Science: „Chaotische Walrettung schockiert Meeresbiologen“
BLOG: Meertext
Der „Timmy“ genannte junge Buckelwal hatte sich vor 6 Wochen in die Ostsee verirrt und war dann bald ein auf Sandbänken gestrandet. Er kam mehrfach wieder drei, strandete erneut und die Rettungsversuche blieben ohne Erfolg. Darum wollten BiologInnen und Tierärzt:innen ihn in Ruhe sterben lassen, in Rücksprache mit internationalen Wal-Fachgesellschaften und Stranding Networks..
Aber dann kochte der Volkszorn, verstärkt von Social Media hoch und andere Personen übernahmen eine Rettungsmission.
Gerade habe ich diesen Science-Beitrag „Chaotic whale rescue shocks marine biologists“ vom 04.05.26 zum letzten Kapitel der Ostsee-Reise des jungen Buckelwals von Martin Enserink gefunden. Er ist gleichzeitig Zusammenfassung und Außensicht, was an Fakten bekannt ist und wer dabei welche Rolle spielte.
Darum habe ich ihn mal übersetzt, mit Anmerkungen:
„Es wurde als Triumph präsentiert. Am Samstagmorgen wurde Timmy, der 12 Meter lange Buckelwal, der mehr als einen Monat lang vor der deutschen Ostseeküste gestrandet war, von einem mit Wasser gefüllten Lastkahn freigelassen, der ihn in die Freiheit im Skagerrak, der Meerenge zwischen Dänemark und Norwegen, transportiert hatte. Damit fand eine Rettungsaktion ihren Abschluss, die die Öffentlichkeit in Deutschland und auf der ganzen Welt in ihren Bann gezogen hatte. Ein Video zeigte Timmy, wie er Wasser aus seinem Blasloch spritzte (Anmerkung Meertext: Nein, aus dem Blasloch kommt warme Atemluft, die in kalter Umgebung kondensiert. Mit Wasser in der Lunge wäre der Wal tot), was eine deutsche Boulevardzeitung als spielerischen Abschied von seinen Rettern interpretierte (Anmerkung Meertext: Klar. Wale atmen nur, wenn sie spielerisch gelaunt sind. Sonst halten sie die Luft an (genervtes Aufstöhnen)).
Doch zwei Tage später ist unklar, ob Timmy – von manchen „Hope“ genannt – noch am Leben ist. Das privat finanzierte Rettungsteam ist inmitten erbitterter Schuldzuweisungen auseinandergebrochen, Versuche, den Wal aufzuspüren, scheinen gescheitert zu sein, und einige Wissenschaftler sagen, die Rettung habe das Tier traumatisiert. Ein Drohnenvideo des Wals am Tag vor seiner Freilassung, auf dem er sich windet und gegen die Seiten des Lastkahns schlägt, während die Crew offenbar versuchte, ihn herauszuziehen, hat Forscher schockiert (Anmerkung Meertext: Wie der Wal sich möglichst weit weg vom Motorboot im hinteren Teil der Barge aufhält und immer wieder gegen die Metallwände knallt, sieht für mich nicht gut aus. Die Aktion mit den Seilen habe ich nicht scharf sehen können. Aber der Wal will aus eigenem Antrieb offenbar nicht die Barge verlassen.) „Es ist sehr schwer anzusehen“, sagt der Ozeanograph Burkard Baschek, Direktor des Ozeanmuseums Deutschland. „Das Tier muss sehr gelitten haben.“ (Anmerkung Meertext: Jetzt ist ein angeblicher Augenzeuge aufgetaucht, der die Vorwürfe bestreitet: Die Crew habe den Wal nicht mit Seilen rausgezogen, sondern den Boden der Barge abgesenkt und sie dann beschleunigt – also unter dem Wal weggezogen.)
Deutsche Wissenschaftler hatten bereits vor über einem Monat gewarnt, dass Timmy (dessen Geschlecht nicht bekannt ist in schlechter Verfassung sei und die Rettungsaktion wahrscheinlich nicht überleben würde – und dass es wahrscheinlich erneut stranden würde, sollte es doch überleben (Anmerkung Meertext: Mehr dazu hier). Das Expertengremium für Strandungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) erklärte am 7. April, dass „palliative Pflege“ – das Tier am Strand zu lassen, es aber nass zu halten und eine ruhige und friedliche Umgebung zu schaffen – „die einzig verantwortungsvolle, humane und pragmatische Reaktion“ sei. (Anmerkung Meertext: Weitere Statements mit dem gleichen Inhalt hatte ich hier vorgestellt).
Doch die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, wo Timmy den größten Teil der letzten sechs Wochen verbrachte, genehmigte die Rettung, nachdem das Tier zu einer Mediensensation geworden war. „Man würde hoffen, dass deutsche Behörden den Rat der Wissenschaftler befolgen, aber sie haben ihn ignoriert“, sagt ein Meeresbiologe, der anonym bleiben möchte, weil er Konsequenzen befürchtet.
Nun fordern einige eine umfassende Untersuchung. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt Fabian Ritter, Meeresbiologe und Walforscher bei der Nichtregierungsorganisation M.E.E.R.
Wal-Strandungen sind häufig und rätselhaft (Anmerkung Meertext: Jein. Mittlerweile sind manche dieser Rätsel gelöst). Ungewöhnliches Wetter oder schlechter Gesundheitszustand können dazu führen, dass Wale stranden (Anmerkung Meertext: Wie es hier vermutlich zutrifft), aber Wissenschaftler haben auch vermutet, dass Sonar (Anmerkung Meertext: Für Bartenwale irrelevant, da sie kein Sonar haben) oder magnetische Störungen durch Sonnenstürme (Anmerkung Meertext: Blödsinn, da die Zeiten der Sonnenstürme nicht mit den Daten für z B Massenstrandungen von Pottwalen in der Nordsee zusammenpassen) eine Rolle spielen könnten. Ob ein Rettungsversuch sinnvoll ist, hängt von Faktoren wie der Größe, dem Alter und dem Zustand des Wals ab, seinem Standort, der Dauer der Strandung, den logistischen Anforderungen und den Erfolgsaussichten.
Timmy strandete erstmals am 23. März am Timmendorfer Strand – von dem sich auch sein Name ableitet – in der Nähe der Stadt Lübeck an der deutschen Ostseeküste. Trotz mehrerer Versuche, ihn bei Flut in tiefere Gewässer zu treiben, strandete Timmy jedes Mal erneut, so Baschek. Schließlich landete er auf einer Sandbank weiter östlich, in der Nähe der Insel Poel.
Gestrandete Wale überleben selten länger als ein paar Tage; ihr schieres Gewicht zerquetscht ihre Organe. Timmy überlebte viel länger, zum Teil, weil er teilweise im Wasser lag (Anmerkung Meertext: Ich frage mich, ob auch sein jugendliches geringes Gewicht dabei eine Rolle spielte. Er hatte ja bei weitem noch nicht das Gewicht eines erwachsenen Buckelwals.). Aber er war schwach und reagierte nicht, sagt Baschek, und entwickelte Hautläsionen, ein Anzeichen für eine „Süßwasser-Hautkrankheit“. (Die Ostsee ist nicht nur tückisch flach, sondern auch weniger salzig als das offene Meer.) Der Wal hatte zudem Seilstücke und Netzteile im Maul, die möglicherweise bis in seine Speiseröhre und seinen Magen reichten. Am 1. April kamen Wissenschaftler zu dem Schluss, dass es das Beste sei, das Tier friedlich sterben zu lassen – eine Empfehlung, der die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern zunächst zustimmte (Der Direktor des Meeresmuseums ist selbst kein Wal-Experte, zitiert hier aber die Wal-Wissenschaftler des Meeresmuseums und von ITAW und spricht für sie).
Doch nach einem öffentlichen Aufschrei habe die Regierung „eine Kehrtwende um 180 Grad vollzogen“, so Ritter, und einer privaten Gruppe, die von zwei wohlhabenden Unternehmern finanziert wurde, erlaubt, eine Rettungsaktion durchzuführen. Till Backhaus, Landesminister für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei, sagte, er habe nach einem Besuch am Rettungsort eine „Verbindung“ zu Timmy gespürt, und erklärte letzte Woche, er sei „kurz davor gewesen, ins Wasser zu springen, um dem Wal zu helfen, die letzten Meter zu überwinden“. Backhaus’ Partei, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, liegt in Umfragen für die bevorstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern hinter der rechtsextremen Alternative für Deutschland zurück, bemerkt Ritter: „Ich glaube, er ist in den Wahlkampfmodus gewechselt.“ (Anmerkung Meertext: Till Backhaus hatte übrigens für seinen Timmy-Besuch u a eine Sitzung geschwänzt, bei der um den Schutz der Ostsee und auch um die vom Aussterben bedrohten Ostsee-Scheinwale ging. Das zeigt deutlich, wieviel ihm am Walschutz gelegen ist),
Etablierte Walforscher weigerten sich, an der Rettung teilzunehmen, sagt Baschek, der die Aktion als „Tierquälerei“ bezeichnet. Zu den zentralen Figuren der Aktion gehörten stattdessen Danny.Firstclass, ein deutscher Influencer und rechtsextremer Aktivist, dessen richtiger Name Danny Hilse ist, sowie Sergio Bambarén Roggero, ein peruanischer Autor spiritueller Geschichten über den Ozean, der häufig als „Walflüsterer“ bezeichnet wird.
Bald kam es zu Konflikten. Jenna Wallace, eine ehemalige Tierärztin im Miami Seaquarium, die sich Mitte April dem Team angeschlossen hatte, verließ es nach vier Tagen. In einem deutschen Fernsehinterview behauptete sie, Hilse und Bambarén hätten Timmys Leben gefährdet und dazu geführt, dass das Team eine wichtige Gelegenheit verpasst habe, mit dem Transport zu beginnen. Sie sagte, das Duo sei nur wegen „der Klicks, Likes und um dumme Bücher zu verkaufen“ dabei gewesen. (Hilse und Bambarén Roggero reagierten nicht auf Anfragen für einen Kommentar).
Nachdem das Team einen speziellen Kanal gegraben hatte, durch den Timmy schwimmen konnte, gelang es ihm schließlich, das Tier auf das Lastschiff zu bringen, das letzte Woche in die tieferen Gewässer der Nordsee geschleppt wurde.
Die letzten Tage der Aktion verliefen chaotisch. Drohnenaufnahmen vom Freitagabend zeigten Besatzungsmitglieder, die offenbar versuchten, Timmy mit einem an seiner Schwanzflosse befestigten Seil aus dem Lastschiff zu ziehen. Die Bilder entsetzten Experten; da die Schwanzflosse größtenteils aus Bindegewebe und Muskeln besteht und keine Knochen aufweist, könnte das Ziehen daran schwere Schäden verursachen. „Regel Nr. 1 bei einer Walrettung: Man zieht niemals, niemals, niemals einen Wal an seiner Schwanzflosse“, sagt Ritter. „Das zeigt wirklich, dass diese Leute nicht wussten, was sie taten.“
Der Versuch am Freitag, Timmy aus dem Lastkahn zu befreien, scheint gescheitert zu sein, und Aufnahmen von der Freilassung am nächsten Morgen wurden nicht veröffentlicht. Eine der an der Mission beteiligten Tierärztinnen, Kirsten Tönnies, sagte, sie habe sich dem Tier während der Freilassung nicht nähern dürfen; in einem Interview kritisierte sie die Schiffsbesatzung scharf, die sie ihrer Aussage nach belogen und diejenigen an Bord „verraten“ habe, die versuchten, das Tier zu schützen.
Auch die beiden wohlhabenden Geldgeber der Aktion haben sich von den Ereignissen distanziert und erklären, die Eigentümer und Betreiber der beiden an der Mission beteiligten Schiffe seien verantwortlich. „An Bord des Lastkahns wurde keine der zuvor besprochenen, geplanten und uns mitgeteilten Maßnahmen … ergriffen, um den Wal vom Schiff zu befreien; auch die erforderliche Untersuchung durch unsere Tierärzte … wurde nicht zugelassen“, schrieben sie am Samstag in einem offenen Brief.
Das IWC-Gremium hatte die Retter aufgefordert, Timmy einen Satellitensender anzubringen, um sein Schicksal zu verfolgen und aus der Aktion zu lernen. Das Team scheint dies getan zu haben, und Nachrichtenberichten zufolge sendete der Sender zunächst ein Signal aus. Doch offenbar ist er inzwischen verstummt. „Bedauerlicherweise haben wir nur sehr wenige Informationen“, sagt Ritter.
Baschek sagt, es bestehe eine „große Wahrscheinlichkeit“, dass Timmy bereits gestorben ist und in 700 Metern Tiefe im Skagerrak liegt.“
Eine Version dieses Artikels erschien in Science, Band 392, Ausgabe 6798.
Online erschien der Beitrag Chaotic whale rescue shocks marine biologists am 04.05.2026
Dieser Science-Beitrag zeigt das Chaos bei der versuchten Rückführung des Buckelwals gut auf. Das unprofessionelle Vorgehen ohne Dokumentation, ohne Zuständigkeiten, in dem offenbar jede/r machte, was er/ihr am ehesten passte, ist wirklich unglaublich. Ohne Dokumentation und Bildaufnahmen lässt sich das Ende des Meeressäugers nicht rekonstruieren, es bleibt bei wütenden gegenseitigen Schuldzuweisungen. Zur Diskussion um angebliche Daten des ominösen Senders empfehle ich diesen Artikel, in dem sich BiologInnen und TierärztInnen, die solche Sender nutzen dazu äußern.
Ihr Fazit:
– heute wird dafür kein Walfinne mehr angebohrt, sondern die Technik per Saugnapf befestigt
– ein GPS-Tracker kann keine Vitaldaten übermitteln
– der Sender ist ausgefallen – offenbar haben die „Walretter“ ihn nicht vorher auf Funktionsfähigkeit überprüft
– das bestätigt erneut die Unprofessionalität des Rettungsteams
Die hier zu Wort gekommen Wal-Experten wie Fabian Ritter und Peer Madsen schätze ich sehr, beide sind sehr erfahren mit Walen.
Ich hatte ja auch bereits in Antworten auf Kommentare geschrieben, warum der Tod des Wals nach seinem Verschwinden in der Nordsee wahrscheinlich sehr wahrscheinlich war. Angebliche Sendersignale bewerte ich skeptisch, solange sie nicht ordentlich dokumentiert werden, z B durch einen Screenshot o ä.
Es tut mir von ganzem Herzen leid für diesen jungen Wal, der noch so viele Jahrzehnte vor sich gehabt hätte.
Und ich hoffe ebenfalls von ganzem Herzen, dass möglichst viele Menschen seinen tragischen Tod nun zum Anlaß nehmen, sich wirklich für Walschutz zu engagieren. Dieser Artenschutz gelingt nur durch den Schutz der Lebensräume der Wale: Also Meeresschutz und Klimaschutz!
Dafür könnte man sein eigenes Verhalten hinterfragen und ändern und natürlich entsprechend wählen – schließlich stehen gerade Landtagswahlen vor der Tür.
@RPGNo1 hatte mehrere gute Beiträge dazu verlinkt, den GEO-Artikel finde ich ausgezeichnet (Danke dafür, @RPGNo1). Darin ist auch noch einmal die politische Dimension zwischen dieser Tierrettung eines Individuums und den extremistischen Auswüchsen rund um den Wal beschrieben: Zumindest eine der Personen des Rettungsteams haben offenbar Nähe zur AfD. Dazu GEO: „Ausgerechnet die AfD und Naturschutz? Die Partei lehnt Klimaschutzmaßnahmen ab, hält an fossilen Brennstoffen fest, will Düngereinschränkungen lockern und auch Einschränkungen der Fischerei abschaffen. Wie passt das zusammen?“
@Bettina Wurche
Bitte, gerne geschehen. 🙂
Ich bedanke mich im Gegenzug für deine erkenntnisreichen begleitenden Kommentare zu dem ganzen Themenkomplex inklusive dem aktuellen Artikel.
Guten Tag,
meiner Meinung ist ihr Beitrag nicht neutral und objektiv. Diese Situation gab es vorher so noch nie- ein Wal strandet mehrfach und schwimmt dazu nach fast 20 Tagen bei höherem Wasserstand von alleine wieder los. Da hätte er nach Experten Meinungen schon längst tot sein sollen. Sie behaupten aber ohne vor Ort gewesen zu sein, wissenschaftlich eine 100%ige Prognose abgeben zu können.
Dass es chaotisch war, ist unumstritten, aber um das beurteilen zu können muss man vor Ort sein und selbst vor die Entscheidungen gestellt werden, die dort zu treffen waren.
Dazu finde ich persönlich hre in Klammer geschrieben Kommentare überheblich und nicht sachlich.
Ich bin, was dieses Thema angeht nur Laie, ich kann aber sagen, dass man in seinem Beruf immer für unkonventionelle Ideen offen bleiben und stets über den Tellerrand schauen sollte um sich weiter zu entwickeln.
mfg
@Antje R.: Haben Sie verstanden, dass der größte Teil des Beitrags eine Übersetzung eines Textes aus Science war? Können Sie einschätzen, wer von den dort Zitierten sich tatsächlich mit Walen auskennt?
Haben Sie die drei Beiträge, die ich davor geschrieben habe, gelesen und verstanden? Und verstanden, wer und was die Quellen dafür waren/sind und wie ich zu meiner Einschätzung gekommen bin?
Ich habe genug lebende Wale gesehen, an Großwalstrandungen mitgearbeitet und Nekropsien mit durchgeführt, um zu sehen, dass es diesem Tier nicht gut ging und mich mit Strandungen auszukennen.
Die Personen und Fachgesellschaften, die ich zitiert habe, haben extrem viel Erfahrung. Ich lese viele ihrer Dokumentationen und Publikationen und lerne stetig dazu.
Fabian Ritter, Peer Madsen u a Walexperten haben gute Gründe für ihre Einschätzungen, die sei auch erklärt haben – und ich teile sie.
Bei Feldarbeit muss man tatsächlich immer für alles offen sein. Ohne Frage. Darum haben die hier beteiligten Wissenschaftler sich ja auch mit Fachkollegen, die mehr Erfahrung mit Großwal-Lebendstrandungen haben, abgestimmt. Wie in meinen Beiträge immer wieder verlinkt ist. Darum wären auch die Dokumentation und Daten zur letzten Reise des Buckelwals so wichtig gewesen, um daran weiter zu lernen.
Oder meinen Sie mit „unkonventionell“ die TierärztInnen, die noch nie mit Walen gearbeitet haben und gern die Außenmeinung vertreten sowie die Selbstdarsteller und Spiritualisten?
Das ist nicht „unkonventionell“ sondern unprofessionell. Genauso wie die nicht vorhandene Kooperation dieser Leute untereinander.
Vielen Dank für diese fachlich fundierte Information.
Ich zweifelte auch von Anfang der „Rettungsaktionen“ an, ob das richtig ist, was da Laien machten oder machen wollten.
Auf Fachleute zu hören ist offensichtlich für die (meisten) Beteiligten kein Thema gewesen. Dass sogar die Landesregierung diese Aktionen zuließ wirft kein gutes Licht auf sie.
@Wolfgang Richter: In einem Artikel (ich glaube, Ostseezeitung) stand, dass Till Backhaus dem letzten Rettungsteam Vorgaben gemacht haben soll. Z B, die Tracker-Daten an ihn weiterzuleiten. Dem sind die Beteiligten allerdings nicht nachgekommen. Was in dem Chaos und der Unprofessionalität nicht sehr überraschend war.
Peinlich, wie die sogenannten Helfer und ihre scheinheiligen Finanziers schimpfen, weil mit dem sterbenskranken Tier keine Free-Willy-Szene gedreht werden konnte. Aber positiv für mich: Tierschutz liegt den meisten Menschen offensichtlich sehr am Herzen. Welche Wal- und Meeresschutzorganisation würden Sie mir für eine Spende empfehlen?
@Peter Köhler: Ich hoffe, dass möglichst viele dieser walinteressierten Menschen nun auch auf die Ostsee-Schweinswale und den Ostseeschutz aufmerksam geworden sind. Das wäre ein schönes Vermächtnis.
Ich persönlich halte mich an wissenschaftsbasierte NGOs wie WWF, BUND, NABU. Die arbeiten auf allen Ebenen, auch der politischen und haben spezielle Projekte für langfristigen Ostsee- und Schweinswalschutz. Statt Einzelaktionen ist deren Ziel der Schutz ganzer Lebensräume, nur das ermöglicht sinnvollen Artenschutz. Aber da gibt es sicherlich auch andere, die gute Arbeit machen.
In diesem Fall fand ich auch Thilo Maack von Greenpeace sehr sachkundig, aber ich persönlich bin seit einigen Aktionen kein Greenpeace-Fan mehr.
@Peter Köhler
Ich spende seit mehreren Jahren dem NABU. Mich überzeigt, dass er soliden praktischen Natur und Umweltschutz leistet, ohne darum viel Tamtam zu machen. Dazu ist der Verein auch skandalfrei.
Guten Morgen @Bettina Wurche,
danke für Ihre Einordnung!
Es hinterlässt mich ratlos und irritiert, welche Auswüchse Wissenschaftsfeindlichkeit mitunter annimmt. Dass ausgerechnet AFD-Sympathisanten sich als Tierretter inszenieren können, zeigt, welches Ausmaß an Doppelmoral Teile der Gesellschaft zu akzeptieren bereit sind.
@Peter Gutsche: Danke. Ja, darumn ist mir sehr wichtig, immer wieder auf diese Ambivalenz von Tierschutzextremismus (Hier: Timmy-Rettung) und echtem Natur/Klima/Umwelt/Artenschutz hinzuweisen. Ich finde, dass in diesem Fall auch viele Medien gute Arbeit geleistet haben, diese Dissonanzen u Widersprüche zu analysieren
Schön, (erneut) was Sachliches zum Thema zu lesen.
Ich fürchte schon daß die fragwürdige Kehrtwendung der Politik was zu tun hat mit dieser Volksseuche, daß es wichtiger ist laut zu schreien daß man zu den vermeintlich Guten gehört, als vernünftig über Lösungen nachzudenken.
Sicher sind da auch viele dabei die ehrliches Mitleid empfinden aber gerade den größten Lautsprechern dürfte es v.a. um das eigene Renommee gehen.
Ob Wählen etwas ändert? Hier wird ja nicht zufällig auf einen Vertreter der Sozialdemokratie hingewiesen als obersten Umfaller, diese Verlogenheit gibt es leider nicht nur auf der rechten Seite.
@Bettine Wurche
Der verlinkte Artikel auf t-online ist weniger wegen Timmy interessant als vielmehr, dass er das Phänomen des Walsturzes/Walfalls erklärt. Obwohl das Ereignis wegen der geringen Tiefe der Nordsee wenig wahrscheinlich erscheint.
Trotzdem: Eine solche Information bekommt man in den Medien selten geboten. Daher gibt es von mir ein 👍 für t-online.
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/tiere/id_101241228/wal-timmy-der-walsturz-das-traurige-ende-fuer-den-ostsee-buckelwal.html
@RPGNo1: Danke fürs Verlinken. In der Nordsee wird es keinen solchen Walsturz wie in der Tiefsee geben. Timmy dürfte wesentlich schneller von wesentlich unspektakuläreren Aasfressern vertilgt werden. Dazu wird er von starken Strömungen sicherlich über einen weiten Bereich verdriftet.
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https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tiere/toter-wal-vor-daenischer-insel-anholt-offenbar-buckelwal-accg-200834193.html
Es wurde nun bestätigt. Der tote Buckelwal vor Dänemark ist Timmy. Man hat den Tracker gefunden.
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/tiere/id_101257140/wal-timmy-buckelwal-liegt-tot-vor-daenemark-identitaet-bestaetigt-.html
Man muss es klar benennen. Das Geld, was die private Initiative zur Rettung aufgebracht hat, wurde für nichts außer unnütze Publicity verbrannt. Wie ich bereits vor ein paar Wochen schrieb, wäre es für Naturschutzprojekte in der Ostsee, z.B. dem Schutz der Schweinswale, weitaus sinnvoller angelegt gewesen.
Ich befürchte, dass nun leider eine weitere Schlammschlacht über die Medien und sozialen Medien ausgetragen wird, wer welche und wieviel Schuld an dem fehlgeschlagenen Rettungsversuch hat, ob man nicht hätte früher eingreifen können und so weiter. Und ich bin mir ziemlich sich, dass radikale und aktivistische Gruppen und Personen das Thema auch im kommenden Wahlkampf in MV aufgreifen werden, um sich zu profilieren.
@RRGNo1: Ja, ich habe auch gerade die Bestätigung gesehen.
Auch wenn es leider vorhersehbar war, macht es mich, wie jede Walstrandung sehr traurig.
Ich hoffe, dass es eine Nekropsie geben wird.
Und ich hoffe immer noch, dass dieser Wal mehr Menschen für Wal-u Ostseeschutz sensibilisiert hat!
Stattdessen befürchte ich, dass es noch eine weitere mediale Schlammschlacht gibt und dann der nächste Medienhype den dringend notwendigen Wal- u Meeresschutz schnell vergessen lassen wird
Hat die Aktion wenigstens neue Erkenntnisse gebracht, wie man theoretisch einem gestrandeten Wal helfen könnte, selbst wenn es für dieses Tier zu spät kam? Oder war das eine Methode, wo eigentlich klar war, dass dem Tier Verletzungen zugefügt werden?
Dann Ersteres, dann wäre wenigstens etwas gewonnen.
@Thorsten P.: Ja, ich fände eine Nekropsie auch wirklich wichtig. Das Strandungsteam aus ITAW, Meeresmuseum, … hat sicherlich seine Daten und Ergebnisse gesichert. Die danach agierenden „Walretter“ wohl eher nicht. Und die Dänen wollen keine Bergung durchführen und damit auch keine Untersuchung. Eine Bergung durch deutsche Institutionen würde viel kosten, wegen der Entfernung, dafür dürfte kein Geld da sein.
Halte ich also für unwahrscheinlich.
https://www.stern.de/gesellschaft/buckelwal-timmy-ist-tot–warum-das-eine-gute-nachricht-ist-37403350.html
@RPGNo1: Der Artikel bringt es auf den Punkt. Auch wenn ich die Statements der zitierten Sozialphilosophen angesichts unseres Wissensstands zu Kultur, Ich- und Gruppenidentität, Sprachen und mehr von Walen für überholt halte.
Wäre es nicht eigentlich angebracht, dass die Geldgeber der unsäglichen „Rettungsaktion“ jetzt mindestens auch die Nekropsie finanzieren? Damit das Ganze überhaupt noch ein wenig Sinn ergibt?
Oder wäre das zu gefährlich für die beteiligten Menschen (Seeleute, Wissenschaftler etc.)?
@U.I.M.: Nein, mit den Wal-erfahrene BiologInnen und TierärztInnen dürfte das bei einem toten Tier unproblematisch sein.
Die Bergung in dänischen Gewässern würde aber administrativen Aufwand bedeuten.
Ja, ich bin sehr gespannt, ob die Walbegeisterung der „Walretter“ jetzt soweit reicht, dass sie zumindest helfen, die noch vorhandenen wissenschaftlichen Daten zum Wohl anderer Wale zu sichern.
Ich gehe allerdings eher davon aus, dass sie abtauchen.
Bin auch gespannt, ob ihr Treiben noch ein juristisches Nachspiel haben wird. Allein das Anbohren der Finne zur Befestigung eines nicht auf Funktionsfähigkeit überprüften Trackers hat zumindest mich ziemlich wütend gemacht. Stand der Wissenschaft sind Saugnäpfe zum Anbringen und natürlich das Überprüfen eines Geräts.
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/gesellschaft/id_101265806/wal-timmy-darum-blaeht-sich-der-kadaver-auf-explosionsgefahr-droht.html
Tja, hätte man den Buckelwal friedlich vor der deutschen Küste sterben lassen, wie es die ECHTEN Experten forderten, dann wäre er fachgerecht obduziert und wissentlich untersucht worden, und man hätte sicherlich ein Schwung von wichtigen Erkenntnissen gewinnen können. Diese Chance wurde vertan, weil „des Volkes Bauchgefühl“ obsiegte.
https://archive.is/dA1F5
@RPGNo1: Das ist eine richtig gute Analyse!
@Mary Schmaland: All Ihre Fragen habe ich in den vorhergehenden Artikeln lang und breit beantwortet.
Mit „sogenannte Experten“ meinen Sie vermutlich die TierärztInnen und BiologInnen, die mit Beratung anderer Wal-ExpertInnen aus anderen Ländern mit mehr Walstrandungen nach bestem Wissen und Gewissen vorgegangen sind.
Steht auch alles in den vorigen Artikeln, in epischer Breite.
https://www.spiegel.de/panorama/justiz/ostseewal-timmy-staatsanwaltschaft-mit-anzeigen-und-hinweisen-ueberhaeuft-a-ca63b62d-b0cc-47f6-8aa9-81cd0f751a1c
Über diesen Irrsinn kann man nur noch den Kopf schütteln. Diese Anzeigenersteller haben anscheinend nichts besseres zu tun.
@RPGNo1: Es ist wirklich der totale Wahnsinn, wie jetzt alle versuchen, einen Sündenbock auszumachen.
Das hilft leider dem Buckelwal nicht mehr und wird auch keinen anderen Wal retten.
@Mary Schmaland
Streichen Sie das „sogenannt“ von den Experten. Diese Leute haben tatsächlich Ahnung von der Materie, weil sie sich seit vielen Jahren mit Walen und Walstrandungen beschäftigen.
Damit stehen sie ganz im Gegensatz zu solchen eitlen Selbstdarstellern wie dem Youtuber und Aktivisten Lehmann (der gerne auch mal seine Vita mit Halb- und Viertelwahrheiten aufhübscht), der Kleintierärztin Tönnies oder MediaMarkt-Gründer und Multimillionär Gunz, die mit vor allem mit Ignoranz „brillieren“ oder auch mit aggressiven Angriffen gegen ihre Kritiker und Experten auffallen.
https://onkelmichael.blog/2026/05/27/und-der-wal-blast-nimmermehr/
@RPGNo1: Onkel Michael – ergriffen von Melvillescher Raserei : )))
Da habe ich sofort den Prediger aus Moby Dick, personifiziert von Orson Welles, vor Augen und in den Ohren!
„Timmy“ wird zu Wasser, Biodiesel und Zementgrundlage verarbeitet. Dieses Ergebnis hatten die selbsternannten Walfreunde und -retter sicher nicht auf dem Bildschirm.
https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/odyssee-durch-die-ostsee-buckelwal-kadaver-wird-zu-biodiesel-verarbeitet-a-e84a3e5d-b836-4f03-a228-b9c6ea1fdff4
https://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/live–wal-lebte-nach-freisetzung-nur-noch-maximal-fuenf-tage-37250004.html
Den letzten Halbsatz muss man sich besonders auf der Zuge zergehen lassen. 🙁
@RPGNo1: Ich kann zum unrühmlichen Ende dieses armen Wals echt nichts mehr sagen : (
https://archive.is/8NkJC
Geldgeber und Guru erklären sich zur Walrettung. Besser gesagt, sie sehen keinen Anlass zur Selbstkritik oder haben Einsicht, dass sie falsch gehnadelt haben. Das ist schlicht peinlich.
@RPGNo1: Exakt so haben sie sich ja auch alle verhalten – sonst hätten sie ihre Handlungen dokumentiert, Daten gesammelt, … Nein, einfach frei nach Schnauze, der Wal konnte ja nicht wegschwimmen
Vielen Dank für diesen informativen Artikel und deine einordnenden Kommentare. Es tut mir leid, dass du dafür beschimpft wurdest. Ein weiterer Hinweis darauf, wie wichtig es ist, gegen die Flut an Volkszorn-Aktivistinnen anzukämpfen.
@Reinhold: Gern. Hier geht es ja noch. Die meisten „meiner“ KommentatorInnen sind ja höflich, konstruktiv, bringen interessante Aspekte oder korrigieren Fehler, manche sind mir total ans Herz gewachsen!