Die entschuldigende Funktion der Naturwissenschaft

Aminosäuren der DNAAutismus ist einer der thematischen Schwerpunkte der aktuellen Gehirn&Geist (10/2008). Der Max-Planck-Direktor Nils Brose erklärt den Lesern die spannenden Funde genetischer Forschung, die inzwischen 19 Gene mit dem Spektrum der Autismuserkrankungen in Zusammenhang gebracht hat (S. 69). Gleich zu Beginn interpretiert er diese Ergebnisse so, als würden sie die alte Vorstellung widerlegen, Autismus sei vor allem auf Vernachlässigung der Eltern zurückzuführen; diese seien beispielsweise vom Kinderpsychologen Bruno Bettelheim (1903-1990) oder dem Psychiater Leo Kanner (1896-1981) vertreten worden. Die volkstümliche Vorstellung von der Kühlschrankmutter sei nun überwunden:

Heute stehen die Eltern nicht mehr unter Generalverdacht: Die Theorien von Kanner und Bettelheim sind längst überholt und vielfach widerlegt worden. (Brose, S. 66)

Dieser Diagnose pflichtet im Interview mit G&G-Redakteur Steve Ayan auch Simon Baron-Cohen bei, Professor an der Cambridge University:

Autismus ist in sehr hohem Maß genetisch bedingt, das zeigen viele Studien. Die Zeiten der Rabenmutter-Theorie haben wir zum Glück überwunden. (Baron-Cohen, S. 73)

Wenn ich mir daraufhin noch einmal die Ergebnisse der Genetikforschung anschaue, fange ich jedoch an, mich zu wundern: So sei beispielsweise die Ursache von 94 Prozent der Fälle derzeit noch unklar (S. 68); lediglich bei sechs Prozent der Erkrankungen, schätze der französische Humangenetiker Thomas Bourgeron, lasse sie sich auf eines von vier Genen zurückführen. Freilich könnte man jetzt darauf herumreiten, wie Baron-Cohen sein "sehr hohes Maß" rechtfertigen kann; doch darum geht es mir hier nicht.

Ich finde es überraschend, wie schnell Naturwissenschaftler und Ärzte herbeieilen, um den Eltern die Last der Verantwortung für die Erkrankung ihrer Kinder zu nehmen, obwohl die wissenschaftlichen Daten offenbar noch gar keine genaue Aussage stützen. Diese Beobachtung allein hätte mich aber noch nicht dazu motiviert, einen kritischen Blog-Beitrag zu schreiben. Allerdings setzen sie sich inzwischen zu einem Muster zusammen:

Denn schon am 30. Juli musste ich über eine Pressemitteilung stutzen, in der Forscher Genetik mit Schizophrenie in Zusammenhang brachten. In einem Interview merkte die Mannheimer Professorin für Psychiatrie, Marcella Rietschel, dazu an:

Viele Eltern eines schizophreniekranken Kindes fragen sich, inwiefern sie selbst an der Krankheit schuld sind

sei es durch eine falsche Erziehung oder auch den Beitrag ihrer Gene. Unsere Studie zeigt aber ganz klar, dass spontane Mutationen die Krankheit auslösen können. Über eine Schizophrenie entscheidet dann ganz wesentlich der Zufall! (Rietschel, idw-online, 30.07.2008)

Wieder haben wir einen Fall, in dem ein bescheidener naturwissenschaftlicher Fund ("auslösen können") dahingehend interpretiert wird, die Last der Verantwortung von den Eltern zu nehmen: Es war nicht euer Fehler, noch nicht einmal eure Gene, sondern der Zufall hat die Erkrankung verursacht.

Ich gehe noch einmal zwei Wochen zurück und greife das Zitat Laurence Kirmayers auf, des Professors für Transkulturelle Psychiatrie in Montréal, das ich in meinem Blogbeitrag Kritik der Neurowissenschaft brachte:

Die neuen Bücher über das Gehirn der Teenager wurden geschrieben, um den Eltern die Verantwortung zu nehmen: Nicht weil sie schlechte Eltern sind, verhalten sich ihre Kinder so komisch, sondern wegen der mangelnden Reife der Teenager-Gehirne. (Laurence Kirmayer, 16.07.2008)

Dabei haben sich auch die Daten zum Teenager-Gehirn bei näherem Betrachten als überinterpretiert entpuppt.

Das wirft schließlich die Frage auf, wie Forscher dazu kommen, den Eltern der Betroffenen

sehr voreilig, wie es scheint

diese entschuldigende Interpretation anzubieten? Damit soll keinesfalls behauptet werden, dass die traditionellere, beschuldigenden Interpretationen die richtigen wären. Es wirkt aber fast so, als würde hier ein Motiv mitspielen, das gar nicht naturwissenschaftlich ist; als wolle man die Rolle eines Trösters übernehmen und sich daher auch in die Macht kleiden, über Schuld und Unschuld zu entscheiden. Wenn das nicht eine Beobachtung ist, die manche aufhorchen lassen sollte…

…schließlich wissen wir doch aus vielen Berichten, dass tatsächlich einige (viele?) Eltern ihre Kinder nicht gut erziehen, in Extremfällen sogar vernachlässigen oder misshandeln. Ich erinnere an meinen allerersten Blogbeitrag über die Macht der Gene, in dem ich schon auf die Auffälligkeit hinwies, dass man in der Interpretation des Zusammenhangs zwischen Genetik und psychiatrischen Erkrankungen die Rolle der Gene überbewertet, obwohl die Daten in die entgegen gesetzte Richtung weisen: In der viel zitierten Studie von Avshalom Caspi aus dem Magazin Science (2003) erreichte keiner der genetischen Effekte Signifikanz auf dem statistisch üblichen Niveau; dafür aber "Umweltmaße" wie die Anzahl der Erlebten Lebenskrisen oder Misshandlungen in der Kindheit. In der Studie ging es darum, die Genetik des Serotonin-Transporters mit dem Risiko für Depressionen oder Selbstmordversuchen in Zusammenhang zu bringen.

Was sagt uns das? Diese Interpretation überlasse ich jetzt Ihnen.

Postscriptum: Eine eher wissenschaftstheoretische Kritik an den genetischen Studien zum Autismus ergibt sich daraus, dass die völlig unspezifische Erklärung der "gestörten neuronalen Kommunikation", wie sie Brose vertritt, weder die selektive Beeinträchtigung bestimmter, vor allem der "sozialen" Fähigkeiten, die Baron-Cohen nennt, erklärt, noch damit vereinbar ist, dass autistische Patienten in vielen anderen Bereichen des Denkens nicht beeinträchtigt oder sogar überdurchschnittlich

sollten diese Fähigkeiten etwa nicht von neuronaler Kommunikation abhängen?

Quellen:

Brose, N. (2008). Kontaktscheue Neurone. Gehirn&Geist 10/2008, S. 66-71.
Baron-Cohen, S. (2008). Ein spezieller Zustand (Interview). Gehirn&Geist 10/2008, S. 72-73.

Foto: © Gabi Schoenemann (gabisch) / PIXELIO

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www.schleim.info

Stephan Schleim ist studierter Philosoph, Psychologe und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Der Autor schreibt auch für zahlreiche andere Medien. Die Diskussionen hier sind frei und werden nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen. Beim Gedankenaustausch darf es auch mal heiß hergehen, jedoch nicht beleidigend werden, vor allem nie unter die Gürtellinie gehen.

23 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schuld oder nicht Schuld, Gen oder nicht

    Eine an einer Psychose erkrankte Freundin fand den Ratgeber von Josef Bäuml “Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis”, weil es eben die Eltern entlastet. So etwas finde ich v.a. zu Anfang der Behandlung nicht schlecht, denn der Patient muss ja erst wieder zu Kräften kommen. Wenn die Eltern anfangs entlastet werden, kann es auch nicht zu irgendwelchen schrägen Reaktionen kommen (der Vater eines an Schizophrenie erkrankten Bekannten liess seinen Sohn zum Zwecke der Heilung Urintherapie machen).

    Autismus als genetisch bedingt zu betrachten finde ich plausibel, denn in meiner Familie gibt Asperger bei zweien viele Antworten (Mutter und Bruder). Das gibt dann wiederum Antworten, warum sie das Ausmass der Defizite des Vaters (mindestens schwer depressiv, aber wahrscheinlich sehr viel mehr) nicht erkennen, und das vereint ergibt dann zusammen ein Bild, warum ich zum Psychotiker wurde.

  2. Gene oder Erfahrungen?

    Natürlich kann Entlastung im Einzelfall ganz wichtig sein; und zwar, weil man das Gegenüber als Person ernst nimmt und helfen will. Das ist dann aber eine soziale Funktion und da soll niemand mit dem Erkenntnisanspruch der Naturwissenschaft auftreten, wenn er nicht auch harte Daten vorzuweisen hat.

    Wie viele Erfahrungen pflanzen sich im familiären Umkreis fort? Und wie wollen Sie hier den Beitrag der Gene von dem der Erfahrungen trennen?

    Ich für meinen Teil würde jedenfalls davon ausgehen, dass die Kombination aus autistischer Mutter mit schwerdepressivem Vater und autistischem Bruder sehr wohl eine ganze Reihe belastender Erfahrungen mit sich bringt. Dass diese sich bei entsprechender Veranlagung noch deutlicher auswirken können, das sei geschenkt — und das ist ja auch das, was Caspi herausgefunden hat und was ich niemals bestreiten würde.

  3. @Schleim

    Hallo,
    ein sehr guter Beitrag. Wer will bei einer so komplexen Sache wie dem Gehirn behaupten, es sei ein Hardware oder Softwarefehler. Genetische Veranlagung ist die Vermutung, Missbrauch der Alltag vieler Kinder. Wenn die Mutter eines Kleinkindes stirbt und das emotional hegend und pflegende Umfeld für das Kind so zusammenbricht ist es für mich klar, das ein neuer Borderliner in die Welt tritt.
    Für mich gibt es ganz eindeutig ein sozialles Erbe. Die frage gibt es Erkrankungen in der Familiengeschichte, muss oft mit ja beantwortet werden.

    Es ist doch atraktiver der Welt eine genetische Ursache zu benennen, als eine
    Entwicklung anzuklagen in der das Opfer zum Täter wird und Opfer produziert, die wieder Täter werden.

    Ich reiße mich jetzt mal am Riemen, sonst werde ich bösartig.

    Gruß Uwe Kauffmann

  4. @ Kauffmann: Ausgewogenheit

    Ich denke, damit liefern Sie dem Verfechter der Genetik-Botschaft eine schöne Vorlage zum Widersprechen.

    Ich denke, man muss ganz klar sehen, dass weder die sozialen Umstände, noch die Genetik eine 1:1 Determination bewirken. Mein Argument ist, dass angesichts der wissenschaftlichen Daten, die wir haben, physiologische Veranlagungen (die nicht nur genetisch sein müssen — man denke etwa an vorgeburtliche Probleme, schwere Erkrankungen usw.) jedoch im psychischen Bereich eine geringere Rolle spielen als das soziale Umfeld, wofür ich beispielsweise die Studie Caspis als Beleg heranziehen, die absurderweise oft von den Vertretern der Gendetermination herangezogen wird.

  5. @Kauffmann

    Ja, wenn man so will “alle füreinander kommunikativ zugänglichen Ereignisse” (Luhmann).

    Oder nach Marx “die Gesamtheit der Verhältnisse zwischen den Menschen”.

    Ich meine damit die Rahmenbedingungen im allgemeinen.

    Das geht dann vielleicht in die Richtung “Die entschuldigende Funktion der Soziologie”…

  6. @ Wald: Gesellschaft

    Es gibt durchaus Gründe dafür, die Gesellschaft miteinzubeziehen; das ist aber doch nur eine Redeweise, die sich letztlich auf andere Individuen herunter brechen lässt:

    Denken wir an Ärzte oder Beamte oder Nachbarn, die Zeichen bestimmter Misshandlungen oder der Vernachlässigung übersehen.

    Denken wir an Eltern, die ihre Kinder oder Ärzte unter Druck setzen, Pharmakologie zur Lösung von Familienproblemen einzunehmen beziehungsweise zu verschreiben — aufsummiert entsteht dadurch ein größerer Druck auf andere Eltern, es ebenso zu machen. (Man denke an die Diskussion über die Explosion von ADHS-Diagnosen und entsprechenden Rezepten.)

    Wenn wir von der “Gesellschaft” reden, dann sollten wir nicht darüber hinweg sehen, dass jeder einzelne von uns ein Adressat der Verantwortung ist, durch seine eigenen Überlegungen und Handlungen einen Teil dieser Gesellschaft, zu der er eben dazu gehört, zu konstituieren.

    Insofern sehe ich auch keinen unüberwindbaren Dualismus zwischen Individuum und Gesellschaft, sondern nur eine Wechselwirkung zwischen Individuum und Individuen.

  7. @Schleim

    Hallo,
    ein Gehirn, ist dazu da eine Situation, zu meistern, nicht um seinen Inhalt zu verdeidigen und zu feiern. Auch Sie verteidigen gegenüber
    zehn anderen Mitgliedern einer Gruppe nicht die Wahrheit, wenn diese falsch liegen.
    Den Dualismmus gibt es sehr wohl, und
    er ist nicht nur dual, ich kann binnen einiger Tage, viele verschiedene auch widersprüchliche Meinungen vertreten, ohne mich selbst, in einen Konflickt zu stürtzen. Mann muss sich wohl den Gedanken abgewöhnen, das Gehirn sei der Sitz von hehren Gedanken. Es ist und bleibt das Organ für Aktion und Interaktion in der Umwelt, für ein Höheres Säugetier.
    Da läuft es dem Philosoph in Ihnen wohl erst mal kalt den Rücken runter.
    Ich sehe das aber so und es werden gute Teile der Denkarbeit von autopoietische Systemem im Multiprozessorbetrieb geleistet.

    Gruß Uwe Kauffmann

  8. Eltern und Gene

    Hallo Herr Schleim,

    Zustimmung: Die Frage, inwieweit der Faktor Eltern/Erziehung an psychiatrischen Erkrankungen ursächlich beteiligt ist, lässt sich nur durch Längsschnittstudien genau zu diesem Thema eruieren – nicht indem man irgendwelche anderen Faktoren untersucht. (Das Problem: Hier sind keine echten experimentellen Designs möglich, sondern nur quasi-experimentelle Korrelationsstudien; allerdings könnte man Studien mit prophylaktischen Interventionen experimentell anlegen.)

    Gene: Interessanterweise ist auch in der Epilepsiegenetik Ernüchterung eingetreten. Auch hier gibt es bei Metaanalysen Schwierigkeiten, einmal gefundene und häufig hochrangig publizierte Assoziationen als “signifikant” aufzuweisen. Die gefundenen Polymorphismen sind kaum indikativ i.S.e. sicheren Anzeichens für Epilepsie.

    Methodisch interessant: Bei 22-30.000 Genen im menschlichen Genom ist die Basiswahrscheinlichkeit eines von sagen wir einmal 100 relevanten Genen für einen bestimmten Phänotyp zu finden, zunächst einmal sehr gering. Im Sinne der Bayes-Statistik ist daher ein deutlich strengeres Signikanzkriterium erforderlich (statt der üblichen alpha = p kleiner als .05). Da die Assoziationsstudien jedoch nicht in solche allgemeineren Überlegungen eingebettet werden, kommt es – im Verbund u.a. mit dem Selektionsbias, dass fast ausschließlich positive Studien publiziert werden – zu irrtümlichen Genotyp-Phänotyp-Zuordnungen.

    Ich vermute, dass die Analyse des (starren) Genoms nicht wirklich weiterhilft – interessanter ist das Genom in Aktion bzw. die Epigenetik. Möglicherweise ist es jedoch völlig inadäquat, für so komplexe Phänomene wie Schizophrenie, Autismus oder Epilepsie auf der molekulargenetischen Ebene nach Ursachen zu suchen; denn zunächst handelt es sich dabei doch wohl, hinsichtlich der organischen Ebene, um komplexe Netzwerkstörungen in der Hirnfunktion. Bevor man diesen Endophänotyp nicht wirklich verstanden hat – wie will man da die Genetik finden?

  9. @ Kauffmann: Persönliches

    Auch Sie verteidigen gegenüber
    zehn anderen Mitgliedern einer Gruppe nicht die Wahrheit, wenn diese falsch liegen.

    Da kennen Sie mich aber schlecht; fragen Sie mal meine Kollegen.

    Ihre Vorstellung vom Gehirn kann ich allerdings nicht wirklich verstehen.

  10. @ Hoppe: Schwierigkeiten der Genetik

    Das hätte ich auch nicht besser formulieren können, lieber Herr Hoppe; tatsächlich hätte ich es noch nicht einmal so gut formulieren können!

    Ein anderer wichtiger Punkt ist freilich: Selbst wenn nun vereinzelt epidemiologisch interessante Genetikdaten vorliegen, reichen diese noch lange nicht für eine Individualdiagnostik aus.

    Was will man dem noch hinzufügen? Da ich selbst so wenig von Biostatistik verstehe, will ich mich nicht dazu erheben, den anderen vorzuwerfen, ihr Handwerkszeug nicht zu verstehen.

    Herr Brose hat allerdings angekündigt, eine Replik zu schreiben und darauf bin ich schon sehr gespannt. Ich würde ihm Ihren Kommentar gerne als Postpostscriptum aufgeben.

  11. @Schleim

    Hallo,
    das glaube ich Ihnen auf Wort. Sie haben ja auch einen gesunden Respekt vor Herr Metzingers Ausführungen über die Persöhnlichkeit und ich nehme mal an das Ihnen Zibardo auch nicht zusagt. Hell is other people ist wohl für Sie auch kein Problem. Ich denke mal Sie sind zu nett, zumindest netter als das Durchschnittsgehirn.

    Gruß Uwe Kauffmann

  12. @Schleim

    Hallo,
    es ist wohl mal wieder Zeit sich um Entschuldigung zu bitten. Leider bin ich im Moment beruflich ein wenig mit Menschen geschlagen, dennen ich aus Verzweiflung gelegentlich, das nicht verstehen wollen unterstelle, um nicht in Verzweifelung zu verfallen. Da haben Sie wohl das Fett abgekriegt.
    Ich habe eine Abneigung dagegen, sich selbst, das Recht, zur Selektion von Informationen zu einzuräumen. Wohl auch ein persöhnliches Problem von mir, ähnlich meiner, aus Ihrer Sicht unverständlichen Hirnsicht. Ich denke mal Sie sind hier genau richtig und wichtig vor allen Dingen, für die Menschen, die sich nicht als höheres Säugetier sehen.

    Gruß Uwe Kauffmann

  13. Auch Studien zur Homosexualität?

    Hallo Stephan,

    mir begegnet das Thema Gen oder Erziehung immer wieder im religiös-weltanschaulichen Diskurs: Leute meinen dann z.B. je genau zu wissen, dass Homosexualität genetisch veranlagt oder soziokulturell veränderbar sei.

    Entschieden religiöse sowie sozialwissenschaftlich orientierte Menschen scheinen häufiger der zweiten Variante zuzuneigen, die eine “Veränderbarkeit” sexueller Orientierung nahelegt, aber andererseits auch Möglichkeiten der kulturellen Prävention bzw. (oft befürchteter) Förderung von Homosexualität eröffne.

    Auf säkularer und naturwissenschaftlicher Seite dominiert dagegen die Gen-Erklärung, die Homosexualität als einen Teil des Naturgeschehens ausweist, der mithin schlicht als natürlich und kaum veränderlich zu akzeptieren wäre.

    Bisher neige ich aufgrund der Lektüre verschiedener Biologen eher der biologischen Erklärung zu (u.a. weil wir Homosexualität ja auch unter Tieren finden) und hatte das Gefühl, dass vor allem die kulturseitig Argumentierenden dies letztlich oft aufgrund von außerwissenschaftlichen Interessen tun.

    Der Beitrag hier bringt mich jetzt aber doch ins Grübeln, denn offensichtlich könnte es entsprechende Tendenzen zur Vermischung von Empirie und je weltanschaulich gewünschtem Befund auch aus den Naturwissenschaften selber in stärkerem Ausmaß geben, als ich bislang vermutete.

    Meine Annahme, dass Homosexualität v.a. genetisch veranlagt sei, werde ich deswegen nicht gleich über Bord werfen, aber ins Grübeln gebracht hat mich Dein Beitrag, @Stephan, schon. Für Hinweise oder Beiträge, die meine geweckten Zweifel bestätigen oder zerstreuen, wäre ich dankbar. 🙂

  14. “Leider bin ich im Moment beruflich ein wenig mit Menschen geschlagen, dennen ich aus Verzweiflung gelegentlich, das nicht verstehen wollen unterstelle, um nicht in Verzweifelung zu verfallen.”

    Das bestätigt meine Aussage über den gesellschaftlichen Einfluss…

    Natürlich nicht ausschließlich, aber auch nicht unerheblich und vielleicht ja auch Erbgut Verändernt?

  15. @ Michael: Homosexualität

    Hallo Michael,

    mir sind keine Daten zur genetischen Veranlagungen sexueller Orientierung bekannt; da es sich hier aber um eine Verhaltensdisposition handelt, schätze ich, dass die Datenlage mau ist.

    Ich kenne Hirnfunde aus dem Jahr 2006 (Ponseti et al.), die unterschiedliche Hirnaktivierung bei Homo- und Heterosexueller beim betrachten verschiedener sexueller Bilder gefunden haben. Tatsächlich argumentieren die Forscher dafür, dies spreche für die Angeborenheit der sexuellen Orientierung (und in persönlicher Kommunikation sagte mir der Erstautor, das würde die Leute entlasten, denn so könnten sie ja nichts dafür — wieder ein Beleg für die “entschuldigende Funktion der Naturwissenschaft”, wie mir erst jetzt auffällt). Das ist aber leider ein Fehlschluss, denn natürlich ist das Gehirn auch kulturell geprägt und es ist kein Beweis für die Angeborenheit von irgend etwas, dass man eine bestimmte Hirnaktivierung findet.

    Meine persönliche Meinung ist: Ich halte die Aufhebung der starken Gegensätze für plausibel und teile die verbreitete Meinung, dass es sich eher um ein Spektrum handelt. Viele Menschen dürften homoerotische Fantasien haben, zumindest manchmal, ohne sie deshalb gleich auszuleben.

    Verhält es sich mit solchen Neigungen nun ganz ähnlich wie mit anderen sexuellen Fantasien? Sicher wird jeder solche haben, die er wahrscheinlich geheim hält, ganz gleich welch sexueller Orientierung er/sie ist…

    …und ich wüsste keine gute Erklärung für die allgemeine Frage, wie sexuelle Neigungen (also nicht nur die Geschlechtswahl, sondern Fetische usw.) entstehen, schon gar nicht in Hirn- oder gar Gensprache.

    Ich hoffe, das beantwortet zumindest teilweise deine Frage.

  16. @ Stephan: Durchaus

    Lieber Stephan,

    ja, danke. Es ist wohl in der Tat so, dass wir auch in der Interpretation (natur-)wissenschaftlicher Befunde immer auch mit außerempirischen Motiven zu tun zu haben: Beispielsweise bestimmte Verhaltensmuster zu “entschuldigen” oder zu “belasten”. Im Dialog mit den Naturwissenschaften ist dies immer mal wieder zu reflektieren. Dein Beitrag und Deine Antwort haben mich dafür neu sensibilisiert, danke! 🙂

  17. Naturwissenschaft

    Die Naturwissenschaft hat die Klimakatastrophe hervorgebracht, nur leider kann sie sie nicht mehr beherrschen. Die Wissenschaft regt vieles an, was sie der Sache nach nicht beherrscht. Was aber in der Welt allemal geeignet war mehr Propleme zu stiften als es voher gab. Die Schulmedizin tötet mehr Menschen als sie heilt und jährlich foltert sie 300 MIO Tiere in Versuchslaboren zu tode. Hat diese sinnlose Forschung einen Sinn ? Nein, sie wird nur durch Steuergelder bezahlt, weil die Naturwissenschaft trotz ihre haarsträubenden Pleiten dennoch die Meinungsführerschaft hat. Aber warum ? Weil sie über eine politisch, religiöse, ökonomisch und publizitische Mafia verfügt die sehr reich (Pharmaindustrie, Atomindustrie, Mineralölindustrie,..,) ist und sich eine Propagandalobby leisten kann, die sich daruf versteht die Massen durch Begierden und Ängste; wie Schlachtvieh vor sich herzutreiben, dem sicheren Ende entgegen, immer behauptend es gehe ja schließlich um Fortschritt, Gesundheit, Sicherheit und blablabla worauf ja wohl kein Mensch verzichten kann. Und die Uniformiertheit der dummen Masse, gibt die eigene Gesundheit, Wahrheit, Frieden und Wohlergehen der Naturwissenschaft zum Opfer preis. Aber was erhält sie dafür: Klimakatastrophe, Vergiftung, Verstümmelung, Tierversuchs KZ´s,…, Ihr seid selbst das Kontrafaktum zu Darwin: ihr habt uns weiter zurückgeworfen als die Menschheit je im Mittelalter stand; dahero: es gibt keine Evolution. Was wir brauchen ist eine Revolution mit dem Ziel der Abwicklung aller naturwissenschaftlichen Einrichtungen und dem ökologischen Rückbau aller Produkte und Verfahren, die je aus dem Ungeist der Naturwissenschaft entsprungen sind, dann werden sich auch die Krisen dieser Welt wieder beruhigen.
    Wir müssen lernen unsere Begierden durch Zufriedenheit zu transformieren und unseren Hass durch Liebe, dann werden sich die Ängste und die Verblendungen aufheben und wir die Welt wieder mit respekt behandeln können.
    Ihr habt eine falsche Anschuung von Krankheit und werded auf diesem pfade nie glücklich oder gesund werden. Eure Methodden haben es früher nicht gekonnt und können es heute nicht.

  18. @ Dürich: Das Böse?

    Sehr geehrter Herr Dürich,

    auch wenn ich am Wissenschaftsbetrieb einiges kritisch sehe, möchte ich doch auf diesem Weg kundtun, dass ich Ihre Sicht der Wissenschaft für übertrieben schlecht halte und daher nicht teile.

    Mit freundlichem Gruß

    Stephan Schleim

  19. Klima,Depression und Teenagerhirne

    Guten Abend-und erst einmal vorweg-es gibt keine Klimakatastrophe. Der Wandel ist das einzig Beständige,so ist es eben auch beim Klima,alles andere weist auf Propaganda hin.
    Zur Depression-ohne irgendwelche Studien zu bemühen: ich kenne viele Personen mit mehr oder weniger ausgeprägten depressiven Störungen,und keine einzige davon hat KEIN Trauma,Missbrauch,Vernachlässigung,Gewalt…erleben müssen.
    Als dreifache Mutter mit einer interessanten Mischung verschiedener Lebensmittelpunkten habe ich auch schon einige Kinder gesehen – und keines, das “verhaltensauffällig” war, hatte ein “gutes” Elternhaus als Background. Und natürlich geht es mit der Gesellschaft weiter,denn diese re-agiert natürlich.
    Und auch wieder nur aus der Erfahrung: die These der unreifen Teeanagergehirne entlastet ja nicht nur die Eltern,sondern auch die Jugendlichen selbst, die ja nichts dafür können,”weil,ich bin ja in der Pubertät”. Teeanger erziehen ist harte Arbeit,der Ablöseprozess ist schmerzhaft und muss doch aktiv begleitet werden,und sie brauchen die richtige Mischung aus Loslassen und dem Ergreifen der letzten Chance, sie mit mehr oder weniger intensiven Kurskorrekturen “auf Spur” zu bringen.

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