Schiffshalter im Manta-Mors

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Remoras (Echeneidae) heißen im Deutschen Schiffshalter – es gibt drei Gattungen und mehrere Arten. Allerdings heften sie sich nur selten mit ihrer Saugplatte am Kopf – einer Umbildung der ersten Rückenflosse an Schiffe oder Taucher. Stattdessen saugen sie sich an große Wale, Fische, Haie und Rochen oder Meeresschildkröten. Dann reisen die schlanken Fische per Anhalter durch die warmen Meere. Ihr Haftorgan hält sie zuverlässig an ihrer Position meist auf der Unterseite ihrer Mitschwimmgelegenheit. So erwischen sie Reste der Beute, sie picken aber auch Parasiten von der Haut. Mit ihrer Stromlinienform und der großen Saugkraft ihrer lamellenförmigen Saugscheibe sind sie auch bei stärkeren Strömungen sicher „verankert“ und lösen sich erst, wenn sie es wollen. Liegt der Wirt auf dem Bauch, heften die mitreisenden Fische sich aber auch an der Oberseite oder gar kopfüber an.

Duncan Wright (User:Sabine’s Sunbird) – en: Image:Nurse shark with remoras.jpg
Nurse shark Ginglymostoma cirratum with remoras Remora sp. Bimini, The Bahamas. (Wikipedia: Remora)

Einige Remoras suchen sich aber einen ungewöhnlichen Platz am Transportfisch aus: In der Kloake von Mantarochen.
Ein Team um die Meeresbiologin Emily Yeager hat gerade sieben solcher Beobachtungen publiziert, unter ihrem Skeet auf Bluesky bei der Vorstellung der Studie ergänzten weitere Biologen ähnliche Beobachtungen. Dazu kommen noch Beobachtungen, dass die Remoras offenbar auch in andere Körperöffnungen einzudringen versuchten: In die Kiemenspalten der riesigen Rochen.

Cloacal Diving – Kloaken-Tauchgang

Beobachtungen der letzten 15 Jahre an allen drei derzeit beschriebenen Mantarochen-Arten (Mobula yarae, Mobula birostris und Mobula alfredi), zeigten Kloaken-Tauchverhalten von Schiffshaltern sowohl bei jugendlichen als auch bei erwachsenen Mantarochen, in mehreren Ozeanbecken. Es ist also ein weit verbreitetes, wenn auch noch nicht so oft beschriebenes Phänomen.

Außerdem haben die Biologen noch eine Beobachtung, bei der sich Echeneidae unterhalb der Kiemenschlitze eines Wirts festgesaugt haben, sowie mehrere Fälle von Kiemenverletzungen, die auf ein Eindringen von Echeneidae hindeuten.
Diese Beobachtungen tragen zur wachsenden Datenbank über Verhaltensinteraktionen zwischen Echeneidae und Wirten bei und bilden eine wichtige Grundlage für das Verständnis des Ausmaßes, der Vielfalt und der Dynamik dieser viel diskutierten, schwer fassbaren Wechselwirkungen zwischen Megafauna und Symbionten in marinen Lebensräumen.

Dazu gehört auch, dass es bei ökologischen Beziehungen einen breiten Graubereich zwischen Mutualismus und Parasitismus gibt.

Auch wenn das Verhalten der Remoras des Andockens an großen Meeresbewohnern seit Langem bekannt ist, ist die Deutung schwierig – über die Wechselwirkungen der Mantarochen-Wirte und der saugnapfbewehrten Fischsymbionten auf ihren Wegen durch die offenen Ozeane ist noch wenig bekannt.

Inwieweit die Mantas darunter leiden, ist also zurzeit nicht abzuschätzen. Wenn ein halber Fisch aus der Kloakenöffnung heraushängt, dürfte der Manta auf jeden Fall inkontinent sein. Ob und wie die Remora in der Kloake die Fortpflanzung stören könnte, vermag ebenfalls niemand einzuschätzen: Bei Haien und Rochen findet eine innere Befruchtung statt – das Männchen führt zur Spermienübergabe seine Klasper in die Kloake des Weibchens.

Ein fremder Fisch in den Kiemen bzw. Verletzungen der Kiemenspalten könnten sich jedenfalls negativ auf die Atmung auswirken. Gerade diese Verletzungen werfen viele Fragen auf, von denen die meisten vermutlich nicht zu beantworten sind.

Emilys Schlußfolgerung unter ihrem Skeet zur Publikation trifft ins Schwarze: „Most importantly though, the ocean is cool, fish are weird, and there’s so much more for us to learn about how (and why) organisms interact with one another!“.
Ein Fisch, der sich im After oder der Atemöffnung eines größeren Meerestieres festsaugt, ist definitiv weird!

Remoras auf Buckelwal – aus der Fischperspektive

Dieses Video stammt von einer Kamera auf einem Buckelwal in australischen Gewässern und zeigt, welchen Strömungen die Fische ausgesetzt sind.

Ihre Saugnäpfe sind also extrem stark! Darum wird dieser Spezialsaugnapf als Vorbild für technische Anwendungen genutzt.

Bettina Wurche in Portsmouth

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Auf dem Science-Blog „Meertext“ schreibe ich über meine Lieblingsthemen: Biologie, Zoologie, Paläontologie und das Meer. Wale, Fische und andere Meeresgetüme. Tot oder lebendig. Fossile Meere, heutige Meere und Meere der Zukunft. Die Erforschung, nachhaltige Nutzung und den Schutz der Ozeane. Auf der Erde und anderen Welten. Ich berichte regelmäßig über Forschung und Wissenschaft, hinterfrage Publikationen und Statements und publiziere eigene Erlebnisse und Ergebnisse. Außerdem schreibe ich über ausgewählte Ausstellungen, Vorträge, Bücher, Filme und Events zu den Themen. Mehr über meine Arbeit als Biologin und Journalistin gibt´s auf meiner Homepage “Meertext”.

8 Kommentare

  1. Es ist skurril, dass sich Schiffshalter sich in Kloaken oder Kiemenspalten festsaugen. Welchen Nutzen haben sie davon, ihren Transportmittel Schaden zuzufügen? Wie soll ein Schiffshalter ausreichend Nahrung finden, wenn er in einer Körperöffnung feststeckt? Als Laie würde ich ja denken, dass es besser für sie ist, wenn sie frei vom Meereswasser umspült werden.

  2. @RPGN01: Genau das ist hier die Frage! Der Fisch ist dort auf jeden Fall besser geschützt vor den starken Strömungen – er könnte die Körperöffnungen des Mantas als Fahrgastzelle nutzen. Eine andere mögliche Erklärung könnte sein, dass er Brocken aus dem Fäkalstrom schnappt oder aus dem Durchstrom der Kiemen. Allerdings hat der Manta dann schon die meisten Plankton-Leckereien herausgefischt. Bin wirklich gespannt, ob man da je herausfinden kann. Wenn man doch bloß die Remora interviewen könnte!

  3. Vielleicht sind das ja Fetisch-Fische oder der Festhalte-Punkt wird zufälliger gesucht als man denkt. So viele Möglichkeiten und so schwer zu erforschen.

  4. @ RPGNo1
    14.05.2026, 10:23 Uhr

    Kann es nicht einfach sein, dass diesese Verhalten einfach keinen relevanten Nachteil mit sich bringt? Remora kommen so oder so zB an genug Nahrung oder Sauerstoff?
    Dann wäre es doch „Energieverschwendung“ daran etwas zu ändern.

  5. Konnte man das Geschlecht der Rochen feststellen?
    Wenn nur Männchen diese Gäste haben, würde das doch keinen Einfluß auf die Vermehrung der Rochen haben.
    Oder aber sie sitzen da, weil sie Appetit auf Baby-Rochen haben.

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