Drogen als Instrumente – zur Anpassung?

Kritische Anmerkungen zum Vorschlag, Drogen zum Erreichen von Zielen einzusetzen

Es war ein sommerlicher Apriltag des Jahres 2018, als draußen die Menschen durch die Erlanger Innenstadt jagten, auf der Suche nach der nächsten Eisdiele oder einem kühlen Schattenplätzchen. Wir drinnen waren zur Tagung “Altered States” gekommen, mit der das Kunstpalais seine gleichnamige Ausstellung begleitete.

Vor mir sprach Christian Müller, Psychiatrieprofessor an der Erlanger Uniklinik und Spezialist für Drogensucht. Nach seinem Vortrag über “Drogen als Instrumente” würde ich referieren, dass die Unterscheidung von Genussmitteln, Drogen und Medikamenten weniger in den Substanzen begründet ist, als in der Art und Weise, wie wir darüber denken. Die Kategorie “Droge” ist ein sozial-politisches Konstrukt.

Am Vortag hatte bereits der Rechtswissenschaftler Jan Fährmann vorgetragen, wie sich unser Denken über Drogen im Laufe der Zeit sowohl politisch als auch gesellschaftlich änderte. Dass Kolonialmächte wie Großbritannien oder Frankreich einmal die größten Drogendealer gewesen waren und gegen China sogar zwei Kriege geführt hatten (1839-1842; 1856-1860), als das Land die Einfuhr von Opium verbot, hatte ich schon gehört. Das Ausmaß, in dem mit Drogenpolitik tatsächlich Sozial- und Migrationspolitik gemacht wurde und bis heute gemacht wird, überraschte mich dann aber so sehr, dass ich Fährmann später interviewte (Mit Drogenpolitik wird Sozial- und Migrationspolitik gemacht).

Eine Menükarte für Drogen?

Hier soll es nun um Professor Müller gehen. Sein Vortrag nahm in zunehmendem Maße, diesen Eindruck hatte wohl nicht nur ich, die Gestalt einer Menükarte an. Einer Menükarte für bestimmte psychische Zustände, die sich mit dieser oder jener Droge erzielen ließen. Seine Thesen sorgten dann auch für so viel Diskussionsbedarf, dass mein Vortrag im Anschluss etwas verspätet begann.

Heute liegen mir seine Gedanken über “Die Droge als Instrument” schriftlich vor; und ist mir aufgefallen, dass er den Ansatz schon einmal 2011 in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift “Behavioral and Brain Sciences” vorgestellt hat. Auch dort fand eine rege Diskussion statt, auf die ich später noch kurz eingehen werde.

Die für meinen Kommentar wichtigsten Aussagen seien hier noch einmal zusammengefasst: Die allermeisten Menschen würden verantwortungsvoll mit Alkohol umgehen. Lediglich 15 Prozent der Alkoholkonsumenten würden als süchtig gelten. Bei illegalen Drogen sei das Verhältnis immer noch rund zwei Drittel zu einem Drittel. Selbst bei den Menschen, die einen problematischen Drogenkonsum haben, beginne es meistens mit einem vernünftigen Maß zur Erreichung bestimmter Zwecke.

Neun Zwecke

Diese Zwecke, denen das Instrument Droge dienen könne, unterteilt der Psychiater in neun Kategorien, nämlich: (1) Verbesserung sozialer Interaktionen; (2) erleichtertes Sexualverhalten; (3) Verbesserung kognitiver Leistungen beziehungsweise Verringerung von Ermüdung; (4) Verbesserung der Erholung beziehungsweise der Verarbeitung von Stress; (5) Selbstmedikation psychischer Störungen; (6) Bewusstseinserweiterung; (7) Erleben eines High-Gefühls beziehungsweise Euphorie; (8) Verbesserung der physischen Attraktivität; und schließlich (9) die Verbesserung spiritueller beziehungsweise religiöser Erfahrungen.

Auf Müllers Erklärung der neurobiologischen Wirkmechanismen der Substanzen gehe ich hier nicht weiter ein. Darüber weiß er sowieso viel mehr als ich. Manchmal schienen mir die Ausführungen aber sehr optimistisch. In der Forschungspraxis sind doch in der Regel noch viele Fragen offen, selbst bei einem alten Bekannten wie Amphetamin (“Speed”).

Wir lernen nun in “Die Drogen als Instrument”, dass der Mensch heutzutage sehr beschäftigt ist. Zudem müsse er sich im Arbeitsumfeld an professionelle Standards halten. Ein zu netter oder persönlicher Umgang passe dabei nicht. Und vor allem auch die Anbahnung sexueller Kontakte gehöre sich dort nicht.

Es geht um Arbeitsmoral

Interessanterweise erwähnte Müller zur Herbeiführung der professionellen Haltung am Arbeitsplatz keine Droge als Instrument. So erscheint dieser Zustand als eine Art Standardmodus der Psyche. Gemäß Erfahrungsberichten würde ich vermuten, dass ein Mittel aus der Klasse der Stimulanzien ohne halluzinogene Wirkung, vor allem Methylphenidat/Ritalin oder Amphetamin/Speed, manchen Menschen beim Fokussieren auf die Arbeit hilft und sie weniger anfällig für Ablenkungen macht, sei es die von Kollegen oder durch Nachrichtenseiten und soziale Medien.

“Ich erfahre einen großen Unterschied, ob ich die Pillen nehme oder nicht. Die Menge der Arbeit, die ich erledigen kann, und wie ich mich insgesamt fühle… Es ist komisch. Ich setze mich schlicht hin und erledige, was auch immer ich erledigen muss, und werde mich nicht okay fühlen, bis ich damit fertig bin.”

eine Studentin ohne psychiatrische Diagnose über den Konsum eines typischen ADHS-Medikaments laut der Forschung von Scott Vrecko, 2013; dt. Übersetzung S. Schleim

Der Handelsname des von dieser Studentin verwendeten Medikaments lautet übrigens Adderall, ein Amphetaminprodukt. Den Namen hat sich der Erfinder in Anlehnung an “ADD All” ausgedacht: Alle sollen eine ADD-Diagnose bekommen. Ähnlich skurril hat der Ritalin-Erfinder das Mittel nach seiner Frau Rita benannt. Steinreich machte es beide Pharmakologen. ADD ist eine ältere Bezeichnung für die Aufmerksamkeitsstörung ADHS, die englisch mit ADHD abgekürzt wird (30 Jahre Aufmerksamkeitsstörung ADHS).

Alkohol schneidet gut ab

Doch bleiben wir bei Müllers Aufsatz. Wir lernen dort, “dass Alkohol in geringeren bis mittleren Dosen entspannende Effekte hat.” Das würde uns helfen, schneller vom professionellen Arbeitsmodus in die größere Bereitschaft für soziale Interaktionen zu kommen. Da ist es nur konsequent, dass die Substanz auch als Instrument für “erleichtertes Sexualverhalten” genannt wird. Und dies sei schlichtweg nötig, so der Psychiater, “um unsere Vermehrung zu sichern.”

Alkohol wird ein drittes Mal erwähnt, wo es um die Verbesserung von Erholung beziehungsweise der Stressverarbeitung geht. Und Deutsche erfahren tatsächlich immer mehr Stress (Deutsche wollen weniger Stress – doch wie?). Zum vierten Mal von den insgesamt neun unterschiedenen Zielen taucht das Mittel schließlich als Selbstmedikation leichter Angstgefühle oder Stimmungstiefs auf.

Wer sich zwischenzeitlich schon ein Bier aus dem Kühlschrank geholt oder ein Glas Wein eingeschenkt hat, der sollte aber nicht zu schnell austrinken: Denn als Beispiel für den unproblematischen Alkoholkonsum nennt der Psychiater 100ml Wein pro Tag. Das entspricht in vielen Weinregionen nicht mal einem halben Glas, das man in der Straußwirtschaft oder im Biergarten bestellen kann. Mehr als ein kleines Glas Bier (250-330ml) dürfte das auch nicht hergeben. Dann mal ein Kölsch bestellen?

Es kommt auf die Dosis an

Müller betont, dass die optimale instrumentelle Wirkung aller Drogen nur bis zu einer bestimmten Konsummenge gilt. Danach würden die Probleme überwiegen. Das ist wohl die Krux bei dem Gedanken von “Die Drogen als Instrument”. Es macht aber schon einmal deutlich, wie kurzsichtig der neue Puritanismus ist, der eine stärkere Regulierung von Alkohol fordert (Brauchen wir ein Alkoholverbot?).

Dann müssten die Betroffenen schließlich andere Mittel suchen, um vergleichbare Wirkungen zu erzielen. Ob die alle gesünder wären, steht auf einem anderen Blatt. Dabei müssen “Mittel” übrigens nicht unbedingt Substanzen sein. Man kann auch an andere körperliche oder psychische Instrumente denken – Bewegung, Sport, Meditation, Yoga, gute Gespräche und so weiter. Davon abgesehen wissen wir natürlich schon lange, dass Verbote hier kaum wirken (Warum repressive Drogenpolitik nicht funktioniert).

Der Psychiatrieprofessor diskutiert analog zum Alkoholbeispiel den instrumentellen Nutzen von Substanzen wie Amphetamin/Speed, Cannabis/Marihuana, MDMA/Ecstasy, Meskalin, Methylphenidat/Ritalin, Koffein, Kokain, Nikotin, Psilocybin, LSD und anderen mehr. Die Details lassen sich bei ihm nachlesen und brauche ich hier nicht zu wiederholen. Wo mich die Offenheit von Müllers Ansatz auf den ersten Blick schockierte, begrüße ich ihn auf den zweiten Blick als Einladung zum Nachdenken.

Denn es lässt sich ja nicht von der Hand weisen, dass viele Menschen Drogen konsumieren. Warum? Eben um bestimmte Zwecke zu erreichen, die der Psychiater hier in neun Kategorien unterteilt hat. Dazu kommt jetzt aber die gesellschaftliche – oder vielleicht sollte ich besser sagen: politische – Ebene, die bestimmte Mittel dämonisiert und verbietet, also die Herstellung und den Besitz von sowie den Handel mit bestimmten Drogen bestraft.

Regulierung oder Doppelmoral?

Die (westlichen) Staaten, die, wie wir gelesen haben, früher selbst die größten Drogendealer waren, haben im Laufe des 20. Jahrhunderts vor allem unter US-amerikanischer Führung Drogen kriminalisiert (Mit Drogenpolitik wird Sozial- und Migrationspolitik gemacht). Und wie wir heute wissen ist der “War on Drugs”, der sogenannte Krieg gegen die Drogen, ein großes Debakel. Sogar im von Westmächten besetzten Afghanistan blüht der Opiumhandel mehr denn je.

Auch in unserer Gesellschaft finde ich den Umgang mit den Substanzen gelinde gesagt doppelbödig: Wenn beispielsweise Leute auf Partys Amphetamin/Speed konsumieren, um länger durchzufeiern und sich dabei besser zu fühlen, dann ruft das im Extremfall die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Wenn stimulierende Mittel andererseits aber verwendet werden, damit Schüler und Studierende besser pauken, dann finden das sogar gutbürgerliche Professorinnen und Professorinnen mit Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung akzeptabel.

Oder denken wir an den Sport: Millionen erfreuen sich am Bildschirm oder in den Stadien an Spitzenleistungen. Den Sportlern winken Aufmerksamkeit, ruhmreiche Titel und Millionenverträge mit Werbepartnern. Wer aber beim Dopen ertappt wird, der wird ausgebuht und disqualifiziert. Bei entsprechender medizinischer Diagnose, denken wir wieder einmal an ADHS, darf auf Verschreibung Amphetamin/Speed oder Methylphenidat/Ritalin dann doch konsumiert werden.

Für ein aktuelles Beispiel aus der National Football League verweise ich auf die Netflix-Dokumentation “Take Your Pills“. Analog gilt das auch für Schüler und Studierende, die beliebte ADHS-Medikamente konsumieren. Dabei erinnere ich noch einmal daran, dass es für psychiatrischen Diagnosen nach wie vor keine objektiven Kriterien gibt (ADHS und die Suche nach dem Heiligen Gral).

Wunscherfüllende Medizin

Ich will jetzt zum letzten Teil meines Aufsatzes kommen und einige wesentliche ethische wie psychosoziale Aspekte ansprechen, die man meines Erachtens nicht außer Acht lassen darf, wenn man von Drogen als Instrumenten spricht:

Erst einmal müssen wir uns darüber klar werden, dass wir hier von einer anderen Medizin sprechen: Einer Medizin, die nicht primär Krankheiten heilt, sondern Wünsche erfüllt. Das nennt man in der Fachdiskussion auch “wunscherfüllende Medizin”.

Wollen wir das? In der plastischen Chirurgie ist das – sozusagen als verlängerter Arm der kosmetischen Industrie – natürlich ein blühender Markt, an dem viele Frauen teilnehmen und auch immer mehr Männer nachziehen. Dass sie das wirklich glücklicher macht, bezweifle ich, wenn ich mir Diagnosezahlen zu Angststörungen, Burn-Out oder Depressionen anschaue, doch das ist eine andere Diskussion (Diagnosen psychischer Störungen steigen stark an).

Beispiel Antibabypille

Man kann aber auch an die Antibabypille denken: Abgesehen von einer kleinen Minderheit der Frauen, die wirklich starke Menstruationsbeschwerden hat, wird das Medikament zur Wunscherfüllung verschrieben und dann unter Umständen sogar von den Krankenkassen bezahlt. Die Wünsche – oder mit anderen Worten: Zwecke –, um die es hier geht, sind etwa die Verhütung von Schwangerschaften aber auch besseres Aussehen oder effizienteres Funktionieren am Arbeitsplatz.

Die Sozialwissenschaftlerin Katrin Wegner hat das in ihrem Buch “Die Pille und ich: Vom Symbol der sexuellen Befreiung zur Lifestyle-Droge” beziehungsweise in ihrer Dokumentation in Interviews mit über 300 Frauen aus drei Generationen in Ost- wie Westdeutschland sehr schön aufgezeigt.

Ungeachtet der Rufe der zweiten bis dritten feministischen Welle, die Pille fördere die sexuelle Ausbeutung, nehmen Mädchen und Frauen verschiedenster Lebensphasen das Präparat für reinere Haut, glänzenderes Haar, größere Brüste (das ist wohl ein Trugschluss) oder um beim Studieren oder Arbeiten nicht von der Menstruation gestört zu werden. In dem Buch wird sogar ein Mädchen zitiert, das die Pille zur Verbesserung des Aussehens nahm aber laut Wegner nicht einmal wusste, dass es sich um ein Verhütungsmittel handelt.

Kosmetische Psychiatrie?

Wunscherfüllende Medizin ist also nicht neu. Das macht die Praxis aber nicht unproblematisch. Und, wie bereits erwähnt, dürfen wir bezweifeln, ob die Erfüllung solcher Wünsche die Menschen wirklich glücklicher macht.

In einem Szenario nach Christian Müllers Ansatz könnten aber wohl Patientinnen und Patienten – oder dann vielleicht besser Kundinnen und Kunden – zum Psychiater gehen, um bestimmte psychosoziale Erfahrungen und Leistungen zu erlangen, so wie Menschen heute zum kosmetischen Chirurgen gehen. Meines Wissens war es erstmals der US-amerikanische Neurologieprofessor Anjan Chatterjee von der University of Pennsylvania, der 2004 den Begriff einer “kosmetischen Neurologie” prägte. Auf das traditionelle Konkurrenzverhältnis zwischen Neurologen und Psychiatern – früher gab es noch den “Nervenarzt” als Zwischenkategorie – gehe ich hier nicht näher ein.

Der für mich wichtigste Punkt, wenn man von Drogen als Instrumenten spricht, liegt für mich aber in der Autonomie. Mit anderen Worten: Wir können also mit bestimmten Substanzen bestimmte Zwecke erzielen. Doch wer oder was gibt diese Zwecke vor?

In Müllers Aufsatz fällt mir auf, wie er immerhin vierzehnmal mit dem Begriff “Zeit” beziehungsweise der “Freizeit” spielt. Wir müssten beispielsweise vom professionellen Arbeitsmodus in den sozialeren Modus wechseln. Dafür fehle es aber an Zeit. Daher ginge das mit Alkohol, Amphetamin/Speed, Cannabis/Marihuana, MDMA/Ecstasy, Methylphenidat/Ritalin oder Koffein besser, nämlich schneller.

Zeit und Beschleunigung

Die Welt, von der der Psychiatrieprofessor ausgeht, ist also eine, in der die Ressource “Zeit” sehr knapp ist. Das glaube ich jemandem sofort, der sowohl als Wissenschaftler als auch als Arzt Karriere gemacht hat. Ist das aber eine Welt, wie sie sein sollte, oder liegt hier nicht vielmehr das eigentliche Problem?

Wie erwähnt, immer mehr Deutsche fühlen sich sowieso schon gestresst (Deutsche wollen weniger Stress – doch wie?), psychische Störungen werden immer häufiger diagnostiziert (Diagnosen psychischer Störungen steigen stark an) und auch der allgemeine Krankenstand nimmt zu (Die Deutschen sind kränker denn je). Und diese Entwicklungen finden wohlgemerkt statt, obwohl heute schon ein Vielfaches an Psychopharmaka/Drogen und anderen Medikamenten verschrieben wird, immer mehr Menschen von Coaching oder Psychotherapie Gebrauch machen und sich in schier endloser Selbstoptimierung üben (Der Preis fürs “perfekte Leben”).

Solche Bemerkungen werden vor allem von gutbürgerlicher Seite schnell als “Kulturpessimismus” abgetan. Das ändert aber nichts an der Realität dieser Daten. Und inzwischen bestätigen sogar schon theoretische Physiker wie Claudio Gros von der Universität Frankfurt, dass politische und kulturelle Phänomene immer schnelllebiger werden, von den zahlreichen Publikationen des Jenenser Soziologen Hartmut Rosa (zum Beispiel “Beschleunigung – Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“) zur Beschleunigung in der Moderne ganz zu schweigen.

Endloses Wachstum

Es ist natürlich vor allem unser Wirtschaftssystem, das endloses Wachstum braucht. Nicht nur weil die Besitzer beziehungsweise Aktionäre unter den Wettbewerbsbedingungen des Marktes Dividenden und Kursgewinne erwarten, sondern auch weil Finanzspekulateure fortlaufend Wetten auf die Zukunft abschließen, ist der Status quo niemals genug. “Stillstand ist der Tod! Geh voran, bleibt alles anders”, sang Grönemeyer schon 1998. Stillstand bedeutet am Markt den Crash und die wirtschaftliche Depression.

Kulturpessimismus hin oder her – es geht schlicht um den herrschenden Zeitgeist. Dabei halte ich es für evident, dass der Mensch nach seiner hunderttausende Jahre dauernden biologischen Evolution nicht beliebig mit den stets – und zudem prozentual, also langfristig exponentiell – wachsenden Ansprüchen von Industrialisierung und Kapitalismus der grob letzten 300 Jahre mithalten kann.

Dass die Natur nicht die Ressourcen für ewiges Wachstum hat, wird seit den 1970ern diskutiert; die Implikationen dieses Wirtschaftens für die Psyche der Menschen werden aber kaum bedacht. Dabei sehen wir jetzt schon die zu erwartenden Ausfallerscheinungen, etwa in den genannten Beispielen aus dem Gesundheitswesen.

Eckhard Höffner beschrieb hier erst kürzlich aus volkswirtschaftlicher Sicht, dass auch das Ökosystem Erde seit den 1970er Jahren nicht mehr mit den Gewinnerwartungen mithalten kann (Die Tragödie des Wohlstands der Nationen). Die Rechnung für das Wirtschaftswachstum präsentiert der Klimawandel. So funktioniert das nun einmal im Kapitalismus: Profite werden privatisiert, Kosten externalisiert.

Wo bleibt die Autonomie?

Angesichts dieser Rahmenbedingungen muss die Frage gestellt werden, wie es um den zentralen Wert der Autonomie, auf dem sowohl unsere Moralphilosophie als auch Rechtsphilosophie aufbauen, bestellt ist. Inwiefern können Menschen heute noch die Zwecke/Ziele ihres Lebens selbst bestimmen? Oder inwiefern werden diese von außen – in Fachsprache: heteronom – vorgegeben? Und wie verschiebt sich die Balance im Laufe der Zeit?

Um zu Christian Müllers “Droge als Instrument” zurückzukehren: Für mich besteht das Problem nicht darin, dass Menschen Drogen (oder andere Mittel) verwenden, um bestimmte Ziele zu erreichen. Das Problem besteht für mich darin, dass diese Ziele von außen vorgegeben werden. Und der Anpassungsdruck aufgrund gesellschaftlicher Strukturen (Gesetz und Moral) erheblich ist.

Wir haben schon gesehen, dass der Erfolg der kosmetischen Chirurgie die Menschen – mit Ausnahme vielleicht von den profitierenden Chirurgen – nicht wirklich glücklicher zu machen scheint. In den aktuellen Wissenschaftsnews kam mir gerade eine Befragung von über 600 hetero-, bi- und homosexuellen Frauen von Alina Henn und Kollegen von der Universität Osnabrück vor Augen.

Beispiel Körperbild

Viele Frauen haben demnach Probleme damit, dass sie denken, ihr Körper entspreche nicht den Idealvorstellungen. Das ist Heteronomie. Konsequenzen sind Unzufriedenheit und mitunter Essstörungen, die vor 1900 kaum von klinischer Bedeutung waren. Interessanterweise sind nach den Daten der Forscher gerade lesbische Frauen zufriedener mit ihrem Körper, weil sie in ihrer Umgebung mehr Akzeptanz erfahren und einem normaleren Körperbild huldigen.

Eine neue Studie von Camilla Matera und Kollegen von der Universität Florenz, die fast 400 hetero- und homosexuelle Männer befragten, ergibt hier ein entgegengesetztes Bild: Demnach stellen schwule Männer besonders hohe Anforderungen an den Muskelaufbau und sind sie dann im Durchschnitt weniger zufrieden mit ihrem Körper.

Das sind zwar nur Einzelbefunde. Doch das allgemeine Bild ist, dass wir auch im Jahre 2019 in einem größeren Maße von äußeren Faktoren abhängen, als sich das die Philosophen der Aufklärung vorstellen konnten. Und in diesem Kontext kann man sich jetzt fragen, was Drogen als verbreitete Instrumente in der Gesellschaft bewirken werden.

Wie man über das Problem redet

In diesem Zusammenhang erinnere ich noch einmal daran, dass die neuere Diskussion über die Verbesserung des Menschen (neudeutsch: Enhancement) von führenden Ethikern von Anfang an unter das Vorzeichen gestellt wurde, das Individuum an Eigenschaften der Umwelt anzupassen. Ein Paradebeispiel ist etwa die Definition des Oxford-Ethikers Julian Savulescu und seiner Kollegen, die Enhancement beschreiben als:

“… eine Veränderung in der Biologie oder Psychologie einer Person, die ihre Chancen vergrößert, unter der relevanten Menge der Umstände ein gutes Leben zu führen.”

“Enhancing Human Capacities”, S. 7

Genau in diese Kerbe schlägt nun Christian Müllers Ansatz mit der “Droge als Instrument”, gewollt oder ungewollt: Es geht um die biopsychologische Veränderung von Menschen, damit diese Zwecke verwirklichen und ein glücklicheres Leben führen können. So fällt aber die gesamte psychosoziale Ebene heraus. Oder anders formuliert: Das Individuum ist veränderlich, das Umfeld ist vorgegeben. Das ist in letzter Konsequenz auch das Ende der Politik, in der es ja gerade um die Ausgestaltung der Gesellschaft gehen soll.

Wer gibt die Ziele vor?

Ich bin nicht dagegen, Drogen, Medikamente oder andere Mittel instrumentell, also zum Erreichen bestimmter Ziele zu verwenden. Ich gebe bloß zu bedenken: Achtet darauf, wer die Ziele vorgibt, wer die Zwecke feststellt!

Wie ich es schon vor vielen Jahren in der Neuroenhancement-Diskussion schrieb, halte ich den Ansatz sowieso für “self-defeating”, sich selbst widerlegend (Warum nicht sein Gehirn mit Medikamenten und Drogen aufputschen? oder Mind-Doping für Alle?). Der Mensch ist nun einmal ein soziales Wesen und nicht allein auf der Welt. Sprich: Wenn ich diese Mittel nehme, um effizienter zu arbeiten, und sei es nur, weil ich effizienter entspanne, oder um effizienter soziale Kontakte anzubahnen, dann strahlt das auch auf andere Menschen aus und wirkt so schließlich auf mich zurück.

So wird die Verbreitung von Drogen als Instrumenten überall dort, wo Wettbewerb um begrenzte Ressourcen herrscht, von einer Ermöglichung auf einen Zwang hinauslaufen. Aus einer Welt, in der ich die Mittel verwenden kann, wird dann eine Welt, in der ich es mehr oder weniger muss, schlicht um mit den anderen mitzuhalten.

Wirtschaftlich funktioniert das natürlich hervorragend, wie wir schon am Beispiel von kosmetischer Industrie und Chirurgie sehen, wo ein Milliardenmarkt zur Anpassung von Menschen entstanden ist. Wenn es mir schlicht um Gewinne ginge, dann würde ich sofort Aktien der ersten Unternehmen für kosmetische Psychiatrie kaufen.

Stimmen aus der Wissenschaft

Wie ich bereits erwähnte, wurde Christian Müllers Ansatz in der wissenschaftlichen Fachwelt schon 2011 diskutiert, als er dazu einen Artikel veröffentlichte. Beispielhaft möchte ich hier zwei Reaktionen eines Psychologen, dem das noch nicht weit genug geht, und eines Psychiaters, der den Vorschlag sehr kritisch sieht, anführen.

Der Psychologe Geoffrey F. Miller von der University of New Mexico lobte den Gedanken, Drogen als Instrumente aufzufassen. Konkret schrieb er:

“… Drogenkonsum könnte einer der wichtigsten Wege sein, wie Menschen versuchen, die Diskrepanz zwischen der evolutionär entstandenen menschlichen Natur und den besonderen Anforderungen der modernen Gesellschaft zu überwinden… Während die Kriminaljustiz versuchte, den Schaden zu beseitigen, der von einem kleinen Anteil der Personen verursacht wird, die zu viele Drogen konsumieren, legt ein Ansatz zur Nutzenmaximierung etwas Anderes nahe: Dass nämlich die meisten Menschen nicht genug Drogen ausprobiert haben und ihren Drogenkonsum nicht so einrichten, wie es optimal wäre. Das heißt, wir konsumieren allgemein zu wenig Drogen und auf die verkehrte Weise, nicht zu viel… Mit Blick auf die herzzerreißende Diskrepanz zwischen der evolutionär entstandenen menschlichen Natur und den Anforderungen der modernen Gesellschaft brauchen wir alle Hilfe, die uns psychoaktive Mittel bieten können, um effektiver zu lernen, zu arbeiten, soziale Kontakte zu knüpfen, Partner zu finden, Kinder großzuziehen, das Leben zu genießen und das menschliche Bewusstsein zu erforschen.”

Behavioral and Brain Sciences, 2011; dt. Übersetzung S. Schleim

Miller sieht also wie Müller die Gesellschaft beziehungsweise das Umfeld als gegeben an und spricht sich dann dafür aus, sich mit Drogen optimal an diese Anforderungen anzupassen. Das erinnert auch an Karl Lagerfelds Fatalismus, dass es sinnlos sei, sich gegen den Zeitgeist von Konsumerismus und Kapitalismus zu wehren.

Drogen und das unternehmerische Selbst

Der Psychiater Kevin Chien-Chang Wu von der National Taiwan University kritisierte den Anpassungsdruck aber und setzte Müllers Vorschlag in Bezug zur neoliberalen Denkweise:

“Während Praktiken zur Schadensverringerung [beim Drogenkonsum] an Bedeutung gewannen, wurden Drogenkonsumenten als unternehmerisches Selbst dargestellt, die ihr Leben führen, indem sie Entscheidungen auf Grundlage von Informationen über die Risiken von Drogen treffen… Es überrascht nicht, dass der hier vorgeschlagene drogenpolitische Ansatz mit seinem Schwerpunkt auf der individuellen Plastizität des Gehirns gut zur neoliberalen Idee der individuellen Selbststeuerung passt; zurzeit reflektiert die neurowissenschaftliche Beschreibung des Gehirns die neoliberale Gedankenwelt… Wenn legale wie illegale Substanzen ihren Weg ins Leben der Menschen finden, scheinen die Armen davon am meisten betroffen zu sein. Daher… könnten die Individuen nicht die beste Ebene der Intervention sein, wie es der vorliegende Ansatz vorschlägt.”

Behavioral and Brain Sciences, 2011; dt. Übersetzung S. Schleim

Kevin Chien-Chang Wu macht hier deutlich, wie sich sogar in der Wissenschaft Beschreibungen an der vorherrschenden Politik orientieren. Und er macht auf das Problem aufmerksam, dass Menschen in Abhängigkeit von ihrer sozialen Schicht auch unterschiedlich von der Drogenproblematik betroffen sind. Diese Perspektive fehlte in Müllers Ansatz tatsächlich völlig.

Beispiele aus der Vergangenheit

Zu guter Letzt möchte ich daran erinnern, dass wir in der Vergangenheit bereits einen gesellschaftlichen Feldversuch für “Die Droge als Instrument” hatten. So war Amphetamin/Speed von den 1930ern bis zu seiner Dämonisierung in den späten 1960ern in vielen sozialen Schichten beliebt. Im Militär (Buchtipp: Norman Ohler, “Der totale Rausch: Drogen im Dritten Reich“) wie im zivilen Leben (Buchtipps: Nicolas Rasmussen, “On Speed: From Benzedrine to Adderall” sowie Hans-Christian Dany, “Speed: Eine Gesellschaft auf Droge“) wurde es instrumentell verwendet, siehe auch Reklame aus jener Zeit.

Ein Einwurf in eigener Sache: Ein Kollege aus der Pharmakopsychologie und ich versuchen in der Fachdiskussion bereits seit Jahren darauf aufmerksam zu machen, dass instrumenteller Drogenkonsum nicht neu ist, sondern mindestens seit den 1930ern besteht. Den Ethikern in der Neuroenhancement-Debatte ist es Anfang der 2000er schlicht gelungen, das alte Problem als neu und zunehmend darzustellen. Das hat ihnen auf jeden Fall unzählige Forschungsprojekte beschert, weltweit. Diese Enhancement-Diskussion ist, wenn wir Recht haben, aber gar nicht neu, sondern nur eine Variante alter Drogen- und Gesundheitspolitik.

Wie der Feldversuch der 1930er bis 1960er ausgegangen wäre, wenn nicht Richard Nixon Präsident geworden und zum “War on Drugs” geblasen hätte, ist offen. Das Mittel war nicht nur in den unteren Schichten, sondern auch bei Regierungsbeamten beliebt. Aber nach dem drogeninduzierten Höhenrausch kommt doch in aller Regel der Fall (Buch-/Filmtipp: Hubert Selby, Jr. “Requiem for a Dream“). Auch in unserer Zeit passiert das wieder, dass erfolgreiche Politiker über ihren Drogenkonsum stolpern, denken wir an Methamphetamin/Crystal Meth, eine besonders starke Variante von Amphetamin/Speed.

Daher würde ich mir von Christian Müller konkrete Antworten auf die Fragen wünschen, wie Drogen als Instrumente reguliert werden sollen und wie mit der Suchtproblematik umgegangen werden soll. Selbst wenn die große Mehrheit der Menschen gut mit den Substanzen umgehen kann, geht es immer noch um Millionen, wenn 15 bis 33 Prozent süchtig werden, um die Zahlen des Psychiaters noch einmal zu zitieren. Und vor allem: Wie gehen wir mit dem Druck oder gar Zwang um, der dann auf Nichtkonsumenten entsteht?

Entzug für die Gesellschaft

Ich persönlich halte den Ansatz nicht für vielversprechend. Wenn sich die übrigen Rahmenbedingungen nicht ändern, werden wir mit immer mehr oder immer neueren Drogen dieselben Probleme haben, nur dann eben auf 105- oder 110-prozentigem Effizienzniveau statt auf 100-prozentigem. Und vielleicht werden die Probleme dann sogar überproportional größer, wie es schon heute die Daten des Gesundheitswesens nahelegen.

Vor allem will ich niemanden bevormunden und stattdessen Müllers Ansatz als Gelegenheit begreifen, den irrationalen und doppelbödigen Status quo unserer Drogen- und Medikamentenpolitik anzuprangern. Anstatt immer mehr Drogen/Medikamente zu verschreiben, scheint mir ein kollektiver Entzug für eine Gesellschaft nötig zu sein, die bereits heute so süchtig nach Konsum und Geld ist, in der Stress allgegenwärtig ist und es immer an Zeit mangelt.

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint auch auf Telepolis – Magazin für Netzkultur. Die Titelgrafik stammt von frolicsomepl auf Pixabay.

Die Serie über Drogenpolitik

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Die Diskussionen hier sind frei und werden grundsätzlich nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen oder Monologe. Beim Gedankenaustausch darf es auch mal heiß hergehen, jedoch nicht beleidigend werden, vor allem nie unter die Gürtellinie gehen. Stephan Schleim ist studierter Philosoph, Psychologe und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Der Autor schreibt auch für zahlreiche andere Medien.

43 Kommentare

  1. “Es ist natürlich vor allem unser Wirtschaftssystem, das endloses Wachstum braucht.”

    Diese Ansicht teile ich nicht, auch wenn sie nahe liegend ist. Bis zum vermeintlichen Ende des Kalten Krieges waren die Fronten klar: “Kapitalismus” war der Kampfbegriff des Ostens für das, was der Westen “Marktwirtschaft” nannte, lange Zeit geschmückt sogar mit dem Attribut “sozial”. Und beide Seiten hatten nach meinem Eindruck zu viel Marx gelesen (bzw. über Marx), um erkennen zu können, dass das in Wirklichkeit zwei verschiedene Dinge sind, jedenfalls dann, wenn man sich ihnen etymologisch nähert.

    Sie schreiben “Wirtschaft” und meinen wahrscheinlich “Marktwirtschaft”, und dem Zitat folgend verwenden Sie Begriffe wie “Aktionäre”, “Dividenden”, “Kursgewinne” und Finanzspekulateure”, die eine wesentlich stärkere Assoziation zum Kapitalismus haben.

    Vielleicht darf ich kurz mein Verständnis skizzieren?

    Marktwirtschaft ist eine Wirtschaft, die sich am Markt abspielt, ausrichtet, darüber definiert wird. Der Markt ist klassischerweise ein Kräftespiel zwischen Angebot und Nachfrage. Überwiegt ersteres, werden Waren günstiger; andersherum werden sie teurer. That’s it. Von Geld ist da keine Rede; das geht theoretisch auch mit Karotten oder gänzlich ohne Intermediär, auch wenn wir uns das unter den heutigen Bedingungen nicht vorstellen mögen und ein Tauschhandel Ware gegen Ware natürlich vieles erheblich erschweren würde.

    Kapitalismus dagegen ist ein typischer Ismus, ein zum Imperativ erhobenes Prinzip, hier das Prinzip des Kapitals. So weit, so einfach. Die Frage ist, was Kapital ist. Da dürfte nicht so leicht Einigkeit zu erzielen sein. Schlägt man bei Marx nach, findet man das Geld und die Produktionsmittel (wozu er den Boden zählt) und wohl noch mehr (ich bin da nicht sehr beschlagen). Es gibt gewiss weitere definierende Listen anderer Urheber.

    In Anlehnung an und Abgrenzung von Marx schlage ich vor, zum Kapital all jene Güter zu zählen, deren Vermehrung natürlicherweise unmöglich ist (Boden) oder von Rechts wegen verboten (Geld, Patente und andere Immaterialgüter) oder Hybridformen aufweisen (Infrastruktursysteme wie z.B. Trinkwasserversorgung, Kanalisation, reservierte Funkfrequenzen). Ihnen allen ist eigen, dass sie in privater Hand Oligopole bis Monopole bilden und damit die Erzielung einer Monopolrendite erlauben, ferner, dass sie sich dabei nicht (nennenswert) abnutzen und somit leistungslose Einkommen zu erzielen gestatten. Das geht auch mit einem Gemälde von van Gogh, wenn man sich die Preissteigerungen zwischen zwei Weiterverkäufen ansieht (und die Vervielfältigung steht auch hier unter Strafe), nur handelt es sich dabei nicht um ein volkswirtschaftlich essenzielles Gut. Es ist also müßig, dort darüber zu streiten, ob es ein Kapital ist oder nicht.

    Produktionsmittel dagegen – außer dem von Marx darunter erfassten Boden – können vervielfältigt werden, angefangen beim Hammer bis hin zu komplizierten Maschinen. Dem im Wege könnten höchstens Patente stehen, und die haben wir bereits erfasst.

    Und damit komme ich zum Punkt: Der Kapitalismus ist es, der endloses Wachstum braucht, die Marktwirtschaft dagegen nicht. Das ist nur deshalb so schwer zu trennen, weil wir die Marktwirtschaft nicht anders als unter kapitalistischen “Rand”-Bedingungen kennen.

    Bleibt zu klären, warum das beim Kapitalismus so ist. Ich will es nur am Geld festmachen. Geld kommt über Kredit in den Umlauf, und wegen seines Monopolcharakters kann der Verleiher, auch wenn es die Notenbank ist, dafür Zinsen verlangen. All jene, die es als Schuldner in Empfang nehmen, dürfen es nicht vermehren. Sie sind also mathematisch bedingt nicht in der Lage, ihre Schulden plus Zins zurückzuzahlen, denn woher sollten sie den Zins nehmen, wenn sie ihn nicht schöpfen dürfen? Ihre Verschuldung weitet sich also nach den Mechanismen des Zinseszinses unweigerlich aus, und um in dieser erweiterten Verschuldung ihre Kreditwürdigkeit zu erhalten, brauchen sie erhöhte Profitabilität oder/und erhöhte Umsätze, jedenfalls die Fähigkeit, höhere Zinsen zu zahlen.

  2. BEWUSSTSEINSBETÄUBUNG, für “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei”, es geht in diesem System immer um Arbeitsmoral – “Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.” (M. v. E.-E.)
    Freiheit und wirklich-wahrhaftiges Leben. Und nein Herr Schleim, das kapitalistische System ist NICHT das beste für Demokratie!

  3. Drogen als Instrumente zur Fokussierung auf eine bestimmte Tätigkeit gibt es kaum. Gerade noch Kaffee schafft das. Es macht alert, vertreibt die Müdigkeit und erhöht die Konzentration. Das ist wohl mit ein Grund, dass in den USA und in Westeuropa am Arbeitsplatz so viel Kaffee getrunken wird.

    Die meisten anderen Substanzen und Drogen aber haben mehrere Wirkungen, vor allem aber wirken sie, wenn längere Zeit eingenommen anders als wenn nur akut und einmalig eingenommen. Das hängt auch mit ihrem Suchtpotenzial zusammen. Kokain beispielsweise wirkt, wenn nur selten eingenommen als starkes Stimulans. Es erhöht auch die Konzentrationsfähigkeit und das Durchhaltevermögen weswegen es früher von Tennisspielern häufig als Dopingmittel verwendet wurde (Die Tennisspielerin Martina Hingis wurde deswegen 2 Jahre gesperrt und Yannick Noah (ein Tennisspieler) behauptete: “Mitte der Achtzigerjahre, also bevor systematische Dopingtests eingeführt wurden, dass jeder zweite Tennisprofi kokse.” )
    Kokain regelmässig eingenommen wirkt aber anders als wenn nur ab und zu eingenommen. Ein Tennisspieler sagt im Tagesspiegel dazu (Zitat): „Außerdem kann ein Spitzensportler die Droge über einen längeren Zeitraum nicht einnehmen, weil sie den Körper zerstört“, sagt Sörgel.

    Was ich hier über Kokain sage, gilt für die meisten Drogen und vor allem für psychoaktive Drogen: Ihre Wirkung ist eine andere, wenn nur selten eingenommen als wenn täglich eingenommen.

    Dazu kommt die Vielfalt der Wirkungen von Drogen. Wenn Alkohol tatsächlich nur entspannend und enthemmend wirken würde wäre es zur Anbahnung von Beziehungen vielleicht wirklich gut geeignet. Doch Alkohol senkt auch die Reaktionsfähigkeit, die Aufmerksamkeit und Konzentration und die Selbstkritik.
    Zudem: Heute kommen leicht alkoholisierte männliche “Helden” bei Frauen lange nicht mehr so gut an, wie früher. Der Macho, den man alkoholisiert viel leichter spielen kann, der ist heute weniger in, als vor 30 Jahren.

    Am wichtigsten aber: Die meisten Tätigkeiten benötigen einen Mix unterschiedlicher Voraussetzungen gleichzeitig und nur wenn dieser Mix in der richtigen Melange vorhanden ist , kann jemand erfolgreich tätig sein kann. Hier wirkt innerer Antrieb, innere Motiviation weit besser als es Drogen je können. Lehrer vor einer Klasse beispielsweise müssen neben den rein fachlichen Ansprüchen heute auch mit Querschlägern unter den Schülern zurechtkommen und es den Eltern recht machen (meine Tochter gehört ans Gymi). Ich kann mir keine Droge vorstellen, die zugleich die fachliche Arbeit eines Lehrers verbessert als auch die Fähigkeit mit Konflikten umzugehen erhöht.

    Die Arbeitsproduktivität ist ja tatsächlich in verschiedenen Ländern unterschiedlich hoch. Das liegt auch an kulturellen Faktoren und kann mit Drogen-/Substanzverwendung (Franzosen, Italiener sollten mehr Kaffee trinken?) nicht angeglichen werden. Französische Angestellte im öffentlichen Dienst müssen gemäss ihrem Selbstverständnis nicht nur arbeiten, sondern zur rechten Zeit auch streiken (und das alle Jahre wieder). Es gilt überhaupt: Anders als es Christian Müller darstellt, läuft an der Arbeitsstelle eben noch viel mehr ab als dass nur gearbeitet wird. Es werden Intrigen gesponnen, es werden Freundschaften geschlossen, und und und. Eine Substanz einzunehmen, die die Arbeitsfähigkeit erhöht, aber andere Fähigkeiten, die an einer Arbeitsstelle auch noch wichtig ist, reduziert, wäre für viele Arbeiter eher schlecht.

    Fazit: Es gibt nur wenige Substanzen, die wirklich als nur positiv wirkende Instrumenten für die Erfüllung/Anbahnung einer Tätigkeit geeignet sind. Am ehesten rechne ich noch Kaffee dazu. Schon Alkohol wirkt für die Anbahnung von Beziehungen heute wohl weniger gut als noch vor 30 Jahren.

  4. @Geue: “Wirtschaft”

    Vielen Dank für Ihre Ergänzung. Tatsächlich haben Sie mich dabei ertappt, wie ich etwas salopp und polemisch über Wirtschaft schrieb. Und wie Sie völlig richtig schlussfolgern:

    Der Kapitalismus ist es, der endloses Wachstum braucht, die Marktwirtschaft dagegen nicht. Das ist nur deshalb so schwer zu trennen, weil wir die Marktwirtschaft nicht anders als unter kapitalistischen “Rand”-Bedingungen kennen.

    Für das Thema meines Artikels (Anpassung an äußere Zwänge mithilfe von Substanzen/Drogen) ist praktisch relevant, dass sich der “Wachstumszwang” auf das Leben von vielen von uns auswirkt.

    Ich empfehle Ihnen noch einmal Eckhard Höffners Artikel, der sich in angemessenerer Weise Gedanken darüber gemacht hat, wie wir mit unserer vorherrschenden Wirtschaft umgehen können: Die Tragödie des Wohlstands der Nationen

  5. @Geue & Schleim

    “Rand”-Bedingungen, was soll das sein – eine Umschreibung der allgemein-üblichen Sündenbockfunktion, im “Tanz um das goldene Kalb”???

  6. Und ich gebe hier, aufgrund des fortwährenden “Stammeln und Taumelns” (auf dem Weg in eine Realität die 1973 nur Science Fiction schien) einen passenden Filmtipp: “Die überleben wollen”, Originaltitel: “Soylent green”

  7. Das Thema ist nicht Lustig. Die ‚Zeit‘ beteiligt sich gerade wieder an einer entsprechenden Umfrage, Global Drug Survey, an der jeder über 16 Teilnehmen kann.

    So, der Wein ist entkorkt, ich versuche dann mal langsam in Weihnachtsstimmung zu gelangen. Allen ein fröhliches Fest.

  8. Macht-Sucht-Unsinn – Abhängig von Symptomatik in “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei”, oder: Wie der Kreislauf des imperialistischen Faschismus den geistigen Stillstand stets Stumpf- wie Blöd- zu Wahnsinn reformiert!? 😏😒😭

  9. Drogen als Instrumente : Wunsch und Wirklichkeit
    Drogen, die genau das bewirken, was man will, werden auch eingenommen. Deshalb gibt es ja im Sport Doping, deshalb standen vor den Dopingkontrollen soviele Tennisspieler unter Kokain und das nur gerade während einem Spiel und nicht dauernd, denn dauernder Kokainkonsum ist nicht vereinbar mit einer Tenniskarriere.

    Nun meine Behauptung: Gäbe es mehr leistungssteigernde Drogen und Medikamente, die tatsächlich wirken und die zudem wenig Nebenwirkungen besitzen, würden diese auch eingenommen. Doch solche Drogen gibt es kaum.
    Der in dieser Serie bereits veröffentlichte Artikel Die Droge als Instrument von Prof. Dr. Christian P. Müller suggeriert positive Wirkungen bestimmter Drogen/Substanzen, die in Wirklichkeit nur eingeschränkt vorhanden sind. Alkohol beispielsweise erleichtert die Anbahnung von Beziehungen zum anderen (oder gleichen) Geschlecht viel weniger stark als von Müller suggeriert. hto schreibt dazu treffend (Zitat): Der alkoholisierte Macho war noch nie IN 😂.

    Auch der Kommentar von Joseph Kuhn mit dem Link zum Artikel DAK-Studie: Doping im Job nimmt deutlich zu, welcher auf die zunehmende Einnahme von Hirndoping-Drogen (Anstieg von 4,7 auf 6,7 % zwischen 2009 und 2015) verweist, zeigt die beschränkte Wirkung von Hirndoping, werden solche Substanzen nicht etwa von Studenten, Architekten oder Programmieren eingenommen, sondern von Beschäftigten mit einfachen Tätigkeiten. Der Gund scheint mir klar: Es gibt schlicht keine Medikamente und Drogen die die kognitiven Fähigkeiten zuverlässig steigern, die etwa die Chance eine Prüfung zu bestehen, deutlich erhöhen. Doch bei einfachen Tätigkeiten, die vor allem täglichen Durchhaltewillen (etwa als Versandarbeiter bei Amazon in Akkordarbeit ) erfordern, wirken solche Drogen eventuell bereits – jedenfalls werden sie von einigen solcher Arbeiter bereits eingenommen.

    Die Realität: Drogen als Fluchtmittel
    Viel häufiger als zur Leistungssteigerung werden Drogen und Medikamente sowohl in der Freizeit als auch im Beruf als Mittel eingenommen um einer Situation oder Stimmungslage zu entfliehen.Typisch ist etwa der mir bekannte tägliche Valiumkonsum einer Arzthelferin, den sie vom Hausarzt, dem sie half, übernahm. Valium baut nämlich psychische Anspannungen ab und verhilft Gestressten zu einer Distanzierung vom Geschehen. Aber dies nicht ohne Nebenwirkungen. Bei der Arzthelferin etwa stellte sich eine anterograde Amnesie ein: An die meisten Ereignisse aus dieser Zeit kann sie sich nicht mehr erinnern.

  10. @Holzherr: Eskapismus

    Nun ja, auf Festen und ähnlichen Veranstaltungen sieht man ja schon, dass viele Menschen unter Alkoholeinfluss Hemmungen verlieren; das muss nicht gleich heißen, dass man darum zum “Macho” wird. (Schade, dass es bei uns keine Uni-weite Weihnachtsfeier gibt.) Das Problem scheint aber doch wohl zu sein, dass die hemmenden Gedanken im nüchternen Zustand wieder zurückkehren, der Effekt also nur von kurzer Dauer ist.

    Mir ist mein bisher einziges Oktoberfest in besonderer Erinnerung geblieben: Das Ereignis und die Substanz erzeugten ein Bekanntheits- und Zusammenhörigkeitsgefühl, dass einem die Leute, mit denen einen das Schicksal an einen Tisch gebracht hatte, als alte Freunde erschienen. Schön wäre es, wenn das der “Standardmodus” unseres Denkens und Erlebens wäre.

    Dass die sonst so zum besseren Funktionieren konsumierten Mittel eher Durchhalte- als Verbesserungspillen sind, mag dem einen oder anderen Leser schon aufgefallen sein, der hier in den letzten Jahren Texte zum Thema gelesen hat.

    Ansonsten:

    Die Realität: Drogen als Fluchtmittel

    Ja, genau das. Schön wäre es doch, wenn wir Menschen es irgendwann noch einmal hinbekämen, hier auf Erden eine Realität zu schaffen, aus der man nicht flüchten will. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten, 365 Tage im Jahr!

  11. Anstatt immer mehr Drogen/Medikamente zu verschreiben, scheint mir ein kollektiver Entzug für eine Gesellschaft nötig zu sein, die bereits heute so süchtig nach Konsum und Geld ist, in der Stress allgegenwärtig ist und es immer an Zeit mangelt. [Dr. Stephan Schleim im dankenswerterweise beigebrachten Primärinhalt, im letzten Absatz seiner Nachricht, letzte Absätze haben oft etwas Fazitäres]

    Wenn die Fertilitätsraten in sog. Liberalen Demokratien nicht für den Bestandserhalt ausreichen, liegt ein Problem vor.
    Ein ernsthaftes.
    Ein Problem, das den Exitus der genannten Gesellschaften bedeuten kann, zumindest partiell, teilweise, bspw. sind viele der Meinung, dass die BRD ihre territoriale Integrität in den nächsten beiden Jahrzehnten bereits nicht mehr umfänglich wahren wird können.
    Drogen meinen ja oft auch das Weib und dessen Fruchtbarkeit.

    Askese ist schon cool, der Gebrauch sog. Wirkstoffe, vom Kaffee über das Nikotin bis zum Alkohol kulturbedingt sozusagen, kann gänzlich gemieden werden.
    Donald J. Trump hier als Beispiel, ein sog. stabiles Genie, sozusagen, das keine besondere Inspiration qua Wirkstoff zu benötigen scheint.
    Und Dr. Webbaer, ein etwas instabileres Genie, sozusagen, das als ebenfalls originärer Denker nur an Leichtbier nuckelt, gelegentlich, und am Zigarillo saugt, ebenfalls : gelegentlich, kann sich hier hineinfühlen.

    Drogen sind also nicht der gewohnten Zivilisation tauglich, förderlich, vom Leichtbier mit einem Stammwürzegehalt von sieben bis zehn Prozent und vom gelegentlichen Stumpen vielleicht einmal abgesehen.

    MFG
    Dr. Weihnachtswebbaer

  12. @ Herr “Holzherr” (die doppelten Anführungszeichen nur deswegen, weil Sie nicht so heißen und ein als solches unerkennbares Pseudonym verwenden, was sich aus Sicht einiger im Web nicht gehört) und hierzu :

    Drogen als Instrumente zur Fokussierung auf eine bestimmte Tätigkeit gibt es kaum.

    Doch.
    Methamphetamin.
    Genau dafür scheint diese Droge geschaffen zu sein, für Fokussierung, andere Drogen sind dafür geschaffen die Phantasie anzuregen, denn, bildlich geschrieben, “Bernd das Brot” kriegt ja nichts raus, das zu bemerken wäre, wäre da nicht das Doping,
    Und die meisten sind sozusagen “Bernd das Brot”.
    Drogen wirken leistungssteigernd.

    MFG – WB (bei dem allerdings nicht, er hat da mal, vor vielen Jahren THC-Haltiges probiert, und wurde dümmer, er ist wohl, ähnlich, wie Stefan Raab, ‘
    ‘naturdrall’ (Copyright : Stefan Raab) – streng genommen dann doch nicht, sondern normal, sozusagen)

  13. @ hto 24.12.2019, 08:37 Uhr

    Zitat hto: “Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.” (M. v. E.-E.)“

    Ich fürchte „hto“, da ist was wahres dran, aber nicht in dem Sinne den Sie meinen.

    Viele Menschen sind sehr zufrieden mit ihrer Arbeit, freuen sich dass sie Sicherheit haben und pünktlich ihren Lohn erhalten, aber auch dass sie erkennen dürfen etwas sinnvolles getan zu haben. Besonders im Gesundheitsbereich, bei Ärzten und Krankenschwestern. Mir ist in besonderer Erinnerung wie ich beobachtet habe, wie ein junger Chirurg seinen Kumpels am Telefon mit ganz großer innerer Freude über Details einer erfolgreichen, komplizierten Kieferoperation berichtete. Wie überglücklich sein Patient über die neu gewonnene Lebensfreude war, weil seine schweren Sprechstörungen und sein entstelltes Aussehen behoben wurden.

    Arbeit kann einen positiven therapeutischen Effekt haben, Depressionen oder Sinnlosigkeitsgefühle mildern und Drogenkonsum vorbeugen. Natürlich sollte es ein erstklassiges „Betriebsklima“ geben, höchstens eine geschickte psychologische Motivation aber keinen plumpen Druck geben.

    Ich habe den Eindruck, China und Amerika (Trump) „streiten“ sich um Werkbänke und Arbeit, ich vermute fast aus „therapeutischen“ Gründen um der kollektiven Drogensucht in beiden Ländern vorzubeugen.

    China hat um 1900 sehr schlechte Erfahrungen mit der Opiumsucht gemacht, ist praktisch zu einer riesigen Opiumspelunke verkommen. In Amerika wird die Drogensucht ebenfalls zu einem riesigen Problem wenn die Werkbänke ins Ausland verschwinden und die Arbeiter ohne Job dastehen. Ich sehe Trumps Politik durchaus positiv, wenn er als Milliardär versucht, deutsche Autobauer ins Land zu holen um Arbeitsplätze zu schaffen. Die sind bekannt für beste Technik und Mitarbeiterführung.

    Seit rund 30 Jahren (Ende es Kommunismus) überrollt eine Welle der Globalisierung mit allen schlechten Auswirkungen die Welt. Die Technik wird zur Ausbeutung der Menschen genutzt.
    Vielleicht gibt es eine weitere Welle der Hochtechnologie (Stichworte: Industrie 4.0, KI…), wobei die Technik zum Nutzen aller Menschen und nicht nur des Kapitals ausgebeutet wird (Stichwort: Maschinensteuer). Menschen die das wollen und brauchen bekommen einen passenden Job zugewiesen, andere Menschen verzichten auf Zuweisung einer Arbeit, suchen sich selber eine sinnvolle (soziale) Beschäftigung und erhalten dafür ein Einkommen wenn sie auf Drogen verzichten.

    Zitat hto: „Freiheit und wirklich-wahrhaftiges Leben.“

    Das wirft die Fragen auf „was ist Wahrheit“ und „welche (wessen) Wahrheit“.
    Ich fürchte diese Frage ist in einer Demokratie nicht zu beantworten.

  14. Endloses Wachstum

    Es ist natürlich vor allem unser Wirtschaftssystem, das endloses Wachstum braucht. Nicht nur weil die Besitzer beziehungsweise Aktionäre unter den Wettbewerbsbedingungen des Marktes Dividenden und Kursgewinne erwarten, sondern auch weil Finanzspekulateure fortlaufend Wetten auf die Zukunft abschließen, ist der Status quo niemals genug. “Stillstand ist der Tod! Geh voran, bleibt alles anders”, sang Grönemeyer schon 1998. Stillstand bedeutet am Markt den Crash und die wirtschaftliche Depression. [Dr. Stephan Schleim im Primärinhalt]

    Es ist halt so, dass an den sich verändernden Datenlagen Honig gesaugt wird, von denjenigen, die am Markt gezielt und antizipatorisch investiert haben.
    Markt, Welt & Investoren schreiten voran, sozusagen.

    Kompetitivität ist sozusagen endgültig.

    HTH (“Hope this Helps”)
    Dr. Weihnachtswebbaer

  15. @Wirtschaftswachstum

    Die richtige Dosis Arbeit würde unbedingt den Bedarf an Drogen aller Art reduzieren. Der Wachstumszwang, den man dem derzeitigen Wirtschaftssystem nachsagt, erscheint mir allerdings als fraglich. Ob der überhaupt existiert? Marktwirtschaft ist nicht dasselbe wie Kapitalismus, das wurde hier schon erwähnt. Wenn man sich die derzeitigen Nullzinsen ansieht, so sieht das so aus, als hätte sich damit der Kapitalismus schon ganz unauffällig halbiert. Und das ohne Massenarbeitslosigkeit und Bankencrash.

    Die Ursache für die Nullzinsen liegt sicher im Bevölkerungsrückgang. Die inzwischen wenigen Erben brauchen nun kaum noch Kredite. Das scheint mir gut zu sein, zumindest solange es noch nicht zu Instabilitäten auf den Kapitalmärkten führt. Und das ist ja offenbar nicht der Fall.

    Weniger Wirtschaft, weniger Arbeit, weniger Migranten, weniger Konsum, mehr Investitionen in Klimaschutz, mehr Miteinader und weniger soziale Härte, weniger Kleinhalten der armen Länder…. Die Liste ist lang, welche Vorteile eine Reduktion der Wirtschaftstätigkeit mit sich bringen würde.

    Unser Steuersystem ist sehr auf Lohnsteuern angelegt, das ist ungünstig. Mehr Mehrwertsteuer und mehr Unternehmenssteuern und Kaptitalertragssteuer sowie mehr Erbschaftssteuern und dafür sehr viel geringere Lohn und Einkommensteuer und eine steuerfinanzierte Kranken- und Rentenversicherung würden die Staatseinnahmen unabhängiger von der Beschäftigungsquote machen. Dann ginge es auch mit noch weniger Wirtschaft und damit weniger Arbeitsstress. Zumindest solange es gelingt, genug gute Alternativen zur Erwerbsarbeit praktizierbar zu machen.

    Aber seelisches Leiden und einen Bedarf an Drogen und Medikamenten wird es immer geben. Ob jetzt kurzfristig oder dauerhaft, dass kommt auf den spezifischen Bedarf an. Motive, dem Leben zu entfliehen, wird es immer geben. Das können körperliche Schmerzen aufgrund einer Krebserkrankung sein, oder seelische Schmerzen, die keiner wirklich versteht. Es kann sehr grausam sein, in seinem Schmerz ohne wirksame Drogen oder Medikamente dazustehen.

    Aber wenn jeder die Dosis Arbeit bekommt, die im gut tut, würde sich das Problem mehr als halbieren, schätze ich mal.

  16. Die Ursache für die Nullzinsen liegt sicher im Bevölkerungsrückgang.

    Die gemeinten Ursachen sind bei der EZB und dem unzureichend skalierenden, das Fachwort, Euro-System zu finden; der Euro hat Marktwirtschaften unterschiedlicher Leistungsfähigkeit zusammengefasst, so dass landeseigene Währung nicht mehr abgewertet werden kann und das Gesamtsystem permanent zu zerbrechen droht, wobei die Staatsschulden, die sich insbesondere in weniger leistungsfähigen Marktwirtschaften ansammeln durch den sog. Nullzins bemäntelt werden, denn Staatsschulden galoppieren sozusagen so nicht.

    Statt – ‘Es ist natürlich vor allem unser Wirtschaftssystem, das endloses Wachstum braucht.’ [Artikeltext] – ginge ebenfalls :

    Es ist natürlich vor allem unser Wirtschaftssystem, das endloses Wachstum generiert.

    Dies hängt direkt mit der Europäischen Aufklärung, dem Sapere Aude und der so gelösten sozusagen Schwarmintelligenz zusammen, die Kompetitivität bedeutet.
    Gelitten wird selbstverständlich auch, allerdings auf hohem Niveau, schlechte Laune Einzelner ist meist dem Vergleich geschuldet, auch dem Neid.

    HO, HO, HO
    Dr. Weihnachtswebbaer

  17. Bonuskommentar hierzu :

    Unser Steuersystem ist sehr auf Lohnsteuern angelegt […]

    Das Steuersystem der BRD ist dazu angelegt möglichst viele Steuern vom sozusagen Steuervieh einzutreiben, was dann auch Machtzuwachs bei bundesdeutschen Politikern bedeutet, die eben mehr verteilen können.
    Als Mandatierte des Volks verstehen sich diese Leutz eher nicht, eher als Elit(ar)isten, die das Volk, das Wahl- oder Staatsvolk ist gemeint, nichts im Sinne eines Ethnonyms, zu schulen wie zu melken verstehen, hier die Kunst des “Managements by Guilt” anwenden, sich mit weltweit (?) höchster Steuerbelastung wie mit weltweit (?) geringster Rentenquote zu revanchieren wissen, gegenüber dem “Pöbel”.

    Sicherlich kommt die meisterhaft konzertierte Klima-Hysterie hier den Herrschenden zu passe, Rezo (gesprochen womöglich : “Rieso”) und Super-Greta seien an dieser Stelle gegrüßt, der Deutsche scheint geborener Kollektivist zu sein, es muss kein Zufall sein, dass die beiden großen Kollektivismen des letzten Jahrhunderts vom Deutschen Reich ausgingen und sich der neu einreitende theozentrische Kollektivismus insbesondere in der BRD wie zu Hause fühlen darf.

  18. @Elektroniker

    Es hat aber nicht jeder der will Arbeit, obwohl das längst und ohne … möglich ist.

    Es hat auch nicht jeder die Qualität der MANIPULATIVEN Wertigkeiten wie die Hierarchie der westlichen Welt – Frieden, Essen und Trinken, Gerechtigkeit, Menschenwürde, usw., obwohl längst zweifelsfrei-eindeutige Wahrheit global wirken könnte/müsste.

  19. Die glücklichen Sklaven, zufrieden … – “Es war seit jeher den Epigonen vorbehalten, befruchtende Hypothesen des Meisters in starres Dogma zu verwandeln und satte Beruhigung zu finden, wo ein bahnbrechender Geist schöpferische Zweifel empfand.” Rosa Luxemburg

  20. @Tobias Jeckenburger

    Arbeit gegen Depressionen und für Freiheit, wobei die Freiheit in diesem System des “Zusammenlebens” in Bewusstseinsbetäubung gelebt/ausgezahlt wird/ist, ja Du hast recht.

  21. Kleiner Bonus-Kommentar noch hierzu :

    Drogen als Instrumente – zur Anpassung?
    […]
    Anstatt immer mehr Drogen/Medikamente zu verschreiben, scheint mir ein kollektiver Entzug für eine Gesellschaft nötig zu sein, die bereits heute so süchtig nach Konsum und Geld ist, in der Stress allgegenwärtig ist und es immer an Zeit mangelt.

    Drogen dienen dazu den Bürgern u.a. auch die Abschaffung ihres Gesellschaftssystems schmackhaft zu machen.
    In gewissem Sinne geht es auch um ‘Anpassung’, denn wenn bei einer Fertilitätsrate von ca. 1,3 – seit ca. zwei Generationen bestehend – langsam oder sogar recht schnell ausgestorben wird (kleiner Gag am Rande dieser Euphemismus aus dem Film “Ice Age” : ‘Hurra, wir sterben aus!’) und sich köstlicherweise auch barbarisch kompensiert wird, durch dbzgl. ungesteuerte wie auch illegale Einfuhr, dem Recht, gar dem bundesdeutschen Verfassungssubstitut direkt widersprechend, dann dürfen auch Wirkstoffe eine Rolle spielen.

    Btw, das Leben bedeutet Stress, und Zeitmangel, und Konsum und am besten konvertible Zahlmittel, wir möchten uns an Altvordere erinnern, die wirklichem “Stress” ausgesetzt waren, vor nicht allzu langer Zeit.
    Luxus-Probleme spielen sozusagen in einem anderen Ball-Park.
    Korrekt!, es geht hier auch um die Seele des Weibes, um die gerungen werden darf.

  22. @Elektroniker

    “Arbeit” ist in dieser “Demokratie” nicht Arbeit, so wie die “Demokratie” in dieser Welt- und “Werteordnung” nicht Demokratie ist!

  23. Das wohl KRASSESTE in dieser kreislaufenden Welt- und “Werteordnung”: Sozialismus IST bisher UNVERÄNDERT nur “Sozialismus”, denn die Profitler/Gewinner dieses nun “freiheitlichen” Wettbewerb, leben immernoch den Mikrokosmos des Sozialismus, auch wenn er Kapitalismus oder Unternehmertum genannt wird.

  24. @ hto

    Dass „Arbeit“ nicht „Arbeit“ ist, da stimme ich Ihnen zu. Ein Bekannter und glühender Anhänger des „Kapitalismus“ ist ehemals extra nach Berlin zu den „Mauerspechten“ gefahren um freudig mitzufeiern.

    Erst als er dann später in einem Unternehmen mit „kapitalistischer Arbeitskultur“ gearbeitet hat, ist ihm der Unterschied aufgefallen.

    Er hat jedenfalls dazugelernt.

  25. @ Kommentatorenfreund Stefan Geue und hierzu kurz :

    Und damit komme ich zum Punkt: Der Kapitalismus ist es, der endloses Wachstum braucht, die Marktwirtschaft dagegen nicht.

    Der ‘Kapitalismus’ ist die Sicht internationalistischer Kollektivisten auf die liberale Demokratie, die auch weitgehend freies unternehmerisches Handeln kennt und schätzt, im ordoliberalen Sinne : rahmengebend.
    ‘Kapitalismus’ gibt es für Liberale insofern nicht, sofern sie nicht dediziert-dezidiert diesen Kampfbegriff von kollektivistischer Seite annehmen.

    Nationalwirtschaften wachsen insofern, weil einerseits der sog. Schwarmintelligenz Raum gegeben wird, sich sozusagen auszutoben und Wirtschaftsunternehmen, die sog. Mehrwert generieren, aufzusetzen, und andererseits bereits nominal Wachstum angelegt ist, denn heutiges Geld ist mehr wert als zukünftiges Geld.
    Also im Monetärischen.

    Soll heißen : die Kreditwirtschaft bedingt bereits, dass sog. Inflation stattfindet und sog. Wachstum, nominelles zumindest, stattfindet.
    Wobei es eigentlich die Natur ist, die so bedingt, wer Geld verleiht, will zukünftig, nicht nur Risk-Reward-Überlegungen geschuldet, mehr Geld zurückbekommen.
    Der Grund hierfür liegt auch in der Endlichkeit des individuellen Seins.

    MFG – WB

  26. @Dr. Webbaer Zinsen und Abschröpfen

    Erfrischend, Ihr Misstrauen gegenüber Kollektivismen alle Art.

    Die Zinsen sind auch woanders sehr niedrig: Schweiz -0,75% Japan 0,3% GB 0,75% USA 1,7% . (Quelle Wikipedia 31.10.2019) Das liegt wohl weniger an klammen EU- Ländern, obwohl es denen auch zugute kommt. Ich vermute hier im wesentlichen einen tatsächlichen Kapitalüberschuss.

    Was die Steuern und Abgaben auf Löhne angeht, so sind die wirklich extrem hoch. Damit wird ja fast der ganze Laden finanziert. Man ist das so gewöhnt, dass sich die Elite bei den Arbeitnehmern bedient, dass das kaum noch auffällt. Gut dass Sie daran erinnern. Das ist eine Art schröpfender Kollektivismus, den ich mir auch gerne entschärft wünsche. Viele arbeiten ja auch zuviel, weil sie zuwenig verdienen. Die Reduzierung des Problems mit den überarbeitungsbedingten psychischen Problemen müsste auch hier ansetzen.

    Den Frust, eher zu den wirtschaftlich wenig Erfolgreichen zu gehören, den hat man freilich immer. Solange sich die Menschen untereinander vergleichen, gibt es immer welche, die weniger fit sind, und die das frustriert. Aber in Ruhe leben zu können, ohne vom Arbeitsamt in Niedriglohnjobs getrieben zu werden, würde doch einen wesentlichen Unterschied bedeuten, auch was die persönliche Planungssicherheit betrifft.

    Was den Klimaschutz angeht, so wird wohl Manchem auch daran gelegen sein, hier neuen Umsatz damit zu machen. Aber ich denke, dass wirksamer Klimaschutz doch eine vernünftige Investition in die Zukunft ist. Es ist noch lange nicht klar, wie groß das Klimaproblem wirklich ist, der Bereich von 1,5° bis 4,5° für die Klimasensitivität ist ein enorm weites Feld. Aber wir müssen damit weiter machen, weil es hier um langfristige Investitionen geht. Wenn wir erst noch weiter in alte Technik investieren, und es stellt sich in den nächsten Jahrzehnten heraus, dass wir uns wirklich beeilen müssen, sind diese Investitionen verloren, und das Ganze kostet dann doppelt.

    Wie jetzt genau Kapitalismus zu definieren ist, ist sicher gar nicht so einfach. Aber wenn Politik hauptsächlich den Vermögenden zugute kommt, und der Arbeitnehmer fast den ganzen Staat finanzieren muss, oder ob die Kapitalisten auch ihren Beitrag leisten, macht einen klaren definierbaren und praktisch relevanten Unterschied.

  27. In der BRD liegt ja, Kommentatorenfreund Tobias Jeckenburger, ein sog. Dritter Weg vor, bei einer effektiven Abgaben- und Steuerbelastung, die vielleicht bis zu 70 Prozent des Gehalts gehen kann.
    Im aufklärerischen Sinne ist derartige Schröpfung nicht vorgesehen.

    Auch wenn auf die Mandatierten geschaut wird, auch wenn auf Sprech dieser Art – ‘Aber wir müssen damit weiter machen, weil es hier um langfristige Investitionen geht.’ bundesdeutsch geschaut wird, vage bundesdeutsche Hoffnungen und vor allem Vorreitertum meinend.
    Dem Deutschen wird ja nachgesagt eine Sache um ihrer selbst Willen zu tun.

    I.p. ‘Kapitalismus’ und seinen möglichen Definitionen dürfen Sie sich am marxistischen Gedankengut festmachen.

    Wobei die Superreichen i.p. Steuervermeidung (vs. Steuerhinterziehung, die ist illegal) auch in der BRD gut lachen haben.

    MFG – WB

  28. Solange sich die Menschen untereinander vergleichen, gibt es immer welche, die weniger fit sind, und die das frustriert.

    Zufriedenheit entsteht witzigerweise im Vergleich, ist also relativ und sozial grundiert, es sei denn es liegt wirkliche (Kommentatorenfreund ‘hto’ mag solche Formulierungen) Zufriedenheit vor, die nicht aus dem Vergleich entsteht.
    Das Erkenntnissubjekt ist grundsätzlich aber Neidhammel.
    Ja, auch Dr. W ist für das sog. bedingungslose Grundeinkommen [1], auch damit der verwaltende Sozialapparat weggehauen werden kann, wiederum witzigerweise ist es genau dieser, der auf Bedürftigkeitsprüfungen und Schikanen von Leistungsempfängern besteht.

    MFG – WB

    [1]

    Hey! – Es muss doch in der BRD und im Jahre 2019 möglich sein auch Leistungsunwillige mit einem Mindestmaß an Fürsorge auszustatten!
    In der so-o vermögenden BRD.
    Findet wer nicht?

  29. Nee Elektroniker, ich habe die Lohndrueckerei, den Niedriglohnsektor und den “zweiten Arbeitsmarkt”, also die Verarschung der Lohnabhängigen gemeint!

  30. @web 🐻

    Das “bedingungslose Grundeinkommen”, so wie es zum gleichzeitigen Erhalt des Systems von Steuern zahlen & Co. kommen soll, ist auch wie Substitution von Drogenabhängigen.

  31. @ hto

    Das was Sie meinen, ist ja auch für mich „kapitalistische Arbeitskultur“!!!!!!

  32. “In der so-o vermögenden BRD” – Aha-a, da ist sie also do-och, die BEDINGUNG für’s Grundeinkommen, wenn WIR VERARMEN im “freiheitlichen” Wettbewerb, gibt’s nix, sind alle schuld!?😉😎

  33. “BGE” – pah, das können sich die verkommenen Subjekte dort hinstecken wo die Sonne nicht hinscheint. Wirkliche Wahrhaftigkeit nur mit einem UNKORRUMPIERBAREN Menschenrecht zu KOSTENLOSER Nahrung, MIETFREIEM Wohnen und KASSEN-/KLASSENLOSER Gesundheit.

  34. Der Kollektivismus ist auch eine Art Droge, Kommentatorenfreund ‘hto’, es wird das Wesen des hier gemeinten Primaten verkennend Utopie entwickelt und gepflegt, der Kollektivismus funktioniert am besten, wenn individuell die Ratio aufgegeben werden konnte.

  35. Ja, die Ratio des geistigen Stillstandes in Steuern zahlen, “Sozial”-Angaben, des Zeit-/Leistungsdruck zu/in einer Karriere von Kindesbeinen, der manipulativ-schwankenden “Werte”, usw.!😠

  36. Bonus-Kommentar hierzu :

    Doch das allgemeine Bild ist, dass wir auch im Jahre 2019 in einem größeren Maße von äußeren Faktoren abhängen, als sich das die Philosophen der Aufklärung vorstellen konnten. Und in diesem Kontext kann man sich jetzt fragen, was Drogen als verbreitete Instrumente in der Gesellschaft bewirken werden.

    Die besonders relevante Droge dient der Antikonzeption, was seinerzeit nicht den ‘Philosophen der Aufklärung’ vorstellbar war.
    Sog. Kulturdrogen hat es immer gegeben, auch sog. Naturvölker haben sich mit “Stoff” beim “Medizinmann” versorgt.
    Dr. Webbaer erinnert sich in diesem Zusammenhang gerne an eine Dokumentation des westdeutschen Staatsfunks seinerzeit, in den Achtzigern, in der einem sog. Naturvolk, das beständig irgendwelche Drogen nahm, was zu einer Lebenserwartung von ca. 35 Jahren geführt hat, auch zu vielen Suiziden, wohlwollend begegnet worden ist, als schön, sozusagen.

    Auch dies hier ist anleitend und wirkmächtig :

    -> https://en.wikipedia.org/wiki/Eros_and_Civilization (* 1955)

    MFG – WB

  37. @ hto

    Zitat: „Wirkliche Wahrhaftigkeit nur mit einem UNKORRUMPIERBAREN Menschenrecht zu KOSTENLOSER Nahrung, MIETFREIEM Wohnen und KASSEN-/KLASSENLOSER Gesundheit.“

    Ihre Suche nach „Wahrhaftigkeit“ und einer „idealen Gesellschaft“ ist nicht neu.

    Das haben Religionen versucht, aber auch Philosophen wie Karl Marx.

    Die Religionen versuchen es halt „im Kleinen“ und so gut es irgendwie geht. Sie vermuten aber gleichzeitig, dass es wie Religionen es so zu nennen pflegen, wegen „der Erbsünde“, kaum wirklich realistisch ist.

    Karl Marx dürfte wegen der zunehmenden Technisierung durch „Maschinen und Elektrizität“, eine Chance gesehen haben, auf Ausbeutung verzichten zu können und so eine ideale Gesellschaft zu ermöglichen. Das bislang „größte Experiment der Geschichte“, der Kommunismus, ist zumindest vorläufig, gescheitert. Die Vertreter der Wirtschaft der Comecon Staaten haben sich bei der Bewertung der Waren und Dienstleistungen hoffnungslos zerstritten, weil sie keinen Markt als „Oberschiedsrichter“ hatten. Psychologische Gegebenheiten haben sie viel zu wenig berücksichtigt.

    Die Chinesen scheinen einen neuen, möglicherweise „sanfteren Versuch“ zur Bildung einer möglichst „idealen neuen Gesellschaft“ zu unternehmen. Zu den Maschinen und der Elektrizität sind Computer und Künstliche Intelligenz hinzugekommen.

    KI dürfte einerseits „gleichmacherisch“ wirken. Die unterschiedlich verteilte „natürliche Intelligenz“ der Menschen die eine natürliche Ungleichheit fördert, dürfte wegen des vermehrten Einsatzes von KI immer weniger eine Rolle spielen. Z.B. werden die kleinen Unternehmer (Händler) die besonders intelligente dispositive Fähigkeiten benötigen, immer mehr durch große Computer gesteuerte Handelsketten verdrängt. Deren Vermögen wandern teilweise zu den „Großen“, früher „stolze Unternehmer“ verdienen letztlich nur mehr so viel, wie früher ihre Mitarbeiter.

    Andererseits fördert KI die nahezu totale Überwachung der Menschen. Vielleicht versuchen es die Chinesen fast nur mit positiven Anreizen. Die „soziale Harmonie“ dürfte den Asiaten ohnehin traditionell besonders wichtig sein. Vielleicht kann die KI sogar dazu beitragen die Menschen so zu „bespaßen“ und auch psychologisch zu therapieren, dass sie ihr „leichtes Leben“ ergänzt mit etwas nützlicher „Arbeitstherapie“, möglichst ohne Drogen, bestens bewältigen können. Will jemand unbedingt mehr leisten, so kann er es z.B. mit Sport oder einem Hobby versuchen.

    Was daraus wird, weiß keiner…

  38. @Elektroniker, Zusammenleben OHNE wettbewerbsbedingte Symptomatik in Steuern zahlen, “Sozial”-Abgaben, manipulativ-schwankende “Werte”, usw., tatsächlich ist es nur Psychologie/Philosophie, KEINE Partei die am Spiel/Geschäft teilnimmt. Das wäre dann ein Wachstum ohne Wahn, was sich ohne Gewalt verweigert und einzig menschenwürdig globalisiert/fusioniert, letztendlich auch wirklich-wahrhaftig glaubt.

  39. @Elektroniker, was die Chinesen da machen, ist agieren in Kompromissbereitschaft zum nun “freiheitlichen” Wettbewerb, wo immer nur die gepflegte Bewusstseinsschwäche in Angst, Gewalt und “Individualbewusstsein” im geistigen Stillstand siegt!

  40. @Elektroniker # “Erbsünde” – Mit der “Vertreibung aus dem Paradies”, was unseren ersten und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung bedeutet, hat Mensch (ALLE) den Schritt gemacht, vom tierischen Instinkt in die eigenverantwortliche Bewusstheit, um die Kraft unseres ursprünglichen Geistes in Vernunft zu Verantwortungsbewusstsein menschenwürdig zu gestalten, leider hat Mensch bisher nur den Instinkt mit geistigem Stillstand stets zeitgeistlich reformiert.

    “im kleinen” –

  41. “Dr. Webbaer”:

    “Hey! – Es muss doch in der BRD und im Jahre 2019 möglich sein auch Leistungsunwillige mit einem Mindestmaß an Fürsorge auszustatten!”

    Die Definition von “Leistungsunwilligen” & “Mindestmaß an Fürsorge” eines gemeinen Wissenschaftlers entspricht mutmaßlich dem social engineered Rahmen – wenn dem so ist scheint der Zeitgeist selbst vor dem in Spuren denkenden Geist der Hochgebildeten nicht halt zu machen.

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