Cap Rouge Day – Bon anniversaire, Jacques-Yves Cousteau!
BLOG: Meertext
Der berühmte Meeresaktivist mit der unverwechselbaren roten Mütze hat heute Geburtstag!
Er wurde 1910 geboren und wäre heute 115 Jahre alt geworden.
Cousteau war der Held meiner Kindheit, seine Filme und Bücher haben mich mit der Liebe zur Meeresbiologe infiziert, diese frühkindliche Prägung wirkt bis heute nach.

Seine Vorgehensweise war denkbar einfach und schlagkräftig:
Auf dem tapferen kleinen Schiff „Calypso“ versammelte “Commandant Cousteau” bärtige, rot bemützte Männer und dann ging es los, wie einst Odysseus mit seinen treuen Gefährten. Ran an den Wal/den Hai/die Korallen, oder was auch immer und ab in Gegenden wie das Rote Meer oder andere exotische Orte, von denen ich als Kind noch nicht einmal wusste, wo sie auf dem Atlas zu finden waren.
Für mich war er DER Forscher schlechthin: ein tollkühner Seefahrer, der im Neopren auch dem fiesesten Hai entgegentrat und für Orcas auf der Gitarre spielte.
Außerhalb des Wassers trug er die rote Matrosenmütze der französischen Marine, die sein Markenzeichen wurde.
Viel, viel später, in meinem eigenen Studium, dämmerte mir allmählich, dass Forschung eigentlich gaaaaanz anders geht.
Aber da war ich schon mit der Liebe zum Meer und seinen Getümen und Ungetümen unrettbar angesteckt…
Zur Erinnerung an Cousteau, den Meereshelden mit der Roten Mütze, ist seit 2010 sein Geburtstag, der 11.06. der „Cap Rouge Day“.
Seine Anhänger tragen an diesem Tag eine rote Seemannnsmütze: eine unübersehbare Aktion zum Schutz der Ozeane!
Jacques-Yves Cousteau war der der erste Vermarktungsexperte für den Meeresschutz, seine Farb-Filme waren echte kleine Abenteuerfilme mit geschickter Dramaturgie.
Also: Heute Rote Mütze zeigen!
Macht Euch Mützlich!
Commandant Cousteau – Tauch-Pionier und Erfinder
Das Meer hatte Cousteau immer fasziniert. So besuchte er 1930 die Marineschule in Brest und trat 1933 in die französische Kriegsmarine ein. [Dann war er, wie alle Franzosen, in der Résistance]. Bis 1956 diente er dann weiter in der Marine und erreichte den Rang eines Korvettenkapitäns. Er trug wesentlich zum Aufbau der französischen Waffentaucher bei.
Parallel drehte er 1942 seinen ersten Unterwasserfilm.
Nach dem Krieg kaufte er d beschäftigte sich mit der Neu- und Weiterentwicklung von technischen Geräten. 1946 entwickelte er mit Georges Commeinhes und dem Ingenieur Émile Gagnan den Atemregler Aqualunge weiter und baute auf den Vorüberlegungen von Hans Hass auf. Für die französischen Marine-Taucher entwickelte er den ersten Scooter, ein motorisiertes Fortbewegungsmittel unter Wasser. Später kamen noch die Forschungs-U-Boote wie die berühmte tauchende Untertasse dazu, sowie weitere Geräte zur Unterwasserfotografie wie eine tiefseetaugliche Kamera.
1950 erwarb Cousteau durch finanzielle Zuwendung von Loël Guinness (dem Banker, nicht dem Brauer) das ausgemusterte Minensuchboot Calypso und baute es zu einem Expeditionsschiff aus.
Die Tiefseetaucher (The Life Aquatic with Steve Zissou, 2004)
2004 brachte der für schräge Filme bekannte Wes Anderson mit “Life in the Aquatic with Steve Zissou” eine liebenswürdige Hommage an Cousteau in die Kinos. Das für Anderson übliche Star-Aufgebot führt der in die Jahre gekommene Bill Murray als ein in die Jahre gekommener Cousteau an. Seine Mannschaft trägt rote Mützen, genauso wie die Steve Zissou-Actionpuppe. Gemeinsam stürzen sie sich in ein nasses Abenteuer.
Neben den Film-Stars ist auch der Soundtrack prominent besetzt: Dabei sind Songs von David Bowie, die im Film vom Sicherheitsexperten Pelé dos Santos (Seu Jorge) auf einer Akustikgitarre gespielt und auf Portugiesisch gesungen werden.
Die Story wird ab der Mitte ein wenig lahm. Aber wer Cousteau-Filme und -Biographie kennt, kommt auf seine Kosten. Außerdem hat der Film eine ungewöhnliche Ästhetik: Er verbindet das Bunte der Anderson-Filme mit einem Retro-Ambiente von Unterwasser-Filmen der 1960er und 1970er Jahre. Außerdem hat Anderson mit seinem Team liebevoll phantasievolle Meerestiere dazuerfunden. Sie sind besonders bunt, mit Stop-Motion-Technik unwirklich animiert und absolut hinreißend.
Der Film war finanziell ein Flop, erlangte aber bald Kult-Status.
Besonders amüsant finde ich, daß viele US-Kinobesucherinnen den Film angeblich für einen Dokumentarfilm gehalten haben sollen. Aber das ist Hörensagen…

Calypso und Guinness
Ich bin über den Satz gestolpert, dass Costeau die Calypso von der Guinness-Brauerei erhalten habe. Das steht so auch in der deutschen Wikipedia, ist aber wohl falsch.
Laut englischer Wikipedia hat die Brauerei Guinness mit der Calypso nie etwas zu tun gehabt. Vielmehr wurde das Schiff von dem britischen Millionär Thomas Loel Guinness, der ausser einer zufälligen Namensgleichheit in keinem erkennbaren Zusammenhang mit der irischen Brauerei steht, als Privatmann erworben und an Cousteau für einen Franc (damals noch eine erhebliche Summe, Gegenwert immerhin etwa deux petit vin) jährlich verpachtet.
Nachtrag: Die Namensgleichheit von Loel Guinness mit der Brauerei ist nicht ganz zufällig, tatsächlich war er der Enkel eines Großneffen des berühmten Brauers. Aber er stammt nicht aus dem Brauerei-, sondern aus dem Banking-Zweig der Familie.
@Schorsch: Upsi, ist korrigiert.
Über Wes Anderson habe ich zuletzt eine nette Anekdote gelesen, den ich hier teilen möchte.
https://www.spiegel.de/kultur/kino/wes-anderson-bei-mehreren-filmprojekten-absagen-von-jodie-foster-a-248a1dc9-073e-4453-935d-9aed6a75588c
@RPGNo1: Das ist ja interessant! War mir nicht bekannt. In solch einem Film muss man halt über sich selbst lachen können. Ist vielleicht nicht so ihr Ding. Man muss sich auf seine Filme einlassen , sie sind ja wirklich sehr bizarr. Über “Asteroid City” haben wir jedenfalls auch wieder sehr lachen müssen : )
Ach ja, der war auch einer der Helden meiner Kindheit. Ich hab quasi am Fernseher geklebt, wenn seine Filme liefen. Seine Bücher hab ich verschlungen. Danke für die Erinnerung
@Gunnar Ries: Ging mir auch so! Das Wal-Buch habe ich noch aus Sentimentalität behalten. Auch wenn ich mich bereits damals fragte, worin eigentlich genau die Forschung bestand : )
Auch ich habe seine Sendungen immer gesehen, “Geheimnisse des Meeres” in der ARD. Lustigerweise ist mir am besten eine Episode in Erinnerung, in der er vor allem höhenmäßig weit vom Meer entfernt unterwegs ist, nämlich im Titicacasee.
Von seinen Büchern hatte ich nur eines, in dem es um die Bergung eines Schatzes mit Hilfe von großen Unterwasser-Staubsaugern geht. Nach kurzem Blick in seine Bibliographie dürfte es sich um “Silberschiffe. Tauchen nach versunkenen Schätzen” von 1975 handeln.
@Manfred Polak: “Geheimnisse des Meeres” war großartig! Nur an die Folge im Titicacasee erinnere ich mich nicht. Aber das Gefühl, mit abzutauchen und hautnah dran zu sein, war großartig!