Der Kampf dem Alkohol geht in die nächste Runde

„Mindestalter und Steuern rauf!“ Was sagen die wissenschaftlichen Fakten?
Das von mir so genannte Alkoholparadox geht in die nächste Runde: Obwohl die Menschen in Deutschland und vielen anderen Ländern immer weniger Alkohol trinken, warnen Fachleute und Fachgesellschaften – oder diejenigen, die sich dafür halten – immer lautstärker vor dessen Risiken. Es scheint so, als würde das jahrtausendealte Genussmittel desto gefährlicher, je weniger wir davon trinken.

Noch Mitte der 1970er-Jahre tranken die Deutschen ab 15 Jahren durchschnittlich 16,8 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Das entspräche einer Menge von 336 Litern Bier (5 Prozent Alk.) beziehungsweise 140 Litern Wein (12 Prozent Alk.). Seitdem ist der Pro-Kopf-Konsum um 38 Prozent auf nur noch 10,5 Liter reinen Alkohol (210 Liter Bier beziehungsweise 88 Liter Wein) gesunken. Der Trend zeigt weiter nach unten. Datenquellen: vor 2010 Alkoholatlas, ab 2010 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen/Destatis
Ab den 1990ern bis vor wenigen Jahren hieß es noch, Frauen könnten mit durchschnittlich 15 Millilitern reinem Alkohol – entsprechend einem Glas Bier mit 300 Millilitern – am Tag „risikoarm“ konsumieren. Für Männer galt die doppelte Menge. Damit kämen Frauen auf 5,5 und Männer auf 11,0 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Zum Vergleich: In den 1980er-Jahren gab es noch die Empfehlung, nicht mehr als zwei Liter Bier am Tag zu trinken, also gut dreimal so viel!
Die auf der Abbildung dargestellten Pro-Kopf-Werte werden aus den Verkaufszahlen errechnet und lassen sich darum nicht per Geschlecht unterscheiden. Da Frauen (vor allem Wein und Sekt) im Schnitt aber weniger Trinken als Männer (vor allem Bier), senkt ihr Konsumverhalten den landesweiten Durchschnitt; und es gibt natürlich auch Nichttrinker. Das heißt, obwohl der Durchschnittswert pro Kopf nahe bei der Grenze der „risikoarmen Menge“ liegt, trinken viele mehr als das.
Laut dem Alkoholatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums von 2022 waren das im Jahr 2021 jeweils rund 15 Prozent der Frauen und Männer. Auch diese Werte sind in den letzten Jahrzehnten stetig gesunken. Bei Frauen war der höhere, „riskante“ Alkoholkonsum übrigens im Süden der Bundesrepublik am häufigsten, nämlich in Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg. Bei den Männern war das tendenziell im Osten häufiger der Fall, vor allem in Sachsen. Allerdings folgte darauf mit kurzem Abstand Bremen und war der „riskante“ Konsum dafür in Berlin unterdurchschnittlich häufig.
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Alles neu macht die Weltgesundheitsorganisation
Die letzten Abschnitte bezogen sich, wie gesagt, auf die inzwischen veralteten Empfehlungen. Anfang 2023, passend zum Social Media-Phänomen des „Dry January“, veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation eine neue Leitlinie unter der Überschrift: „No level of alcohol consumption is safe for our health“. Ins Deutsche übersetzte man das etwas umständlicher mit: „Beim Alkoholkonsum gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge„.
Man könnte sagen, dass diese Schlussfolgerung eigentlich schon in der alten Bezeichnung „risikoarm“ steckte. Jetzt drehten Gesundheitswissenschaftler die Kommunikation aber in die Richtung, dass wir alle am besten gar keinen Alkohol mehr trinken sollen. Nebenbei bemerkt: Nichts im Leben ist risikofrei, auch nicht Fahrrad- oder Autofahren oder der Austausch einer Lampe.
Binnen weniger Jahre sprang die Mehrheit der Fachleute und -gesellschaften auf diese Kommunikationsstrategie auf. Ein Schelm, wer denkt, dass man für die Aufmerksamkeit der Medien und für das Einwerben von Forschungsgeldern eine neue und griffige Botschaft brauchte. Denn das, was alle schon wissen, ist langweilig.
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen passte schon 2023 ihre Empfehlung an: „Ergebnisse der Wissenschaft zeigen, dass es keinen potenziell gesundheitsförderlichen und keinen sicheren Alkoholkonsum gibt.“ Etwas später folgte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung mit dem griffigen Slogan: „Am besten null Promille„. Als „risikoarm“ gelten dort nur noch ein bis zwei kleine Gläser Wein beziehungsweise ein bis zwei kleine Flaschen Bier pro Woche.
Damit senkte man, wohlgemerkt, die Empfehlung auf einen Schlag auf nur noch ein Siebtel im Vergleich zu den zwanzig Jahren davor! Mit dem Befolgen der alten Richtlinien fällt man jetzt schon in die höchste Risikokategorie, nämlich ab 0,8 Litern Wein oder zwei Litern Bier pro Woche.
Was war die Rechtfertigung für diesen meilenweiten Umschwung?
Wissenschaftlicher Durchbruch?
Laut einer alten Faustregel bedürfen starke wissenschaftliche Aussagen auch starker wissenschaftlicher Daten. Ob es so etwas im Bereich der Ernährungswissenschaften überhaupt gibt, ist aber fraglich. Wissenschaftstheoretisch gilt, dass man zur Entdeckung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen unter kontrollierten Bedingungen – idealerweise im Labor – intervenieren muss.
So würde man zum Beispiel eine Anzahl von Versuchspersonen nach dem Zufallsprinzip auf zwei (oder mehr) Gruppen verteilen: In einer Gruppe würden die Teilnehmenden gar keinen Alkohol trinken, in einer anderen etwas und in einer dritten etwas mehr. Die Personen dürften sich in keinen anderen Faktoren voneinander unterscheiden, insbesondere nicht im gesunden Lebensstil; und man würde den tatsächlichen Alkoholkonsum unabhängig kontrollieren.
Die epidemiologischen Auswertungen in den Ernährungs- und Gesundheitswissenschaften erfüllen in der Regel gar keine dieser Anforderungen. Stattdessen befragt man Personen nach ihrem Alkoholkonsum und erhebt dann weitere Daten zum Lebensstil und der Gesundheit. Aufgrund dieser Selbstangaben und mehr oder weniger objektiver Daten zur Demografie und Gesundheit errechnet man dann, wie stark der Alkoholkonsum und bestimmte Erkrankungen gemeinsam auftreten.
Für den Umschwung im Jahr 2023 gab es gar keine neuen Untersuchungen, sondern nur eine andere Art der Auswertung. Über Jahrzehnte galt die J- oder Hockeyschläger-Kurve in der Epidemiologie des Alkoholkonsums als Konsens. Das heißt, bei moderatem Konsum im Vergleich zur völligen Abstinenz waren die Personen sogar etwas gesünder. Das war sozusagen die Delle nach unten im J oder Schläger. Erst ab höheren Mengen nahmen die Krankheitsrisiken zu.
Forschende aus dem Bereich der Gesundheitswissenschaften im englischsprachigen Raum werteten die bekannten Daten dann anders aus. Dafür entfernten sie aus der Gruppe der Abstinenten diejenigen Personen, die vorher viel Alkohol getrunken und krank geworden waren. Allein durch diese Maßnahme verschwand das J- oder Hockeyschläger-Muster und kam man auf eine steigende Linie der Krankheitsrisiken, mit der sich jetzt behaupten lässt: Es gibt keinen risikofreien Konsum, das Krankheitsrisiko steigt mit jedem Tropfen Alkohol!
Darauf, wie ehrlich diese Form der Kommunikation ist, komme ich am Schluss zurück. Erst will ich auf die gesellschaftlichen Folgen der neuen Empfehlungen eingehen.
Politischer Umschwung
Die neue Botschaft wird nicht im luftleeren Raum verbreitet. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten zur Aufbesserung der Staatsfinanzen werden immer wieder auch Konsumsteuern erhöht. Genussmittel wie Alkohol und Tabak sind hierfür beliebte Ziele. Wenn die Wissenschaft immer wieder auf deren Gesundheitsrisiken hinweist, lassen sich damit Steuererhöhungen begründen: Man wolle nur die Bürgerinnen und Bürger vor sich selbst schützen.
Auch hier gibt es eine gewisse Paradoxie: Wenn nämlich der (angeblich) gesundheitsfördernde Effekt eintritt und tatsächlich weniger Menschen die Mittel kaufen, fallen auch weniger Steuern an. Die Kalkulation geht aber insbesondere dann nach hinten los, wenn durch zu hohe Preise der Schmuggel zunimmt. Das ist jetzt schon in manchen Ländern bei Zigaretten der Fall. Anstatt die Staatsfinanzen zu verbessern, fallen dann im Gegenteil höhere Kosten für Zollkontrollen, Gerichtsverfahren und Gefängnisstrafen an. Geschmuggelt wird übrigens trotzdem, so lange das finanziell lukrativ genug ist. Dazu ein anderes Mal mehr. Bleiben wir hier beim Alkohol.
Laut Medienberichten ist es für Deutschland jetzt eine ausgemachte Sache, dass das für Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren sogenannte „begleitete Trinken“ verboten wird. Hierüber gibt es viele Missverständnisse. Man liest häufig, Jugendliche dürften erst ab 16 Jahren alkoholhaltige Getränke kaufen und trinken, Letzteres unter Aufsicht der Erziehungsberechtigten aber schon ab 14 Jahren.
§ 9 im Jugendschutzgesetz regelt aber nur die Abgabe und den Konsum alkoholischer Getränke „in Gaststätten, Verkaufsstellen oder sonst in der Öffentlichkeit“ (Absatz 1). Meines Wissens ist der Konsum alkoholischer Getränke unter 16 Jahren im Privaten in Deutschland gar nicht geregelt. Das heißt, der Umgang mit Alkohol obliegt dann der elterlichen Fürsorgepflicht.
Wenn jetzt zum Beispiel neben vielen anderen Medien Tagesschau.de (12.08.2026) vom seit Generationen üblichen „Glas Sekt für den Enkel bei Opas rundem Geburtstag oder auch ein Bier bei der Jugendweihe“ berichtet, das laut Kabinettsbeschluss abgeschafft werden solle, verfehlt das schlicht das Ziel. Schon die Überschrift „Kein Alkohol mehr für 14- und 15-Jährige“ verrät mangelnden Sachverstand in der Redaktion.
Sinn oder Unsinn?
Schon am 26. September 2025 hatte der Bundesrat auf Initiative der Landesgesundheitsminister die Abschaffung der genannten Ausnahme im Jugendschutzgesetz gefordert. Wenn das Bundeskabinett und schließlich der Bundestag dem folgt, wird das aber am Trinken im familiären Kreis nichts ändern. Insofern sind zahlreiche Medienberichte irreführend, die ein Verbot des Alkoholkonsums unter 16 Jahren beschreiben.
Wenn das Gesetz aber ein großer Wurf mit einem allgemeinen Verbot werden sollte, handelt sich der Gesetzgeber ein neues Durchsetzungsproblem ein. Sollen dann Kontrolleure der Gesundheitsministerien oder besser gleich die Polizei Stichproben auf Familienfeiern vornehmen, um den Alkoholpegel Jugendlicher festzustellen? Das dürfte dem Verhältnis von Staat und Bürgern kaum förderlich sein.
Doch auch hier gibt es ein Alkohol-Paradox: Der Konsum des Genussmittels ist nämlich auch bei Jugendlichen zunehmend „out“. Hatten, so der Alkoholatlas, im Jahr 2001 noch 84 Prozent der zwölf- bis 15-jährigen Jungen und 80 Prozent der Mädchen schon einmal Alkohol getrunken, waren es zwanzig Jahre später nur noch 44 beziehungsweise 40 Prozent. Das heißt, in nur einer Generation hat sich der Konsum auch ohne Gesetzesänderung halbiert.
Der Verweis auf die angeblichen Gefahren für die Gehirnentwicklung ist unglaubwürdig. Würde ein gelegentlicher Konsum von geringen Mengen Alkohols das Gehirn kaputtmachen, dann wären wir Menschen schon vor Jahrtausenden ausgestorben. Übrigens enthalten auch reife Früchte geringe Mengen des „Nervengifts“. Sollen Kinder und Jugendliche darum auf Obst verzichten?
Somit weckt die geplante Gesetzesänderung schon auf der Begründungsebene erhebliche Zweifel. Mit Blick auf die zu erwartenden Folgen sieht das Bild aber noch schlechter aus. Ein Blick ins Nachbarland Niederlande, wo gerade beim Jugendschutz schon länger strengere Regeln gelten, macht das deutlich. Damit und den inneren Widersprüchen der Gesundheitswissenschaften beschäftigen wir uns im zweiten Teil: Was würde ein Alkoholverbot für Jugendliche bringen? (Ab 20.08.2026, 13:00 Uhr verfügbar.)
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Hallo Herr Schleim,
ich finde es gut, dass sie sich mit dem Thema Alkohol befassen.
Das wird immer dringlicher, die Zugbegleiter beklagen immer mehr Betrunkene im Zug.
Die Bahnpolizei muss sich mit betrunkenen Obdachlosen herumärgern,
Ein Verbot von Alkoholausschank im Bahnhofsbereich ist zwar sinnvoll, was tun, wenn die Fahrgäste schon betrunken am Banhof eintreffen?
Der Sinn einer Verschärfung für den Verkauf und auch Gebrauch von alkoholischen Getränken ist, dass die Polizei eine gesetzliche Grundlage hat um alkoholisierten Menschen ein Platzverbot aussprechen zu können.
@NI: Alkohol & Verwahrlosung
Interessantes Beispiel: Das sollte einem aber doch zu denken geben, wenn a) die Menschen nachweislich immer weniger trinken aber b) z.B. am Bahnhof immer mehr Betrunkene Probleme verursachen.
Meine Voraussage: Wenn man jetzt Alkohol am Bahnhof verbietet, dann a) können sich Leute immer noch vor dem Bahnhof betrinken und dann im Bahnhof Probleme verursachen und b) wird man das Problem nur an einen anderen Ort verschieben.
Hier in den Niederlanden sieht man das Problem in vielen Stadtzentren, doch dann häufiger auch mit harten Drogen.
Wer immer noch nicht verstanden hat, dass wir es mit einem Problem der sozialen Verwahrlosung zu tun haben… Wie könnte man es dem noch besser erklären?
Daraus ein drogenpolitisches Problem zu machen, ist reine Symptombehandlung und verschlechtert die Schicksale nur noch weiter. Wer das auch noch im Namen des Gesundheitsschutzes tut, der sollte mal tief in sich gehen.
Man verbietet Genussmittel, weil sich eine Mehrheit für ihr Verbot findet, nicht, weil es einen sachlichen Grund dafür gäbe. Dass die Prohibition umso mehr Fahrt aufnimmt, je weniger Menschen was mit Alkohol am Hut haben, ist also logisch.
Normalmenschliches Verhalten zu ignorieren ist allerdings auch normalmenschliches Verhalten.
Die ganzen Verbotsdebatten sind einfach fehlerhaft konstruiert – die Verbietenden und ihre Motivation sind de facto sakrosankt. Man darf zwar sowohl den Befürwortern wie Gegnern eines Verbots unlautere Motive unterstellen, so viel das Herz begehrt. Es ist auch Allgemeinwissen, dass es bei Verboten vor allem um Kontroll- und Herrschsucht geht und um den Spaß an der Hetzjagd.
Nur folgt einfach nix daraus. Sobald es dann ans Verbieten geht, blendet das Doubelthink diese Fakten aus, sowohl Wähler wie Politiker wie Mehrheiten wie Interessengruppen dürfen sich unbehelligt als objektive Richter und Experten profilieren, die nichts als das Wohl der Allgemeinheit im Sinne haben, Menschen Menschlichkeit zu unterstellen, gilt als Verleumdung, meist wird’s einfach ignoriert, aus Höflichkeit und guten Manieren. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
Sie brauchen keinen Alkohol, um sich wie Gott Allmächtig zu fühlen. Verbieten reicht.
Solange Bigotterie und Heuchelei und Privatinteressen die Debatten pervertieren dürfen, ist alles moralisch erlaubt und das einzige Verbrechen ist es, erwischt zu werden. Gilt nicht für Begleiterscheinungen wie Gewaltverbrechen, wo halbwegs eindeutig ein Opfer zu finden ist. Dass Sie sich nicht mehr um Verbots-Debatten scheren müssen, als um jedes andere Lallen irgendwelcher zugedröhnter Irrer, heißt nicht, dass Sie betrunken Auto fahren dürfen, Leute anpöbeln oder in Gesellschaft potenzieller Opfer trinken, falls Sie wissen, dass Alkohol Sie gewalttätig macht.
Sonst wären Sie ja auch nicht besser als die Verbieter, und man dürfte Ihnen alles verbieten, denn Fair Play wäre schon mal aus dem Spiel. Auf freiwilliger Basis.
@Paul S: Verbotslogik
Das mag sozialpolitisch (leider) alles stimmen –
das macht es aber nicht besser und entschuldigt vor allem nicht die verzerrte Darstellung in der heutigen Mainstream-Wissenschaft.
Problem der sozialen Verwahrlosung.
Das stimmt, jeder sieht es, und trotzdem geht die Einkommensschere zwischen den Besitzenden und den Unterprivilegierten immer weiter auf.
Dass die Betrunkenen nur das Symptom sind, das stimmt auch.
also, worum geht es mir ?
Es geht um die Sozialdienste, die überfordert werden. Es geht um die Polizisten, die mit 55 ausgebrannt sind. Wir haben einen in der Verwandtschaft.
Es geht um die Jugendlichen, die orientierungslos der Alkoholwerbung ausgesetzt sind.
Es geht nicht um den Alkohol als Genussmittel. Es geht um eine Ächtung des Alkoholmissbrauchs. Und hier muss der Staat Kante zeigen. Im Straßenverkehr sollte die Grenze auf 0,4 Promille abgesetzt werden.
Auf öffentlichen Plätzen , in Parkanlagen müssen Saufgelage unter Strafe gestellt werden.
Wussten sie, dass viele Frauen nicht mehr durch Parks ohne Begleitung gehen, weil sie angst haben vor alkoholisierten Jugendlichen?
Paul S. „die Verbietenden und ihre Motivation sind de facto sakrosankt.“
Was denn sonst ? Die kommen nicht aus der Hölle, weil die von den Alkoholkranken schon überfüllt ist.
Du hast keine Wahl. Für Reglementierung oder dagegen.
@ Stephan Schleim
Zitat: „Wer immer noch nicht verstanden hat, dass wir es mit einem Problem der sozialen Verwahrlosung zu tun haben… Wie könnte man es dem noch besser erklären?“
Genau die soziale Verwahrlosung, hervorgerufen durch den Verlust an Arbeitsplätzen, z.B. der Niedergang der Autoindustrie (Auslagerung der Arbeitsplätze) in Amerika und das Elend der Autowerker die im „Drogensumpf“ gelandet sind, ist auch ausgerechnet, dem Milliardär Trump aufgefallen.
Sein nicht ganz „konventioneller“ Kampf gegen die „Dealer“ und für Arbeitsplätze in Amerika, ist seine etwas „spektakuläre“ Antwort.
Bei uns sind die „Trinkerzahlen“ aus Ihrer Statistik offensichtlich deswegen zurück gegangen, weil die Zahl der Alkohol bedingten Verkehrsunfälle (und Todeszahlen) ungefähr ab den 60 er Jahren stark zugenommen hat und drastische Alkoholkontrollen und Führerscheinmaßnahmen zu einem massiven historischen Rückgang geführt haben. Wer verliert schon gerne seinen Führerschein?
Seit den 1970er-Jahren sanken die alkoholbedingten Verkehrsunfälle mit Personenschaden um rund 74 Prozent, und die Gesamtzahl der Verkehrstoten ging von über 21.000 (im Jahr 1970) auf unter 3.000 pro Jahr zurück. Das kann man „Erfolg“ nennen!
Es gab zwar auch früher schwerste Unfälle, wenn der Kutscher betrunken vom Kutschbock gefallen ist und vom eigenen Gefährt überrollt wurde, aber die Pferde kamen auch so zuhause an….
Bei den zunehmenden „Bahnhof/Zugproblemen“ scheint es schwieriger. Ehepartner lassen sich halt scheiden, wenn es zu arg wird.
Die Polizei hat kaum eine gesetzliche Grundlage um gegen alkoholisierte Menschen ein Platzverbot aussprechen zu können.
Der „Gesundheitsschutz“ scheint ein eher „privates Problem“…….
Realo
„Der „Gesundheitsschutz“ scheint ein eher „privates Problem“…
So ist es. Für die Gesundheit ist jeder selbst verantwortlich. Oder doch nicht ?
Man könnte, wie bei dem Führerschein einen Gesundheitspass einführen. Wer keinen Akohol trinkt, der zahlt weniger bei der Krankenversicherung. Wer alkoholisiert aufgegriffen wird, der zahlt mehr.
Das ist natürlich problematisch, den Polizeistaat wollen die meisten nicht.
Deswegen sollten wir kleine Brötchen backen und die Bierwerbung im Fernsehen verbieten. Das würde schon mal ein Zeichen setzen.
Stephan Schleim schrieb (17. Aug. 2026):
> […] Wissenschaftstheoretisch gilt, dass man zur Entdeckung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen unter kontrollierten Bedingungen – idealerweise im Labor – intervenieren muss.
Soll heißen:
Um Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu entdecken (und womöglich nachzuweisen), müsste (unbedingt, Ausnahms-los) interveniert werden ??
Das mag zwar für Gesundheitswissenschaften weitgehend gelten; in einigen anderen Feldern ist „Intervention“ aber eher ein Fremdwort …
Ich möchte Folgendes (Vorschlags-weise) gegenüberstellen:
Sofern sich Fall für Fall überhaupt feststellen lässt, ob „die vermeintliche Ursache vorlag“, oder nicht, und ob „die vermeintliche Wirkung eintrat“, oder nicht
(wobei beide Feststellungen möglichst ohne „verbindende Neben-Auswirkungen“ zu machen sind, also weder „Placebo“, noch „Nocebo“, sondern am besten „doppel-blind“, usw.),
dann: je signifikanter und je reiner die ermittelte Korrelation, desto stärker der Nachweis einer betreffenden Ursache-Wirkungs-Beziehung.
(Es wäre deshalb auch schwierig bis falsch zu fordern, dass die o.g. Feststellungen von Ursachen bzw. von Wirkungen „voneinander unabhängig“ zu sein hätten.)
@ NI 18.08.2026, 09:27 Uhr
Zitat: „Deswegen sollten wir kleine Brötchen backen und die Bierwerbung im Fernsehen verbieten. Das würde schon mal ein Zeichen setzen.“
Das würde ich auch so sehen. Werbeverbote für „problematische Produkte“ beeinträchtigen eher nicht unsere Sicht von „Freiheit“. Allenfalls könnte sogar, psychologisch geschickt, vorsichtig in die „andere Richtung manipuliert“ werden.
„Verhaltensmuster“ aufgezeigt werden, wie Tabak, Alkohol und andere „Süchte“ positiv überwunden werden könnten….
Realo, du hast doch praktische Erfahrungen aus der DDR Zeit.
Gab es ein Alkoholproblem in der Arbeiterklasse ?
Und wenn es so war, was hat die Partei dagegen unternommen.?
@ Schleim
Nicht nur Konsumsteuern. Die alten Römer führten die Klosteuer ein, mit der Begründung: Geld stinkt nicht. Wenn also der Alkoholkonsum zurückgeht und auch weniger geraucht wird, muß der Staat dafür sorgen, daß eine andere Sucht gezüchtet wird, die man dann mit einer Steuer belegen kann. Wenn die Sucht dann auch wieder an ihr Ende kommt, dann eben Klosteuer.
Das ist gar nicht nötig. Man muß nur dafür sorgen, daß der Mensch es sich selbst verbietet -als Gewissensbiß. Die katholische Kirche hat’s doch vorgemacht. Überhaupt lese ich aus ihrem Text heraus, daß so mancher Wissenschaftler früher Priester geworden wäre. Ich bin der Hirt und ihr die Schafe und ich sage euch, wo es lang geht. Wahlweise ein Optimum an Gesundheit oder Himmelreich. Es gibt also immer die einen, die sich zu Vormündern aufwerfen und die anderen, für die es bequem ist, unmündig zu sein. Ist seit Kant bekannt.
@NI: Alkohol-Paradox
Aber inwiefern wiederholen Sie hier nicht den Fehlschluss: Es wird immer weniger getrunken, auch unter Jugendlichen (dazu konkrete Zahlen in Teil 2), also lasst uns Alkohol härter regulieren.
Sie anerkennen die Diagnose, dass das Problem soziale Verwahrlosung ist. Aber die Lösung soll dann trotzdem drogenpolitisch sein. Die Polizei hat so auch schon genug Aufgaben.
Ich bezweifle ja, dass es die Gesellschaft verbessert, schon sozial benachteiligte Menschen noch härter zu bestrafen. Aber für den Wahlkampf der Konservativen eignen sich solche Parolen, ja.
@Realo: Alkohol und Straßenverkehr
Dass die beiden (genauso wie Straßenverkehr und andere Drogen) nicht gut zusammenpassen, ist klar.
Der Rückgang der Verkehrstoten hat nicht nur mit der härteren Regulierung von Alkohol zu tun, sondern mit a) verbesserten Autos und b) sichereren Verkehrswegen.
Von der Absenkung der heute schon (insbesondere für Fahranfänger) niedrigen Schwellenwerte sollte man keine große Verbesserung mehr erwarten. Das Problem sind Leute, die stark betrunken trotzdem Auto fahren. Und das wird ja – völlig zu recht – hart bestraft.
Die Gurtpflicht wurde gerade zum Höhepunkt des Alkoholkonsums eingeführt, nämlich 1976. Die sahen damals übrigens nicht wenige Bürger*innen als Einschränkung ihrer Freiheit an. Das habe ich im heutigen Indien noch so miterlebt.
@NI: Werbeverbot
Ich bin generell kein Freund von Werbung. Aber da die allermeisten Menschen vernünftig mit Alkohol umgehen und ich moderaten Konsum für kein relevantes Problem halte, erwarte ich von dieser Maßnahme wenig.
Schon vor Jahren habe ich aber selbst angeregt, Alkohol (und Zigaretten) aus dem Wartebereich von Geschäften/Supermärkten zu verbannen und vor allem harten Alkohol nicht überall am Kiosk oder der Tankstelle 24h/Tag anzubieten. Gerade für Menschen, die ihren Alkoholkonsum reduzieren wollen, ist das ziemlich pervers.
@Wappler: Ursache-Wirkung
Dass gemeinsames Auftreten (Korrelation) kein Nachweis einer Korrelation sein kann, ist eine Binsenweisheit der Statistik.
Lehrbeispiel: Auch die Anzahl der Störche und die Geburtenrate korrelieren miteinander. Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung gibt es zwischen beiden trotzdem nicht.
Die erklärende Variable ist hier: In ländlicheren Gegenden fühlen sich Storchfamilien genauso wohler wie Menschenfamilien mit vielen Kindern.
Dazu gibt es sogar wissenschaftliche Arbeiten: New evidence for the Theory of the Stork
@NI, Realo: Alkohol in der DDR
Das ist ein interessantes Beispiel. Es gibt dazu ein paar Dokus (z.B. Prost Mahlzeit DDR, 2004)
Meiner Erinnerung nach gehörte in der DDR Alkohol zum Alltag, schon ab jungen Jahren. Es galt aber als verpönt, sich zu besaufen.
Alkoholismus wurde lange Zeit tabuisiert, denn im „besten System der Welt“ durfte es natürlich keine gescheiterten Existenzen geben. Ende der 1980er änderte sich das allmählich.
Ansonsten war z.B. Wein aus dem Westen auch ein beliebtes Tauschprodukt.
@Hilsebein: Religion und Alkohol
Die katholische Kirche als Vorzeigebeispiel für die Wirksamkeit von Verboten anzuführen, halte ich aber für sehr gewagt. (Allerdings gab es religionsintern die passende „Lösung“, nämlich die Beichte.)
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Z.B. in der Prohibition in den USA gab es Ausnahmen für religiöse Zwecke. Einige Priester haben sich dann a) ganz gut selbst versorgt und b) mitunter auch „gedealt“.
Ja
Es galt als verpönt, nichts zu vertragen.
Um kleinen Missverständnissen vorzubeugen, ich weiß dass es viele seriöse Politiker und Wissenschaftler gibt, und trotzdem kommt es zu den oben beschriebenen absurden Forderungen und Argumentationen.
Dazu ein Beispiel aus einer im Vergleich zur Politik niedrigeren Alltagsebene.
Bei uns im Fitnesscenter gibt es auch eine finnische Sauna zur Entspannung für vor oder auch dem Sport. Sie wird im Prospekt mit 90° beschrieben und läuft so bei ca 85°.
Jetzt gibt es hin und wieder Leut*innen, die in die Sauna mit den Worten kommen:“Puh, ist das heiß hier!“
Dann telefonieren sie mit dem Tresen und prompt kommt jemand und stellt
die Sauna auf unter 80° ein.
Das zeigt, dass eine kleine, laut schreiende Minderheit in der Lage ist einer großen schweigenden Mehrheit ihre Meinung aufzudrücken.
@Fluffy: Was ist normal?
Hmm, wem es in der Sauna zu heißt ist, der sollte sich vielleicht besser unten hinsetzen – oder in die Infrarotkabine gehen?
Passender zum Thema: Es könnte schon sein, dass wir uns zu stark an den Schwächen orientieren – und Menschen dann auch immer schwächer reagieren. Während wir übrigens in einer harten Leistungsgesellschaft leben. Das ist auch ein Paradoxon.
@ Schleim
Daher wurde „Wasser predigen und Wein saufen“ zum Sprichwort. Der Priester von heute hat doch nur die Gestalt gewechselt. Wein heißt heute Boni und Diäten. Was früher der Beichtstuhl war ist heute heute das Arztzimmer. Oder die Kirche ist dann die Weltgesundheitsorganisation. Das Prinzip ist doch das gleiche: du sollst dich des Weines, Tabaks, Fleisches entwöhnen, sonst droht dir die Hölle (Demenz, Schrumpfung des Hirns und auch deinen „ehelichen Pflichten“ wirst du nicht mehr nachkommen können, da dir erektile Dysfunktion droht.) Als Absolution werden dann nicht drei Vaterunser und ein Ave Maria gebetet, sondern man rennt mit einem Rezept in die nächste Apotheke. Wahlweise geht man zum Heilpraktiker, was die Sache auch nicht besser macht. Zu polemisch? Sicher. Aber in der Sache kommt das gleiche raus. Der Mensch von früher, der sich der Religion entledigte, wußte schon früh zu sagen: die Angst vor der Sünde ist kleiner als die Angst, nicht gelebt zu haben. Wenn jeder Tropfen des guten Weines schon bedenklich ist, dann können wir alle Weinfeste schließen (in Wiesbaden ist gerade Weinfest) und uns in einem dunklen Raum verkriechen und auf den Tod warten. Ob Religion oder Wissenschaft, man kommt nicht umhin zu hinterfragen, gerade dann, wenn durch stete Wiederholung im Gottesdienst oder in den Gazetten eine Spur ins Hirn zu legen die Absicht ist. Am Ende wird geglaubt -man hat es ja oft genug gehört.
Hier liegt ein kognitives Missverständnis vor. Du kannst gerne Deine Argumente äußern, aber diese Leute sind nicht bereit sich logischen Argumenten zu beugen.
Im Großen, wie im Kleinen.
An welchen Schwächen orientieren wir uns denn? Wir orientieren uns auch nicht an Schwachen, sondern an den Interessen von Minderheiten.
Die Frage lautet aus meiner Sicht:
Warum äußern einige Menschen solche über andere bestimmen zu wollende Sachen wie Zuckerverbot, Tabakverbot und s.o. Alkoholverbot und
warum schließen sich ihnen dann eine ganze Reihe von „Experten und Wissenschaftlern“ an?
@ NI 18.08.2026, 11:21 Uhr
Zitat: „Realo, du hast doch praktische Erfahrungen aus der DDR Zeit.
Gab es ein Alkoholproblem in der Arbeiterklasse ?
Und wenn es so war, was hat die Partei dagegen unternommen.?“
Ich selbst habe nie in der DDR gelebt, außer Urlaube nach der Wende.
Allerdings waren „Berufskumpel“ von mir, (Techniker, Elektroniker, auch Kaufleute) weltweit tätig und haben bei Treffen von ihren oft sehr interessanten Erfahrungen erzählt.
Alkoholprobleme wurden in der DDR eher verdrängt. In Russland soll man „eher mitfühlend“ mit Betrunkenen auf der Straße umgegangen sein.
Menschen sollen sich mit einer Flasche Wodka auf der Straße getroffen und gemeinsam „gefeiert“ haben. Man soll sie mit Motorrädern mit Beiwagen auf der Straße „eingesammelt“ haben, um nicht zu erfrieren und hat sie irgendwo zur Ausnüchterung untergebracht.
Stefan Schleim: Drogenpolitisch ?
Was soll denn das sein ?
Es geht nicht um die Bestrafung der Trinker, es geht darum, dass Tinken außer Mode kommt.
Fluffy hat es auf den Punkt gebracht, „es war verpönt nichts zu vertragen“ (in der DDR)
Trinken als Beweis für Männlichkeit. Dabei ist Trinken nur eine dumme Angewohnheit, genauso wie das Rauchen.
Nochmal, es geht darum die Sozialdienste nicht zu überlasten. Es geht darum , dass die Polzei in Extremfällen eine gesetzliche Handhabe hat.
Praktisch: Bei Massenveranstaltungen sollten die Veranstalter mit in die Pflicht genommen werden, das Alkoholverbot einzuhalten. Notfalls mit Geldstrafen.
Nochmal: Welche (Art von) Intervention muss (angeblich) sein ?
Stephan Schleim schrieb (18.08.2026, 16:29 Uhr):
> Dass gemeinsames Auftreten (Korrelation) kein Nachweis einer [Ursache-Wirkungs-Beziehung] sein kann, […]
… aber trotzdem Ausschlag-gebend für’s (o.g.) „Entdecken“ (anstatt „Übersehen“) ist.
Im Übrigen versteht sich Korrelation (dabei) nicht etwa als zeitlich gemeinsames (fortlaufend überlappendes) Auftreten, sondern als Auftreten jeweils am selben Exemplar bzw. im selben Fall, wobei ggf. zunächst nur die Ursache „vorlag“, während Wirkung erst anschließend „eintrat“ (falls überhaupt).
> Auch die Anzahl der Störche
… Populationsdichte (?) …
> und die Geburtenrate
… nicht etwa von Störchen, sondern offenbar: von Menschens-Kindern …
> korrelieren miteinander. […]
(Ermittelt und korreliert offenbar „je nach Gegend“; etwa „Landkreis für Landkreis“.)
In Kanada jedoch, zum (Gegen-)Beispiel, bekanntlich gar nicht.
p.s.
> […] wissenschaftliche Arbeiten: New evidence for the Theory of the Stork
… [ https://scispace.com/pdf/new-evidence-for-the-theory-of-the-stork-35bd73fwxn.pdf ] …
„Beweise für“ Ciconiologie (dem mit Störchen befassten Teilgebiet der Ornithologie, das insbesondere die Kriterien und Methodik zur Identifizierung eines gegebenen Lebewesens oder Präparates als „Storch“ darlegt — übrigens auch zur Anwendung auf in Canada vorgefundene Vogel-Exemplare) ??
Überhaupt: „Widerlegbarkeit“ oder gar „Prüfbarkeit“ irgendeiner bestimmten Theorie ?? …
Das wirkt … interventionistisch. Womöglich geht’s im o.g. Artikel doch richtiger darum, das Modell, dass „der Storch alle Menschenkinder bringt“ (und insbesondere das Modell, dass „jede Schwangerschaft durch das Zwicken eines Storches in eines der Beine der betreffenden Frau verursacht wurde“) zu testen, und die relevante Beweislage mit der betreffend andere Modelle zu vergleichen. (Sachdienlicher Weise hat immerhin mindestens eine der aufgelisteten Referenzen direkt mit Kanada zu tun …)
Zum Thema Störche zitiere ich mich mal aus den Scienceblogs nebenan:
NI 18.08.2026, 11:21 Uhr
Zitat: „In Russland soll man „eher mitfühlend“ mit Betrunkenen auf der Straße umgegangen sein.
Menschen sollen sich mit einer Flasche Wodka auf der Straße getroffen und gemeinsam „gefeiert“ haben. Man soll sie mit Motorrädern mit Beiwagen auf der Straße „eingesammelt“ haben, um nicht zu erfrieren und hat sie irgendwo zur Ausnüchterung untergebracht.“
Ich habe mir den Spaß erlaubt und die „KI Copilot“ um Interpretation des Zitates gebeten.
Sie hat mir, eigentlich recht interessant und originell, wie folgt geantwortet:
Kurzfassung zuerst: Ja, solche Szenen hat es in Russland tatsächlich gegeben – aber nicht als „romantische Tradition“, sondern als Mischung aus sozialer Realität, Kälte, Alkoholpolitik und einem gewissen fatalistischen Gemeinschaftsgeist.
Das ist kein Mythos, aber auch keine allgemeine Regel. Es beschreibt ein bestimmtes Milieu, eine bestimmte Zeit und eine bestimmte Art, mit Alkohol und Kälte umzugehen.
1. Warum man in Russland mit Betrunkenen „mitfühlender“ umging.
Russland hat mehrere strukturelle Faktoren, die dieses Verhalten begünstigt haben:
– Extreme Winterkälte.
In vielen Regionen sind −20 bis −40 °C normal. Ein Betrunkener, der draußen einschläft, stirbt innerhalb von Stunden.
→ Deshalb war es sozial üblich, jemanden aufzuheben, einzuladen,in den Hausflur zu ziehen oder zur Ausnüchterung zu bringen.
– Alkohol als sozialer Kitt.
Wodka war (und ist) ein Symbol für Gemeinschaft, Offenheit, „wir sind alle Menschen“.
→ Wenn jemand mit einer Flasche auf der Straße stand, war das oft ein Kontaktangebot, kein Problem.
– Sowjetische und postsowjetische Solidaritätskultur.
Viele Menschen lebten in engen Gemeinschaften, Arbeiterwohnheimen, Kommunalkas.
→ Man half einander, weil der Staat vieles nicht regelte.
– Geringere moralische Verurteilung von Alkohol.
„Trinken“ galt nicht als moralisches Versagen, sondern als menschliche Schwäche, die man akzeptiert.
2. Das „Einsammeln mit Motorrädern und Beiwagen“ – was steckt dahinter?
Das klingt exotisch, ist aber historisch plausibel:
– In ländlichen Regionen und Kleinstädten waren Motorräder mit Beiwagen (Ural, Dnepr) weit verbreitet.
– Wenn jemand betrunken im Schnee lag, war es praktisch, ihn in den Beiwagen zu setzen und zur Miliz, Sanitätsstation oder Nachbarn zu bringen.
– Das war keine offizielle Praxis, sondern eine informelle Nachbarschaftshilfe.
Es ist also keine Legende, sondern eine typische Szene aus dem russischen Alltag der 1970er–1990er Jahre.
„Man traf sich mit einer Flasche Wodka und feierte“ – kultureller Hintergrund.
Das ist ein bekanntes Muster:
– Wodka war ein sozialer Türöffner.
– Fremde konnten sich auf der Straße treffen, ein Gespräch beginnen, trinken, singen, diskutieren.
– Das war besonders typisch für:
– Arbeiterstädte
– Militärstandorte
– Studentenwohnheime
– Dörfer
– Postsowjetische Krisenjahre (1990er)
Es war nicht ungefährlich, aber sozial akzeptiert.
Realo Vodka und Rußland
Das ist ein gutes Beispiel, weil es die Rolle alkoholischer Getränke beleuchtet.
Alkohol ist wie Kitt, der die Besucher eines Lokales zusammenführt.
Auch in anderen Ländern ist es Sitte Besuchern ein Glas Vodka anzubieten.
„Es war/ist nicht ungefährlich, aber sozial akzeptiert.“
In englischsprachigen Ländern ist es bei Heiratsanzeigen üblich, anzugeben was für ein Mensch man ist, ein non drinker, ein social drinker.
Herr Dr. Schleim
Aus ihren Ausführungen schließe ich, wenn man den Alkoholgebrauch „verteufelt“
dann weichen die Leute auf härtere Suchtmittel aus und das wollen sie verhindern?
Fluffy schrieb (19.08.2026, 16:40 Uhr):
> […] Aber vielleicht ist hier mal ein Perspektivwechsel ganz nützlich. Wie wäre es denn, wenn nicht die Störche die Babys bringen, sondern die gebärfähigen Frauen den Störchen die Störchenkücken?
Hinsichtlich dieses Wechsel-Modells wären die o.g. Befunde „aus Kanada“ offenbar weniger relevant als solche „aus Gegenden“, in denen zwar Störche vorkommen und Nachwuchs haben, aber Menschen von vornherein praktisch gar nicht vorhanden sind.
> Es eröffnen sich sofort interessante Sichtweisen bezüglich Ursache und Wirkung
Ganz recht: von „schlagender“ (falsifizierender) Relevanz sind jeweils Befunde von „Anti-Korrelation“ — dass zwar die (vermeintliche) Wirkung auftrat, aber ein Vorliegen der (vermeintlichen) Ursache praktisch bis vollkommen ausgeschlossen ist.
Womöglich könnte man auf die Idee kommen zu versuchen, derartige Befunde durch gewisse Interventionen anzureichern (sofern sie jeweils überhaupt zu haben wären); einerseits etwa durch Hausverbot im Vancouver Zoo (wo in Kanada eben doch ein paar Störche gehalten werden), oder andererseits durch Zugangsbeschränkungen zu gewissen Biosphärereservaten (z.B. in Europa), wo Störche insbesondere vor Damen-Besuch verschont leben sollen.
Stefan Schleims obige Behauptung, dass interveniert werden müsse, halte ich aber für Übertreibung.
@Hilsebein: Von der Kirche in die Arztpraxis
Die Verschiebung bestimmter Lebensthemen vom religiösen in den medizinischen Bereich – einschließlich des psychotherapeutischen Behandelzimmers – könnte man gelegentlich weiterverfolgen.
Tja, ob es den Menschen damit heute besser geht?
P.S. Sind Sie in Wiesbaden? Das ist meine Geburtsstadt. Und ich erinnere mich noch mit Freude an die Weinfeste. Ich hatte dort jedoch eine der beiden schwersten Alkoholvergiftungen meines Lebens; die andere auf dem Oktoberfest. Ich bin beide Male schon noch selbst nachhause gekommen, zum Glück ohne mich im Bus bzw. Taxi zu übergeben. Schön war das nicht.
@Fluffy: Warnungen
Wir weisen Menschen permanent auf die Risiken von alles und jedem hin. Über Triggerwarnungen hatte ich hier geschrieben, wobei die auch Sinn haben können.
Hypothese: Wenn man den Fokus permanent darauf legt, was alles schief gehen kann, dann wird auch mehr schief gehen.
@NI: Drogenpolitik
Es wird ja schon immer weniger getrunken. Haben Sie die Grafik nicht gesehen? Trotzdem werden die Rufe nach Einschränkungen und Verboten immer lauter.
Wenn man z.B. §7 Abs. 2 (begleitetes Trinken) aus dem JSChG streicht, wird es natürlich um (Geld-) Strafen gehen. In den Niederlanden ist der Konsum unter 18 Jahren seit 2014 verboten und wird das natürlich auch bestraft.
Dann sollte man vielleicht Menschen mit psychosozialen Problemen helfen?
Die hat sie doch.
@Wappler: Ich glaube, wir reden aneinander vorbei. Befassen Sie sich vielleicht noch einmal genauer damit, wie der Begriff der Korrelation in den Wissenschaften verwendet wird.
@Fluffy: Störche und Babys
Die Frage der Richtung der Kausalität stellt sich hier nicht, weil es zwischen den Störchen und Menschenbabys keinen direkten Kausalzusammenhang geht.
Wie hier beschrieben, entsteht die Korrelation dadurch, dass es in ländlichen Gegenden sowohl mehr Störche als auch mehr Kinder pro Familie gibt.
@Fluffy, Wappler: Kausalität
Bei Kant war Kausalität eine Kategorie, mit deren Hilfe wir die Welt verstehen; laut Wittgenstein lässt sie sich auf „wenn …, dann…“-Sätze zurückführen.
In der Wissenschaft ist das eben so, dass man in einem Laborexperiment mit der Kontrolle möglicher Einflussfaktoren und Intervention der Zielvariable (z.B. werden Menschen durch Koffeingabe wacher?) die besten Hinweise auf einen Kausalzusammenhang bekommen kann.
Stephan Schleim
„Menschen mit psychosozialen Problemen helfen“
Sie wissen das, wir wissen das, man kann Nächstenliebe nicht per Gesetz verordnen.
Was man aber kann, ist , die Werbung für alkoholische Getränke zu verbieten.
Wir haben keine Garantie, dass der Rückagang beim Konsum nicht wieder ansteigt.
@ Schleim
Ja, seit 1999 lebe ich hier. Wenn Sie also wieder einmal ihre Geburtsstadt besuchen wollen, können wir uns gerne einmal auf einen Schoppen treffen bevor die Verbotsschilder kommen. 🙂
@NI: Gesetz und Mensch
Das steht so ähnlich sogar schon in der Bibel. Geschenkt, ja.
Aber man kann wenigstens versuchen, die Welt nicht unmenschlicher zu machen.
Aus meiner Perspektive ist moderater Alkoholkonsum kein relevantes Problem und hilft man den Härtefällen nicht mit einem Werbeverbot.
Aber wenn’s den Gesetzgeber glücklich macht… Ich habe da keine finanziellen Interessen und finde die Produkte, die mir schmecken, auch ohne Werbung.
Stephan Schleim schrieb (20.08.2026, 16:07 Uhr):
> […] laut Wittgenstein lässt sie [ Kausalität, Ursache-Wirkungs-Beziehung ] sich auf „wenn …, dann…“-Sätze zurückführen.
Sofern insbesondere das ergänzte Satz-Fragment „wenn bestimmte Ursache vorlag, dann tritt bestimmte Wirkung ein“ wahr/richtig ist.
Damit verbinden sich nun auch Fragestellungen nach, bzw. Relevanz von, Verneinungen oder Umkehrungen solcher Sätze:
Ist „wenn nicht …, dann nicht“ auch wahr, zumindest hinsichtlich eines betreffenden bestimmten, konkreten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ? (Denn „allgemein Sprach-logisch zwingend wahr“ wäre diese Variante offenbar nicht.)
Könnte „wenn …, dann trotzdem nicht (Glück gehabt!, Penny.)“ passieren ?
Ist „wenn nicht …, dann trotzdem“ entsprechend ein Fall von „Pech gehabt!“,
oder wäre die ganze entsprechende Urache-Wirkungs-Vermutung damit ggf. hinfällig ?
> In der Wissenschaft ist das eben so, dass man in einem Laborexperiment mit der Kontrolle möglicher Einflussfaktoren und Intervention der Zielvariable (z.B. werden Menschen durch Koffeingabe wacher?) die besten Hinweise auf einen Kausalzusammenhang bekommen kann.
Mich beschäftig die Forderung und Wertschätzung von „Intervention“ (z.B. Koffeingabe, oder z.B. wie im obigen SciLog-Artikel angedeutet: …).
Sind Hinweise auf Kausalzusammenhänge in Kosmologie und Astrophysik (wo vom Intervenieren doch grundsätzlich keine Rede sein kann) oder in der Teilchen-Physik (wo zum „Intervenieren in das kurze Leben instabiler Teilchen“ jedefalls kaum Gelegenheit besteht — abgesehen vielleicht von Neutronen, Myonen, K^0. Nicht wahr?) etwa schlechter als … in anderen Experimental-Wissenschaften ?
@Wappler: Wenn man Ursache-Wirkungs-Beziehungen sprachlich auf Wenn-Dann-Sätze zurückführen will, dann darf man in den Wenn-Dann-Sätzen nicht die Worte „Ursache“ oder „Wirkung“ verwenden, weil man sich sonst eine Zirkularität der Definition einhandelt und im Endeffekt nichts definiert.
Zu der Bedeutung von „Interventionismus“ in der Wissenschaft muss ich Sie auf allgemeine Einführungsliteratur in wissenschaftliches Arbeiten verweisen. Das kann ich hier jetzt nicht noch ausführlicher erklären.
Ich fürchte, unsere Denk-/Sprachwelten liegen so weit auseinander, dass wir nicht leicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen.
Stephan Schleim schrieb (21.08.2026, 13:14 Uhr):
> Wenn man Ursache-Wirkungs-Beziehungen sprachlich auf Wenn-Dann-Sätze zurückführen will, dann darf man in den Wenn-Dann-Sätzen nicht die Worte „Ursache“ oder „Wirkung“ verwenden, weil […]
Wenn wir uns nicht schlau und Verständnis-voll genug anstellen (wollen) — dann sind wir eben angeschmiert.
> Zu der Bedeutung von „Interventionismus“ in der Wissenschaft muss ich Sie auf allgemeine Einführungsliteratur in wissenschaftliches Arbeiten verweisen. Das kann ich hier jetzt nicht noch ausführlicher erklären.
Dann nehmen wir (SciLogs-Lesende) die betreffende (zitierte und beanstandete) Formulierung aus dem obigen SciLogs-Artikel mal mit entsprechendem Vorbehalt —
und hoffen auf andere Gelegenheiten, wissenschaftliches Arbeiten kommentarisch in den SciLogs zu debattieren.
aber vielleicht die Frage der Perspektive.
Da hier inzwischen die Worte Storch und Störche insgesamt schon 23 mal hie in gebotener Kürze einige Bemekungen dazu, um später zum eigentlichen Inhalt zurück zu kehren.
Das Original stammt nicht Pearson, wie manchmal kolportiert, sondern vom amerikanisch polnischen Statistiker Jerzy Neyman, der Daten von 54 US Counties analysierte, eigentlich eine ganz ordentliche Anzahl von Daten, im Vergleich zu so manchen soziologischen oder medizinischen Korrelationsanalysen.
Jerzy analysierte übrigens nicht nur zwei Parameter Anzahl der Störche S und Geburten G , sondern drei, nämlich auch noch die Anzahl der Frauen F.
Das klassische oft zitierte Resultat ist dabei ein Korrellationskoeffizient von 0.825 zwischen Störchen S und Geburten G.
Zusätzlich u.a.
berechnete er aber auch den Korrelationskoeffizienten zwischen den Störchen und der Anzahl von Geburten pro Frau, S vs. G/F
Das Ergebnis war -0.704, was
eigentlich zu einem deutlichen Perspektivwechsel oder auch Umdenken führe sollte.
Leider lassen sich die Entscheider o.g. Probleme nicht von solchen Argumenten beeindrucken, so wie sich ein Saunabesucher nicht vom Hinweis beeindrucken lässt doch die untere Bank zu nutzen oder eine Biosauna nutzen.
@NI
19.08.2026, 10:38 Uhr
Dann bitte ich Dich darum Dich endlich dafür einzusetzen das entsprechende REHA Einrichtungen endlich geschlossen werden. Die Menschen müssen einfach nur mal von Ihrer dummen Angehwohnheit lassen.
Normalerweise hört man dieses in meinen Augen dämliche Argument nur beim Nikotinkonsum. Da ist es allerdings auch dämlich …
Hast Du hier immer noch nichts dazu gelernt???
Uli Schoppe „dämliche Argumente“
Meine Aussage ist verkürzt und damit dämlich. Angespochen waren die Leser, die Rauchen, weil anderere Rauchen ohne zu wissen warum sie rauchen und sogar noch dabei husten.
Beim Trinken wird es komplizierter, in England nennt man die Trinker „social drinker“ wenn sie aus Höflichkeit mitdrinken ohne dass es ihnen schmeckt.
Was den Alkohol zum „Teufelszeug“ macht ist die physische Abhängigkeit, die er erzeugt. Ein Trinker der nicht seine tägliche Portion erhält fängt an zu zittern.
Für die sind die Reha Einrichtungen gedacht.
Ich bitte ausdrücklich um Entschuldigung für meine Gefühllosigkeit, an die hatte ich nicht gedacht.