Video: Krebsimmuntherapie // Den Krebs besiegen?

Vor einiger Zeit schrieb ich schon über die zwei faszinierenden Nobelpreisträger James Allison und Tasuku Honjo und ihren aufregenden Kampf gegen den Krebs (hier kann man den Beitrag nachlesen).

Jetzt ist endlich auch das Video dazu online! Wer schon immer mal wissen wollte wie das genau mit der Bremse in unserem Immunsystem funktioniert und wie man sie löst: schaut rein!

Marlene Heckl

Veröffentlicht von

Marlene Heckl ist Medizinstudentin im letzten Studienjahr an der Technischen Universität München. Nebenbei promoviert sie an der Ludwig-Maximilians-Universität über den Einfluss von Tumorsuppressorgenen bei Ovarial- und Endometriumskarzinomen. Seit 2012 schreibt sie über medizinische und wissenschaftliche Themen, die ihr am Herzen liegen. Anfangs erschienen ihre Beiträge bei medizinischen Portalen wie DocCheck und Thieme, 2016 folgte dann ihr eigener Blog Marlenes Medizinkiste, der nun auch bei den SciLogs zu finden ist. Kontakt: medizinkiste@protonmail.com

5 Kommentare

  1. Welche biologische Halbwertszeit haben Anti-CTLA-4 und Anti-PD1 im Blutserum des Patienten?
    Bleiben die T-Zellen nach dem Verschwinden von Anti-CTLA-4 und Anti-PD1 aus dem Blutserum weiterhin aktiv?
    —–
    Hier sind noch zwei alte Videos mit dem SDZ ABL 364, einem Anti-Lewis-Y-Antikörper.
    Unterhalb der Videos befinden sich kurze Beschreibungen.
    Chemotaxis von Granulocyten, Video 4 Minuten:
    https://www.youtube.com/watch?v=xmKrJjJd72M
    Chemotaxis von dendritischen Zellen, Video 3 Minuten:
    https://www.youtube.com/watch?v=kORK7B9C5VI

    • Lieber Herr Bednarik,
      die biologische Halbwertszeit von Anti-CTLA-4 (Ipilimumab) liegt bei 12-14 Tagen und die von Anti-PD1 (Pembrolizumab) bei etwa 26 Tagen (bei Gabe von 2–10 mg / kg alle 3 Wochen wird nach etwa 18 Wochen der steady-state erreicht, siehe: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4410900/). Die Therapie dauert im Durchschnitt 2 Jahre, kann aber auch länger verabreicht werden.

  2. Die Überlistung des Immunsystems durch den Krebs scheint auch für den infektiösen Krebs (Devil Facial Tumour Disease (DFTD)) verantwortlich zu sein, der den Tasmanischen Teufel (Beutelteufel) schon beinahe ausgerottet hat.
    Der DFTD-Krebs wird durch Bissverletzungen auf andere Beutelteufel übertragen – etwas was es sonst bei keinem anderen bekannten Krebs gibt. Kürzlich wurde der Mechanismus aufgeklärt: Indivduumstypischen Oberflächenantigene, die jedes Individuum für das Immunsystem individuell und unterscheidbar machen werden vom DFTD-Krebs war noch erzeugt, aber nicht mehr an der Oberfläche ausgeprägt. Damit kann das Immunsystem des gebissenen Tieres das mit dem Biss übertragene Krebsgewebe nicht als fremd erkennen, so dass es vom Krebs infiziert wird. Unter Lessons learnt from the Tasmanian devil facial tumour regarding immune function in cancer. liest man dazu (übersetzt von DeepL): DFTD weicht aktiv dem Immunangriff aus, indem es die MHC I-Moleküle auf der Zelloberfläche herunterreguliert und für das Immunsystem effektiv unsichtbar macht. Geänderte MHC I-Profile sollten die Anti-Tumor-Reaktionen der NK-Zellen aktivieren, aber diese fehlen bei einer DFTD-Infektion. Die jüngste Immunisierung und Immuntherapie mit modifizierten DFTD-Zellen hat bei einigen Teufeln eine Anti-DFTD-Immunreaktion und Regression von DFTD ausgelöst. Erkenntnisse aus Immunreaktionen auf einen übertragbaren Krebs bei Teufeln werden letztendlich nützliche Erkenntnisse über die Immunität gegen Krebs beim Menschen und anderen Arten liefern.

  3. Krebs-Immuntherapie restauriert das vom Krebs unterlaufene Immunsystem und ermöglicht so dem Immunsystem Krebsgewebe wieder mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln anzugreifen. Das gilt mindestens für die Immun-Checkpointinhibitoren, welche im obigen Vortrag behandelt werden. Daneben gibt es jetzt auch die Möglichkeit von “Krebsimpfungen” und ähnliche Methoden, die das Immunsystem gegen Krebs noch stärker aktivieren als es Krebszellen natürlicherweise tun.

    Der Erfolg der Krebs-Immuntherapie zeigt damit, dass sich unser Immunsystem ständig in einem delikaten Kräftegleichgewicht mit Bakterien, Viren und Krebszellen befindet. Geändert wird dieses Gleichgewicht durch Evolutionsmechanismen und zwar durch Neuinnovationen in Form von zufällig durch Mutationen effektiver gewordenen Kampfmitteln sowohl des Immunsystems als auch des Angreifers und durch Selektion. Selektion bedeutet, dass einerseits immuninkompetente Individuen am Angriff durch das Bakterium, den Virus oder Krebs sterben und durch die übrigbleibenden immunkompetenten ersetzt werden. Dieser Mechanismus wirkt auch heute noch und das selbst beim Menschen. Hätte HIV sich weltweit verbreitet (z.B. in einer Zeit der Vormoderne ohne die heutige Medizin) dann wäre die Menschheit nicht ausgestorben, sondern es hätten einfach nur noch die überlebt, welche einer Ansteckung widerstanden hätten und das sind nach heutigem Wissen einerseits die sogenannten HIV-EliteControllers und andererseist diejenigen, die über keinen intakten CCR5-Rezeptor verfügen, denn dieser Rezeptor dient den HIV-Viren als Eintrittspforte in menschliche Makrophagen (das sind Zellen die zum Immunsystem gehören) und nur eingedrungene HIV-Viren können sich vermehren und damit letztlich AIDS verursachen.

    Wir haben also ein ständiges gegenseitiges Hochrüsten: Bakterien, Viren und Krebszellen lassen sich ständig neue Tricks einfallen um die Immunkompetenz zu unterlaufen und Lebewesen mit Immunsystem müssen ständig beweisen, dass sie auch wirklich immunkompetent sind, denn andernfalls erliegen sie der Infektion oder dem Krebs, der sie angreift. Mit anderen Worten: Die Evolution ist nicht zu Ende, ja sie findet jeden Tag statt. Ein ähnliches gegenseitiges Hochrüsten kennt natürlich auch die menschliche Gesellschaft über die kulturelle/technische Evolution und den Kampf von Staaten und Individuen (z.B. Cyberwarriors) gegen andere.

  4. Immun-Checkpoint-Inhibitoren gehören mittlerweile zu den Standardtherapien beim fortgeschrittenen bzw. metastasierten Urothel- und Nierenzellkarzinom. Atezolizumab und Pembrolizumab sind beim Urothelkarzinom für Cisplatin-ungeeignete Patienten in der Erstlinie zugelassen; beide Antikörper sowie Nivolumab dürfen auch nach platinhaltiger Vortherapie eingesetzt werden

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