Das leise Sterben der Papageientaucher und anderer Seevögel
BLOG: Meertext
An den Küsten Großbritanniens und Europas werden seit Januar 2026 Tausende von Seevögeln angespült, viele sind bereits tot, die anderen geschwächt. Vor allem Papageientaucher und Lummen wurden an den Atlantik-Küsten von Cornwall, Devon, Nordostengland sowie im Norden und Osten Schottlands sowie entlang der Küsten Portugals, Spaniens, Frankreichs und der Kanalinseln gemeldet. Auch an den Stränden der Nordsee, vor der Südküste Irlands und in der Biskaya werden Seevogelkadaver gefunden.
Offenbar spielt sich im Nordostatlantik eine weiträumige Krise ab.
Mal wieder.

Diese Seevogel-Massensterben („Seabird wrecks“) gerade von Alken (Papageientaucher, Tordalk) und Lummen (Trottellumme, Gryllteiste) nehmen in den letzten Jahren zu, vermutlich aufgrund der Klimakrise. (Zurzeit steht aber noch nicht fest, ob möglicherweise auch die Vogelgrippe eine Rolle spielt, die auch die hat schon furchtbar unter anderen Meeresvögeln gewütet hat – darum raten Vogelexperten zur Vorsicht und, tote Vögel nicht anzufassen). Die angespülten Vögel sind nur ein Bruchteil der Opfer: Aktuelle Schätzungen zeigen, dass allein in Frankreich über 20.000 Vögel an die Strände gespült wurden. Viele weitere sind wahrscheinlich im stürmischen offenen Ozean ums Leben gekommen, ungesehen und ungezählt.
Die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) hat nach Berichten über Hunderte von tot angespülten Papageientauchern, Tordalken, Lummen und anderen Meeresvögeln, zu landesweiten Maßnahmen zum Schutz der Seevögel aufgerufen. An den UK-Küsten sammeln Naturschützer:innen und Freiwillige die noch lebend angespülten, aber geschwächten Vögel ein und päppeln sie mit Fisch wieder auf.
Papageientauchen, Tordalke, Trottellumen und einige andere Arten sind pelagische Seevögel: Sie kommen eigentlich nur zum Brutgeschäft an Land, wo sie dann in großen Kolonien brüten. Danach fliegen sie aufs Meer hinaus und verbringen dort den Winter, auch die Jungvögel müssen dann alleine klarkommen – ebenfalls auf dem Meer.
Klimakrise befeuert schwere Stürme
Obwohl steigende Temperaturen die bekannteste Folge des vom Menschen verursachten Klimawandels sind, sind die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Stürmen ein weiteres kritisches Symptom. In diesem Jahr haben bereits mehrere Stürme Europa heimgesucht, sie bildeten sich über den erwärmten Meeresoberflächen des Atlantiks und des Mittelmeeres.
So fegte Ende Januar der Sturm Chandra über Großbritannien und andere Teile Europas hinweg, während im Februar sechs weitere Stürme in schneller Folge über Portugal, Spanien und Frankreich rasthen. „Angesichts der vorliegenden Beweise ist es möglich, dass diese Reihe von Stürmen eine tödliche Mischung von Bedingungen für überwinternde Seevögel geschaffen hat, indem sie innerhalb kurzer Zeit zu mehreren Schiffbrüchen geführt hat. Die aufeinanderfolgenden Stürme in diesem Winter haben den Seevögeln kaum eine Atempause gegönnt. Sie mussten mit starken Winden, sintflutartigen Regenfällen und hohem Seegang kämpfen, waren verzweifelt hungrig, aber offenbar nicht in der Lage, sich zu ernähren.“
Dafür spricht auch, dass die angeschwemmten Vögel sehr mager sind und verhärtete Muskeln haben – was durch einen hohen Laktatgehalt hervorgerufen wird: Eine Studie zum Seevogel-Sterben an der andalusischen Küste 2022/2023 ergab, dass die Mehrheit der gestrandeten Tordalken und Papageientaucher Jungtiere waren. „Beide Arten wiesen einen niedrigen Gehalt an Kohlenhydraten (Glukose und Glykogen) in ihrem Gewebe und einen hohen Laktatgehalt in ihren Muskeln auf. Diese Ergebnisse könnten darauf hindeuten, dass die Tiere einer längeren, anstrengenden körperlichen Belastung ausgesetzt waren, die Energie über anaerobe Stoffwechselwege erforderte, was möglicherweise mit der Wanderung zusammenhing.“ Sieht so aus, als ob sie sich mühsam durch die Wellen kämpften, aber dennoch nicht genug kleine Fische als Beute fangen konnten.
Seit den 1970-er Jahren sind solche Massensterbe-Events bei Papageientauchern und Tordalken im Nordseebereich nachgewiesen. Sie hingen teilweise zusammen mit der Überfischung ihrer wichtigsten Futterquelle, den Sandaalen, die für Fischmehl industriell gefischt werden – vor allem für Lachs-Aquakulturen. Allerdings besteht auch ein Zusammenhang mit der Meereserwärmung der Nordsee.
Langzeitstudie von der Isle of May zu Überlebensraten
Die vom britischen Zentrum für Ökologie und Hydrologie geleitete Langzeitstudie „Isle of May Long-Term Study” (die Isle of May liegt im schottischen Firth of Forth) beobachtet seit 1973 Seevögel und ist damit eine der datenreichsten Studien ihrer Art. Im Rahmen dieser Beobachtungen wird ein Teil der Seevögel beringt – anhand der Metallringe mit einzigartigen Identifikationscodes können dann auch Kadaver bis zur Isle of May vor der Ostküste Schottlands oder zu anderen Seevogelkolonien zurückverfolgt werden, in denen Seevögel beringt werden. Wie etwa auf der ebenfalls sehr alten Vogelwarte auf der deutschen Hochseeinsel Helgoland.
So werden die Todesfälle und Überlebensraten von Seevögeln regelmäßig ausgewertet und liefern die Basis für das Management dieser Arten. Auch wenn von den Tausenden Vögeln in Brutkolonien im Jahr 2026 gab es mehr Meldungen als üblich: Bereits im Februar waren es 33 tote Krähenscharben und neun tote Papageientaucher. Besonders herzzerreißend sei, dass unter diesen Vögeln auch Überlebende des Vogelgrippe-Ausbruchs 2022/23 und des stürmischen Winters 2023/24 waren.
Seevogelkolonien beherbergen während der Brutzeit oft Tausende von Vögeln – zu viele, um sie zu beringen. Darum werden natürlich auch viele unberingte Vögel gefunden – aber die beringten geben zumindest Indizien zu ihrer Herkunft und ihrem Alter.
Schon im Sommer kann schlechtes Wetter auch mit weniger schweren Stürmen den kleinen Vögeln große Probleme beim Fischen bereiten. Bei stärkerem Wind zögern sie darum, nach Nahrung zu suchen. Schließlich müssen die Altvögel dann auch gegen den Wind anfliegen, um zu den Fischgründen und zurück zum Nest zu kommen. Auch das aufgewühlte Wasser ist für sie kräftezehrend. Im Winter müssen diese Seevögel noch intensiver nach Nahrung suchen. Dann brauchen sie genug Energie, um die Kälte zu überleben und müssen gleichzeitig Reserven für die bevorstehende Brutzeit aufbauen.
Seevogel-Bestände in der Krise
Papageientaucher und andere Seevögel leben lange (eines der Opfer des aktuellen Unglücks war ein 34 Jahre alter Papageientaucher) und brüten nur einmal im Jahr. Mit solch einer langsamen Reproduktionsrate können solche hohen Todeszahlen also langfristige Auswirkungen auf die Populationsentwicklung haben. Normalerweise, erklärt die Meeresökologin Ruth Dunn (Research Associate in Marine Ecology, Lancaster University) in The Conservation, kommen erwachsene Vögel besser über den Winter. Jetzt aber sind neben Jungtieren auch viele ältere Vögel gestorben – damit fällt die nächste Elterngeneration weg. Da solche Sturm- und Massensterben-Events in den letzten Jahren stetig zugenommen haben, bleibt den Populationen immer weniger Zeit zur Erholung.
Neben Papageientauchern geraten auch andere Seevögel immer stärker unter Druck.
In Großbritannien sind bereits 62 % dieser Arten vom Rückgang betroffen, in Schottland sogar 70 %. Als 1996 die erste Rote Liste der gefährdeten Vogelarten Großbritanniens veröffentlicht wurde, war nur eine einzige Seevogelart darin aufgeführt. Heute stehen zehn der 25 in Großbritannien brütenden Arten, darunter Papageientaucher und Dreizehenmöwen, auf der Roten Liste.
In anderen Teilen Europas sieht es nicht besser aus.
Und in anderen Teilen der Welt auch nicht: So hat es seit 2016 die Gelbschopflunde (ebenfalls Papageientaucher) des Nordpazifiks schwer getroffen – auch dort ist der Zusammenhang mit der Erwärmung der Meeresoberfläche deutlich nachgewiesen.
Darum appellieren Ruth Dunn, andere Wissenschaftler:innen, Seevogel-Expert:innen und Naturschützer:innen sowie viele andere Menschen immer dringlicher an ihre Regierungen, die seit langem vereinbarten Schutzstrategien umzusetzen, da der Druck durch Stürme, Krankheiten, Fischerei und Offshore-Erschließungen immer größer wird – zusammen mit der Klimakrise werden die durch Menschen verursachten Streßfaktoren für die Meeresvögel sonst zu hoch.
Ein Verursacher des Schwundes bei den Meeresvögeln wurde noch nicht genannt, es ist der Tourismus.
Und betroffen sind die Puffins an der irischen Westküste. Als Beispiel, skellig michael und skellig rocks sind Brutgebiete für Puffins und nicht nur das, sie leben dort in Höhlen.
Das haben auch die irischen Fischer dort gemerkt und Ausflüge mit ihren Booten zu diesen zwei Inseln organisiert. Und……..die Wege gehen mitten durch die Puffin Population.
Übrigens, die Puffins sind nicht scheu und lassen die Touristen auf Armlänge an sich heran.
@hwiedemanns@gmx.de: Meinen Sie, dass nur die Boote zu den Kolonien fahren? Oder, dass Touristen durch die Brutkolonien hindurchlatschen?
Papageientaucher sind eigentlich ganz gut geschützt, weil sie in Kliffs in Höhlen brüten. Auf den Shetland-Inseln hatte ich es so erlebt, dass die Wanderwege teilweise oberhalb dieser Kolonien verliefen, die Vögel aber recht entspannt waren – Menschen kommen da nur schwer ran.
Bootstouren sind eigentlich auch unproblematisch, die Vögel gewöhnen sich daran und lassen sich nicht so schnell aufscheuchen.
Oder was haben Sie konkret erlebt?
Insgesamt kann Tourismus natürlich lokal ein Problem für Natur- und Artenschutz werden. Und er trägt vor allem mit Flugreisen und Kreuzfahrten erheblich zur Klimakrise bei.
Bettina Wurche,
Betreff Puffins auf skellig michael,
Genau genommen ist es die Klosteranlage aus dem 7. jahrhundert, die sich die Touristen ansehen. Sie gehört mittlerweile auch zum Weltkulturerbe.
Aber…..der Weg dorthin, es gibt nur zwei Wege ,führt mitten durch die Bodenhöhlen der Puffins. Und dass da einige auch geklaut werden ist nicht ausgeschlossen.
Skellig rocks wird nicht angefahren, man sieht nur die großen Vogelkolonien.
@hwiedemanns@gmx.de: Meinen Sie, dass Touristen Papageientaucher bzw deren Eier stehlen?
Die Eier sind doch in den Bruthöhlen.
Haben Sie dort etwas beobachtet?
Bettina Wurche,
Mein Verdacht ist, dass (irgendwer )sie die Vögel mitnehmen.
Vielleicht sind es auch die Raubmöwen, die haben ja auch Schwierigkeiten sich zu ernähren.
Unsere Erfahrung ist, die Iren sind einfaltsreich, wenn es um die Ernährung ihrer eigenen Familie geht.
Ansonsten haben wir nur gute bis sehr gute Erfahrungen mit Iren gemacht und wir hatten auch Freundschaften mit mehreren Familien und kennen auch ihre Denkweise.
@NI: Das ist eine sehr seltsame Antwort voller Behauptungen und dubioser Annahmen.
Ja, Raubmöwen schnappen sich ein paar Vögel, Küken und Erwachsene. Und in abgelegenen Regionen werden Papageientaucher und sicherlich auch andere gegessen. Aber hier geht es um ein Massensterben.
Wenn Sie meinen Beitrag gelesen hätten, hätten sie mitbekommen, dass Zehntausende tote Vögel angespült wurden. Sie wurden also weder von Skuas noch von Menschen gefressen. Und die Nekropsien und anderen Daten weisen klar auf die extremen Stürme als Todesursache hin.
@Bettina Wurche
NI alias N alias Robert alias…. (aka Nicknamehopper) ist auch auf Scienceblogs hauptsächlich destruktiv unterwegs. Bzw. er will sich wichtig machen. Ein vernünftige Kommunikation ist mit ihm nicht möglich.
RPGNo1: „Nicknamehopper“ – was für ein schöner Begriff : )
Ja – qed
Dass dieser Herr sich „Natürliche Intelligenz“ nennt, ist schon peinlich genug. Aber dass er einen Trottelkäse wie diesen absondert…
… damit übertrifft er sich mal wieder selbst. Man glaubt ja immer, tiefer gehts nicht mehr. Aber man muss nicht lange warten und es kommt der nächste Kommentar von ihm, mit dem er von unten ans Bodenblech klopft.
Was meint der eigentlich, was da vor sich geht? Dass da Leute durch die Steilfelsen kriechen und die Eier der Papageientaucher stehlen, um sie anschließend in die Pfanne zu hauen und als Spiegeleier ihren Kindern zu servieren? Wer kam eigentlich auf die bescheuerte Idee, einen Internetzugang zum Planeten Plemplem zu legen?
Unsere Erfahrung ist, Robert ist einfaltsreich [sic!], wenn es darum geht, sich schwachsinnige Vorurteile aus dem Hintern zu ziehen.
@Spritkopf: Ja, das ging mir auch durch den Kopf. Ich entwickle echt eine KI-Allergie : )
Ich habe ja extra nochmal nachgefragt, was er meinte, aber da kam nix mehr.
Ist ja auch eine Antwort