderung

    Was im Bewusstsein wird verändert?

    U.a. die Wahrnehmung?

    Durch Drogen explodiert der Neurotransmitterhaushalt, Dopamin wird in tausendfach größerer Stärke produziert…

    Das ist eine interessante metaphorische Redeweise… Aber nicht alle Drogen wirken meines Wissens primär über Dopamin.

    Das Bewusstsein nimmt also eine andere Realität wa[h]r…

    Das ist eine interessante Sichtweise… Ich würde spontan lieber behaupten, dass die Realität anders wahrgenommen wird. (Wobei ich als Philosoph denke, dass “die” tiefste Realität von uns gar nicht erkannt werden kann, u.a. weil wir die Welt immer nur anhand unserer vorhandenen Kategorien und Instrumente wahrnehmen. Die Welt ist für mich aber kein Konstrukt unseres Denkens; allenfalls unsere Wahrnehmung der Welt ist so ein Konstruk, wobei Co-Konstrukt es besser treffen würde.)

  3. Es stimmt eben nicht, dass die Einnahme von Medikamenten/Drogen von Regierungen durchgehend repressiv behandelt wurde. Vielmehr gab/gibt es immer wieder Richtungswechsel. Die Opioidkrise in den USA wurde erst durch das massive Bewerben dieser Schmerzmittel und durch eine aggressive, an Ärzte gerichtete Kampagne, die Verschreibung zu vervielfachen, ermöglicht.
    Jetzt wiederum ist eine Rückkehr zu repressivem Verhalten und zu zurückhaltender Verschreibung festzustellen.

    Die Drogenverschreibung, den Drogenkonsum dem freien Markt zu überlassen, hat sich in meinen Augen als schlechte Idee entpuppt. Zurecht wird heute in immer mehr Staaten Werbung für Alkohol und Nikotin verboten und auch das Rauchverbot in immer mehr öffentlichen und halböffentlichen Räumen lässt sich durchaus rechtfertigen.

  4. Ritalin als Mittel Hyperaktive ruhigzustellen ist ein Beispiel für den Einsatz von Drogen als gesellschaftliches Instrument (damit der Bub in der Schule ruhig ist und nicht herumzappelt), während ein ähnliches Mittel als Rauschmittel eingenommen vom Konsumenten als Instrument eingesetzt wird, die eigene Stimmung aufzuhellen oder seinen mentalen Zustand sonstwie zu beeinflussen. Ich würde es nicht als Doppelmoral bezeichnen, wenn man diese Fälle unterschiedlich behandelt, denn es werden ganz unterschiedliche Zwecke damit befolgt.

    Heute lehnen oft die gleichen eine repressive Drogenpolitik ab, die für ein Verbot der Prostitution einstehen. Natürlich ist es so, dass das, was nicht verboten ist, erlaubt ist. Deshalb will man ja die Prostitution verbieten. Damit sie nicht mehr erkaubt ist!

  5. @Schleim

    Wenn die Realität anders wahrgenommen wird, nennt man das Halluzination 😏

  6. @hto: Halluzinationen

    Spontan würde ich sagen, dass das Wahrnehmungen von etwas sind, das nicht real ist, und nicht eine andere Wahrnehmung der Realität.

  7. Auf Meskalin hatte Musik Substanz die ich durch den Raum schlängelnd kommen sehen und mit der Zunge aufnehmen konnte – wohl weil ich mal ein Poster von Jimi Hendrix und einem Kolibri an seiner Zunge gesehen hatte 😏

  8. Unter Bewusstsein versteht jeder wahrscheinlich etwas anderes. Ich persönlich sehe es unter zwei Aspekten. Bewusstsein ist ein Grad der WACHHEIT, gemessen an den Gehirnwellen. Je wacher ich bin, je aufnahmefähiger ist mein Geist für Reize bzw. für die Bewertung der Reize. Wenn ich also hocherregt, euphorisch bin, werde ich viele Reize aufnehmen, bis irgendwann einmal der Punkt kommt, wo ich diese Reize nicht mehr logisch (also mit dem Verstand) verarbeiten kann. Wenn ich Drogen nehme, überschreite ich diesen Punkt und mein Bewusstsein widerspiegelt diese Welt nur noch verzerrt .Gestörte Neurotransmitterabläufe an den Synapsen verändern die Be-und Empfindlichkeiten der Sinne und führen zu
    irrealen Gemütszuständen .Letzteres kann bei körperlichen Schmerzen positiv gesehen werden, da der Schmerz als aversiver Reiz nicht mehr wahrgenommen wird.

  9. Bestimmte Drogen sollen inaktive Synapsen stimulieren können und sogar neue Verbindungen herstellen – das wäre bei Schlaganfall-Patienten, oder Demenz, Alzheimer und … ideal!? Ich kann das nachvollziehen 😏

  10. Die erwähnten Konsumenten einerseits als mit der Droge vertraut und andererseits mit weiterer Aufklärung zu beladen, stellt in meinen Augen einen Fauxpas dar. Auf dem der versteckte double-bind beruht, den die Gesellschaft begeht und den es auszuräumen gilt. Bleibt eben diese Gesellschaft die Erklärung schuldig wonach sie ihre Aufklärung gedenkt auszurichten. Womit sie der Aufforderung nach Transparenz nicht nachkommt und macht sich unglaubwürdig gegenüber allen Instanzen denen sie vorgibt zu folgen.

  11. Ist das hier eigentlich ein seriöses Forum???
    Wäre hilfreich, wenn sich die SchreiberInnen zumindest doch mal insoweit outen würden, dass der/dem Leser/in ersichtlich wird, ob sie als KonsumentInnen ihre Meinung kundtun oder nur – mit ihren Worten – wiederholen, was sie irgendwo gelesen/aufgeschnappt – und möglicherweise/wahrscheinlich noch gar nicht richtig verdaut – haben…

  12. Man darf nicht vergessen, dass auch der beängstigende Ausbau des Überwachungsstaats zu großen Teilen vom Wunsch getrieben ist, Drogenkriminalität zu bekämpfen. Begründet wird natürlich immer mit Terrorismus und schwersten Verbrechen, tatsächlich geht es dann aber oft gegen den Dealer von nebenan.

    Es gibt wenige Politikbereiche, die so großen Schaden anrichten wie der bizarre war against drugs. Letztlich profitieren nur Behörden und die Mafia davon.

  13. Drogen liberalisieren/legalisieren, Konsum aber unattraktiv machen
    Die Jahrzehnte- bis Jahrhunderte alten gesellschaftlich/politischen Erfahrungen mit Alkohol und Nikotin sollten meiner Ansicht nach auch auf andere Drogen angewandt werden. Diese Erfahrungen lassen sich in folgendem Satz zusammenfassen: Ein Verbot erweist sich oft als kontraproduktiv, eine Erschwerung/Vergrätzung (Jugendschutz, Steuern/Abgaben, Einschränkung der Orte an denen Konsum möglich ist) kann jedoch den Konsum deutlich reduzieren. Bei den meisten Drogen bedeutet weniger Konsum weniger Krankheits- und Todesfälle und oft auch weniger Konsumenten überhaupt, weil etwa mit einer Altersgrenze die für die Suchtbildung kritische Altersphase übersprungen wird.
    In dieses Bild passt die jüngste SPON-Meldung USA heben Mindestalter für Zigaretten auf 21 Jahre an und der Subtitel dazu: Rauchen soll für Jugendliche unattraktiver werden. Der amerikanische Senat hat nun beschlossen, das Mindestalter zum Kauf von Tabakprodukten und E-Zigaretten deutlich zu erhöhen.

    Die positiven Folgen der Einschränkung des Alkohol- und Nikotin-Konsums
    – Eine UNO-Studie ergab einen Rückgang des Alkoholkonsum in Russland von 43% zwischen 2003 bis 2016. Gleichzeitig stieg die Lebenserwartung von russischen Männern von 57 Jahren 1990 auf 68 Jahre.
    Erreicht wurde das durch einen Mindestpreis auf Spirituosen, höhere Steuern, ein nächtliches Verkaufsverbot, Vorgehen gegen illegale Produktion und strenge Vorgaben für die Werbung.
    – Gemäss UNO sterben heute 1 Million Europäer pro Jahr (10 Mal mehr als Suizide oder Verkehrsunfälle) an den Folgen des Alkoholkonsums (Vergiftung, alkoholinduzierter Krebs, Leberversagen, etc). Europa ist der Kontinent mit dem höchsten Alkoholkonsum. In Ländern mit abnehmendem Konsum wie Island, Russland, Frankreich sind die Anzahl der Alkoholtoten jedoch deutlich zurückgegangen.
    – In Island ging der Alkohol-,Nikotin- und Drogenkonsum unter Jugendlichen drastisch zurück, nachdem landesweite Programme zur Beschäftigung der Jugendlichen (Sport etc) aufgelegt wurden. Dazu liest im spektrum.de-Artikel Wie man Jugendliche von Alkohol und Drogen fernhält
    Zitat:

    Der Anteil der 15- und 16-Jährigen, die im letzten Monat betrunken waren, fiel von 1988 bis 2016 von 42 auf 5 Prozent. Statt vormals 17 Prozent haben heute nur noch 7 Prozent von ihnen jemals Cannabis probiert, und lediglich 3 Prozent rauchen täglich Zigaretten.

    Fazit: Erwachsene und Jugendliche können dazu animiert werden, weniger Drogen zu konsumieren und Langeweile, Stress und Probleme mit anderen Mitteln als mit Drogen zu bekämpfen. Dazu gehören sowohl negative Anreizmittel (Steuern/Abgaben, Jugendschutz, Konsumeinschränkung in vielen Örtlichkeiten) als auch positive Anreizmittel (Beschäftigungsprogramme, Animation zu Hobbies, Kursbesuch, etc).
    Verbote sind also nicht unbedingt nötig und möglicherweise sind Verbote sogar weniger wirkungsvoll als andere Mittel.

  14. Hirnchemie als Erklärung für Psychosen?
    Der oben erwähnte Psychiatrieprofessor Franz X. Vollenweider hat Experimente mit Psilocybin, Ketamin und MDMA an kleinen Gruppen von gesunden Freiwilligen durchgeführt und dazu mehrere Papiere publiziert, indem er die Auswirkungen auf Neurotransmittersysteme wie Serotonin beschreibt und die von den Versuchspersonen erlebten Veränderungen von Stimmung, Denken, Erlebnis und viele weitere Veränderungen des Kognition und des Selbst- und Fremderlebens beschreibt. Studiert man diese Publikationen kommt man als Leser zum Schluss, dass solche Substanzen nur kontrolliert abgegeben werden sollten, denn die Wirkungen ähneln zum Teil stark schizophrenen Episoden oder anderen Psychosen. Es verwundert mich ein bisschen, dass Stephan Schleim seine Experimente als Argument für eine Freigabe dieser Substanzen (gar für die Selbstmedikation?) einsetzt. Gerade anschliessend an die Erwähnung von Franz X.Vollenweider schreibt Stephan Schleim beispielsweise

    Im rechtsstaatlichen Kontext einer politisch liberalen und demokratischen Verfassung bedarf nicht die Legalisierung, sondern das Verbot einer besonderen Begründung: Was nicht verboten ist, ist erlaubt!

    Doch wer beispielsweise Franz. X.Vollenweiders Artikel
    Psilocybin induces schizophrenia-like psychosis in humans via a serotonin-2 agonist action liest, kommt zum Schluss, dass Psilocybin mit gutem Grund als Selbstmedikation, als frei erhältliche Droge verboten sein sollte oder mindestens sehr restritkiv und unter strenger Kontrolle eingesetzt werden sollte. Zudem erklärt Franz. X.Vollenweider schizophrene Episoden mit einer veränderten Hirnchemie. An andere Stelle hat Stephan Schleim aber solche ansatzweise reduktionistischen Erklärungen von psychiatrischen Erkrankungen abgelehnt.
    Hier nun ein paar Ausschnitte aus oben verlinkten Artikel:

    PSILOCYBIN, ein Indolamin-Halluzinogen, erzeugt beim Menschen ein psychose-ähnliches Syndrom, das ersten Episoden von Schizophrenie ähnelt. Die psychotomimetische Wirkung von Psilocybin wurde bei gesunden menschlichen Probanden dosisabhängig durch den Serotonin-2A-Antagonisten Ketanserin oder das atypische antipsychotische Risperidon blockiert, aber durch den Dopamin-Antagonisten und das typische antipsychotische Haloperidol verstärkt. Diese Daten stimmen mit Tierstudien überein und liefern den ersten Nachweis beim Menschen, dass die Psilocybin-induzierte Psychose unabhängig von der Dopamin-Stimulation auf die Aktivierung des Serotonin-2A-Rezeptors zurückzuführen ist. Somit könnte eine Serotonin-2A-Überaktivität an der Pathophysiologie der Schizophrenie beteiligt sein, und der Serotonin-2A-Antagonismus könnte zu therapeutischen Effekten von Antipsychotika beitragen.

    Zu den Resultaten und der Diskussion der Experimente mit Psilocybin liest man

    Psilocybin (0,25 mg/kg, p.o.) erzeugte ein psychotisches Syndrom mit Stimmungsänderungen, Störungen der Sinneswahrnehmung und der Denkprozesse sowie Beeinträchtigung der Ich-Funktion. Die Wirkung des Medikaments begann 20-30 Minuten nach der Verabreichung, erreichte nach weiteren 30-50 Minuten ihren Höhepunkt und dauerte 1-2 h. Während der Wirkungsspitze des Medikaments wurden daher psychologische Messungen und neuropsychologische Tests durchgeführt.

    Die vorliegenden Ergebnisse liefern überzeugende Beweise dafür, dass die durch Psilocybin induzierte Modellpsychose bei gesunden menschlichen Probanden das Ergebnis einer spezifischen Aktivierung des 5-HT2-Subtyps der Serotoninrezeptoren ist. Diese Ergebnisse bestätigen die vielen Studien an Tieren, die darauf hinweisen, dass die Verhaltenseffekte von Halluzinogenen auf die Wirkung von 5-HT2-Agonisten zurückzuführen sind.
    Diese Studie bestätigt die verschiedenen früheren Vermutungen über Ähnlichkeiten zwischen dem frühen und dem akuten Stadium der Schizophrenie und den psychologischen Auswirkungen von Indolamin-basierten Halluzinogenen wie Psilocybin und LSD.3,5,7 Insbesondere der Befund, dass Psilocybin eine Derealisierung und Depersonalisierung in Verbindung mit erhöhter Stimmung, Euphorie und/oder Grandiosität (OSE) und visuellen Halluzinationen (VUS) hervorruft, stimmt mit der Beobachtung überein, dass die frühesten affektiven Veränderungen bei beginnender Schizophrenie oft angenehm sind und dass visuelle, im Gegensatz zu auditiven, Halluzinationen mit einer höheren Prävalenz in der ersten Phase als bei chronischen Schizophrenen auftreten. Ängstliche Ich-Auflösung, Verlust von Körper- und Gedankenkontrolle und Bezugsvorstellungen (AIA) sind jedoch nicht nur gemeinsame Merkmale sowohl der Psilocybin-induzierten Psychose als auch der frühen schizophrenen Stadien, sondern treten bei chronischen Schizophrenen auch in akuten Episoden auf.

    Fazit: Gerade die Experimente von Franz X. Vollenweider mit Psylocibin (aber auch mit MDMA) zeigen für mich deutlich, dass Psylocibin keine frei erhältliche Droge sein sollte. Wenn schon sollte solch eine Droge nur streng kontrolliert eingesetzt werden.

  15. @Holzherr
    In der Zeitschrift ´Bild der Wissenschaft 01/2020´ ist ein guter Beitrag zu Versuchsergebnissen einer Ketamin-Therapie der Charité, von Patienten mit therapieresistenter Depression.
    Demnach half Ketamin nur bei wenigen Patienten, die sowieso nur in geringem Ausmaß therapieresistent sind bzw. nur kurze depressive Schübe haben. Die Wirkung hält allerdings auch nur kurz an – so dass die Ketamingabe nur als aktive Hilfe zur Unterstützung einer Rückfallprophylaxe sinnvoll ist
    Von 150 untersuchten Patienten spricht 1/3 auf die Behandlung an, 1/3 nur zum Teil und bei 1/3 ist überhaupt keine Wirkung erkennbar

    off topic: Im Gegensatz zu @Schleim hat Herr Prof. Vollenweider interessiert auf meine Hinweise zu ähnlichen/identischen Auswirkungen von psychedelischen Drogen und drogenfreier NTE reagiert. (Gestern kam die e-mail aus der Schweiz)

  16. Ob Psilocobyn oder Ketamin- Das alles erinnert mich hier an die Alchimistenküchen des Mittelalters. Die haben auch experimentiert ,ohne zu wissen, was dabei herauskommt. Heute wird mit der menschlichen Psyche experimentiert von Leuten, die vielleicht einmal selbst dieses Zeug einnehmen sollten, um zu wissen, was dabei herauskommt. Diese Psychoindustrie behandelt für mich die Erscheinungen und nicht die Ursachen und wir für mich damit gefährlicher als die Drogen selbst.

  17. @KRichard (Zitat): „ Von 150 untersuchten Patienten spricht 1/3 auf die Behandlung an, 1/3 nur zum Teil und bei 1/3 ist überhaupt keine Wirkung erkennbar“

    Zuerst einmal: Danke für die Mitteilung. Nun zur Beurteilung: Bei Antidepressiva ist eine Ansprechrate von 1/3 gar nicht so schlecht. Wichtig: viele Antidpressiva wirken erst nach vielen Therapietagen. Wenn Ketamin -wenn es wirkt – schnell wirkt, ist das ein Therapievorteil.

    In der österreichischen Ärztezeitung liest man dazu : Ketamin bei Depressionen: Wirkt rasch, aber nur kurz Zitatenfragment: die maximale Wirkung wird innerhalb von 24 Stunden erzielt
    Ketamin scheint auch Suizidgedanken auzuheben. Damit könnte es als eine Art Schnellbehandlung bei akuter Suizidgefährdung dienen?

  18. Ich meine, das eigentliche Problem ist der offensichtlich zunehmenden Suchtmittelkonsum in der Gesellschaft an sich, weniger dass neu hinzukommende Drogen mitunter harmlos sind.

    Vor allem aber ist verhängnisvoll, dass Geschäftsinteressen dahinterstehen. Dass einerseits der legale Drogenkonsum über die Ärzte und Apotheken, aber besonders der illegale Konsum, wenn junge Leute zunächst „angefüttert“, süchtig gemacht werden und danach praktisch die „Mittelschicht“ abgezockt wird. Dies ruiniert die Gesellschaft und scheint besonders in den USA zu einem großen Problem geworden wogegen Trump ankämpft. Früher waren Zuwanderer z.B. aus Mexiko im Land begehrt, weil man sie wegen ihrer Armut gut ausbeuten konnte. Das wollen sich viele Zuwanderer nicht mehr gefallen lassen und sie versuchen sich lieber als Drogendealer. Der Drogenhandel greift der produktiven Bevölkerung in die Taschen, die den Wohlstand hart erarbeiten muss, natürlich leidet auch noch die „Fitness“ der Bevölkerung.

    Dass Bayern illegale „Drogengeschäfte“ wegen des größeren Wohlstandes eher anzieht als das ärmere und mit Drogen eigentlich „gesättigte“ NRW, ist nahe liegend. Daher wird Bayern nach wirksameren gesetzlichen Regelungen suchen um sich verstärkt zu schützen

    Mir ist aufgefallen, dass ganz grob geschätzt, rund die Hälfte aller Menschen die irgendwann, besonders in ihrer Jugend, Suchtmittel konsumiert haben gut damit umgehen können und keine Probleme im Leben haben. Aber für die „andere Hälfte“ war es verhängnisvoll. Familien wurden zerstört, der negative Einfluss auf die Gesellschaft zum großen Problem.

    Dass „Vergrämungsstrategien“ wie sie Herr Holzherr beschreibt, heutzutage ein gutes und erfolgreich praktiziertes Mittel der Wahl sind scheint klar. Die öffentlichen Sitzgelegenheiten z.B. sind so gestaltet, dass Wohnungslose nicht darauf schlafen können. Sie haben Lehnen oder sind geneigt, so dass man nicht zu lange darauf sitzen, geschweige darauf schlafen kann…
    Es sind sehr „dezente“ durchaus wirksame Mittel in einer modernen Demokratie.

    Der Staat muss einfach multifaktorielle Strategien einsetzen um die Probleme zu mildern. Neben Forschung, Aufklärung und „Psychotricks“ gehören auch Sanktionen dazu. Anders wird man die letztlich illegale Geschäftemacherei auf Kosten der „Volksgesundheit“ nicht eindämmen können.

    Man muss sich ja nicht gleich Singapur zum Vorbild nehmen…

  19. @Elektroniker (Zitat): Man muss sich ja nicht gleich Singapur zum Vorbild nehmen…
    Singapur und Schweden haben beide eine Null-Toleranz-Politik was Drogen betrifft. Resultat: In Singapur gibt es praktisch keine Konsumenten von illegalen Drogen, in Schweden aber hat sich seit der Einführung der Null-Toleranz-Politik nur wenig geändert und wenn, dann eher zum Schlechteren stieg doch die Zahl der HIV- und der Todesfälle unter Drogensüchtigen an.
    Singapurs Null-Toleranz-Politik ist allerdings äusserst rabiat: Todesstrafe für Besitzer von grossen Mengen an Heroin, Cannabis, Kokain, etc. und lange Haftstrafen für Konsumenten oder Händler von kleineren Mengen.
    Solche harten Strafen, die zudem nicht nur angedroht, sondern auch (ohne (richterliche) Gnade ) vollzogen werden, sind wohl notwendig um den Drogenhandel und -konsum fast völlig auszutilgen, denn Drogen haben für viele eine grosse Anziehungskraft. Singapur ist übrigens von Ländern mit hohem Drogengebrauch und Drogenhandel umgeben und hatte vor der Einführung der Null-Toleranz-Politik selbst viele Drogensüchtige. Mehr dazu kann man im Dokument Singapore’s War on Drugs: A Historical Overview lesen.
    Beim Vollzug dieser harten Null-Toleranz-Politik füllten sich zuerst auch die Gefängnisse mit Verurteilten. Man liest etwa:

    Diese Verlagerung zu Haftstrafen für wiederholte Drogenkonsumenten führte zu einem schnellen Anstieg der Gefängnispopulation: 1998 betrug die Zahl der Gefangenen 16.000, 2002 erreichte sie mit 18.000 ein “Allzeithoch” von . Bei dieser neuen Methode des Umgangs mit gewohnheitsmäßigen Drogenkonsumenten wurde die Entmündigung als das primäre Werkzeug operationalisiert , um eine Person aus ihrer Drogenabhängigkeit zu zwingen. Es war auch ein bedeutender Schritt, bei dem der Staat seine Position verhärtet hat, dass “Verbraucher und Händler die gleiche Klasse von Menschen sind”,
    womit harte Strafen (inklusive Prügelstrafe) auch bei Drogenkonsum allein gerechtfertigt wurde.

    Vorübergehend war Singapur aufgrund dieser harten Massnahmen das Land/die Stadt mit den meisten Todesurteilen auf der Welt. Erst nach 2003 ist die Zahl der Todesurteile deutlich zurückgegangen, weil es inzwischen nur noch wenige Drogeneinsteiger gibt. Zitat:

    Hinrichtungen in Singapur erfolgen überwiegend wegen Drogenhandels; es wurde geschätzt dass von 1991 bis 2014 328 Personen wegen des Vorwurfs des Drogenhandels hingerichtet wurden (im Vergleich zu 121 Personen wegen Mordes und neun wegen Schusswaffendelikten);
    91 im Jahr waren das Maximum, 76 Personen wurden 1994 hingerichtet (54 wegen Drogenhandels). Während die Statistik für staatliche
    Hinrichtungen als unvollständig bemängelt wurde, legte ein umstrittener Amnesty International Bericht im Jahr 2004 nahe,dass Singapur einst die “höchste Pro-Kopf-Rate an Hinrichtungen in der Welt” hatte. Von 1994 bis 1997 war Singapurs Rate von 13,57 Hinrichtungen pro eine Million
    Bevölkerung höher als die von Saudi-Arabien (4,65) und sogar die von China (2,01).
    Seit 2003 ist allerdings ein deutlicher Rückgang der Hinrichtungen zu verzeichnen.

    Fazit: Eine Null-Toleranz-Politik bezüglich Drogen ist in Westeuropa kaum durchsetzbar, denn die für die Durchsetzung nötigen Mittel wie Todesstrafen und lange Haftstrafen würden hier als nicht vereinbar mit den Menschenrechten beurteilt. Tatsächlich verfolgt Schweden eine Null-Toleranz-Politik. Das aber ohne Erfolg.

  20. @Drogentherapie

    Interessant die Einschätzung, dass man zwischen nicht unbedingt unvernüftigem Drogenbrauch und schädlicher Drogensucht deutlich unterscheiden muss.

    In der Drogentherapie hat man über Jahrzehnte da angesetzt, dass man die grundsätzliche Einstellung zu Substanzverursachten Stimmungsveränderungen zu verändern versucht. In der Konsequenz gibt es da nicht mal eine Tasse Kaffee zu trinken. Diese Art der Drogentherapie wird dann auch gerne da angewendet, wo die Süchtigen zwangsweise verdonnert werden. Freiwillig macht das ein Mensch eher nicht mit.

    Auch die Ideologie der AA ist in diesem Sinne radikal, und diese haben ja auch christlich fundamentalistische Wurzeln.

    Im Prinzip sind Strategien, sich stimmungsmäßig ohne Substanzgebrauch in Form zu bringen, sehr wertvoll. Dazu mögen auch Meditationen und Gebete gehören, genauso wie ein Hund, mit dem man immer raus muss, und so mehr wohltuenden Kontakt zur Natur praktiziert.

    Auch eine Reduzierung des Arbeitsdrucks in dieser Gesellschaft wird wohl auch den Bedarf an Drogen aller Art reduzieren können. Genauso wären lebbare Alternativen zur Erwerbsarbeit bei nicht (mehr) konkurrenzfähigen Personen ganz wichtig, und würden genauso den Drogenbedarf reduzieren. Oft ist Arbeit in falscher Dosierung die Hauptquelle für psychische Störungen und den Bedarf, da mit Substanzen dagegen zu wirken. Das betrifft neben iIllegalen wie legalen Drogen auch vom Arzt verordnete Mittel gleichermaßen.

    Was das Verbot bestimmter Substanzen angeht, so sehe ich hier ein grundsätzliches Problem. Was interessiert das denn den Staat, wenn ich in meiner Bude sitze und mich zudröhne? Ich sehe hier ein grundsätzliches Problem des Rechtsverständnisses. Der Staat hat zwar auch die Aufgabe, die Gesundheit der Menschen zu schützen, aber zunächst mal grundsätzlich nicht gegen den eigenen Willen der Betroffenen.

    Aus Verbraucherschutzsicht ist klar, dass man keine verunreinigten Drogen verkaufen darf, und auch keine Substanzen, die schnell und schwer abhängig machen oder schon bei noch kontrolliertem Konsum gesundheitsschädlich sind.

    Auch meint der Staat Suizide unbedingt immer verhindern zu müssen. Das finde ich hat Grenzen. Wenn das Leben eines Menschen wirklich unerträglich geworden ist, dann kann es respektabel sein, wenn sich jemand das Leben nimmt. Oder in einer vergleichbar unerträglichen Situation anfängt Drogen zu „missbrauchen“.

    Drogensucht entgegenzuwirken macht allemal Sinn. Aber einmal Süchtig gewordene Personen haben immer noch Menschenrechte, und dazu kann gehören, dass die dann eben ihre Drogen bekommen. Therapie kann man da gerne anbieten, aber dass viele daran dann wenig Interesse haben, liegt auch an der teilweise geringen Qualität der angebotenen Therapieverfahren. Die sind oft unangenehm und langwierig und haben dabei wenig Erfolgsaussichten.

  21. @ Querdenker
    21.12.2019, 15:58 Uhr

    Diese Psychoindustrie behandelt für mich die Erscheinungen und nicht die Ursachen und wir für mich damit gefährlicher als die Drogen selbst.

    Das sie hierbei misstrauisch sind, wundert mich nicht.
    Da steckt nämlich auch eine gewisse Problematik dahinter, die in der allgemeinen Öffentlichkeit nie angesprochen wird.

    Das man allgemein niemals die Ursachen zu fokussieren scheint, liegt sehr wahrscheinlich daran, dass man das entweder nicht will oder nicht kann.

    Das die Ursachen vielleicht schlicht unveränderbar sind, könnte leider auch wahr sein.
    Wenn man so weill, wäre es dann nur eine Frage, wer denn psychische Ledien/Belastungen entwickelt (oder dazu gezwungen wird, welche zu entwickeln).
    Einer meiner Thesen lautet, das psychische Störungen vorsätzlich ausgelösst werden. Etwa um individuel fehlgeleitete Entwicklungen aufzuhalten oder umzuleiten.
    Das Ziel wäre dann das Gehirn.
    Man kann externen Druck ausüben (also extrinsische Gewalt ausüben) oder man manipuliert die Gehirnchemie mit Nervengiften. Beides kann, wohldosiert, die gleichen psychischen Belastungen auslösen. Denn es gibt bei jedem Menschen eine gewisse Resilienz oder Wahrnehmungsschwelle, die individuel zu überschreiten wäre, um die Störungen auszulösen.

    Man wirft per Liste der Diagnosen den Menschen vor, sie hätten “verfolgungswahn”. Das kann einerseits die Ursache haben, dass sie wirklich verfolgt werden, aber andererseits auch ursächlich daran liegen, dass die Gehirnchemie ungewohnt verändert ist, sodass das Gehirn normalerweise unter der Wahrnehmungsschwelle liegende Signale fourciert wahrnimmt, sodass der sogenannte “Wahn” dann ausbricht.

    Und mit gewissen Nervengiften kann man das bei jedem Menschen relativ verlässlich auslösen.

    Und es wird auch getan.

    Wenn man so will, ist dann also die moderne Psychiatrie eine wohl bewusst institutionalisierte Instanz, bei der die Menschen “aufgefangen” werden, wenn sie vorsätzlich aus der stabilen Lebenssituation gebracht wurden, weil man an ihnen aus Sicht der Gesellschaft einen “bildungstechnischen”/entwicklungsideelen Mangel vorzufinden meint.

    Sozusagen genauso, wie man damals gerüchteweise Stalin nachgesagt hat: “Politische Gefangene? Sowas gibts bei uns nicht. Die sind alle in der Psychiatrie!”

    … oder wegen Gefahr in Verzug bei der Tat erschossen worden. Wie das gegenwärtig mit sogenannten terroristischen Attentätern so gemacht wird.

    Und die Sache mit der Pharma-Branche, der ansonsten immer die Profit-Gier angehängt wird, hat angesichts dann natürlcih eine ganz andere Komponente.
    Abgesehen davon, dass man Angriffe mit Nervengiften auf das Gehirn wahrscheinlich nicht wieder rückgängig machen kann, weil das Gehirn sich im Zuge des Angriffes und der Folgereaktionen auf den neuen Zustand konditioniert. Dann besteht natürlich das Problem, dass man eine Medikation wegen der Folgen nötig hat, weil es mutmaßlich kein “Zurück” mehr gibt (aus der daraufhin entstehenden Situation im Gehirn).

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