Total Solar Eclipsis 2026 – nördlich von Madrid
BLOG: Meertext
Am 12.08.2026 ist mal wieder auch über Teilen Europas eine totale Sonnenfinsternis zu sehen, partiell wird es auch in Deutschland dunkel.
Wir sind dieses Jahr allerdings etwas weiter südlich, in Spanien. Darum verbringen wir unseren Jahresurlaub mit Nerd-FreundInnen bei der totalen Sonnenfinsternis, irgendwo nördlich von Madrid. Direkt auf der Bahn der „Größten Totalität“, wo das Phänomen am längsten erlebbar sein wird: Hier wird es diesmal etwas über 2 Minuten dunkel, es ist 2026 also ein recht kurzes Spektakel.
Trotzdem ist die Totalität ein großes Ding: Auf der Autobahn sahen wir vorhin Warnungen, dort nicht zum Filmen oder Photographieren stehen zu bleiben.
In Zeitungen, Sozialen Medien und anderswo wird es jedensfalls seit Wochen angekündigt.

Diese SoFi, wie Insider lässig sagen, startet über der Beringstraße und verläuft dann über Grönland, Island und schließlich über Spanien und Portugal. Sie ist parziell aber auch in anderen Teilen Norwesteuropas zu sehen – auch in Deutschland.
Das Spektakel beginnt um kurz nach 19:00 Uhr – dann schiebt sich der Mond allmählich vor die Sonnenscheibe. Zur besten Tagesschau-Zeit ist es dann schon recht dunkel und gegen 20:16 Uhr tritt dann die Totalität ein. Dann steht die Sonne schon tief am Himmel, wer nicht danach Ausschau hält und keine Nachrichten konsumiert, könnte die Verdunklung für einen etwas vorgezogenen Sonnenuntergang halten.
Zur Beobachtung sollte man sich also eine Anhöhe mit freiem Blick nach Westen suchen, Berge oder hohe Gebäude könnten die tief am Himmel stehende Sonne sonst verdecken.

Hier ist der zeitliche Ablauf – die ESA bietet gute Informationen für ganz Europa an, in Spanien sind wir etwas später dran, als in Deutschland. Nördlich von Madrid, wo wir uns unseren Platz in einer Landschaft voller historischer Städte gesucht haben, tritt die Totalität gegen 20:28 Uhr ein.

Wann die SoFi wo zu sehen ist, lässt sich z. B. auch mit dieser App bestimmen.
Wichtig: NUR mit Sonnenfinsternisbrille beobachten! Oder Lochkamera
Anleitung für Sonnenfinsternis-Neulinge: Bitte unbedingt NUR mit geeignetem Filter in den Himmel schauen!
Die ESA hat hier noch einige Sicherheitstipps zusammengestellt, ESA-Astronautin Sophie Adenot stellt sie im Video vor:
Wer nicht so recht weiß, wie er/sie die SoFi am besten angehen sollte, kann sich auch den in vielen Städten angebotenen öffentlichen Beobachtungsteams anschließen. Viele Planetarien, Sternwarten, Astro-Vereine und andere Gruppen bieten dafür Treffpunkte außerhalb der Städte an. Wer dann etwa keine SoFi-Brille mehr ergattert hat, kann das Himmelsphänomen auf dem Bildschirm oder auf andere Weise beobachten. Wir hatten den Blick durchs Teleskop für ein größeres Publikum auch schon auf den Boden projiziert, dort sind die Augen der Sonnenstrahlung geschützt.
Bitte nicht ersatzweise mit Sonnen- oder Schweißerbrillen in die Sonnen gucken, das kann die Augen schädigen.
Mein Mann gehört zum Leitungsteam der Starkenburg-Sternwarte, darum wird er mittlerweile im Minutentakt angerufen, ob es noch SoFi-Brillen gibt: Nein, die sind in Heppenheim ausverkauft.
Mit einer Lochkamera kann man aber auch ungefährdet beobachten. Man braucht eine etwas breitere Pappröhre (Paketrolle, …) Butterbrot- oder noch besser Architektenpapier (Bastelgeschäft), Schere, Klebstoff und wenig mehr.
Hier sind einige Bastelanleitungen:
- https://www.logo.de/lochkamera-anleitung-100.html
- https://www.leifiphysik.de/optik/lichtausbreitung/versuche/lochkamera-heimversuch
- https://weather.com/de-DE/neuigkeiten/deutschland/video/diy-trick-schutzt-augen-bei-der-sonnenfinsternis
- https://www.planetarium.berlin/sites/default/files/2024-01/SPB-LochkameraExperiment.pdf
- https://kiku-online.net/camera-obscura
Statt Papprolle kann man auch einen Pappkasten nehmen.
Lochkameras sind eine Erfindung aus der frühen Zeit der Bildgebungsverfahren, die schließlich in der Photographie endeten – sie heißen auch Camera obscura.
Dann drücke ich allen Interessierten die Daumen, dass morgen ein klarer Himmel in diesem Zeitraum das Himmelsspektakel gut sichtbar macht!
Ich bin ab 12:00 Uhr erstmal offline, wir sind dann draußen und vermutlich im Funkloch.
Dann kann ich wohl keine Kommenatre mehr freischalten oder moderieren.
Darum bitte ich, von Statements zur Flacherde und Skeptik zum heliozentrentrischen Weltbild abzusehen : )
Bonus-Programm: Perseidenschauer
Jedes Jahr gerät die Erde zwischen Ende Juli bis Mitte Auguts in einen besonders dichten Sternschnuppenschauer: Die Perseiden! Der von Astronomen erwartete Höhepunkt des Perseiden-Spektakels fällt ebenfalls auf den 12.08. und ist sozusagen ein Bonusprogramm zur Sonnenfinsternis. Der Mond glänzt durch fast vollständige Abwesenheit – am Freitag ist Neumond – und sorgt für eine besonders dunkle und somit gute Kulisse für die Sternschnuppen.
„Perseiden“ heißen sie, weil sie scheinbar aus dem Sternbild des Perseus auftauchen.
Solche Schweifsterne sind sicherlich schon seit der frühesten Menschheitsgeschichte ein besonderes Spektakel für die Menschen gewesen. Und Menschen suchen für außergewöhnliche Phänomene gern nach Erklärungen oder Begründungen, um sie in ihr Weltbild besser einordnen zu können. So haben die christlich geprägten Menschen des Mittelalters sich die fallenden Mini-Himmelkörper als die Tränen des heiligen Laurentius erklärt. Ein christlicher Märtyrer, der am 10. August 258 in Rom zu Tode gefoltert wurde. St. Laurentius starb einen sehr grausamen Tod auf dem Bratrost und soll heiße Tränen geweint haben.
So kamen die Perseiden, die alljährlich zum Todestag des Märtyrers um den 10. August herum auftauchten, zu ihrem Namen „Tränen des Laurentius“.
Besonders gut und zudem für die Augen ungefährlich ist eine Betrachtung der SoFi mit einem kleinen Teleskop plus Projektionsschirm. Ich habe seit meiner Jugend einen Refraktor (Linsenfernrohr) mit 6 cm Durchmesser und dazu eine parallektische Montierung auf einem schweren Stativ, das mal bei einem Geometer seine Dienste tat.
Ich befestige den speziellen Projektionsschirm, den ich für dieses Teleskop habe, direkt am Okularauszug und richte das Gerät auf die Sonne aus. Das Okular stecke ich zudem durch eine große Pappscheibe damit der Projektionsschrim auch nicht von der Sonne beschienen wird. Auf dem Schirm kann man dann wunderbar die Sonnenflecken sehen, wenn welche da sind- und eben auch eine Sonnenfinsternis beobachten. Das Praktische dabei ist, dass auch mehrere Personen gleichzeitig zuschauen können. Das Teleskop führe ich dabei im Minutentakt mit der Hand nach da ich keinen Motor an der Montierung habe.
So werde ich heute gegen abend das Teleskop vor der Haustür im Hof aufbauen und zumindest den Beginn der Sofi bis kurz nach der maximalen Bedeckung gemeinsam mit der Familie beobachten. Wegen der Berge wird etwa 20:30 Uhr Schluss für mich sein.
Wer so was „nachmachen“ will kann das auch mit einem Fernglas oder einem einfachen Monokular tun, wobei man dieses irgendwie befestigen muss, aber beweglich und nachführbar. Um das Okular sollte man ein große Pappscheibe befestigen, damit es auch einen ausreichenden Schatten gibt in dem man die Sonne auf dem dahintergehaltenen weißen Pappdeckel oder Zeichenblock dann beobachten kann. Das Scharfstellen des Bildes ist zwar etwas schwierig wenn der Aufbau nicht stabil ist, aber zu zweit sollte das zu schaffen sein.
Im SWR-Fernsehen (Sendung „Kaffee oder Tee“) wurde gestern eine aus einem länglichen Pappkarton bestehende „Lochkamera“ mit einer Projektionsfläche aus Butterbrotpapier gezeigt, mit der es auch möglich sein soll die Sonne in Projektion zu beobachten.
@Wolfgang Richter: Super Idee!!! Genau das hat mein Mann gestern noch einem Redakteur erklärt : )
Ich habe noch einige Links zu Bastelanleitungen ergänzt.
Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich mit meinem ND1000 Graufilter schon gut genug ausgerüstet sei, aber dann habe ich gelesen, dass der weder die UV-Strahlung noch die IR-Strahlung abhält und diese den Sensor einer Digitalkamera kochen können. Und auf die Schnelle einen geeigneten Solarfilter mit ND100.000 kriegen ist nicht. Nur mit Vorbestellung.
Also habe ich mir einen Rollfilm für meine alte analoge Spiegelflexe besorgt (einen Kodak Ektar 100), eine 200mm-Festbrennweite draufgemacht, den ND1000-Filter daraufgeschraubt und damit fotografiert. Ob die Bilder was geworden sind, weiß ich allerdings erst, wenn ich sie zum Entwickeln gegeben habe.
Fotografieren wie damals im Pleistozän.
@Spritkopf: Ja, für den Blick in die Sonne braucht man Super-Sonder-Spezialfilter. Hoffentlich sind Deine Aufnahmen was geworden!
Pleistozän-Photographie war mir noch gar nicht bekannt. Eine schnelle Recherche ergab, dass die besten Filme damals dünn geschabte Mammuthaut war. Manchmal lieferte auch Klippschieferhaut gute Ergebnisse. Allerdings waren die Kalkstein-Kameras unhandlich und schwer.
Hatte natürlich nicht nur die analoge Spiegelflexe dabei, sondern auch meine Spiegellose, um damit ein bißchen Landschaftsfotografie zu machen. Und ich böser Junge habe dann wie seinerzeit Wim Thoelke „RIIISIKOOOO!“ geraunt, einmal den ND1000 aufs Objektiv geklatscht und einmal kurz die Sonne geschossen. War wirklich nur ganz kurz und der Sensor scheints ohne Nachwirkungen überstanden zu haben. Hier ist das Ergebnis:
https://imgur.com/A7npSjX
Nochmal zur Pleistozän-Photographie:
Soweit ich weiß, ist die Produktion von Kalkstein-Kameras schon im Oberdevon eingestellt worden. Im Pleistozän hat man mit Eis-Einwegkameras geschossen. Man musste sich aber beeilen, sonst sind sie weggeschmolzen.
@Sichelflecken
Ist das schonmal jemand aufgefallen, dass auch die Lichtflecken auf dem Waldboden eine Sichelform annehmen? Das sieht man aber erst richtig ab 80 % Verdeckung.
Diese normalerweise recht kreisrunden Lichtflecken sind ja letztlich auch alles Sonnenabbilder von Lochkameras. Das Loch ist dann eine Lücke im Blätterdach, und der Schirm eben der Waldboden in 20 Meter Abstand.
Ich selber habe nicht rechtzeitig eine Sofibrille gekauft, und ich bin lieber zuhause geblieben, nicht dass ich mir noch die Augen schädige, wenn ich es nicht lassen kann, dennoch hinzugucken.
Also haben wir auf irgendeiner Webseite die ganze Sofi als Livestream geguckt. Und eben auch die Sichelflecken auf der hellgrauen Wand vom Kirchturm gegenüber beobachtet. Die waren so an die 40 cm groß und ganz deutlich für ca. 15 Minuten hier in Dortmund zu sehen, während sie vom Wind leicht hin und herbewegt wurden. Hätte ich mal fotografieren sollen, ich war so fasziniert, dass ich nicht dran gedacht hab.
2081 werde ich es nachholen, versprochen.
@Tobias Jeckenburger: Hast Du das diesmal beobachtet? Wir haben nämlich vergeblich darauf gewartet. Könnte vielleicht daran liegen, dass die Sonne bei uns schon recht tief stand und es schnell in die Abenddämmerung überging