Das Marathon-Paradox und der Terror in Boston

Es ist ein legendäres, friedliches und fröhliches Sportereignis für zehntausende Läufer und hunderttausende Zuschauer. Doch gestern verwandelten mehrere Bombenanschläge den Boston-Marathon in ein grausames Blutbad.

 “Laufen bringt die Menschen zusammen”, twitterte Äthiopiens Sportlegende Haile Gebrselaissie. Das wussten leider auch diejenigen, die diesen besonders perfiden Terrorakt planten: Gestern Nachmittag (Ortszeit) explodierten in Boston im Zielbereich der traditionsreichen Laufveranstaltung kurz nacheinander zwei Sprengsätze. 

Drei Menschen starben; darunter auch ein achtjähriger Junge. Weit über 100 sind verletzt; mehrere von ihnen befinden sich in Lebensgefahr. Seit den Terroranschlägen vom 11.September 2011 sind dies die ersten tödlichen Bombenattacken in den USA. Der Kampf um das Leben der Verletzten und die Suche nach den Schuldigen laufen auf Hochtouren. 

Das Marathon-Paradox

Marathon-Läufe sind extrem. Nicht umsonst beruht der Name auf der Legende jenes athenischen Läufers, der nach dem Sieg der Griechen über die Perser in Marathon vor rund 2500 Jahren die 42,195 Kilometer lange Strecke bis nach Athen lief. “Wir haben gesiegt!” verkündete er dem Mythos zufolge bei seiner Ankunft, bevor er einen Moment später tot zusammenbrach. 

Auch heutzutage sterben regelmäßig Menschen bei Marathonläufen. Die Rate Herz-Kreislauf-bedingter Todesfälle nach Ausdauersport, der länger als drei Stunden betrieben wird, beträgt etwa 1 zu 50.000. Das ist eine verschwindend geringe Zahl im Vergleich zum Risiko der Gesamtbevölkerung: mit 40,2 Prozent sind Herz-Kreislauf Erkrankungen in Deutschland Todesursache Nummer eins.

Das Marathon-Paradox besagt, dass regelmäßige körperliche Aktivität bei mittlerer Intensität vor einem plötzlichen Herztod schützt, während akute Anstrengung das Risiko erhöht. Ausdauertraining verlängert das Leben, wohingegen Wettkämpfe das Immunsystem schwächen und vor allem Knie, Achillessehnen und natürlich die Muskeln ungewöhnlich stark belasten.

Schon 1982 fanden amerikanische Wissenschaftler heraus, dass das Herzinfarktrisiko bei einem trainierten Mann in Ruhe halb so hoch ist wie bei einem Untrainierten. Während eines Wettkampfes steigt es allerdings um das Siebenfache an.

Das Marathon-Paradox – neu definiert?

Auch wenn übertriebene Breitensportveranstaltungen von einigen Menschen durchaus als eine Form des Massenmordes angesehen werden, würde wohl kaum jemand damit rechnen, während eines Marathonlaufes an den Folgen eines Bombenanschlags zu sterben.

Sportveranstaltungen verbinden Menschen aller Nationen, unabhängig von Rasse, Religion oder Geschlecht. Sportliche Wettkämpfe bringen Menschen in Fairness und Harmonie zusammen.

Die Ereignisse in Boston stehen in krassem Widerspruch zum Sportgeist, der sich durch seine besondere Ethik auszeichnet. Sport vermittelt eine bestimmte Moral mit Werten wie Anstand und Bescheidenheit. Das stärkt die Persönlichkeit eines Menschen. Durch Überwindung des eigenen Rekordes können dann plötzlich auch schwierige Lebenspassagen gemeistert werden. 

Dagegen sind Terroranschläge geprägt durch hassgeleitete Motive wie “Vernichtung von Ungläubigen” oder “Rache an der westlichen Gesellschaft”, wie Figen Özsöz beispielsweise die Denkweise islamistischer Fundamentalisten beschreibt. Auch rechte Gewalt zähle zu den Hassverbrechen, “die sich gegen bestimmte Gruppen wie Migranten, Juden oder Homosexuelle richten”. Angesichts der aktuellen Ereignisse erlangt das soeben vorab auf spektrum.de erschienene Interview mit der Psychologin vom Bayerischen Landeskriminalamt eine ganz neue Bedeutung.

Sport verwandelt Aggressivität in Beherrschung. Neid und Hass werden abgebaut und in positive Energie umgesetzt. Sport kann Grenzen überwinden und Ungerechtigkeiten abbauen. Ein guter Sportler braucht auch nicht unbedingt reiche Eltern oder betuchte Gönner, wie in so vielen anderen Bereichen, um es bis ganz nach oben zu schaffen. Damit kann er zum Idol für die vielen Benachteiligten dieser Erde werden. 

Unser Mitgefühl ist bei den Opfern und Betroffenen in Boston. Es braucht viel Kraft und innere Stärke, diesen Wahnsinn zu verstehen und die Welt ein wenig besser zu machen.

Quelle / weitere Informationen:

  • Veröffentlicht in: Sport

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Dr. Karin Schumacher bloggt als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

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  1. Korrektur: Islamistisch!=Rechtsgerichtet

    Die obige Aussage aus dem Beitrag: Dagegen sind Terroranschläge geprägt durch hassgeleitete Motive wie Vernichtung von Andersgläubigen oder “Rache an der westlichen Gesellschaft”, wie Figen Özsöz die Denkweise rechtsextremistischer Jugendlicher im Gefängnis beschreibt

    gibt die Inteview-Aussage von Figen Özsöz in einem falschen Zusammenhang wieder: Bei der Vernichtung von Andersgläubigen oder “Rache an der westlichen Gesellschaft” geht es nicht um Rechtsextremisten sondern um Islamisten. Islamisten sind nicht gleichzusetzen mit Rechtsextremisten und diese Gleichsetzung wird im Interview auch nicht gemacht. Es handelt sich hier also um eine sinnentstellende Verkürzung einer Interviewaussage.

  2. @ Martin Holzherr: Hassverbrechen

    Vielen Dank für den Hinweis. Mir ging es um Hassverbrechen allgemein, doch da war ich wohl etwas zu knapp. Ich habe jetzt den Text entsprechend erweitert.

  3. Wie in Norwegen…

    Genau, und Breivik war auch ein Islamist.

    Interessant, wie es der Eso schafft, mit nur 21 Wörtern Rassismus zu verbreiten und noch auf sein … naja…. “interessantes” Blog aufmerksam zu machen.

  4. Islamisten

    Auch der jüngste Giftanschlag spricht für einen Anschlag von Islamisten. Die Einwanderung muss endlich stark begrenzt werden.
    In Deutschland ist glücklicherweise auch die neue Partei AfD für eine starke Begrenzung der Einwanderung. Mehr dazu auf meinem Blog (bitte auf meinen Nick klicken).

  5. “Sport verwandelt Aggressivität in Beherrschung. Neid und Hass werden abgebaut und in positive Energie umgesetzt.”

    Das erlebe ich aber zunehmend anders, besonders wenn ich den Kampfsport betrachte.

    Das Problem, wenn der Sport nicht in einer profitablen Karriere mündet, oder eine relativ gerechte lohnabhängige Karriere unterstützt, ist der verstärkte / eskalierende Wettbewerb um die bewußtseinsbetäubenden Begehrlich- und Abhängigkeiten.

    Der Hass ist eine emotionale Reaktion, die es den “Treuhändern” der bewußtseinsbetäubten und demokratisch-verantwortungslosen (Kreuzchen auf dem Blankoscheck) Massen leicht macht, sie in ihrer Angst, Gewalt und “Individualbewußtsein” auf Sündenbocksuche zu lenken.

  6. @ Horst: Sport

    Natürlich ist nicht alles am Sport gut – grölende Hooligans, die Gewalt „kultivieren“ und Sündenböcke brauchen. Sportler können jedoch auch Vorbilder sein, und eine gute Zeit bei einem Marathon kann sich keiner kaufen. Richtig eingesetzt kann Sport also viel Positives bewirken, auch was den Abbau von Hass betrifft.

  7. @ Eso-Policier: Antworten auf Gewalt

    Hass wird durch Unverständnis und Ausgrenzung geschürt. Integration und Bildung, unabhängig vom (sozialen) Status, Hautfarbe oder Glauben der Eltern können auch hierzulande Verständnis und gegenseitige Toleranz fördern und unsere Gesellschaft bereichern.

    Ich stamme beispielsweise aus einer Familie mit hugenottischen Wurzeln. Das waren auch einmal Andersgläubige, die andernorts verfolgt, vertrieben und getötet wurden.

    Ein schönes Plädoyer aus aktuellem Anlass gibt es auch von Lauf-Legende Achim Achilles: „Die Antwort auf Gewalt ist ein Lauf“.

  8. @Trota

    “Richtig eingesetzt kann Sport also viel Positives bewirken, auch was den Abbau von Hass betrifft.”

    Ein Kumpel hat eine heftige Psychose, die er mit sehr sehr viel Bewegung leidlich im Griff zu hält – leider ist ALLES was wir tun nur Bewußtseinsbetäubung, mit einer sehr zweifelhaften und ohnmächtigen Erfolgsaussicht, weil wir uns im Glauben an materialistischem Wettbewerb und “Individualbewußtsein” den Möglichkeiten eines geistig-heilenden Selbst- und Massenbewußtseins verschließen.

    Der systemische / wettbewerbsbedingte Motor wird mit Hass und Neid betrieben, nicht mit Liebe und Selbstlosigkeit!!!

  9. Das primäre Merkmal

    links-, rechts- und islamisch motivierter Verbrechen ist nicht der Hass, sondern die Liebe zu einem System, das als gut empfunden wird und herbeigetötet werden soll.

    Insofern ist der Begriff “Hassverbrechen”, zumindest wenn stringenter Terrorismus vorliegt, fehlleitend.

    Das aber eher nebenbei,
    MFG
    Dr. W

  10. Feindbild und Idole …

    … Werden wir Menschen immer dümmer?

    “Sport vermittelt eine bestimmte Moral mit Werten wie Anstand und Bescheidenheit.”

    Wenn es mal so wäre: “Gier” gilt als das Motivationswort der Stunde. Bescheidenheit ist sicher die letzte Tugend, die in der medialen Sportberichterstattung erhoben wird, die ausschließlich von Maßlosigkeit bestimmt ist – als solche eben ein trauriger Spiegel der gesellschaftlichen Misere.

    ” ‘Rache an der westlichen Gesellschaft”, wie Figen Özsöz beispielsweise die Denkweise islamistischer Fundamentalisten beschreibt.’ ” Wozu soll dieser Einschub dienen? Steckt also wieder der Islam dahinter, wie in Norwegen? Haben Sie keine eigene Meinung dazu?

    Als Sie das schrieben, werden Sie sich darüber bewußt gewesen, dass das derlei die Fliegen anzieht.

    Anstatt den Versuch zu wagen, diese Armseligkeit wenigstens klar zu erläutern und nachhaltig zu belegen, ergehen Sie sich in kitschig-libertären american dream Phrasen, dass es jeder “bis ganz nach oben schaffen” kann, wenn er nur gut genug ist. “Damit kann er zum Idol für die vielen Benachteiligten dieser Erde werden.” Na sicher , ein millionenschwerer Sportler “ganz da oben” – darunter tun es Idole nicht. Halten Sie sich ran.

  11. @ current Persönliche Fitness

    30 Minuten sportliche Betätigung täglich bei Verzicht auf die mediale Sportberichterstattung. Die Gier nach gesunder Bewegung braucht nicht einmal Idole oder Sündenböcke.

  12. Sportanlässe als Zeugnisse der Gemeinsch

    Ein Anschlag auf einen Sportanlass macht sehr viel Sinn, gerade weil er alle Teilnehmer vereint.
    Das sagt uns: Solch ein Anschlag ist ein Anschlag auf die ganze Gemeinschaft, ja gar Gesellschaft, für die dieser Anlass etwas bedeutet.
    Somit ist der Täterkreis ziemlich klar: Entweder sind es Menschen, die die Gesellschaft hassen, welche sich in einem solchen Anlass selbst feiert oder es ist ein Einzeltäter, der die Gesellschaft an und für sich hasst oder es ist gar jemand, der Hass auslösen will.

    Und natürlich ist Tod nicht gleich Tod. Ob man in Ausübung des Sports stirbt, wie das bei Sportlern vorkommt, ist etwas völlig anderes als wenn man Ziel eines Angriffs wird, weil man dabei war. Da niemand speziell getroffen werden sollte, sondern jeder, der dabei war ein willkommenes Ziel abgab, richtete sich der Anschlag gegen alle, die wie selbstverständlich teilnahmen.

  13. @Horst

    “Das erlebe ich aber zunehmend anders, besonders wenn ich den Kampfsport betrachte.
    Das Problem, wenn der Sport nicht in einer profitablen Karriere mündet, oder eine relativ gerechte lohnabhängige Karriere unterstützt, ist der verstärkte / eskalierende Wettbewerb um die bewußtseinsbetäubenden Begehrlich- und Abhängigkeiten.”

    Ich stimme Ihnen in Bezug auf den Sport zu, besonders wenn der Wettbewerbsgedanke im Vordergrund steht. Für manche Eltern ist es z.B. sehr frustrierend, wenn sie ihr Kind in einen Sportverein schicken und dann stellt sich heraus, dass sich dort ehrgeizige Trainer nur mit den “Guten” beschäftigen, weil sie diese auf Wettbewerbe schicken können und sie sich so selbst profilieren können. Den Rest der Kinder sieht man als Ballast an.

    Zum Kampfsport: Ich habe jahrelang traditionelles Shotokan-Karate trainiert, dessen Zielsetzung dem Wettbewerbsgedanken eigentlich widerspricht. Nichtsdestotrotz gibt es Shotokan-Karate auch als olympische Disziplin. Vielfach herrscht die Meinung vor, dass Kampfsport die Gewalt “kultivieren” würde, das ist jedoch falsch. Gerade in der Jugendarbeit wird er oft als Mittel zur Gewaltprävention eingesetzt. In den traditionellen Kampfkünsten gibt es keinen ersten Angriff, sie dienen allein der Verteidigung.

    Siehe dazu auch: http://www.jugend.rlp.de/kampfsport.html

    “Richtig eingesetzt kann Sport also viel Positives bewirken, auch was den Abbau von Hass betrifft.”

    Sport kann u.U. als Ventil für Aggressionen benutzt werden, aber Hassgefühle kann er m.E. nicht “abbauen”. Diesen sollte man auf den Grund gehen. Man kann sonst nämlich laufen bis man halbtot ist, aber die verhängnisvollen Gedanken sind schnell wieder da sobald die Energie zurückkehrt. Vermutlich würde da ein mentales Training mehr bewirken. Es muss ja nicht unbedingt eine Meditationsart sein. Die Progressive Muskelentspannung, nach Jacobson, hat eine ähnliche Wirkung, deshalb werden die Kosten für einen entsprechenden Kurs in der Regel sogar von den Krankenkassen übernommen.

    “…leider ist ALLES was wir tun nur Bewußtseinsbetäubung, mit einer sehr zweifelhaften und ohnmächtigen Erfolgsaussicht, weil wir uns im Glauben an materialistischem Wettbewerb und “Individualbewußtsein” den Möglichkeiten eines geistig-heilenden Selbst- und Massenbewußtseins verschließen.
    Der systemische / wettbewerbsbedingte Motor wird mit Hass und Neid betrieben, nicht mit Liebe und Selbstlosigkeit!!!”

    Wenn eine Gesellschaft unter Ungleichheit leidet, dann häufen sich auch Krankheiten und soziale Probleme. “Der Medizinsoziologe Prof. Johannes Siegrist von der Uni Düsseldorf hat mehrere 1000 Personen in 15 europäischen Ländern befragt: “In den Staaten, in denen die Sozialpolitik und die Arbeitspolitik gut entwickelt sind, sind die Effekte von Arbeitsstress auf die Gesundheit im Durchschnitt schwächer als in den liberalen Staaten, in denen jeder ohnehin dem Markt ausgesetzt ist.”

    Quelle: http://www.3sat.de/page/?source=/nano/gesellschaft/147787/index.html

  14. @ Mona: Problem der Sozialpolitik

    Vielen Dank für die Anmerkungen und Hinweise. Auch ich sehe ein großes Problem in der immer größer werdenden Kluft zwischen Armen und Reichen, wie auch zwischen Gebildeten und Ungebildeten, was ja sehr schön in dem 3sat-Artikel dargestellt wird.

    Dort wird auch beschrieben, dass sich Deutschland somit leider immer mehr den angelsächsischen Verhältnissen annähert. Das „BBC News Magazine“ hat vor kurzem einen Rechner veröffentlicht, in dem jeder die Zugehörigkeit zu seiner sozialen Klasse testen kann. Hier wird ziemlich erschreckend klar, wie stark in Großbritannien Bildung vom Geld abhängt. Ich habe den Test bereits unter dem Artikel bei den Quellenangaben verlinkt (The Great British class calculator: What class are you?. BBC News Magazine. 3. April 2013) .

    Sport kann Hass abbauen, auch durch die Stärkung des Selbstwertgefühls. Natürlich reicht das nicht immer aus und es kann eine Psychotherapie nötig werden. Eine recht gute Zusammenstellung, wie Ärger und Wut effektiv abgebaut werden können, gibt es von der Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf: http://www.selbsthilfe-beratung.de/aerger-wut.html

  15. @Stephan Schleim

    “In den olympischen Wettkämpfen gibt es bei diesen Kampfkünsten ohne ersten Angriff Strafpunkte auf zu wenig aggresives Verhalten.”

    Deshalb schrieb ich ja: “Ich habe jahrelang traditionelles Shotokan-Karate trainiert, dessen Zielsetzung dem Wettbewerbsgedanken eigentlich widerspricht. Nichtsdestotrotz gibt es Shotokan-Karate auch als olympische Disziplin.”

    Da es ursprünglich keine Wettkampfregeln gab mussten solche erst entwickelt werden. Diese übernahm man z.T. aus anderen Stilrichtungen. Zudem gibt es sehr viele Schulen in denen keine Wettkämpfe ausgetragen werden.
    Näheres hier:http://de.wikipedia.org/wiki/Sh%C5%8Dt%C5%8Dkan

  16. @Trotta

    “Sport kann Hass abbauen, auch durch die Stärkung des Selbstwertgefühls.”

    Ich habe trotzdem noch Zweifel, ob ein wettgewerbsorientierter Sport dazu in der Lage ist. Der Gewinner sieht sich natürlich in seinem Selbstwertgefühl gestärkt, aber wie sieht es mit dem Verlierer aus?
    Auf der von Ihnen verlinkten Seite, der Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf, wird aber eine gute Methode beschrieben um ärgerliche Gedanken loszuwerden. Sie nennt sich Gedanken-Stopp und wird allgemein bei “Grübelsucht” empfohlen. Zudem setzen sie Schulpsychologen oft bei Kindern ein, die sich nicht konzentrieren können, weil ihre Gedanken immer abschweifen.

  17. Ausbeutung & Unterdrückung allumfassend

    “Sport kann Hass abbauen, auch durch die Stärkung des Selbstwertgefühls.”

    Das Selbstwertgefühl in dieser Welt- und “Werteordnung” ist hauptsächlich gesteuert in der Hierarchie von und zu materialistischer “Absicherung”, also Geld, Gold und andere Vermögenswerte – der Neid darauf, war schon begründet mit der “Vertreibung aus dem Paradies”, in GLEICHERMAßEN unverarbeiteter und somit kreislaufend-gepflegt in MANIPULIERBARER Bewußtseinsschwäche in Angst, Gewalt und “Individualbewußtsein”, worauf sich auch das religiöse Regulativ stets nur mit KONFUSION / systemrationaler Spaltung eingeschossen hat um den daraus resultierenden Hass kontrollierend zu unterdrücken oder …

    Ich habe schon viele erlebt, die sich in ihrer Emotionalität sicher, tolerant und … wähnten, und denen dann in der “Krise” auch die 30%ige “Heilungschance” der zeitgeistlich-systemrationalen Psychologie nicht helfen konnte.

  18. @ Mona: Leistungssport vs. Breitensport

    Auch ich sehe die Problematik des wettbewerbsorientierten Sportes. Das Wesen einer Gesellschaft spiegelt sich auch in der von ihr gelebten Sportkultur wieder.

    Dementsprechend wird eine leistungsorientierte Gesellschaft nach immer neuen Rekorden streben, während der natürliche Spieldrang mehr und mehr zurücktritt. Der Sportler wird zum Mittel – zur optimierten Leistungsmaschine – gefördert, gefordert, verheizt und oft auch gedopt von Sponsoren und Öffentlichkeit, die selbstverständlich einen Profit wollen. Wozu dies führt, sehen wir recht eindrucksvoll im Profifußball (vgl. Stephan Schleims Link weiter oben). Ein interessantes Statement hierzu gibt es übrigens hier: Karin A. Volkwein:„Sport und Gesellschaft – Ursachen für ethische Probleme im Sport“.

    Dennoch und gerade deswegen glaube ich aber auch an die guten Seiten des Sportes, so wie dieser afrikanische Junge, der in einer arte Reportage sagt:

    Bevor ich mit Judo angefangen habe, war ich sehr unbeherrscht und aggressiv. Durch Judo habe ich gelernt, mich zu beherrschen. Ich bin viel ruhiger geworden. Es gibt Leute, die sich ziemlich schnell prügeln, doch wenn man Judo macht, kämpft man die ganze Zeit. Wenn einer einen dann auf der Straße provoziert, achtet man gar nicht mehr darauf und hat nicht dieses Bedürfnis, draufzuhauen. Judo vermittelt eine bestimmte Moral und Ethik, Werte wie Anstand und Bescheidenheit. Das hat mich an diesem Sport so begeistert. Denn Judo stärkt die Persönlichkeit eines Menschen. Mir hat Judo geholfen, schwierige Phasen meines Lebens durchzustehen und mich in meinem Leben und in der Gesellschaft zurechtzufinden.

  19. Das

    Dementsprechend wird eine leistungsorientierte Gesellschaft nach immer neuen Rekorden streben, während der natürliche Spieldrang mehr und mehr zurücktritt.

    …sehen Sie falsch: Eine leistungsorientierte Gesellschaft wird nach Leistung streben. Sie wird auf die Einzelperson bezogen danach streben besser zu sein als der andere, eine Rekordverwaltung gibt es ohnehin nicht.

    Zudem psychologisieren Sie ungünstig wie fortwährend, derartige Problem entstehen nicht aus Hass oder aus anderen Emotionen heraus, sondern wenn Ideologien aufeinander prallen.

    MFG
    Dr. W

  20. Budosport @Trotta

    Ich finde auch, dass gerade bei Kindern der “natürliche Spieldrang” und nicht der Wettbewerb im Vordergrund stehen sollte.
    Zum verlinkten Video: Der “afrikanische Junge” hat das sehr gut zusammengefasst. Das Gesagte trifft im Übrigen auf alle traditionellen japanischen Kampfkünste zu. Von daher unterscheiden sie sich die Budosportarten auch vom normalen Kampfsport.
    Näheres siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Bud%C5%8D

  21. Herr Ano Nym

    Wenn Sie dem Schreiber dieser Zeilen kurz erklären könnten, wie das Schein-Paradoxon ‘Marathon-Paradoxon’ genau auf den Anschlag beim Boston-Marathon extrapoliert oder übertragen worden ist, könnte Dankbarkeit entstehen.

    Ansonsten sind auch Sie sicherlich dankbar für Nachrichten, die andere Perspektiven aufzeigen.

    MFG
    Dr. W (der zur Person bekanntlich eher wenige Angaben macht, Sie dürfen sich aber gerne einen Dr. Pepper öffnen, sofern es dieses Getränk bei Ihnen gibt und es Ihnen gut tut)

  22. @Mona, Trota: Wettbewerb

    So sehe ich das nicht: “Ich finde auch, dass gerade bei Kindern der “natürliche Spieldrang” und nicht der Wettbewerb im Vordergrund stehen sollte.” Bei vielen Kindern (und Erwachsenen) ist Wettbewerb wichtiger Teil des natürlichen Spieldrangs. Bei diesen Kindern (größerenteils Jungen) sollte man den Wettbewerb fördern und die Gelegenheit geben, sich durch besondere Leistungen vor anderen auszuzeichnen.

    Sonst demotiviert man sie und verschiebt ihre Leistungsbereitschaft in Bereiche, wo sie wenig sinnvoll angewendet werden: Computerspiele.

  23. @ Jürgen Bolt, @ Mona

    Ich denke auch, dass das eine das andere nicht ausschließt. Es kommt auf das Maß an und das ist individuell verschieden. Demotivation entsteht, wenn sich Menschen sowohl unter- als auch überfordert fühlen.

  24. @Trota

    Ganz genau.

    Und Unterforderung ist gegenwärtig vielleicht das größere Problem. Hier z.B. eine Kritik am Mythos, daß zu viel laufen ungesund sei:

    “Bei 120 Minuten täglichem Training lag der Hazard-Wert für die Gesamtsterblichkeit bei ungefähr 0,55. (…) Das ist ein besserer Wert als bei 60 Minuten Training pro Tag.”

    http://www.runnersworld.de/training/der-mythos-zu-viel-laufen-ist-ungesund.283024.htm

    Die Idee, daß mangelnde Gelegenheit, sich vor anderen auszuzeichnen, mit Computerspielen zusammenhängt, habe ich von Roy Baumeister:

    http://www.amazon.com/There-Anything-Good-About-Men/dp/019537410X

  25. Bestleistung

    Ist eine Bestleistung etwa nicht rekordverdächtig? [Trota]

    Nun, es war Halbmarathon, die Zeit war mies, aber es war eine persönliche nie groß verwaltete Bestleistung.
    Mittlerweile hat der Schreiber dieser Zeilen auch die genaue Zeit vergessen.

    ‘Der natürliche Spieldrang’ [Trota] wird am besten in kompetitiven Systemen gefördert, nicht in Systemen die Leistung nihilisieren.

    MFG
    Dr. W

  26. Nein, danke

    Trota @ Stephan
    17.04.2013, 23:01

    Danke! 🙂

    Ja, und wofür? Stephan’s Beitrag, und sei es auch nur ein Foto, macht Sie keineswegs nachdenklich? Weil Sie nicht ergründen wollen, sondern nur mitteilen? Um eine Prüfung zu bestehen, würde das (die Verweigerung) nicht ausreichen, es sei denn, Sie sind in einem Bereich tätig, in dem man auch in Talk-Runden “glänzen” kann.

  27. @Olympionik, Trota: Werte im Sport

    Trota beschrieb ein Idealbild des Sports, das ich mit einer krassen Gegendarstellung kontrastierte. Viele verstehen meiner Meinung nach Sport so, wie Trota ihn beschrieben hat; für viele andere ist er Business beziehungsweise Unterhaltung.

    Ich kann diese extrem gute Dokumentation, die zurzeit in einer aktualisierten Fassung (Olympia 2012) auf verschiedenen Festivals gezeigt wird, sehr empfehlen: The War on Doping.

    Leider ist sie in Europa sehr schwer (legal) zu sehen, sofern man keines der entsprechenden Geräte hat und den Film für ca. zwei Euro für eine Woche von Amazon mieten möchte.

  28. @Stephan: Sport

    Du hast mit Deiner Gegendarstellung genauso recht wie Trota.

    Zum Doping kann ich dieses Spiegel-Gespräch mit Angel Heredia empfehlen, das nach meiner Einschätzung realistisch.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-58853003.html

    Dagegen mein Vorbild:

    “The weight training program that Lee used during a stay in Hong Kong in 1965 placed heavy emphasis on his arms. At that time he could perform single biceps curls at a weight of 70 to 80 lb (about 32 to 36 kg) for three sets of eight repetitions, along with other forms of exercises, such as squats, push-ups, reverse curls, concentration curls, French presses, and both wrist curls and reverse wrist curls. The repetitions he performed were 6 to 12 reps (at the time). While this method of training targeted his fast and slow twitch muscles, it later resulted in weight gain or muscle mass, placing Lee a little over 160 lb (about 72 kg). Bruce forever experimented with his training routines to maximise his physical abilities and push the human body to its limits. He employed many different routines and exercises including skipping rope, which served his training and bodybuilding purposes effectively.

    Lee believed that the abdominal muscles were one of the most important muscle groups for a martial artist, since virtually every movement requires some degree of abdominal work.

    Even when not training, Lee would frequently perform sit ups and other abdominal exercises in domestic living throughout the day, such as during watching TV. Bruce was a fanatic about ab training. He was always doing sit-ups, crunches, Roman chair movements, leg raises and V-ups.

    Lee trained from 7 am to 9 am, including stomach, flexibility, and running, and from 11 am to 12 pm he would weight train and cycle. A typical exercise for Lee would be to run a distance of two to six miles in 15 to 45 minutes, in which he would vary speed in 3–5 minute intervals. Lee would ride the equivalent of 10 miles (about 16 kilometres) in 45 minutes on a stationary bike.

    Lee would sometimes exercise with the jump rope and put in 800 jumps after cycling.”

    http://en.wikipedia.org/wiki/Bruce_Lee

  29. @Stefan Schleim

    “Viele verstehen meiner Meinung nach Sport so, wie Trota ihn beschrieben hat; …”

    Wenn allein in den Kreis-, Regional- und …klassen des Fussballs gemobbt wird, Knochen gebrochen und Schiedsrichter oft bedroht und verprügelt werden, dann … 😉

  30. @ Mona, Jürgen Bolt, Stephan Schleim…

    Danke für die Kommentare und Hinweise zu den interessanten Links.

    Ich persönlich habe das Glück, sowohl Sportarten als auch ein Umfeld gefunden zu haben, im dem wir ohne Mobbing und Doping gut miteinander auskommen. Gerade beim Bergsteigen beispielsweise sind Teamgeist und gutes Training klare Überlebensvorteile. Die Frage stellt sich jedoch auch mir: Muss ich unbedingt die prestigeträchtigsten Gipfel in möglichst kurzer Zeit, vielleicht noch zu ungünstigen (Wetter-)Bedingungen um jeden Preis erklimmen? Oder geht es mir vielleicht doch lieber um etwas anderes?

  31. Die

    hier

    Das Marathon-Paradox – neu definiert?

    Auch wenn übertriebene Breitensportveranstaltungen von einigen Menschen durchaus als eine Form des Massenmordes angesehen werden, würde wohl kaum jemand damit rechnen, während eines Marathonlaufes an den Folgen eines Bombenanschlags [1] zu sterben.

    …vorgenommene Gleichsetzung gefällt immer noch nicht, hat man auch mit einigem zeitlichen Versatz nicht besser reflektieren können?

    MFG
    Dr. W

    [1] der ‘von einigen’ als Verteidigungsleistung verstanden wird

  32. Der Weg ist das Ziel @Trotta

    “Muss ich unbedingt die prestigeträchtigsten Gipfel in möglichst kurzer Zeit, vielleicht noch zu ungünstigen (Wetter-)Bedingungen um jeden Preis erklimmen? Oder geht es mir vielleicht doch lieber um etwas anderes?”

    Es geht um Freude!
    http://de.wikipedia.org/wiki/Freude

  33. @Stephan Schleim

    “Viele verstehen meiner Meinung nach Sport so, wie Trota ihn beschrieben hat.”

    … nämlich als die Möglichkeit,
    “…es bis ganz nach oben zu schaffen“, wie Trota schreibt. Diese daherschwadronierte Phrase (man verzeihe mir den Ausdruck) und seine Implikationen sind schlicht gedankenlos und für einen erhellenden Diskurs (to put it at it’s mildest) unbrauchbar. Es muß nicht jeder seine Gedanken in ein Blog stellen, solange sie unausgereift sind.

  34. @trota

    Was wollen Sie damit nun wieder sagen?: “Wo sind unsere eigenen Grenzen? Wie können wir sie überschreiten?”

    Sind es nun Grenzen, oder nicht?

    The sky is the limit, natürlich. Ich habe 25 Jahre Leistungssport betrieben und lernte dabei meine Grenze(n) kennen, indem ich sie leidenschaftlich ausgelotet habe, übrigens nicht nur rein physischer Art. Das hat mir geholfen, bewußt zu bleiben und mir die Freude am Sport zu bewahren. Ich mußte kein Übermensch sein, der seine Grenzen ignoriert.

    Daß ihr Link geradewegs zu amazon führt, paßt zu der von mir bemängelten eiligen Oberflächlichkeit Ihrer Denkweise. Sei es drum, wir sollten das nicht weiter diskutieren.

  35. Literatur

    Leider gibt es das Josef Ajrams Buch noch nicht in der Übersetzung, daher der Link zu Amazon, der Seite mit einer englischen Zusammenfassung. Hier die Originalquelle auf Spanisch:http://whereisthelimit.com/tienda/41-la-solucion.html

    Dafür ist das Buch des Läufers und Skibergsteigers Kilian Jornet soeben in der deutschen Übersetzung erschienen. Wem es um die Freude geht, die eigenen Grenzen immer wieder neu zu definieren und wer vielleicht sogar auf der Suche nach einem philosophischen Sinn des Sportes ist, kann hier einige Antworten finden: Kilian Jornet “Lauf oder Stirb”.

  36. 42km Marathondistanz historisch

    “Marathon-Läufe sind extrem…Legende…athenischer Läufer…die 42,195 Kilometer lange Strecke…Mythos…bevor er einen Moment später tot zusammenbrach.”

    Das ist tatsächlich nur Mythos und Legende. In Wirklichkeit hatte Pheidippides vorher noch einen Abstecher nach Sparta gemacht und ist insgesamt unglaubliche 470 km gelaufen. So wird auch plausibel warum er danach tot zusammenbrach.

    http://www.spiegel.de/sport/sonst/achilles-verse-miese-marathon-mythen-a-790851.html

  37. @Eher Entwicklung in die andere Richtung

    “Dementsprechend wird eine leistungsorientierte Gesellschaft nach immer neuen Rekorden streben, während der natürliche Spieldrang mehr und mehr zurücktritt. “
    Besuchen Sie mal den Sportunterricht einer beliebigen durchschnittlichen Schule (bzw. auch den anderen Unterricht): Dann werden Sie meistens feststellen, dass es mit Leistungsorientierung nicht so sehr weit her ist, eher Klage über zu viel Leistungsdruck der Schüler und auch nicht wenigen Eltern. Lehrer wagen es immer weniger etwas von den Schülern zu fordern.
    Die Gruppe der jenigen, die wirklich zu Höchstleistungen bereit sind, wird eher kleiner als größer und alle Welt will spielen. Wahrscheinlich gibt es keine Statistik darüber, wieviel zeit Jugendliche mit (Computer)spielen verbringen und wieviel beim Sport.

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