Urlaub in Corona-Zeiten

Die Sommerurlaubszeit hat begonnen – trotz immer noch zirkulierender Corona-Viren. Ein kleiner Blick in den Dschungel der aktuellen Regeln und Empfehlungen.

Pünktlich zur Urlaubszeit wurden die Grenzen innerhalb Europas wieder etwas durchlässiger. Mit einigen Ausnahmen, darunter Skandinavien, Großbritannien Irland und Malta, sind Reisen nun zumindest in Europa wieder weitgehend möglich.

COVID-19-Reisewarnung gilt weiterhin

Doch auch in sogenannten “sicheren” Ländern wird viele Reisende dieses Jahr wohl ein mulmiges Gefühl begleiten. Denn die Coronakrise ist noch nicht vorbei. So warnt das Auswärtige Amt weiterhin vor nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland.

Diese Regelung gilt vorerst bis einschließlich 31.08.2020. Aktuelle Anpassungen können je nach Entwicklung der Pandemie erfolgen. Das Auswärtige Amt schreibt (Stand 01.07.2020):

“Überschreitet ein Land die Neuinfiziertenzahl im Verhältnis zur Bevölkerung von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner kumulativ in den letzten 7 Tagen, kann eine Reisewarnung auch wieder ausgesprochen werden.”

Besondere Vorsicht ist also weiterhin geboten, vor allem bei Reisen ins Ausland. Jeder Aufenthalt sollte gut geplant werden unter Berücksichtigung der aktuellen Bestimmungen.

Risiko Quarantäne-“Urlaub”

Auf der Webseite des Auswärtigen Amtes können die aktuellen Regelungen und Empfehlungen nachgelesen werden. Außerdem zeigt eine Graphik die Länder mit derzeit geltenden COVID-19 bezogenen Reisewarnungen.

Karte der COVID-19-Reisewarnungen. Credit: Auswärtiges Amt

Wer sich dennoch entscheidet, in ein Land mit einer aktiven Reisewarnung zu reisen (auf der Karte Länder ohne Farbe bzw. nicht grün markiert), muss damit rechnen, sich ab dem Tag der Rückkehr 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben zu müssen. All diejenigen, die nicht oder nur eingeschränkt im Home Office arbeiten können, müssen zusätzliche Urlaubszeit nehmen oder ihre Überstundenkonten reduzieren. Ausschlaggebend ist die entsprechende Reisewarnung zum Zeitpunkt der Rückreise.

Auch nach Deutschland darf wieder vermehrt eingereist werden. Für bestimmte Drittstaaten mit geringem Infektionsgeschehen ist die Einreise nach Deutschland ab dem 02.Juli 2020 wieder möglich. Einzelheiten hierzu gibt es auf der Webseite des Bundesinnenministeriums.

Urlaub in Deutschland

Wer Urlaub in Deutschland machen möchte, muss die Regelungen des jeweiligen Bundeslandes beachten. Einige Bundesländer verbieten die Übernachtung in einem Hotel oder einer Herberge für Menschen aus einer Region mit vielen Neuinfizierten.

Oft gibt es dabei jedoch Ausnahmen, zum Beispiel das Vorweisen eines negativen Coronatests, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Aktuelle Informationen sollten vor Einreise auf der Internetseite des entsprechenden Bundeslandes eingeholt werden.

Warn-Apps in Europa

Im Ausland hilft die deutsche Corona-Warn-App der Bundesregierung bislang eher wenig. Inzwischen können auch Menschen in anderen Ländern das deutsche Programm kostenlos aus den App-Stores ihrer Länder herunterladen. Allerdings ist die deutsche App bislang nicht mit Apps aus anderen Ländern kompatibel. Einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Warn-Apps in Europa hat DER SPIEGEL am 30.06.2020 zusammengestellt: “Das sind die Warn-Apps der beliebtesten EU-Reiseländer”.

Da ich nächste Woche für einige Tage nach Frankreich reise, habe ich nun auch die französische App “Stop Covid” heruntergeladen. Da Frankreich eine zentrale Datenspeicherung nutzt und Deutschland eine dezentrale, können die beiden Apps sogar parallel laufen. Allerdings funktioniert die französische App zumindest auf iPhones bislang nur, wenn sie im Vordergrund läuft und sich das Smartphone nicht im Ruhemodus befindet.

Wenn jedoch zwei Länder eine dezentrale Datenspeicherung nutzen, kann immer nur eine App auf die Tracing-Schnittstelle von Apple und Google zugreifen. Da dann immer nur eine App funktioniert, sollte man sich überlegen, welche der jeweiligen Apps gerade aktiviert sein sollte.

Ist man mit Einheimischen zusammen, sollte es eher die App des jeweiligen Landes sein. Wer allerdings beispielsweise die Unterkunft mit vielen deutschen Urlaubern teilt, ist dort vermutlich mit der deutschen Corona-Warn-App besser beraten.

Zu beachten ist auch, nur die offizielle Corona-Warn-App des entsprechenden Landes zu installieren. Auch hier gilt Vorsicht statt Nachsicht – sonst droht Datenklau statt Schutz.

Fazit und Ausblick

Es bleibt also kompliziert. Corona ist noch nicht vorbei. Selbst wenn wir in Deutschland bislang besser durch die Corona-Pandemie gekommen sind als viele andere Länder, ist das Virus auch hier nicht verschwunden. Wo wir auch sind – es gelten weiterhin die AHA-Regeln : Abstand, Hygiene, Alltagsmasken.

Auch wenn es für viele einen “normalen Urlaub” in diesem Sommer wohl eher nicht geben wird, wünsche ich dennoch allen eine gesunde und erholsame Urlaubszeit. Immerhin hilft uns die Corona-Pandemie, Jetlag und Reisestress zu vermeiden, sodass sich dieses Jahr zumindest unser Planet ein wenig (von uns) erholen kann. 😉

Titelbild: Corona – Urlaub mit “Élan”… Credit: Dr. Karin Schumacher  

Quelle / verlässliche Informationen:

Karin Schumacher

Veröffentlicht von

Dr. Karin Schumacher bloggt als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

2 Kommentare

  1. Zitat:

    Es bleibt also kompliziert. Corona ist noch nicht vorbei.

    Ja, so ist es. Doch was wäre, wenn man das gleiche auch in einem Jahr noch sagen könnte?
    Das wäre schlimm, denn irgendwann muss es vorbei sein, irgendwann muss das Normalleben wieder einsetzen – wir sind schliesslich nicht im Krieg.
    Die Chancen stehen allerdings gut, dass in einem Jahr wirklich alles vorbei ist: weil es bis dann wohl Impfungen geben wird oder aber medikamentöse Kombinationstherapien, die eine schlimmere Erkrankung verhindern. Doch wenn es weder das Eine noch das Andere in einem Jahr gibt, dann müssen wird irgendwann später trotzdem zum Normalleben zurückkehren. Aber vorerst gilt es einfach zu warten.

  2. Urlaub wie zu DDR Zeiten- im eigenen Land. Nicht einmal (ent)fliehen kann man diesem Land mehr, denn überall lauert der Corona Virus. In zehn Jahren ist es dann vielleicht ein anderer Virus und dieses Jahr ist das Pilot-Projekt für das Kennenlernen der eigenen Heimat. Also zum schoppen nicht mehr nach New York und Tokio sondern nach Warnemünde oder Hohenwulsch. Der Umwelt würde diese neue Sichtweise endlich mal gefallen.

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