Freiburg im Corona-Modus: Keine #WISSENSWERTE und fast kein Weihnachtsmarkt

Eigentlich würde gerade die WISSENSWERTE in Freiburg stattfinden. Doch drei Tage vor dem Startschuss musste die normalerweise jährliche Fachtagung der Wissenschaftsjournalisten nun zum dritten Mal Corona-bedingt ausfallen. Quasi zeitgleich fielen große Teile des Freiburger Weihnachtsmarktes der Pandemie zum Opfer. Ich war dennoch in der Stadt. Allein und mit Maske.

Was ist ein Weihnachtsmarkt ohne Deko, Glühweinstände, Maronen und gebrannten Mandeln? Vergangenen Donnerstag wurden im wunderschönen Freiburg im Breisgau die Glühweinstände abgebaut.

Blick auf Freiburg vom Schlossberg (Fotos Credit: Dr. Karin Schumacher)

Pünktlich zur Adventszeit gefährden Coronaviren mal wieder unser Gesundheitssystem. Die Kliniken sind am Limit, immer mehr Intensivstationen laufen voll.

Am Freitag gab es dann diese Nachricht:

Präsenz und / oder Prävention?

Auch in Corona-Zeiten ersetzt nichts eine Präsenzveranstaltung und das Netzwerken vor Ort. Das betrifft natürlich nicht nur (ungeimpfte) Schülerinnen und Schüler.

Auch guter Wissenschaftsjournalismus ist wichtiger denn je. Deswegen hätte auf der diesjährigen WISSENSWERTE auch die 2G-plus-Regelung und selbstverständlich eine Maskenpflicht etc. gegolten.

Eigentlich wäre die normalerweise jährliche Fachtagung der Wissenschaftsjournalisten dieses Jahr 18 Jahre alt geworden. Doch Erwachsenwerden ist schwer, vor allem in Pandemiezeiten.

Bereits im November 2020 sollte die WISSENSWERTE auf dem Messegelände in Freiburg stattfinden. Doch damals tobte gerade die zweite Corona-Welle in Deutschland. Daher wurde die Veranstaltung ins Frühjahr und somit in die dritte Welle verschoben.

Angesichts der damaligen Impfstoffknappheit verlegte man die Jahrestagung also wieder in den Herbst. Man hoffte auf eine gute Durchimpfung und mindestens noch ein oder zwei weitere Wunder. Nun denn. Zumindest über die Impfbereitschaft haben wir ja nicht nur bei mir auf dem Blog im Sommer heftige Diskussionen geführt.

Absage der WISSENSWERTE – eine weise Entscheidung!

Nun tobt gerade die vierte Welle, und es fehlt vielerorts an Booster-Möglichkeiten und (Intensiv-)Betten. Angesichts dieser dramatischen Entwicklung wurde die WISSENSWERTE vernünftigerweise kurzfristig abgesagt.

An dieser Stelle möchte ich allen Beteiligten einen großen Dank aussprechen. Es war eine weise Entscheidung, auch wenn es schön gewesen wäre, sich nach vielen Monaten endlich wieder in echt treffen zu können.

Hoffentlich steht der neue Termin unter einem besseren Stern. Vielleicht kann ja zur Abwechslung auch mal ein Treffen im Sommer angedacht werden… 😉

Freiburg ohne WISSENSWERTE

Ich wäre vor allem letztes Jahr sehr gern nach Freiburg im Breisgau gereist. Damals lebte dort noch eine mir sehr ans Herz gewachsene Person. Leider durfte sie den letzten Jahreswechsel nicht mehr miterleben. Nein, sie ist nicht an oder mit Corona verstorben. Doch das ist eine andere Geschichte.

Daher habe ich mich trotz allem entschieden, wenigstens dieses Jahr nach Freiburg zu fahren – egal ob mit oder ohne WISSENSWERTE.

Heute bin ich durch die Stadt gebummelt. Es war trübe und durch die mittelalterlichen Gassen blies ein eisiger Wind.  Der gestrige Schnee war geschmolzen und die wenigen Weihnachtsbäume hatten Mühe, dem Sturm standzuhalten. Auf dem fast menschenleeren Marktplatz herrscht allgemeine “Maskenpflicht”. Nun denn. Ich war diesmal ganz froh darüber, denn immerhin wärmte die Mundbekleidung auch ein wenig.

Das Freiburger Münster imponiert mit seinem 116 Meter hohen Turm, der einst als als “schönster Turm der Christenheit” galt. Erbaut zwischen 1200 und 1513, ist es eine der wenigen gotischen Großkirchen, die noch im Mittelalter vollendet wurden und die bis heute nahezu unversehrt geblieben sind. Ein beeindruckender, stiller Zeitzeuge, der uns an unsere Dimensionen erinnert und Ehrfurcht lehrt. Wie viele Seuchen hat dieses Meisterwerk schon miterlebt? Wie viele Menschengenerationen haben daran gebaut?

Auf der anderen Seite des wirklich beeindruckenden Bauwerks drängten sich derweil einige hungrige Menschen vor Wurstbuden. Die “Lange Rote”, das kleinste Freiburger Wahrzeichen, wird als absolutes “Muss” für jeden Freiburg-Besuch auf dem Münstermarkt angepriesen. Ich habe lieber darauf verzichtet.

Außerdem waren meine Hände eh schon sehr klamm. Und Schlange stehen, um in ein Geschäft einzuchecken oder sich testen zu lassen, nur um sich einige Minuten aufzuwärmen? Auch nicht so toll. Am Corona-Testzelt standen jedenfalls die meisten Menschen. Ob das so gesund ist?

Corona-Tests statt Maronen und gebrannte Mandeln. Adventszeit in Freiburg im Breisgau, anno 2021.

Strengere Corona-Regeln im Ländle: Impfzentren wurden wieder aufgebaut und Weihnachtsmärkte eingeschränkt.

Etwas Weihnachtsmarkt ist dennoch geblieben und ich hoffe, dass die Händler und Kunden nicht allzu sehr frieren.

Freiburg im Sommer?

Gestern habe ich mir Freiburg übrigens bei wunderbarem Winterwetter von oben angeschaut. Ein Abstandsproblem gab es da nicht. Obwohl es kälter war, habe ich nicht gefroren. Egal ob Zähringer Burg, Rosskopf oder Schlossberg – die Landschaft ist fantastisch. Und wenn die nächste WISSENSWERTE vielleicht zur Abwechslung mal in hoffentlich Corona-ärmeren (Sommer-)Zeiten angesetzt wird, bringe ich das nächste Mal vielleicht sogar mein Mountainbike mit. Denn auch diesbezüglich hat Freiburg großes Potential.

Bis dahin – bleibt alle gesund und kommt gut durch den Winter!

Blick auf auf das verschneite Freiburg vom Rosskopf (737m) aus.

Mountainbike-Paradies Freiburg. Das Corona-Risiko ist bei diesem Sport gering (solange man sich nicht verletzt und ärztlich behandelt werden muss)…

Nix los vor dem wiedererrichteten (Mini-)Impfzentrum neben der ausgefallenen WISSENSWERTE – ob das als Pandemiebrecher reicht?

Maskenpflicht auf dem menschenleeren Münsterplatz – in diesen Tagen an diesem Ort vor allem ein netter Kälteschutz.

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Dr. Karin Schumacher bloggte zunächst als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

12 Kommentare

  1. Mit Corona läuft offensichtlich nichts. Das ist der Eindruck, den diese Schilderung vermittelt. Es lohnt sich nicht einmal eine Stadt zu besuchen. Vor allem dann nicht, wenn die Temperaturen einen Aufenthalt in Innenräumen (Museen, Geschäften, Restaurants) nahelegen würden.

  2. Es ist unfassbar, dass Scholz sich für eine Impfpflicht ausspricht. Denn falls diese Ende Februar oder Anfang März kommt, steigt die Temperatur. Dann wird die Inzidenz niedrig sein.
    Die Todesfälle sind im Moment zwar noch hoch, aber der R-Wert ist auf 0,89 gesunken. Die Inzidenz ist leicht gesunken.
    Die FDP sollte die entstehende Koalition beenden. Dann gibt es Neuwahlen.
    Bitte googeln: Manifest Natura Christiana

  3. Absage finde ich gut. Ist immer schade, aber in Corona-Zeiten sollte man sich das sparen. Es kommen auch wieder andere Zeiten. Dennoch vielen Dank für die vielen schönen Bilder aus Freiburg

    • Vielen Dank fürs aufmerksame Lesen. Natürlich haben Sie recht und ich habe den Text entsprechend korrigiert.

  4. In Freiburg spürt man schon den Hauch des Südens. Im Mittelalter gehörte Freiburg den Zähringern, die auch Bern gegründet haben. Der Herrschaftsbereich reichte bis zum Genfer See. Nach dem Aussterben der Zähringer schlossen sich die Orte der Schweizer Eigenossenschaft an.
    Freiburg ist eine Reise wert, es gehört zu den schönsten und einladendsten Städte, die Süddeutschland zu bieten hat.

  5. “Maskenpflicht auf dem menschenleeren Münsterplatz – in diesen Tagen an diesem Ort vor allem ein netter Kälteschutz.”

    Man könnte es auch als Gängelei und Schwachsinn bezeichnen aber Kälteschutz kling natürlich schöner.

    • Da empfiehlt sich für die Adventszeit das Einstudieren der 6. Fantasie für Violine solo von Georg Philipp Telemann in der Wärme und bei Kerzenschein.

  6. Peter Müller,
    Schwachsinn bleibt die Unterscheidung von Weihnachtsmarkt zu Wochenmarkt.
    Die Wochenmärkte bleiben geöffnet, die Weihnachtsmärkte müssen schließen. Mittlerweile werden jetzt die Weihnachtsartikel auf dem Wochenmarkt angeboten.

    • “Schwachsinn bleibt die Unterscheidung von Weihnachtsmarkt zu Wochenmarkt.
      Die Wochenmärkte bleiben geöffnet, die Weihnachtsmärkte müssen schließen.”

      Der Freiburger Weihnachtsmarkt findet auf dem Rathausplatz und in einer nahen Gasse statt, wo es erfahrungsgemäß sehr eng ist, siehe drittes Bild mit stark ausgedünntem Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz. Normalerweise steht dort ein Stand neben dem anderen und es ist am Abend gerammelt voll.
      Beim Wochenmarkt auf dem Münsterplatz sind die Stände viel geräumiger gestellt und man kann Abstand halten.

  7. Paul Stefan,
    nicht nur Freiburg war gemeint. Wenn sich ein Verkaufsstand im Freien befindet, dann gibt es weniger Gründe ihn geschlossen zu halten.
    Bei meinen vielen Gesprächen ist es die Inkonsequenz der Verwaltung , die an den Maßnahmen der Regierenden zweifeln lassen.

    Viele Freiberufler lässt man im Regen stehen. Hilfe wurde zugesagt, seit über einem Jahr warten die auf Hilfe. Und jetzt kommt der Hammer, wenn der Freiberufler bis dahin aufgegeben hat, sprich, seinen Laden geschlossen hat, dann verfällt der Hilfeanspruch.

  8. Für mich wieder ein Beispiel dafür das auch wissende Wissenschafstjournalisten an Wunder glauben, also gläubig sind. Immerhin glaubten sie wohl der Regierung bzw. das alle Bürger dieses Landes sich impfen lassen wollen und das dieser Virus dann aus Deutschland immigriert. Dieser wird, da braucht man kein Wissenschaftler zu sein, uns in Zukunft in stets neuen Varianten (Wellen) aufsuchen und Weihnachtsmärkte zu Wochenmärkten oder Flohmärkten etc. mutieren lassen. Man muss dem Kind nur einen neuen Namen geben, um den Gesetzgeber auszutricksen.

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