Studium meets Rock’n’Roll: Lehrreiche Pharmacocktails

Was kann man von toten Musikstars lernen? Wie gut verkäuflich ihre Musik ist? Welche Stars und Genies der Welt verloren gegangen sind? In Frankfurt und München lernen die Studenten in Pharma-Vorlesungen niemals mit Beruhigungsmitteln und Alkohol feiern zu gehen.

Quelle: freestocks/unsplash.com

Es ist eine neue innovative Unterrichtsidee. Medizin- und Pharmaziestudenten sollen nicht mehr in langweiligen Pharmavorlesungen stundenlang Medikamente runtergerattert bekommen. Nein, viel interessanter ist es doch in das Leben von Musikstars einzutauchen. Amy Winehouse, Michael Jackson und Whitney Housten sind gute Beispiele. Warum? Diese Stars können nicht nur gut singen. Sie sind auch alle in jungen Jahren an Drogen- und Medikamentenmissbrauch gestorben.

Doch wie sehen die genauen Zusammenhänge aus? Wie können Medikamentencocktails einen ins Grab bringen? Auch damit beschäftigt sich die Pharmakologie. Denn dazu muss man die Wirkungsweise der verschiedenen Substanzen kennen und die spielt im Medizin- und Pharmaziestudium eine wichtige Rolle.

Wie man eine Pharma-Vorlesung peppiger gestalten kann

Zu Besuch bei Professor Theo Dingermann an der Frankfurter Goethe-Universität. Er hält dort zusammen mit seinem Kollegen Professor Dieter Steinhilber Vorlesungen für Pharmaziestudenten. Dass diese Vorlesungen etwas Besonderes sind, sieht man schon an den Besucherzahlen. Längst sind die legendären Vorlesungen über Frankfurt hinaus bekannt und es kommen viele Leute aus anderen Bundesländern extra angereist.

Auch Schulen buchen ab und zu die musikalische Aufklärungsstunde der beiden Professoren. Eine gute Gelegenheit für sie, ihre Botschaften zu vermitteln. “Die Menschen sollten mehr Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen”, sagt Dingermann. Und das drückt sich auch in seiner Vorlesung aus. Doch was macht sie so besonders?

Schon bevor man den dunklen Hörsaal H3 am Campus Riedberg betritt, hört man von weitem laute Musik: „ Then I get night fever, night fever. We know how to do it. Gimme that night fever, night fever. We know how to show it…“. Auf der Leinwand im Vorlesungssaal sieht man drei Männer mit langen Haaren, die auf der Bühne abrocken. Die drei Gibbs-Brüder, besser bekannt unter dem Namen „Bee Gees“, waren in den 60ern und 70ern absolute Musikstars. Sie gehörten sogar zu den erfolgreichsten Bands der Welt.

Und sie mussten wie viele andere Musiker ernste Krisen und Schicksalsschläge in ihrem Leben meistern. Mit dem Erfolg kommt oftmals auch die Schattenseite erklärt Prof. Dingermann den Studenten. Aber dabei geht es nicht nur um Drogenkonsum, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch. Die Bee Gees litten noch unter einer anderen Krankheit, die man so gar nicht von den coolen Rock- und Popstars erwartet hätte.

Bee Gees – Verhängnisvolle Gene

Professor Theo Dingermann erklärt den Studenten, die sich sichtlich über die alten Musikvideos von damals amüsieren, dass die Zwillingsbrüder Maurice und Robin Gibb an Darmkrebs verstarben. Schließlich geht es ja nicht ausschließlich um die Musik, sondern auch der Lerneffekt soll nicht zu kurz kommen. Auf der Leinwand tauchen daraufhin Bilder von Tumoren auf und es geht um die Kanzerogenese. Dingermann erklärt die dualistischen Faktoren, die zur Tumorentstehung beitragen durch ein anschauliches Beispiel.

Den Menschen könnten wir uns als Bungeespringer vorstellen, der durch zwei Seile gesichert ist – also die homologen Chromosomenpaare – auf denen jedes Gen zweimal identisch vertreten ist. Nun könnte das eine Seil reißen – also ein Gendefekt vorkommen – was beispielsweise erblich veranlagt sein kann. So fällt der Mensch noch nicht – ist also noch nicht krank, aber es besteht bereits eine sehr viel größere Wahrscheinlichkeit, dass er an einem Tumor erkrankt, als Menschen bei denen beide Gene noch intakt sind. Reißt nun aber auch noch das zweite Seil, wird also das zweite Gen beschädigt durch bestimmte Umweltfaktoren, dann entwickelt der Mensch Krebs.

So war es wohl auch bei den Gibbs-Brüdern. Maurice Gibb starb sehr plötzlich 2003 an Darmkrebs, sein Zwillingsbruder Robin kämpfte hingegen jahrelang mit der Krankheit, bevor auch er 2012 starb. An diesem Beispiel lernen die Studenten anschaulich wie erbliche und exogene Faktoren die Zellen entarten lassen. Bei Darmkrebs spielt, wie bei vielen Krebsarten, immer auch das familiäre Risiko eine Rolle. Davon wussten die Gibbs-Brüder vermutlich noch nichts, heute ist man mit der Forschung schon viel weiter. Immerhin gibt es heutzutage auch anerkannte und nützliche Therapien auf die Dingermann ausführlich eingeht.

Beispielsweise kann man zur Therapie von Darmkrebs monoklonale Antikörper einsetzen wie Cetuximab, der gegen den EGFR-1-Rezeptor gerichtet ist, also das Wachstum der Tumorzellen hemmt oder auch Bevacizumab, einen Angiogenesehemmer, der das Gefäßwachstum eindämmt. Mit einer Halbwertszeit von mehreren Tagen bis Wochen, dauert es bis diese anschlagen, aber immerhin haben Studien bewiesen, dass sie das progressionsfreie Überleben bei kolorektalem Karzinompatienten verlängern können.

Michael – King of Pop

Gegen Ende der Vorlesung werden die Bee Gees nochmals mit einem Abschlusssong gewürdigt; man merkt, dass Dingermann ein Fan ist. Der Apotheker, der zugleich Professor für Biochemie und Molekularbiologie ist, erklärt wie er auf die Idee kam Musiker in seine Vorlesung einzubauen: „Ich glaube, für Studenten ist das Musikformat das Beste”, sagt er. Die Biografie eines interessanten Menschen präge sich leichter ein, teilweise kennen die Studenten die Leidensgeschichte ihrer Stars auch schon.

Deshalb analysiert Dingermann zusammen mit seinem Kollegen Steinhilber für die Studenten das Leben von Persönlichkeiten wie Michael Jackson, Joe Cocker, Elvis Presley, Freddie Mercury, Bob Marley, George Harrison, Wolfgang Niedecken und natürlich den Bee Gees. Außerdem lernen die Studenten hierbei auch die Finger von vermeintlich lustigen Drogenspielchen, Medikamenten- und Alkoholkonsum zu lassen. Es brauche häufig nur gesunden Menschenverstand, so Dingermann. Gegen Aids könne man sich schützen, die Risiken von Lungenkrebs und Hautkrebs mit Rauchverzicht und Sonnenschutzcremes verringern und Abhängigkeiten von Drogen und Alkohol meiden.

Das war Michael Jackson wohl nicht ganz klar. Der King of Pop starb an einer Überdosis des Betäubungsmittels Propofol. Neben dem Narkotikum fanden sich auch noch zwei weitere Beruhigungsmittel, darunter Valium, im Körper des 50-Jährigen. Dieser Medikamentencocktail führte nach jahrelanger Abhängigkeit des Musikers schließlich zum Herzstillstand. Das Fatale daran ist, dass ausgerechnet sein Kardiologe Conrad Murray, Michael die tödliche Dosis von 25 Milligramm Propofol gegen Schlafstörungen spritzte und sich der Arzt damit der fahrlässigen Tötung verdächtig machte.

Damit das den Studenten in ihrer Karriere nicht passiert, ist es umso wichtiger die genauen Dosierungsgrenzen und Wechselwirkungen dieser Medikamente zu kennen. Das betont auch Dingermann. Denn auch Michael war nicht ohne Schuld. Der Star wollte mittels Medikamenten der Realität entfliehen, er war unsicher und überfordert und mischte Substanzen, die man nicht zusammen nehmen sollte. Das passiere laut Dingermann nicht nur exzentrischen Stars, sondern auch ganz normalen Bürgern.

Der Einstieg sei harmlos und schleichend, der Druck des Alltags manchmal gewaltig. Denn, auch das betont der Wissenschaftler, es gehe hier erstmal nicht um illegale Drogen wie Heroin oder Kokain. Sehr häufig sind es gerade die legalen Medikamente gegen Schlafstörungen oder Depressionen, die man leicht verschrieben bekommt, die das größte Abhängigkeits- und auch Suizidpotential bei den Patienten entwickeln.

Elvis – King of Rock’n’Roll

So ging beispielsweise auch an Elvis Presley der Erfolg nicht spurlos vorbei. Der King of Rock’n’Roll kam gegen seine Abhängigkeiten nicht an. Dabei handelte es sich allerdings nicht um Alkohol oder Drogen. Elvis war medikamentenabhängig und hatte dazu noch eine ungesunde Leidenschaft für fettiges Essen. So standen beispielsweise Schweinekotelett mit Erdnussfüllung, Schokoladenpudding, Hamburger oder auch das berühmte Sandwich mit gegrilltem Speck, Erdnussbutter und zerstampften Bananen auf seinem Speiseplan.

Dazu der Mix aus Medikamenten – in Elvis’ Todesjahr verschrieb ihm sein Leibarzt über 10 000 Pharmaka – und schon war der Grundstein für ein ungesundes Leben gelegt. Das exzessive Essen führte dazu, dass Elvis zunahm und aufgedunsen wirkte. Die zahlreichen Schmerzmittel, Psychopharmaka und Schlaftabletten taten den Rest. Dexadrine und Biphetamine sollten ihn zum Funktionieren bringen, mit Quaalud und Amytal wollte er wieder zur Ruhe kommen und mit Percodan und Dilaudid trieb er sich bis an den Abgrund. Der Musikstar entwickelte alle Anzeichen des Metabolischen Syndroms, einer sehr komplexen Krankheit, die man zu seinen Lebzeiten noch nicht kannte.

Elvis wurde nicht nur übergewichtig mit bis zu 150 kg Körpergewicht, sondern er bekam auch Diabetes, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen. Er hatte grünen Star, war deshalb kurz vor seinem Tod fast blind und er litt unter Herzproblemen, einem stark vergrößerten Darm, Leberverfettung, Gelenkentzündungen, Atemproblemen und zahlreichen anderen Symptomen. Das wurde seinem Körper irgendwann zu viel und Elvis starb 1977 mit 42 Jahren in seinem Badezimmer an Herzversagen.

Ob eine gewisse Veranlagung eine Rolle spielte oder nicht, lässt sich im Nachhinein nicht feststellen. Dingermann erklärt, dass ein großer Anteil der Ausprägung des Körpergewichts Erbanlagen geschuldet sei, aber besonders relevant seien Umweltbedingungen. Prävention sei ebenso wichtig. Gerade in Zeiten, in denen mehr als die Hälfte der Deutschen Bevölkerung übergewichtig sei, ein Viertel sogar fettleibig.

Amy – Queen of modern Soul

Doch nicht nur Medikamentenabhängigkeit und Übergewicht sind eine schlechte Kombination. Besonders Alkohol kann in falscher Dosierung erheblichen Schaden anrichten. Alkohol kann von einigen Medikamenten, wie beispielsweise den Benzodiazepinen, die sogenannte Selbstlimitierung aufheben, sodass man sich mit den – in normaler Verabreichung nicht lebensgefährlichen – Pharmaka auch umbringen kann.

Verabreicht man das Getränk zusammen mit Wirkstoffklassen wie Z-Substanzen und Barbituraten, die per se schon starke Abhängigkeit auslösen, ist die Todesgefahr mindestens genauso groß. So starb auch Whitney Housten. Die Sängerin konsumierte Alkohol, Kokain und andere Mittelchen wie Marihuana und die Beruhigungsmittel Xanax und Benadryl. Daraufhin ist sie ohnmächtig geworden, hatte wahrscheinlich eine Herzattacke und ist in ihrer Badewanne ertrunken. Deshalb sollte man auch niemals mit Medikamenten und Alkohol feiern gehen.

Doch auch purer Alkohol hat schon bei so manchen Stars zum Tod geführt. Beispiel Amy Winehouse. Die berühmte Sängerin, die moderne Soul-, R&B-, Rock-, Jazz- und Pop-Klänge mischte, war starke Alkoholikerin und starb 2011 an den Folgen ihres massiven Konsums. Bei ihrem Tod fand man mehr als vier Promille Alkohol in ihrem Blut. “Die hat sich totgesoffen”, erklärt Dingermann ohne Umschweife.

In jungem Alter von 27 Jahren erlangte Amy so traurige Berühmtheit. Doch sie war nicht nur dem Alkohol verfallen. Die Sängerin war jahrelang drogensüchtig gewesen. Wegen ständiger Eskapaden wurde sie öfters ins Krankenhaus eingewiesen. Heroin, Kokain und Alkohol waren ihre ständigen Begleiter. Amy kam immer wieder mit Gewaltausbrüchen, Geschichten über Depressionen und Essstörungen negativ in die Schlagzeilen.

Blockbuster Pharmakologievorlesung

Doch nicht nur an der Universität Frankfurt lernen Studenten an Beispielen von berühmten Musikern die Auswirkungen von Medikamenten- und Drogenmissbrauch. Auch in München gibt es an der TU Pharmakologievorlesungen der ganz besonderen Art. Hier zeigt man passende Filmausschnitte, um den langweiligen Wirkstoffmechanismen Biss zu verleihen. Wir haben die zwei Medizinstudenten Anna R. und Leopold M. zu Ihren Erfahrungen befragt.

Anna, die das 5. Semester besucht, zeigt sich wirklich begeistert von dem Unterricht: „Die Filmausschnitte in einiger unserer Pharma-Vorlesungen finde ich klasse. Viele Kommilitonen kommen sogar nur deswegen in den Hörsaal. Man kann die genannten Medikamente so gleich mit einer berühmten Szene verknüpfen und sich so viel besser merken.“

Auch Leopold aus dem 6. Semester stimmt ihr zu: „Das ist einfach ein super Konzept. Wenn ich die eine Serie aus Dr. House sehe, die ich mir schon daheim ein paar Mal angeguckt habe, und dann erst lerne was es eigentlich mit den ganzen Wirkstoffnamen auf sich hat, die da immer runtergerattert werden, kann ich mir sie viel leichter einprägen. Und außerdem ist das Ganze einfach super cool.“

Neulich zeigte einer der Professoren beispielsweise die berühmte Szene aus dem Oscar-prämierten Film Pulp Fiction, in der Mia Wallace eine Überdosis Heroin schnupft, da sie es für Kokain hält, und davon kollabiert. Vincent bringt sie zu seinem Drogenhändler Lance, der für Notfälle immer eine Adrenalin-Spritze parat hat. Mittels einer Adrenalininjektion direkt ins Herz schaffen sie es, Mia wiederzubeleben.

„Diese Szene hat der Professor mit uns haarklein analysiert“, berichtet Leopold. „Das war echt cool, weil ich so viel Neues gelernt habe, über das man sich normalerweise keine Gedanken macht, wenn man so einen Film anschaut. Beispielsweise ist das mit der Adrenalinspritze nicht sehr plausibel. Falls Lance wirklich in das Herz getroffen hätte, was schon mal nicht so wahrscheinlich wäre, dann wäre Mia bestimmt nicht so mir nichts dir nichts einfach aufgewacht und alles wäre wieder super gewesen.“

Anna erklärt: „Wir haben die genauen Auswirkungen von Heroin besprochen, das ja an sich ein klassisches Opioid ist, nur sehr viel lipophiler als Morphin und daher auch sehr viel schneller im Gehirn anflutet. Das erzeugt auch die starke Abhängigkeit. So war es im Film nach der Überdosis, die Mia geschnupft hatte, auch sehr realistisch dargestellt, dass sie auf einmal Nasenbluten und verengte Pupillen bekam und kollabierte. Als Antidot hätte man dagegen eher Naloxon geben sollen, wobei auch Adrenalin wie im Film bei Herzstillstand theoretisch funktionieren könnte.“

    Veröffentlicht von

    Marlene Heckl ist Medizinstudentin im letzten Studienjahr an der Technischen Universität München. Nebenbei promoviert sie an der Ludwig-Maximilians-Universität über den Einfluss von Tumorsuppressorgenen bei Ovarial- und Endometriumskarzinomen. Seit 2012 schreibt sie über medizinische und wissenschaftliche Themen, die ihr am Herzen liegen. Anfangs erschienen ihre Beitrage bei medizinischen Portalen wie DocCheck und Thieme, 2016 folgte dann ihr eigener Blog Marlenes Medizinkiste, der nun auch bei den SciLogs zu finden ist.

    22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    1. Marlene,
      Alle genannten Stars waren in erster Linie auch Menschen. Und wenn ich den Lebenslauf von Amy Winehouse lese, dann ergibt sich kein Bild eines Drogenjunkies oder einer Alkoholikerin, sondern einer Frau , die ein tragisches Schicksal zu meistern hatte, und die keine Andere Hilfe fand als die Drogen.
      Künstler/innen sind besonders empfindsame Menschen und verdienen unser Mitgefühl.
      Das kommt in Ihrem Artikel etwas zu kurz.
      Ansonsten ist der Denkansatz genial.

      KB,
      Keith ist ein harter Hund und er hatte immer genug Geld sich reines Kokain zu besorgen.

      • Natürlich sind alle der genannten Stars auch Menschen gewesen mit tragischen Schicksalen, die oft keinen anderen Ausweg aus ihrem Leben gesehen haben. In dem Artikel ging es mehr um den pharmakologischen Aspekt der Drogen-/Alkoholsucht, auch wenn es da natürlich viel mehr zu sagen gäbe und die menschliche Seite auf gar keinen Fall zu vernachlässigen ist. Vielleicht eine Idee für einen Folgeartikel, dieser hier ist jetzt schon sehr umfangreich.

        • Natürlich sind alle der genannten Stars auch Menschen gewesen mit tragischen Schicksalen, die oft keinen anderen Ausweg aus ihrem Leben gesehen haben.

          Die gegensätzliche Sicht besteht darin, dass diese Personen ein nettes und erfolgreiches Leben gehabt haben, insbesondere auch : monetär, so dass das mit dem “keinen Ausweg” nur entschuldigend wirkt; sie hätten auch anders können, wären sozusagen nicht so schnell verglüht, hätten dann aber womöglich auch nicht die von der Menge erwartete neuernde künstlerische Leistung gebracht.
          Zudem sind auch viele dieser nicht notwendigerweise zu bemitleidenden Personen alt geworden, hier hängt viel von einer Mischung aus Disziplin und Glück ab.
          Es gibt wenige herausragende Künstler, die es ohne Drogen “geschafft” haben, asketisch blieben, Stefan Raab fällt hier ein oder – im übertragenden Sinne Donald J. Trump.

          MFG
          Dr. Webbaer (der nicht den Eindruck erwecken will, dass Drogenkonsum gut ist oder gar notwendig, wenn bestimmte Leistungen erbracht werden, aber es gibt hier eine Regelmäßigkeit, die kaum zu übersehen ist – “Keine Macht den Drogen!” klingt hier bspw. recht gut, nichts gegen das gelegentliche Bierchen, den Kaffee, die Zigarre oder gar den Joint natürlich, den der Schreiber dieser Zeilen fast immer abgelehnt hat, THC-Haltiges macht wohl auch blöde)

    2. Janis Joplin, George Michael und Prince fallen hier noch auf die Schnelle ein, Joe Cocker hatte es wohl, wie bspw. auch Larry Hagman, eher mit dem Alkohol, was wohl sozusagen lebenserhaltend ist, wenn mit den Versuchungen der “Pop-Industrie” allgemein verglichen wird.
      Kurt Cobain gab es auch noch.
      Aja, Kommentatorenkollege ‘DH’, danke, gerade erst gelesen.

      Der traurige Gag besteht darin, dass in der “Pop-Industrie” Drogen leistungssteigernd wirken, sie machen aus womöglich eher durchschnittlichen Personen Stars, die auch mal etwas sagen und singen, das so bisher noch nicht vorgetragen worden ist, Jim Morrison hier sozusagen das klassische Beispiel.
      Aber auch die Beatles lassen sich in ihrem Schaffen in Drogenperioden unterteilen.

      Vermutlich ist die “Pop-Industrie” in beträchtlichen Teilen dekadent und deutet auf Verfall hin, vermutlich ist es erst der Drogenkonsum, der bewirkt, dass sich die Genannten in der Öffentlichkeit derart exponiert haben, weil er enthemmend und die (dort benötigte – ob die Leutz nun wirklich so-o kreativ waren, so kulturell wichtig, glaubt Dr. W nicht) Kreativität befördernd wirkt,
      MFG
      Dr. Webbaer

    3. Dr. webbaer,
      nicht so negativ über Drogen reden. Kultur wird durch Drogen erst möglich. Denken Sie an das Orakel von Delphi, die berauschenden Dämpfe wurden als wohltuend empfunden. Denken Sie an die Siegesfeiern der Germanen mit viel Met.
      Denken Sie an den Zaubertrank bei Asterix und Obelix. Die Friedenspfeife der Indianer hat sogar positive Aspekte.

      Dass was die Drogen in Verruf gebracht hat ist der regelmäßigeGenuss ohne Inhalt.
      Wenn es gelingen sollte, den Drogengebrauch in eine kuturadäquate Form zu bringen, so ähnlich wie die gelegentlichen Saufgelage, dann wäre schon viel gewonnen. Ohne Drogen wird es nicht gehen. Aber man könnte ihn “kultivieren”.

      • Das Gift ist bekanntlich eine Frage der Dosierung, auch Zucker, insbesondere Traubenzucker, den der Schreiber dieser Zeilen in Momenten der besonderen Belastung, sozusagen modisch, mal regelmäßig zu sich genommen hat, ist ein Wirkstoff. (Coca-Cola gab es auch noch, lol.)
        Insofern müsste in der Tat der Umgang mit Wirkstoffen kultiviert werden, wobei sich der Schreiber dieser Zeilen gerne an der Aufforderung “Keine Macht den Drogen!” festhält.
        Blöd halt, dass die Menge dies oft nicht kann und es zudem Wirkstoffe gibt, die derart “satt machen”, dass selektive Prohibition dringend angeraten scheint.

        Nö, ansonsten : No problemo here, den Schreiber dieser Zeilen hat ein wenig am dankenswerterweise hier beigebrachten Inhalt das eine oder andere gestört, bspw. die Vermengung von ‘Beruhigungsmitteln und Alkohol’ oder die womöglich unbegründete Sympathie für zähe Drogenkonsumenten, abär Ihnen, Kommentatorenkollege ‘dedickeBom’ wird hier mal zugestimmt.

        MFG + schönes Wochenende,
        Dr. Webbaer

    4. Dr. webbaer,
      de Bom hegt Sympathie für alle Menschen, insbesondere den Frauen. Die machen sich allerdings abhängig von Schlagsahnetorten oder Windbeuteln , die der Schreiber leider nicht mehr essen darf, wegen Zöliaki. Über selektive oder auch temporäre Prohibition sollte nachgedacht werden.
      Im Christentum gibt es das schon, das nennt sich Fastenzeit, ist leider nicht mehr hipp, wie man heute sagt. Die Zuckerkrankheit ist dieser Nachlässigkeit geschuldet. De Bom nimmt gerade ab, weil der Name irreführend ist.
      Jsem opravdu štíhlá.

    5. @Dr.Webbaer
      Mag die “Pop-Industrie” partiell dekadent sein, im Sinne der Kommerzialisierung und Ausschlachtung desselben, siehe auch die diversen voice-of-irgendwas-Shows unserer Tage.
      Die meisten genannten Musiker aber fallen nicht darunter, im Gegenteil. Die verstanden sich im Dissens mit vorherrschenden Kommerzstrukturen und haben der Kultur einen erfrischenden Tritt in den Allerwertesten verpasst.
      Und jetzt ausgerechnet Musikern ihren Drogenkonsum vorzuwerfen….dieser Logik folgend, gehörte die Hälfte der Arbeitnehmer in den Knast oder die Psychiatrie. Von den Vertretern der “Finanzeliten” ganz zu schweigen.

      • @ Kommentatorenkollege ‘DH’ :

        So direkt ist erfolgreichen Pop-Musikern der womöglich von ihnen gewohnte Drogenkonsum nicht vorgeworfen worden, es ist darauf hingewiesen worden, dass dieser ihnen bei ihrer Arbeit hilft (hier fehlt das Womöglich) und dass sie grundsätzlich nicht zu bemitleiden sind – sollten sie sich allerdings selbst unbegründet bemitleiden, weil sie angeblich ohne Drogen die Welt nicht aushielten, es gibt eine Menge derartiger Behauptungen von ihnen, wirft ihnen Dr. Webbaer dann abär und “auf einmal” doch wieder ihren Drogenkonsum, der bekanntlich auch den Charakter verändert, vor, auch im Sinne der Dekadenz.
        Müsste nachvollziehbar sein, oder?

        Womöglich ist der Drogenkonsum grundsätzlich OK, wenn er kultiviert erfolgt und sich in Grenzen hält, die Disziplin gewahrt bleibt, weil dies aber oft sehr schwierig zu bewerkstelligen scheint, wird der Drogenkonsum hier dann wieder doch im Sinne von “Keine Macht den Drogen!” abgelehnt oder zumindest der Prohibition unterworfen, allerdings : selektiv.
        Drogen machen ja oft zudem auch süchtig.

        MFG + schönen Tag des Herrn,
        Dr. Webbaer

    6. DH,
      was ist dein Lieblingslied?

      Die Internationale, die Marseillaise oder Hey Joe von Jimmy.
      An Deiner Logik ist was dran. Ein echter Künster muss ein outlaw sein, was in der Welt passiert ist einfach nur zum Kotzen!

      • Ein echter Künst[l]er könnte bis müsste ein produktives kreatives Glied der Gesellschaft sein, was in der Welt passiert ist ganz OK, wenn mit anderen Zeiten verglichen wird, wird dies direkt deutlich.

      • @deBom
        Hey Joe ist zumindest ein guter Song.

        “Ein echter Künstler muß ein outlaw sein”
        Naja, nicht zwingend, aber es ist wohl so, daß bestimmte Musikformen, wenn sie einen interessieren, einen auch zum outlaw machen können. Viele derer, die heute berühmt sind, wurden von etablierten Labels erstmal komplett abgelehnt.
        Und es ist logisch, daß die Wahrscheinlichkeit steigt, eine “brotlose” Kunst zu versuchen, wenn es in der Familie und/oder der lokalen Umgebung Schwierigkeiten mit der Akzeptanz der eigenen Person gibt, wodurch wiederum die Bereitschaft steigt, vorgegebene Wege zu verlassen.
        Vielleicht ein Grund, warum Deutschland auch Musikland ist, zum Außenseiter wird man hier schnell.

        • ‘Hey Joe!’ ist ein Traditional und frickin politisch inkorrekt.
          Den allgemeinen Erfolg verdankt es Hendrix und seinem Gitarrenspiel, die elektrische Gitarre bleibt gemeint, der sich bspw. Dylan erst kurz zuvor zugewandt hat und die Folk-Maßstäben zu widersprechen schien.
          Es liegt ein im Kern böser Song vor.

          • “To go South” ist eine Metapher und meint “veschwinden”.
            John Lee Hooker lebte, nachdem er Ende der Neunziger sozusagen wieder ausgegraben worden ist, von derartiger Metaphorik.

    7. @Dr.Webbaer
      Richtig, Drogenkonsum ist nichts, was angestrebt werden sollte, wobei Leute, die sich mordsmäßig “cool” dabei vorkommen, meiner Erfahrung nach eher hochangepaßte Sprößlinge aus sehr gut situierten Häusern sind, die sich in jungen Jahren die “Hörner abstoßen” und spätestens mit 30 zu den übelsten Spießern werden.
      Mir ist denn auch kein Beispiel eines entsprechenden Musikers bekannt, der seine Lebensweise Anderen emphehlen würde. Zwei Gegenbeispiele, die harte Drogen-Zeiten überlebten und ausdrücklich abraten von der Nachahmung, wären Lemmy und Billy Idol.
      Was das “Bemitleiden” angeht, ist mir auch das unbekannt, nicht zu verwechseln mit dem Dissens gegen etablierte Strukturen.
      Der hat bei vielen Musikern mit den Biographien zu tun, was wiederum sehr viel mit einem Phänomen zu tun hat, daß Sie selber eigentlich immer lautstark kritisieren, dem Konformismus.
      Ausschlußerfahrungen erleben Viele, die nicht ins Schema passen, wenns dann auch familiär richtig dicke kommt, kann es schwierig werden, mit Selbstmitleid hat das nichts zu tun. Erstmal selber erleben, dann urteilen.

      • @ Kommentatorenkollege ‘DH’ und hierzu nur :

        Ausschlußerfahrungen erleben Viele, die nicht ins Schema passen, wenns dann auch familiär richtig dicke kommt, kann es schwierig werden, mit Selbstmitleid hat das nichts zu tun. Erstmal selber erleben, dann urteilen.

        Sie gelten ja für Ihren Kommentatorenkollegen als politisch nonkonformer und weitgehend verständiger Linker, insofern könnten Sie sich -Dr. W ist bekanntlich streng liberal, dies nur ergänzend angemerkt- womöglich doch Aufforderungen der Art ‘Erstmal selber erleben, dann urteilen.’ ersparen.

        Weil : “Kindergarten”.
        Oder nackte Rhetorik.

        Alle haben gute und schlechte Erfahrungen gemacht, sind vom Leben oder der Welt belohnt oder gestraft worden, sicherlich oft nicht angemessen, aber bei dieser Art des intellektuell-kognitiven “Herumlungerns”, wie es auch hier – ‘Natürlich sind alle der genannten Stars auch Menschen gewesen mit tragischen Schicksalen, die oft keinen anderen Ausweg aus ihrem Leben gesehen haben.’ – hervorlugt, gilt es Abstand zu halten, denn die sogenannten Stars haben, vergleichsweise, ein Einkommen erworben, das eben allgemein unüblich ist.

        Antisoziales Verhalten, verbunden mit Selbstbemitleidung, von “Stars”, gab es oft in den Siebzigern zu bemerken, von prominenten Musikern, hat wohl auch abgenommen, auch den Drogenkonsum meinend, haben Sie womöglich nicht mitbekommen.
        Wenn ein “Star” in den Siebzigern an Drogenkonsum starb, starb er seinerzeit oft sozusagen an der Gesellschaft, lol.


        Macht aber den Braten nicht fett, der Drogenkonsum kann von Einzelnen nicht sinnhaft verwaltet werden und insofern…

        MFG
        Dr. Webbaer (der sich nun langsam auszuklinken gedenkt, noch eine schöne Woche wünscht)

    8. Dr. Webbaer,
      “intellektuell-kognitives Herumlungern”,
      so eine Beschreibung verdient zuerst einmal Applaus, wir sind ja im Showgeschäft.
      Ich kann da mittlerweile auch ein wenig mitreden. Der größte Teil der Künstler haben tatsächlich ein Einkommen das unüblich ist, nämlich nahe am Existenzminimum. “Man sieht nur die im Lichte, die im Dunklen sieht man nicht”, so hieß es schon in den 20-Jahren des vorigen Jahrhunderts.
      Also ein überhebliches Herabschauen ist absolut uncool.

      • Darum war ja weiter oben die Rede von ‘Stars’, ‘prominenten Pop-Musikern’ & von ‘erfolgreichen Pop-Musikern’.
        Von Leutz, die Es “geschafft” haben.
        Der Künstler an sich, der Durchschnittskünstler sozusagen, verfügt über nicht herausragende Einkommen, korrekt.

    9. Dr. Webbaer,
      ich denke, das Drogenproblem ist auch ein Modeproblem. Vor einigen Jahren war es noch üblich auf schicken Parties Drogen irgendwelcher Art zu konsumieren. Das Dumme ist nur, die Mode geht vorbei, die Abhängigkeit bleibt.
      So ist das mit dem Rauchen, was jetzt als uncool gilt, dem Begrüßungswhiskey, vollkommen out, die Wasserpfeife ist auch aus der Mode gekommen.
      Wenn demnächst das Bargeld abgeschafft werden soll, dann brechen für die Drogendealer harte Zeiten an.Ihre harte Haltung gegenüber Drogen(verbotene) teile ich, keine Kompromisse.

    10. “Hey Joe!’ ist ein Traditional und frickin politisch inkorrekt.”

      Und da ist er bei weitem nicht der einzige. Viele gute Songs aus “früheren Zeiten” hätten heute schon textlich ein Problem mit der politischen Korrektheit, die ihres Zeichen nicht unwesentlich an der Verflachung von Musik und Kultur beteiligt ist.

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