Buckelwal in der Ostsee: Status-Bericht

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Am Montag vor einer Woche (23. März)  wurde ein junger Buckelwal (Megaptera novaeanglieae) in der Ostsee gesichtet – er strandete zunächst auf einer Sandbank vor Niendorf (Kreis Ostholstein) in Schleswig-Holstein.
Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch, verschwimmen sich aber immer mal wieder aus dem Nordatlantik und der äußeren Nordsee in das Binnenmeer. Die großen, schweren Tiere scheinen im Ozean mit ihren bis zu 4,5 Meter langen Brustflossen zu schweben, das Salzwasser trägt sie – in der Ostsee hat es sich dann aber bald ausgeschwebt. Größere Wale und andere Tiefwasserbewohner geraten oft mit einem Schwall kühlen, salzhaltigerem Nordseewasser um Kattegat und Skagerrak durchs Gewirr der dänischen Inseln auch in die westliche deutsche Ostsee. Die Ostsee besteht aus 7 Becken, die durch flache Bereiche getrennt sind. Nach Osten hin wird jedes Becken salzärmer, allerspätestens vor Stralsund und um Rügen stranden größere Tiere dann. Einige spektakuläre Strandungen von Hochseebewohnern waren übrigens auch der Grund, warum aus dem kleinen Stralsunder Naturkundemuseum ein außergewöhnliches Meeresmuseum wurde.
Dieser Buckelwal ist nicht der erste, der sich in die Ostsee verschwommen hat und er wird auch nicht der letzte sein.

Oft folgen Wale einem Schwarm leckerer Heringe oder anderer Beute aus der Nordsee in einer Nordseewasserblase in die Ostsee. Da die Heringe selten umdrehen, hat so ein Wal keinen Anlass, aus dem Binnenmeer wieder zurückzuschwimmen.
Dass dieser Wal – der „Timmy“ getauft wurde – immer wieder auf Sandbänken strandet, zeigt, dass er geschwächt und desorientiert ist. Nachdem er das erste Mal von der Sandbank freikam, ist er leider weiter in Richtung Osten geschwommen. Leiten kann man ihn kaum – Boote erzeugen für ihn Lärm und Streß. Die Wal-Navigation versagt hier, denn Atlantik-Wale haben kein Konzept dafür, der Falle Ostsee zu entgehen.

Die Biolog:innen und Veterinär:innen vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW)  und von Greenpeace sind Wal-Expert:innen. Dr. Stefanie Groß (ITAW) und ihr Team haben den Wal im direkten Kontakt als geschwächt eingeschätzt, seine Haut auf dem Rücken ist, weil sie aus dem Wasser ragt, ausgetrocknet und wird schon von Vögeln verletzt. Darum, so Stefanie Groß, haben sie auch keinen Sender am Tier angebracht, die Haut sei dafür in zu schlechtem Zustand. Außerdem trug der Wal Reste eines Fischereinetzes, dass entfernt werden konnte.

Vor deutschen Küsten leben die bis 1,80 m großen Schweinswale – wenn einer von ihnen lebendig strandet, können die erfahrenen Strandungsteams den Kleinwal vorsichtig anheben und wieder ins tiefere Wasser bringen. Wird ein Wal über den Strand gezogen oder geschleift, führt das zu schweren Verletzungen, darum muss er im oder außerhalb des Wassers hochgehoben werden. Dafür trainieren sie, um den Wal möglichst wenig zu stressen und ihn nicht zu verletzen, etwa an den englischen Küsten oder auch vor Neuseeland und Australien – dort stranden oft Pilotwale. Dafür halten die Helfenden einen Wal zunächst feucht und heben ihn dann entweder mit einer Matte vorsichtig hoch oder warten auf die Flut. Kleinwale können dann von den Helfenden vorsichtig in die richtige Richtung geleitet werden, manchmal schaffen sie es, wieder ins Meer zu schwimmen, in anderen Fällen stranden sie erneut. Kleine Wale werden dann oft euthanasiert, dafür gibt es mittlerweile die richtigen Medikamente und Dosierungen.

Größere Wale wie dieser Buckelwal oder die regelmäßig an unseren Nordseeküsten strandenden Pottwale können nicht gerettet werden. Menschliche Helfer können nicht genug Kraft aufbringen, um solch ein Tier hochzuheben oder zu bewegen – beim Einsatz ausreichend starker Hilfsmittel würden sie das Tier gleichzeitig zu stark verletzen. Weiterhin wird solch ein Riesenkörper vom Sandboden regelrecht angesogen. Weltweit gibt es kein Strandungsteam, dass einen so großen Meeressäuger retten kann.

Die Biolog:innen und Veterinär:innen vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW)  und von Greenpeace haben mit Hilfe der Behörden alles gemacht, was möglich war: Sie haben gewartet, ob das Wasser wieder etwas ansteigt – aber der schwache Tidenhub der Ostsee hat den Wal nicht um Aufschwimmen gebracht. Dann haben sie versucht, mit einem Bagger eine Rinne im Sand anzulegen (Der Baggerführer ist von einem Walexperten dabei vorsichtig angeleitet worden, im Interview wird er richtig poetisch). Menschen und Boote sind für einen Wal auf jeden Fall Streßfaktoren, weil er solche Situationen nicht kennt und Lärm normalerweise meidet.

In diesem Fall strandete der Buckelwal zunächst am Timmendorfer Strand, konnte sich dann selbst freischwimmen, um dann vor Wismar erneut zu auf Sand aufzulaufen.
Am Freitag, dem 27.03. meinte Thilo Maack (Greenpeace), der Wal mache „einen besseren Eindruck, heute habe er „sehr viel vokalisiert, es klingt sehr klagend, die Laute, die er da von sich gibt – das ist nicht schön, wenn man da in der Nähe ist.“ Auch die Oberhaut würde sich inzwischen ablösen.“ Meeresbiologin Lisa Klemens vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund und ihre Kollegen machten sich dann auch vor Ort ein Bild. Sie beschreibt die deutlichen Hautveränderungen, dass er sich noch bewegt, atmet und vokalisiert. „Warum sich der Wal wieder auf eine Sandbank begeben hat, sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch reine Spekulation. Aber es sei wahrscheinlich, dass er dort aus Versehen hingeraten ist. „Denn man sieht, dass er da aktiv weg möchte, er liegt dort nicht gerne.“ Buckelwale kennen sich mit Küstengewässern nicht so gut aus, weil ihr Lebensraum das offene Meer ist, so Klemens. Das Tier sei wahrscheinlich durch den Stress der vergangenen Tage desorientiert.“
Außerdem sei der Wal vermutlich durch Hunger geschwächt.
Im Moment hoffen alle, dass er sich noch selbst von der Sandbank – die „Walfisch“ heisst – freischwimmen kann.

Meine persönliche Einschätzung nach allem, was ich über Buckelwale und Irrläufer in der Ostsee weiß:
Ich habe extrem wenig Hoffnung, dass dieser Buckelwal seinen Ostsee-Ausflug überleben wird. Zunächst weiß er weder, in welche Richtung er jetzt schwimmen müsste und die Leitung eines großen Meeressäugers ist fast unmöglich. Zusätzlich dürfte er mittlerweile sehr gestresst und hungrig sein.
Ich glaube leider nicht, dass er es schaffen wird.
Vermutlich wird er dort auf der Sandbank sterben.

Dass der „Walflüsterer vom Ostseestrand“ und Naturschützer Lehmann jetzt den o. g. Expert:innen Vorwürfe macht, weil er seinen „Rettungsplan“ nicht ausführen durfte, wundert mich wenig. Immerhin lebt er u. a. von Klicks und seinem Youtube-Kanal. Ich habe oben ausführlich beschrieben, dass und warum ein in der Ostsee gestrandeter Großwal dem Tod geweiht ist und es weltweit kein Strandungsteam gibt, das einen solchen Koloß wieder flottmacht. Ob der Wal Lehmanns gutem Zureden Aufmerksamkeit schenken würde oder ob ihn ein weiterer zudringlicher Menschen nicht zusätzlich stressen würde, werden wir nie erfahren. Ich persönlich schätze diesen Rettungsplan eher als Traumtänzerei ein.

Gleichzeitig wünsche ich mir sehr, dass auch andere Wale mehr Aufmerksamkeit bekommen. Buckelwal „Timmy“ hat jetzt für viele Tage die volle mediale Abdeckung und republikweite Aufmerksamkeit bekommen. Das hätte ich den Schweinswalen, deren Flossen kürzlich in der Lübecker Bucht angespült wurden, auch gewünscht – sie hatten sich in Fischereinetzen verheddert, die Fischer hatten sie herausgeschnitten und ins Meer geworfen: „“Da die Schnitte an den Flossen sehr gerade und auch Netzmarken auf der Haut erkennbar sind, ist dies ein sicherer Hinweis darauf, dass die kleinen Wale Beifang in einem Fischernetz, vermutlich einem Stellnetz, waren“, so Lena Hohls vom BUND Klützer Winkel. Um die toten Tiere aus den Netzen zu lösen, seien sie offenbar herausgeschnitten und anschließend zerstückelt ins Meer zurückgeworfen worden.“
Oder den Tausenden von Delphinen und Schweinswalen, die jährlich allein in der Biscaya-Fischerei-sterben oder in an Geisternetzen oder Plastikmüll verenden.
Der beste Walschutz ist, keinen Fisch zu essen und Plastik zu reduzieren sowie wirksamer Meeres- und Klimaschutz. Daran sterben Wale (und nicht an Windkraft).

PS: Gute Nachrichten für die westliche Ostsee:
Es gibt vor der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste gleich drei neue Meeresschutzgebiete:

  • Ostseefläche südliche Hohwachter Bucht
  • Ostseefläche Geltinger Bucht bis Schleimündung
  • Ostseefläche westlich Fehmarn

Der verlinkte Artikel erklärt, dass damit Flachwasserbereiche mit Seegraswiesen und Muschelbänken geschützt werden, die Rastgebiete für Meeresvögel und Ruhebereiche für Schweinswale sind. Darin spricht der Meeresschutzminister vom „Schutz unseres Heimatmeeres“ und meint: „Ostseeschutz ist heute Teil des schleswig-holsteinischen Lebensgefühls.“ Das ist ein wichtiger Aspekt – eine intakte Ostsee ist nämlich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Anders als in anderen „Meeresschutzgebieten“ (MPA) sind Fischerei, Rohstoffabbau oder Bauvorhaben in diesen Gebieten verboten. Für den Schiffsverkehr und Freizeitnutzungen wie Baden werden gerade noch Regeln erarbeitet. Hoffentlich tut sich da noch etwas, gerade Schiffsverkehr ist ein Problem – Schweinswale unterbrechen bei solchen Störungen ihre Nahrungssuche, Vögel dürften dann auch eher auffliegen und nicht zur Ruhe kommen.
Die drei neuen Meeresschutzgebiete sind jetzt ein Ersatz für den in Schleswig-Holstein geplanten Nationalpark Ostsee, der vor zwei Jahren am Widerstand der CDU sowie an Protesten von Fischerei-, Wassersport-, und Tourismusverbänden scheiterte. Dabei würden sowohl Fischer als auch Touristik von einem Nationalpark profitieren – dort erholen sich Fischbestände und intakte Natur ist ein Bestseller. Etwa Vogelbeobachtung, aber auch Walbeobachtung boomen und bringen Touristen auch in abgelegenere Areale. Ich selbst habe im vergangenen Sommer beim Segeln vor Kiel-Schilksee meinen ersten Ostsee-Schweinswal gesehen und war hingerissen.

Für mich ist meine Umgebung an der Küste, im Wald und auf Wiesen Teil meiner „Heimat“. Ein positiver und demokratischer Heimatbegriff – Natur ist für alle da, man trifft draußen entspannte Menschen, hilft sich bei Problemen und kann tolle Entdeckungen machen oder sich einfach austoben und entspannen.


Bettina Wurche in Portsmouth

Veröffentlicht von

https://meertext.eu/

Auf dem Science-Blog „Meertext“ schreibe ich über meine Lieblingsthemen: Biologie, Zoologie, Paläontologie und das Meer. Wale, Fische und andere Meeresgetüme. Tot oder lebendig. Fossile Meere, heutige Meere und Meere der Zukunft. Die Erforschung, nachhaltige Nutzung und den Schutz der Ozeane. Auf der Erde und anderen Welten. Ich berichte regelmäßig über Forschung und Wissenschaft, hinterfrage Publikationen und Statements und publiziere eigene Erlebnisse und Ergebnisse. Außerdem schreibe ich über ausgewählte Ausstellungen, Vorträge, Bücher, Filme und Events zu den Themen. Mehr über meine Arbeit als Biologin und Journalistin gibt´s auf meiner Homepage “Meertext”.

35 Kommentare

  1. Ein sehr irritierender Artikel. 1. Man muss trennen zwischen der Person an sich und die Vorschläge, die er zur Rettung macht – man kann jemanden nicht mögen, aber dennoch können seine Vorschläge richtig sein. 2. Es ist erst Hr. Lehmann zu verdanken, dass der Wal von dem Timmendorfer Strand losschwimmen konnte. Er hatte den Plan mit den Schwimmbaggern, während das ITAW Team tagelang nur wenig produktive Vorschläge machte. Außerdem hatte es den Wal fälschlicherweise als Finnwal eingestuft – was erst von Hr. Lehmann korrigiert wurde. 3. Das Baggerteam, dass dem Wal das erste mal die Rettungsrinne freilegte, wurde aktiv von den Leuten vor Ort behindert – alles einsehbar durch die Stories auf dem Instagramm Account von driver_bibi . 4. Hatte Hr. Lehmann schon am Montag (!) gepostet, dass die Überlebenschancen des Wals sehr gering seien, aber es keine Möglichkeit der humanen Tötung gebe. Man kann durchaus auch mit Segelbooten versuchen den Wal zu lotsen, eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch nicht – auch das sagte Hr. Lehmann am Montag.
    Leider wieder eine sehr einseitige Berichterstattung, die nicht zur Aufklärung beiträgt. Stattdessen wird das Narrativ des „klickgeilen Influencers“ bedient – weshalb wohl auch Lehmann schon unfreundlich vor Ort bewertet wurde.

    • @Hansi Linke: Wenn der Versuch mit den Baggern auf seine Anregung hin gemacht wurde, ist das gut. Das kann ich aber nicht verifizieren. Ansonsten bleibe ich bei meiner Einschätzung.
      Herr Lehmann hat allerdings wesentlich bessere Pressearbeit gemacht, als das ITAW-Team, die haben sich damit wirklich schwer getan.

      • Danke für die Antwort, aber Schade, dass Sie nicht wirklich auf meine Punkte eingehen. Gerade das Baggerteam hat einige Statements dazu abgegeben -und ihre Darstellungen stehen im Widerspruch zur ITAW und der Behörden. Sie werfen den Behörden sogar vor, aktiv an der Ausführung behindert worden zu sein – mittlerweile hat die BILD davon ein Artikel gepostet. Ich wünsche mir mehr differenziertere Aufarbeitung gerade auch von Journalisten und einen kritischen Umgang auch mit den Behörden. Mit dem Argument zu kommen, die Pressearbeit von Hr Lehmann sei einfach besser, ist leider sehr einfach – Influencer haben zwar eine gewisse Reichweite, aber eingesessene Institutionen und Behörden sind deswegen nicht die „Guten“.

        • @Hansi Linke: Das Interview mit dem Baggerführer habe ich sogar verlinkt – oder meinen Sie noch ein anderes?
          Ich bin nicht so sicher, ob Baggerführer diese Situation so beurteilen können.

          Ja, der Wal wurde zunächst fälschlich als Finnwal benannt. An einer vorbeischwimmenden Finne inmitten von Wellen ist das manchmal nicht ganz einfach zu sehen (Ich hätte es gesehen, aber ich habe auch schon über 1000 Wale gesehen, darunter viele Finn- und Buckelwale, die erkenne ich praktisch im Schlaf). Aber dann wurde er ja schnell als Buckelwal korrigiert – wer was wann gesagt hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Sie urteilen nach dem, wer was wann zuerst gepostet hat – das muss nicht die Fakten abbilden.
          Noch einmal: ITWA und Greenpeace haben wirklich schlechte Öffentlichkeitsarbeit gemacht und die Social Media-Mechanismen außer Act gelassen.

          Es gibt hier nicht nicht „gute“ und „böse“ Walretter. Es gibt nur einen todgeweihten Wal, der gerade von allen Seiten als Projektionsfläche für hemmungslos emotionalen Populismus benutzt wird.

          Und die BILD-Zeitung ist sicherlich die Speerspitze des Populismus – gegen echten Walschutz wie Klima- und Umweltschutz machen sie ganze Kampagnen (wie etwa gegen die Grünen, die als einzige ernsthaft daran gearbeitet haben), aber bei „Timmy“ wird´s dann ganz tränendrüsig.
          In meinem Beitrag ging es auch darum, Fakten und Emotionen etwas aufzudröseln und solche billigen populistischen Mechanismen zu benennen.

          • Nein, ich meine nicht das verlinkte Interview mit dem Baggerfahrer. Es gibt weitere Beiträge Statements der Baggerfirma, ich habe es schon mehrmals geschrieben. Wieso schauen Sie sich das nicht an? Die Leute wurden total abwertend behandelt von den ITAW und Co. Für Recherchen könnte man ja mit denen in Kontakt treten, aber das ist anscheinend nicht gewollt. Dass Bild nicht gerade die tollste Zeitung ist, weiß ich selbst. Sie waren es aber, die das Thema als erste aufgegriffen haben. Und damit ist Ihr Artikel eben auch auf diesem Niveau – kein Hinterfragen, sondern auch Populismus -> klickgeiler Influencer vs. ITAW. Dass Lehmann auch Biologie studierte, wird ja nicht erwähnt. Und die Unterscheidung „gute“ vs. „böse“ Walretter haben Sie selbst schon in dem Artikel impliziert, nicht ich 😉 Ich finds nur Schade, dass jetzt wieder Dinge vertuscht werden – denn der Baggereinsatz hätte schon früher laufen können, war aber nicht gewollt.

          • @Hansi Linke: Sie haben an keiner Stelle irgendeine Quelle verlinkt oder benannt, darum finde ich es schwierig, Ihre Behauptungen nachzuvollziehen. Sie wiederholen nur die Behauptungen.
            Da wir uns offenbar im Kreise drehen und das zu nichts führt, werde ich darauf jetzt nicht weiter eingehen.

  2. Wir müssen große Hinweis-Schilder aufstellen, damit der Wal den Weg findet.

    Aber im Ernst, das ist schon doof, dass er das wohl nicht überleben wird.

  3. Die ganze Welt scheint grade kaputt zu gehen und es ist ein böser Schlag gegen jedes Pflänzchen Hoffnung, dass Menschen so sehr machtlos sind, dass sie nicht mal diesem einen Lebewesen helfen können.

    Kann man zum Schutz weiterer Wale nicht an den Stellen, durch die Wale in die Ostsee gelangen, Sperren oder Hindernisse anbringen, zum Beispiel Apparate, die für Wale grässliche Töne generieren und sie damit aus dem gefährlichen Bereich vertreiben?

    • @Maria F.: Nein. Wir können doch die Ostsee nicht „zumachen“. Der Übergangsbereich zwischen Nord- und Ostsee ist ein wichtiges Ökosystem, dort strömt frisches Nordseewasser nach. Der Austausch von Tieren in diesem Bereich ist wichtig und normal. Und dass manchmal ein Lebewesen mit in die Ostsee kommt, für das es nicht gut ausgeht, ist leider auch normal.

      Buckelwale sind nicht vom Aussterben bedroht. Aber es wäre schön, wenn dieser bedauernswerte junge Buckelwal jetzt die Aufmerksamkeit darauf lenken könnte, dass wir uns in der Ostsee und Nordsee sowie anderen europäischen Gewässern ganz dringend um die Wale kümmern müssen, die dort trotz strenger Walschutz-Regeln durch menschliche Einwirkungen in viel zu hohen Zahlen sterben, ohne dass es jemanden kümmert.

  4. @Bettina Wurche

    Vielen lieben Dank für den Artikel und deine Einschätzungen. Ich sehe die Geschehnisse jetzt klarer, und offene Fragen wurden beantwortet. 👍

  5. Vielen Dank für diesen fachlich fundierten und emotional berührenden Bericht. Sie legen präzise dar, warum die Ostsee für einen Hochseebewohner wie „Timmy“ zur physikalischen und biologischen Sackgasse wird.

    Besonders wichtig ist Ihre klare Abgrenzung zwischen wissenschaftlicher Expertise und populistischer „Traumtänzerei“. Es ist schmerzhaft, aber notwendig, die Grenzen menschlicher Rettungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wenn Anatomie und Geografie gegen das Tier stehen.

    Ihr Hinweis auf das leise Sterben der heimischen Schweinswale durch Stellnetze und Plastik rückt die Verhältnismäßigkeit der medialen Aufmerksamkeit an die richtige Stelle. Wahrer Walschutz beginnt tatsächlich bei unserem Konsum und dem Erhalt der Lebensräume.

    Danke für diese mahnende Stimme der Vernunft.

  6. Danke für diese sachliche informative Betrachtung. Jede gute Erklärung wirft wieder neue Fragen auf. Da der Auftrieb des Wales in der salzarmen Ostsee nicht mehr stimmt braucht er mehr Kraft zum schwimmen, kann nicht wie gewohnt ruhen. Vielleicht verleitet ihn das sich dazu auf die Sandbank zu legen um nicht tiefer abzusinken und etwas ruhen zu können. Eine Falle, wie jeder leicht am Sandstrand probieren kann sinken wir langsam mit den Füssen ein wenn wir am Wasserrand stehen.

    Der Wal mißversteht vielleicht auch die Versuche ihn zur Nordsee zu treiben als Verfolgung und Hetzjagd der er sich durch Flucht in unangenehmere Gegenden versucht zu entziehen. Das kostet weitere Kraft. Demnach sollten wir ihn in Ruhe lassen.

    Aber wenn er stirbt, der dem wir uns jetzt verbunden fühlen, ist seine Seele dann mehr wert als die eines der Heringe die er gefressen hat? Lädt er ungewollt Schuld auf sich weil er nicht vegan lebt? Oder laden wir Schuld auf uns weil wir eingreifen und ungewollt alles schlimmer machen?

    • @Golgafrincham-Reinzucht: Ja, natürlich strandet er mangels Auftrieb und aus Erschöpfung immer wieder. Und ja, natürlich sind Menschen und Boote Stress, das habe ich ja auch geschrieben.
      Zum Seelenheil von heringfressenden Buckelwal befragen Sie bitte jemand anderen. Wale haben jedenfalls genausowenig wie Heringe ein Konzept für „vegan“.

  7. Hi! Ich verstehe den obigen Beitrag derart, dass der Wal mehr oder weniger unabsichtlich in die Ostsee gelangt sei, und das alles andere letztendlich die Folgen davon sind:

    Dieser Buckelwal ist nicht der erste, der sich in die Ostsee verschwommen hat und er wird auch nicht der letzte sein.

    In der FAZ ist in einem Interview mit einem andere Biologen zu lesen (https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tiere/warum-strandet-der-buckelwal-in-der-ostsee-so-oft-ein-biologe-im-interview-accg-200682612.html), dass die Ostsee eigentlich ein natürlicher Lebensraum der Buckelwale sei.

    Sie kehren zurück. Sie gehören hierher. Grauwale, Buckelwale, Glattwale – sie alle sollten in der Ostsee sein. Die waren früher hier.

    Welche Aussage stimmt denn nun?

    • @kmic: Beides.
      Peer Madsen ist ein hochkarätiger Wal-Experte, den ich sehr schätze. Sein Interview ist typisch für die dänische Sichtweise – sehr pragmatisch. Dieser Buckelwal hatte keine Chance.
      Auch seine Aussage, dass Buckelwale in flachen Gewässern gut klarkommen, stimmt absolut – ich habe sie auch schon so oft in flachen Küstenstrichen gesehen. Das Problem in der Ostsee ist aber nicht die geringe Wassertiefe, sondern die mangelnde Salinität.

      Grauwale lebten früher in der östlichen Nordsee und sind sicherlich auch in die flachen Lagunen der Ostsee geschwommen, sie wurden im Mittelalter ausgerottet
      https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0277379125004032
      Buckelwale waren einst auch in der östlichen Nordsee häufiger – für die Ostsee habe ich keine Nachweise gefunden. Nur regelmäßige Irrläufer, die meist auch dort starben.
      Die Glattwale in der Biscaya wurden von baskischen Walfängern ausgerottet – auch für sie habe ich keine Nachweise für die Ostsee. Würde mich wundern, wenn sie dort mehr als Irrläufer waren, denn ihre Nahrung, große Planktonwolken, gibt es dort nicht.
      Wenn Peer diese Walarten als in der Ostsee heimisch nennt, wird er wohl Nachweise dafür haben, ich recherchiere das mal weiter.

      Aber: Die heutige Ostsee existiert so erst seit der letzten Eiszeit.
      In den Warmzeiten davor können natürlich noch andere Großwale dort gelebt haben – Wasserspiegel und Salzgehalt sowie Fauna und Flora haben sich da innerhalb weniger 10.000 Jahre immer wieder geändert. Aus dem Interview geht der Zeitraum, in dem diese Arten in der Ostsee lebten, nicht hervor.
      Peer sagt übrigens auch sehr deutlich, dass die heutige Ostsee in einem katastrophal schlechten Zustand ist – damit hat er leider absolut recht.
      Keine gute Zeit für Wale, nicht einmal für kleine Schweinswale.

      • Hey, Danke für deine zusätzlichen Erläuterungen – auch wenn meine Frage damit vermutlich nur von Peer Madsen beantwortet werden kann. Aber in der Bewertung der aktuellen Situation seit ihr ja auf einer Linie.

        • @kmic: Gern. Er hat eine Professur in Arhus. Kann gut sein, dass dort im Museum/Institut noch historische und regionale Publikationen sind, die nie digitalisiert wurden, also Insiderwissen. Ich habe solche Publikationen für meine Arbeiten zu Fischen und Walen oft mit ausgewertet, das ist manchmal richtige Detektivarbeit. So habe ich in Greifswald mal einen extrem seltenen Schnabelwalschädel gefunden, der falsch etikettiert war. Sein Etikett passte zu einem Schädel eines anderen Schnabelwals in Stralsund im Meeresmuseum, den ich kannte. So konnte ich sie richtig zuordnen. Andere Quellen für alte Walstrandungen sind Fischerzeitschriften, Kirchenbücher oder Uralt-Schriften in Museen, die nie digitalisiert wurden. Mit solchen Infos kann man dann historische Irrläufer oder auch Vorkommen rekonstruieren. Sehr spannendes Thema!

          • Das wäre eine Erklärung, ja, aber mir schwebt eher eine andere, völlig banale Erklärung vor: Nämlich dass er von der FAZ falsch verstanden, falsch zitiert oder falsch übersetzt wurde… Mal schauen.

          • Habe beim Interviewpartner der FAZ per Mail nachgefragt, ob er weitere Informationen zu dem Thema hat, oder einfach nur falsch zitiert oder übersetzt wurde.

            Sollte ich eine Antwort erhalten, gebe ich hier ein kurzes Feedback.

            Bis dahin: Besten Dank für deinen Artikel (und auch die vielen weiteren von dir hier bzw. in der früheren Heimat des Blogs)!

  8. Es gibt heute tatsächlich eine Demo zur Rettung von „Timmie“, (benannt nach dem ersten Fundort am Timmendorfer Strand), organisiert mit Hilfe dieses Herrn Lehmann. Es haben sich 47 Menschen daran beteiligt, haha, ich hoffe, es waren zumindest alles VeganerInnen, ansonsten sollten sich diese Menschen lieber für einen vernünftigen Meeres-, bzw. Tierschutz engagieren.

    Danke also an diesen „zugewandten“ und trotzdem rationalen Beitrag, der sich angenehm von der sonstigen medialen Jammerei abhebt.

    • @Robert: Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wie gesagt, mich machen so eine Strandung und das Leider und Sterben eines Wals immer sehr traurig, aber in diesem Fall war nichts zu machen.
      Ich empfinde mich zwar als recht lautstarke Meeresschützerin, mit recht konsequentem Lebensstil, aber ich würde mich nicht als Tierschützerin bezeichnen – die retten eher Tier-Individuen, aber meist keine Arten und Lebensräume.

    • @Robert

      Wenn man denkt, es könnte nicht irrsinniger werden, wird man schnell eines besseren belehrt. Er wurden Strafanzeigen „gegen Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus, die Umweltschutzorganisation Greenpeace sowie das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) [eingereicht]. Den Verantwortlichen wird vorgeworfen, nicht rechtzeitig oder ausreichend gehandelt zu haben.“

      https://www.morgenpost.de/panorama/article411582026/wal-timmy-ostsee-rettung-wismar-poel.html

  9. @Bettina Wurche
    05.04.2026, 10:37 Uhr

    Wirklich kurios bis ans Absurde ist eigentlich, dass wissenschaftliche Entdeckungen dazu beigetragen haben, Wale als empfindsame und intelligente Lebewesen zu betrachten, die komplexe soziale und emotionale Leben führen.

    Nur mit „Songs of the Humpback Whale“ und „Flipper“ wäre das vieleicht gar nicht so wüst (wobei sowas natürlich einen klaren Effekt hat).

    Früher betrachtete man Wale oft als gefährliche Kreaturen…

    Damit gab es für bestimmte Menschen auf einmal eine Begründung sich ohne Rücksicht auf Verluste auf ein Ziel zu stürzen und vieleicht so ihrem Leben mehr Sinn zu geben (meine persönliche Meinung).

    Was natürlich keine Entschuldigung für brutale Fangmethoden oder die Zerstörung der Mitwelt ist…

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