Lauf mit den Wölfen! Oder: Vom „Wunder“ einer Krebsheilung

Gudrun Pflüger ist Wildbiologin, Ex-Spitzensportlerin, Wolfsexpertin und eine der wenigen Überlebenden eines aggressiven Hirntumors. Eine Spurensuche.

Auf der Fährte des „Wolfsspirits“

Im Jahre 2005 reiste die junge Biologin und vierfache Ex-Weltmeisterin im Berglauf Gudrun Pflüger aus dem österreichischen Altenmarkt nach Kanada, um einen Film über die bislang ohne Menschenkontakt lebenden Küstenwölfe in British Columbia zu drehen.

Während der letzten Tage der Dreharbeiten klagte die damals 33-Jährige oft über Kopfschmerzen und Schwindel. Sie fühlte sich manchmal ganz benebelt, führte das aber auf den Stress am Set zurück. Fast hätten die Filmarbeiten abgebrochen werden müssen. Dennoch hielt die Wissenschaftlerin bis zum Ende durch.

Denn ein Rudel Wölfe hatte sich angenähert und mit ihr direkten Kontakt aufgenommen. Einen ganzen Nachmittag verbrachte Pflüger inmitten eines Wolfsrudels und zeigte so erstmalig, wie friedlich diese wunderbaren Tiere sind. Zumindest wenn sie noch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen machen mussten.

Sie ahnte noch nicht, wie sehr ihr dieses Erlebnis in der kommenden Zeit helfen würde…

Dank der Wölfe überstand sie die folgenden Monate

Kurz nach ihrer Rückkehr nach Calgary wurde bei der Wildbiologin ein äußerst aggressiver Tumor im Gehirn diagnostiziert. Die Ärzte gaben ihr nur 18 Monate. Es folgte das übliche Programm, bestehend aus Operation und Radiochemotherapie.

Eine Prozedur, die nicht nur den Krebs angreift, sondern im Prinzip alle sich schnell teilenden Zellen im Körper. Bei Gudrun Pflüger waren dies vor allem die weißen Blutkörperchen und die Blutplättchen. Wegen lebensbedrohlich niedriger Werte für Leukozyten und Thrombozyten brach sie die Therapie nach 20 statt der vorgesehenen 32 Behandlungen ab.

In diesem Zustand traf sie einen Freund. Nach seiner Recherche wandten sich die beiden an einen New Yorker Gehirntumor-Experten. Dieser riet zu einem Therapieversuch mit onkolytischen Viren – in einer Spezialklinik in Bayern.

So kehrte die Biologin zurück nach Europa. In den folgenden drei Jahren erhielt sie mit einigen Unterbrechungen Injektionen auf der Basis des Newcastle-Virus. Dieses einzelsträngige RNA-Virus zeichnet sich dadurch aus, dass es sich im Menschen nur in Tumorzellen gut vermehrt und dadurch erfreulich nebenwirkungsarm ist. Ergänzt wurde die Immuntherapie durch Hyperthermie – eine Wärmebehandlung, die Fieber entsprechend der körpereigenen Abwehr imitieren soll.

Glaube wirkt Wunder

In einem weiteren Film erzählte die Biologin über ihre Krebstherapie. Auch in den schlimmsten Phasen zieht sie immer wieder Vergleiche zu den Wölfen, die in unserer Welt ebenfalls nur Tag für Tag nur durch Ausdauer und Klugheit überleben können. Anders als ihre zahmen Verwandten, die Hunde, besitzen Wölfe ein Ziel. Schließlich müssen sie sich ihr Mittagessen noch selbst besorgen. Nur daran kann man übrigens ihre Fährten unterscheiden.

Selbst in der furchtbarsten Zeit dachte die Wolfsexpertin nicht ans Aufgeben. Um eine solche Situation zu meistern, muss man Grenzen überschreiten. Und Gudrun Pflüger hatte nur eins im Sinn: Sie wollte ihre besonderen Freunde wiedersehen.

Mittler zwischen den Welten

Für die kanadische First Nation – die Indianer – ist der Wolf ein Wesen, das eine Verbindung zwischen Zeit und Raum herstellt. Ein Wolf zeigt sich uns nur, wenn er uns etwas mitzuteilen hat. Gudrun Pflüger ist sicher, dass die wilden Wölfe, die sie in British Columbia beschnupperten, ihr etwas von ihrer Kraft und Widerstandsvermögen mit auf die neue Reise geben wollten. Ihre Odyssee durch und über die Krankheit hinweg.

Nach drei Jahren hatte Gudrun Pflüger diese Reise überstanden. Seitdem gilt sie als geheilt. Für einige Zeit forschte die Biologin wieder in Kanada, bevor sie 2009 in ihre Heimat Österreich zurückkehrte. Im selben Jahr kam Sohn Conrad auf die Welt, ein Grund mehr für ihr neues Glück. Nicht zuletzt braucht der Kleine eine gesunde Mutter.

Auch heute treibt Gudrun Pflüger regelmäßig Sport, wenn auch nicht mehr wettkampfmäßig. Ihre Skier helfen ihr jetzt, ihre wilden Freunde leichter zu erreichen. Endlich hat sie den Sinn gefunden, den sie beim Leistungssport vermisste. Eine perfekte Synthese.

Gudrun Pflüger genießt jeden Tag ihres neuen Lebens. Einmal mehr zitiert sie die Weisheit ihrer First Nation-Freunde. Als eine indianische Freundin sie fragte, wo sie jetzt lebe, meinte sie: „I’m in the mountains .“ Darauf die Freundin beruhigt: „Good. The mountains are healing.“

Wie es scheint, braucht einer meiner Freunde bald auch dringend ein paar gute Wölfe. Mindestens. Daher gibt es diesen Artikel neben Deutsch auch auf Spanisch. Hoffen wir das Beste für alle, die gerade irgendwo krank sind.

Quelle / weiterführende Literatur:

  • Gudrun Pflüger: Wolfspirit – Meine Geschichte von Wölfen und Wundern. Patmos Verlag, 248 Seiten, 19,99 Euro.
  • English version: Wolf Spirit. A Story of Healing, Wolves and Wonder. RMB. Release Date: 23/11/2015. ISBN 9781771601276. 256 pages. $28.00 (CAD)
  • Lam HY, Yeap SK, Rasoli M, et al. Safety and clinical usage of newcastle disease virus in cancer therapy. J Biomed Biotechnol. 2011;2011: 718710.
  • Tayeb S, Zakay-Rones S, Panet A. Therapeutic potential of oncolytic Newcastle disease virus: a critical review. Oncolytic Virother 2015 27;4:49-62. Epub 2015 Mar 27.

 

Veröffentlicht von

Dr. Karin Schumacher bloggt als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Corre con lobos! O: El "milagro" de curación de un cáncer » Medicine & More » SciLogs - Wissenschaftsblogs

  2. Sowas zu lesen, tut gut. Schwere Krankeheiten, die überlebt werden, soll es ja nicht viele geben? Hört man jedenfalls nicht oft.

  3. ´Glaube wirkt Wunder´- diese Idee ist ein Märchen.
    Der wichtigste Grund für die Überwindung des Krebses ist die durch die Ärzte durchgeführte Therapie. Diese darf man ruhig loben.

    Eine weitere bedeutende Grundlage für den Heilerfolg ist allerdings auch die psychische Einstellung von Frau Pflüger. Sie hatte immer das Ziel vor Augen, die Wölfe noch einmal zu sehen. Weil sie den Fokus ihrer Aufmerksamkeit von der Krankheit weg, auf dieses Ziel richtete, ermöglichte dies dem Körper, seine Selbstheilungskräfte optimal zu aktivieren.
    Wie effektiv diese Ablenkung ist, wurde in einem einfachen Experiment gezeigt:
    http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-30037-2016-04-05.html ´Singen im Chor stärkt das Immunsystem´ DOI: 10.3332/ecancer.2016.631

    Ein anderes Beispiel kam vor ein paar Jahren im TV: Einer austherapierten Frau wurde eröffnet, dass es keinen Sinn mache, die Behandlung fortzusetzen, weil sich die Werte nicht besserten. Darauf – so die Frau – ´akzeptierte ich, dass ich sterben werde und der Krebs ein Teil von mir ist´; am nächsten Tag hatte sie schon gute Werte und wurde geheilt (>10 Jahre krebsfrei).
    Auch hier der gleiche Effekt: indem die Frau den Krebs akzeptierte, hatte sie keine Angst mehr davor (= kein negativer Stress). Durch den Wegfall dieses negativen Stresses war es dem Körper möglich, seine Selbstheilungskräfte voll zu aktivieren.

    • Vielen Dank für die Anmerkungen und den Link. Als begeisterte Musikerin kann ich die positiven Effekte des Singens nur bestätigen (zumindest für den oder die Sänger/in), eine medikamentöse Therapie ersetzt es natürlich (leider) nicht.

      Akzeptanz ist ebenfalls ein ganz wichtiger Faktor, quasi die Voraussetzung. Nur wenn ich ein Problem nicht (mehr) leugne, kann ich mich ihm stellen und es schließlich überwinden.

      Der Glauben an „Wunder“ (und Märchen, d.h. Geschichten) oder eben auch nicht, beeinflusst natürlich die (Wahl der) Behandlung und deren Verlauf. Placebos bzw. ihre Gegenteil (Nocebos) werden, vermutlich schon so lange es Ärzte gibt, mehr oder weniger geschickt angewendet. Trouton fand 1957 heraus, dass Pillen besonders gut helfen, wenn sie rot, gelb oder braun sind. Außerdem ist eine Pille besonders wirksam, wenn sie sehr groß oder sehr klein ist und bitter schmeckt (Trouton, D. S. 1957. Placebos and their psychological effects. Journal of Mental Science 103:344–54.)

      Dr. Eckart von Hirschhausen hat dem Thema vor kurzem ein ganzes Buch gewidmet („Wunder wirken Wunder“), das er u.a. auch im aktuellen „Gehirn & Geist“ vorstellt: „Der Heiler in uns“. Absolut lesenswert!

  4. Ich finde die Kraft des Geistes und der Selbstheilung immer wieder sehr faszinierend, bin aber gerade bei Krebs da auch sehr skeptisch. Denn eine zweite Chance zu einer anderen Therapie bekommt man oft nicht mehr….

  5. Ja Heike so ist es . Die Unterdrückung dieser wichtigsten Entdeckung wird speziell in Öszterreich in Deutschland ,Dänemark usw. massiv betrieben. Diese Biologin ist damit noch nicht mal am Anfang einer einzigen wissenschaftlichen Beweisführung. Dr. Hamer kann das an jedem vorliegenden Fall.Für mich ist es immer wieder verwunderlich daß in diesem Jahrhundert angeblich kluge wissende Menschen immer noch das Märchen von Wunderheilung verbreiten. Vielleicht gibt es dafür auch eine pharmafinanzierte finanzielle Stütze.
    Einfach nur peinlich ,auch die anderen Kommentare. Wir danken Dr. Hamer und Helmut Pilhar und allen die nach den 5 biologischen Naturgesetzen leben und handeln im Namen des Überlebens unserer Rasse.

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