Die Kokosöl-Kontroverse

Kokosöl gilt als Superfood. Eigentlich. Die Äußerung einer Harvard-Professorin hat die Foodblogger und ihre Anhänger in Aufruhr versetzt. „Kokosöl ist reines Gift“, so äußert sich Karin Michels in einem Video vor einigen Tagen. Kurz darauf entschuldigt sie sich für ihre Aussage. Was stimmt denn nun?

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Seit einiger Zeit gilt Kokosöl in der Ernährungs-Community als neues Superfood. Es gibt kaum einen Youtuber oder Foodblogger, der nicht von der gesundheitsfördernden Wirkung des vielseitig einsetzbaren Pflanzenfetts schwärmt. Angepriesen wird vor allem immer wieder seine einzigartige Nährstoff- und Fettsäurezusammensetzung mit vielen B- und E-Vitaminen. Diese sollen vor Zellalterung schützen, den Stoffwechsel ankurbeln und sogar das Wachstum von schädlichen Viren, Bakterien und Pilzen hemmen. In den Augen vieler wird es als ein gesundes und natürliches Lebensmittel betrachtet.

Großen Aufruhr löste deswegen ein vor Kurzem veröffentlichtes Video des Universitätsklinikums Freiburg aus. In dem Video möchte Frau Prof. Dr. Dr. Karin Michels, Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie, über Kokosöl und andere Ernährungsirrtümer aufklären. Ihre dort getroffene Aussage „Kokosöl ist das reine Gift!“ beunruhigte viele Menschen. Laut Michels sei Kokosöl „eines der schlimmsten Lebensmittel“, die man überhaupt zu sich nehmen kann. Ihr Video wurde mittlerweile über 1,3 Millionen mal geklickt und heftig diskutiert.

Doch was ist dran an diesem Statement? Ist der Konsum von Kokosöl tatsächlich ein großes gesundheitliches Risiko oder wurde hier übertrieben und stark pauschalisiert?

Aufbau der Fette: gesättigte, ungesättigten, mehrfach ungesättigt

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich zunächst ein paar chemische Grundlagen ins Gedächtnis rufen. Kokosöl zählt zu den Fetten. Diese wiederum bestehen aus langen Ketten von Kohlenstoffatomen mit einer Säuregruppe am Ende. Je nachdem wie nun die Kohlenstoffatomkette chemisch aufgebaut ist, unterscheidet man dabei gesättigte von ungesättigten Fettsäuren. Erstere weisen Einfachbindungen zwischen den Kohlenstoffatomen auf, letztere besitzen mindestens eine Doppelbindung. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren besitzen zwei oder mehr Doppelbindungen, einfach ungesättigte – wie der Name schon suggeriert – dagegen nur eine.

Gesättigte Fettsäuren wie die Stearinsäure haben Einfachbindungen zwischen den Kohlenstoffatomen. Credit: NEUROtiker / wikimedia / public domain

Ungesättigte Fettsäuren wie die Stearidonsäure besitzen Doppelbindungen zwischen den Kohlenstoffatomen. Credit: Edgar181 / wikimedia / public domain

Allgemein gilt in der Ernährungsmedizin die Annahme, dass ungesättigte Fettsäuren in Bezug auf das Herz-Kreislauf-System tendenziell gesünder sind als gesättigte. Dabei wird den mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Gegensatz zu den einfach ungesättigten Fettsäuren eine noch günstigere Wirkung für die Gesundheit zugeschrieben, denn sie schließen auch die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren mit ein. Essenziell bedeutet in diesem Zusammenhang, dass unser Körper diese Fettsäuren selber nicht herstellen kann und daher auf ihre Zufuhr mit der Nahrung angewiesen ist.

Gesundheitsfördernde Effekt von ungesättigten Fettsäuren?

Worin aber liegt der gesundheitsfördernde Effekt von ungesättigten Fettsäuren? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) fand 2010 in einer groß angelegten randomisiert kontrollierten Interventionsstudie mit über 13.600 Teilnehmern heraus, dass ein hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren zusammen mit einem niedrigen Anteil von gesättigten Fettsäuren in der Ernährung das Risiko für koronare Herzkrankheiten wie Herzinfarkte senkt.

Als Ursache dafür nimmt man laut DGE die Senkung des Cholesterolspiegels im Blut an. Amerikanische Forscher der Friedman School of Nutrition Science and Policy an der Tufts University fanden heraus, dass pro 1 mmol/l Senkung der Cholesterolkonzentration im Körper das Risiko für koronare Herzerkrankungen um 24 % sinkt. Auch andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Kürzliche veröffentlichte Metaanalysen zeigten außerdem, dass sich eine erhöhte Zufuhr von ungesättigten Fettsäuren positiv auf den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel auswirkt.

Gesättigte Fettsäuren nicht durch Kohlenhydrate ersetzen

Gesättigte Fettsäuren sollten nun aber nicht per se verteufelt werden. Bei ihnen kommt es vor allem auf die Menge an. Eine Reduktion ihres Anteils in unserer Ernährung hat sich in verschiedenen Studien durch Senkung des Cholesterinspiegels ebenfalls als günstig für Herz und Gefäße erwiesen. Die American Heart Association (AHA) weist allerdings explizit daraufhin, dass die Reduktion des Anteils an gesättigten Fettsäuren nicht durch Kohlenhydrate, besonders raffinierten Zucker, ersetzt werden darf. Stattdessen sollte mit einer Erhöhung des Anteils an ungesättigten Fettsäuren ausgeglichen werden, da sonst der gesundheitsfördernde Effekt wieder zunichte gemacht wird. Von der DGE wird empfohlen, etwa 30 % des täglichen Energiebedarfs durch Fette zu decken, davon sollte jeweils ein Drittel aus gesättigten, einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren bestehen.

Was hat das jetzt aber mit dem Kokosöl zu tun? Kokosöl hat von allen natürlich vorkommenden Fetten den größten Anteil an gesättigten Fettsäuren, nämlich 92 %. Dadurch ist es besonders lagerungsstabil, bei Raumtemperatur ist es nicht wie andere Öle flüssig, sondern fest. Wer gerne Eiskonfekt isst, kennt einen weiteren Vorteil des weißen Pflanzenfetts: Im Mund erzeugt es einen kühlenden Effekt, da es beim Zergehen auf der Zunge viel Schmelzwärme aufnimmt.

Kokosöl: „reines Gift“?

Ob es durch den hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren aber nun zum „reinen Gift“ für den Körper wird, wie Frau Prof. Michels in ihrem Vortrag behauptet, ist damit jedoch noch lange nicht geklärt.

Die Hälfte der gesättigten Fettsäuren des Kokosöls entfällt auf die mittelkettige Fettsäure Laurin, der Rest besteht aus Myrisitinsäure, Palmitinsäure und Ölsäure. Laurin zeigt in Studien eine Erhöhung des „schlechten“ LDL-Cholesterins, das Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen kann. Ebenso erhöht es aber auch den Anteil des „guten“ HDL-Cholesterins, das Herzinfarkten und Schlaganfällen wiederum vorbeugt. Das macht eine eindeutige Aussage dazu, ob Kokosöl gut oder schlecht für die Gesundheit ist, nicht möglich.

Kokosöl, also doch ein Unschuldslamm?

Nach wissenschaftlichen Arbeiten, die sich nicht nur allgemein mit den Wirkungen von gesättigten gegenüber ungesättigten Fettsäuren beschäftigen, sondern tatsächlich das Kokosöl selbst untersuchen, sucht man dagegen länger. In einer Studie von neuseeländischen Ernährungswissenschaftlern der Universität Otago fand man überraschenderweise heraus, dass Kokosöl das „schlechte“ LDL-Cholesterin sogar senkte. Verglichen wurde hier mit Ernährungsformen, die Butter als Fettquelle verwendeten.

Wissenschaftler der Touro University California kommen zu dem Schluss, dass man aufgrund der limitierten Datenlage nicht ausschließen könne, dass Kokosöl das LDL-Cholesterin gar nicht so negativ beeinflusse wie man bislang glaubte. Mit anderen Worten: Kokosöl ist vielleicht gar nicht so schlecht, wie man es aufgrund des hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren erwarten würde. Zudem schreiben die Forscher, dass es immer mehr Hinweise darauf gibt, dass der Anteil von gesättigten Fettsäuren in der Ernährung je nach Art des Essens unterschiedliche Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-Risiko haben kann. Denn es spielen auch synergistische und individuelle Effekte eine Rolle.

Fest steht: Wir wissen wenig

Man kann also festhalten: Wir können (momentan) die Wirkung von Fetten und Ölen allein auf Basis des Anteils der gesättigten Fettsäuren im Körper nicht voraussagen. Die einzelnen Stoffwechselprozesse sind kompliziert und unverstanden und es gibt wenige Studien, die sich mit ihrer Aufklärung befassen. Außerdem spielt natürlich die konsumierte Menge immer eine wichtige Rolle. Ernährung ist so ein komplexes Thema, dass man einfache Aussagen wie „Das ist reines Gift“ nicht treffen kann.

Grundsätzliche Ernährungsempfehlungen wie zum Beispiel, dass ein gesundes Essen viel Gemüse, Fisch, Nüsse und wenig industriell verarbeitete Lebensmittel enthalten sollte, sind der Gesundheit zuträglich. Sicherlich ist es auch richtig, wenn man empfiehlt lieber Öle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren (wie Rapsöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl oder Leinsamenöl) zu sich zu nehmen.

Gehypten Ernährungstrends zu folgen oder sogar bestimmte Nahrungsmittel als Gift zu brandmarken, ohne dass dafür wissenschaftliche Grundlagen existieren, macht dagegen keinen Sinn. „Man muss das immer im Rahmen der gesamten Ernährung sehen – und auf die Menge und Zusammensetzung der Fette achten, die man aufnimmt“, erklärt Stefan Lorkowski, Ernährungswissenschaftler an der Universität Jena und Vizepräsident der DGE.

Kokosöl ist sicherlich kein Wundermittel

Auch das Universitätsklinikum Freiburg ist inzwischen nach heftiger Kritik von wissenschaftlichen Kollegen zurückgerudert. In einem kürzlich veröffentlichten Statement bezeichnen sie Michels Aussage als zu pointiert und zugespitzt. Weiter heißt es, die Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie wollte die Menschen nicht verunsichern und sich für ihre unglückliche Wortwahl entschuldigen.

Richtig ist allerdings ihr Einwand, dass Kokosöl bei weitem nicht das Wundermittel ist, als das es von vielen gesehen wird. Hartnäckig hält sich beispielsweise die Annahme, dass das Öl beim einfachen Abnehmen helfe.

Der gute Ruf vom Kokosöl als Schlankmacher geht auf Studien der Ernährungsmedizinerin Marie-Pierre St-Onge zurück. Aus den Ergebnissen ihrer Arbeiten leitete sie ab, dass mittelkettige Fettsäuren, die 6–10 Kohlenstoffatome besitzen (sogenannte MCTs = medium chain trigylcerides), Erwachsenen bei der Gewichtsreduktion helfen können. Im Gegensatz zu langkettigen Fettsäuren mit über 10 Kohlenstoffatomen werden sie schneller im Darm gespalten und vom Körper aufgenommen. Sie haben einen niedrigeren Energiegehalt als langkettige Fettsäuren und steigern den Energieverbrauch stärker als die üblichen Nahrungsfette.

MCT-Diät muss nicht sein

Eine genau definierte Diät mit einem dafür speziell hergestellten Kokosöl, das zu 100 % aus MCTs bestand, konnte laut den Arbeiten der Ernähungsmedizinerin helfen, den Körperfettanteil zu senken und mehr Energie zu verbrennen. Doch das normale auf dem Markt verfügbare Kokosöl enthält gerade einmal einen Anteil von 13–14 % an MCTs. Auch neuere Studien zeigen, dass gewöhnliches Kokosöl keinen Vorteil beim Abnehmen bietet.

Die DGE kritisiert außerdem die Arbeiten von St-Onge wegen zu kurzer Studiendauer, zu kleiner Patientenkollektive und Stichproben als wissenschaftlich unzureichend. Sie empfiehlt den Einsatz von MCTs nicht zur Unterstützung beim Abnehmen und setzt lieber auf eine ausgeglichene Energiebilanz. Die Energiemenge von 80–120 kcal pro Tag, die man durch die MCT-Diät durchschnittlich weniger konsumiere, ließe sich genauso durch den Verzicht eines zuckerhaltigen Getränks einsparen.

(K)eine Waffe gegen schädliche Mikroben?

„Kokosöl ist definitiv nicht das Wundermittel, für das viele es lange gehalten haben“ bestätigt auch Stefan Lorkowski. Die American Heart Association warnt, dass der Hype um Kokosöl eine Vermarktungsstrategie sei, die wissenschaftlich nicht gestützt werden kann. So ist beispielsweise auch die oft aufgestellte Behauptung, Kokosöl sei ein wirksames Mittel gegen Viren und Bakterien, mit Vorsicht zu genießen.

Studien an Tiermodellen und in vitro haben zwar gezeigt, dass besonders das Monolauringlycerat, das aus der im Kokosöl enthaltenen mittelkettigen Fettsäure Laurin entstehen kann, mitunter eine wachstumshemmende Wirkung auf schädliche Erreger hat. Doch am Menschen wurde dies bislang nicht nachgewiesen.

Zudem ist nicht bekannt, ob das untersuchte Monolauringlycerat überhaupt in ausreichender Menge aus der im Pflanzenöl enthaltenen Laurinsäure im Körper (also in vivo) hergestellt werden kann. Unklar ist dementsprechend auch, ob so ein antimikrobieller Schutz möglich ist.

Im Gegenteil: Bakterien und Viren fühlen sich in normalem Kokosöl, wie in so ziemlich allen Lebensmitteln, pudelwohl. Sie finden dort alle nötigen Stoffe für das Wachstum und sie können das Öl selbstverständlich auch verderben.

Am Ende des Tages dreht sich alles um Balance

Kokosöl ist also kein Allheilmittel, das bei Verzehr schlank oder gesund macht. Aber genauso unsinnig ist es, das Öl zu verteufeln. Wie immer gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Zu viel Fett ist schlecht, egal welches. Es kann nicht gesund sein, jeden Tag ein riesiges Glas voll Kokosöl zu löffeln. Genauso sagt einem aber auch der gesunde Menschenverstand, dass man nicht jeden Tag eine ganze Butter zum Frühstück verzehren sollte.

Doch wenn man den Geschmack von Kokos mag, gibt es keinen Grund nicht hin und wieder seinen Burger in dem weißen Pflanzenfett zu braten oder damit asiatische Gerichte zu verfeinern. „Der Mensch hat eine sehr hohe metabolische Flexibilität, sonst wäre er längst ausgestorben“, bekräftigt auch Stefan Lorkowski, „in kleinen Mengen ist natives Kokosöl bestimmt nicht schädlich“.

Anmerkung: liebe Leser, dieser Beitrag erschien auf meinem DocCheck-Blog.

Veröffentlicht von

Marlene Heckl ist Medizinstudentin im letzten Studienjahr an der Technischen Universität München. Nebenbei promoviert sie an der Ludwig-Maximilians-Universität über den Einfluss von Tumorsuppressorgenen bei Ovarial- und Endometriumskarzinomen. Seit 2012 schreibt sie über medizinische und wissenschaftliche Themen, die ihr am Herzen liegen. Anfangs erschienen ihre Beitrage bei medizinischen Portalen wie DocCheck und Thieme, 2016 folgte dann ihr eigener Blog Marlenes Medizinkiste, der nun auch bei den SciLogs zu finden ist.

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, erstaunlich wie wenig wirklich aussagekräftige Studien es zu Ernährungsfragen gibt und wie häufig sich Empfehlungen geändert haben.
    Viele jüngere Studien kommen aber zum Schluss, dass Extremdiäten auch (extrem) ungesund sind. Eine deutsche Studie fand beispielsweise bei Vegetarieren/Veganern um so häufiger Episoden von Depression je veganer sie lebten und die gerade veröffentlichte Studie Dietary carbohydrate intake and mortality: a prospective cohort study and meta-analysis kommt zum Schluss, dass Low Carb und High Carb-Diäten beide mit erhöhter Mortalität verbunden sind. Zitat: Sowohl low als auch high Carb waren mit einer erhöhten Mortalität verbunden, wobei ein minimales Risiko bei 50-55% Kohlenhydrataufnahme beobachtet wurde.
    Auch eine Hochproteinernährung (high protein diet) ist nicht zu empfehlen, erhöht sie doch generell das Krebsrisiko. Dies gilt vor allem für Leute unter 65. Erst im höheren Alter ist eine höhere Proteinzufuhr als Kompensation für den veränderten Stoffwechsel zu empfehlen.

  2. @Martin Holzherr

    Die deutsche Studie die ich gefunden habe spricht aber nicht für die kausale Verursachung von Depressionen durch vegetarische Ernährung (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3466124/). Laut dieser Studie ist die kausale Richtung eher anders herum. Wenn man psychische Störungen hat, wählt man eher eine vegetarische Ernährung.

    Auf welche Studie haben Sie sich bezogen?

  3. Der Umstand, dass ein paar Influencer in ihren Dauerwerbesendungen über Kokosöl reden, ist übrigens kein ausreichender Grund, sich mit Kokosöl zu beschäftigen. Aus eigenem Antrieb käme kaum ein Mensch auf die Idee, Kokosöl überhaupt Beachtung zu schenken, solange es in keinem nachgekochten Rezept als Zutat auftaucht. Wer mehr Kokosöl verkaufen möchte, beauftragt deswegen PR-Agenturen, Geschichten über Kokosöl in die Welt zu setzen in der Hoffnung, dass der Verbrauch steige, wenn jeder hundertmal am Tag das Wort Kokosöl lese. Dabei ist Kokosöl doch irrelevant und verdient keine Debatte.

  4. Ja, da trifft Sven Türpe den Punkt: Es sind sowieso nur urbane Hippster für die Kokosöl ja oder nein zur Existenzfrage wird. Ähnlich ist es mit Avocados oder Quinoa und vielem mehr. Diese Exotika füllen nicht in erster Linie den Magen, sondern eher den Kopf. Wer sich ständig mit solchen Dingen beschäftigt, dem geht es einfach zu gut.

  5. Es ist ständig irgend etwas besonders gesund und irgend etwas schädlich.
    Tatsächlich ist es wohl am besten wenn man sich ausgewogen ernährt, also unterschiedliche Nahrungsmittel verwendet und nicht einseitig ißt.
    Es gibt weder irgendeine Wundernahrung noch ist irgend etwas sonderlich schädlich.
    Mäßig genossen schadet auch Alkohol nicht.

  6. Ich finde es gut, wie objektiv und differenziert das Thema diskutiert wurde. Ein paar Kokosöljünger benahmen sich ja gefühlt wie enttäuschte Sektenmitglieder. Trotzdem hätte ich mich gefreut, wenn die Empfehlung am Ende noch kurz Umweltaspekte angesprochen hätte.

  7. @Martin Holzherr
    Die größere Häufigkeit von Depressionen bei Vegetariern scheint konsistent belegt zu sein (Da sind sich beide Studien einig). Die von mir oben verlinkte Studie deutet allerdings darauf hin, dass die mentale Störung der Ernährungsumstellung in den meisten Fällen vorausgeht (2/3 bei Depressionen, 9/10 bei Angststörungen, bei Essstörungen ausgeglichen)
    Für die Großzahl der Fälle scheint mir damit die Nährstoffversorgung eine extrem schlechte Erklärung zu sein, da diese schlecht schon vor der Ernährungsumstellung wirken kann.
    Es scheint so zu sein, dass depressive oder ängstliche Menschen eher zur vegetarischen Ernährung greifen. Über die psychologischen Ursachen kann man bislang nur spekulieren.

    Das hat natürlich mit Kokosöl nur am Rande zu tun. Dies ist in keiner Ernährungsform erforderlich. Kann allerdings in kleinen Mengen konsumiert werden. Zum Anbraten usw.

  8. @libertador: Tatsächlich könnte es so sein, dass Depressionsanfällige oder Leute mit einer Vorgeschichte von Depression zum Veganismus neigen. Man hat ja auch die höhere Zahl von Psychosen bei jugendlichen Cannabiskonsumenten damit erklärt, dass sie gerade wegen ihrer Psyche mehr Cannabis konsumieren. In Bezug auf Cannabis wurde diese Ansicht aber inzwischen durch eine genetisch/statistische Analyse widerlegt (Cannabis use and risk of schizophrenia: a Mendelian randomization study) und gezeigt, dass Cannabiskonsum tatsächlich das Risiko für psychotische Schübe erhöht (Zitat: Basierend auf dem genetischen Ansatz war der Konsum von Cannabis mit einem erhöhten Risiko für Schizophrenie verbunden.)

    In Bezug auf den Zusammenhang Veganismus/Depression lese ich jeweils als Erklärungsversuch, dass der Vitamin B12-Mangel, den viele Veganer zeigten, die Ursache für die höhere Depressionsanfälligkeit sein könnte.

  9. @Martin Holzherr
    Was auch immer die Belege bezüglich Cannabis mit der Frage der Ernährung zu tun haben. Die Daten scheinen bei der Ernährung auf einen anderen Ursache-Wirkung-Zusammenhang hinzuweisen.
    Die Erklärung für die Depressionsanfälligkeit über B12 ist halt schwierig, wenn 2/3 der Depressionen sich zeitlich bereits vor der vegetarischen Ernährung gezeigt haben. Der Durchschnitt ist fünf Jahre vor der Ernährungsumstellung. Das ist das Ergebnis der verlinkten Studie. Es wurde der zeitliche Zusammenhang untersucht. Dieser könnte nur durch Ernährung erklärt werden, wenn diejenigen, die sich Jahre später vegetarisch ernähren vorher bereits bestimmte Ernährungsmuster hatten, die erst später vollständig umgesetzt wurden. Schlechter B12-Status könnte natürlich trotzdem einen Teil erklären, allerdings wohl nicht den Großteil.
    In der Studie werden entsprechend eher psychologische Faktoren für den Zusammenhang als wahrscheinlich erachtet: Vegetarische Ernährung gilt als gesund und wird deswegen bei Gesundheitsproblemen gewählt, Emotionsregulierung (stärkerer Fokus auf negative Emotionen) und Perfektionismus bringen von Fleischkonsum ab und sind gleichzeitig Risikofaktoren für psychische Störungen und Vegetarier sind Außenseiter (dies wird mit Hinblick auf die Adventisten-Studien erwähnt, in denen die Assoziation wohl nicht vorliegt).

    Interessanterweise ist der zeitliche Ablauf bei vegetarischer Ernährung und Essstörung anders. Essstörungen zeigen sich tendenziell nach der Umstellung (allerdings nur wenige untersuchte Fälle).

    Daneben gilt natürlich die Unsicherheit, dass dies nur eine Studie ist mit 54 Vegetariern ist und wesentlich auf den Angaben der Studienteilnehmer basierte und keine Überprüfung des Nähstoffstatus vorgenommen wurde.

    Ich habe noch eine Studie an deutschen und chinesischen Studenten gefunden, bei denen vegetarische Ernährung auch bei schwacher Effekstärke zukünftige Probleme vorhersagen konnte. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5956886/) Dies gilt allerdings nur für die chinesische Gruppe und ein analoger Effekt (nicht-überprüfte Variablen) könnte dazu führen, dass bei deutschen Studenten höherer Alkoholkonsum mentale Probleme in der Zukunft weniger wahrscheinlich macht.

  10. @libertador: ja, Veganer sind sicher anders als der Durchschnitt. Vielleicht gilt das sogar für viele Ernährungsstile.
    Zum Veganismus: Im Psychology today Artikel The Vegan Brain, plant based dort, micronutrients ans mental Health werden vielfältige Mangelerscheinungen bei Veganern beobachtet, zum Beispiel häufiger Zinkmangel (wird bei der Serotoninsynthese benötigt). Zitat:
    Zinc deficiency is much more common among vegans than iron deficiency, and yet gets far less attention. A 2017 Swiss study found that 47% of vegans had inadequate zinc levels compared to only 10% of omnivores.
    Aber auch bei den Omega3-Fettsäuren sind Veganer sogar im Vergleich zu Vegetariern im Minus. Bezüglich B12 liest man: Vegane Ernährungsweisen enthalten praktisch kein Vitamin B12, und ein schwerwiegender, anhaltender B12-Mangel ist tödlich. Die meisten Veganer und Vegetarier sind sich dieser Gefahr bewusst und nehmen entweder Nahrungsergänzungsmittel ein oder nehmen angereicherte Hefe zu sich (unbehandelte Hefe enthält von Natur aus kein Vitamin B12). Leider ist ein Mangel immer noch weitaus häufiger als er sein sollte, wobei einige Studien feststellen, dass bis zu 86% der Erwachsenen (unabhängig von der gewählten Ernährungsgewohnheiten) unzureichend sind. Forscher berichten über weite Wertebereiche, aber insgesamt haben Vegetarier tendenziell niedrigere B12-Werte als Omnivoren und Veganer im Durchschnitt die niedrigsten B12-Werte.

  11. Hier noch die Zusammenfassung des Psychology Today Artikels über vegane Ernährung:
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die hirngesunden Nährstoffe, über die Pflanzenfresser in den entwickelten Ländern am meisten besorgt sein müssen, folgende sind: DHA, Vitamin B12, Vitamin K2 (MK-4), Zink, Eisen, Riboflavin und Vitamin D3. Es ist allgemein bekannt, dass vegane Ernährungsgewohnheiten durch B12 ergänzt werden müssen, aber viele Menschen haben den Eindruck, dass farbenfrohes Obst und Gemüse eine ausgezeichnete Quelle für die meisten anderen lebenswichtigen Nährstoffe ist. Ich praktiziere am Smith College, wo 4% meiner Schüler eine vegane Ernährung einnehmen – das ist doppelt so viel wie der nationale Durchschnitt im Vergleich zu anderen College-Campus; die überwiegende Mehrheit von ihnen nennt Mitgefühl für Tiere oder Umweltbelange – nicht für Gesundheit – als ihre Hauptmotivation. Viele der Studenten, die ich behandle, die sich für eine vegane Ernährung entscheiden, nehmen nur B12, und einige nehmen überhaupt keine Nahrungsergänzungsmittel ein. Die Wissenschaft ist sich in diesem Punkt einig: Unergänzte vegane Diäten stellen eine große Gefahr für die Gesundheit des Gehirns dar. Es ist meine Hoffnung, dass dieser Artikel dazu beitragen wird, die Aufmerksamkeit auf diese anderen kritischen Nährstoffe zu lenken, die das Gehirn braucht, um an der Spitze seines Spiels zu operieren.

  12. Persönliches Erlebnis zum Veganismus: Nachdem ich 2 Monate kein Fleisch, keine Eier, keine Milch mehr gegessen/getrunken habe (nur so, ohne tieferen Grund) und dann 2 Mal hintereinander Fisch ass, erlebte ich in den folgenden Tagen eine Art High. Das gleiche 1 Monat später bei Wiederholung. Scheinbar war ich vorher in einer Art “Low”, also in einer leicht depressiv gefärbten Gemütslage. Die einzige Erklärung, die ich für diesen Wechsel der Gemütslage hatte/habe ist der vorherige Verzicht auf Fleisch/Fisch und andere tierische Produkte, die eine Art Mangel ausgelöst haben müssen. Die Studien zur veganen Ernährung passen zu diesem Erlebnis.

  13. Zur Thematik gibt es eine wissenschaftlich fundierte Stellungnahme von Dr. Michael Nehls, auf seiner Homepage nachzulesen und zum Download vorgehalten.
    Sicher für jeden erhellend und insbesondere Frau Professor Michels zu empfehlen.

    Mit besten Grüßen
    Frank Klüner

  14. @ Herr Türpe und hierzu :

    Der Umstand, dass ein paar Influencer in ihren Dauerwerbesendungen über Kokosöl reden, ist übrigens kein ausreichender Grund, sich mit Kokosöl zu beschäftigen. […] Dabei ist Kokosöl doch irrelevant und verdient keine Debatte.

    Wenn bspw. effing Kokosöl öffentlich vergöttert oder verdammt wird, wahlweise, darf die Fachkraft sich diese Begebenheit womöglich schon vornehmen und ein wenig erläutern.

    Die öffentliche Debatte an sich erzeugt Relevanz.

    MFG
    Dr. Webbaer

  15. Die Wahrheit ist dass wir auf tierische und pflanzliche Nahrung angewiesen sind, wenn wir uns gesund ernähren wollen.
    Wenn ich die Evolution hätte beeinflussen können dann hätte ich es auch nicht so gemacht dass die einen die anderen fressen. Es ist aber in der Natur so.
    Man kann jeztzt natürlich die Tierhaltung hinterfragen. Angemessene Vorschriften dass Tierhaltung nicht eine Quälerei ist.
    Persönlich mache ich den Kompromiß dass ich das Fleich von Jungtieren (Kalb, etc.) nicht esse. Muß ich wirklich nicht haben.

  16. Die Wahrheit ist dass wir auf tierische und pflanzliche Nahrung angewiesen sind, wenn wir uns gesund ernähren wollen.

    Jein, es könnte sich spezialisiert werden, Eskimos betreiben bspw. wenig Landwirtschaft und Veganer soll es ebenfalls geben.
    Allerdings ist der hier gemeinte Primat Omnivore, korrekt.
    Spezialitäten bei der Nahrungsaufnahme sind womöglich manchmal Religionsersatz, dem Dominium Terrae explizit widersprechend.

  17. “Religionsersatz”
    Wie man es auch immer sehen will. Aber es kommen ständig irgend welche “Lehren” auf. Ob das nun Ernährung ist oder Weltanschauung oder was immer.
    Chinesische Lehren für alles mögliche waren eine Zeitlang modern, Indische auch und was weiß ich noch. Eine Zeitlang ist das in Mode und dann verschwinden diese “Lehren” wieder und es kommt dann wieder etwas anderes, was dann der Weisheit letzter Schuß ist.
    Mit Verstand hat das alles nichts zu tun. Es ist rein auf der Ebene der Emotionalität, oder Psychologie, oder sowas.

  18. Ideologien sind entweder vom Verstand angeleitet, idealerweise, oder vom Gefühl, dann nicht so-o gut, Gefühligkeit (vs. Anstand) ist zu verdammen.
    Ideologie ist notwendig, sie ist essentieller Bestandteil einer (kritischen) Kultur, natürlich macht es niemandem, der rein ist, Spaß ein Tier zu töten, um es zu verzehren oder anderweitig zu verwerten, aber dies ist der Stand der Dinge, das Wesen des hier gemeinten Primaten (der immerhin in der Lage ist, dies kritisch zu hinterfragen); das Tier bleibt allerdings eine Sache, anderes zu behaupten wäre anti-humanistisch.

    MFG
    Dr. Webbaer

  19. @ Frank Klüner
    Die Seite von Dr. Michael Nehls strotz vor lauter marktschreierischen Überschriften für die im obigen Beitrag Prof. Dr. Dr. Karin Michels mehrfach kritisiert wurde.

  20. Sophie schrieb, dass sie sich gefreut hätte, wenn die Empfehlung am Ende noch kurz Umweltaspekte angesprochen hätte. Das dies bislang kaum erfolgte, finde ich auch schade. Vor längerer Zeit las ich dazu einen Beitrag, der auf die Probleme aufmerksam machte, die durch den massiven Anstieg der Nachfrage nach Palmöl verursacht wurden. Weiß jemand, ob es ähnliche Effekte auch bei Kokosöl gibt?

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