Rezension: „Expedition ins Unbekannte“ – Unterwasser-Archäologie

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Unterwasser-Archäologie finde ich unglaublich faszinierend. Darum habe ich kürzlich auch mit großem Vergnügen die Terra X-Folge „Schätze unter Wasser“ geschaut: Darin stellt der Unterwasser-Archäologe Florian Huber vier europäische Wissenschaftsprojekte vor – ein Unterwassermuseum in der Ägäis, steinzeitliche Pfahlbauten auf den Äußeren Hebriden, Tiefseeforschung vor Madeira und ein Wrack in der Ostsee. Kenntnisreich und gut erklärend führte er uns an diese vier europäischen submarinen Forschungsstätten. Im Interview mit den ExpertInnen vor Ort lädt er zum Mit-Erkunden und Mit-Entdecken ein und tauchte auch selbst mit. Da versunkene Schiffe und andere Artefakte gern von Meereswesen als fester Untergrund besiedelt werden, geht Kultur- und Naturwissen dabei Hand in Hand.

So hatte Florian Huber für einen Tauchgang vor der portugiesischen Insel Madeira neben den berühmten Tierfilmern Kirsten und Joachim Jakobsen in ihrer “Lula 1000” Platz genommen. Die Jakobsens und ihr privates Tauchboot (Rebikoff-Niggeler-Stiftung) waren mir seit ihrer spektakulären Beobachtung einer Tiefseeanglerin mit ihrem angehängten Zwergmännchen inmitten eines Strahlenkranzes aus weit ausragenden  Flossenstrahlen und aufgespanntem Schleimnetz bekannt.

Darum nahm ich das Angebot von Buch Contact, den Unterwasser-Archäologie-Bildband mit Florian Huber als Herausgeber (Herder Verlag) zu rezensieren, gern an!

Florian Huber: „Expedition ins Unbekannte“ © Verlag Herder GmbH

„Expedition ins Unbekannte“

In „Expedition ins Unbekannte – Spektakuläre Schiffswracks der Tiefsee“ geht es in größere Tiefen. Gerade dort ist die Suche nach archäologischen Faktoren noch sehr jung, da dafür große technische und somit auch finanzielle und logistische Herausforderungen zu meistern sind. Auch wenn es in diesem Band nicht immer in die Tiefsee geht, sondern manchmal auch „nur“ in 100 Meter Tiefe wie in der Ostsee, dem Gardasee oder dem Ärmelkanal bleibt, sind diese Forschungsexpeditionen durchweg spektakulär.

Florian Huber hat hier vor allem die Einführung beigesteuert und ein Kapitel zum Schiffsbohrwurm. Dann führen Kapitel für Kapitel die beteiligten Forschenden (darunter auch das Ehepaar Jakobsen) die Leserschaft durch ganz unterschiedliche Szenarien mit großartigen Bildern. Jedes Kapitel erzählt vom Suchen und Finden, vom Tauchen und Bergen. Neben den technischen Details zum Tieftauchen geht es dabei auch um die staubige Suche in Archiven nach Hinweisen zur letzten Reise der Wasservehikel. In der Rekonstruktion der Fahrt und des Sinkens sowie der Umstände des Unglücks steckt die ganze Dramatik von Seegefechten zwischen Kriegsschiffen und den Kämpfen mit Stürmen und Eis. Vor Hunderten von Jahren rissen diese Schiffe Hunderte, manchmal gar über Tausend Menschen mit in den Tod. 

An die Vorstellung besonders spektakulärer Bergungsmissionen schließt sich ein zweiter Teil an, in dem es um das Verhältnis von Menschen und Tiefsee geht. Darin finden sich dann auch biologische Kapitel und noch mehr Backgroundinformation zur Tiefwasser-Archäologie.

Bei einigen Schiffsnamen stutzte ich zunächst – das liegt daran, dass gerade Kriegsschiffsnamen innerhalb einer Marine über die Jahrhunderte hinweg immer wieder vergeben werden. So kommt im Buch ein Flaggschiff der Royal Navy namens HMS Victory vor – allerdings war diese Victory lange vor der Schlacht von Trafalgar gesunken. Es handelte sich also nicht um Nelsons berühmtes Flaggschiff, das heute im Portsmouth Historic Dockyard ankert und, wie die Flagge zeigt, immer noch im aktiven Dienst steht, sondern eine frühere Victory. Von der ich noch nie gehört hatte.

Johan Rönnby: “Das Geisterschiff der Ostsee – Aufrecht am Meeresgrund“

Ende des 17. Jahrhunderts sank vor der schwedischen Insel Gotland ein kleines niederländisches Handelsschiff, eine sogenannte Fleute. Das Wrack steht aufrecht auf dem Meeresgrund in 125 Metern Tiefe, in totaler Dunkelheit. Wegen der niedrigen Temperaturen der Ostsee leben hier keine Schiffsbohrmuscheln (Teredo navalis) und auch andere biologische Aktivität ist reduziert, dadurch bleiben hölzerne Rümpfe oft perfekt erhalten. Dieses und andere Wracks in der Nähe bilden die Bedeutung der Ostsee und der Insel Gotland für Handel und Politik dieser Zeit ab.

Solche leistungsstarken Frachtsegler waren mit ihren großen Laderäumen das Rückgrat der frühzeitlichen Weltwirtschaft. Der Ostindien-Handel und die Rohstoffe aus den Kolonien in der neuen Welt brachten Amsterdam und anderen niederländischen Seestädten großen Reichtum, die Waren wurden auch über die Ostsee weiter nach Osten und Norden transportiert. Tausende Handelsschiffe brachten Manufakturerzeugnisse, exotische Gewürze und Stoffe sowie Salz dort hin und nahmen Eisen, Kupfer, Kalk, Holz und Getreide als Ladung für den Rückweg auf.

Per Tauchroboter (ROV) erkundete das Team um den Meeresarchäologen Johan Rönneby Details der Ladung im Innern – durch eine Luke waren zerborstene Fässer und ein paar Holzschuhe zu erkennen. Sie entdeckten die Bordküche mit dem Herd sowie Überreste eines geschnitzten hölzernen Schwans, der ursprünglich am Heckspiegel angebracht war – möglicherweise hieß das Schiff „Schwan“.
Außerdem fanden sie Hinweise darauf, dass das kleine Schiff ein Leck bekam und die Besatzung es beidrehte, um das Beiboot zu Wasser zu lassen und sich zu retten.

Einige Gedanken zum Glauben ans Schicksal und Gottesfurcht der Seeleute dieser Zeit vervollständigt den Artikel und hinterlässt einen beklemmenden Eindruck vom Leben an Bord.

“Das Wrack vor den Dry Tortugas – Spanien, das Jahr 1622 und die erste Tiefseeausgrabung der Welt“

Die mit geraubtem Gold und Silber beladenen Galeonen des spanischen Imperiums sind schon fast Klischees von Schatzsucher-Abenteuern.
Viele davon verschwanden nicht weit vor den amerikanischen Küsten auf ihrer langen und gefährlichen Überfahrt zur iberischen Halbinsel. Gerade in flacher liegenden Wracks verheddern sich oft die Netze von Fischern. So ist durch Fischer seit den 1960er Jahren bekannt, dass in manchen Abschnitten der Floridastraße Schiffswracks liegen.

Aber erst die Tauchrobotertechnik der Neuzeit erlaubte ab den 1990er Jahren ihre Erforschung: In diesem Fall stellte sich das recht kleine Schiff aufgrund seiner Abmessungen als die 1622 gesunkene Buen Jesus y Nuestra Senora del Rosario heraus. Zu ihrer Ladung gehörten neben Goldbarren und Münzen auch Eisenwaren, Weinkrüge, Öl und andere Lebensmittel sowie Damenschuhe. Wesentlich kostbarer waren drei bronzene Astrolabien, goldene Rosenkranz-Perlen, Tintenfass und Schreibsandbehälter aus Onyx sowie eine in Nürnberg hergestellte kunstvolle Sonnenuhr aus Elfenbein.

Für mich noch spannender sind die weniger kostbare Funde, die helfen, den Alltag der Besatzung zu rekonstruieren. Ein Beispiel dafür sind die 64 Stücke Schildpatt und Schildkrötenpanzer. Vermutlich haben die Seeleute die Schildkröten als lebenden Proviant mitgeführt und dann nach und nach geschlachtet und gegessen. Aus dem hornigen Schildpatt ihrer Rückenpanzer hat dann ein Besatzungsmitglied der Buen Jesus Läusekämme und Etuis geschnitzt, was als Freizeitbeschäftigung beliebt war. Außerdem gehörte zur Besatzung auch eine Schiffskatze, wie ein Kieferknochen belegt. Da aber 32% der an Bord gefundenen Knochen von Ratten stammten, war die einzelne Katze wohl recht überfordert. Die Nager fraßen sich an Bord durch Mehl, Zwieback, Kichererbsen, Bohnen und Fleisch und waren, wie andere zeitgenössische Berichte erzählen, auf den Schiffen eine große Plage.

„SMS Scharnhorst – Das Seegefecht bei den Falklandinseln 1914“

Bis zu diesem Artikel wusste ich nichts über die Aktivitäten der Deutschen Marine während des 1. Weltkriegs im Südpazifik und -atlantik. Die Erklärung für europäische Geschwader in den südlichen Ozeanen sind die in Südostasien und Südamerika gelegenen Kolonien und Handelspartner. Es galt, die eigenen Kolonien zu schützen und den Handelsverkehr der anderen Nationen zu stören. So war bei Kriegsausbruch 1914 das Ostasiatische Kreuzergeschwader der Kaiserlichen Marine vor den Marianen und stieß dort in Seegefechten vor Coronel und den Falklandinseln auf die Royal Navy.

(Anmerkung Meertext: Die Falkland-Inseln sind von Europa aus zwar sehr abgelegen, werden aber von England immer wieder vehement verteidigt – den meisten Europäer:innen dürften sie erst mit dem Falkland-Krieg bekannt geworden sein. Sie liegen an strategisch wichtiger Position und sind das Eingangstor zur Antarktis. Die Antarktis wiederum ist aus geopolitischer Sicht wichtig, lange Zeit auch wegen der Walbestände. Die Großwale waren schwimmende Öl- und Fleischressourcen und waren gerade für das Deutsche Reich von hoher Bedeutung. So diente die berühmte Schwabenland-Expedition nämlich der Erkundung der Ausbeutung der antarktischen Walbestände, um die „Reichsfettlücke“ zu schließen. Allerdings entschieden sich die deutschen Verantwortlichen dann, dass es einfacher sei, Walfangschiffe anderer Nationen auf der Heimfahrt aufzubringen, statt selbst eine Walfangindustrie aufzubauen.
Darum kommen mir wegen der Wale, der Nähe zur Antarktis und meiner Kontakte zur Royal Navy die Falklands immer mal wieder unter, aber Gesprächsparter:innen muss ich meist erstmal erklären, wo die sind).

In den Seegefechten im November und Dezember 1914 in „schwerer See“ (Anm. Meertext: Mich schaudert bei dem Gedanken daran, was das hier heißen mag) brachten die moderneren Schiffe der Kaiserlichen Marine den englischen Geschwadern zunächst starke Verluste bei. Daraufhin entsandte die englische Admiralität weitere und modernere Schiffe und es kam vor den Falkland-Inseln erneut zum Kampf. Diese Gefechte sind aus verschiedenen Quellen gut dokumentiert und lesen sich wie ein Thriller. Schließlich siegten die schnelleren und stärkeren englischen Schiffe und versenkten mehrere deutsche Kreuzer – es soll der größte Sieg der Royal Navy seit Trafalgar gewesen sein, fast 1900 deutsche Seeleute starben.

Fern von Europa geriet diese Seeschlacht in Vergessenheit. 2014 stieß der auf den Falklands geborene Meeresarchäologe Mensun Bound auf das Thema und schaffte es, eine Expedition auszurüsten und zu finanzieren – dafür wurde 2022 die Stiftung Falklands Maritime Heritage Trust gegründet.

Die Suche nach der Position der versenkten Kreuzer Scharnhorst und Gneisenau war allerdings schwierig: Bei der Abfassung ihres Berichts hatten die englischen Offiziere ihre Positionen nur schätzen können. Zur Mittagszeit hätten sie zwar die Position der Sonne nehmen können, waren aber bereits auf Gefechtsstationen und hatten darum keine Zeit dafür. Am Nachmittag verhinderte die Wolkendecke die Positionsbestimmung. Die Erschütterungen bei Granateinschlägen und dem Abfeuern der eigenen Geschütze sorgten für Kompaßabweichungen. Dann gab es Augenzeugenberichte für die letzten Sichtungen von Land aus. Aus diesen vagen Daten rekonstruierten die Historiker und Archäologen das Suchfeld, das sie fünf Monate lang mit einem umgebauten ehemaligen Jagd-U-Boot der Navy per Side Scan Sonar absuchten. Vergeblich. Erst die Rückkehr ein Jahr später mit modernerem Schiff und zwei großen Tauchrobotern erbrachte dann 181 Kilometer vor Port Stanley, Falklands, einen Sonarreflex in 1610 Metern Tiefe: Sie hatten die Scharnhorst gefunden.

Die Seeleute dieser Schiffe waren in den Weiten der südlichen Ozeane allein. Im Gefecht konnten sie keinerlei Maßnahmen zur Rettung treffen und wussten beim schnellen Sinken ihrer stählernen kleinen Welten, dass ihr Schiff auch ihr Friedhof werden würde. Erschöpft vom Löschen der lodernden Brände und dem wütenden Seegefecht, verwundet vom Geschützfeuer und Bränden, hoffnungslos in den Weiten des südlichen Ozeans. Tausende Männer starben hier – heute gedenken ihre Familien und Nachfahren aus England und Deutschland gemeinsam.
In diesem Beitrag unterstreicht Mensun Bound noch einmal die Sinnlosigkeit dieses Sterbens und dieser Kriege – auch das gehört zur Unterwasserarchäologie, genauso wie der Schutz von Wracks gegen Schaulustige und Plünderer.

Mein Fazit

Rundum gelungen und sehr empfehlenswert, sowohl inhaltlich als auch von den großformatigen Photos und Karten her. Ich habe mich begeistert hindurchgeschmökert und jede Menge dazugelernt.

Beim Lesen gingen wir sehr unterschiedliche Dinge und widerstreitende Emotionen durch den Kopf:
1. Durchs Wasser führen jede Menge Wege: Sowohl Strömungen als auch Jahrtausende alte Handelsrouten legen Wege durch die Ozeane. Auf diesen Routen finden sich an strategisch günstigen Orten Häfen und Siedlungen. Diese Ozeanographie und Geographie gibt Anhaltspunkte für die Rekonstruktion der Unglücksorte.
2.  Meine Faszination und Begeisterung fürs Meer und Schiffe, ihre Geschichten und Erforschung werde ich wohl nie verlieren!
Anhand der Karten und Bilder entstand beim Lesen der Texte sofort Kopfkino. Begeistert lernte ich neue Schiffe, neue Meeresgebiete, neue Seeschlachten kennen.
3. Der Untergang der Schiffe kostete viele, oft Hunderte oder gar Tausende Menschenleben. Diese Menschen starben unter furchtbaren Umständen, in dem Bewusstsein, dass jemand sie sah und es keine Rettung geben würde.
Das ist immer wieder sehr ernüchternd.
Darum schätze ich die wissenschaftlich fundierten Texte, die Begeisterung wecken und gleichzeitig dabei an die harte Forschungsarbeit und die Schicksale dieser Ertrunkenen zu erinnern, sehr. Es ist etwas vollkommen anderes als die reinen Schatzsuchen, denen ich sonst zu oft begegne.

Lange nach dem Ende des 2. Weltkriegs herrschte in Europa die längste Friedenszeit der Geschichte, nach jahrhundertelangen Kriegen. So konnten in dieser Zeit Europäer und Nordamerikaner sowie Menschen vieler anderer Nationalitäten gemeinsam auf Forschungsmissionen gehen, um die Geheimnisse der Meere zu erkunden. Nach dem Fund der Scharnhorst kam es zum Austausch zwischen dem englischen Forscher Mensun Bound und den Nachfahren des deutschen kommandierenden Admirals von Spee. Bound beschreibt dann, wie die anfängliche Begeisterung angesichts der Kampfschäden und der vielen Toten dann in Trauer umschlug und unterstreicht damit die Sinnlosigkeit von Kriegen. Angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen der Geopolitik, die gerade stetig bedrohlicher und bizarrer werden, ist das sehr aktuell – im Januar 2026, drohte der US-Präsident Trump dem an Dänemark und die NATO angeschlossenen Grönland, sollte es sich nicht freiwillig als 52. Bundesstaat den USA anschließen, mit einem Militärschlag.

Ausstellungen zu Unterwasser-Archäologie

Obwohl ich mich sehr oft in Museen und an Küsten herumtreibe, war ich noch nicht in sehr vielen Unterwasser-Archäologie-Ausstellungen.

Diese hier kann ich empfehlen:

Portsmouth, England: The Mary Rose Museum.
Absolut phantastisches Museum auf dem Gelände des Historic Dockyard. Es wurde um die gehobene, vor 400 Jahren im Solent gesunkene Mary Rose gebaut. Henry VIII.s Flaggschiff war dort mit Mann, Maus und Hund gekentert und sofort gesunken.
Eine Hälfte des Schiffes sank tief in den Schlamm und blieb dadurch hervorragend erhalten. Mit an Bord: Die einzigen erhaltenen englischen Langbögen.
Mittlerweile ist die Konservierung abgeschlossen, die nach dem Vorbild der Vasa erfolgte.
Unbedingt genug Zeit auch für die HMS Victory und die Dampffregatte HMS Warrior sowie einiges mehr einplanen!

Stockholm, Schweden: Vasa-MuseumDas meistbesuchte Museum Schwedens liegt auf der Insel Djurgården und zeigt das fast vollständig erhaltene, auf seiner Jungfernfahrt 1628 gesunkene Kriegsschiff Vasa sowie dessen Geschichte. Wegen der überzogenen Wünsche des Königs, der das Schiff bestellt hatte, war es extrem topplastig und nicht seetüchtig.
Die Bergung und Konservierung mit Polyethylenglykol war zu dieser Zeit einzigartig und setzt bis heute Maßstäbe.

Duisburg: Museum der Deutschen Binnenschifffahrt

Keine großen Schiffe, aber die sehr spannende Geschichte vom prähistorischen Einbaum über römische Boote zu moderneren Binnenschiffen. Untergebracht in einem alten Schwimmbad ist auch die Architektur sehenswert. Zusätzlich gibt´s im Außenbereich noch mehrere größere Schiffe.

Bremerhaven: Schifffahrtsmuseum – „Bremer Kogge“

Der Fund der Hansekogge von 1380 in der Bremer Weser war eine Sensation. Lange lag sie im Konservierungstank, seit 2017 ist sie ausgestellt. Ihre Spanten und die vielen Funde sind im neuen Gebäude mit viel Information über diese Zeit des ersten internationalen Kaufmannsbundes und ausgedehnten Handelsnetzwerks in Nordeuropa ergänzt.

Mainz (Moguntiacum): Museum für Antike Schifffahrt

Der Fund von vier römischen Booten, die die Römer im Hafen Moguntiacums versenkten, um sie nicht den Barbaren (also unsere Vorfahren) in die Hände fallen zu lassen, ist eine Sensation. Der Schlamm des Rheinufers hat sie gut konserviert. Die Wracks sind immer noch Forschungsgegenstand, fürs Publikum gibt es Nachbauten in Originalgröße. An Bord eines Patrouillenbootes (auch „Kanonenboot“ genannt) ist ein rekonstruiertes Waffensystem, mit dem aus einer Trommel per Handkurbel Pfeile in schneller Folge abgeschossen werden konnten – ein halbautomatisches Pfeilgeschütz. Eine Rarität, die nur aus der Literatur bekannt ist.  

Husum: Uelvesbüller Wrack„Zuckerschiff“

Dieses ca 400 Jahre alte Wrack eines Lastenseglers wurde 1994 entdeckt und geborgen. Das rekonstruierte Wrack und viele Funde sidn im Schifffahrtsmuseum Husum ausgestellt. Um es zu konservieren, wurde es zwei Jahre lang in einer Zuckerlösung gelegt – daher der Spitzname.

Schleswig: Nydam-Boot im Schloß Gottorf
23 Meter langes Eichenboot, das um 320 n. Chr. gebaut und als Opfergabe versenkt wurde mit einer hochpolitischen Fundgeschichte

Wikinger-Museum Haithabu:
An diesem einst ausgedehnten Wikinger-Handelsplatz und -hafen wurden mittlerweile vier Wikinger-Schiffe gefunden. Eines davon ist rekonstruiert.

Hier ist eine Liste mit Unterwasser-Archäologie-Museen in Europa und international.

In den USA gehören Unterwasserfunde von aufgegebenen Schiffen und Artefakten meist in den Bereich der Nationalpark-Verwaltung. Diese zivilen und militärischen maritime(n) Geschichte(n) sind durch die verheerenden Budget-Kürzungen, Massenentlassungen und Vernichtung von Informationen unter der Trump-Junta gerade akut gefährdet – wie das gesamte kulturelle Erbe der USA und weltweit.

Bettina Wurche in Portsmouth

Veröffentlicht von

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Auf dem Science-Blog „Meertext“ schreibe ich über meine Lieblingsthemen: Biologie, Zoologie, Paläontologie und das Meer. Wale, Fische und andere Meeresgetüme. Tot oder lebendig. Fossile Meere, heutige Meere und Meere der Zukunft. Die Erforschung, nachhaltige Nutzung und den Schutz der Ozeane. Auf der Erde und anderen Welten. Ich berichte regelmäßig über Forschung und Wissenschaft, hinterfrage Publikationen und Statements und publiziere eigene Erlebnisse und Ergebnisse. Außerdem schreibe ich über ausgewählte Ausstellungen, Vorträge, Bücher, Filme und Events zu den Themen. Mehr über meine Arbeit als Biologin und Journalistin gibt´s auf meiner Homepage “Meertext”.

8 Kommentare

  1. Bei den Seegefecht vor Coronel und den Falklands hätte ich weiterhelfen können. 🙂
    Die historische deutsche Marineschiffahrt bis 1945 ist so ein Interessengebiet, in welchem ich immer wieder reinschnuppere. Deswegen gebe ich hier mal ein ergänzende Zusammenfasssung.

    Der Sieg des deutschen Ostasiengeschwaders vor Coronel im November 1914 hatte das Selbstvertrauen des britischen Empires schwer erschüttert. Man muss bedenken, dass die britische Flotte seit einem guten Jahrhundert keine größere Niederlage mehr erlitten hatte. Hier kam nun die deutsche Hochseeflotte, die erst seit gut einem Vierteljahrhundert existierte und zeigte sich in Ausbildung, Taktik und auch Equipment den Briten als mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar überlegen

    Ein weiteres Problem war, dass die britischen Kreuzer Good Hope, Monmouth und Glasgow ihren deutschen Pendants numerisch (5 Kreuzer) und waffentechnisch unterlegen waren. Der britische Admiral hätte deswegen auf keinen Fall das Gefecht aufnehmen dürfen. Aber so eine Entscheidung kam für einen britischen Offizier, der mit (ver)alteten Seekriegstraditionen aufgewachsen war, nicht in Frage. Er gab den Angriffsbefehl mit den bekannten Konsequenzen. Die Good Hope und Monmouth wurden mit ihren Besatzungen (1700 Mann) versenkt.

    Die Niederlage konnten die Briten nicht auf sich sitzen lassen, weswegen sie dann moderne Schlachtkreuzer in den Südatlantik entsandten, um die deutschen Kleinen und Großen Kreuzer abzufangen. Dabei hätte es dann beinahe zur nächsten Katastrophe für die Briten kommen können. Die Schlachtkreuzer Invincible und Inflexible lagen nämlich ohne Dampf zum Bunkern von Kohle bei Port Stanley vor Anker, als sie vom deutschen Geschwader überrascht wurden. Wenn Admiral von Spee da den Angriff befohlen hätte, als ihm die britischen Schiffe gemeldet wurden, dann hätten die britischen Schiffe nur sehr schlecht auf den deutschen Beschuss (u.a. auch mit Torpedos, mit denen damals alle deutschen Kreuzer ausgerüstet waren) reagieren können. Die Folgen für die Briten wären verheeerend gewesen.

    Admiral von Spee entschied sich aber für einen Rückzug. Die britischen Schlachtkreuzer konnten ungehindert ihre Kessel unter Dampf setzen und die Verfolgung der langsameren deutschen Schiffe aufnehmen. Sobald sie das deutsche Geschwader eingeholt hatten, konnten sie es aufgrund der höheren Reichweite ihrer schweren Geschütze nahezu ohne Gegenwehr beschießen und vier der fünf Schiffe versenken. Über 1800 deutsche Seeleute starben dabei

    Nur der Kleine Kreuzer Dresden, der den modernsten (schnellsten) Antrieb aller deutschen Schiffe besaß, konnte entkommen und sich dann über mehrere Monate hinweg in verschiedenen Buchten an der südamerikanischen Küste verbergen, ehe sie dann doch im März 1915 von britischen Kreuzern in den neutralen Gewässern Chiles abgefangen wurde. Der Kapitän, der das Schiff eigentlich in Chile internieren lassen wollte, hat das Schiff dann selbst versenkt. Die deutsche Wikipedia hat übrigens einen sehr aufschlussreichen Artikel über die Dresden und auch, wie sie in den 2000er Jahren umfassend archäologisch untersucht wurde.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Dresden_(Schiff,_1908)#Arch%C3%A4ologie

    • @RPGNo1: Genau dieser Background und noch etwas mehr steht im Buch, sehr spannende Schmökerei : )
      An den Falkland-Krieg und die Versenkung der Belgrano erinnere ich mich. Zum Falkland-Krieg gibt es auch so einige Geschichten zu erzählen.

          • Oh, danke für den Hinweis. Ich habe eine Flugreise geplant, da passt der Band aufgrund der Gewichtslimitierung beim Gepäck dann doch nicht ganz. 😆

            Ich werde auf jeden Fall mal bei der Buchhandlung meines Vertrauens reinschauen, ob das Buch dort vorhanden ist. Dann kann ich mich immer noch entscheiden.

  2. Bis zu diesem Artikel wusste ich nichts über die Aktivitäten der Deutschen Marine während des 1. Weltkriegs im Südpazifik und -atlantik. […] So war bei Kriegsausbruch 1914 das Ostasiatische Kreuzergeschwader der Kaiserlichen Marine vor den Marianen und stieß dort in Seegefechten vor Coronel und den Falklandinseln auf die Royal Navy.

    Und nach diesen regulären Seeschlachten gab es noch die Kaperfahrt der “Seeadler”, eines Segelschiffs (!) mit Hilfsmotor, unter dem Kapitän Felix Graf von Luckner. Durch eine Fernsehserie aus den 70er Jahren wurde Luckner damals noch einmal populär.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Seeadler_(Schiff,_1888)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Felix_Graf_von_Luckner
    https://de.wikipedia.org/wiki/Graf_Luckner_(Fernsehserie)

    3. Der Untergang der Schiffe kostete viele, oft Hunderte oder gar Tausende Menschenleben. Diese Menschen starben unter furchtbaren Umständen, in dem Bewusstsein, dass jemand sie sah und es keine Rettung geben würde.

    Bei der Versenkung der argentinischen “General Belgrano” durch ein britisches U-Boot im Falklandkrieg starben auch nochmal 323 Menschen. Immerhin konnten hier 770 gerettet werden.

    https://de.wikipedia.org/wiki/General_Belgrano_(Schiff,_1938)

    • Von Luckner und der Seeadler habe ich auch schon gehört und ein wenig gelesen. Das ist schon eine irrsinnige Geschichte.

      Um das Bild der deutschen kaiserlichen Marineschifffahrt umzurunden, möchte ich hiermit noch auf den Kleinen Kreuzer Emden verweisen. Ein einzelnes Schiff hat es geschafft, die alliierte Seefahrt in einem Ozean, nämlich den Indischen, über Monate hinaus mit seinem Kaperkrieg massiv zu stören. Der Kapitän der Emden, Karl von Müller, hielt sich bei seinen Aktionen strikt an die Seekriegsregeln und hatte strikte Maßnahmen ergriffen, um bei den Kaperungen der feindlichen Handelsschiffe und Aktionen gegen Landziele zivile Opfer zu weit wie möglich zu minimieren. So waren dann auch nur fünf zivile Opfer zu beklagen. Dieses Verhalten brachte ihm großen Respekt und sogar Bewunderung bei seinen Gegnern ein.

      Das Glück der Emden war dann aufgebraucht, als sie bei den Kokosinseln von einem australischen Kreuzer überrascht und versenkt wurde. 134 und vier australische Seeleute fanden in dem Gefecht den Tod.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Emden_(Schiff,_1909)

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