Gigantische Warmwasserwelle im Pazifik kündigt El Nino 2026 an

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Dass 2026 ein gewaltiges El Niño-Jahr in einer bereits erwärmten Welt und zu warmen Meeren werden dürfte, wird seit Monaten von verschiedenen Meeres- und Klimaforschenden angekündigt. Satellitendaten und Meßsysteme in den Ozeanen messen Temperaturanstiege und Änderungen und liefern umfassende und Besorgnis erregende Daten.

Pressemitteilung der WMO: „Prepare for El Niño“
https://wmo.int/news/media-centre/wmo-prepare-el-nino

Am 27. Mai 2026 hat die NASA auf Basis des weltweiten Satellitennetzwerks ein kurzes Update gebracht: „A giant warm wave is crossing the Pacific, signaling an El Niño that could alter weather worldwide this year(edited by Gaby Clark, reviewed by Andrew Zinin).

The international Sentinel-6 Michael Freilich sea level satellite observed a swell of warm water, called a Kelvin wave, moving eastward in the equatorial Pacific Ocean, arriving off the South American coast in May. Warm Kelvin waves often precede El Niño events.
 Credit: NASA/JPL-Caltech
https://www.jpl.nasa.gov/news/nasa-european-sea-level-mission-homes-in-on-el-nino/?utm_source=TWITTER&utm_medium=NASAJPL&utm_campaign=NASASocial&linkId=951221077

Einige Monate vor dem Auftreten eines El Niño bewegen sich Wellen aus höherem, wärmerem Wasser über den Pazifik nach Osten – die Satellitendaten von 2026 zeigen gleich mehrere davon.
Die Daten stammen aus der NASA/ESA Kooperation des Sentinel-6 Michael Freilich sea level satellite, der sehr exakt die Meereshöhe misst: Eine mehrere hundert Meilen breite Warmwasserfront ist im Pazifik vor der Küste Südamerikas angekommen ist – ein Anzeichen dafür, dass El Niño voraussichtlich im Laufe des Jahres auftreten wird. Da sich Wasser bei Erwärmung ausdehnt, deutet ein Anstieg des Meeresspiegels in einem bestimmten Meeresgebiet auf steigende Meerestemperaturen hin. Und El-Niño-Ereignisse können mit der Erhöhung der Meerestemperaturen in einigen Regionen zu starken Niederschlägen und in anderen zu Niederschlagsdefiziten führen und so das tägliche Leben und den Handel weltweit beeinflussen. Vergangene El Niño-Ereignisse haben immer das Wettergefüge durcheinandergewirbelt und für teilweise schwere Fluten und Dürren gesorgt und für Hungersnöte unter Tieren und Menschen gesorgt.

Kelvin-Welle

Der 2020 von der NASA gestartete und von der ESA (Europäische Weltraumorganisation) für das EU-Programm Copernicus geleitete Satellit Sentinel-6 Michael Freilich misst und kartiert alle 10 Tage die Wasserhöhe des gesamten Ozeans auf den Millimeter genau. Im Falle von El Niño verfolgt der Satellit sogenannte warme Kelvin-Wellen.

Die beobachtete Kelvin-Welle bewegte sich im äquatorialen Pazifik nach Osten und kam im Mai vor der südamerikanischen Küste an. Solche warmen Kelvin-Wellen gehen oft El-Niño-Ereignissen voraus. Diese Wellen bilden sich typischerweise nach kurzen Phasen, in denen sich die Winde über dem äußersten westlichen äquatorialen Pazifik von vorherrschenden Ostwinden – die also von Ost nach West wehen – zu Westwinden verlagern. Dieser Effekt führt in Verbindung mit einer allgemeinen Abschwächung der Ostwinde entlang des Äquators dazu, dass sich das Wasser in den Tropen des westlichen Pazifiks erwärmt und der Meeresspiegel ansteigt. Die entstehende Welle breitet sich dann über mehrere Wochen nach Osten aus, erreicht schließlich Südamerika und führt dazu, dass sich das Wasser vor der Küste erwärmt und ansteigt. Ein El Niño entsteht, wenn sich im Laufe mehrerer Monate mehrere Kelvin-Wellen bilden und sich das warme Wasser vor den Küsten Kolumbiens, Ecuadors und Perus ansammelt. „Zwar hat das diesjährige Phänomen etwas später eingesetzt als die großen El-Niño-Ereignisse von 2015 und 1997, doch es holt langsam auf“, sagte Josh Willis, Meeresforscher am Jet Propulsion Laboratory der NASA in Südkalifornien und Projektwissenschaftler für Sentinel-6 Michael Freilich. „Wir werden sehen, wie stark es noch wird.“
Bereits der schwächer ausgefallene El Niño 2023 hatte verheerende Folgen auf die Meere, wie eine großflächige Korallenbleiche, also ein Riffsterben sowie Giftalgenblüten die unter anderem Großwale töteten. 2023 wurde durch Dürre und Hitze im Amazonas-Gebiet der Amazonas-Wasserspiegel so niedrig, dass viele Dörfer, deren einzige Infrastruktur der Fluß ist, abgeschnitten wurden, es entstanden Trinkwasser- und Nahrungsknappheit. Außerdem starben Flußdelphine massenhaft an Überhitzung.
Beim besonders starken El Niño 2015/2016 starben im Südpazifik mindestens 343 Seiwale an Giftalgen und würden an der chilenischen Küste angespült.

Messungen von Sentinel-6 Michael Freilich zeigen also, dass sich Ende Januar 2026 zunächst eine kleine Kelvin-Welle um Mikronesien bildete, die sich bis Mitte Februar auflöste. Anfang März entstand eine neue Welle, die sich im Laufe der Zeit nach Osten bewegte. Bis Mitte Mai lag der Meeresspiegel vor der Küste Perus um mehr als 15 Zentimeter über dem langjährigen Durchschnitt.

„Die Beobachtung von El Niño durch die NASA nutzt Meeresspiegelsatelliten wie Sentinel-6 Michael Freilich, um massive Kelvin-Wellen auf ihrem Weg über den Pazifik zu verfolgen, Veränderungen in der Thermodynamik der Ozeane zu erfassen, Vorhersagen zu Wetterextremen zu verbessern und Gemeinden dabei zu helfen, sich auf potenzielle Gefahren an der Küste vorzubereiten“, sagte Nadya Vinogradova Shiffer, leitende Programmwissenschaftlerin am NASA-Hauptquartier in Washington.
In diesem Fall gab es bereits früh im Jahr Anzeichen dafür, die sich im März und April verdichteten, wie die WMO (World Meteorological Organization) immer wieder in aktualisierten Reports schrieb.

Tracking El Niño

Der Begriff „El Niño“ – Spanisch: Der Junge –  geht auf Fischer des  17. Jahrhundert zurück – eine Anspielung auf die Geburt des Jesuskindes. Um diese Jahreszeit trat das Phänomen verstärkt auf und im wärmeren Wasser fingen die Fischer weniger Fisch.

Auch wenn das „Christkind“ zunächst ein eher regionales Wettergeschehen ist, kann er überregionale, manchmal sogar globale Auswirkungen haben: Höhere Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik beeinflussen die globalen atmosphärischen Zirkulationsmuster, indem sie den Jetstream verlagern, der beeinflußt, welchen Kurs Stürme nehmen. Dies kann in einigen Gebieten zu starken Regen- und Schneefällen führen, während in anderen ungewöhnliche Hitze und Trockenheit herrschen. Wie weit sich diese Auswirkungen ausbreiten, hängt von der Stärke des El Niño ab.

Bei schwächeren Ereignissen, wie denen, die 2018 und 2023 begannen, waren Auswirkungen wie Dürren und Überschwemmungen vor allem im tropischen Pazifik und dessen Umgebung zu beobachten. Starke El-Niño-Ereignisse, wie das von 2015–2016, reichen viel weiter und verursachen Dürren in Afrika und Überschwemmungen in Kalifornien. El Niños erreichen ihren Höhepunkt normalerweise zwischen November und Januar, daher wird es noch einige Monate dauern, bis die größten Auswirkungen deutlich werden – dieser ist später.
„Jedes El-Niño-Ereignis ist anders“, sagte die JPL-Meeresforscherin Severine Fournier, stellvertretende Projektwissenschaftlerin für Sentinel-6 Michael Freilich. „Aber sie sorgen fast immer für ein heißes Jahr und große Veränderungen bei den Niederschlägen in Teilen der Welt.“ Dazu liegen mittlerweile reichlich und detaillierte Wetter- und Klimaaufzeichnungen vor.

Der 2020 gestartete Sentinel-6 Michael Freilich ist der derzeitige offizielle Referenzsatellit für globale Meeresspiegelmessungen. Er setzt auch die Tradition der US-Ozeanforschung fort, die 1992 mit dem Satelliten TOPEX/Poseidon begann. Seitdem haben eine Reihe von Nachfolgern den Staffelstab übernommen, und der neueste, Sentinel-6B, der im November 2025 gestartet wurde, wird bis Ende 2026 die Nachfolge seines Vorgängers antreten.
Soweit die Pressemitteilung der NASA.
Die Sentinel-Stelliten sind machtvolle Wächter über die Weltozeane – inwieweit die USA sie in Zukunft nutzen werden, steht zurzeit in den Sternen.

Trump-Regierung schreddert Ozean- und Klimaforschung

Die junge Nation der USA zwischen zwei Ozeanen begriffen noch im 19. Jahrhundert die Bedeutung der Ozeane für Wirtschaft, Geopolitik, Versorgung u a. Darum bauten sie systematisch eines der ersten und aktuell sicherlich das größte Ozeanographie-Netzwerk auf, das stetig modernisiert und erweitert wurde. Längst sind die Datenströme von Schiffen, unbemannten Glidern, Bojen-Netzwerken, Satelliten und andere Meßreihen von elementarer Bedeutung für Meteorologie und Klimaforschung. Ihre Warnungen sind Grundlagen des Katastrophenschutzes, Bevölkerungsschutzes, der Wirtschaft, Ernährungssicherheit und militärischer Operationen sowie vieler anderer Services eines modernen Staats. Und auch für kleinskalige Entscheidungen in Landwirtschaft und Fischerei, für Reisen und 1001 anderen Nutzen.

Aber die Klimakrisenleugner und Fossillobbyisten der Trump-Regierung reißen diese Meß-Netzwerke gerade ab: Neben der Streichung der Finanzierung mehrerer NASA-Klimasatelliten in 2025 zerstören sie jetzt ein 368 Millionen Dollar teures Messnetz, das sowohl im Atlantik als auch im Pazifik Daten erfasst und von entscheidender Bedeutung für die Klima- und Meeresforschung ist, wie etwa die Washington Post schreibt. Diese Bojen-Sensoren-Netzwerk liefert Daten zum Schutz der Küsten, die durch immer höhere Flutwellen und stärkere Stürme zunehmend gefährdet werden. So können Küstenwohner gewarnt und evakuiert werden (auch wenn der Küsten- und Zivilschutz in den USA inkl. Hurrikanwarnungen ohnehin nicht stark ausgeprägt ist und nun weiter zurückfällt). Der Abriß der Wetter- und Klimadatenerhebung und -analyse schadet auch den USA selbst, wie bereits 2025 die Washington Post feststellte: Schließlich hängen US-AkteurInnen weltweit ob für Wirtschaft, Militär, Flugverkehr oder andere Aktivitäten von Daten in Echtzeit ab.

Längst versuchen US-Forschende, ihre Wetter- und Klimadaten vor der Wut der MAGA-Öl-Unterstützer und Milliardäre zu retten, die in der 2. Amtszeit des wahnwitzigen US-Führers wesentlich schneller und weitreichender gelöscht werden.

Für die Bevölkerung der USA und weltweit sind dies in Zeiten der Klimakrise keine guten Nachrichten.

Historie und Instrumente der Ozeanographie

Zum Lesen und Anschauen:

Kunzig, Robert: „Der unsichtbare Kontinent: Die Entdeckung der Meerestiefe“
(Schon älter, es gibt sicherlich neuere)

Official Website of the International Commission of the History of Oceanography

Zoologisches Museum der Uni Kiel: neben vielen Walen u a Meeresgeschöpfen eine exzellente Ausstellung zur Ozeanographie in Kooperation mit GEOMAR. Ich war selbst etwas überrascht, wie großflächig, autonom und tief diese ozeanographische Infrastruktur mittlerweile reicht. Lohnt sich sehr!

National Oceanography Centre

EUMETSAT: Sentinel

„Jules Verne und die Entdeckung der Meeresforschung“: In meinem Sachbuch beschreibe ich auch, wie die Kolonialstaaten u a mit Wissenschaft Macht erlangten und festigten

Diese Liste bitte gern ergänzen!
Ich füge Titel und Tipps aus Kommentaren hier ein

Bettina Wurche in Portsmouth

Veröffentlicht von

https://meertext.eu/

Auf dem Science-Blog „Meertext“ schreibe ich über meine Lieblingsthemen: Biologie, Zoologie, Paläontologie und das Meer. Wale, Fische und andere Meeresgetüme. Tot oder lebendig. Fossile Meere, heutige Meere und Meere der Zukunft. Die Erforschung, nachhaltige Nutzung und den Schutz der Ozeane. Auf der Erde und anderen Welten. Ich berichte regelmäßig über Forschung und Wissenschaft, hinterfrage Publikationen und Statements und publiziere eigene Erlebnisse und Ergebnisse. Außerdem schreibe ich über ausgewählte Ausstellungen, Vorträge, Bücher, Filme und Events zu den Themen. Mehr über meine Arbeit als Biologin und Journalistin gibt´s auf meiner Homepage “Meertext”.

4 Kommentare

    • @Sascha: Es ist definitiv ein Echtzeitexperiment. Das erzählen die Forschenden ja auch immer wieder: Wir seien jetzt in „uncharted waters“, in unbekannten Gewässern.
      Ich glaube nicht, dass der Mensch so schnell ausstirbt. Aber die Klimakrise wird ganz sicher bis ende des Jahrhunderts die Menschheit erheblich dezimieren und vor allem Zivilisationen und staatliche Ordnungen vernichten. Die Überlebenden werden vermutlich in den Ruinen hausen und jeden Tag ums Überleben und gegeneinander kämpfen.

  1. Der El Nino ist da, er hat gerade begonnen, wie hier im SOI-Index der NOAA ganz rechts mit dem roten Strich nach unten zu sehen.

    • @Wolfgang Richter: Ja, es geht los, ich bekomme täglich Meldungen von ESA, NOAA u a rein. Und die Meldung von vier durch Giftalgen getötete Buckelwale – das ist ein typischer El Nino-Effekt.

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