Sonnenfinsternis im “Paradies”

Auf La Réunion, einer kleinen französischen Vulkaninsel im Indischen Ozean, begann der September mit einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Pünktlich zur Mittagspause verdunkelte sich der Himmel. Ich war bei dem Spektakel dabei, um Mond und Menschen zu beobachten.

Sonnenfinsternis am l’Étang-Salé, Réunion

Beginn der Sonnenfinsternis am Strand von l’Étang-Salé an der Südwestküste der Insel. Foto: Karin Schumacher, Medicine & More, 2016

Zugegeben – Astronomie war bislang eher nicht so mein Ding. Völlig zu unrecht – spielt doch unser Mond auch in der Geburtshilfe bis heute eine entscheidende Rolle. Schließlich dauert eine normale Schwangerschaft 40 Wochen, was zehn Mondmonaten entspricht.

Zu meiner Entschuldigung fällt mir höchstens ein, dass ich in einer Großstadt aufgewachsen bin. Dort wird es nie wirklich dunkel. Außerdem gab es in deren westlichem Teil zu jener Zeit keinen halbwegs vernünftigen Astronomie-Unterricht. Ich erinnere mich noch recht flau an einen Besuch im Planetarium, bei dem ich vermutlich nicht nur dunkelheitsbedingt nach einigen Minuten eingeschlafen bin. Später habe ich dann nachts eher auf medizinische Monitore als in den Sternenhimmel gestarrt, was meine Astronomie-Kenntnisse auch nicht gerade gefördert hat.

La Réunion: Dunkelheit am Südsternhimmel

Auf La Réunion ist das ganz anders. Auf dieser kleinen Vulkaninsel in Äquatorialnähe ist mir das erste Mal bewusst das ungeheure Ausmaß der Milchstraße ins Auge gesprungen. Unübersehbar funkelt dort nachtsüber sogar in den Ortschaften der Südsternhimmel des Indischen Ozeans und macht es heute noch leicht, sich am Kreuz des Südens zu orientieren. Mars ist tatsächlich ein roter Planet, der auch als solcher deutlich mit bloßem Auge zu erkennen ist. Wow! Warum muss bei uns eigentlich immer alles künstlich beleuchtet sein? Wir wissen gar nicht, was wir uns dadurch alles entgehen lassen…

Letztes Jahr durfte ich dank Blognachbar Markus Pössel (RELATIV EINFACH) im Haus der Astronomie (HdA) zu den Grenzen des Universums reisen. Auch die vielen anderen tollen Astronomie-Blogger bei den SciLogs haben mein Interesse für die Sterne nachhaltig geweckt und damit ganz neue Dimensionen eröffnet. Vor allem der Tipp von Sterne-und-Weltraum-Chefredakteur (SuW) Uwe Reichert hat mich überzeugt, dieses Jahr mal wieder La Réunion zu erkunden.

Dieser südlichste Teil Europas wird zurecht auch “l’île intense”, die intensive Insel genannt. La Réunion ist aufgrund ihrer natürlichen Schönheit und Artenvielfalt einzigartig. Ein Paradies für Wanderer, Vulkanologen und andere Vulkanbegeisterte, Heilpflanzenkundler, verrückte Trailrunner, hai- und wellenliebende Surfer sowie Himmelsgucker.

Sonnenfinsternis Réunion

Ab und an ein paar Wolken und reichlich Wind machten das Ereignis nahezu perfekt. Foto: Karin Schumacher, Medicine & More, 2016

SoFi mit Sonnenring

Passend zur Mittagspause vieler Inselbewohner war es soweit: Um 12.22 Uhr RET (10.22 Uhr MESZ) begann die Sonnenfinsternis, die im südwestlichen Teil der Insel besonders gut zu sehen war. Einige Minuten später war der erste Kontakt zwischen Mond und Sonne. Zwischen 14.09 Uhr und 14.11 Uhr war die Verdunklung maximal. Von der Sonne war jetzt nur noch ein schmaler, rot glitzernder Ring sichtbar. Nach etwas mehr als drei Stunden war das Spektakel vorbei.

Viele wollten das Ereignis sehen – entsprechend groß waren die Staus auf den relativ wenigen Straßen der etwa 2500 km2 großen Insel, auf der der Verkehr regelmäßig seit dem Ende der Eisenbahn kollabiert. Glücklicherweise blieb genug Zeit und Platz für alle, ein schönes Plätzchen am Strand zu finden. Um 15.43 Uhr war die Sonne wieder voll da, wenn auch nicht mehr für lange Zeit: Im tropischen Winter wird das Sonnenlicht um kurz nach 18 Uhr quasi ausgeschaltet.

Die Wetterbedingungen hätten nicht besser sein können. Frischer Wind und ab und an ein paar Wolken ließen die Wellen tanzen und machten den Tag nahezu perfekt. Einen kleinen Wehrmutstropfen gab es dennoch: Der Seegang war zu stark zum Baden, was allerdings auch ein effektiver Schutz für die knapp 800.000 Inselbewohner und deren Besucher gegen die z.Zt. mal wieder recht zahlreich um das Eiland kreisenden Haie bedeutet.

Absolute Verdunklung, Sonnenfinsternis Réunion

Mondanbeterinnen formen einen Kreis zur Zeit der absoluten Verdunklung. Foto: Karin Schumacher, Medicine & More, 2016

Mondtänzerinnen, Akrobaten, Bauarbeiter, Familien, Musiker, Hunde (mit und ohne Besitzer) – alle feierten an diesem sonnigen Wintertag auf der Südhalbkugel das seltene Schauspiel, bei dem der Mond für wenige Minuten die Sonne so verdeckt, dass nur noch ein schmaler Feuerring übrigbleibt.

Ist es nicht faszinierend, ab und an so direkt einen kleinen Einblick in das Uhrwerk des Universums zu bekommen? Schließlich steuert es uns alle nach wie vor, egal ob wir es wollen oder nicht.

Rinder in La Plaine des Cafres

La Réunion – Vereinigung der Gegensätze. Wer (lieber) Küh(l)e sucht, ist in “La Plaine des Cafres” richtig. Foto: Medicine & More, 2016

“Zehn Monde” oder: Die Sonnenfinsternis in Bildern

Die Sonnenfinsternis um 12.24 Uhr Ortszeit (RET).

Es geht los: Sonnenfinsternis um 12.24 Uhr Ortszeit (RET). Foto: Medicine & More, 2016

Die Sonnenfinsternis um 13.19 Uhr Ortszeit (RET).

13.19 Uhr (RET). Foto: Medicine & More, 2016

Die Sonnenfinsternis um 13.45 Uhr Ortszeit (RET).

13.45 Uhr (RET). Foto: Medicine & More, 2016

Sonnenfinsternis um 14.03 Uhr Ortszeit (RET).

14.03 Uhr (RET). Foto: Medicine & More, 2016

Mitte der Sonnenfinsternis (Ringform) um 14.09 Uhr Ortszeit (RET).

Mitte der Sonnenfinsternis (Ringform) um 14.09 Uhr (RET). Foto: Medicine & More, 2016

Sonnenfinsternis um 14.16 Uhr Ortszeit (RET).

14.16 Uhr (RET). Foto: Medicine & More, 2016

Die Sonnenfinsternis um 14.35 Uhr Ortszeit (RET).

14.35 Uhr (RET). Foto: Medicine & More, 2016

Eclipse Reunion Island 2016 by @med_and_more-24

14.54 Uhr (RET). Foto: Medicine & More, 2016

Die Sonnenfinsternis um 15.12 Uhr Ortszeit (RET).

Ein paar Wolken ziehen vorüber (15.12 Uhr RET). Foto: Medicine & More, 2016

Kurz vor dem Ende der Verfinsterung (15.39 Uhr RET).

Kurz vor dem Ende der Verfinsterung übernehmen Palmen wieder die Verdunklung der Sonne (15.39 Uhr RET). Foto: Medicine & More, 2016.

Au revoir, la lune! Auf Wiedersehen, Mond!

Veröffentlicht von

Dr. Karin Schumacher bloggt als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Da kann man richtig neidisch werden. Erst La Réunion mit dem doch recht aktiven Vulkan Piton de la Fournaise (immerhin einem der aktivsten der Welt) und dann auch noch eine riungförmige SoFi. Wenn man weit abseits der uns hier in Europa umgebenbden Lichtverschmutzung den Sternenhimmel erlebt, erkennt man erst, was uns fehlt. Da kommt keine noch so geagte Lichtkunst, wie sie immer häufiger installiert wird, heran.

  3. Eine Frage zu dieser Aussage:

    spielt doch unser Mond auch in der Geburtshilfe bis heute eine entscheidende Rolle. Schließlich dauert eine normale Schwangerschaft 40 Wochen, was zehn Mondmonaten entspricht.

    Besteht wirklich eine verifizierbare Korrelation zwischen der Lunation und der Schwangerschaftsdauer oder dem Geburtsdatum oder anderen Faktoren aus dem Bereich der Gynäkologie? Beispielsweise wird manchmal ein Zusammenhang mit dem Menstruationszklus konstruiert. Soweit mir bekannt, konnten solche Korrelationen nicht über statistische Untersuchungen erhärtet werden.

    Siehe z.B. (zum Thema Korrelation zwischen Vollmond und Geburtenhäufigkeit) hier unter Bezugnahme auf diese wissenschaftliche Publikation (doi 10.1080/00016340802478174).

    Ist es nicht zudem so, dass die Dauer von Schwangerschaft von Spezies zu Spezies der Klasse Mammalia ebenso unterschiedlich ist wie die Dauer des Menstruationszyklus? Ist denn eine Korrelation mit dem Mondzyklus beispielsweise für alle Säugetiere auszumachen?

    • Danke für die interessante Frage. Die Schwangerschaftsdauer wird mit der (erweiterten) Naegele-Regel berechnet. „Normalfall“ ist hierbei eine Zykluslänge von 28 Tagen. Man spricht hierbei manchmal auch von einem Lunarmonat. Errechneter Geburtstermin [ET] = [Erster Tag der letzten Regel] + 7 Tage − 3 Monate + 1 Jahr +/− [Abweichung in Tagen]
      Als ET wird der Tag festgelegt, an dem statistisch die meisten Kinder geboren werden. Das sind allerdings für diesen Tag nur etwa vier Prozent. Verständlich ist das schon, da ja recht viele Faktoren eine Rolle spielen, wann und wie die Schwangerschaft beendet wird (z.B. auch Versorgung des Kindes durch die Plazenta, anatomische Verhältnisse). Wie Vollmond den Geburtsvorgang beeinflussen soll (abgesehen vom Placebo-Effekt, der in der Geburtshilfe durchaus helfen kann), kann ich mir allerdings auch nur schwer vorstellen.
      Nur wenige Säugetiere haben überhaupt einen Menstruationszyklus, darunter Elefanten oder auch unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen. Bei Orang-Utans z.B. beträgt der durchschnittliche Zyklus 29 Tage, bei Schimpansen sind es etwa 37 Tage. Ein Schimpansenweibchen zeigt seine Ovulation allerdings auch äußerlich durch eine deutliche Regelschwellung an. Bei Menschen ist das nicht mehr so klar. Vielleicht hat sich auch daher bei uns die Zykluslänge bei etwa 28 Tagen, mit den fruchtbarsten Tagen in der Mitte, im Rahmen der Evolution entwickelt? Diejenigen, bei denen der Zyklus in etwa einem Mondzyklus entsprach, hatten vielleicht einfach nur die meisten Nachkommen…

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