Individualität wächst im Gehirn

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Eineiige Zwillinge entwickeln sich oft sehr unterschiedlich, obwohl sie das gleiche Erbgut teilen und unter identischen Bedingungen aufwachsen. Forscher konnten nun bei Mäusen einen Grund hierfür zeigen: Individuelle Erfahrungen lassen im Laufe des Lebens die einzelnen Persönlichkeiten immer unterschiedlicher werden. 

“Nature versus Nurture”?

Fast jeder hat in seinem Bekannten- oder Verwandtenkreis Zwillingspaare oder zählt vielleicht sogar selbst dazu. Eineiige Zwillinge sind besonders interessant für das Studium von “Nature versus Nurture”, also genetischer im Gegensatz zu anerzogener Eigenschaften. Denn auch genetisch identische Zwillingsgeschwister entwickeln ganz eigene Persönlichkeiten, die sich im Laufe des Lebens immer stärker unterscheiden, selbst wenn sie in der gleichen Familie und unter gleichen Bedingungen aufwachsen. 

Laut Psychologen und Verhaltensgenetiker liegt dies an der “nichtgeteilten Umwelt”, einem jedoch recht schwammigem und umstrittenen Begriff. Bislang war weder klar, was genau damit gemeint ist, noch, welches Ausmaß unterschiedlicher Faktoren für die individuelle Entwicklung tatsächlich prägend ist.

“Nature and Nurture”!

So müsste es jedenfalls laut neuester Erkenntnisse eher heißen: angeboren und anerzogen. Was aus dem wird, was die Natur an Erbanlagen liefert, liegt auch an der Umwelt und wie diese Erfahrungen individuell erlebt werden. Diese äußeren Einflüsse können sogar bestimmen, ob manche Gene aktiv werden oder stumm bleiben.

Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden haben jetzt anhand von 40 genetisch identischen Mäusen herausgefunden, wie diese Unterschiede entstehen. Obwohl alle Tiere der Versuchsgruppe in einem großen Käfig mit vielen interessanten Erkundungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten zusammen lebten, verhielt sich jedes Tier individuell unterschiedlich. Die angereicherte Umgebung (“enriched environment”) regt Tiere zu mehr Aktivität an und fördert die Bildung neuer Gehirnzellen in einem Teil des Hippocampus

Interessanterweise erlebte jede Maus ihre Umgebung auf andere Weise: Während einige Tiere häufig herumliefen und ihre Umgebung erkundeten, bewegten sich andere lieber nur zwischen Fressplatz und Schlafstelle hin und her. In welchem Ausmaß dies geschah, maßen die Wissenschaftler anhand von winzigen RFID-Chips, die sie den Tieren zuvor unter die Haut implantiert hatten.

Am Ende der Beobachtungsphase unterschieden sich die Mäuse hinsichtlich ihres Körpergewichts und ihrer Hirnvolumina. Die Mäuse in der Kontrollgruppe, die sich in den langweiligen Käfigen aufhalten mussten, hatten erwartungsgemäß weniger Nervenzellen als ihre genetisch identischen Geschwister in der “angeregten” Gruppe. Doch die Unterschiede innerhalb der Versuchsgruppe, die sich in der interessanten Umgebung aufhalten durfte, waren auch groß. 

Vor allem ein Parameter schien entscheidend für die Entwicklung neuer Nervenzellen: Die Aktivität, mit der sich die Tiere bewegten. Die Mäuse, die den gesamten Bereich intensiv erforschten, sammelten mehr Erfahrungen und hatten letztendlich auch die meisten Neuronen gebildet.

http://www.crt-dresden.de/press-and-public/press-releases.html
Hippocampus einer bewegungsfreudigen (rechts) versus einer bewegungsscheuen Maus (links). Die rechte Maus zeigt viel mehr neue Nervenzellen (schwarze Punkte). ©CRTD/DZNE/Freund 

Neuroplastizität durch geistige und körperliche Aktivität

Diese Studie ist eine weitere neurobiologische Bestätigung dafür, dass eine aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt das Gehirn von Säugetieren positiv beeinflusst. Auch bei Menschen konnte vor kurzem gezeigt werden, dass eine lebenslange Mehrsprachigkeit von drei oder mehr Sprachen durch Erhöhung kognitiver Reserven und Anregung der Neuroplastizität vor neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz schützen kann. 

Gehirnjogging heißt auch das Zauberwort Gerd Kempermanns in seinem Spektrum-Artikel “Was man für sein Gehirn tun kann”. Der Seniorautor der vorgestellten Mausstudie gibt hier einen guten Überblick über die Auswirkungen von Aktivität auf unsere Gene.

Eine spannende Frage für die Zukunft bleibt jedoch: Warum verhalten sich genetisch identische Lebewesen individuell verschieden? Warum sind einige aktiver als andere? Möglicherweise können auch hier epigenetische Erklärungen gefunden werden. Ist beispielsweise der aktive bzw. passive Weg erst einmal eingeschlagen, bilden sich die hierdurch bedingten Unterschiede immer stärker aus, so wie aus einem Rinnsal im Gebirge schließlich ein Fluss mit mehr oder weniger festgelegten Ufern wird.

Dass und wie solche Verhaltensmuster veränderbar sind, beschreibt die britische Psychologin und Optimismus-Expertin Elaine Fox in ihrem Buch “Rainy Brain, Sunny Brain” (auf deutsch in etwa: regnerisches Gemüt, sonniges Gemüt). Auch wenn für die meisten Menschen immer noch Angst ein dominanter Antriebsfaktor ist, da unsere Vorfahren besser vor dem Säbelzahntiger davonliefen, um nicht als seine Speise zu enden, können wir positive Aktivitäten durchaus auf unsere heutigen Anforderungen angepasst trainieren.

Die Spanier benutzen gern ein Zitat des Philosophen und Soziologen José Ortega y Gasset: “Ich bin ich und meine Umstände.” Wie wir diese Umstände er-leben, bestimmt, wer wir sind und wie wir werden.

 

Quelle / weiterführende Literatur:

 

Veröffentlicht von

Dr. Karin Schumacher bloggte zunächst als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

16 Kommentare

  1. Fetus

    Eine interessante Studie, bei der allerdings die Fragestellung ausgeklammert ist: kommen alle Mäuse mit der gleichen Anzahl an Nervenzellen auf die Welt?
    Menschen erinnern sich das ganze leben lang an Erlebnisse ab dem 5. Schwangerschaftsmonat (www.spektrumverlag.de/artikel/1058259). Man darf daher annehmen, dass auch die Mäusegehirne schon im fetalen Stadium beeinflusst werden – woraus sich dann Unterschiede im Verhalten ergeben

  2. Augenentwicklung

    per Google [mausstudie: Licht steuert Entwicklung der Augen im Mutterleib] bzw. [“Light exposuse during pregnancy key to normal eye development] findet man Hinweise, dass die Entwicklung der Augen bereits im Fetalstadium von Umweltbedingungen abhängig ist.
    D.h. hiere wäre schon eine mögliche Ursache für unterschiedliche Zurückhaltung/Entdeckerfreudigkeit bei Mäusen.

  3. Genetische Übereinstimmung

    ist dankenswerterweise nicht gegeben, auch wenn der allgemein akzeptierte Wert “99,9%” für Menschen unter sich (Mensch-Affe: ca.97%, Mensch-Schwein: ca. 90%) eine Übereinstimmung nahezulegen scheint.

    Die Soziologen der Siebziger warben verstärkt dafür die genetischen Unterschiede zu negieren und die Erziehung oder Sozialisierung als bestimmend hervorzustellen.
    Die Epigenetik hat die auch wenig interessiert…

    MFG
    Dr. W

  4. Das mit dem Säbelzahntiger ist für den modernen Menschen Nonsens. Auch Angst muß

    in einem Kontext erlernt werden – den Säbelzahntiger es aber nicht mehr gibt.

    Aber es wird im Individuum eine diffuse / unzugeordnete (unzuordbare) Erregung

    geben, die vor aller Konditionierung besteht.

    Und aus einigen relevanten Gründen ist es unbedingt nötig, in dieser Phase das

    Individuum wohlbedacht die richtigen Unterscheidungsmerkmale bezüglich der

    Interpretation von Erregung erfahrbar und wahrnehmbar zu machen. Was nämlich in

    dieser Phase falsch gemacht wird,ist später größtes Hindernis für weitere

    Entwicklungen.
    Was in der frühen Phase erst noch eine Errgungsbedingte Starre sei, wird später

    das sein,was man zukünftig eine affektive Störung nennen wird. (Diese neue

    psychische Störung der DSM V).

    Ich staune übrigens besondere Bauklötzer, warum man die Plastizität des Gehrins

    erst jüngst festgestellt hat.
    War etwa die frühere Erkenntnis geradezu selbsterfüllend wirksam, weil man als

    betroffenes Individuum aus dem Wissen um eine Endgültigkeit auch keinerlei

    Anstalten zur Unterstützung dieser plastischenVeränderungen anstrebte und

    unternahm? Sprich von der scheinbaren Tatsache aus jede Motivation gestört wurde

    … man also derart demotiviert war, dass aus dieser Vision keine Entwicklung mehr

    stattfinden konnte?

    Oder gab es sogar auch umweltbedingte Einflüsse, die neuronale Plastizität

    unmöglich machte?

    So ist es immer: Neue Erkenntnisse stellen die Alten auf unangenehme Weise in

    Frage.

  5. Angst, Gewalt & “Individualbewußtsein”

    “Individualität wächst im Gehirn”

    – nein, sie wird, seit der “Vertreibung aus dem Paradies” (Evolutionssprung) anhand unseres Erbe, von GLEICHERMAßEN Bewußtseinsschwäche, in instinktiver Manie(r) systemrational (Staat & Kirche) gepflegt (in Bildung zu Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche), für die blöd-, stumpf- und wahnsinnigen Symptomatiken der Hierarchie von und zu materialistischer “Absicherung” im geistigen Stillstand!

    “Ich bin ich und meine Umstände.”

    – ja, NICHTS gehört dem “Einzelnen” grundsätzlich allein! 😉

    Sogar (oder besonders?) seine / die Gedanken nicht, weil auch diese IMMER abhängig von der Gemeinschaft geprägt wachsen und … – “Gott ist Geist”, der / was uns alle im SELBEN Maß durchströmt, für eine Fusion zu geistig-heilendem Selbst- und Massenbewußtsein, was den Möglichkeiten vom / im Ursprung der Kraft des Geistes entspricht! 🙂

    “Neuroplastizität durch geistige und körperliche Aktivität”

    – ja, vielleicht werden Extreme den nächsten GEISTIGEN Evolutionssprung auslösen, was allerdings anhand unserer Entwicklungs-Geschichte einen Bewußtseinssprung nicht automatisch mit beinhaltet, denn der Verstand von Vernunft ist überwiegend dem System unseres “Zusammenlebens” materialistisch FUNKTIONALISIERT, also wird dies wohl ziemlich sicher Krampf und Kampf bedeuten!!! 🙁

  6. @Trota von Berlin: Spannende Zukunftsfr.

    Warum verhalten sich genetisch identische Lebewesen individuell verschieden? Warum sind einige aktiver als andere?

    Sind diese Fragen denn wirklich noch offen? Ist nicht vielmehr klar, dass die angesprochenen epigenischen Aspekte zwingend (auch) zu Unterschieden führen? Dass schon eine minimal verschiedene Lage im Unterus zu verschiedenen Umwelten für die befruchteten Eizellen führt – und damit zu verschiedenen Entwicklungen? Erst recht, wenn gar noch der Uterus verschieden ist (und mit der Umwelt der Mutter also auch die ganze Umwelt der Eizelle) oder gar die Tiere schon vier Wochen ganz individuelle Umwelt individuell erleben konnten – wie in der Studie?

  7. Herr Atige

    Sie meinen Zwillinge und Zwillingsstudien, gell? – Ja, da gibt es teilweise verblüffende Unterschiedlichkeiten, auch unterschiedliche Erbringung von Leistung.

    ‘Individualität wächst im Gehirn’ wäre vielleicht durch ‘Individualität wächst auch im Gehirn’ zu ersetzen.

    MFG
    Dr. W

  8. @Dr. Webbaer: Auch

    Menschliche Zwillige sind nur ein Teil des Gemeinten. Es gibt etwa auch Studien zu Mäusen und die Auswirkungen der jeweiligen Lage im Uterus z.B. neben männlichen oder weiblichen Geschwistern, am Rand oder in der Mitte. Außerdem gibt es bei Studien zur Bedeutung des mütterlichen Leckens für die Entwicklung der Jungmäuse – auch da dürfte es nie zwei identische Mäuseerlebnisse geben.

    Und wenn man weiß, dass sich selbst die Fingerabdrücke eineiiger Zwillinge verschieden entwickeln – dann scheint undenkbar, dass sich das um Dimensionen komplexere Gehirn identisch entwickelte.

    Gerade für das Gehirn ist ja die Erfahrung immer individuell – nie zwei Lebewesen können die exakt selbe Perspektive einnehmen. Daher führt schon das Ergebnis der Studie dazu, die Frage prinzipiell (mit) zu beantworten. Was noch aussteht ist dann allenfalls der Nachweis, in welchem Umfang das gilt.

  9. Das man so sehr auf Zwillinge setzt, wenn Humanwissenschaften Forschen, war mir noch nie so recht einleuchtend. Zwillinge sind ein Phänomen – das wars aber schon. Für die Forschung nicht so Aussagekräftig, wie Visioniert.
    Die ganze Empirie daran hat sich nun wohl endlich dahin gehend gelohnt, dass man genau das erkannt hat.

    Obwohl, … es gibt in mir noch einen ganz speziellen Zweifel dabei.

  10. Bei

    in bestimmter Beziehung Eineiigen

    Das man so sehr auf Zwillinge setzt, wenn Humanwissenschaften Forschen, war mir noch nie so recht einleuchtend.

    …besteht bei der wissenschaftlichen Betrachtung schon die Hoffnung zumindest die Sozialisation betreffend, wenn eine frühe Trennung stattgefunden hat, fündig zu werden.

    Populärwissenschaftlich bspw. so aufbereitet:
    -> http://www.tagesspiegel.de/wissen/zwillingsstudien-intelligenz-ist-erblich/6065240.html

    Von der im letzten Jahrhundert entwickelten Intelligenz einmal abgesehen, darf auch davon ausgegangen werden, dass die Mentalität zumindest in Teilen erblich ist.

    MFG
    Dr. W (eher Sanguiniker btw)

  11. Epigenetik der Salutogense & mehr

    Vielen Dank für die interessanten Kommentare und Anmerkungen. Eineiige Zwillinge sind aufgrund ihrer genetischen Übereinstimmung durchaus interessant für die Forschung, gerade um epigenetische Phänomene zu erklären. Selbstverständlich können diese Geschwister nicht gleich sein, wobei die unterschiedliche Entwicklung bereits ab der Zellteilung beginnt und von vielen Faktoren abhängt (Versorgung im Mutterleib, Komplikationen oder Besonderheiten unter der Geburt, etc.).
    Eine faszinierende Frage für die Zukunft wäre aber, was jemanden (auch beispielsweise trotz genetischer Risikofaktoren) gesund hält. Das vorgestellte Modell scheint hierfür sehr vielversprechend, Aaron Antonovskys Konzept der Salutogenese nicht nur psychosozial erforschen zu können.

  12. Ausbeutung und Unterdrückung

    “Eine faszinierende Frage für die Zukunft wäre aber, was jemanden (auch beispielsweise trotz genetischer Risikofaktoren) gesund hält.”

    Interessanter wäre es beim derzeitigen Bewußtseinsstand des Menschen / der Menschheit, wie sich eine solche Erkenntnis auf das “psychosoziale Zusammenleben” auswirken würde – wird es Mensch näher zusammen bringen, oder würde es ihn noch ignoranter, abgestumpfter / “individualbewußter” im Wettbewerb um … machen???

    Ich glaube auch weiterhin, daß es eine kosmische / unverselle Ordnung gibt, die sich nicht im geringsten konsum- und profitautistisch / ohne den Weg zum geistig-heilenden Selbst- und Massenbewußtsein austricksen läßt – die einzig faszinierende Frage für die Zukunft wäre, wann dafür der erste “Dominostein” fällt!!!

  13. @ Horst

    -> Interessante Anmerkung. Das derzeitige psychosoziale Zusammenleben wäre wohl gefährdet, wenn man Gesundheitsgarantie hätte. klingt sonderbar? ja, man müsste auch annehmen, dass das Gesundheitssystem gar nicht so individuel Hilfsbereit und gesellschaftlich selbstlos sei, wie leicht geglaubt. Krankheit ist ein Ding, dass den Menschen seine Souveränität nimmt und mit Umständen und Problemen belastet, die ihn also veranlassen nahezu von jeder Zielsetzung abzusehen. Leichter, Unsichtbarer und effektiver geht “Unterdrückung” des Individuums/Subjekts nicht. Das “höhere Ziel” hierbei: Schaden von der Gemeinschaft abzuwenden.

    Fazit aus solcher These ist: Krankheit ist Erziehung. Die alte Geschichte von Gottes Strafe ersteht neu auf im Bewusstsein. Krankheit bietet einem regelmässig den Tod als Lösung an und weist eben möglicherweise auf die Perspektive des Problems hin.

    Zu deinem letzten Absatz bezüglich des Massenbewusstseins: Stelle dir vor,es gäbe keine Möglichkeit aus diesem Massenbewusstsein zu entkommen, ohne nicht etwa tod umzufallen oder deutlichst “schwachsinnig” zu werden…!? Bewusstsein scheint nur so als Individualphänomen erkennbar zu exstieren. Könnte aber nur deswegen vorhanden sein, weil ein Kollektiv besteht und seine Teile “harmonisiert”. Da stehen die Fragen “freier” Wille und Individuum in einem ganz anderem Lichte. Andererseits… ohne das Teil ist das Ganze nicht denkbar – also gibt es das Individuelle zumindest theoretisch; wenn nicht sogar real existierend als “Leitmedium” und König des kollektivs etwa – der Rest ist eben weniger bis nicht individuel – also sowas wie ein Zombie oder eine Drohne.

    Warum Konsum- und Profitautismus also der bessere “Ausfall” des Geistes ist, muß klar werden. Es geht um pragmatische vereinbarung von Triebstrukturen und eben Sozialverträglichkeit (und natürlich um scheinbar menschliche Bedürfnisse hinter den Begriffen und schlichtweg um die organisation des Sattwerdens ohne Kannibalismus). Der Vorteil die Triebstrukturen auf Dinglichkeit umzuleiten muß einleuchtend sein. Es vermeidet direkte Konfrontation mit Mitmenschen durch dasSpiel eines Wettbewerbs um Geld. Deswegen ist die Abkehr vom Mammon “Geld” eine der größten Gefahren für die Menschheit und das größte Vergehen des Individuums. Demgegenüber steht die Vermutung, dass man das Morden eines Menschen dahingehend nachteilig empfindet, weil Humankapital vernichtet wird… das Individualschicksal dabei gar nicht bewertet (etwa in Geld gemessen) werden kann – also auch nicht wird. Selbsst Lebensversicherungen rechtfertigen sich auch nicht im Wert des Individuums, sondern in der version einer Geldanlage und die weltlichen Belastungen der zurückgebliebenen durch die plötzliche Inexistenz des Individuums.

    Mir fällt dazu nur der Holocaust ein…wo eine visionierte Schuld im Kollektiv erkannt wurde. Im Massenbewusstsein kann man keinen Schuldigen finden und Bestrafung vom Individuum ist Sinnlos. Aber so einfach ist das dann auch wieder nicht. Deswegen gibt es etwa das “Exempel” zur Ansicht für die Massen.
    Darüber hinnaus muß man vielleicht umdenken bei Schuld und Verantwortung eines Hitlers. Ein Massenkollektiv zeichnet sich nicht immer eindeutig dadurchaus, dass alle gleiches denken – heisst, dass es widerum das “höhere Ziel” tendenziel auch in unterschiedlicher kognitiver Vision geben kann, die sich gegenseitig nicht ausschliessen. Wollten die Juden nicht “zurück” nach Israel? Und warum haben sie es im 20. Jahrundert tatsächlich geschaft? Brachial ausgedrückt war es Hitler und der Nationalsizialismus, der es endlich ermöglichte, dass es die Juden schafften.
    Man muß auch fragen, was die Kreuzzüge der christen damit gleich haben. Und … ob es von Relevanz sei, ob christen oder Juden in Jerusalem einziehen. Und was es überhaupt mit Religion zu tun hat, also andere Erklärungensmodelle dafür gefunden werden könnten.

    Betreffend Massenbewusstsein: Selbst vor allen Worten (betreffend “Am Anfang war das Wort”) muß es logischerweise bezüglich der Entstehung der Art eine solche “Verbindung” gegeben haben. Hiesse aber auch, dass nur Massenkollektive eine Veränderung herbei führen können, weil das Subjekt allein nur der Tropfen auf dem Stein sei, dem die Souveränität dazu fehlt, es zuweilen auch nur zu denken. Ein “Jesus” scheint hier aber eine Ausnahme auf zu zeigen – dessen Bedingungen aber ganz sicher keine alltäglich zugängliche Erkenntnis für jederman sein wird/ist.

    Man stelle sich vor: Demnächst reicht einer beim Patentamt ein “Jesuspatent” ein und erhält n Jahre lang Nutzungerechte und Patentschutz. …!?
    Nein, das Ding, was die Welt beherrscht (das Göttliche) wird tunlichst Geheim gehalten und notfalls Krankheiten und Unfälle inszeniert, damit das auch (diese Macht der Kenntnis darüber) sichergestellt ist.

  14. @Chris

    “Krankheit bietet einem regelmässig den Tod als Lösung an und weist eben möglicherweise auf die Perspektive des Problems hin.”

    – “sozialverträgliches Frühableben” (http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialvertr%C3%A4gliches_Fr%C3%BChableben)

    “ohne das Teil ist das Ganze nicht denkbar”

    – SELBST- und Massenbewußtsein! 😉

    “also sowas wie ein Zombie oder eine Drohne.”

    – die REALEXISTIERENDE Drohnen-Funktion würde es in einem absolut entwickelten geistig-heilenden Selbst- und Massenbewußtsein nicht geben können, denn unsere Kommunikation bewegt uns dann auf einem telepathischem Level der Allwissenheit, was ALLES verändert!

    “Man stelle sich vor: Demnächst reicht einer beim Patentamt ein “Jesuspatent” ein und erhält n Jahre lang Nutzungerechte und Patentschutz. …!?”

    Die Forschen daran den Prozess der Geistheilung vermarkten zu können, also mittels materialistischer Hilfsmittel (z.B. medizinische Handgeräte der goa’uld bei Stargate). Andere glauben daran diese Methode wird sich bald auch ohne … ins Gesundheitssystem einfügen – es wäre schön, allerdings fehlt dabei wieder einmal das grundsätzliche Verständnis / die Kommunikation der daraus resultierenden Konsequenzen für’s gesamte System, so daß die derzeit herrschenden Profitler des Systems aus unverarbeiteter Bewußtseinsschwäche (Angst, Gewalt und “Individualbewußtsein”) wohl eher einen dritten Weltkrieg anzetteln!?

  15. @Chris

    Zum “sozialverträglichem Frühableben”, muß ich noch die Anmerkung loswerden, daß die “Dritte Welt” schon viel zu lange für unser erpresserisches Verständnis von Welt- und “Werteordnung” diese Perspektive in vielen von uns ge- und beförderten Auswirkungen (er)lebt!!!

  16. Individualität wächst?

    Ich sehe noch nicht so ganz, wie in dem Text dargelegt wird, dass die Individualität wächst. Mäuse mit mehr Erfahrung haben ein etwas anderes Gehirn, aber sind sie deswegen so verschieden oder haben sie nur andere Erinnerungen und Erfahrungen? Wirkt es sich denn auf Persönlichkeit etc aus?

    Auch der Drang, die Umgebung zu erkunden, kann ja genetisch vorgegeben sein

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