Ein Besuch im “Café am Rande der Welt”

Über den Lebenssinn und die Du-kannst-alles-erreichen-wenn-du-nur-willst-Ideologie

Es begann mit dem Schlendern durch ein paar Instagram-Profile auf meiner Reise zum Heidelberger Science Festival. Auf einem der wie Bäume am Zugfenster vorbeiziehenden Fotos las jemand ein Buch mit dem Titel “Café am Rande der Welt”. Ich hatte davon noch nicht gehört, fand Titel und Umschlag aber ansprechend. Einen Klick später hatte ich es auch schon (als eBook) erworben. Eine Bekannte meinte später, das liege doch in jeder Bahnhofsbuchhandlung und sie habe es auch schon oft kaufen wollen.

Den Autor, der 1969 in Chicago geborene John P. Strelecky, kann man wohl am besten als Lebens-Coach bezeichnen. Laut seiner (englischen) Wikipedia-Seite, die übrigens mit mehreren Warnhinweisen beginnt, die Darstellung sei nicht neutral, verkaufte er über 3 Millionen seiner Bücher, die in 33 Sprachen übersetzt worden seien. Sein bekanntestes Buch, das “Café am Rande der Welt – Eine Erzählung über den Sinn des Lebens”, hat sogar eine (deutsche) Wikipedia-Seite. Manchmal wird das Werk “Café der Fragen” genannt, was wohl aus dem Englischen (“The Why Café”) herübergeschwappt ist.

Ich habe das Buch gelesen. Das dauerte nur wenige Stunden. Hier will ich die Frage diskutieren, warum es so erfolgreich ist – und welche Ideologie damit verbreitet wird. Zuerst aber ein paar Statistiken und handwerkliche Hinweise zu Streleckys Bestseller.

Seltene Erfolgsgeschichte

Das Buch erschien erstmals 2003 auf Englisch und im Selbstverlag. 2006 kam es zur ersten Veröffentlichung durch einen Verlag, Da Capo Press in Boston. Die deutsche Übersetzung erschien schon 2007 bei dtv, wo inzwischen auch, wenn ich richtig gezählt habe, satte zehn andere Übersetzungen von Streleckys Büchern erschienen sind. Auf Amazon rangiert die deutsche Taschenbuchausgabe zum Zeitpunkt meines Schreibens auf Platz 9 der Top 100.

Das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels nannte es Anfang des Jahres den Bestseller von 2018 in der Kategorie Lebenshilfe und schrieb:

“Die Ratgeber-Charts 2018 dominierte der US-Autor John Strelecky – er ist zugleich der Jahressieger, kommt auf insgesamt drei Platzierungen. Im Detail: Sein 2007 erschienener Lebensratgeber ‘Das Café am Rande der Welt’ erreicht als erster das Ziel, auf Rang 3 folgt ‘Big Five for Life’ (2009) und auf Rang 5 ‘Wiedersehen im Café am Rande der Welt’ (2015; alle: dtv). Allein in deutscher Sprache verkaufte er von seinen Büchern bislang rund 1,2 Millionen Exemplare (Gesamtauflage).”

Börsenblatt des Deutschen Buchhandels

Das ist schon ein Kunststück, gleichzeitig drei Bücher unter den ersten Fünf zu haben. Und der Erfolg hält weiter an, wie das Buchjournal noch im August dieses Jahres quittierte:

“Kaum Bewegung gibt es auch beim Ratgeber in dieser Woche: John Strelecky scheint mit seinem ‘Cafe am Rande der Welt’ (dtv) Platz 1 abonniert zu haben. Auf Platz 3 hat er mit ‘The Big Five for Life’ (dtv) und auf Platz 5 mit ‘Wiedersehen im Café am Rande der Welt’ (dtv) weitere Eisen im Feuer − alle drei Titel kreisen nun schon jeweils 75 Wochen in den Charts.”

Buchjournal

Das Café und die Bücher, die später folgten, sind ein Erfolgsphänomen. Daran besteht kein Zweifel. In einem Satz von der (deutschen) Wikipedia-Seite des Autors: Es “…war einer der Jahresbestseller 2015, 2016, 2017 und war 2018 sogar über alle Buchtypen hinweg das meistverkaufte Buch in Deutschland.” Das alles bald 20 Jahre, nachdem es geschrieben wurde. Es muss sich wirklich um ein Wahnsinnsbuch handeln! Daher ein paar Anmerkungen dazu, wie es geschrieben ist.

Wenig literarische Qualitäten

Aus literarischer Sicht kann man es eigentlich nur als sehr schlecht bezeichnen. Am Ende des Artikels will ich ein paar Bücher nennen, die meiner Meinung nach ein größeres Lesevergnügen bringen. Doch bleiben wir beim Café. Und vielleicht ist diese Eigenschaft sogar schon einer der Schlüssel seines Erfolgs. Worauf aber gründe ich mein Urteil?

Die Handlung lässt sich in einem Satz zusammenfassen: John steht auf einem amerikanischen Highway im Stau, weil ein Lastwagen umkippte, wird irgendwann ungeduldig, dreht um, nimmt die erstbeste Ausfahrt, verfährt sich im Niemandsland, doch mit knurrendem Magen und kurz bevor ihm der Sprit ausgeht findet er ein Café, wo er eine Nacht lang ein philosophisches Gespräch hat, das sein Leben verändern wird, und am nächsten Morgen stellt sich heraus, dass es gleich um die Ecke eine Tankstelle und dazu noch die passende Auffahrt zurück auf den Highway gibt. (Zugegeben, es war ein langer Satz.) Ende Gut, alles Gut.

Dabei habe ich allerdings ein paar literarische Höhepunkte ausgelassen, wie wenn John beispielsweise Rhabarberkuchen bestellt, ein großes Stück davon in seinen Mund schiebt, darauf kaut – und, ja, er wird es vielleicht sogar noch heruntergeschluckt haben. (Ich erinnere mich nicht mehr.) Typisch amerikanisch unterhalten sich John, Casey (die Bedienung), Mike (der Koch) und Anne (ein zufälliger anderer Gast) bei ihrer ersten Begegnung so zwanglos miteinander, als seien sie alte Freunde.

Ein amerikanisches Diner, in dem das Gespräch zwischen John und den Anderen stattgefunden haben könnte. Quelle: terimakasih0 auf Pixabay

Dass sie sich gleich beim Vornamen nennen aber die ganze Zeit über siezen, geht wohl auf das Konto des Übersetzers. Auf mich wirkte das übers ganze Buch hinweg störend. Man hätte dem deutschen Publikum schlicht eine Zeile gönnen können, in dem sich die Protagonisten das Du anbieten. Ich muss an Herrn Lehmann aus Sven Regeners gleichnamigen Roman denken, der sich umgekehrt darüber aufregte, dass alle das Du mit seinem Nachnamen kombinierten. “Meinst du das wirklich, Herr Schleim?”

Meine Lieblingsstelle ist aber mit Abstand diese. Da meint John, der Erzähler aus der Ich-Perspektive: “Ich griff nach meinem Wasser und merkte nicht, wie Casey Mike zuzwinkerte.” (Johns Gedanken, Position 1328 im eBook) Das ist schon ein besonderes Kunststück, etwas zu bemerken, das man gar nicht bemerkt. Vielleicht klappt es doch, wenn man nur fest genug daran glaubt? Da hätte der Verlag dem Erfolgsbuch doch mal ein Update angedeihen lassen können, um wenigstens diesen einen Patzer zu beheben.

Streleckys Buch gibt sich einerseits nüchtern und macht sich an einer Stelle sogar über Esoteriker lustig. Andererseits sollen die Leser aber schlucken, dass die Menschen im Café Johns Gedanken lesen können – was gegen Ende der Begegnung allerdings nicht mehr passiert – und sich der Text auf der Speisekarte vor Johns Augen einfach so verändert. Und damit ist kein holografischer Effekt gemeint, keine Kippfigur oder Ähnliches.

Drei philosophische Fragen

Auf dieser Karte stehen die philosophischen Fragen, um die sich die Begegnung dreht: Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben? Gemeint ist mit der ersten Frage nicht, hier im Café, sondern natürlich der Sinn des Lebens oder, wie es im Buch genannt wird: der Zweck der Existenz.

Vielleicht hielt der Autor die Rede vom Lebenssinn für zu abgedroschen. Dass er seine alternative Formulierung dann aber gleich durch die Abkürzung ZDE ersetzt, in der Form: “John, weißt du, was dein Zett-De-Ehh ist?”, machte das Gespräch für mich jedenfalls nicht glaubwürdiger. Und nach ein paar Seiten hatte ich auch schon wieder vergessen, wofür die Buchstaben genau standen.

Einem anderen Publikum hätte man das Folgende vielleicht als Achtsamkeit oder Mindfulness erklärt. Im Café wird John dazu ermuntert, sich Gedanken darüber zu machen, was für ihn wirklich wichtig im Leben ist. Daran ist freilich nichts verkehrt. Streleckys Erfolgsmodell beruht nun aber vor allem auf der Idee, dass wenn wir tun, was wir wirklich wollen, der Erfolg auf beinahe magische Weise von selbst einkehrt. Oder in des Autors eigenen Worten:

“So wissen sie [die erfolgreichen Menschen, d.A.] offenbar, warum sie hier sind. Sie haben herausgefunden, welche Dinge sie tun möchten, um dieser Bestimmung gerecht zu werden. Darüber hinaus sind sie absolut zuversichtlich, dass sie in der Lage sind, diese Dinge zu tun. Und wenn sie versuchen, sie zu tun, treten bestimmte Ereignisse auf, die ihnen helfen, erfolgreich zu sein. Casey hat mir außerdem ein paar Theorien erklärt, die einige Leute darüber haben.”

Mike im Gespräch mit John, Position 1240 im eBook

Hoffen, Glauben, nicht aufgeben!

Die hier erwähnten Theorien (Plural) laufen nun auf die spekulative wie spektakuläre Erklärung (Singular) hinaus, dass man nur genügend Menschen von seinen Plänen und Vorhaben erzählen muss und die das jeweils ihren Freunden und Bekannten weitererzählen. So komme es zu einer exponentiellen Verbreitung und würden sich schließlich von selbst Menschen melden, die einem bei der Verwirklichung seiner Ideen weiterhelfen.

Das enthält erstens eine überprüfbare Aussage darüber, wie wir miteinander kommunizieren, und zweitens eine Vermutung, wie Fremde reagieren. Letzteres zuerst: Natürlich würde nie im Leben jemand auf den Gedanken kommen, die gute Idee eines Anderen zu stehlen und stattdessen selbst zu verwirklichen. So etwas passiert nur in Fernsehserien.

Und zur These der exponentiellen Verbreitung haben wir heute soziale Medien, die das auf einen Blick beantworten: Die Meisten von uns können doch schon froh sein, wenn ein Bericht ein paar Dutzend Male geliket und dann vielleicht sogar noch ein paarmal geteilt wird. Bei mir ist da jedenfalls nichts exponentiell.

Vielleicht schwant so manchem inzwischen, dass uns hier auf ziemlich dünnem Eis eine vor allem in den USA beliebte, den Verkaufszahlen zufolge inzwischen aber auch in Deutschland gangbare Pop-New-Age-Philosophie untergeschoben wird: Natürlich landen wir im Café und nicht mit leerem Tank in der Pampa, wenn wir nur lange genug weiterfahren, natürlich treffen wir dort nur auf wohlwollende Menschen, die ihre Lebensweisheiten einfach so mit uns teilen, natürlich gibt es dann die Tankstelle um die Ecke und natürlich ist auch die richtige Auffahrt nicht mehr weit.

New Age und New Thought

Mit anderen Worten: Alles ist möglich; und wir müssen nur fest genug daran glauben, dann passiert es. Dieses Denken hat in den USA eine lange Tradition und die New-Age-Bewegung wohl aus der älteren New-Thought-Bewegung übernommen, die schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts populär wurde. Dieser lange Zeitraum lässt uns auch den Schluss ziehen, dass diese Ideologie vor allem ihre Vertreter reich macht, aber sich am Leben der restlichen Menschen kaum etwas ändert. Sonst müssten wir ja schon lange im Paradis auf Erden leben.

Dazu ein aussagekräftiger Fundort im Buch: “Und außerdem kann niemand einen Menschen daran hindern oder ihn in die Lage versetzen, all das zu erreichen und zu tun, was er im Leben möchte. Wir alle bestimmen unser Schicksal selbst.” (Mike im Gespräch mit John, Position 1255 im eBook)

Das mag stimmen – bis uns eben etwas an der Erfüllung unserer Wünsche hindert: sei es eine Krankheit, ein Unfall, ein Verbrechen, eine Krise oder ein anderes Ereignis, über das wir wenig oder gar keine Kontrolle haben.

Die im Buch vermittelte Denkweise hat aber auch noch eine Schattenseite: Sie macht uns nämlich nicht nur für unser Glück, sondern auch für unser Scheitern vollständig verantwortlich. Mit anderen Worten sind dann diejenigen, die ihr Schicksal nicht selbst bestimmen können, die nicht das erreichen und tun können, was sie im Leben möchten, selbst schuld. Versager. Welch ein bitteres Los!

Ich werde US-Präsident!

Ein konkretes Beispiel: Nehmen wir an, ich wollte US-Präsident werden. Das könnte ich schon allein aus dem Grund nicht, dass ich nicht in den USA geboren bin. Die Du-kannst-alles-erreichen-wenn-du-nur-willst-Ideologie scheitert hier schon am Gesetz, also an institutionalisierten Entscheidungen von Menschen in der Vergangenheit. Dass ich daran etwas ändern könnte, erscheint mir völlig unrealistisch.

Doch selbst wenn ich diese Voraussetzung erfüllen würde, bräuchte ich erst einmal genügend Unterstützer – und dann bitteschön solche mit gut gefülltem Portemonnaie. Gemäß Streleckys “Theorien” müsste ich nun möglichst vielen Menschen von meinem Wunsch erzählen, US-Präsident zu werden.

Dann würde mich irgendwann jemand anrufen und sagen: “Stephan, ich weiß, wie Sie Präsident werden können!” Diese Methode müsste dann auch noch funktionieren und ich der Einzige sein, bei dem sie angewandt wird, denn wahrscheinlich würden zur selben Zeit auch noch eine Million andere Menschen gerne US-Präsident werden.

Hiermit sollte hinreichend belegt sein: So sehr ich dieses Ziel auch erreichen wollte, für mich wäre es schlicht unmöglich. Und ich wiederhole hier noch einmal die Textstelle aus dem Buch, damit mir niemand vorwirft, ich würde den Autor falsch verstehen: “Und außerdem kann niemand einen Menschen daran hindern oder ihn in die Lage versetzen, all das zu erreichen und zu tun, was er im Leben möchte. Wir alle bestimmen unser Schicksal selbst.”

Das mag auch für Wissenschaftler bitter sein, die, wie ich, in ihren Vertrag geschrieben bekamen, eine bestimmte Menge an Fördergeldern einzuwerben, sonst endet das Arbeitsverhältnis. Nun muss man wissen, dass die Chancen meistens nicht besser sind als 15% und solche Mittel vor allem an diejenigen vergeben werden, die in der Vergangenheit bereits erfolgreich waren. Das ist auch als Matthäus-Effekt bekannt, nach Matthäus 25:29: “Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.”

Wenn wir nur annehmen, dass von 100 konkurrierenden Wissenschaftlern wenigstens 50 im Leben wirklich Wissenschaftler werden wollen, dann wird dieser Wunsch unter den genannten Bedingungen wohl bei 20-30 von ihnen nicht in Erfüllung gehen. Das sind schlecht die Spielregeln, Streleckys Mantra hin oder her.

Ein wahrer Kern

Wir haben gerade nicht nur Streleckys Erfolgsmodell widerlegt, sondern damit auch gleich eine Grundüberzeugung von New Age und New Thought. Dabei will ich aber nicht leugnen, dass das Denken auch einen wahren Kern hat. Denn selbst wenn ein Ziel sehr unwahrscheinlich ist, dann wird man es mit Sicherheit nicht erreichen, wenn man es erst gar nicht versucht. Im Niederländischen gibt es hierzu die Redewendung: “Niemals geschossen ist immer daneben.”

(Eine Anmerkung, um einem Einwand vorzubeugen: Es gibt natürlich bestimmte Ziele, die man geschehen lassen kann oder sogar muss, ohne dass man eingreift. In der chinesischen Philosophie nennt man dieses Nichthandeln Wu wei. Ohne hier in die Tiefen des Daoismus einzusteigen, will ich schlicht das Beispiel nennen, dass meine Studierenden in Projektgruppen die besten Ergebnisse erzielen, wenn ich nach einer inhaltlichen Vorbereitung so wenig wie möglich eingreife; die haben eigene Ideen und verstehen sowieso viel mehr von neuen Technologien. Inwiefern sich das auf die großen Lebensziele übertragen lässt, möge jeder einmal selbst überdenken.)

Dass man durchs Nichthandeln überhaupt keine Chance hat, lässt sich anhand einer Lotterie veranschaulichen: Nehmen wir einmal an, alle Menschen in Deutschland (83,1 Millionen) würden an einem Gewinnspiel teilnehmen, in dem man 6 aus 49 Zahlen richtig raten muss. Dann würden, statistisch gesehen, gerade einmal fünf Personen richtig liegen (nämlich jeder 15.537.573ste).

Einschließlich einer “Superzahl” müssten sogar alle Menschen in Deutschland zweimal spielen, damit es auch nur einen Gewinner gibt (nämlich jeder 139.838.160ste). Dann hätten andere Menschen insgesamt aber rund 166,2 Millionen Mal verloren. Wie kann das sein, Herr Strelecky, wenn viele davon doch nun wirklich fest daran geglaubt haben, dass sie gewinnen?

Die Chancen bei so einem Gewinnspiel sind also unwahrscheinlich klein. Wer nicht daran teilnimmt, das stimmt, dessen Chance ist gleich null. Die Pointe hierbei ist aber doch, dass die Teilnahme an der Lotterie ein Freizeithobby ist (bei wem es sich um keine Sucht handelt). Wenn aber die Gesellschaft als ganze nach solchen Wahrscheinlichkeiten aufgebaut ist, dann ist die Teilnahme an der “Lotterie” keine freie Entscheidung mehr.

Der Reichtumsforscher Rainer Zitelmann hat im Interview über reiche und superreiche Menschen ähnliche Gedanken hervorgehoben (“Das Jahreseinkommen ist für diese Menschen eine ziemlich unwichtige Größe”). Die Chancen dafür, dass jemand aus eigener Leistung Multimillionär wird, mögen verschwindend gering sein. Wer es nicht einmal versucht, dessen Chancen sind aber gleich null (Geld erben ausgeschlossen). “Du hast keine Chance, nutze Sie!”, eignet sich vielleicht als persiflierende Zusammenfassung.

Neoliberales Denken

Was hier passiert, ist eine Individualisierung von Schicksalen, wie sie für das neoliberale Denken charakteristisch ist: Es gibt keine Gesellschaft und keine Strukturen, die dein Leben beeinflussen; dafür bist ganz allein du selbst verantwortlich. Haben die Menschen dies inzwischen so sehr verinnerlicht, dass sie massenweise Streleckys Bücher kaufen und ihm alles einfach so glauben?

Korrekt ist ein Mittelweg: Wir können unsere Wünsche im Rahmen unserer Möglichkeiten erfüllen. Dafür sind unsere vergangenen Erfahrungen, die uns prägen, sowie unsere heutige Situation entscheidend, einschließlich unserem Vermögen und unserer sozialen Kontakte.

Oder um es mit den Worten einer indischen Lehrerin zu sagen: Wir co-kreieren unser Leben zusammen mit der Welt um uns herum. Aber auch in unserem eigenen Kulturkreis ist es eine jahrtausendealte Weisheit, das zu ändern, was wir verändern können; das zu akzeptieren, was wir nicht ändern können; und die Einsicht zu haben, die beiden Arten von Dingen voneinander zu unterscheiden.

Doch selbst wenn man meine Kritik beiseitelässt, enttäuscht der Besuch im Café am Rande der Welt insofern, als die tiefere Dimension der Themen gar nicht angesprochen wird. Muss man dafür vielleicht die Folgebücher kaufen? Die Frage nach der Angst vor dem Tod, die zweite auf der Liste, wird beispielsweise gar nicht eingehend thematisiert. Und zur Suche nach dem Zweck der Existenz heißt es schließlich: “Wenn jemand wirklich wissen möchte, warum er hier ist, muss er die Antwort selbst herausfinden.” (Johns Schlussfolgerung, Position 1361 im eBook)

Die wirklichen Weisheiten verbergen sich meinem Eindruck nach in zwei Parabeln, wie man sie aufschnappt (fast sogar wortwörtlich – Plagiat?), wenn man durch Indien reist. Das kann sich nicht jeder leisten. Dann sind die zehn Euro fürs Buch vielleicht eine gute Investition. In dem Jahr, bevor Strelecky das Buch schrieb, soll er tatsächlich neun Monate lang um die Welt gereist sein. Ich erzähle hier ganz gratis eine von beiden Parabeln in meiner eigenen Variante.

Eine Parabel

Ein westlicher Geschäftsmann reiste durch Indien und traf auf dem Weg einen Mann mittleren Alters, der sehr zufrieden aussah. Der Geschäftsmann fragte ihn: “Sie sehen sehr zufrieden aus. Was machen Sie?” “Ich bin nur ein kleiner Bauer, arbeite vier Stunden am Tag auf meinem Feld. Die Böden hier sind gut. Das reicht für mich und meine Familie. Den kleinen Überschuss verkaufe ich am Markt und vom Erlös kaufe ich die Dinge, die wir nicht selber herstellen oder mit den Nachbarn tauschen können. Die meiste Zeit verbringe ich mit meiner Frau und meinen Kindern.”

Der Geschäftsmann ließ die Augen über die freien Flächen schweifen. Daraufhin wendete er sich wieder dem Bauern zu und sagte mit geringschätzendem Blick auf dessen Harke: “Sehen Sie denn nicht all die Möglichkeiten? Sie könnten hier viel mehr Fläche bestellen!” “Und dann?”, fragte der Bauer. “Dann könnten Sie sich bessere Geräte leisten, teure Maschinen und besseres Saatgut kaufen.” “Und dann?”, fragte der Bauer erneut.

“Dann stellen Sie eigene Mitarbeiter an, die die harte Arbeit auf dem Feld für Sie erledigen. Sie ziehen sich ins Management zurück und denken über neue Wachstumsmöglichkeiten nach.” “Und dann?” “Sie expandieren, gehen vielleicht sogar an die Börse. Mit dem Kapital erschließen Sie ganz neue Landstriche.” “Und dann?” “Sie gewinnen an Marktmacht und irgendwann können Sie selbst die Preise diktieren. Sie werden reicher und reicher.” “Und dann?”

Perplex schaute der Geschäftsmann den Bauern an. Sah er wirklich nicht die Chancen, die sich hinter all dem Ackerland hier verbargen? War er vielleicht dumm oder erlaubte er sich gar einen Scherz mit ihm? “Na, dann können Sie sich mit dem Geld all ihre Wünsche erfüllen und tun, was Sie wollen!”, antwortete er etwas gereizt. Der Bauer stützte sich auf seine Harke und dachte einen Moment lang nach. Schließlich erwiderte er dem Geschäftsmann: “Aber ich arbeite doch heute schon vier Stunden am Tag auf dem Feld und verbringe die meiste Zeit mit den Nachbarn, meiner Frau und meinen Kindern.”

Solche Parabeln lassen manche vielleicht nachdenken und verstehen, dass die von der kapitalistischen Gesellschaftsform vorgegebenen Ziele – die Ziele von immer mehr Wachstum, immer mehr Konsum, immer mehr Besitz – nicht die wesentlichen Ziele für einen selbst sind und einen vor allem nicht langfristig glücklich machen. Faktisch gesehen besitzt ohnehin die Mehrheit der Gesellschaft Deutschlands so gut wie nichts und nur eine Minderheit immer mehr, wobei sich der Abstand weiter vergrößert. (Und dass auch in Indien die Aussichten auf so ein zufriedenes Leben nicht überall rosig sind, wissen treue Leser der Artikel Gilbert Kolonkos.)

Groschenroman unter den Ratgebern

Ich komme zum Schluss. Wie ich bereits schrieb, lässt sich Streleckys Erfolg nicht leugnen. Wahrscheinlich liegt er gerade darin begründet, dass das Café am Rande der Welt so einfach gestrickt ist, kombiniert mit etwas Neoliberalismus-kompatibler Ideologie und magischem Denken. Es handelt sich schlicht um den Groschenroman unter den Selbsthilfebüchern. Tatsächlich erscheint er ja in der Aufmachung einer Erzählung und gar nicht als der Ratgeber, der er eigentlich ist.

Enttäuschend ist das Buch aber doch in dem Sinne, dass es seine Leser zwar auf die tiefgründigeren Fragen aufmerksam macht, mit der Suche nach den Antworten dann aber alleine lässt. Ich vermute, dass Streleckys Fans hierfür tiefer in die Tasche greifen und für einen rund dreistelligen Betrag ebenfalls die anderen Bücher kaufen müssen. (Vielversprechend scheint dem Titel nach vor allem “Reich und Glücklich! Wie Sie alles bekommen, was Sie sich wünschen” als Taschenbuch für €16,90.)

Alternativen

Ich will aber nicht abschließen, ohne mein Versprechen vom Anfang einzulösen, ein paar Alternativen zu nennen, die sich insbesondere auch für die besinnliche Zeit zum Jahresbeginn eigenen: Ein zeitloser Klassiker ist und bleibt natürlich Antoine de Saint-Exupérys Kleiner Prinz, eine literarische Abhandlung über Freundschaft und die philosophische Denkweise.

Tragischerweise hat sein Autor vom Erfolg seines 1943 erstmals erschienenen Weltbestsellers wenig gehabt, denn er verschwand 1944 spurlos bei einem Aufklärungsflug im Zweiten Weltkrieg. Mein Tipp für ein erfolgreiches Leben: Man hätte nur de Saint-Exupérys Erbe sein müssen, denn dann hätte man – Urheber- und Erbrecht sei dank – sein ganzes Leben lang keine müde Mark mehr verdienen müssen. Vielleicht klappt es, wenn man nur fest genug daran glaubt, Herr Strelecky? Im französischen Original ist das Buch übrigens inzwischen gemeinfrei.

Eine neuere aber doch ähnlich bezaubernde Erzählung ist Sergio Bambarens Träumender Delphin, in dem auch wunderschön thematisiert wird, wie unser Umfeld darauf reagiert, wenn wir uns auf die Suche nach uns selbst machen. Für Menschen, die mit dem Gedanken spielen, eine Familie zu gründen, ist das Folgebuch ebenfalls zu empfehlen.

Wem Erzählungen nicht so zusagen, für den ist vielleicht Bronnie Wares Buch über die Dinge, die Sterbende am meisten bereuen, ein guter Tipp. Die australische Pflegerin und Sterbebegleiterin wurde damit weltberühmt. Zu ihrer Top 5 ergänzte mir eine Münchner Karrierefrau, die mir das Buch einmal schenkte, noch einen sechsten Ratschlag: wichtige Dinge nicht aufschieben! (Für Ungeduldige gibt es hier eine kurze Zusammenfassung auf Englisch.)

Schicksalsschläge

Während ich dies schrieb, berichtete mir eine Bekannte von ihrem 39-jährigen Chef, der gerade eine Krebsdiagnose bekommen habe. Psychisch mache ihm sein junges Alter besonders zu schaffen. Ich behaupte aber, dass so eine Nachricht einen 19-, 39-, oder 59-jährigen gleich schwer treffen kann. “Warum ich?”, hilft einem hier nicht weiter.

Mit Bronnie Ware gesprochen machen Menschen sich dann oft den Vorwurf, warum sie ihr Leben nicht mehr im Einklang mit ihren Wünschen gelebt haben: Warum habe ich den Erwartungen Anderer so gehorcht? Warum so viel gearbeitet? Meinen Gefühlen so wenig Raum gegeben? Meine Freundschaften so vernachlässigt? Warum mir nicht mehr Glück gegönnt?

In meinem Interview mit dem Organspende-Botschafter Godfried Beumers ging es auch darum, sich ab und an die Frage zu stellen, welche großen Ziele man noch im Leben hat und wie man diese verwirklichen kann (Organspende und der Sinn des Lebens). Niemand von uns weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Wirklich sicher können wir uns nur des gegenwärtigen Moments sein. Solche Einsichten waren schon den antiken Philosophen der Stoa bekannt, allen voran der Sklavenphilosoph Epiktet (Deutsche wollen weniger Stress – doch wie?).

Psychologie für den Alltag

Ganz am Ende möchte ich noch einen Autor aus meinem Fach erwähnen, den belgischen Professor für Klinische Psychologie Paul Verhaeghe. In Deutschland wie auch in den Niederlanden herrscht ja eine universitäre Monokultur in dem Sinne, dass alle Lehrstühle an öffentlichen Universitäten von Vertretern der kognitiven Verhaltenstherapie besetzt sind.

Verhaeghe macht vor, wie fruchtbar und sinnvoll man psychoanalytisches, soziologisches, philosophisches und literarisches Wissen auf die Probleme unserer Zeit anwenden kann. Sein Bestseller über Liebe in Zeiten der Einsamkeit ist bereits übersetzt. Das neuere Buch über Intimität folgt hoffentlich bald. Ich lese es gerade im Original.

Vielleicht findet sich aber auch in so manchem Online-Forum die eine oder andere Perle, wenn man sich nicht gerade Beleidigungen an den Kopf wirft. In diesem Sinne: Allen ein besinnlicher Jahresanfang und bis zum nächsten Mal!

Hinweise: Ein Leser machte mich inzwischen auf Ähnlichkeiten zwischen der Parabel mit dem Bauern und Heinrich Bölls “Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral” aus dem Jahr 1963 aufmerksam. Dieser Beitrag erscheint auch auf Telepolis – Magazin für Netzkultur.

Stephan Schleim

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Die Diskussionen hier sind frei und werden grundsätzlich nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen oder Monologe. Beim Gedankenaustausch darf es auch mal heiß hergehen, jedoch nicht beleidigend werden, vor allem nie unter die Gürtellinie gehen. Stephan Schleim ist studierter Philosoph, Psychologe und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Der Autor schreibt auch für zahlreiche andere Medien.

73 Kommentare

  1. @Magische Unterstützung

    Frohes Neues.

    Bei Aleister Crowley hab ich mal gelesen, dass der wahre Wille nicht einfach das ist, was man sich mal eben so wünscht. Wenn der Wille denn wirklich ein Wahrer ist, dann kann man nach Crowley aber auch mit magischer Unterstützung des ganzen Kosmos rechnen. Wie man seinen wahren Willen dann nun findet, da wirds hier aber auch nebulös. Jedenfalls einfach nur reich werden, oder im Konkurrenzkampf einfach besser abschneiden ist es kaum.

    Hier hilft schon ein Blick durch die soziologische Perspektive: Wenn sich im Kampf um die begrenzten Arbeitsplätze alle wie wild unterbieten, dann verdienen die meisten am wenigsten, nur der Arbeitgeber macht dann wirklich plus.

    Ansonsten verursacht man vieles, was einen Vorwärts bringt, dann doch einfach selber. Wenn ich fleißig lerne, bekomme ich auch ein besseres Abitur. Aber wenn ich zu doof bin, nützt das auch nichts. Und wenn mich die Lehrer benachteiligen, wirds auch gleich schwieriger.

    Wenn ich aber einen gewissen Gemeinsinn entwickle, dann kommt doch eine gewisse Unterstützung in Gang. So finde ich dann schnell Mitstreiter, und gemeinsam gehts dann weiter. Z.B. die aktuelle Foodsaverbewegung, oder auch die Fridays-for-futur-Bewegung macht dann auch was her. Wenns denn die Götter (oder welchen Geist hinter der Wirklichkeit immer) auch noch interessiert, kann dann sogar tatsächlich magische Unterstützung dazu kommen. Bei einfach nur besser sein wollen als die Anderen, ist damit dagegen kaum zu rechen. Mag sein, dass man an nichts Geistiges glaubt, aber doof sind „die Götter“ auf keinen Fall, und unterstützen auf keinen Fall jeden Unsinn.

    Der Neoliberale Murks jedenfalls ist geradezu das Gegenteil allen Gemeinsinns. Wer hier den Menschen Hoffnung macht, als wäre hier ähnlich wie bei Crowley das ganze Universum auf der eigenen Seite, der betrügt regelrecht.

    Sein eigenes Menschenrecht einfordern, mag durchaus Unterstützung auch von Seiten der Geisteswelt genießen. Was die Menschenrechte angeht, so reicht es hier aber auch nicht, diese nur für sich selber einzufordern. Menschenrechte kann man nur gemeinsam durchsetzen, und auch nur gemeinsam verteidigen. Selbst nationale Alleingänge führen hier auf die Dauer nicht zum Ziel. Wer nur die Freiheit der eigenen Nation verteidigt, verursacht am Ende noch mehr Unfreiheit und Krieg, als hätte er gar keinen Gemeinsinn.

  2. Ich bekam das Büchlein Weihnachten 2017 geschenkt. Nicht, weil der Schenker es gelesen und für gut befunden hätte, oder weil er meinte, ich könne einen Ratgeber gebrauchen, sondern weil es ihm im Buchladen aufgefallen war und vom Titel her irgendwie vielversprechend klang, so in Richtung Philosophie.

    Dass es sich bei diesem Büchlein um eine Art Ratgeber handelt, kam mir erst beim Lesen. Schrecklich, ganz schrecklich. Aber immerhin habe ich jetzt eine begründete Meinung zu diesem „Werk“. Es ist wirklich ziemlich schlecht, in jeder Hinsicht, nicht nur literarisch. Zum Glück habe ich fast alles vergessen, was da geschrieben wurde.

    Viele Leute neigen halt dazu, Bestseller zu kaufen, in der Hoffnung, das dass, was viel gekauft (und gelesen) wird, auch gut ist. So erklärt sich häufig der Erfolg, als Ergebnis einer positiven Rückkopplung.

    Ein Frohes Neues Jahr wünsch ich in die Runde!

  3. Die Parabel wurde wahrscheinlich am “besten” (je nach Sichtweise) von “B. Traven” (alias Marut alias Dutzend weitere nach eigenem Wunsch) in einer seiner Short Stories erzählt. Der Titel ist “Der Großindustrielle” und wurde in vielen verschiedenen Traven-Anthologien veröffentlicht.

  4. @Balanus: Buch

    Schön, dass wir uns da einmal einig sind.

    Mich sprachen vor allem der Titel und die Umschlaggestaltung an. Gutes Marketing halt. Jetzt müsste man sich mal anschauen, was die einschlägigen Rezensionen darüber hergeben.

  5. @ajki: B. Traven/”Der Großindustrielle”

    Haben Sie den Hinweis auf Heinrich Böll am Ende des Artikels gesehen?

    Vielen Dank auf jeden Fall für Ihren Hinweis! Wenn das stimmt, dann wäre B. Traven (Otto Feige?) um 1930 der erste bisher bekannte Autor so einer Geschichte gewesen.

    Wieder einmal etwas gelernt!

  6. Nee, ich meinte hier nicht so eine Art “Wettrennen in die Vergangenheit”, sondern mehr Stil/Form/Witzigkeit. Die Literaten hier auf SciLogs könnten diese Parabel ohnehin höchstwahrscheinlich leicht zurückführen auf einen Stoff aus fernster Vergangenheit und notfalls finden sich sicher auch Analog-Bezüge in “Bibel” u. vglb.

    (Man kann die allgemeine Bekanntheit solcher Allerweltsweisheiten – und ihre entsprechende Verarbeitung durch Publizisten zu allen Zeiten – einreihen unter die obige berechtigte Kritik am “Beratungsliteratur”-Genre – dem Kunden wird in seiner Lebens- und Käuferzeit einfach immer nur “(sehr, sehr) alter Wein” in immer “neuen Schläuchen” neu verkauft)

  7. Nun, Streleckys „ Restaurant am Ende des Universums“ ist in Wirklichkeit ein Jedermanns-Ort in einer hypothetischen, idealen, nach US-Gründermythos konstruierten Welt. Einer Welt nämlich in der alle die gleichen Chancen haben und bei allen individuellen Unterschieden letztlich nach der selbst in der US-Verfassung erwähnten Wohlfahrt streben. Als Land von lauter Einwanderern ist in dieser auf das Universum ausgedehnten US-Idealwelt jeder zugleich ein Fremder und ein Bekannter und jedes Gespräch auch ein Gespräch mit sich selbst.

    Eigentlich muss man sich darüber wundern, dass dieses bereits von den US-Gründervätern in der Verfassung verewigte Ideal, welches Sicherheit, Wohlfahrt und Freiheit verheisst, auch heute noch so grosse Anziehungskraft besitzt.

    Nun vielleicht schrieben die US-Gründerväter mit der US-Verfassung ja bereits so etwas wie einen Leitfaden der Ratgeberliteratur. Jedenfalls sind die Bücher der Ratgeberliteratur (zu denen eben Streleckys Buch gehört) in den USA, aber nicht nur dort, die meistgelesenen. Sie haben die Bibel vom ersten Platz verdrängt.

    Nun vielleicht ist das ja ein Fortschritt: anstatt mit der Bibel nach Erlösung im Jenseits zu suchen, sucht man nun mit dem Ratgeber nach der Erlösung im Diesseits. Und dies einfach dadurch, dass man sich erdreistet, die eigenen Wünsche anzustreben und schliesslich auch mit der Hilfe der wohlgesinnten Mitbürger zu erfüllen. Was für ein Glück, dass die US-Gründerväter ein Land geschaffen haben, in dem das möglich ist – oder ist es das etwa nicht?

  8. @Martin Holzherr

    Well, »Streleckys „Restaurant am Ende des Universums“« ist in Wirklichkeit von Douglas Adams und handelt u.a. von einem anderen Ratgeber, von dem sich in der Tat sagen lässt,

    It is one of the most remarkable, certainly the most successful, books ever to come out of the great publishing corporations of Ursa Minor — more popular than Life Begins at Five Hundred and Fifty, better selling than The Big Bang Theory — A Personal View by Eccentrica Gallumbits (the triple breasted whore of Eroticon Six) and more controversial than Oolon Colluphid’s latest blockbusting title Everything You Never Wanted To Know About Sex But Have Been Forced To Find Out.

    Got it?

  9. @Chrys: Ursa Minor Beta scheint tatsächlich noch mehr God‘s Country zu sein als es die USA in der Meinung vieler seiner Bürger sind, liest man doch über Ursa Beta Minor (übersetzt von DeepL):

    Obwohl es entsetzlich reich und entsetzlich sonnig ist und es dort mehr wunderbar aufregende Menschen gibt als ein Granatapfel Kerne hat, kann es kaum unbedeutend sein, wenn eine aktuelle Ausgabe des Playbeing-Magazins einen Artikel mit der Überschrift “Wenn Sie des Ursa Minor Beta müde sind, sind sie lebensmüde’, brachte und sich darauf die Selbstmordrate dort über Nacht vervierfachte.
    Nicht, dass es auf Ursa Minor Beta irgendwelche Nächte gibt.
    Es ist ein Planet in der Westzone, der fast ausschließlich aus subtropischer Küste besteht. Durch eine ebenso verdächtige Missgeburt von temporalen Reastatika, ist es fast immer Samstagnachmittag, kurz bevor die Strandbars schließen.
    Dafür gibt es keine adäquate Erklärung von der dominanten Lebensformen auf Ursa Minor Beta, die die meiste Zeit damit verbringt, spirituelle Erleuchtung zu erlangen, indem sie in Swimmingpools umherläuft und versucht ‘eine schöne Tagesanomalie zu haben’.

    Nun ja, Briten wie Douglas Adams neigen eher zur ironisch/zynischen Sicht auf ein Leben am Swimmingpool während waschechte Amerikaner davon nie genug kriegen können.

  10. Warum ist Ratgeberliteratur so erfolgreich?
    Rolf Dobellis Buchtitel verraten bereits warum Ratgeberliteratur so erfolgreich ist. Denn wer möchte nicht folgendes beherrschen „ Die Kunst des guten Lebens: 52 überraschende Wege zum Glück“. Aber auch die „Kunst des klaren Denkens“ und die „Kunst des klugen Handelns“ sind nicht zu verachten. Ein typischer US-Bürger begnügt sich vielleicht schon mit “Reich und Glücklich! Wie Sie alles bekommen, was Sie sich wünschen” von Strelecky.

    Sicher sind zukünftiger Reichtum, zukünftiges Glück, ein gutes Leben und Klugheit im Handeln, alles erreicht durch eine andere, eine positivere Einstellung oder durch taktisches und strategisches Vorgehen zuerst einmal recht dreiste Versprechungen dieser Ratgeber. Doch, denken wohl viele Käufer dieser Ratgeber: es könnte ja funktionieren und gerade mir helfen so wie ein Loskauf immer wieder Millionäre hervorbringt. Kommt noch dazu, dass die Bücher teils ganze Lebensphilosophien und -ideologien verkaufen und damit suggerieren, man könne einen Lernprozess, eine Art Schulung absolvieren, die einen schliesslich zu einem Meister mache, zu jemandem der den 10. Dan der Lebenskunst erreicht.

    Klar weiss jeder Leser, dass das meiste in seinem Leben durch äussere Umstände und vorgegebene Verhältnisse bestimmt wird – aber eben nicht alles. Und gewisse Länder, Länder wie die USA, leben geradezu von der Idee der unbegrenzten Möglichkeiten jedes Einzelnen und sind damit automatisch ein Land der ewigen Hochkonjunktur der Ratgeberliteratur.

    Warum es normal ist das falsche Leben zu leben
    John Maynard Keynes, der Schöpfer einer äusserst erfolgreichen Wirtschaftslehre, sah in der Wirtschaft nur ein Mittel zum Zweck. Der Zweck war die Befriedigung der Grundbedürfnisse und da dies in 100 Jahren (also im Jahr 2030) weltweit infolge einer wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik erreicht sei, könne man ab diesem Zeitpunkt weltweit mit nur noch 20 Arbeitsstunden pro Woche durchs Leben kommen. Im Rest seiner Zeit könne man dann seine Freundschaften und Bekanntschaften pflegen. Keynes hat recht bekommen mit dem von ihm erwarteten Wachstum und dem erreichten Wohlstandslevel kurz vor dem Jahr 2030. Er hat aber nicht recht bekommen mit der Reduktion der Arbeitszeit. Warum das? Ich denke das liegt daran, dass wir uns inzwischen ein Zusammensein einfach bei Wasser, Brot und Gesprächen nicht mehr vorstellen können. In der Freizeit unternimmt man vielmehr Reisen, man bringt seine Persönlichkeit durch passende Einkäufe (Haus, Auto, Kleidung, Ehepartner) zum Ausdruck und definiert sich letztlich über den Konsum.
    Im Prinzip war Arbeit schon immer ein Verzicht auf Freiheit zu tun was uns gerade liegt. Und immer war das Versprechen dabei, dass wir uns die Freiheit später dann zurückholen – später, wenn sich alles zum guten entwickelt hat oder/und wir pensioniert sind. Tatsächlich gibt es diese Freiheit von Arbeitspflicht heute viel länger als zu Keynes Zeiten. Es gibt sie nach der Pensionierung und diese Phase ist deshalb viel länger, weil die Leute viel länger leben als zu Keynes Zeiten. Doch diese Freiheit kommt nicht vorher, sie kommt nicht während der Arbeitsphase.
    Wir leben ein zweigeteiltes Leben. Der erste Teil ist die Phase der Arbeit in der man alles andere dieser Arbeit und dem damit erreichten materiellen Überfluss unterordnet und der zweite Teil ist die Phase der Freiheit von Arbeit, in der dann viele nicht wissen was sie mit der nun erreichten Freiheit anfangen sollen.

  11. “… alter Wein in immer neuen Schläuchen …” – Ja, so ist das im Kreislauf des imperialistischen Faschismus, Unwahrheit, Konfusion und Bewusstseinsbetäubung von Kindesbeinen bis zur Bahre. Viele glauben dabei das Richtige getan zu haben. 😏

  12. Und achja, Herr Schleim: Das Erben/Vererben ist nicht nur die größte Seuche des Imperialismus, es ist der größte Ausdruck der zeitgeistlich-reformistischen Bewusstseinsschwäche im geistigen Stillstand 😒

  13. Sinn des Lebens – Ich behaupte, der Geist den wir Gott/Schöpfung/Kosmische Ordnung nennen, versucht sich, als Mensch und “wie im Himmel all so auf Erden”, sozusagen, fortzupflanzen. Ich behauptete sogar, es hat schon einige Male nicht geklappt 😏😐😒 Das Programm …

  14. @hto warum hat es dann nicht “geklappt”, vergaßen die Geister vielleicht eine Art Erbe anzutreten?

    Das angesprochene Erben/Vererben sind Kategorien, deren Ablehnung vor dem Hintergrund nicht unbedingt leistungsbedingten Wohlstandes einen guten Charakter versprechen, weil im Umkehrschluss ein daraus resultierender Wohlstand nicht aus eigener Leistung zustande kam.
    Womit dies den Anklang besagter Du-kannst-alles-erreichen-wenn-du-nur-willst-Ideologie bekommt, also den wohlverdienten Wohlstand durch Arbeitsleistung.

    Dies wird beim Anblick Europas Niedriglohnsektor Nummer Eins zu einem weiteren Grund, sich nicht einreden zu lassen, materieller Wohlstand oder Geld allein könnten glücklich machen. Vielleicht verdirbt Wohlstand an sich den Charakter… und mit diesem Gedanken emergiert die Gleichgültigkeit gegenüber den mittlerweile sehr vielen Wohnungs- & Obdachlosen, denen über ihre Ausgrenzung ihre Grundrechte abgesprochen werden.

  15. @Arne K.: Welche Geister? Wo es doch nur einen Geist und eine Wahrheit in gemeinschaftliches Eigentum “wie im Himmel all so auf Erden” gibt!😉

  16. @hto, gemeint war der Damen und Herren eigener Geist. Vielleicht sind die Vorzüge der Moderne mit ihren entfremdenden Eigenschaften bei wohlbefindlichen sozioökonomischen Umständen mit einer zunehmend langen Leitung zum besagten einen Geist verbunden, durch die ein Subjekt im Laufe seiner Entwicklung sein beschränktes Geistreich knüpft. An etwas anknüpfen passt auch besser als erben, in diesem Zusammenhang.

  17. @Arne K.: Welcher EIGENER Geist? Das “Individualbewusstsein”?
    Wir sind alle im selben Maße “durchströmt” vom Geist der “Gott”/Schöpfung/Zentralbewusstsein ist. NICHTS gehört dabei dem “Einzelnen” allein/wirklich-wahrhaftig, sogar unsere Gedanken nicht, weil wir alle IMMER ABHÄNGIG von Geist und Gemeinschaft geprägt wachsen.

  18. @Arne K.: Ich behaupte auch, das wir/die “Einzelnen” KEINE Seele haben, denn Mensch bedeutet ALLE, und nur im fusionierten/wirklich-wahrhaftigen Zustand der “Fortpflanzung” ist auch Seele möglich. 😏

  19. @hto: ein “Individualbewusstsein” kann mutmaßlich den Faden “zum Zentralbewusstsein” verlieren oder überhaupt nicht entwickeln, gerade weil das Subjekt “immer abhängig von Geist und Gemeinschaft” geprägt wird und die soziokulturellen Umstände allein kein Selbstläufer zu maschenweise mündigen Bürgern sein können, wenn am Ende die Hauptnaht sowieso an den materiellen Umständen entlang läuft. In der Annahme, die moderne Masche wird immer weniger solche, welche die sozialen Demokratien in Europa vernünftigerweise fahren sollten (Erfahrungen der vorigen Generationen vernünftig berücksichtigt) bleibt der Eindruck einer zunehmend verfransten Gesellschaft.

  20. @Arne K.: Das “Individualbewusstsein” will (Ego) und kann (Bildung) seine Wurzeln in gesunder/sinnvoller Abhängigkeit von Geist und Gemeinschaft absolut nicht kennen, gerade weil es als Subjekt be-/gehandelt wird.😏

  21. hto:
    “Individualbewusstsein…”
    Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Also: Was mich in diesem Leben antriggert -außer dem Sex-und dem Fresstrieb- bestimmt meine Erziehung, also die Gesellschaft, also meine Umwelt. Wenn diese Gesellschaft auf Werte und Normen setzt, die Reichtum, Besitz, Gewinne als anstrebenswert ansieht und die Medien diese Heiligen Kühe jeden Tag huldigen, dann projizieren Menschen auch ihr Bewusstsein auf dieses SEIN. Alles, was ich glaube, ob nun New Age, Religionen, Ideologien -ist anerzogen. Unser Individualbewusstsein ist also eine Täuschung, da das Individuelle daran durch Fremdbestimmung manipuliert wurde. Unser Bewusstsein ist also nur die Widerspiegelung gesellschaftlicher Prägungen.

  22. Genau Querdenker, deshalb versuche ich ständig die Wahrheit von Ursache, Wirkung und Konfusion dieser kreislaufenden Welt- und “Werteordnung” zu befreien, damit Mensch endlich in Selbst- und Massenbewusstsein OHNE … zusammen lebt und …😏

  23. @Massenbewusstsein / Individualbewusstsein

    Ich stell mir das menschliche (und tierische) Bewusstsein grundsätzlich als eine Synthese zwischen Teilhabe am kosmischem Bewusstsein und dem eigenen lokalem Gehirn vor, weil ich vermute, dass das gar nicht anders funktionieren kann. Wir haben persönliche Elemente, eine Vorstellung von Identität und gesammeltes Wissen, aber auch eine konkrete Anbindung an den Kosmischen Geist. (was immer der jetzt ist)

    Insbesondere kann sich der Mensch zu einem Handeln mit Gemeinsinn entscheiden. Das erscheint mir ziemlich wichtig zu sein, was die Qualität des Gemeinwesens angeht, und auch den Umgang mit dem Rest der Natur.

    @Querdenker „Unser Bewusstsein ist also nur die Widerspiegelung gesellschaftlicher Prägungen.“ Das kann man einerseits auch positiver sehen, als die Vermittlung von Kulturgut. Andererseits wird hier auch ungute Kultur vermittelt „..Normen setzt, die Reichtum, Besitz, Gewinne als anstrebenswert ansieht…“

    So kann der Mensch aber durchaus mit unguter Kultur brechen, um was Vernünftigeres aus seinem Leben zu machen. Insbesondere versucht jede neue Generation von jungen Menschen dieses, und verändert hin und wieder tatsächlich die herrschende Kultur. Die korrumpierende Kraft des Geldes allerdings biegt so manchen guten Ansatz dann doch wieder um.

    @hto „..Konfusion dieser kreislaufenden Welt- und “Werteordnung” Dieses Problem als solches zu erkennen und sich nach Alternativen umzusehen, ist vielleicht gar nicht so schwierig. „Selbst- und Massenbewusstsein OHNE…“ Reicht es nicht, global zu denken und lokal zu handeln? Ich sehe hier keinen Schalter, der auf wahres Massenbewusstsein umschalten könnte. Auch als Teilhaber am kosmischen Bewusstsein bin ich immer noch ein Kulturwesen, dass nicht alles neu erfinden kann. Und gute globale Lösungen sind keine soo einfachen Sachen, die müssen doch erstmal in Ruhe entwickelt werden, und das im Kampf mit den vielen realen existierenden Mitmenschen, die sich wirklich nur um ihr eigenes Bankkonto kümmern.

    Sich auch persönlich als Teil des Kosmos zu verstehen, mag die Motivation für mehr Gemeinsinn mitbringen. Auch Unterstützung von Seiten des Kosmos für gute Aktionen im Leben würde ich durchaus erwarten. Aber sich als Teil des Kosmos zu verstehen ist meiner Ansicht in erster Linie eine Beziehungsfrage. So verstehe ich auch die Haltung von religiösen Menschen, auch wenn ich kein Freund davon bin, mich relativ kritiklos einer Glaubensgemeinschaft anzuschließen. Dieses führt nicht unbedingt zu mehr Gemeinsinn, sondern unter Umständen erst recht in einen Krieg gegen den Rest der Welt. Da sollte man schon zumindest genauer hinsehen, wem man sich da anschließt.

  24. @Jeckenburger

    Die Qualität des Gemeinwesens hängt von greifbarer und unkorrumpierbarer Wahrheit ab.

  25. Querdenker,
    “ich und die Gemeinschaft”, so könnte man die Diskussion hier zusammenfassen. Wir sind ein Produkt aus Gemeinschaft und Individualität. Das macht den Menschen aus.

    hto,
    die Qualität des Gemeinwesens hängt von der Liebe ab, die die einzelnen Individuen zueinander haben. Der Gemeinsinn, den Sie herausheben, der ist eine Abstraktion, eine Idee wenn man will, eine erstrebenswerte Idee . Im NT heißt es : “Ihr sollt alle Brüder sein”.
    Und das impliziert wieder, dass die Menschen es noch nicht sind.

  26. H. Wied
    “Ihr sollt alle Brüder sein”
    Vor langer Zeit hatte diese Einstellung(Bewusstsein) noch einen Stellenwert. Das SEIN erforderte das Bewusstsein eines engen familiären Zusammenhaltes. Heute verlangt die Gesellschaft Egomanen, die selbst Brüder und Schwestern als Feind ansehen, wenn es um Erbschaften ,Besitz oder Finanzen geht. Die Gesellschaft hat also ein selbstherrliches ICH (Bewusstsein) geformt, was
    die persönliche Vorteilsnahme über alle familiären und kollektiven Werte stellt.
    Brüderliche Werte sind bestenfalls etwas für die realitätsfremden Seifenopern im TV um Menschen einzulullen.

  27. Querdenker,
    ganz so schlimm wird es nicht werden.
    Wie sagt der Volksmund: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.
    Pack hat auch nicht viel zu vererben. Da zählen persönliche Beziehungen mehr.

    Die Hoffnung liegt bei den Kleinen, Dicken, Dummen, die man in der Glitzerwelt nicht gebrauchen kann.

  28. hto,
    man muss das Buch 1984 gelesen haben , um meinen Kommentar zu verstehen.
    In dem Roman wird eine Wirklichkeit beschrieben, die total durchorganisiert ist und wo alles überkontolliert wird.
    Die einzelne Persönlichkeit zählt nicht mehr, alles wird dem Gemeinwohl unterworfen. Das Gemeinwohl ist allerdings der totale Profit weniger, die alles kontrollieren.

    Die Einzigen, die sich dem System der Kontrolle entziehen können, sind die Habenichtse, die ohne Schulbildung, eben die Underdogs.

    Deswegen wird in dem Roman 1984 die Zukunft der Menschheit in den Armen gesehen, die die nicht lesen können und schreiben, weil sie sich der Diktatur der Organisation entziehen können.

  29. Sehr geehrter Herr Schleim,

    gern und mit großem Interesse lese ich still Ihre Artikel seit nunmehr ca. drei Jahren, die ich als Nicht-Akademikerin sehr bereichernd und lehrreich finde. Nun hat mich dieser hier inspiriert, und mutig stelle ich hierzu meine Gedanken zur Schau:

    Warum bin ich hier?
    Diese ewige Frage ohne Antwort in mir.
    Wünschte vom Hauch der Erkenntnis geküsst,
    unendlich endlich erwacht aller Erinnerung gewiss.
    Frei vom Superlativ der Komplexität,
    in grenzenlos vollkommener Gestalt der Virtualität.
    Berührt und getrieben durch des Wortes Macht,
    rastlos ruhelos viel zu viel Zeit verbracht.
    Kann noch sehr mit mir ringen und mich winden,
    auf der Suche eine Antwort auf das Warum zu finden.
    All die Fragen die nur das Menschen-DASEIN mit sich bringt,
    dieses kleine ICH in seiner selbst erschaffenen Welt versinkend ertrinkt.
    Im Ozean des Lebens als Gischt auf einer Welle,
    ein Phänomen von unbekannter Quelle.
    Ohne Bedeutung oder Sinn,
    nur ein kleines kurzes SEIN von ICH BIN.
    Die Frage nach dem Warum…
    eine Antwort soll sich finden im Silentium.

    “Glück” ist, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.
    Ein noch größeres “Glück” ist, wenn der richtige dir wichtige Mensch, zur rechten Zeit dir zur Seite steht. So ist jenes “Glück”, in schwerer Stunde, für beide vermehrt. Der Sinn des Lebens, den die Menschen in Büchern mit einfachen Antworten suchen, ist füreinander da zu sein, und so individuell wie ein Jeder selbst. Wozu also den “Sinn des Lebens” in Büchern suchen/kaufen, der bestenfalls nur einen Blick in fremder Köpfe gewährt und als Anregung oder gar der Verwirrung dient, aber allemal den Geldbeutel erleichtert.

  30. @enoon: Sinn des Lebens

    Danke für die (auch poetische) Inspiration zum Thema.

    Mir fehlt bei Ihrem Vorschlag nur ein Bisschen das Ausdrücken der eigenen Talente/Wünsche in diesem Leben. Aber den Aspekt mit der Verbindung mit Anderen würde ich sofort unterschreiben; und dass man manche Dinge nur in der Stille hört.

    In diesem Sinne hat mich in meiner Studienzeit auch Peter Singers “How Are We to Live?” (1993) sehr inspiriert.

  31. Es geht nicht um Glück/Liebe und/oder Talente/Wollen, es geht um Vernunft & Verantwortungsbewusstsein im Sinne/Zusammenhang mit Freiheit & Menschlichkeit von einem Ursprung/Geist.

  32. @ Herr Schleim um 10:03

    Das eigene Talent, sofern es überhaupt erkannt wurde/wird, bedarf bereits in frühkindlicher Entwicklungsphase eine kontinuierliche Förderung zur Potenzial-Entfaltung, die nicht jedem gegeben ist. Eine Gnade ist es IMHO, wenn man sein Talent vollumfänglich ausleben kann und idealerweise auch noch davon leben kann. Das ergebe dann „Lebenssinn“, der sich aus dem „füreinander da sein“, in Form von Förderung und Unterstützung, begründet. Viele Umstände/Bedingungen haben dabei allerdings einen entscheidenden Einfluss, u. a. auch das Glück. Von daher ist das Talent nur für diejenigen relevant die eins haben; und wahrscheinlich auch weniger nach dem Sinn des Lebens fragen. Wünsche hingegen sind wie das Wetter, sie ändern sich stets im Laufe des Lebens, mal abgesehen vom Wunsch ewiger Gesundheit, Freude, Wohlstand etc.pp.

    @ hto um 11:04

    Ja, Vernunft & Verantwortungsbewusstsein… Jedoch sind Wille, Liebe/Emotionen die stärksten Triebfedern für jegliche Handlung, die auch mit dem idealistischen Motiv Freiheit & Menschlichkeit begründet sein kann, nur bedauerlicherweise nicht immer ist.

    Da kommt mir das Bild von Platon mit dem Pferdewagen in den Sinn:

    die Vernunft hat als Wagenlenker ein Zweigespann von zwei verschiedenartigen Rossen (Wille und Begehren) zu lenken und dabei das schlechte Ross (das Begehren) zu bändigen, damit jeder Seelenteil die ihm zukommende Funktion in rechter Weise erfüllt.[106] Die naturgemäße Ordnung ist dann gegeben, wenn die Vernunft die sinnlichen Begierden zügelt, welche sie von ihren wesentlichen Aufgaben ablenken, und wenn sie bei ihrer Wahrheitssuche vom Immateriellen – der absolut zuverlässigen Ideenwelt – ausgeht und den irrtumsanfälligen Sinneswahrnehmungen misstraut. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Seele#

    Was den Ursprung/Geist angeht… na ja, darüber streiten sich die verschiedensten Geister… das Internet ist ja voll davon.

  33. @Individuum / Gesellschaft / Geisteswelt

    Der Mensch ist ein soziales Wesen, kann aber auch in manchen Bereichen alleine. Einerseits bestimmt der gesellschaftliche Rahmen, wie sich ein Mensch ausleben kann, andererseits bestimmen auch Individuen, wie sich der gesellschaftliche Rahmen weiterentwickelt. Wenn wir im Sinne der Gemeinschaft Vernunft und Verantwortungsbewusstsein fördern, hat das seine Wirkung. Und die schon erreichte Freiheit und Menschlichkeit in der Gesellschaft lässt uns individuell besser leben. Und dann können wir auch Glück und Liebe eher finden, und unser Talent und unsere Präferenzen besser ausleben.

    Hier geht das eine ohne das andere nicht, und das andere ohne das eine genauso wenig.

    Die persönliche Beziehung zur Geisteswelt ist nochmal eine Sache für sich. Davon gibt es so viele persönliche und auch organisierte Varianten, dass man hier keine generellen Aussagen drüber machen kann. Obschon eine definitive Geisteswelt durchaus existieren kann, wer weiß das schon, aber sie ist eben offenbar noch unbekannt, falls sie denn definiert ist.

    Praktischerweise gibt es hier keine Alternative zur Religionsfreiheit. Ohne diese ist eine freie Gesellschaft vollkommen unmöglich, und ohne Berücksichtigung der individuellen Beziehung zur Geisteswelt kann man keinem Menschen gerecht werden. Dieser Bereich erscheint mir noch gundlegender zu sein als die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die für sich aber auch grundlegend sind.

    Wenn wir nur unsere Talente und unsere Vorlieben ausleben können, wenn damit zufällig auch ein Einkommen erzielt werden kann, ist das eine große Einschränkung. Wobei in einer Gesellschaft immer auch Arbeiten anfallen, die keiner aus Lust erledigen würde, und eine Marktwirtschaft auch immer die Nachfrage berücksichtigen muss. Das Überangebot auf dem Kunstmarkt muss man z.B. berücksichtigen, bei der Entscheidung ob man wirklich Künstler werden will.

    Ein guter Kompromiss zwischen Lust und Notwendigkeit erscheint mir hier das einzig Mögliche zu sein. 20 Stunden die Woche für den Markt arbeiten, und den Rest für weil mans gerne macht, das kann für viele eine gute Option sein. Das erscheint mir wesentlich sinnvoller, als die erste Lebenshälfte nur für Geld zu sorgen, und erst mit der Rente wirklich anfangen zu leben. Gerade angesichts der grassierenden Verschwendungskultur.

    Auch die Verantwortung gegenüber der Natur kann ein Arbeitsgebiet sein, wo ein Mensch viel eigene Arbeit bereit ist zu investieren, ohne dass der Markt das von sich aus fordert. Das gilt dann auch für ganze Gesellschaften. Investitionen in den Klimaschutz sind eine gesellschaftliche Aufgabe, die viele Menschen derzeit für sinnvoll halten, und der Markt alleine bringt das nicht mit sich. Hier müssen die Rahmenbedingungen gesetzt werden, z.B. einfach durch angemessene CO2-Steuern.

  34. @enoon: frühkindliche Förderung

    Ihnen gegenüber sitzt jemand, bei dem es nicht viel frühkindliche Förderung gab – aber die Empfehlung fürs Gymnasium kam dann nicht allein überraschend, sondern hat auch viel bewirkt (zuhause aber kein Verständnis gefunden). Meine Vorbilder habe ich mir dann selbst gesucht.

    Die Frage ist doch: Was will man erreichen? Natürlich wird man kein Piano-Virtuose mehr, der weltweit vor Publikum spielt, wenn man erst im Alter von 30 anfängt, um mal ein Beispiel zu nennen. Aber man kann sich doch noch entwickeln und vielleicht eine Nische finden, in der man sich selbst ausdrücken und damit auch noch andere Menschen ansprechen kann.

    In diesem Sinne finde den Determinismus bzw. sogar Fatalismus fehlplatziert.

  35. Wenn das Leben wahrhaftig nur eine Sinnhaftigkeit von zufälliger Einmaligkeit hat, es also keine Geistwelt gäbe und unsere Vernunft von und zur Marktwirtschaft das höchste Verantwortungsbewusstsein produziert, dann sollten wir angesichts der wettbewerbsbedingten Realität mit dieser heuchlerisch-verlogenen Wirklichkeit aufhören und den TOTALEN Wettbewerb kämpfen, denn die moralisch-ethischen Säulen, die aus unserer Spiritualität entstandenen sind, kann mit der “Aufklärung”, die sich ja als die Nachfolge verstanden wissen will, noch weniger gerecht werden – der faulen Kompromisse ist es genug!

  36. Mit unser religiösen Spiritualität verhält es sich wie mit der Ideologie des Sozialismus, es wurde nicht konsequent durchdacht und wirklich-wahrhaftig interpretiert/gestaltet, sondern einfach leichtfertig der Assimilation des Geschäfts-Sinns im Kreislauf des imperialistischen Faschismus auf steter Sündenbocksuche unterworfen.

  37. @enoon

    Die naturgemäße Ordnung IST das die Begierde des Sinnlichen!

    Vernunft hat seinen Ursprung jenseits der Emotionen unserer Sinnlichkeit – Instinkt versus Bewusstsein / Bewusstseinsentwicklung versus Bewusstseinsbetäubung!

  38. Orakeln und Beschwören einer übergeordneten Kraft? Nee, ich bin WEDER Moderator und oppositionell-gebildeter Spieler im Wettbewerb um …, NOCH stumpf-/blödsinniger Surfer und “braver” Bürger auf dem schizophrenen Zeitgeist. 😏

  39. hto,
    hier ist der Mensch mit seinen Begierden, dort ist mit göttlicher Vernunft, was in der Bibel als Heiliger Geist umschrieben wird.

    Es gilt jetzt, den Weg von der untersten Stufe zur obersten Stufe zurückzulegen. Das ist das Schicksal der Menschheit. Wenn sie es nicht schafft, dann wird die Menschheit untergehen. Nach der Offenbarung des Johannes schafft die Menschheit es nicht und wird nach der Apokalypse gerichtet werden.

    Was unkst du also noch herum ?
    Hast du eine andere Sichtweise ? Können wir uns retten und wie ?

  40. @H.Wied Begierden und göttliche Vernunft

    Lust auf Sex und „seid fruchtbar und mehret euch“ sind in der Tat Gegensätze – aber in diesem Fall sieht es wohl eher andersrum aus: Die Höhe der Weltbevölkerung ist gefährlich, nicht die Lust auf Sex. Wer hier der Bibel folgt, der ebnet den Weg zur Zerstörung der Welt.

    Was die Geldgier angeht, die ist tatsächlich auch ungünstig. Aber auch nicht grundsätzlich. Dass man guckt, dass man sein Geld verdient, ist in gewissem Rahmen sinnvoll, nur wenn es Ausmaße von Verschwendung erreicht, oder auch Summen, die keiner mehr ausgeben kann, wird die Geldgier fragwürdig würde ich sagen. Es soll sogar Milliardäre gegeben haben, die ihren finanziellen Erfolg gerade auf ein Auserwähltsein zurückgeführt haben, obwohl sie einfach nur richtig effektiv betrogen haben.

    „Wenn sie es nicht schafft, dann wird die Menschheit untergehen.“

    Ein entweder oder ist hier eher nur bei der Gefahr eines massiven Atomkriegs realistisch. Ansonsten gibt es ein Kontinuum von Nicht-Schaffen bis Schaffen. Z.B. wird der Kampf gegen den Klimawandel nur unterschiedlich angenehmes bzw. unangenehmes Klima ermöglichen, je nach dem, wie schnell wir wie weit damit kommen. Ob wir jetzt bei 2° oder bei 3° oder bei 4° Erderwärmung ankommen werden hängt tatsächlich von unserem eigenen Verhalten ab, aber ein entweder-oder in Bezug auf Weltuntergang oder nicht kann ich hier nicht erkennen.

    Dass wir eventuell in religiösem Fanatismus untergehen, ist auch eine gewisse Gefahr. Die für sich selbst in Beschlag genommene „göttliche Vernunft“ entpuppt sich öfter als brandgefährlich. Schiitische Radikale am einen Ende und evangelikale Christen am anderen Ende der Welt führen hier gerade womöglich Auseinandersetzungen, die nicht sonderlich vernünftig sind.

    Kann das denn nicht sein, dass die Bibel wirklich ziemlich veraltet ist, und als Ratgeber zur göttlichen Vernunft gar nicht mehr taugt? Wir sind in 2000 Jahren in eine völlig andere Situation hineingeraten, Johannes hat hier glaube ich ausgedient.

    Konkrete Überlegungen, was vernünftig ist oder nicht, würde ich lieber an konkreten Fakten orientieren. Mit unseren Begierden umgehen gehört sicher dazu. Aber „seid fruchtbar und mehret euch“ ist meine ich z.Z. wirklich keine gute Option.

  41. “Göttliche Vernunft”
    Ich denke die Bibel bzw. die Religion war damals eine Antwort auf eine tiefe Sinnsuche in einer ziemlich brutalen und anarchischen Zeit. Der damalige Mensch tanzte seinen wirren Tanz ums Goldene Kalb bzw. wollte wahrscheinlich jeden, der nicht seine Meinung teilte, den Schädel einschlagen …. Der damalige Mensch ?
    Die Menschheit scheint sich in ihrem Seelenleben seit dem nicht wesentlich weiterentwickelt zu haben, denn Gier, Neid, Habsucht, Selbstsucht, Hass etc. dominieren weiterhin menschliches Verhalten und der Tanz ums Goldene Kalb hat sich noch im Bankenrausch zum Exzess intensiviert .
    So gesehen finde ich diese Bibel doch weitsichtig, da sie uns die ganze Unvolkommenheit und Verkommenheit dieser Spezies Mensch zeigt. Hat nicht ein gewisser Gott Adam und Eva aus dem Paradies geworfen, weil diese verlogen ,gierig und verheuchelt waren ? Dass Menschen nun Religionen bzw.Ideologien wiederum für sich und ihre Ziele wie MACHT, Eigennutz, Bereicherung etc. nutzen ,ist nun wiederum paradox und bestätigt diesen Rauswurf. Menschen werden von egoistischen Eigeninteressen getrieben und motiviert -Der Begriff Vernunft wird dementsprechend immer prostituiert. Solange man Gewinne machen kann-auch auf Kosten anderer- ist die VERNUNFT immer auf der Seite der Mächtigen die dann auch die entsprechenden Anwälte dafür haben bzw. Schmiergelder. Legen sie diese Schablone an die heutige Zeit und sie werden immer eine Antwort finden.

  42. @H. Wied: Was der Johannes geschrieben hat, ist das leicht vorhersehbare Schicksal/die “göttliche Sicherung”, die Mensch überwinden muss, um …!

    @Jeckenburger: Sicher ist das Bevölkerungswachstum eine Gefahr, aber nur wenn Mensch nicht bald mal wahrhaftige Vernunft OHNE … erkennt und wirken lässt.

    @Querdenker: Um mal die wahrhaftige und vernünftige Interpretation der Bibel aufzuzeigen: Die “Vertreibung aus dem Paradies”, ist wie “Gott“, eine Metapher für Mensch ersten und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung, leider nur in den Kreislauf des geistigen Stillstandes mit gepflegter Bewusstseinsschwäche in Angst, Gewalt und egozentrischem “Individualbewusstsein”.
    Die Bibel, komprimiert auf das Wesentlichste von Geist/Ursprung, Vernunftbegabung/Aufgabe “wie im Himmel all so auf Erden”, ist in ihren Gleichnissen und … ein Manifest für Sozialismus und Möglichkeiten von/zu geistig-heilendes Selbst- und Massenbewusstsein (soziale Verantwortung) 😏

    Vielleicht macht Mensch vor der “Apokalypse” noch einen zweiten geistigen Evolutionssprung, der beim jetzigen Bewusstseinszustand allerdings nur Verstärker des Wahnsinns sein wird.

  43. @Jeckenburger: “Veraltet” im Sinne von TOTAL VERKOMMEN, ist die Show um die konfus-verdrehten Wörter der Bibel – zeitgeistlich-reformierte Religiosität, für Zynismus und Heuchelei der verlogenen Bewusstseinsbetäubung.

  44. Über den Lebenssinn und die Du-kannst-alles-erreichen-wenn-du-nur-willst-Ideologie – Matthäus 21,18-22 👊 es muss “nur” das DU zum IHR/WIR werden, weil in der Bibel NIE der “einzelne” Mensch angesprochen ist, dann bekommt auch GEBET seine wirklich-wahrhaftige FUNKTION 😏

  45. zu hto:
    Selbstverständlich ist die Vertreibung aus dem Paradies eine Metapher. Betrachte doch alle Religionen incl. der Bibel als einmalige Schatzkammer für das Begreifen der menschlichen Psychologie und dem Sinn des Lebens. Alle heutigen Erkenntnisse mit denen sich der “moderne” Mensch schmückt, basieren auf diese alten Weisheiten . Sicher sind sie auch Urformen des Sozialismus da sie das egoistische Handeln der Menschen hinterfragen und Alternativen anbieten. Eine Metapher zum Sozialismus hierzu: Die wichtigste Triebkraft im Sozialismus ist der Sozialneid. Also: Sozialismus funktioniert also dann, wenn alle die gleiche Schuhgröße haben.

  46. “… sich der “moderne” Mensch schmückt, …”

    Säkularisierung / Zynismus, also stets Kapitulation vor dem kreislaufenden System in Unwahrheit, das ist jetzt die Basis der “Aufklärung”.

  47. @Querdenker

    „Die Menschheit scheint sich in ihrem Seelenleben seit dem nicht wesentlich weiterentwickelt zu haben, denn Gier, Neid, Habsucht, Selbstsucht, Hass etc. dominieren weiterhin menschliches Verhalten und der Tanz ums Goldene Kalb hat sich noch im Bankenrausch zum Exzess intensiviert .
    So gesehen finde ich diese Bibel doch weitsichtig, da sie uns die ganze Unvolkommenheit und Verkommenheit dieser Spezies Mensch zeigt“

    Ich habe keine Lust den Menschen so negativ zu sehen. Gier, Neid, Habsucht, Selbstsucht, und Hass sind zunächst mal normale menschliche Emotionen, die wiederum auch Ursachen in der Sozialisation des Individuums und dem Klima in der Gesellschaft haben.

    Wenn wir mal unsere inzwischen längst sinnlos gewordene Leistungsgesellschaft auf ein vernünftiges Maß runterfahren würden, würde das Leben nicht nur einfacher und naturverträglicher, auch würden diese negativen Emotionen und Einstellungen weniger werden. Das wäre zumindest einen Versuch wert, insbesondere im Gegensatz zu der Konsequenz eines Massenselbstmordes via Atomkrieg.

    Dass in der patriarchalen Bibel die Sexualität noch als das absolute Oberübel gehandelt wird, stört hier ganz erheblich, finde ich. Das hat mit Weitblick nun nichts mehr zu tun. Hier wird durchgängig auf der Natur des Menschen herumgehackt, bis das in Fatalismus endet. Wenn man in der Bibel liest, kommt der Gedanke des unvermeidlichen Massenselbstmordes eher auf als die Hoffnung auf eine vernünftigere Zukunft.

    So schwierig ist das doch gar nicht, die Gesellschaft so zu gestalten, dass man im wesentlichen gut leben kann. Im Prinzip müssen wir nur den Neoliberalismus überwinden und unser Leistungswettrennen mal runterfahren. Einen Übergang zu göttlichem Bewusstsein oder derartiges – der dann gar nicht umsetzbar ist – scheint mir nicht nötig zu sein. Zur Zeit ist halt Wirtschaftsförderung dass oberste Ziel aller Politik, und die daraus resultierende Härte im Konkurrenzkampf fördert eben diese menschlichen Emotionen wie Gier, Neid, Habsucht, Selbstsucht und Hass. Das ist gefährlich, ja, aber nicht aussichtslos, meine ich.

  48. @Jeckenburger

    Leistung, OHNE wettbewerbsbedingt-symptomatischen Druck, entsprechend belohnen, das wird auch in einer wirklich-wahrhaftigen Ordnung als Anreiz bleiben.

    Und über eine patriarchalische Bibel müssen wir doch wohl nicht reden, wenn ausbeuterisch-unterdrückerische Strukturen verschwinden sollen???

  49. Zu Th. Jeckenburger
    Auch ich habe keine Lust Menschen so negativ zu sehen, aber ich habe leider -aus der Erfahrung heraus- keine anderen Menschen kennengelernt bzw. ich hätte sie mir schön trinken müssen. Wenn sie als Realist sich mit Religionen befassen ,so sehe n sie z. Bsp. in der hinduistischen Mythologie oder im Buddhismus diese Gefühle als zentrales Leid der Menschen (Dukkha). Das Seelenleben der Menschen wird immer zuerst durch Gefühle geprägt sein. Wie alle Gefühle sind solche Gefühle wie Hass, Neid, Habsucht scheinbar Urgefühle, die -wie ein Pilz – ein bestimmtes Biotop brauchen, um zu gedeihen. Der Kapitalismus scheint mir ein ideales Biotop zu sein, da er solche Eigenschaften (materiell ) belohnt. In der DDR konnten sie -wie in Dresden- kein Museum ausrauben, da kein Markt dafür da war. Die Gesellschaft(also das SEIN) formt hier mit ihren Wertvorstellungen die Menschen bzw. animiert diese Grundgefühle ,dieses Besitzstreben um jeden Preis, auch unter Ausschaltung moralischer Bedenken. Selbst ihr göttliches Bewusstsein wird in dieser Gesellschaft nach den Kriterien des Kapitalismus vermarktet, wenn sie sich diese Gurus anschauen, die mit Phrasen reich werden.

  50. Zu Th. Jeckenburger
    Auch ich habe keine Lust Menschen so negativ zu sehen, aber ich habe leider -aus der Erfahrung heraus- keine anderen Menschen kennengelernt bzw. ich hätte sie mir schön trinken müssen. Wenn sie als Realist sich mit Religionen befassen ,so sehe n sie z. Bsp. in der hinduistischen Mythologie oder im Buddhismus diese Gefühle als zentrales Leid der Menschen (Dukkha). Das Seelenleben der Menschen wird immer zuerst durch Gefühle geprägt sein. Wie alle Gefühle sind solche Gefühle wie Hass, Neid, Habsucht scheinbar Urgefühle, die -wie ein Pilz – ein bestimmtes Biotop brauchen, um zu gedeihen. Der Kapitalismus scheint mir ein ideales Biotop zu sein, da er solche Eigenschaften (materiell ) belohnt. In der DDR konnten sie -wie in Dresden- kein Museum ausrauben, da kein Markt dafür da war. Die Gesellschaft(also das SEIN) formt hier mit ihren Wertvorstellungen die Menschen bzw. animiert diese Grundgefühle ,dieses Besitzstreben um jeden Preis, auch unter Ausschaltung moralischer Bedenken. Selbst ihr göttliches Bewusstsein wird in dieser Gesellschaft nach den Kriterien des Kapitalismus vermarktet, wenn sie sich diese Gurus anschauen, die mit Phrasen reich werden.

  51. @Querdenker: Es gibt leider kein göttliches/menschliches Bewusstsein, denn die Schriften sind den Markt- und Machtstrukturen entsprechend falsch interpretiert. So ist es dann auch kein Wunder, dass eine AfD oder ein Religionswissenschaftler sich diese Unwahrheit als hetzerisches / ein der heuchlerisch-verlogenen Sundenbocksuche entsprechendes Geschäftsmodell gestaltet.

  52. Im Cafe am Rande der Welt: “Heh, du kommst in die Hölle” > | < "Nee, wir sind doch alle schon in der Hölle (die wie im Himmel werden soll!), wo sich das dämonische im geistigen Stillstand und vom Wettbewerb bedingte Bewusstsein zum Geschäfts-Sinn von gut&böse entwickelt”😈😇”Ach so”

    Zurück geht’s nur in den Ursprung – dumm gelaufen!😁

  53. @Querdenker Wie schlecht ist der Mensch?

    Ich würde Markteffekte nicht unbedingt dem Menschen als Schlechtigkeit anhängen. Wenn die Arbeitnehmer im Kampf um gute Arbeitsplätze gegeneinander konkurrieren, so ist das ohne entsprechende Organisation unvermeidlich. Wenn es die Arbeitgeber schaffen, die Gewerkschaften klein zu halten, werden dann eben die Arbeitskräfte billiger.

    Im Prinzip schadet sich der Mensch in diesem Fall sogar selbst, indem er hier nicht egoistisch genug ist. Und bekommt weniger Lohn und schlechtere Arbeitsbedingungen, als direkte Folge mangelnder Organisation. Das ist eigene Dummheit zum eigenen Nachteil.

    Eine Verkommenheit der politischen und wirtschaftlichen Elite würde ich eher noch annehmen, aber das sind keine Durchschnittsmenschen. Hier sind Effekte einer Korruptionskultur dabei, die sich im wesentlichen auf diese Elite beschränkt.

    Ein anderer Fall sind die Zinsen auf Kapital. Man könnte meinen, dass es schon ein Betrug ist, überhaupt Zinsen auf Kredite zu verlangen. Aber Kapital ist eben wertvoll, und hier sorgen Markteffekte dann auch für die Zinsen. Und wie sich gerade beobachten lässt, hat das auch seine Grenzen. Zur Zeit sind die Zinsen sogar auf Null gefallen, vermutliche weil so viel Kapital im Angebot ist, dass es aktuell fast ohne Zinsen zu haben ist. Das liegt weder daran, dass heute die Banken menschlicher sind, noch daran dass sie früher bei hohem Zinsniveau unmenschlicher waren.

    Negative Emotionen gehören zum Menschen, würde ich generell sagen. Wenn einem was nicht passt, ärgert man sich, wenn es gut läuft freut man sich. Wenn das ganze Leben schief läuft, entwickelt man sogar richtig Hass. Vor allem Harz4 fördert das, hier hat sich ein Druck auf die weniger Leistungsstarken aufgebaut, der am Ende noch gefährlich werden kann. Aber die Menschen, die hier durchs Raster fallen, und die, die Angst davor haben, in Zukunft ihre Arbeit zu verlieren, die sind nicht unbedingt schlecht. Nur sehr schlecht gelaunt.

    Dass der Mensch grundsätzlich versucht, irgendwie sein Geld zu verdienen, ist überaus menschlich, finde ich. „…wenn sie sich diese Gurus anschauen, die mit Phrasen reich werden.“ Da wird man denn auch immer wieder beschissen, kauft sich Bücher die gut aussehen, wo aber dann doch nur Mist drinsteht. Mit etwas mehr Lebenserfahrung merkt man das aber gleich, und man fällt da nicht mehr drauf rein.

  54. @Jeckenburger, Es ist doch gaaaanz einfach: OHNE privat-unternehmerischen Markt keinen erpresserisch-ausbeuterischen “freiheitlichen” Wettbewerb, kein “gesundes” Konkurrenzdenken, keine Spekulation, nix zum korrumpieren, jeder der Arbeit will bekommt Arbeit, die sogar fast unendlich und ohne Verluste geteilt werden kann, DAS ENDE DES GEISTIGEN STILLSTANDES, der Beginn wirklich-wahrhaftiger Menschlichkeit.

  55. @hto Privatunternehmen

    Was passiert wenn der Sozialismus in die Wüste kommt? Dann wird der Sand knapp. Das ist vielleicht übertreiben.

    Bei einer Wirtschaft ohne Privatunternehmen würde ich mir ernsthaft Sorgen um die Produktivität, die Versorgung mit dem was akut nachgefragt wird und um die Innovationsfähigkeit machen.

    Wenn die Unternehmensleitung nicht maßgeblich am Unternehmensergebnis beteiligt ist, muss man damit rechen, das sie sich einerseits nicht ausreichend um das Ergebnis kümmert, und andererseits auch viele notwendigen Risiken nicht mehr eingeht.

    Ein Modell für öffentlich-rechtliche Unternehmen, die wirklich gut funktionieren, würde mich sehr interessieren. Wir haben hier in Dortmund eine Wohnungsbaugenossenschaft, den Spar- und Bau-Verein, der die beste Bausubstanz, die günstigsten Mieten und den besten Service hat. Anderseits habe ich die im Bundesbesitz befindliche Bundesbahn im Verdacht gar nicht gut zu wirtschaften, und das eher absichtlich: um den Absatz von Fahrzeugen in der Autoindustrie zu fördern.

    Mich würde auch mal interessieren, wie die Chinesen ihre Betriebe organisieren.

    Die teils haarträubend schlechte Arbeit von Behörden aller Art würde mir wirklich Angst machen, sollte man auf die Idee kommen, dieses Organisationsmodell auf weite Bereiche der derzeitigen Privatwirtschaft auszudehnen. Niemand ist da wirklich verantwortlich, und der Kunde, der Bürger der da an der Tür kratzt, wird grundsätzlich als Störfaktor gesehen, und oft auch so behandelt. Es gibt Bereiche, in denen Privatwirtschaft nicht funktionieren kann, aber überall wo die Konkurrenz zwischen den unabhängigen Betrieben funktioniert, kommt da auch meistens ein gutes Ergebnis dabei raus.

    Wenn man entsprechende Regulierungen um die Privatwirtschaft herum hat, kann das doch ganz gut funktionieren. Also statt Harz4 eine Unterstützung von Arbeitnehmern mit und ohne Arbeit, und entsprechende CO2-Steuern u.ä. für Herausforderungen wie den Klimaschutz wären aber ganz wichtig.

    Unsere aktuelle Lobby-Demokratie ist in der Tat nur eingeschränkt in der Lage, was anderes als Wirtschaftsförderung ohne Sinn und Verstand zu organisieren. Das ist das eigentliche Problem, würden die Privatfirmen sich auf ihre Arbeit konzentrieren und ihre Kunden zufrieden zu stellen, und die Politik nicht in diesem Ausmaß für Extraprofite einspannen, würde Vieles sehr viel besser laufen.

    @hto Was die Marktwirtschaft mit geistigem Stillstand zu tun hat, hab ich auch noch nicht verstanden.

  56. @Jeckenburger: Seit der “Vertreibung aus dem Paradies” (Mensch erster und bisher einzige geistige Evolutionssprung, heraus aus dem Instinkt!), funktioniert/vegetiert Mensch weiter im tierischen Erbe “Recht des Stärkeren”/Wettbewerb und nennt die kreislaufend-reformistischen Entwicklungen Fortschritt, anstatt den Blödsinn des Konkurrenzdenkens als behindernden Stumpf/Wahnsinn zu erkennen und wirklich-wahrhaftig Gemeinsamkeit OHNE … zu leben – Wenn grundsätzlich alles Allen gehören darf, so das die wettbewerbsbedingte Symptomatik “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” keine Macht mehr hat, kann alles in menschenwürdigen Prinzipien organisiert werden, NICHT multischizophren REGIERT und somit zu technokratischen KOMMUNIKATIONSMÜLL zerlegt.

  57. @hto tierischen Erbe “Recht des Stärkeren”/Wettbewerb

    Jetzt scheint mir, dass ich verstehe was Sie meinen. Wenn der Mensch selber meint, dass sein Sinn darin besteht, besser als seine Artgenossen zu sein, und sich in der weiteren Evolution gegen diese durchzusetzen, dann hat er das (herrschende?) Konkurrenzdenken richtig schön verinnerlicht.

    Ich kann mich vage an den Biologieunterricht erinnern, dass dort genau das den Schülern nahegelegt wurde. Der Sinn der Evolution sei halt die stetige Verbesserung der jeweiligen Spezies, und dies gelte im Prinzip auch für den Menschen. Darin inbegriffen ist dann auch die unselige Ansicht, Behinderte und anderweitig Minderwertige sollten sich besser nicht auch noch fortpflanzen.

    Klar passt diese Ansicht prima zum Neoliberalismus. Aber erstens ist der Neoliberalismus eine Einrichtung, die die Geschäfte der Kapitalisten nochmal schön fördern soll. Und zweitens geht es hier überhaupt nicht um die biologische Verbesserung der Menschheit. Auch wenn dies versteckt im Hintergrund als Argument für den Neoliberalismus willkommen ist.

    Was ich mir hier aber denke, ist dass der aufgezwungene Wirtschaftsrahmen wenig damit zu tun hat, wie denn der Mensch wirklich selber seinen eigenen Sinn sieht. Und so kann sich der Mensch auch in seinem eigenen Sinne inmitten dieses neoliberalen Unwesens bewegen.

    Mit einer neuen hypothetischen superbewussten Wirtschaftsweise würde sich zunächst mal die reale Philosophie der konkreten Individuen wenig ändern, schätze ich. Ich würde hier lieber vorschlagen, dass sich der Mensch einfach selbst kompetente Gedanken über seinen eigenen Sinn macht. Wenn er da Fortschritte macht, kann das zunächst vollkommen unabhängig von der aktuellen Wirtschafts-Rechtslage seine Wirkung im Privatleben entfalten. Und im weiteren auch die Basis dafür sein, dass eben diese unselige Wirtschaftsweise sich in Zukunft dann doch mal entscheidend ändert.

    Wenn ich mir hier unseren Dortmunder Spar und Bau Verein ansehe, ist dieser schon ganz gut aufgestellt. Hier muss gut gewirtschaftet werden, aber eben ausdrücklich nicht nur im Sinne der Kapitalanleger, sondern auch ausdrücklich im Sinne der Mieter bzw. der Nutzer der Wohnungen. Das wiederum funktioniert auch wiederum unabhängig vom besonderen Bewusstseinszustand der beteiligten Personen, hier scheint sich nur in der Genossenschaftsorganisation ausreichend echter Gemeinsinn durchgesetzt zu haben.

    Deswegen mein Vorschlag: Arbeiten wir an unserer eigenen Philosophie, und warten nicht auf neue Verordnungen von Lehrern, Professoren, Firmenchefs oder gar von politischen Amtspersonen. Alternativen zur Idee des Erfolges im Wettbewerb gegen die eigenen Artgenossen als Lebenssinn sind ja so schwer nicht zu finden. Das scheint mir eher nur der Null-Zustand des vollkommen unreflektierten (Fach?) Idioten zu sein.

  58. Sehr schön geschrieben, lieber Herr Dr. Stephan Schleim, auch sehr schön neben der Rezension ergänzt.
    Ihnen noch goldene Zwanziger!

    Ansonsten hierzu noch kurz :

    Mit anderen Worten: Alles ist möglich; und wir müssen nur fest genug daran glauben, dann passiert es. Dieses Denken hat in den USA eine lange Tradition und die New-Age-Bewegung wohl aus der älteren New-Thought-Bewegung übernommen, die schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts populär wurde.

    Es ist eine ganz besondere Sorte Mensch, insbesondere aus dem Vereinigten Königreich und von den Deutschen in die USA emigriert, anfänglich jedenfalls und vielleicht bis in die Sechzigerjahre, die Immigranten dort starteten ja oft bei Null oder mit geringem eigenen Vermögen und mussten im großen weiten Land ihr Glück suchen wie finden.
    Es gibt in den Staaten viele “Gewinner-Typen”, die übrigens auch nicht auf “Loser” herabschauen, sondern sie ermuntern ebenfalls ihr Glück (erneut) zu suchen.

    Vergleiche auch mit dem amerikanischen Exzeptionalismus :
    -> https://en.wikipedia.org/wiki/American_exceptionalism

    Dr. Webbaer mag diese optimistische Einstellung, die seines Erachtens übrigens beim Scheitern nicht zur Depression, zur Selbsteinschätzung als “Loser” führt, sondern dazu anhält es immer wieder zu versuchen, allerdings ist der Schreiber dieser Zeilen Realist und nicht Optimist, obwohl sanguinisch sozusagen, doch eher passiv und faul, mehr Kritiker als Macher.
    Die US-Amerikaner können stolz auf ihr Land sein.
    Oder?

    Mit freundlichen Grüßen und weiterhin viel Erfolg
    Dr. Webbaer

  59. PS :

    Es geht wohl um liberales Denken, die Präfix beim Adjektiv könnte sich dann gespart bleiben.

  60. Bonuskommentar hierzu :

    Ein konkretes Beispiel: Nehmen wir an, ich wollte US-Präsident werden.

    Der Wille zum Erfolg ist notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung erfolgreich zu sein.
    Der Schreiber dieser Zeilen kennt ein paar Leutz, die es sozusagen geschafft haben, die waren meist unbedingt auf Erfolg angelegt.
    Gnadenlos gegenüber sich selbst, teils auch gegenüber anderen und auch zeitlich stark investiert.
    Donald J. Trump, der bereits vor 40 Jahren über seine mögliche Präsidentschaft sprach, ist ein gutes Beispiel, dieser Mann, der in der BRD oft verlacht wird, hat es am Immobilienmarkt, im Entertainmentbereich und auf köstliche Art und Weise letztlich sogar in der Politik geschafft, auf seine gnadenlos konsequente Art und Weise und Widerstände kompetitiv fast begrüßend.

    Ansonsten war das Zitierte ein schlechtes Beispiel, Ziele sind realistisch zu definieren und dann, im Sinne der hier bearbeiteten Einstellung, gnadenlos zu erreichen zu suchen.
    Wenn entsprechende Ambition vorliegt, natürlich nur.

  61. @ Kommentatorenfreundin ‘enoon’

    “Glück” ist, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

    Glück bedeutet nicht das zu tun, was gemocht, sondern zu mögen, was getan wird.
    Klingt womöglich ein wenig erratisch, ist so von Dr. Webbaer vor vie-elen Jahren entwickelt worden, um dann festzustellen, dass andere ebenso zu formulieren vermocht haben, lange vor dem Schreiber dieser Zeilen, macht aber sozusagen perfekt Sinn.
    Glück, hier ist die Zufriedenheit gemeint, entsteht einerseits im permanenten Vergleich und andererseits an den an sich selbst gestellten Ansprüchen, die, stand so schon weiter oben, womöglich am besten (Ausnahmen mag es geben) realistisch zu entwickeln sind.
    “Glück” bedeutet oft auch von nicht beeinflussbaren negativen Einflüssen verschont zu bleiben und zu erkennen über welches Talent verfügt wird, ja, fast alle verfügen über Talent. Unser werter hiesiger Inhaltegeber scheint bspw. ein großartiger Philosoph zu sein, der eher passive Schreiber dieser Zeilen hat Talent Talent anderer zu erkennen, haha, sozusagen.

  62. @ Dr. Webbaer

    Besten Dank, für Ihre aufmunternde Replik!

    Alles ist gut, was man gerne tut… ist ein schönes und erfolgversprechendes Lebens-Mantra, welches Ihre Definition von “Glück” bekräftigen soll.

    Auch ist “Glück” ein entscheidender Augenblick, ein ahnungsvoller Zufallsmoment, ähnlich wie beim Roulette, im letzten Moment vor dem “rien ne va plus” auf die richtige Zahl zu setzen, oder eben nicht in den Zug einzusteigen der wenig später verunglückt. Das “Glück” ist genauso facettenreich wie die “Liebe”.

    Ja, Talente erstrecken sich auf alle Lebensbereiche. Und dass Ihre, Herr Dr. Webbear, dieses Talent der Menschenkenntnis, ist wohl eine der erstrebenswertesten und hilfreichsten Fähigkeit, auch förderlich für den anderen, um im Leben voranzukommen. Sofern diese frei vom Manipulationszweck, ist sie die Menschenkenntnis, zudem überaus anziehend… wie ich finde.

  63. @ Kommentatorenfreundin ‘enoon’

    Nun ist sicherlich nicht alles gut, was gerne getan wird, die Moralphilosophie steht auf einem anderen Tableau, aber Glück bedeutet das zu mögen, was getan wird.

    Tatsächlich, und aus diesseitiger Anschauung, ist Ihr Kommentatorenfreund gut darin andere zu erkennen.
    Näherungsweise, natürlich nur. Es kann ja nicht direkt hineingeschaut werden und erkennende Subjekte kennen sich selbst nie umfänglich.

    Dr. Webbaer ist eigentlich eine Art Gute-Laune-Bär, was ihm wegen einer gewissen Bräsigkeit oft nicht abgenommen wird, korrekt.

    He who knows others is wise; He who know himself is enlightened. [Lao Tzu]

  64. @Dr. Webbaer Glück

    „Glück bedeutet nicht das zu tun, was gemocht, sondern zu mögen, was getan wird.“

    In der Tat verhält sich das so mit dem Glück. Aber Glück im Leben kommt ja nicht nur vom Tun. Erkenntnis und die Befriedigung der Neugier, einfach die Welt kennenlernen und in sich aufnehmen, Beziehungen aufbauen und gestalten, Freundschaften schließen, womöglich noch Kinder großziehen. Teil wovon sein: Teil der Erde, des Kosmos, und zur Not noch Teil einer Nation sein. Das alles kann auch zum Glück beitragen. Das sind dann die nicht-materiellen Anteile des Lebens, die ich gar nicht mal unbedingt im Zusammenhang traditioneller Religionen sehen würde.

    Erfordert aber zumeist auch, von irrsinnigen Leistungsfanatikern weder in ein Übermaß an Arbeit gedrängt zu werden, noch dass diese die Welt soweit zerstören, dass es an der Welt nicht mehr viel Teilzuhaben gibt.

    Ein Übermaß des wirtschaftlichen Erfolges Einzelner erzeugt bei anderen Stress und Armut, und das dann einfach folgerichtig ohne weitere Absicht. Der Verdacht, hier unreflektiert den Sinn des Lebens im Kampf gegen die eigenen Artgenossen zu sehen, kann hier aufkommen. Zumal Wirtschaftsnebenwirkungen wie der Klimawandel kaum die je betreffen werden, die schön reich sind. Wenn deren Strandhaus vom steigenden Meeresspiegel weggeschwemmt wird, kaufen die sich etwas weiter weg vom Strand eben ein Neues.

    In der Tat ist das, was gerne getan wird, öfter nicht gemeinnützig oder auch sogar richtig kriminell. Und bleibt aber doch Glück. Hooligans prügeln sich liebend gerne, aber den Staat bringt das mehr auf die Palme, als die gewöhnliche sich bereichernde Kriminalität. Der Staat als Hüter des Kollektivismus greift hier verzweifelt ein. Vorsätzliche Körperverletzung aus reiner Lust und Laune ist ganz fernab jeglicher kollektiven Vernunft. Dabei sind mir Hooligans insofern noch sympathisch, als dass sie hier zum Unsinn stehen und nicht auch noch vorgeben, was zur Gesellschaft beizutragen.

    Ihr Link zum amerikanischen Exzeptionalismus finde ich sehr interessant. Genau so benimmt sich auch gerne die USA. „Wir sind die Guten, und dürfen deswegen alles.“ scheint dort verbreitet zu sein. Ich finde das nicht so gut, aber angesichts der militärischen und computertechnischen bzw. datentechnischen Überlegenheit bleibt aktuell kaum was anderes als da zuzugucken, und zu hoffen, dass die Neigung zu regelmäßigen Angriffskriegen andere trifft.

    Einerseits hält man sich für „Gods own Country“, andererseits ist man so auf Materielles fixiert, wie kaum woanders. Der Vergleich zur Philosophie so mancher US-Milliardäre drängt sich hier auf: Man wähnt sich durch Gott selbst gefördert, und glaubt auserwählt zu sein, ganze Märkte zu beherrschen, und legitimiert dadurch einfach, dass man sich eigentlich nur wie die Wildsau bewegt und andere gnadenlos und systematisch betrügt.

    Und der kleine US-Mann applaudiert noch, derweil selbst von zahlreichen derartigen Vertretern nach Strich und Faden geschröpft und bis ins Kleinste ausspioniert.

    Unter Trump entwickelt sich die US-Demokratie offenbar weiter in Richtung Oligarchie, was traditionell gesehen in den USA an sich nichts Neues ist.

    Hier in Dortmund hab ich mal eine Baptisten-Gemeinde kennen gelernt. Die meinen tatsächlich, dass ein gottgefälliges Leben automatisch auch zu wirtschaftlichem Erfolg führt. Und im Umkehrschluss Reichtum dann auch ein Zeichen von Gottgefälligkeit sein muss. Da frage ich mich echt, was das noch mit Religion zu tun hat. Die gesellschaftliche Konsequenz daraus ist dann auch nicht Demokratie, wo jeder von Gott verachtete Versager eine Stimme hat, sondern eben die Oligarchie, wo dass Geld dann ganz direkt ohne demokratische Umständlichkeiten regiert.

  65. Lieber Herr Thomas Jeckenburger,

    irgendwo hat Dr. Webbaer mal im Web Ihre Visualisierung gefunden und nimmt Ihnen ab personenidentisch, vs. pseudonym zu kommunizieren, was gut ist.

    Hier nagt Ihr Kommentatorenfreund noch ein wenig :

    Ihr Link zum amerikanischen Exzeptionalismus finde ich sehr interessant. Genau so benimmt sich auch gerne die USA. „Wir sind die Guten, und dürfen deswegen alles.“ scheint dort verbreitet zu sein.

    Der US-amerikanische Exzeptionalismus funktioniert in etwa so, dass angenommen wird, dass sich in den Staaten welche zusammengefunden haben, die nicht nur in puncto Demokratie, die US-Demokratie ist eine der bewährtesten, neben der Demokratie der Schweiz womöglich >:-> , hochleistend sind, sondern als sog. und soz. geborene Entrepreneure eben außerordentlich zu leisten in der Lage sind.
    Weil sich dies qua Einwanderung unter teils härtesten Umständen quasi so selektiert hat.

    Die Amis sind nicht blöde, Trump bleibt Demokrat und das Gewinnen darf auch in der BRD gelernt werden.
    Irgendwie scheint der “Führer” dort einige nachhaltig kaputt gemacht zu haben, lol.

    Die intellektuelle Spitze in den Staaten obliegt aus diesseitiger Sicht weit der europäischen, Dr. W führt dies – wahlfrei, er will nicht auf der Richtigkeit seiner Einschätzung bestehen – auf günstige Immigration seinerzeit aus dem Vereinigten Königreich, aus deutschem Lande und auch Juden betreffend zurück, zuletzt [1] auch auf die Ankunft von Fernost-Asiaten.

    MFG – WB

    [1]
    Fernost-Asiaten, Chinesen, sind früher eingewandert, sie spielen auch in einigen guten alten Western eine Rolle, insofern war die Anmerkung nicht ganz korrekt.

  66. @Dr. Webbaer US-amerikanische Exzeptionalismus

    Von mir aus darf sich der US-Amerikaner auch gerne für genetisch besser halten. Vorrechte ergeben sich daraus aber zunächst mal nicht, aber eben doch Möglichkeiten.

    Wenn ich an Bill Gates, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg denke, so fällt mir hier aber Dreistigkeit mehr auf als besondere Intelligenz. Alle drei treiben Missbrauch mit ihrer marktbeherrschenden Stellung, und kommen vor der US-Justiz damit durch. Vermutlich weil sie ihre Datensammlungen aus der ganzen Welt fleißig mit US-Behörden aller Art teilen. Im Gegenzug erlaubt man ihnen, ihr Monopol bis ins letzte auszureizen.

    Nein, diese Art von Intelligenz bringt die Welt jedenfalls nicht weiter. An anderer Stelle hab ich mal gehört, dass wir per Auswanderung nach Amerika auch unsere religiösen Fanatiker gepflegt exportiert haben. Und dass wir uns glücklich wähnen dürfen, dass hier in Europa religiöser Extremismus nachhaltig seltener geworden ist.

  67. Kulturell, vs. ‘genetisch’, im Wirtschaftlichen sind US-Kräfte, auch ankündigterweise liberale. in der Regel : knallhart.
    Die Drei von Ihnen genannten, Kommentatorenfreund Herr Jeckenburger, sind auch aus diesseitiger Sicht problematisch, sollten als Unternehmer nicht ohne Mandat politisch werden, sie sind womöglich gegen den amtierenden US-amerikanischen Präsidenten eingestellt und verfolgen womöglich keine Ziele, die dem Gemeinwohl nützen.
    Monopole dürfen ab einer gewissen Konsistenz und Marktbeherrschung zerschlagen werden.

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