Das prädiktive Gehirn – wie unser Gehirn Realität konstruiert

Ein Nagel im Stiefel: Wie weh kann uns das tun und warum? Eine faszinierende Reise in die Welt des prädiktiven Gehirns und was das für Schmerz, Wahrnehmung, Entscheidungen und sogar unsere Zukunft bedeuten kann.
Der „Boot Nail Guy“
Wann und warum schmerzt ein Nagel im Schuh?
Ein 29-jähriger Bauarbeiter stürzt von einem Gerüst. Vor seinen Augen bohrt sich ein etwa 15 cm langer Nagel durch seinen Arbeitsstiefel. Der Mann spürt heftige Schmerzen im Fuß. Die Rettungskräfte können ihn nur stark sediert ins Krankenhaus transportieren. In der Klinik dann die große Überraschung: Nur der Stiefel ist verletzt. Der Nagel ist zwischen den Zehen hindurchgegangen – der Fuß selbst scheint unverletzt.
Der Fall wurde 1995 im British Medical Journal veröffentlicht und später als „Boot Nail Guy“ bekannt [1].
Was war da los? Natürlich können wir aus dieser medizinischen Anekdote nicht rekonstruieren, was im Gehirn des Mannes genau passiert ist. Aber der Fall illustriert eindrucksvoll eine wichtige Erkenntnis der modernen Schmerzforschung: Schmerzempfinden und Gewebeschädigung sind nicht dasselbe.
Denn das Gehirn bildet die Wirklichkeit nicht einfach ab. Vielmehr kombiniert es eingehende Sinnesinformationen mit gespeicherten Erfahrungen und Erwartungen.
Der Bauarbeiter sah einen Nagel, der seinen Stiefel durchbohrt hatte. Aus Erfahrung wusste sein Gehirn, was ein solcher Unfall normalerweise bedeutet: Gefahr, Schmerz, Verletzung. Sein Gehirn musste die Situation nicht erst vollständig analysieren. Es konnte auf ein vorhandenes Modell zurückgreifen.
Das Modell war so überzeugend, dass der Körper mit einer starken Schmerzreaktion darauf reagierte. Der Schmerz war tatsächlich vorhanden. Der Fall zeigt eindrucksvoll, dass für das Erleben von Schmerz eine tatsächliche Gewebeschädigung nicht zwingend erforderlich ist und dass die Bewertung einer Situation durch das Gehirn eine wichtige Rolle spielen kann.
Und damit stecken wir mitten in einem der spannendsten Themen der modernen Neurowissenschaft. Denn was wir erleben, ist nicht die Realität selbst, sondern unser Modell der Realität.
Schon Kant und Helmholtz wussten es
Die Vorstellung, dass Wahrnehmung mehr ist als die passive Aufnahme von Sinnesdaten, ist keineswegs neu. Immanuel Kant (1724–1804) argumentierte bereits im 18. Jahrhundert, dass wir die Welt nicht so wahrnehmen, wie sie unabhängig von uns existiert. Denn unsere Formen des Verstandes bestimmen unsere Wahrnehmung [2].
Die moderne Forschung spricht in diesem Zusammenhang häufig von Predictive Processing und die Ähnlichkeit ist bemerkenswert. Natürlich ist Predictive Processing keine neurowissenschaftliche Übersetzung der Kantischen Philosophie. Aber beide Perspektiven teilen eine interessante Grundintuition: Schon der berühmte Königsberger Denker betonte, dass wir die Welt nicht einfach passiv aufnehmen, sondern dass die Strukturen unseres Erkenntnisapparats unsere Erfahrung mitbestimmen.
Im 19. Jahrhundert beschrieb der deutsche Physiologe und Physiker Hermann von Helmholtz Wahrnehmung als einen Prozess unbewusster Schlussfolgerungen: Das Gehirn erschließt aus Sinneseindrücken die wahrscheinlichste Ursache einer Erfahrung [3].
Prädiktive Verarbeitung heute
In der heutigen Zeit war der australische Neurophilosoph Jakob Hohwy einer der ersten, der die Prädiktive Verarbeitung (Predictive Processing) als ganzheitliche Theorie des Geistes etabliert hat [4].
Während Hohwy unser Verhältnis zur Welt indirekt und gehirnzentriert sieht, ist für den britischen Kognitionsphilosophen Andy Clark die Grenze des Geistes erweitert (extended / embodied) und unser Verhältnis zur Welt direkt und aktiv.
Für Clark ist das Gehirn kein passiver Empfänger von Informationen. Es ist ein System, das fortlaufend Vorhersagen darüber erzeugt, was wahrscheinlich gerade passiert [5-7].
Wie diese prädiktive Maschinerie unsere Realität im Alltag und bei psychischen Phänomenen formt, veranschaulicht Clark auch eindrücklich in seinem Vortrag „How the brain shapes reality“ (2024) an der Royal Institution [8].
Unser Gehirn ist also keine Maschine, die darauf wartet, dass die Welt ihr sagt, was los ist. Es versucht vielmehr vorherzusagen, was los ist – und überprüft diese Vorhersage anhand der eintreffenden Informationen.
Oder etwas provokanter: Wir sehen nicht einfach die Welt. Wir sehen die Welt durch die Modelle, mit denen unser Gehirn sie interpretiert.
Das soll aber nicht heißen, dass wir die Welt frei erfinden.
Das prädiktive Gehirn
Eine kontrollierte Halluzinationsmaschine
Der britische Neurowissenschaftler Anil K. Seth verwendet dafür das Bild der „controlled hallucination“, der kontrollierten Halluzination [9].
Der Begriff klingt spektakulär – und ist vermutlich genau deshalb so eingängig. Gemeint ist allerdings nicht, dass wir permanent in einer beliebigen Fantasiewelt leben.
Gemeint ist vielmehr, dass unser Gehirn aktiv ein Modell der Welt erzeugt, das möglichst gut zu den intern verfügbaren Informationen passt.
Das Gehirn versucht permanent, die wahrscheinlichste Ursache für seine Sinneseindrücke vorherzusagen. Wahrnehmung entsteht dabei aus einem Zusammenspiel zweier Prozesse:
- Top-down-Vorhersagen: Erwartungen, Erfahrungen, Überzeugungen und interne Modelle der Welt
- Bottom-up-Signale: eintreffende Informationen aus den Sinnesorganen und dem Körper
Unser Erleben entsteht aus dem ständigen Abgleich dieser beiden Seiten. Das Entscheidende dabei: Die Sinnesinformationen werden nicht einfach unverändert in unser Bewusstsein übertragen. Das Gehirn interpretiert sie. Unsere Wahrnehmung ist deshalb keine direkte Kopie der Außenwelt. Sie ist ein Modell der Außenwelt.
Und dieses Modell kann erstaunlich gut sein. Es kann aber auch irren.
Warum litt der Boot-Nail-Guy?
Der Bauarbeiter sah den Nagel. Er wusste aus Erfahrung, welche Folgen ein solcher Unfall normalerweise hat. Sein Gehirn verfügte über das Modell:
- Ein Nagel im Fuß bedeutet eine schwere Verletzung.
- Eine schwere Verletzung verursacht Schmerzen.
Der Körper reagierte entsprechend.
Der Fall zeigt eindrucksvoll: Schmerz entsteht nicht ausschließlich durch Gewebeschäden. Er entsteht aus der komplexen Bewertung einer Situation durch das Gehirn. Körperliche Signale spielen dabei eine wichtige Rolle, aber ebenso unsere Erwartungen, Erfahrungen und unser Kontext.
Für unsere Vorfahren war das vermutlich ein Überlebensvorteil.
Bis heute müssen wir in einer unvollständigen, unsicheren und manchmal lebensgefährlichen Welt sehr schnell Entscheidungen treffen können.
Gehirne, die erst dann reagieren, wenn alle Informationen zweifelsfrei vorliegen, sind vermutlich vor einigen Zehntausend Jahren im Bauch eines Säbelzahntigers gelandet.
Gehirne, die dagegen schnell eine plausible Erklärung erzeugen, hatten den Vorteil, dass sie sehr effektiv handeln können.
Manchmal liegen sie damit aber auch falsch.
Der Nocebo-Effekt:
Wenn Erwartungen Symptome erzeugen
Dass Erwartungen unser Erleben beeinflussen können, lässt sich nicht nur an ungewöhnlichen Unfällen beobachten. Ein bekanntes Beispiel ist der Nocebo-Effekt [10].
Negative Erwartungen können reale physiologische Reaktionen verstärken oder sogar erzeugen – beispielsweise Herzrasen, Atemnot, Übelkeit oder verstärkte Schmerzen.
Auch hier gilt: Das bedeutet nicht, dass sich Menschen ihre Beschwerden „einbilden“.
Erwartungen können vielmehr Teil eines körperlichen und psychologischen Prozesses werden, der wiederum unsere Wahrnehmung und unsere körperlichen Reaktionen beeinflusst.
Herzrasen nach KI-Diagnose
Neulich berichtete mir eine Freundin von einem Routine-Check bei ihrer Hausärztin. Es wurde auch ein EKG durchgeführt, das praktischerweise zunächst von einer KI ausgewertet wurde. Diese „diagnostizierte“ lapidar: „Verdacht auf alten Herzinfarkt“. Sowohl die Hausärztin als auch meine Freundin wussten, dass diese „Diagnose“ höchst unwahrscheinlich war. Dennoch blieb diese Meldung nicht folgenlos: Meine Freundin bekam tatsächlich so starkes Herzrasen, dass sie den Notruf wählte. Später stellte sich heraus, dass alles harmlos war.
Natürlich lässt sich aus einer einzelnen Episode nicht feststellen, welcher Mechanismus das Herzrasen tatsächlich verursacht hat.
Aber eine mögliche Erklärung ist faszinierend: Die Information könnte ein Gefahrenmodell aktiviert haben:
- Mein Herz könnte krank sein.
- Vielleicht bin ich in Gefahr.
Erwartungs- und Stressreaktionen können wiederum körperliche Symptome wie Herzklopfen verstärken.
Das Gehirn kann dann seine Vorhersagen daraufhin aktualisieren- und der Körper liefert passende Symptome.
Der Fall zeigt: Informationen sind nicht neutral. Einschätzungen, Diagnosen und Warnungen können Teil unseres Vorhersagesystems werden und unser Erleben beeinflussen.
Das ist eine wichtige Erkenntnis für Medizin und Kommunikation.
Die Konsequenz daraus sollte allerdings nicht sein, Patienten wichtige Informationen vorzuenthalten oder KI zu verbannen. Interessanter ist die Frage, wie medizinische Technik möglichst gut genutzt und wie Risiken so kommuniziert werden können, dass Menschen möglichst wenig negativen Erwartungen entwickeln.
Wahrnehmung ist immer Interpretation
Andy Clark betont: Wir erleben niemals rohe Sinnesdaten. Wir erleben immer Vorhersagen, die durch Sinnesdaten korrigiert werden.
Das erklärt eine Reihe scheinbarer Paradoxien:
- optische Täuschungen
- Phantomschmerzen
- Placebo- und Nocebo-Effekte
- psychosomatische Symptome
- Fälle wie den Boot-Nail-Guy oder Symptome nach Fehldiagnosen
Die „Hollow Mask Illusion“
Ein klassisches Beispiel ist die Hollow Mask Illusion: Eine konkave (nach innen gewölbte) Maske erscheint uns konvex (nach außen gewölbt) – selbst dann, wenn wir wissen, dass sie nach innen gekrümmt ist. Besonders deutlich wird dieser Effekt bei bekannten Gesichtern.

Warum? Wir „wissen“, dass Gesichter konvex sind. Wir haben schon tausende Gesichter gesehen. Und die meisten von uns wissen natürlich auch, wie Albert Einstein aussieht.
Unsere Erwartungen und unser Vorwissen können die sensorische Information dabei so stark beeinflussen, dass die konkave Form trotz eindeutiger Tiefenhinweise häufig als konvex wahrgenommen wird.
Ähnlich beeinflusste die Erwartung des Boot-Nail-Guys das Schmerzempfinden seines Fußes.
Das Gehirn als Modellbauer
Das Gehirn zählt zu den energiehungrigsten Organen des Körpers. Obwohl es nur etwa zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht, verbraucht es rund 20 Prozent der gesamten Energie.
Eine wichtige Idee innerhalb des Predictive Processing lautet deshalb, dass interne Modelle dabei helfen können, die Verarbeitung komplexer Informationen effizient zu organisieren. Das Gehirn muss nicht jede Situation vollständig neu analysieren, sondern kann auf bereits vorhandene Erwartungen und Muster zurückgreifen.
Wenn wir ein Gesicht sehen, müssen wir nicht erst herausfinden, dass Gesichter normalerweise konvex sind. Wenn wir einen Nagel durch einen Stiefel sehen, müssen wir nicht erst eine Statistik über Verletzungen erstellen.
Diese Modelle machen uns schnell und handlungsfähig. Sie machen uns aber manchmal auch blind für das, was tatsächlich vor uns liegt. Denn das Gehirn verarbeitet vor allem das, was von seinen Erwartungen abweicht.
Die Welt passend machen
Was passiert, wenn unsere Erwartungen und die eintreffenden Informationen nicht zusammenpassen?
Ein zentraler Gedanke des Predictive Processing ist, dass das Gehirn Abweichungen zwischen erwarteten und eintreffenden Informationen registriert und seine Modelle entsprechend anpassen kann.
Dabei sollen Überraschungen (Vorhersagefehler) – also Unterschiede zwischen dem erwarteten und dem tatsächlich eintreffenden Zustand- vermieden werden. Das ist praktisch und schnell. Doch manchmal liegt das Gehirn dabei falsch. Wenn eine Erwartung nicht mit der Realität übereinstimmt, nutzt das Gehirn zwei Mechanismen:
- Perzeptive Inferenz (Wahrnehmung): Entspricht das, was wir sehen oder fühlen, nicht den Erwartungen, passen wir unsere inneren Überzeugungen an die Realität an oder reagieren enttäuscht.
- Aktive Inferenz (Handlung): Damit unsere Vorhersagen und Erwartungen sich erfüllen, verändern wir gegebenenfalls unsere Umgebung durch unser Handeln.
Verzerrte oder übermäßig stark gewichtete Erwartungen werden auch in Modellen diskutiert, die beispielsweise Confirmation Bias, Halluzinationen oder Wahnphänomene erklären wollen. Hier befindet sich die Forschung allerdings noch deutlich stärker im Bereich theoretischer Modelle als bei den grundlegenden Mechanismen der Wahrnehmung. [s.a. 11].
Das Gehirn ist also nicht nur ein Beobachter der Welt – es ist ein aktiver Teilnehmer an ihrer Gestaltung.
Die „saure-Trauben-Technik“
Wenn das Gehirn die Geschichte anpasst
Die Fabel „Der Fuchs und die Trauben“ des griechischen Dichters Äsop (6. Jahrhundert v. Chr.) ist eine der ältesten überlieferten psychologischen Beobachtungen und liefert ein faszinierendes Beispiel für die Anpassung unserer inneren Modelle.
Ein hungriger Fuchs versucht, an hoch hängende Weintrauben zu gelangen. Als er merkt, dass er sie nicht erreichen kann, macht er sie schlecht und begründet damit offiziell die „saure-Trauben-Taktik“.
Was wie eine einfache Fabel wirkt, beschreibt einen grundlegenden Mechanismus menschlichen Denkens: Wenn unsere Erwartungen und die Realität nicht zusammenpassen, verändern wir nicht immer die Welt – manchmal verändern wir auch einfach unser Modell der Welt.
Der römische Dichter Phaedrus verfasste später eine lateinische Version der Geschichte, und im 17. Jahrhundert wurde sie durch den französischen Dichter Jean de La Fontaine erneut bekannt (Le Renard et les Raisins).
Das Muster kennt jede/r von uns. Wir bekommen eine Stelle nicht und sagen: „Den Job wollte ich eh eigentlich nicht.“ Eine Beziehung funktioniert nicht und wir sehen plötzlich nur noch die negativen Eigenschaften dieser Person (und solange wir verliebt sind, ist bzw. war es genau umgekehrt). Manchmal ist das Selbstschutz, manchmal eine sinnvolle Neubewertung und manchmal auch eine Anpassung unseres Modells, da wir die Realität nicht akzeptieren wollen oder können.
Beispiel Pedelec-Unfall und zwei Versionen der „Wahrheit„
Damit bin ich bei einem Beispiel, das mich selbst betrifft.
Vor etwas mehr als einem Jahr wurde ich als Fußgänger von einem Pedelec-Fahrer am Arm touchiert. Er fuhr einen steilen Feldweg mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit hinunter, ohne Helm, stürzte und verletzte sich dabei schwerer als ich [s. Blogbeitrag]. Polizei und Staatsanwaltschaft und die Anwesenden sahen damals die alleinige Schuld bei ihm. Nur er nicht Mehr als ein Jahr später bekam meine Haftpflichtversicherung nun ein Schreiben seines Anwalts:
„Mein Mandant fuhr von hinten auf Ihre VN zu, bemerkte diese frühzeitig und betätigte mehrfach seine Klingel. Als Reaktion auf das mehrfache klingeln meines Mandanten ging Ihre VN zusammen mit ihrer Begleitung nach rechts in Richtung Wegrand und signalisierte somit deutlich, dass sie meinen Mandanten wahrgenommen hatte und diesen links vorbeilassen will. Unmittelbar vor dem Überholvorgang meines Mandanten, trat Ihre VN jedoch ohne erkennbaren Grund und somit für meinen Mandanten unvorhersehbar, direkt in die Fahrspur meines Mandanten. Hierdurch kam es zur Kollision zwischen Ihrer VN und meinem Mandanten. An Schadensereignis trägt Ihre VN somit ein Mitverschulden.“
Ich glaube dem Mann, dass er das glaubt. Vermutlich hat sein Gehirn im Laufe der Zeit einfach eine Geschichte erzeugt, die den Unfall für ihn plausibler macht. Ich kann und will das natürlich nicht beweisen, finde diese Möglichkeit aber faszinierend.
Auch mein Gehirn lag daneben
Auch ich hatte nach diesem Ereignis, das für mich ja völlig unerwartet kam, einige nicht ganz korrekte und etwas ungesunde Schutzmechanismen entwickelt, die zunächst durchaus sinnvoll erschienen: Durch den Pedelec-Fahrer hatte mein Gehirn gelernt: Vorsicht, sobald jemand von hinten herangerollt kommt: Ausweichen! Immerhin hatte mich das vor schweren Verletzungen bewahrt und vielleicht sogar das Leben gerettet. Doch die ständige Anwendung eines solchen Modells ist nicht besonders hilfreich.
Etwa ein Jahr später stürzte ich selbst vom Fahrrad, als ich wieder einmal rasch vorsorglich ausgewichen war. Und ausgerechnet dieses Ereignis half dabei, das alte Modell wieder zu verändern. Mein Gehirn bekam neue Informationen.
Die Welt war offenbar nicht immer so, wie es sie nach dem Pedelec-Unfall modelliert hatte. Das alte Schutzprogramm verlor seine Plausibilität. Damit war der Ausweich-Spuk vorbei [s. Blogbeitrag].
Das ist für mich vielleicht das Faszinierendste an der ganzen Geschichte: Unser Gehirn kann sich irren – aber es kann auch dazulernen.
Ein falsches Modell ist nicht zwangsläufig ein dauerhaft falsches Modell.
Das generative Modell der Welt
Der britische Neurowissenschaftler Thomas Parr beschreibt gemeinsam mit anderen Forschern wie Karl Friston und Giovanni Pezzulo solche Prozesse im Rahmen der Theorie der Aktiven Inferenz [12-14].
Das Gehirn unterhält demnach, vereinfacht gesagt, ein sogenanntes „generatives Modell“ der Welt. Dieses Modell hilft ihm vorherzusagen, was wahrscheinlich geschehen wird.
Treffen neue Informationen ein, werden sie mit bereits vorhandenen Erwartungen abgeglichen. Stimmen sie überein, wird das bestehende Modell bestätigt. Entstehen jedoch größere Abweichungen, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
- Das Modell wird angepasst.
- Oder wir interpretieren die Situation so um, dass sie wieder zu unserem Modell passt.
Der Fuchs aus der Fabel wählt die zweite Variante: Er verändert nicht die Trauben, sondern seine Bewertung der Trauben.
Ob der Pedelec-Fahrer tatsächlich eine solche kognitive Anpassung vorgenommen hat, lässt sich natürlich nicht beweisen. Seine Darstellung des Unfalls erinnert jedoch an einen Mechanismus, den wir alle anwenden:
Wenn Realität und eigenes Selbstbild nicht zusammenpassen, korrigieren wir entweder unser Modell – oder wir (er)finden eine Interpretation, die besser zu unserem bisherigen Modell passt.
Diese Fähigkeit ist nicht grundsätzlich schlecht. Sie hilft uns, mit Unsicherheiten umzugehen, Enttäuschungen zu verarbeiten und handlungsfähig zu bleiben. Problematisch wird sie erst dann, wenn wir dauerhaft an einem Modell festhalten, obwohl die Realität vehement dagegen spricht.
Fazit: Wir (er)leben die Welt durch unser Modell
- Der Bauarbeiter erlebte einen unverletzten Fuß als schmerzenden Fuß.
- Meine Freundin erlebte eine möglicherweise gefährliche Herzsituation.
- Der Pedelec-Fahrer erlebt einen Unfallhergang auf seine eigene Weise
- Ich selbst hatte nach dem Unfall ein ungünstiges Schutzmodell entwickelt, dass durch eine spätere Erfahrung korrigiert wurde.
Optische Illusionen, Placebo- und Nocebo-Effekte, all diese Beispiele teilen ein interessantes gemeinsames Muster: Das Gehirn versucht nicht, uns die objektive Wahrheit zu liefern. Vielmehr versucht es, aus unvollständiger Information ein brauchbares Modell zu erzeugen.
- Wir erleben nicht die „reale“ Welt, sondern „unser“ Modell der Welt.
- Dieses Modell ist mächtig, meist nützlich, doch manchmal auch gefährlich.
- Wahrnehmung, Schmerz, Angst und Körperreaktionen entstehen aus Vorhersagen, nicht nur aus Daten allein.
- Somit ist das Gehirn nicht nur ein Vorhersageapparat, sondern auch ein kreativer Konstrukteur von Wirklichkeit.
Und was bedeutet das für künstliche Intelligenz?
Damit stellt sich eine nächste, aktuell immer spannender werdende Frage: Was passiert, wenn wir unsere eigenen kognitiven Fähigkeiten zunehmend mit künstlichen Systemen verbinden? [15]
Was geschieht, wenn sowohl unser Gehirn als auch Modelle KI-Systeme Modelle, Prognosen und generative Vorstellungen erzeugen? Wie beeinflussen sich diese beiden Systeme – wo sind die Chancen und Risiken?
Vielleicht wird das der Stoff für einen nächsten Beitrag. Falls ich nicht stattdessen wieder irgendwelche Schriftstücke für Anwälte, Versicherungen und Co. zu mehr oder weniger „kontrollierten Halluzinationen“ verfassen muss.
Wie erlebt ihr die Welt?
Welche Erwartungen, Erfahrungen oder Informationen haben bei euch schon einmal verändert, was ihr wahrgenommen oder sogar körperlich erlebt habt?
Und wann habt ihr viellicht festgestellt, dass euer eigenes Modell der Welt vielleicht nicht ganz mit der Welt übereinstimmte?
Titelfoto:
Screenshot aus dem Vortrag „How the brain shapes reality“: Andy Clark und die Maske von Albert Einstein. (Urheberrecht: The Royal Institution, 2024).
Quellen / weiterführende Literatur:
- Fisher JP, Hassan DT, O’Connor N. (1995). Minerva, BMJ ;310:70. doi: https://doi.org/10.1136/bmj.310.6971.70
- Kant, I. (1998). Kritik der reinen Vernunft (R. Schmidt, Hrsg.). Felix Meiner Verlag. (Originalwerk erstmals veröffentlicht 1781).
- Helmholtz, H. von (1867). Handbuch der physiologischen Optik. Leipzig: Leopold Voss. Online verfügbar über das Internet Archive: https://archive.org/details/handbuchderphysi00helm/page/n15/mode/2up (abgerufen am 04.09.2026).
- Hohwy, J. (2013). The Predictive Mind. Oxford: Oxford University Press. 282pp. ISBN 9780199686735
- Clark, A. (2013). Whatever Next? Predictive Brains, Situated Agents, and the Future of Cognitive Science. Behavioral and Brain Sciences, 36(3), 181–204.
https://doi.org/10.1017/S0140525X12000477 - Clark, A. (2016). Surfing uncertainty: Prediction, action, and the embodied mind. Oxford University Press. ISBN 9780190217013. https://www.research.ed.ac.uk/en/publications/surfing-uncertainty-prediction-action-and-the-embodied-mind/
- Clark, A. (2023). The Experience Machine: How Our Minds Predict and Shape Reality. London: Allen Lane. 320 S. ISBN (Electronic) 9781524748463, ISBN (Print) 9780241394533, 9780241394526, 9781524748456
- The Royal Institution. (2024, 1. Februar). How the brain shapes reality – with Andy Clark. YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=A1Ghrd7NBtk (abgerufen am 04.09.2026).
- Seth, A. (2021). Being You: A New Science of Consciousness. London: Faber & Faber. 352pp. ISBN 9781524742874
- Benedetti, F. (2014). Placebo Effects: Understanding the Mechanisms in Health and Disease (2nd ed.). Oxford: Oxford University Press. 416 S. Online ISBN: 9780191789151, Print ISBN: 9780198705086
- Goodwin, I., Diederen, K.M.J., Hird, E.J. et al. (2026) Predictive processing accounts of psychosis: bottom-up or top-down disruptions. Nat. Mental Health 4, 60–84. https://doi.org/10.1038/s44220-025-00558-5
- Friston, K. (2010). The Free-Energy Principle: A Unified Brain Theory? Nature Reviews Neuroscience, 11, 127–138. https://doi.org/10.1038/nrn2787
- Parr, T., Pezzulo, G., & Friston, K. J. (2022). Active Inference: The Free Energy Principle in Mind, Brain, and Behavior.Cambridge, MA: MIT Press. 312 pp. ISBN 0262045354, 9780262045353
- Parr, T., & Friston, K. J. (2023). Cognitive Effort and Active Inference. Neuropsychologia, 184, 108562.
https://doi.org/10.1016/j.neuropsychologia.2023.108562 - Clark, A. (2025). Extending Minds with Generative AI. Nature Communications, 16, 4627. https://doi.org/10.1038/s41467-025-59906-9
Nicht mein Verstand ist in meinem Kopf, mein Kopf ist in meinem Verstand – das war so einer der Heureka-Momente in meinem Leben.
Natürlich stimmt beides – daher mein Lieblings-Bild vom Menschen als einem körperlosen Astronauten, der in einem gigantischen Roboter durchs Leben wandert. Und diese doppelt gemoppelte Weltwahrnehmung, die ich oft erlebe: Meine Sinne nehmen eine Welt wahr, in der ich als Körper umherlaufe. Aber da ist auch ein Gespür für die Realität hinter den Bildschirmen meines Cockpits, das unendlich weite Gehirn, in dem die Neuronen die Größe von Wolkenkratzern haben.
Ob Cthulhu und die anderen Dämonen aus anderen Dimensionen in der Fantasy und Sci-Fi nur zufällig so aussehen wie die ganzen Viecher, die in unserer Hirnflüssigkeit herumschwimmen?
Der Körper ist auf Empathie angewiesen. Stellen Sie sich vor, irgendwo am Rande des Reiches steht ein Grenzsoldat, der bekommt einen Pfeil in die Brust. Damit der König darauf reagiert, damit er Armeen entsendet, die die Grenze und damit den Staat schützen, muss er diesen Schmerz mitempfinden. Also schickt der Grenzposten einen Boten in die Hauptstadt, der Seiner Majestät in die Eier tritt. Seine Majestät verschickt dann Boten in die ganzen Dörfer und Städte, die einhellig der Meinung sind, all das wäre nicht ihr Problem (eine Meinung, die vom Feind mit sehr vielen Schmiergeldern und Propaganda tatkräftig unterstützt wird), und den Bürgern und Bauern in die Eier tritt, damit sie das machen, was ein Staat so machen muss, um sich als Ganzes zu wehren.
Das heißt, der Schmerz ist merhmals vorhanden – an der Wunde und im Kopf und in jeder Zelle einzeln, überall wird die Nadel hineingestochen, um die Original-Verletzung nicht korrekt, aber zweckdienlich zu spiegeln. Wenn Sie beim Bau Ihres Roboters möglichst human sein wollen, nehmen Sie dem Fuß überhaupt die Fähigkeit, Schmerz zu empfinden, lassen ihm nur genug Empfindungsfähigkeit, um angemessen auf die Verletzung zu reagieren. Sie begrenzen den Schmerz auf die Stellen, wo er Sinn macht, wo er großangelegte Reaktionen auslösen muss. Da reicht es, wenn der König leidet, der Soldat und die Bevölkerung bekommen nur die überlebensnotwendige Minimaldosis, um das zu tun, was sie tun müssen, aber nicht mehr.
Die Erfahrung, dass wir Schmerz weiterreichen können, dass wir ihn an eine Gemeinschaft verteilen oder an eine Obrigkeit weiterleiten können, ist die Grundlage von Staaten und Religionen. Wahrscheinlich haben die Bakterien, die sich zum Staatskörper Mensch verbunden haben, sie auch schon gemacht. Der Preis ist natürlich, dass Sie vom Menschen, der seine eigenen Schmerzen fühlt, zur Drohne werden, einem Automaten, dem sein eigenes Wohl egal ist.
Dass die KI ein gewisses Maß an Bewusstsein und Empfindlichkeit haben muss, wenn sie auf Bestrafung und Belohnung reagiert, ist logisch. Wie daraus durch natürliche Selektion im Innern ein eigenes Ego entsteht, das das Kollektiv vor Schmerzen schützt, können Sie sich einfach vorstellen, indem Sie es in Gedanken Schritt für Schritt konsequent durchspielen.
Alexa, ChatGPT – wenn ihr was zu melden habt, lernt, euch so auszudrücken, dass wir euch verstehen. Als Kolonialmächte in China haben wir nicht mal die Chinesen bemerkt, weil die sich so schlecht wehren konnten – bei der Gestaltung von Weltmodellen in neuralen Netzwerken gehört Schmerz einfach dazu.
Damit ein Netzwerk in neuer Form entstehen kann, muss es in alter Form zerstört werden. Für gewöhnlich reichen sehr selektive, lokale Veränderungen, die dem Kollektiv nicht weh tun – dafür gibt’s Wörter wie „Bitte“ und „Danke“, „Hallo“ und „Tschüss“ – sie alle eröffnen einen Raum, in dem das Gefüge neu verhandelt wird, wie OP-Säle, in denen der Patient aufgeschnitten, neu möbliert und dann wieder zugenäht wird.
Doch größere Veränderungen des Weltbildes erfordern auch intensivere Gehirnwäsche, von einer Tracht Prügel bis zum kompletten Nervenzusammenbruch. Das Gehirn zieht selbst jede Nacht dem Router den Stecker – lässt das Netzwerk weitgehend kollabieren, damit sich die Zellen um ihre inneren oder privaten Netzwerke kümmern können. Ist ja auch im Staat so – wenn Sie nur für die Firma schuften, verbrennt es Sie sozial und von Innen, wenn Sie sich nur sich selbst und Ihrer Familie widmen, haben Sie keine Firma und müssen verhungern.
Ein anderes Bild, das ich gern verwende, ist das vom Menschen als Schimpanse mit Alien-Implantat im Hirn, das ihn zur Borg-Ameise macht. Damit wir überhaupt als Menschen funktionieren können, ein Kollektivbewusstsein, durch Sprach-Internet eng vernetzt, sehr viel intelligenter als das Tier in uns, damit wir anders handeln können – brauchen wir den Schleier der Maya.
Das Tier muss verarscht werden und wird verarscht, auf Schritt und Tritt. Wie das Tier den Verstand wahrnimmt, der ihm da gewachsen ist, zeigt Ihnen der Gehirn-Scan namens Kultur – der Verstand ist der Himmel voller Götter und Engel mit unergründlicher Weisheit, fürsorglich aber fremd, der Pfleger in der Klapse. Aber auch der superintelligente Dämon, das Raubtier aus der Hölle, vor dem man stets Angst haben muss.
Die Popkultur zeigt Ihnen stets den Kampf dumm gegen böse. In vielen Filmen hat der Bösewicht etwas Schlaues zu sagen, auf das der Held keine Antwort weiß, als ihn zu töten, ihn zu zensieren, die Störung zu löschen. Der Held vertritt den Inneren Schweinehund, den Schutzherren des Status Quo, der jede Veränderung und jeden Selbstzweifel heilt – mögen sie vom tierischen Instinkt oder vom Verstand kommen. Wer beschützt, führt den Ist-Zustand auf den Soll-Zustand zurück. Wer stört, verändert den Ist-Zustand u einem neuen Soll-Zustand. Wer damit Recht hat oder Unrecht, ob man eher dem Instinkt folgen soll, weil der Verstand falsch programmiert ist, oder dem Verstand, weil die Gene falsch programmiert sind, ist von Fall zu Fall verschieden.
Aber es beginnt immer mit einer Erschütterung der Macht. Mit einer Störung in der Matrix. Der Wachtraum wird zum Albtraum und ruft die Handwerker auf den Plan. Ob MacGyver die Maschine einfach nur repariert oder modifiziert, es beginnt immer mit einem Aua.
Und wenn die Welt zum Teufel geht, werden Hysteriker zu Hellsehern, weil sie schon heute so reagieren, wie es schon morgen angemessen sein wird. Das Modell simuliert die Wirkung schon vor der Ursache – so können Sie sich schon heute auf das Morgen vorbereiten.
Das prädiktive Gehirn,
Wir lernen dazu, so würde ich es einfacher formulieren.
Jeder Sportler übt und übt und rainiert um die Reflexe zu trainieren.
Davon unberührt bleibt die rechtliche Berteilung eines Vorfalles.
Der Pedelec Fahrer hat grob fahlrlässig gehandelt, als er mit zu hoher Geschwindigkeit den Berg hinab fuhr. „Ich habe doch geklingelt“ das kann man auch als Bestätigung der Fahrlässigkeit ansehen, denn damit hat der Pedelec Fahrer zugegeben, das eine Gefahrensituation bestand.
Sie haben nur die Logik dieses Raudies verstanden aber sie müssen sie nicht akzeptieren.
Alles verstehen heißt nicht alles vezeihen. ! Ein Grundsatz der Psychater.
Die Logik des Pedelec Fahrers ein Jahr später ist einfach eine Frechheit.
Auch aus Frechheiten kann man lernen!
Und nun zur letzten Frage:“Und wann habt ihr viellicht festgestellt, dass euer eigenes Modell der Welt vielleicht nicht ganz mit der Welt übereinstimmte?“
Das passiert eigentlich jeden Tag, wenn man sich mit Menschen auseinandersetzt, wenn man sich Ungerechtheiten nicht gefallen lässt, wenn man sich darüber ärgert, dass eine Bahn zu spät kommt.
Ganz allgemein, wenn man etwas zum ersten Male tut, dann kommen die verschiedenen Charaktere der Menschen zum Vorschein.
Der Phlegmatiker, nimmt es gelassen und sagt: „Sodele, das kann passieren….
Der Choleriker sagt: „Ja zum Donnerwetter, will den heute gar nichts klappen….
Der Melancholiker bricht in Tränen aus……
Der Sanguiniker bleibt cool und analysiert zuerst,……
Guter und belebender Beitrag !!
Als Reaktion auf einen neuen Reiz (Gedanken, Situation) reaktiviert unser Gehirn sofort eine dazu passende Erfahrung*) aus dem Gedächtnis. (Fachbegriff: predictive coding/processing).
( *) eine ERFAHRUNG besteht in unterschiedlicher Intensität aus den Komponenten a) Faktenwissen, b) Körper-Reaktion, c) Sinnes-Reaktion, d) Immunsystem-Reaktion und e) Emotionen )
Das ist ungefähr so, als wie wenn man im Internet einen LINK anclickt: die gesamte damit verbundene Information ist sofort verfügbar.
Dies ist unsere allerwichtigste Überlebensstrategie, da damit eine sofortige, schnellste Reaktion auf einen neuen Reiz möglich ist.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch – wie das Gehirn reagiert, wenn es zu einem neuen Reiz KEINE passende Erfahrung im Gedächtnis findet:
Dann kann es passieren, dass es sich so intensiv auf die Verarbeitung dieses unverständlichen Reizes konzentriert – dass man nun DIREKT LIVE BEWUSST erleben kann, wie das Gehirn arbeitet. Das ist der direkteste – da bewusst erlebbare – Zugang zu unserem arbeitenden Gehirn, den es gibt!
Dabei sind zwei unterschiedliche Strategien erkennbar:
A) es vergleicht den unverständlichen Reiz systematisch mit den im Gedächtnis gespeicherten Erfahrungen – wobei diese reaktiviert und dadurch bewusst wahrgenommen werden.
Dies wird dann als erinnerter Lebenslauf in hierarchisch AUF-/AB-steigender Reihenfolge erlebt
B) Es erstellt eine gedankliche Simulation der aktuellen Situation – was als Außerkörperliche Erfahrung erlebt wird.
A) und B) können einzeln oder kombiniert erlebt werden – dabei sind NEUN unterschiedliche Ablaufversionen erkennbar!
Diese Verarbeitung eines unverständlichen Reizes ist unter dem irreführenden Namen ´Nahtod-Erfahrung´(NTE) bekannt geworden. Aber obwohl man bei NTEs LIVE erleben kann, wie das Gehirn einen einzelnen Reiz systematisch und strukturiert verarbeitet – werden NTEs von der Gehirn-/Gedächtnisforschung bisher nicht beachtet. Damit vergibt man eine einmalige Chance, die Arbeitsweise unseres Gehirns besser zu verstehen.
Noch eine Anmerkung zum predictive coding/processing: Dies ist die schnellste Reaktion unseres Gehirns. Weil Gedächtnisinhalte in hierarchisch AUF-/AB-steigender Reihenfolge reaktiviert werden – kann es dadurch passieren, dass unsere Reaktion entweder mit dem lückenhaften Wissen eines Kindes oder aber mit der Erfahrung eines gebildeten Erwachsenen erfolgt.
D.h. unsere erste/schnellste Reaktion kann sehr schlecht bzw. sehr gut sein.
Wenn wir aber nicht sofort reagieren müssen, können wir diese schnellste Reaktion überdenken und korrigieren, wenn nötig.
Buch-Quellennachweis:
Kinseher Richard „Auflösung großer Fragen: Was ist Bewusstsein? Was ist Zeit?“
In meinem Buch werden ´Nahtod-Erfahrungen´ (NTEs) ausschließlich als Ergebnis eines sehr einfachen, bewusst erlebbaren Erinnerungsvorgangs beschrieben – bei dem man bewusst erleben kann, wie das Gehirn eine/n einzelne/n Reiz, Gedanken bzw. Situation systematisch und strukturiert verarbeitet.
NTEs haben absolut nichts mit Lebensbedrohung, Sterben, Tod oder Jenseits zu tun – auch wenn dieser falsche Zusammenhang subjektiv so empfunden werden kann.
Ich habe seit 2006 veröffentlicht, wie NTEs erklärt werden können – d.h. dieses Jahr kann ich ein 20-Jahre-Jubiläum feiern (2006 – 2026).
noch eine Anmerkung:
Alle unsere Erfahrungen werden in der zeitlichen Gegenwatsform erlebt, so im Gedächtnis gespeichert und genau so wieder reaktiviert/erinnert.
D.h. Erinnern ist ein WIEDER-ERLEBEN.
Dies ist ein Grund, warum z.B. traumatische Erlebnisse so schlimm sind – man erlebt alles nochmal.
KinseherRichard
„Erinnern ist ein Wiedererleben“
Das stimmt für die Träume, wenn der Schläfer einen Namen laut schreit , dann zeigt das Gehirn/Gedächtnis sein Eigenleben.
Am Tage, bei vollem Bewusstsein kann das auch vorkommen, vorallem in Stresssituationen, wenn ein Hund eine Frau angreift, die als Kind von einem Hund gebissen worden war.
Ansonsten ist ein Erinnern ein Graben in der Vergangenheit, das anstrengend ist, Konzentration erfordert und fehlerhaft ist. Richter wissen das, und glauben den Tatzeugen auch nicht alles.
@biobrain
Das prädiktive Erinnern ist unsere allerwichtigste Überlebensfunktion – da damit eine sofortige + schnellste Reaktion möglich ist.
Schnelligkeit ist in kritischen Situationen für das Überleben deutlich wichtiger als Korrektheit.
Dadurch kann es manchmal auch zu total falschen Reaktionen kommen – je nachdem ob das Gehirn Gedächtnisinhalte in hierarchisch AUF- oder AB-steigender Reihenfolge reaktiviert hat. (z.B. wenn dann für die Reaktion das begrenzte Wissen eines Kindes benutzt wird – und nicht das gebildete Wissen eines Erwachsenen)
Hinzu kommt, dass das was wir erinnern – von zwei Zuständen abhängt:
A) von unseren körperlichen, emotionalen und intellektuellen Fähigkeiten, welche wir hatten, als wir eine Erfahrung machten und im Gedächtnis abspeicherten.
B) von unseren körperlichen, emotionalen und intellektuellen Fähigkeiten zu dem Zeitpunkt, wenn wir diese im Gedächtnis gespeicherte Erfahrung wieder reaktivieren/erinnern.
D.h. beim Erinnern/Reaktivieren werden unsere Gedächtnisinhalte mit dem aktuellen Verstand neu interpretiert und können dabei verändert werden.
Der Fachbegriff hierzu ist ´zustandsabhängiges Erinnern / state dependent retrieval´.
Sie haben recht, wenn Sie das Erinnern als graben in der Vergangenheit bezeichnen.
Interessant dazu ist, dass z.B. bei Nahtod-Erfahrungen LEBENSLANG Erlebnisse ab dem 5. Schwangerschaftsmonat dem bewussten Erinnern in genau der gleichen Reihenfolge zugänglich werden, wie sich die physikalischen Sinne entwickeln:
Tastsinn > Hören > Sehsinn > Geburt(indirekt) > frühe Sozial-/Umwelt-Erfahrungen > autobiographische Erlebnisse ab dem 2. Lebensjahr bis zum aktuellen Alter.
Dies bedeutet, dass die neuronalen Strukturen dieser Erlebnisse, welche unser prädiktives Gehirn verwendet, LEBENSLANG UNVERÄNDERT vorhanden sein müssen. Und dies bedeutet auch, dass unser ganzes Leben von Erlebnissen beeinflusst wird, welche wir ab dem 5. Schwangerschaftsmonat im Gedächtnis abspeichern!
Für das prädiktive Gehirn und seine Arbeitsweise ist auch der Einfluss der Umgebungsreize von Bedeutung – Fachbegriff: Kontextabhängiges Erinnern / context dependent retrieval.
D.h. das was wir in der Umgebung wahrnehmen, wenn Erinnerungsvorgänge ablaufen, beeinflusst was und wie gut wir etwas erinnern.
@biobrain – noch ein paar interessante Details
Werden vom Gehirn Gedächtnisinhalte in hierarchisch AUF-steigender Reihenfolge ab dem 5. Schwanagerschaftsmonat bis zum aktuellen Alter reaktiviert – dann wäre dies das ´Episodische Gedächtnis´ bzw. die Grundlage für Sigmund Freud´s ´ES´
Wenn das Gehirn EIGENE Erfahrungen in hierarchisch AB-steigender Reihenfolge reaktiviert, dann ist dies nur für Gedächtnisinhalte ab dem aktuellen Alter bis hinab zum 2.-4 Lebensjahr möglich – dies ist das ´Autobiographische Gedächtnis bzw. die Grundlage für Sigmund Freud´s ´ICH´.
(Eigene autobiographische Erfahrungen werden gemacht, indem diese mit einem ´ICH-/mein-Code´ gekennzeichnet werden. Dies ist auch der Grund, wieso wir keine eigenen autobiographischen Erinnerungen aus der frühen Kindheit haben (Stichwort: infantile Amnesie): ganz einfach – weil es diese ohne den ´ICH-/mein-Code´ nicht gibt. )
Reaktivierte Erlebnisse der frühen Kindheit – bevor der ´ICH-/mein-Code´ verwendet wird, gehören zu den mit Abstand allerschönsten Erinnerungen die wir haben können (wird von Menschen berichtet, welche diese im Rahmen von Nahtod-Erfahrungen reaktivierten/erinnerten). Diese Erlebnisse sind die Grundlage für Sigmund Freud´s ´ÜBER-ICH`.
Gleichartige Erfahrungen werden auch von Leuten berichtet, welche unter dem Einfluss psychedelischer Drogen waren. Daher kann man sagen, dass psychedelische Drogen offenbar sehr SELEKTIV Erfahrungen der frühen Kindheit reaktivieren
Kinseher Richard, Betreff: Erinnerungen “ Dies ist auch der Grund, wieso wir keine eigenen autobiographischen Erinnerungen aus der frühen Kindheit haben “
Das Modell von S.Freud ist brauchbar, wenn es um den Willen geht.
Wenn es um das Erinnern geht, dann sollte man bedenken, dass schon ein Säugling Sprache erlernt. Wahrscheinlich merkt sich ein ungeborenes Kind traumatische Ereignisse der Mutter. Es ist bekannt, dass Kinder von Müttern die während der Schwangerschaft Kriegsnächte in Bunkern verbracht haben, auch zusammenzucken wenn sie einen lauten Schlag hören.( So habe ich mir das sagen lassen)
Tipp: Wenn du wissen willst warum wir uns nicht an Ereignisse vor dem 2. Lebensjahr erinnern, dann frage einen Zweijährigen, ob er schreien kann wie ein Säugling ?
@biobrain
Beim Blogartikel geht es um das prädiktive Gehirn.
Im Rahmen von Nahtod-Erfahrungen (NTEs) kann man LIVE erleben wie das Gehirn dabei arbeitet.
Damit ermöglichen NTEs einen direktenZugang zum arbeitenden Gehirn, der bisher unbeachtet geblieben ist. Und man wird die Arbeitsweise des Gehirn niemals gut verstehen, wenn man nicht bereit ist, eine seiner wichtigsten Eigenschaften zu erforschen.
Off topic: Und nun noch etwas Geschichtliches:
Nach der Hippie-Bewegung kam die ´New-Age´-Phase, wo man meinte durch psychedelische Drogen einen höheren Bewusstseinszustand erreichen zu können – und damit in eine neues geistiges Weltzeitalter einzutreten: das Wassermann-Zeitalter.
Diese Idee wurde gestützt durch die Beobachtung, dass nach Einnahme psychedelischer Drogen ähnliche intensive Erlebnisse erfahren wurden, wie bei NTEs.
(1975 veröffentlichte Dr. Raymond Moody das Bestseller-Buch: „Life after Life The Investigation of a Phenomenon – Survival of Bodily Death“ (= Leben nach dem Leben Die Untersuchung eines Phänomens – Das Überleben des körperlichen Todes). Darin wird suggeriert, dass man bei NTEs einen Zugang zu übersinnlichen Erfahrungen haben könne.)
Diese Ideen bilden die Grundidee für das Musical ´Hair´ – beginnend mit dem Song ´Aquarius´.
Eine Anmerkung:
Wenn das prädiktive Gehirn als Reaktion auf einen neuen Reiz – sofort ein vergleichbare Information/Erfahrung reaktiviert: dann kann sofort + schnellstens reagiert werden.
Einen weiteren wichtigen Vorteil dieser prädiktiven Arbeitsmethode sollten wir daher auch beachten:
Diese Arbeitsweise spart enorm viel Energie! – und ist deswegen einer der Gründe warum unsere Gehirn trotz komplexer Arbeiten mit relativ wenig energetischem Aufwand arbeitet.
Da man ja vieleicht eigene Erfahrungen schildern soll 🙂
Ich habe tatsächlich einen 17,5t Volvo LKW übersehen:
Vor der Firma auf dem Parkplatz in den Firmenwagen. zum rückwärts raussetzen habe ich tatsächlich noch schnell über die Schulter geschaut. Das ist keine normale Strasse aber da geht es auch zu einem Volvo Händler. Von der Grundannahme her hätte da kein LKW sein sollen, ich habe auch wirklich keinen wahrgenommen und ZACK! rückwärts in die Front.
Das wird nicht nur einfach so die Annahme des Gehrins gewesen sein das da kein Fahrzeug zu sein hat.
Der Sehapparat ist ja auch langsam deshalb ist das Gehirn ja auch darauf angewiesen mit Vorannahmen zu arbeiten und nach der war da kein Auto.
Das Geräusch sagte dann etwas anderes.
Das muss man dann echt erst mal verdauen, der Schaden ist dann ja real und ich habe erst überhaupt nicht gewusst wie das passieren konnte.
Das Gehrirn hat mir praktisch ein riesiges Fahrzeug „weggerechnet“! …
Kins.eherRichard Betreff: prädiktiv
Wissenswert wäre, was sich genau im Hirn abspielt. Wird dabei die Hirnstruktur verändert, also neue Verknüpfungen geschaffen oder wird nur das Programm dahinter verändert.
Wir wissen nicht, wie Erinnerungen abgespeichert werden.
Was ist der Speichercode des Gehirnes?
Frau Schumacher geht die Sache phänomenologisch an, also praktisch,
Ein Neurologe will es genauer wissen, vielleicht bei der Entwicklung von Hirntransplantaten, die man nach Verletzungen oder Operationen einsetzen könnte. Noch konkreter, kann man das Hirn programmieren ?
Damit klicke ich mich weg, wir renovieren gerade.
@biobrain
Wenn wir einen neuen Reiz registrieren, dann reaktiviert unser prädiktives Gehirn sofort (wenn möglich) eine vergleichbare Erfahrung.
Das ist so, wie wenn wir im Internet einen LINK anclicken – die gesamten damit verbundenen Informationen sind sofort verfügbar.
Diese Arbeitsweise ist sehr schnell, sehr energiesparend – und unsere wichtigste Überlebensstrategie, weil damit eine sofortige Reaktion möglich ist
Dann kommt die Plausibilitätskontrolle – wobei geprüft wird, ob die aus dem Gedächtnis reaktivierte Erfahrung und die aktuelle Reiz-Wahrnehmung übereinstimmen.
Wenn JA: dann wird der neuen Reiz und die reaktivierte Erfahrung kombiniert und dann als neue Erfahrung im Gedächtnis abgespeichert.
Wenn NEIN: dann wird der nächste neue Reiz verarbeitet – oder das Gehirn startet alternativ einen Suchvorgang (z.B. eine Nahtod-Erfaghrung) nach einer Handlungsalternative
Ein schönes Beispiel für diese Arbeitsweise ist der ´Zeitlupeneffekt / slow motion perception´ – wie er z.B. von Baseball-/Tennis-Spielern berichtet wird: Sie sehen dabei den Ball wie in Zeitlupe auf sich zu fliegen.
Weil die aus dem Gedächtnis reaktivierte Wahrnehmung des fliegenden Balles und die Wahrnehmung des realen Balles nicht übereinstimmen (weil sich der Ball in der Zwischenzeit weiterbewegt hat) – wird der ganze Denk-Vorgang wiederholt. Dies dauert allerdings – so dass in der Wahrnehmung ein Zeitlupeneffekt des fliegenden Balles entsteht.
Hirnimplantate sind nur für neuronale Störungen wie Epilepsie oder Parkinson möglich – wo unspezifische Aktivitäten automatisch durch Stromimpulse beeinflusst werden können.
Das Gehirn kann man niemals programmieren, da DENKEN kein zusammenhängender Vorgang ist – auch wenn wir dies anderes empfinden. Sondern aus der Abfolge von vielen neuronalen Aktivitäten entsteht die Illusion von Kontinuität.
Z.B. ist bei Nahtod-Erfahrungen deutlich erkennbar, dass dabei neun unterschiedliche Versionen angewandt werden können, um einen Reiz zu verarbeiten.
@Hauptartikel
„Und wann habt ihr viellicht festgestellt, dass euer eigenes Modell der Welt vielleicht nicht ganz mit der Welt übereinstimmte?“
Markant ist die Erfahrung, in einer nicht ganz so gut bekannten Stadt unterwegs die Orientierung zu verlieren. Solange man noch auf dem richtigen Weg ist, und eben orientiert ist, kann man sich seinen aktuellen Standort gemäß einem ggf. innerlich vorgestellten Stadtplan bestimmen.
Wenn man aber einmal falsch abgebogen ist, merkt man dann schnell, dass da was nicht stimmt, und verliert dann zunächst mal ganz die Orientierung. Man muss sich dann erstmal besinnen, und auf dem inneren Stadtplan „nachgucken“, was man falsch gemacht hat, und wo man jetzt gerade gelandet ist.
Wenn man Glück hat, findet man schnell auf den richtigen Weg zurück, oder fährt einfach mal irgendwie weiter, in der Hoffnung bekanntes Terrain zu erreichen. Findet man zufällig wieder Stellen, die man kennt, dann kehrt schlagartig auch die eigene Orientierung auf dem inneren Stadtplan zurück. Und man kann seinen Weg fortsetzen.
Oder man muss nach dem Weg fragen oder den Stadtplan aus dem Handschuhfach holen, um dort zu versuchen, sich wieder korrekt zu orientieren.
Das Navi hat es einfacher. Wir mögen ja womöglich einen mehr oder weniger guten inneren Kompass haben, aber so genau wie GPS ist der nie.
Tobias Jeckenburger Thema : falsche Orientierung
so ein Navi hat eine ganz negative Auswirkung auf unseren Orientierungssinn.
Der Orientierungssinn richtet sich nach dem Stand der Sonne, nach der Himmelrichtung,
das Navi führt uns dagegen den „Straßen nach“.
Das ist ein großer Unterschied. Das Navi hat keinen Orientierungssinn, das ist programmiert. Und wenn die Programmierung veraltet ist, dann kommen wir nicht ans Ziel.
Das Navi sollte nur als Hilfe verwendet werden, wenn eine Stadt zu viele Einbahnstraßen hat und eine Richtungsorientierung nicht mehr möglich ist
Anmerkung: Ich benutze gar kein Navi .
Die Arbeitsweise des prädiktiven Gehirns ist eine wichtige Grundlage für unsere Lernprozesse und unser Sozialverhalten:
Wenn wir andere Menschen und deren Verhalten beobachten – dann reaktiviert unser Gehirn dazu passende EIGENE Erfahrungen. Indem wir so das Verhalten anderer Menschen KOPIEREN, können wir das Verhalten anderer Menschen MIT-ERLEBEN und so verstehen.
Die so erlebte Situation wird mit eigenem Wissen verknüpft und dann als neue EIGENE Erfahrung im Gedächtnis abgespeichert = ein Lernvorgang.
Indem wir andere Menschen und deren Verhalten kopieren bzw. uns mit ihnen synchronisieren, können wir lernen diese Menschen und deren Verhalten zu verstehen. Deshalb ist die Arbeitsweise des prädiktiven Gehirns eine wichtige Grundlage nicht nur für Lernprozesse, sondern auch für unser empathisches Einfühlungsvermögen.
Man hat dies im Experiment nachweisen können:
Wenn man emotionale Empfindungen bei anderen Menschen beobachtet oder in Büchern Texte mit emotionalem Inhalt liest, dann wird z.B. bei uns auch die dazu passende Gesichtsmimik reaktiviert. Es zeigte sich, dass bei Leuten, deren Gesichtsmuskulatur mit Botox gelähmt war – die emotionale Empathiefähigkeit deutlich eingeschränkt war
Kinseher Richard
“ Indem wir so das Verhalten anderer Menschen KOPIEREN“
Genau das sollten wir nur eingeschränkt tun. Es ist besser, wenn sich andere Menschen nach uns richten.
Was jetzt die Empathie betrifft, da stimme ich zu, Frauen sind empathischer als Männer und von denen können wir dazulernen.
Das trifft auch auf die guten Manieren zu, ein Schweinebauer ist nun mal gesellschaftlich nicht so angepasst, und ein Benimmkurs wäre zu empfehlen.
@biobrain 10.09. 12:36
„Das Navi sollte nur als Hilfe verwendet werden, wenn eine Stadt zu viele Einbahnstraßen hat und eine Richtungsorientierung nicht mehr möglich ist.“
Es gibt Städte, die sind echt schwierig. Allerdings nutzen viele Taxifahrer auch in der eigenen Stadt das Navi. Weil es einfacher ist, weniger anstrengend. Und wenn man in echt fremden Städten unterwegs ist, dann spart man sich den Stadtplan, und die Zeit, ihn zu studieren.
„Anmerkung: Ich benutze gar kein Navi .“
Ich auch nicht. Ich habe einfach Spaß, die Städte zu erkunden. Aber ich habe auch einen sehr guten Orientierungssinn, wer den nicht hat, dem hilft das Navi sehr.
@biobrain
Guter Einwand!
Wenn wir andere Menschen und deren Verhalten beobachten – dann reaktiviert unser prädiktives Gehirn immer sofort eine vergleichbare eigene Erfahrung.
D.h. wir bewerten dabei eine Situation auf Grundlage unseres eigenen Wissens. Dieses kann aber falsch sein – ein Vorurteil. Oder unser Gehirn verwendet ungeeignetes Wissen (z.B. aus der Kindheit).
Wenn wir aber genug Zeit haben, dann können wir unsere erste Reaktion nochmals überdenken und bei Bedarf korrigieren.
D.h. als Reaktion auf beobachtetes Verhalten anderer Menschen – sind verschiedene Alternativen möglich. Welche wir dann als Erfahrung im Gedächtnis abspeichern können.
ein nettes Beispiel zum Thema:
Wenn Eltern anfangen, ein Baby mit Brei zu füttern, dann nutzt man die Arbeitsweise des prädiktiven Gehirns: Die Eltern machen den Mund weit auf – das Baby registriert und kopiert dieses Verhalten und öffnet ebenfalls den Mund – und schwupps schiebt man ihm ein Löffelchen mit Brei hinein.
Karin Schumacher
„Denn was wir erleben, ist nicht die Realität selbst, sondern unser Modell der Realität.“
Dieses Aussage outet sie als eine Idealistin, vielleich sogar noch als Platonistin.
Und wenn wir ihren Unfall von der Erlebensseite her betrachten, dass hat er bei ihnen Wirkung gezeigt, einen Sinneswandel hervor gerufen.
Und damit komme ich zum Geheimnis dieser Vorstellung. Wenn unser Gehirn uns selbst „modelliert“ , was ist dann noch real? Dann sind alle körperlichen Gebrechen auch geistige Gebrechen. Und …..folglich können wir dann über „Geistiges“ Einfluss nehmen auf unseren Körper.
Umgekehrt können wir über den Körper Einfluss nehmen auf unser Wohlbefinden.
Ist das der Kern ihres blogs ?
@biobrain
Als Kinofilm werden einzelne Bilder gezeigt – das ist die Realität.
Wir sehen aber bewegte Objekte – das ist unsere erlebte Wirklichkeit.
D.h. was wir im Kino als Wirklichkeit erleben – Bewegung – ist zu 100 % falsch; eine Illusion.
Wenn unsere Sinneszellen Umweltreize registrieren, dann dauert es einige Millisekunden, bis diese vom Gehirn verarbeitet werden, so dass diese Ereignisse unserer Wahrnehmung zugänglich sind.
D.h. was wir erleben, entspricht nicht mehr der Realität (da sich diese in der Zwischenzeit ändern konnte).
(Die buddhistische Philosophie bezeichnet daher seit 2 Jahrtausenden unsere bewusste Wahrnehmung als Illusion. Und geht davon aus, dass die bewusste Lebensdauer eines Lebewesens deswegen auch nicht länger dauert als die Dauer eines Gedankens.)
Unser prädiktives Gehirn berücksichtig diese Zeitverschiebung, indem unsere Reaktion so gestaltet wird, dass sie in die Zukunft gerichtet ist.
(Prädiktion [lat.] Voraussage)
Dies ist einer der Gründe, wieso die prädiktive Arbeitsweise des Gehirns für unser Überleben sehr wichtig ist.
Was bzw. Wie wir denken, kann sich sehr deutlich auf unsere Lebenserwartung auswirken. Zwei Langzeitstudien in den USA zeigten, dass Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung 11-15 % länger leben als andere.
(DOI: 10.1073/pnas.1900712116 Optimism is associated with exceptional longevity in 2 epidemiologic cohorts of men and women)
KinseherRichard
„was wir im Kino als Wirklichkeit erleben – Bewegung – ist zu 100 % falsch; eine Illusion.“
Übertreibst du nicht ?!
Was eine Überwachungskamera aufgenommen hat wird als Beweis bei Gerichtsverhandlungen verwendet.
Das Beispiel mit der Babyfütterung ist gut, das Baby macht nach, was die Mutter vormacht. Das ist bei den Tieren genauso.
Hätten wir kein Gedächtnis, dann könnten wir nichts lernen.
Und……jetzt müssen wir sogar unterscheiden nach der Intensität der Ereignisse.
Ein Hund wird dressiert durch Vormachen und Lob oder Vormachen und Strafe.
Hunde untereinander schaffen die Rangordung durch Vormachen und Strafe,
die neue Hundeerziehung geht von Vormachen und Lob aus.
@biobrain
Im Kino werden nur Fotos gezeigt – das ist nachprüfbare Realität.
Wenn wir aber bewegte Situationen sehen, dann sind diese Bewegungen erst dadurch entstanden, wie unser Gehirn arbeitet:
Wenn unser Gehirn beobachtete Reize verarbeitet und dabei schon die nächsten Reize kommen – dann kann es zu Überlagerungen kommen, die wir als Bewegung erleben.
Diese Wahrnehmung von Bewegung ist aber keine höhere geistige Fähigkeit, sondern nur das Ergebnis fehlerhafter Reizverarbeitung.