My Corona: Meine ernüchternden Erfahrungen mit SARSCoV2

Ich habe mich mit dem SARS-CoV2 infiziert. Und es kann dir auch passieren. Denn Deutschland versagt auf ganzer Linie.


Seit März bin ich im Home Office und nur noch gelegentlich im Büro. Mein Gym, in dem ich Thai Boxen trainiere, suchte ich seit Mai nur noch früh morgens um 7 auf, außerhalb der Kurse. Meine Geburtstagsfeier fand im Garten mit nur 3 Gästen statt. Seit Oktober trug ich bei allen Situationen, die eine Maske vorschrieben, eine FFP2-Maske. Den zweiten Lockdown, sowohl die angeblich so leichte Variante als auch den harten Lockdown finde ich prinzipiell richtig. Nur kam beides zu spät – und es reicht nicht aus. Und obwohl ich mich an alles gehalten habe – und noch vorsichtiger war – habe ich mich infiziert. Beinahe hätte ich auch meine Eltern angesteckt.

Wie alles begann

Alex, die Kontaktperson, der Überträger, klagte über Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit. Wir waren spazieren gegangen, hatten zu Hause Glühwein getrunken – ich schob es auf eine Mischung aus Kälte und leichten Kater. Auch ich hatte leichte Kopfschmerzen, buk aber noch Plätzchen und brachte meinen Eltern welche vorbei. Wir tranken Kaffee und aßen Kuchen. Dann fuhr ich nach Hause. Die Kopfschmerzen drückten weiter und ich ging schlafen. Die Kopfschmerzen blieben und wurden stärker.
Alex schrieb mir, dass sie sich weiter unwohl fühle und eine leicht erhöhte Temperatur hatte. Nur das, Kopfschmerzen und Fieber, <38°C. Sie ließ sich testen – sicher war schließlich sicher. Ich ging stark von einem negativen Ergebnis aus. Der Testtermin stand für Dienstag. Mittwoch begann meine Nase zu laufen und der Coronatest von Alex kam zurück. Positiv. Ich fiel aus allen Wolken und rief zuerst beim ärztlichen Bereitschaftsdienst an. Ich wartete fast eine halbe Stunde in der Leitung. Dann erklärte ich die Situation. Mein Hauptsymptom waren die allgegenwärtigen Kopfschmerzen. Es pochte, stach und drücke im linken Hirn und ich konnte mich kaum konzentrieren. Mein Schnupfen war mir relativ egal – ich habe Hausstauballergie und bin da Kummer gewöhnt. Das leichte Tröpfeln der Nase war für den Mann an der Hotline aber der ausschlaggebende Punkt, mit dem ich den Test gewann. „Kopfschmerzen“, sagte er, „könnten ja von überall herkommen.“

Covid-Testzentrum

Coronatest – Odysee an Tor West

Ich bekam einen Test für den nächsten Tag im noch nicht eröffneten Drive-In-Testzentrum an der Messe Frankfurt, am Tor West. Am nächsten Morgen gab ich die Adresse in Google Maps ein und fuhr los. Ich fühlte mich infektiös, hatte Husten bekommen und war unfassbar müde. Um das Testpersonal nicht mit Aerosolen aus dem Auto zu gefährden, trug ich die ganze Zeit FFP2-Maske, was mir an der Ampel skeptische Blicke einbrachte.
Leider war die Adresse „Tor West“ in Google Maps falsch hinterlegt, ständig wollte mich die unermüdlich freundliche Dame aus dem Telefon zum Tor Nord lotsen. Ich blieb natürlich die Ruhe selbst und war komplett gelassen, als ich die dritte Runde im Messekreisel drehte. Wie ein Zen-Meister drehte ich meine Runden. Ich beschloss, zu versuchen, durch das Fenster hinweg an Tor Nord nach dem Weg zu fragen. Die Wärterin kam aus ihrem Häuschen und drängte mich, das Fenster runterzumachen. Ich öffnete es einen Spalt. „Nein, das Testzentrum ist an Tor West“, informierte sie mich.
„Das ist mir bewusst, aber wie komme ich dorthin?“
„Warten Sie“, sagte die Dame und stiefelte zurück in ihr Torhäuschen. Sie kam mit einem Zettel zurück. „Hier!“
Ich erhielt einen Zettel. Eine Wegbeschreibung zum Rebstockbad, die man mit einem Textmarker geändert hatte, so dass sie mir nun Tor West zeigte. So schnell wie ich den Zettel bekam hatte sie wohl vorgesorgt und ich war nicht die erste, die sich verfahren hatte. Es gab keine Hinweisschilder für das Testzentrum auf den Zubringerstraßen, erst wenige hundert Meter vor dem Testzentrum gab es ein popliges Schild.

Technologiestandort Deutschland

Ich wartete im Auto, vor mir waren nur drei andere Fahrzeuge und ein Radfahrer. Zwar gab es zwei Teststationen, jedoch sei eine nicht einsatzbereit, weil der Drucker nicht funktionierte. Das teilte mir der freundliche Mann an der Einfahrt mit. Ich fühlte mich mittlerweile wie in einem schlechten Film. Nach über einer halben Stunde Wartezeit war ich an der Reihe. Das ging vergleichsweise schnell. Die Dame am Schalte nahm meine Krankenkassenkarte entgegen, die ich desinfizierte.
„Das hätte ich auch gleich gemacht“, sagte sie. Ihre Augen blitzten, als sei sie amüsiert. Mehr konnte ich durch ihre Schutzkleidung nicht sehen. Ich entspannte mich endlich ein wenig. Den Abstrich machte dann ein älterer Herr; dafür musste ich kurz aus dem Auto raus. Auch er war freundlich und guter Laune. Dann fuhr ich nach Hause, wo ich die nächsten gut 10 Tage bleiben würde.

Angepasster Plan zum Testzentrum

Anna allein zu Haus

Man versuchte, mich aufzumuntern, auf Social Media wie im direkten Freundeskreis. Es gäbe doch zig Beispiele von Menschen, die sich trotz engem Kontakt nicht angesteckt hätten. Doch in meiner Angst ging es gar nicht um mich. Es ging mir um meine Eltern. Monatelang war ich allen Gefährdungen aus dem Weg gegangen. War früh morgens aufgestanden, um dann zu trainieren, wenn niemand sonst im Gym war. Hatte nur noch sehr wenige Menschen getroffen – meistens zu Spaziergängen – sowie zwei Knuffelkontakte auserkoren. Alle hielten sich ebenfalls sorgsam an die Vorschriften und nutzten sie nicht aus. Als der sog. Lockdown Light begann, ging ich zum Sport zu Hause über und machte ansonsten nur Spaziergänge, ging Essen einkaufen. Nur zur Arbeit musste ich ab und an dann doch.
Es hatte alles nichts genutzt. Freitag erhielt ich mein Testergebnis per SMS vom Kassenverband Hessen. Positiv. Ich war nicht überrascht.

Das Damoklesschwert

Zunächst informierte ich meine Eltern. Meine Mutter machte sich sofort einen Test klar. Sie blieb ebenfalls komplett ruhig und rief mich nur 10-20 Mal am Tag an. Auch mein Vater ließ sich testen. Man kann es nicht anders beschreiben, aber mir ging der Arsch auf Grundeis. Ich war fertig mit der Welt. Weinte kurz, beschloss dann, mich von einem dahergelaufenen Coronavirus nicht kleinkriegen zu lassen und begann Vorbereitungen zu treffen. Denn, ich wusste ja nicht, was nun kommen würde. 10 Tage Fieber? Husten? Delirium? Krankenhaus?
Ich hatte schon die Tage vorher begonnen, wie wild zu lüften. Morgens nach dem Aufsstehen, abends vorm zu Bett gehen. Zwei Mal am Tag duschte ich. Auch zwischendrin lüftete ich natürlich. Die Bettwäsche wechselte ich alle 3 Tage. Um die Viruslast niedrig halten. Morgens und Abends maß ich Fieber. Ein Freund hatte mir geraten, Vitamin D3 einzunehmen und mir ein Pulsoxymeter zu bestellen. Ersteres nehme ich aufgrund eines Mangels sowieso im Winter ein. Das Pulsoxymeter kam einige Tage später. Ich machte auch eine Einkaufsliste, für meine Nachbarin B.. Comfort-Food genauso wie „einfach zuzubereitendes“.
Alex siechte mit Fieber dahin und ich fürchtete, dass es mir auch bald so ergehen würde. Wie ein Damoklesschwert hing es über mir. Ich musste aktiv gegen Gedankenkreisen vorgehen, mich ablenken. Dabei hatte ich aber kaum Motivation, überhaupt nur aufzustehen. Ich hing wie ein Zombie vorm Computer.

Vom Wohnzimmer in die Welt

Mich rettete der Remote-Adventskaffee von @littlebinf. Dieser war schon lange geplant. B. hatte Plätzchen gebacken, die sie durch ganz Deutschland und sogar bis nach Norwegen versandte, damit wir einen gemeinsamen Adventssonntag in Zoom verbringen konnten. Die Plätzchen waren nicht nur lecker, die ganze Aktion heiterte mich ungemein auf. Ich trank Glühwein dazu, was seinen Teil dazu beitrug. Am Abend hatte mich ein befreundetes Ehepaar zum Spielen eingespannt. Via Discord ging es erst in den Weltraum, die restlichen Tage dann auf hohe See. Ich bekam außerdem ein Paket mit superleckerem Honig zugeschickt, skypte mit einem Freund in San Francisco, telefonierte viel.

Remote-Adventskaffee

Versuchen, nicht durchzudrehen

Am folgenden Montag verlor ich den Geruchssinn. Wohlgemerkt nur den Geruchssinn. Den Geschmackssinn behielt ich. Ich schmeckte also süß, sauer, salzig – und auch Texturen wie cremig. Aber ich roch nichts. Dennoch erinnerte ich mich an Gerüche. An Schokolade hätte ich zum Beispiel keinen Unterschied gemerkt. Ich weiß, wie Schokolade schmeckt und ich schmeckte cremig und süß, aber sonst nicht viel. Den Rest erfand mein Gehirn dazu. Wie kann man sich das vorstellen? Nun, ich hielt die Nase in die Kaffeedose und roch nichts. Ich hielt die Nase in meine Gewürzdose – doch da war nicht mal der kleinste Hauch. Ich trank meinen Kaffee und er schmeckte, als habe man ein Tröpfchen Milch ins heiße Wasser gegeben. Ich saß ich für eine Weile da und weinte. Da ist man zu Hause eingesperrt – und man hat nicht mal mehr Kaffee. Man kann sich nicht mal etwas Leckeres zu Essen machen und das Genießen. Ich hatte zuerst ungeheure Gelüste auf Essen – und kein Gericht konnte diese stillen. Ich war satt, aber unzufrieden. Es fehlte einfach der Geruch. Ich hatte noch Plätzchen da – sie verloren gänzlich ihren Reiz. Ich wollte nun nur noch Dinge, die entweder einen starken Geschmack wie süß oder salzig hatten – oder eine gute Textur. Knusprig, cremig, saftig, knackig, frisch… Nach wenigen Tagen verlor ich komplett das Interesse an Essen.

Ich, mit einer Kaffeetasse
Mmmmh, heißes Wasser mit Milch.


Alex und ich erkoren als ultimatives Corona-Geschmackserlebnis das Toast Hawaii aus. Saftig und süß-sauer durch die Ananas, Umami durch den Schinken, knusprig durch das Brot und cremig durch den Käse.

Als ob es tausend Stäbe gäbe

Die Schnelltests meiner Eltern waren negativ, die PCR-Tests ebenso. Das brachte zwar Erleichterung, aber ich traute der Sache noch nicht so ganz. Womöglich waren sie zu früh getestet worden? Doch sie blieben symptomlos. Auch bei mir stellten sich keine weiteren Verschlechterungen mehr ein. Der Husten wurde produktiv, was anzeigte, dass die Infektion überstanden war und die Lunge nun die toten Lungenzellen mitsamt der toten Viren aufräumte. Ich bekam kein Fieber, die tröpfelnde Nase normalisierte sich, die Kopfschmerzen waren nach 5 Tagen auch schon weg gewesen. Meine Beine wurden dafür wabbelig, schwach. Ich mache viel Sport – das fehlte jetzt. Ich konnte mich aber auch nicht zu mehr als etwas Yoga aufraffen. Wie Rilkes Panther ging ich in meinem Arbeitszimmer um den Tisch, lief zwischen den Zimmern hin und her.
Als meine „Absonderung“ zum 21.12. endete, führte ich auf Instagram um Mitternacht einen kleinen Tanz auf und ging eine Runde spazieren. Mit Maske zwar, aber endlich konnte ich wieder mehr als ein paar Schritte geradeaus laufen. Den Blick in die Weite genießen.

Glück im Unglück?

Ich habe Corona auf „Easy“ durchgespielt. Alex hatte es deutlich schlimmer erwischt und andere Menschen in meinem Umkreis ebenso. Meine Eltern wurden zum Glück verschont. Muttern macht dafür ihr großes Frischluftverlangen verantwortlich. Am Ende kann man nicht sagen warum. Was aber bleibt, sind Fragen und Enttäuschungen. Wo hatte sich Alex infiziert? Sie war nur einkaufen und spazieren. Die App schlug nicht aus. War es einfach nur Pech?

Fieberkurve
Fieber”kurve”: Sciencing the shit out of Corona

Jetzt, erst 3 Wochen nach der Erkrankung, komme ich langsam wieder auf den Damm. Ich merke sehr langsam, wie ich wieder zu Kraft komme. Ich hing wirklich lange in den Seilen, und wusste nicht warum. Obwohl der Verlauf sehr mild war, war ich unglaublich geschwächt. Außerdem sorge ich mich um Spätfolgen, weshalb ich noch nicht mit wieder mit dem Sport angefangen habe.

Sehr lange konnte ich mich kaum zu einem Spaziergang motivieren. Seit einigen Tagen geht das wieder. Meine Energie kommt zurück.

Versagen 1: Die App

Als ich mein positives Ergebnis erhielt, kam es per SMS. Ich hatte jedoch auch mit der Corona-Warn-App mein Ergebnis gescannt. Das Ergebnis kam in der App nicht an. Ich wartete zwei Tage, ohne Erfolg. Ich tat meine Verwunderung auf Twitter kund und wurde dabei auf eine telefonische Alternative aufmerksam gemacht, mit der ich meine App scharf schalten konnte. Immerhin – aber wäre ein solcher Hinweis nicht sinnvoll direkt innerhalb der App? Und zwar dann, wenn man den QR-Code bereits gescannt hat?
Als ich mein Ergebnis endlich via App geteilt hatte und hoffentlich alle, denen ich begegnet war, mitteilte, dass sie ein erhöhtes Risiko hatten, waren schon mindestens 6 Tage seit der Infektion vergangen. Davon war ich 5 in freiwilliger Quarantäne gewesen. Und nun? Ich hatte in der App ein Bild, in dem man sich bedankte. Aber was sollte ich mit der App nun anfangen? Die App-Entwickler gehen davon aus, dass die App gelöscht werden könne – man sei ja nun immun. Einen Hinweis dazu findet man nicht. Eine Immunität ist zwar wahrscheinlich, vollumfänglich schützen kann sie jedoch nicht. Man muss also die App zurücksetzen. Einen Hinweis dazu gib es in der App ebenfalls nicht. Selbst wenn ich immun bin kann es doch hilfreich sein, zu wissen ob man einer infektiösen Person ausgesetzt war? Wer beispielsweise mit einer Person ohne Smartphone unterwegs war – Kinder, ältere Menschen, vergessliche Menschen, etc. – könnte diese dann warnen.

Zusätzlich gibt es immer noch viele bürokratische Hürden: Als meine Mutter, die in einer Senioreneinrichtung arbeitet, im August eine Risikobegegnung in der App hatte, meldete sie sich sofort zum Test. Doch die rote Warnung in der App allein reichte rechtlich nicht für den Arbeitgeber, damit sie nicht zum Dienst musste – und eine Risikogruppe gefährdet. Auch eine Quarantäne-Anordnung des Gesundheitsamts ist kein Grund, der Arbeit fern zu bleiben. Wieso macht man es Arbeitnehmer*innen hier so schwer? Ein kurzer Satz „Sollte Ihre Arbeit eine Präsenz am Arbeitsort außerhalb Ihrer Wohnung erfordert, so sind Sie hiermit freigestellt“ (plus ein wenig juristischem Kleinkram) würde doch schon fast reichen? Wenn wir wollen, dass Menschen sich verantwortungsbewusst verhalten, dann müssen wir ihnen das so leicht wie möglich machen.

Screenshot: Warten auf das Testergebnis in der App.

Versagen 2: Das Gesundheitsamt

Apropos Gesundheitsamt: Ich erhielt niemals einen Anruf vom Gesundheitsamt meiner Kontaktperson Alex. Erst 7 Tage nach der Infektion der Kontaktperson erreichte mich ein Brief mit der Quarantäne-Anordnung. In meinem Fall hatte mich die Kontaktperson ja selbst informiert – aber was, wenn sie das nicht gewollt oder gekonnt hätte? Nach einigen Tagen rief ich bei meinem Gesundheitsamt bei der Corona-Hotline an. Die Dame dort klang schon mit den Nerven am Ende, bevor ich überhaupt den Sachverhalt geschildert hatte. Ich sollte doch bitte eine E-Mail an die Hotline schreiben. Das tat ich umgehend – und tatsächlich meldete sich schnell eine Dame vom Gesundheitsamt Frankfurt. Ich sei nur als Verdachtsfall registriert und solle das positive Ergebnis zusenden.
Ich scannte also den Test der KV Hessen ein und tatsächliche meldete sich am Tag danach ein Herr vom Gesundheitsamt. Dieser war sehr freundlich, fragte nach Symptomen und sagte, er würde sich dann – am Ende meiner Absonderung – melden. Also zwei Tage später. So lange hatte es gedauert, bis mein Fall bei den Behörden vorgedrungen war. Der Anruf am nächsten Tag um halb 9 war eine Erlösung und das Einzige, was in dieser ganzen Geschichte wirklich funktionierte. Die ganze Zeit über hatte niemand kontrolliert, ob ich wirklich zu Hause war.

Lichter im Nebel

Versagen 3: Die Gesellschaft

Während also meine Erkrankung sehr mild verlief, empfand ich sie psychisch als auch bürokratisch als traumatisch. Ich hatte eine Erkrankung, vor der mich die von der Regierung veranlassten Maßnahmen nicht hatten schützen können. Und über die hochgepriesene Corona-Warn-App konnte ich Zufallsbegegnungen auch nur im zweiten Anlauf warnen. Daraufhin wurde ich von den zuständigen Behörden weder informiert noch wäre mein Fall ohne meine Eigeninitiative registriert worden.
Das bedeutet einerseits, dass ich ohne Verantwortungsgefühl meinerseits sehr lange munter durch die Gegend hätte spazieren können. Ich will nicht wissen, wie viele Menschen genau das tun.
Andererseits aber ist dies ein Versagen des Staates. Ich habe nie erwartet, dass das in diesem Staat alles perfekt läuft – aber ich erwarte doch, dass es genügend Fangnetze geben sollte, die das Versagen der einen Institution abfangen kann. In meinem Fall waren zwei Gesundheitsämter involviert. Das im Kreis von Alex und das von mir. KEINES der beiden hatte sich bei mir gemeldet. In der App fehlen konkrete Verhaltenshinweise für Infizierte. Ein Tool, das 18 Millionen Menschen erreichen würde. Um es kurz zu machen: Ich fühlte mich allein gelassen mit einer tückischen Erkrankung. Als sei ich kein Teil dieser Gesellschaft. Und ohne meine Familie und meinen Freundeskreis wäre ich vermutlich verzweifelt.
All dies passierte in der Zeit des „leichten Lockdowns“ vor Weihnachten. Die Klassensäle waren voll, die Kinder froren bei offenen Fenstern. Merkel empfahl Kniebeugen. Die Innenstädte waren voll, Büros waren voll, die Glühweinstände waren voll. Als ich wieder raus durfte, waren die Bürgersteige hochgeklappt, die Welt stand still – doch die Zahlen stiegen weiter.

Versagen 4: Die Maßnahmen

Was nach meiner Erkrankung bleibt, ist Verständnislosigkeit. Die Impfungen rollen nur schleppend an, viele ältere Menschen wissen gar nicht, wann, wo und wie sie geimpft werden sollen. Immer noch werden Arbeitnehmende ohne Not gezwungen, in die Büros zu fahren, statt sicher im Home Office zu bleiben. Digitale Lösungen für die Schulen werden als „kein Ersatz“ für Gruppenkuscheln im Klassenzimmer abgetan. Kassierer:Innen sitzen noch immer ohne Maske hinter halbherzig aufgestellten Plexiglaswänden. Gyms sind geschlossen, aber am Skilift drängeln sich Menschen. Reisende aus aller Herren Länder werden nicht getestet, die Quarantäne nach der Ankunft nicht überprüft. Während sich Coronaleugner:innen ohne Maske versammeln dürfen, können wir, die Verantwortungsbewussten, nicht dagegen antreten. Ihre Thesen landen im Fernsehen und ich wünschte, man würde daneben die Live-Bilder von den Intensivstationen zeigen. Von den Särgen in Sachsen. Von den Pflegenden im Burnout. Von den Trauernden am Grab.

Wir haben diese Krise nicht im Griff.

*Um ihre Anonymität zu wahren, werde ich sie hier Alex nennen und als „sie“ (von „die Kontaktperson“) bezeichnen.
Rhein mit Hochwasser.

Veröffentlicht von

zellmedien.de

Mein Name ist Anna Müllner, ich bin Biologin und habe in der Krebsforschung promoviert. Ich wohne im schönen Hessen und bin als PR-Beraterin für Gesundheitskommunikation tätig. Nach meinem Abitur beschloss ich Biologie zu studieren. Das tat ich zunächst an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die weder in Bonn ist, noch am Rhein. Aber einer der drei Campusse liegt wirklich an der Sieg. Das letzte Jahr dieses Studiums verbrachte ich in Schottland, an der Robert-Gordon University of Aberdeen wo ich ein bisschen in die Biomedizin und die Forensik schnuppern durfte. Danach entschied ich mich für ein Masterstudium an der Universität Heidelberg in Molekularer Biotechnologie was ich mit der Promotion fortsetzte. Weitere Informationen und Möglichkeiten zu unterstützen finden Sie hier: https://linktr.ee/_adora_belle_

68 Kommentare

  1. Zitat: Wir haben diese Krise nicht im Griff.
    In der Tat. Das zeigt auch ihr detaillierter Gesundheits-Bericht. Allerdings waren zum Zeitpunkt als sie Erkrankten die Fallzahlen wohl schon so hoch, dass das Nachverfolgen jedes einzelnen Falles gar nicht mehr möglich war. Die Fallzahlen so ansteigen zu lassen war wohl ein Grundfehler. Aber auch an der App darf man seine Zweifel haben.

    Immerhin scheinen sie ohne Langzeitfolgen über den Berg gekommen zu sein – und auch Alex. Und ihre Eltern blieben verschont. Damit gehören sie zu den Glücklichen die jetzt alles hinter sich haben und die das auch wissen.

    Und sie bleiben uns ja als Bloggerin erhalten. Es ist also auch für uns gut ausgegangen.

  2. Sie haben sich über Monate vorbildlich – Maske tragen – gegen den Virus geschützt aber Sie trafen sich ungeschützt mit einer Person Alex, welche sich offensichtlich nicht an die bekannten Hygieneregeln gehalten hat.
    Damit haben Sie selbst absichtlich die Hygieneregeln missachtet und sich so angesteckt.

    Dem Virus war es egal, wie vorbildlich Sie sich in der Vergangenheit verhalten hatten – und er nutzte mit Alex seine Chance, sich weiter zu verbreiten/vermehren.

    Kurz gesagt – Sie selbst haben sich nicht an die Regeln gehalten (ungeschützter Kontakt mit Alex) und dann sind natürlich Staat/Behörden an der Virusverbreitung schuld (Versagen 1-4)!

    Ihr Beitrag zeigt das Problem: Man hält sich selbst nicht an die Regeln – aber Anderen wirft man groß ihr Versagen vor.

    • lassen Sie mich raten:
      Sie sitzen seit Feb2020 zu Hause, das Essen auf Rädern bringt der Zivi und schibt es unter der Tür durch, welches sie dann nochmal 5 min bei 250° im Backofen entkeimen. Den Müll werfen sie aus dem fenster(sonst müsste man Rausgehen)
      aber fenster aufmachen nur mit ffp3 Maske.

      Leuten vorwürfe machen tun sie auch nicht tun /Kalkofe
      und im Internet gleich drei mal nicht.

      Vorbildlich.
      Note 1.
      Setzen!

    • Nein, die Autorin hat sich an die gesetzlichen Regeln gehalten. Außerdem kann man vielleicht überlegen, ob die Infektion woanders her kam, wenn sich bei beiden in einem so engen Abstand Symptome bildeten.

      Wichtig ist, kein Shaming zu betreiben: Es gibt viele, die bei “nur Kopfschmerzen” oder so eben nicht zum Arzt gehen, um “keinen Wirbel zu machen”.

      Denn nur 10-20% der Covid-Infektionen sind tatsächlich vollständig symptomlos. Viele Symptome sind die typischen “joa, wenn ich jetzt so drüber nachdenke war ich tatsächlich schlapp an dem Tag und hatte Kopfschmerzen”.

  3. Ernüchternde Erfahrungen sehen für mich folgendermaßen aus:
    Ich fordere nun eine komplette Umgestaltung des gesellschaftlichen Miteinander, weg von der Symptomatik in “Wer soll das bezahlen?” und unternehmerischen Abwägungen von/zu “Arbeit macht frei”.

    Als erste Maßnahme die Re-Privatierung des Gesundheitssektors, damit beispielsweise Nachts wie Tags mehr und sehr viel besser bezahltes Personal als Bewohner/Patienten in den Pflege-/Krankeneinrichtungen sind, damit sehr schnell mehr Intensivstationen, Testlabore und Impfzentren geöffnet werden, vor allem um alle für die nötigen Maßnahmen regelmäßig zu testen, was das unnötige Sterben minimiert, USW.!!!

  4. Aber: Ernüchterung ist wie Bewusstseinsbetäubung eine Bürgerpflicht der “erfahrenen wie aufgeklärten” Wohlstands- und Gewohnheitsmenschen, die ihre vernunftbegabte Verantwortung leichtfertig zur “Bewusstseinsentwicklung” delegieren/übertragen an die Fachidioten und “Treuhänder” dieser Welt- und “Werteordnung”, möglichst immer mit Kreuzchen auf dem Blankoscheck.

  5. Ich könnte ein Theaterstück schreiben über meine Erfahrungen zu einem Coronatestversuch in der Anfangszeit. Nur durch Beharrlichkeit bekam ich einen. Was ich vorher erlebt habe, das ist würdig für ein Stück. Carl Valentin könnte es sich nicht besser ausgedacht haben.

  6. Ein sehr trauriger Bericht. Entspricht leider grob dem, was ich im Bekanntenkreis erlebt habe.

    Das grundsätzliche Problem ist, dass der Staat heute so mit Aufgaben überladen ist, dass die Politik schon seit langem keine Prioritäten mehr setzen und die Zielerreichung wirksam kontrollieren kann. Pandemiebekämpfung gehört zu den staatlichen Kernaufgaben – das MUSS in einem reichen Land funktionieren!

    Wir werden aber sehen, dass nach der bewältigten Seuche kein Verantwortungsträger zur Verantwortung gezogen wird – weder in Behörden noch in der Politik. Man wird die Probleme wie immer auf die komplexen Zuständigkeiten schieben und weiterwurschteln wie bisher.

    Und den Bürgern ist die Funktionsfähigkeit des Staates ja auch egal. Man wird die verantwortlichen Parteien weiter begeistert wählen.

  7. @Tim: “Das grundsätzliche Problem ist, dass der Staat heute so mit Aufgaben überladen ist, dass die Politik schon seit langem keine Prioritäten mehr setzen und die Zielerreichung wirksam kontrollieren kann.”

    Das grundsätzliche Problem ist die stete Kapitulation vor dem konfusionierenden System / vor der systemrationalen Symptomatik von/zu “Wer soll das bezahlen?”, dass führt nur zu Aktionismus in stumpf- wie blödsinnigen Maßnahmen und herkömmlich-gewohnter Schuld- und Sündenbocksuche – Der Markt regelt offensichtlich nichts zu/in einem wirklich-wahrhaftig vernünftigem Maß, das kann nur eine Demokratie in grundsätzlichem Gemeinschaftseigentum und zweifelsfrei-eindeutigen Wertigkeiten OHNE …!?

  8. Danke für den Erfahrungsbericht – die Situation an der Messe habe ich mir genau so vorgestellt …

    Da hätte ich noch eine nit zu picken: “Auch eine Quarantäne-Anordnung des Gesundheitsamts ist kein Grund, der Arbeit fern zu bleiben” ist nicht richtig. Arbeiten muss man schon, wenn man nicht (telefonisch) krank geschrieben ist, aber nur wenn das am Quarantäneort möglich ist (also Home-Office.

    Dienstherren dürfen Angestellte in Quarantäne nicht aus dem Quarantäneort an einen Arbeitsplatz rufen. Das IfSG sieht in §30 ausschließlich eine Absonderung an einem geschlossenen Ort vor (was normalerweise ein Krankenhaus wäre, nur ausnahmsweise das eigene Zuhause). Da darf man nicht raus und auch (mit Ausnahmen) niemand rein.

    Eine entsprechende Info auf dem Verhaltensmerkblatt, das der/die Absonderling (hoffentlich) vom Gesundheitsamt erhält wäre natürlich hilfreich. Ich hoffe jedenfalls nicht, dass der/die Vorgesetzte bei ihnen oder Alex Erscheinen am Arbeitsplatz eingefordert und evtl. sogar mit Konequenzen gedroht hat. Die Frage ob/was daraus folgen würde überlasse ich den Juristen obwohl sich das der Laie auch denken kann. Eine Umfrage, ob so was häufiger vorkommt würde mich interessieren.

    Siehe z.B.:
    https://www.lokalkompass.de/dorsten/c-ratgeber/negativer-test-beendet-die-quarantaene-nicht_a1472993
    https://www.juris.de/jportal/nav/juris_2015/aktuelles/magazin/coronavirus-quarantaene-arbeitsrecht.jsp

    Die CWA ist leicht zu kritisieren, weil es am Medienbruch mit den Testzentren immer noch zu häufig hakt. Dabei ist sie eigentlich (als System und App) ziemlich gut geworden. Wenn man ein Problem hat sind sowohl der Support als auch die Entwickler sehr responsiv und tatsächlich bereit Verbesserungen aufzunehmen. Schon an der Hotline geht das gut und mutige können ihr Problem auch zwanglos auf Github schildern. (Ja, probiert.)

  9. @tim @hto
    Dem ´Staat´ irgendeine Schuld oder ein Versagen vorzuwerfen, zeigt dass man das Kernproblem nicht verstanden hat.

    Der Corona-Virus breitet sich aus, wenn sich Menschen falsch verhalten – wie dies am einführenden Beispiel Müllner/Alex deutlich erkennbar ist.

    Der Staat kann Gesetze bzw. Anordnungen erlassen und Virologen können Ratschläge geben – aber dies nützt alles nichts, wenn sich die Bürger nicht daran halten. Dem Virus sind Gesetze/Anordnungen egal – sobald er einen geeigneten Wirt findet, kann und wird er sich vermehren.
    z.B.
    Im letzten Jahr haben viele Gaststätten mit erheblichem finanziellen Aufwand die angeordneten Hygienemaßnahmen umgesetzt – aber viele der Gäste haben dann falsche Kontaktdaten angegeben, so dass eine Nachverfolgung von Infektionsketten durch die Gesundheitsämter nicht möglich war. Solch unsinniges Verhalten ermöglichte es dem Virus, sich zu verbreiten.

    • @KRichard: “Im letzten Jahr haben viele Gaststätten mit erheblichem finanziellen Aufwand die angeordneten Hygienemaßnahmen umgesetzt …”

      Erstens war das eine dieser blödsinnigen und gefährlichen Maßnahmen.

      Zweitens kann man auch diese Betriebe wenn nötig nach der Krise verstaatlichen, wo die jetzigen Betreiber ihre Leidenschaft (so sollte es doch wohl sein!?) als Geschäftsführer weiterführen können – HartzIV hat schon sehr sehr viele Menschen die ihren Arbeitsplatz in einer Krise verloren haben aufgefangen!?

    • Ich erwarte von meinen Namensvettern, dass sie ihre Meinung auch mal zuende denken und nicht vergessen zu welchem Zweck wir Leute eigentlich in politische Ämter wählen…

      Denn die Leute taten letztendlich, was erlaubt bzw. verordnet war. Warum sollten sie auch aufpassen? Wenn es problematisch wäre, hätte man es ja verboten! Wieso sollte ich mich bevorzugt daheim aufhalten, wenn Kinder und Jugendlich sich weiterhin in überfüllte Klassen zwängen sollen?

      Leuten ein Gefühl von falscher Sicherheit, bzw. von Unsicherheit (je nach individueller Interpretationsweise) zu geben, und sie im Umgang mit der Pandemie in allen Belangen (regulativ wie auch organisatorisch, etc.) allein zu lassen IST ein Versagen des Staates. Natürlich ist das Verhalten der Bürger mitentscheidend, aber das Problem ist ja gerade, dass haufenweise Leute, die letztendlich nur taten, was erlaubt ist/war zu wandelnden Virenbomben werden, und damit auch Leute anstecken können, die so vorsichtig wie möglich waren und vielleicht nur zum Einkaufen vor die Tür gegangen sind.

      Die Maßnahmen und Regelungen sind die Leitplanken, die uns durch die Pandemie führen sollen. Sind diese nicht da, macht jeder, was er will und kann. Zumal die laschen Regeln im Prinzip verantwortungsloses Handeln sanktionsfrei ermöglicht hatten. Wie sollen Ordnungsämter durchgreifen, wenn das moralische Fehlverhalten nicht verboten ist? Wie sollen Gesundheitsämter effektiv arbeiten, wenn diese zum einen keine anständigen Anweisungen bekommen und nach eigenem Gusto handeln müssen und zum anderen dank der “Maßnämchen” in eine Situation geraten, in der sie nicht mehr hinterherkommen?
      Politiker sind nicht nur zur Zierde im Amt.

    • Dem ´Staat´ irgendeine Schuld oder ein Versagen vorzuwerfen, zeigt dass man das Kernproblem nicht verstanden hat.

      Das nach mittlerweile fast einem Jahr die Gesundheitsämter immernoch überlastet sind und scheinbar nur rudimentär funktionieren, ist nicht Versagen des Staatsapparates?

  10. @ KRichard

    Dem ´Staat´ irgendeine Schuld oder ein Versagen vorzuwerfen, zeigt dass man das Kernproblem nicht verstanden hat

    .

    Ach ja?

    Das RKI hat den Beginn der Epidemie nachweislich verschlafen und die Gefährlichkeit lange geleugnet. Das Bundesinfektionsschutzgesetz war mangelhaft und musste mitten in der Krise nachgebessert werden (es ist übrigens noch immer nicht gut). Die Notfallpläne waren weitgehend Papiertiger und wurden nie belastbar geprobt. Es gab und gibt keine repräsentativen Erhebungen zur Ausbreitung der Pandemie. Das Testregime ist bestenfalls lückenhaft. Die Gesundheitsämter sind bis heute mangelhaft ausgestattet. Die Politik hat von Anfang immer nur reagiert (meistens zu spät) und nie versucht, die Krise strategisch aktiv zu gestalten.

    Das sind alles gravierende Fehler der Politik und der Behörden, an denen der Bürger nicht die geringste Schuld trägt.

    Gesamtnote: eine 5, aber nur mit viel Wohlwollen.

    Ich kann alle verstehen, die sauer auf die Verantwortungsträger sind.

  11. @Tim 13.01. 09:35

    „Pandemiebekämpfung gehört zu den staatlichen Kernaufgaben – das MUSS in einem reichen Land funktionieren!“

    Offenbar etwas zu viel verlangt. Ein besonderes Problem an Corona ist wohl, dass es ziemlich viele symptomlose Infizierte gibt, die dennoch andere anstecken können. Die derzeitigen Konzepte der Gesundheitsämter sind relativ uneffektiv, weil sie genau darauf nicht wirklich vorbereitet sind.

    Andere Länder in Asien ermitteln nicht nur die Personen, die ein positiv Getesteter eventuell angesteckt hat, sondern suchen auch rückwärts, wo sie sich eventuell angesteckt haben. Wenn sie da eine Person gefunden haben, ist das oft ein Superspreader, und wenn man dann guckt, wen der noch angesteckt hat, wird man sehr viel häufiger fündig. Wenn man die dann testet, kann man entsprechend mehr symptomlos Infizierte identifizieren, und damit die Ausbreitungsraten entsprechend mehr reduzieren.

    Auch zeigen hier die im Artikel gemachten Erfahrungen, dass es beim Nachverfolgen vor allem auf Schnelligkeit ankommt.

    Entsprechend relevant wäre es, dass man mit einer besseren und von Allen benutzten Coronaapp dieses Nach- und Rückverfolgen wesentlich automatisieren könnte, um dann auch bei Neuinfektionsraten von mehr als 50 pro 100.000 in einer Woche weiter handlungsfähig zu bleiben. Für die nächste Pandemie wäre es womöglich möglich, hier entsprechende Apps und teilautomatisierte Verfahren zu entwickeln, die die Gesundheitsämter verwenden, so dass um Größenordnungen mehr Fälle abgewickelt werden können.

    Und auch gibt es außerhalb der Risikogruppen eine so geringe Gefährdung, dass hier diese Personen eigentlich fast nichts zu befürchten haben. Soweit ich das überblicke, ist das Risiko einer normalen Grippe für einen gesunden 30-Jährigen eher größer als das von Corona, was die tatsächliche Sterblichkeit im Falle einer Infektion angeht. Corona konzentriert sich hier eben sehr auf stark Vorgeschädigte.

    Diese besondere Risikoverteilung führt natürlich dazu, dass die Menschen außerhalb der Risikogruppen kaum für sich selbst vorsorgen, wenn sie Kontaktbeschränkungen umsetzen, Masken tragen oder sich vorsorglich testen lassen. Man tut das hauptsächlich, um eben die Risikogruppen zu schützen. Das macht einen Unterschied, was die Akzeptanz der Schutzmaßnahmen angeht, aber auch rechtlich ist das nicht egal.

    Ein anderes moralisches Problem besteht darin, dass die meisten Coronatoten ohnehin schon recht hinfällig waren, und eher nur Monate als Jahre noch vor sich hatten. Inwieweit das jetzt einen moralischen Unterschied macht, was die Angemessenheit von Gegenmaßnahmen angeht, das ist eine nicht so einfache Frage.

    Aus Sicht der Ärzte ist die Sache aber einfacher: der Coronakranke, der ins Krankenhaus muss, belastet hier die Ressourcen immer gleich, egal wie lange er ohne Corona noch zu leben gehabt hätte. Die Mediziner werden also in jedem Fall Alarm schlagen, wenn ihre Intensivstationen überlastet sind.

    Über nichtmedizinische Maßnahmen muss aber die Politik entscheiden, und auch der Bürger muss und darf sich selber überlegen, welche Maßnahmen angemessen sind. Einen Automatismus, der die Sicht der Mediziner zum Gesetz macht, der ist jedenfalls nicht zu begrüßen, meine ich. Die Mediziner haben sicherlich die höchste Kompetenz, aber eben auch ihre spezifischen Spezialinteressen.

    • @Tobias Jeckenburger (Zitat): “ Für die nächste Pandemie …“
      Gäbe es einen Test für einen Euro, der in 5 Minuten anzeigt ob man infiziert ist, könnte ein Staat, der solche Tests durchsetzt, der also beim Zusammenkommen von Menschengruppen solche Tests erzwingt , eine Pandemie verhindern.

      Und ja, es gibt Ansätze in diese Richtung. Solche Tests sind in Entwicklung. Eine nächste Virus-Pandemie muss es also nicht mehr geben. Alles was es braucht ist eine Umsetzung von heutiger Forschung in zukünftige Realität.

  12. @KRichard

    Zu den Kontaktdaten-Listen in Gaststätten: es sollte nicht verwundern, dass misstrauische Leute falsche Daten angegeben haben. 1. konnte jeder die Listen einsehen, so dass z.B. stalking vorprogrammiert war. 2. hatten die Behörden nichts eiligeres zu tun, als diese Listen zweckfremd zu nutzen. Argument: da die Listen nun einmal da sind, sollte z.B. die Polizei auch nutzen dürfen.
    Das wird nach erfolgter Aufweichung des Datenschutzes mit der CWA ebenso passieren. Wenn die Trackingdaten einmal “da” sein werden, wird es nicht einzusehen sein, weshalb die Polizei die nicht nutzen darf … Dann werde ich die App deinstallieren.

    • @Pollo: Ich kann dem nur beipflichten. Ich bekomme aufgrund der Impressumspflicht mittlerweile Post von Coronaleugner:innen.
      Nach Einführung der Kontaktdatenlisten in Gaststätten wurden diverse Frauen danach von den Kellnern aus “romantischem Interesse” kontaktiert. Ich kenne keine Frau, die das schmeichelhaft fände.

      • Ich möchte nicht vergessen, mich bei Ihnen für Ihre Schilderung zu bedanken. Ich hoffe, sie erreicht einige Verharmloser einerseits und Behörden-Verantwortliche andererseits.
        Mir sind mittlerweile ähnliche Fälle unter meinen Freunden bekannt. Eine Bekannte, Gynäkologin, hat in Ihrer Praxis schon mehrere Patientinnen mit überstandener Covid-19 im Alter von 30-60. Alle leiden noch nach Monaten (nun gut, die vollständig Gesundeten kommen eher nicht in die Praxis).
        Mehrere “Begegnungen” gab es auch schon, in keinem Fall wurde die Praxis vom Gesundheitsamt informiert, in einem Fall aber über die App, in den anderen Fällen von den Patientinnen, davon einmal als Begründung für die Absage eines Termins. Bei Nachfrage beim Gesundheitsamt empfahl man der Praxis, dass alle Mitarbeiter inklusive Ärztin sich als Verdachtsfälle zu Hause quarantänisieren sollten (also z.B. Paare in getrennten Zimmern schlafen), aber ihre Arbeit unbeschränkt weiter mit den Patientinnen machen sollten. Das wird so ohne Erklärung als Anweisung an gereicht und die Betroffenen stehen verständnislos vor diesem für sie unaufgelösten Widerspruch.

      • @Pollo @Anna Müllner

        Die Zeit des ersten Lockdowns (wir können inzwischen ja schon im historischen Duktus darüber sprechen) war schon eine goldene für den Datenschutz – natürlich bisschen kurz. Die Kontaktdatenlisten sind ein echt tolles Praxisbeispiel was passieren kann, wenn Daten erstmal da sind – Zweckbindung und – meist zu unterstellender – sorgfältiger Umgang hin oder her. Wir Datenschützer konnten dem Zugriff durch die Polizei im Wesentlichen nur verärgert zuschauen (wenn auch Landesinnenministerien die Praxis teilweise unterbunden haben).

        Ein anderes humoriges Beispiel sind Hygienekonzepte von Sprotvereinen und -verbänden, die das Ausfüllen lustiger Fragebögen “wo waren sie in den letzten zwei Wochen”, “wie ist Ihr Gesundheitszustand (Details”, “Leben sie mit einem Trainingspartner in häuslicher Gemeinschaft” (letzteres kein Witz) beinhalten. Und wird der Umgang mit solchen Daten ehrenamtliche auf dem Land (und natürlich auch in der Stadt) aufgebürdet. Das kann für viel Freude bei der Einladung zum nächsten Kindergeburtstag oder der nächsten Beauftragung eines örtlichen Handwerkers sorgen. Fanden der HBDI und ich nicht so lustig.

        Daher nochmal Werbung für die Warn-App: Tut im wesentlichen was sie soll und schützt persönliche Daten so gut es nur geht. Bitte mehr nutzen und weiter verbessern. Sollte sich aber die “wer nichts zu verbergen hat …” (gruslige Einlassungen von Sascha Lobo und Melanie Brinkmann bleiben mir im Gedächtnis) Fraktion doch durchsetzen, bin ich beim Deinstallieren und notfalls Phone kaputttreten dabei.

  13. @ Tobias Jeckenburger

    Entsprechend relevant wäre es, dass man mit einer besseren und von Allen benutzten Coronaapp dieses Nach- und Rückverfolgen wesentlich automatisieren könnte

    Das Grundproblem solcher Apps ist, dass sie vor allem von denjenigen Leuten genutzt werden, die sich ohnehin kooperationswillig im Sinne der Eindämmungsmaßnahmen verhalten und vermutlich im Durchschnitt geringere Infektionsraten aufweisen. Wer Corona für Quatsch hält und weder sich noch andere schützt, wird die App erst recht nicht installieren. Von daher halte ich die Schutzwirkung der App für stark überschätzt.

    • @Pollo: Gerade bei Sportvereinen fühlt man sich gelinde verarscht. Vereine und eben zB auch mein Gym, ein privates Unternehmen, fürchten um ihre Zukunft – und sehen dann wie Leute, die nicht ins Büro müssten, gezwungen werden, hinzugehen. Weil es schöner aussieht wenn die Tische voll sind. Und am Skilift tummeln sich Menschen aus aller Herren Bundesländer. Und in dn Schulen sitzen die Kinder dicht gedrängt.
      Während dessen kann Erna ihr Nähgeschäft nicht öffnen und Hubert seine Kneipe trotz Luftfiltern nicht betreiben.

  14. Ebenfalls @KRichard

    Das Falschverhalten ist meines Erachtens leider auch dadurch vorprogrammiert, dass die Kommunikation durch die Behörden von unmündigen Menschen ausgeht. Es ist mittlerweile bekannt, dass Sars-Cov-2 hauptsächlich über Tröpfcheninfektion/Aerosole übertragen wird. Eine Ansteckungs-Vermeidung ist daher *nur* durch Vermeidung von Kontakten möglich. Es gibt keine andere “phantasievolle” Lösung, wie z.B. von einer” Welt”-Autorin in einer Talkshow gefordert wurde. Warum wird dies nicht als Mantra immer wieder allen Menschen verdeutlicht?
    *Alle* “Erleichterungen”, die auf eine Ermöglichung von Kontakten zielen, schränken die Vermeidungswirkung ein. Dazu gehört die (sinnvolle) Maskenpflicht, weil die auch nur das Risiko verringert, nicht verhindert. Dazu gehören auch Schulöffnung, Präsenz am Arbeitsplatz, Einkaufsgetümmel und so weiter. Die Einschränkungen sind immer ungerecht und unlogisch, weil sie einzelne Bereiche oder Personen von der Kontaktbeschränkung ausnehmen und andere nicht. Jede einzelne Ausnahme ist eine besondere Abwägung zwischen aus anderen Gründen hinzunehmendem Risiko und Schutz vor Verbreitung. Gleiche Lastverteilung für alle ist nicht möglich, das Virus wägt nicht ab, ob jemand schon zu viel belastet wurde und andere weniger.
    Ich glaube (hoffe), dass die Menschen hier eher bereit wären, auf die Schlupfloch-Suche zu verzichten, wenn man sie über das Prinzip der Anweisungen aufklärt.
    Corona-Leugner oder -Verharmloser wird man allerdings nicht erreichen können.

  15. Tim ,
    Schuld und Unschuld
    Die Staatsbediensteten wurden von dem Pandemie genauso überrascht wie Du und Ich. Und die Staatsbediensteten sind auch keine besonderen Menschen, die sind genauso klug wie Du und Ich.
    Also was erwartest du ?

    Wir können nur gemeinsam aus der Krise lernen. Aber……man kann von den Verantwortlichen (nicht für Corona, sondern die Einhaltung von Gesetzen im Krisenfall) Führungsstärke verlangen.

    Führungsstärke heißt, dass man eine getroffene Strategie weiterverfolgt, bis sie Wirkung zeigt. Dabei mangelt es bei uns.
    Die Kontaktbeschränkungen müssen durchgesetzt werden, notfalls mit hohen Strafen, bis hin zu Gefängnis !

    • @hwied: “Führungsstärke heißt, dass man eine getroffene Strategie weiterverfolgt, bis sie Wirkung zeigt.”

      Wirklich-wahrhaftige Führungsstärke heißt, dass man Fehler im Sinne der Verpflichtung zu Demokratie verantwortungsbewusst überwindet, was unsere Lobbyisten des imperialistischen Erbensystems so gut wie nie tun – so ist es auch Heuchelei etwas zu erwarten, was logisch in der Symptomatik des Systems nicht zu erwarten ist.

      Nach Corona wird es Kommunikation zu wirklich-wahrhaftiger Demokratie geben, oder wir werden wieder die logische Eskalation eines zeitgeistlich-reformistischen Kreislaufes erleben.

  16. @ hwied

    Die Staatsbediensteten wurden von dem Pandemie genauso überrascht wie Du und Ich.

    In der Tat. Die Profis wussten nicht viel mehr als wir und waren auch nicht viel besser vorbereitet. Keine Glanzleistung. Wie wird das wohl erst z.B. bei einem massiven Blackout?

    Also was erwartest du ?

    Nicht mehr viel.

  17. @1AUSFfM 13.01. 16:09

    „Daher nochmal Werbung für die Warn-App: Tut im wesentlichen was sie soll und schützt persönliche Daten so gut es nur geht. Bitte mehr nutzen und weiter verbessern. Sollte sich aber die “wer nichts zu verbergen hat …” (gruslige Einlassungen von Sascha Lobo und Melanie Brinkmann bleiben mir im Gedächtnis) Fraktion doch durchsetzen, bin ich beim Deinstallieren und notfalls Phone kaputttreten dabei.“

    Gerade ein Vernetzen der App mit dem Vorgehen der Gesundheitsämter, also halbautomatische Identifizierung von Superspreadingereignissen, Empfehlungen, Anweisungen bzw. Einladungen zu Tests, erscheint mir als effektiv, weil eben schnell. Dummerweise hat sich der Staat längst selbst disqualifiziert, was den Datenschutz angeht. Sowohl was die Weitergabe an andere Ämter und Behörden angeht, als auch die Sicherheit gegenüber Dritten bzw. irgendwelchen Hackern.

    Allerdings ist es auch sonst fatal, in welchem Ausmaß hier die internationalen Datensammler nach wie vor praktisch machen können, was sie wollen. Da kann man sich echt fragen, ob die Corona-App überhaupt was zur Sache tut, wenn ich ohnehin je eine Trackingsoftware von gleich fünf verschiedene Datensammlern auf dem Smartphone habe, die mich rundherum ausspionieren und meine Daten in jeglicher Weise zur Auswertung weitergeben und weiterverkaufen können.

    Kaputttreten wäre zu bedenken. Brauch ich aber nicht, in der Konsequenz habe ich gar kein Smartphone. Ich hab hier meine Rechner zuhause, und gehe damit gerne auch per Linuxlifesystem ins Netz. Ich bin wenig unterwegs, und dann eher als Radfahrer, da brauche ich eigentlich keine Internetverbindung, kostet ja auch extra, und das Geld spar ich mir lieber.

    Tja, die haben inzwischen von den meisten sowieso schon fast alles schön fein säuberlich archiviert. Dann ist es irgendwann auch egal.?

  18. Tim,
    zu viel sollten wir nicht erwarten, Zustimmung.
    Aber, die Menschen sind erfinderisch , wenn es um das Geldverdienen geht.
    Ich bin mal gespannt, wenn die erste Vollmaske auftaucht, also eine die von außen mit Sauerstoff versorgt wird. Dann tragen wir alle Sauerstoffflaschen oder Atemluftflaschen auf dem Rücken, wie die Taucher.
    Dann kaufen wir uns einen Kompressor mit Filter und machen einen Verleih für diese Atemluftflaschen auf.
    Den Filter nennen wir Coroex und lassen uns den Namen schützen.

  19. Ehrlich gesagt, ich versteh’s nicht, was vielleicht daran liegt, dass mir von Kindesbeinen an beigebracht worden war, dass ich für mich, meine Entscheidungen und mein Verhalten verantwortlich bin – und auch für die Konsequenzen.

    Zur Sache: Ich wurde Ende Februar zum dritten Mal in diesem Winter krank – im November eine Bronchitis, zwischen den Feiertagen eine Erkältungsgrippe und jetzt schon wieder, nur anders als bisher. Und ich dachte, das ist die merkwürdigste Grippe, die ich je hatte. An Corona dachte ich noch gar nicht, es hieß ja immer noch, Asien, speziell China sei betroffen. Dass es diesmal so viel schlimmer war, schob ich darauf, dass ich mich zuvor nicht richtig auskuriert hatte. Drei Tage lang war ich so krank, dass ich nur noch sterben wollte, was nicht ging, weil ich meinen Mann versorgen musste. Ich hatte keine Gliederschmerzen, wie bei einer normalen Grippe, ich hatte entsetzliche Nervenschmerzen. Da ich das Restless Legs Syndrom habe, konnte ich ohnehin nur kurz im Bett bleiben, das Opiat, das ich wegen des RLS bekomme, wirkte nicht mehr. Da habe ich dann erst einmal die Dosis drastisch erhöht, um überhaupt kurzfristig auf den Beinen bleiben zu können. Mein Mann verstand nicht, dass ich ihn auf Abstand hielt, meine Töchter wollten kommen, um mich zu pflegen und den Vater zu versorgen – ich sagte, es kommt mir keiner ins Haus bis ich wieder fit bin, ich will keinen anstecken. Der Arzt schickte am dritten Tag eine Sprechstundenhilfe vorbei, die mir eine Infusion gab, danach wurde es langsam besser, aber …
    Ich stellte fest, ich schmecke nichts mehr, mein Mann musste stets probieren und wir wunderten uns, weil ich gar keinen Schnupfen hatte. Und ich erholte mich auch nicht mehr so schnell wie sonst – geblieben ist bis heute eine körperliche Schwäche, die mich zwingt, mich am Tag zwischenzeitlich hinzulegen; die Geschmackslosigkeit ist nur teilweise verschwunden, Süßes, Gemüse und Obst schmecke ich wieder, aber Saucen, Suppen etc. nicht mehr. In den drei Tagen habe ich 7 Kilo abgenommen, es hatte auch die Schilddrüse erwischt, aber zu mener Überraschung konnte ich das Opiat problemlos herunterfahren, ohne Entzugserscheinungen bekommen zu haben, naja, ich hatte die hohe Dosis auch nur kurz genommen.
    Aber: ich habe niemanden in meiner unmittelbaren Umgebung angesteckt, obwohl damals noch niemand Masken getragen hat. Erst später erfuhr ich, dass ich Corona hatte.

    Einer meiner Söhne aber fand damals im Internet ein Szenarienpapier der Bundesregierung, herausgegeben im März vom Innenministerium, hat es vorsichtshalber ausgedruckt.
    Inzwischen ist die Seite vollständig überarbeitet, man findet es nicht mehr.
    In dem paper stand u.a.:”Das pandemische COVID-19-Virus ist für die Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland und Europa die größte Herausforderung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.(…)Die meisten Virologen, Epidemiologien, Mediziner, Wirtschafts- und Politikwissenschaftler beantworten die Frage «was passiert, wenn nichts getan wird» mit einem Worst-Case-Szenario von über einer Million Toten im Jahre 2020 – für Deutschland allein.(…)”
    Was also sollte getan werden?
    “1)
    Kommunikation: Der Worst Case ist mit allen Folgen für die Bevölkerung in Deutschland unmissverständlich, entschlossen und transparent zu verdeutlichen.
    2)
    Geschlossenheit: Die Vermeidung des Worst Case ist als zentrales politisches und gesellschaftliches Ziel zu definieren. Politik und Bürger müssen dabei als Einheit agieren.
    3)
    Nachvollziehbarkeit: Die Bürger müssen nachvollziehen können, dass folgende Maßnahmen nur mit ihrer Mithilfe zu ihrem Wohl umgesetzt werden müssen und können.

    a.
    Soziale Kontakte sind für eine bestimmte Zeit auf ein Minimum zu reduzieren (soziale Distanzierung) und ein Ende dieser Maßnahmen ist von der nachvollziehbaren öffentlichen Wirkung dieser Maßnahmen abhängig zu machen.”

    Das mit der Vermeidung hat offenbar nicht so geklappt, denn auch wenn es niemand aussprach, schoben die Leute Panik. Und was das Ende der Maßnahmen betrifft, das von einer nachvollziehbaren öffentlichen Wirkung abhängt, so ist dieses ja wohl in weite Ferne gerückt.

    Folgende Szenarien wurden beschrieben: 1.Schnelle Kontrolle
    2.Rückkehr der Krise 3.Langes Leiden, 4. Abgrund.

    So, wie es derzeit aussieht, sind wir wohl bei 3. und : ” Das vierte Szenario unterstellt eine unkontrollierte und unkontrollierbare Entwicklung. Eine Eindämmung der Virusepidemie gelingt nicht. Ausgangsbeschränkungen werden für den Rest des Jahres festgeschrieben. Dies bedeutet eine dauerhafte Reduktion der wirtschaftlichen Aktivität auf ein niedrigeres Niveau. Unterstellt ist eine weitere Verringerung der Wirtschaftsleistung nach vier Monaten mit Ausgangsbeschränkungen.
    In dieser Situation würde das BIP um 32 Prozent einbrechen, die Industrie um 47 Prozent. Bei weiteren sich verstärkenden Zweitrundeneffekten und sich festsetzenden Negativerwartungen wäre eine beschleunigte Abwärtsdynamik nicht auszuschließen. Dieses Szenario kommt einem wirtschaftlichen Zusammenbruch gleich, dessen gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen kaum vorstellbar sind.”

    Die Eindämmung ist nicht gelungen, die Ausgangsbeschränkungen wurden nicht nur bis Ende des Jahres, sondern bis ins neue Jahr festgeschrieben und können bis Ostern dauern…

    Wie gesagt, ich versteh’s nicht
    Seit März wissen sie, was auf uns zukommt und haben es mit den vorgeschlagenen Maßnahmen geschafft, sich bis zu Szenario 3 vorzuarbeiten, statt sich zu überlegen, wie sie hätten vorgehen müssen, um zu erreichen, was sie sich mit dem Titel des papers vorgenommen hatten:
    “Wie wir Covid 19 unter Kontrolle bekommen”.

    Ich fühle mich an Dörners “Logik des Misslingens” erinnert.

  20. @Trice 13.01. 21:03

    Folgende Szenarien wurden beschrieben: 1.Schnelle Kontrolle
    2.Rückkehr der Krise 3.Langes Leiden, 4. Abgrund.

    Ich vermute mal, dass der schnelle Rückgang der Infektionszahlen nach dem Frühlingslockdown auch auf das Frühlingswetter zurückzuführen war. Im Sommer dann blieben insbesondere die Todeszahlen bis in den September bei um die 5 pro Tag in ganz Deutschland niedrig. Die Neuinfiziertenzahlen waren weniger deutlich, was vermutlich auch darauf zurückzuführen war, dass gegenüber dem Frühjahr viel mehr getestet wurde. Ich schätze mal, dass die sommerliche Infektionspause vor allem auf das Sommerwetter zurückzuführen war.

    Nachdem wir dann im Oktober eine Verzehnfachung der Neuinfektionen hatten, so denke ich, dass das neben eventueller Ermüdung bei der Kontaktreduktion auch einfach am Ende des Sommerwetters lag. Im November konnte dann auch der 2. Lockdown nicht ausgleichen, das seit dem das immer kälter werdende Wetter die Weitergabe des Virus immer besser ermöglicht. Ein Ende ist hier auch kaum in Sicht, der nächste Frühling kommt erst im März oder April. Zumal auch die Infektionszahlen seit spätestens November so hoch sind, dass eine Kontaktverfolgung nur noch eingeschränkt möglich ist.

    Womöglich gelingt es doch noch die Zahlen wieder runterzubekommen, aber vielleicht sind auch schon die virulenteren Mutationen längst Teil unseres aktuellen Problems.

    Kann man nur hoffen, dass die Risikogruppen bald durchgeimpft sind, und dann wenigstens deutlich weniger Menschen sterben, und auch deutlich weniger schwer erkranken. Wenn die 10 % geimpft sind, die am meisten gefährdet sind, müssten die Todeszahlen bei gegebenen Infektionsraten um mindestens 90% zurückgehen. Auch dann, wenn sich die Mutanten noch richtig breit machen, und gegen alle Maßnahmen sich die derzeitigen Raten noch mal vervielfachen. Dann wäre es wohl überaus wichtig, dass sich die Risikogruppen auch impfen lassen. Hier wäre, sobald es genug Impfstoff und Impfpersonal gibt, wohl doch eine Impfpflicht für in etwa über 70-Jährige angemessen.

    Jedenfalls würde ich es nicht mehr einsehen, mit Kontaktbeschränkungen zu leben, wenn fast nur noch die krank werden, die sich trotz hohem persönlichem Erkrankungsrisiko nicht haben impfen lassen. Das wäre dann im Prinzip fahrlässigerweise selber Schuld auf eigenes Risiko. Da hört zumindest bei mir die Solidarität wirklich auf.

    Beim Übergang vom „3.Langem Leiden“ zum „4.Abgrunds“ käme schon die Unterwanderung des Abgrunds durch die Impfung der Risikogruppen in Gang. Und anschließend kommt nur noch eine recht entspannte Durchimpfung bis zur Herdenimmunität, was dann 5. Das Ende des Virus wäre.

  21. Eine laienhafte Frage:
    Wenn man alleine lebt, und wenn man bereits am Virus erkrankt ist:
    Ist in diesem Falle oftmaliges Lüften und oftmaliges Wechseln der Bettwäsche überhaupt nützlich?
    Streng genommen, ist die Wahrscheinlichkeit der Selbstansteckung mit Viren, die innerhalb des Körpers produziert werden, viel höher, als die Selbstansteckung mit Viren, die von außerhalb des Körpers zurück kommen.

    • @Karl:
      Mir ging es darum, die Viruslast so weit es geht zu verringern. In der Theorie atmet man Viren immer wieder neu ein – zB solche auf der Kleidung, im Bett etc. Auch andere Krankheitserreger können sich dort halten, Bakterien zB, die die Gunst der Stunde nutzen können, um die schon geschädigten Organe zu befallen. Im Bad können sich Viren sehr lange halten, aufgrund der Feuchtigkeit.

      Eine geringere Viruslast geht normalerweise mit einem milderen Krankheitsverlauf einher. Meine Mutter ist Krankenschwester und hat es bei allen meinen Kindheitserkrankungen so gehandhabt. Jeden Tag ein frischer Schlafanzug, ein frisches Bett und immer wieder Lüften. Es ist auch Standard in der Pflege von Menschen mit Infektionserkrankungen (vielleicht nicht der tägliche Wechsel, aber häufiger).

      Wissenschaftlich konkret belastbar ist es nicht, da spielen zu viele Variablen eine Rolle. Aber es gibt zwei andere Dinge, die positiv daran sind:
      *Man hat etwas zu tun und Gründe, aufzustehen.
      *Man hat wenigstens das Gefühl, ein wenig Kontrolle zu haben. Das ist psychologisch gesehen ganz sinnvoll.

  22. Die Pille einmal vergessen und nun schwanger? Schuld haben nun alle insbesondere die Pharmaindustrie, da das Grundproblem der Pille darin besteht, sie einnehmen zu müssen, d. h. mit einem gesunden Maß an Eigenverantwortung verbunden ist?

    Sie selbst haben das wirksamste Fangnetz der Regierung ad absurdum geführt indem Sie Ihre Maske nicht trugen. Man sollte meinen, dass zumindest eine ausgebildete Biologin allein mit ihrer Vernunft (und weniger mit dem Ego) angemessene Entscheidungen treffen kann. Wenn dem nicht so ist – was augenscheinlich der Fall ist – sollte man sich über Andere – die ggf. weniger Bildung und vor allem keinen Zugang zu wissenschaftlichen Daten und Fakten haben – nicht herablassend äußern. Seit April/Mai 2000 galten im Umgang mit anderen Menschen bestimmte Regeln (nicht nur Maskenpflicht!), um das Infektionsrisiko zu verringern. Ebenso seit Ende April 2020 galt im öffentlichen Nahverkehr sowie während eines Einkaufs Maskenpflicht. Trugen Sie eine Maske während Sie sich im öffentlichen Raum nach dem Weg erkundigten und Sie angeblich dazu verleitet wurden, die Scheibe herunter zu drehen? Trug die Dame eine Maske? Wenn nein, warum haben Sie sie nicht darauf aufmerksam gemacht? Sie als offizielle Wissenschaftsvertreterin (!) hätten eigentlich auch eine Vorbildrolle.

    Die Regierung hat Maßnahmen aufgrund wissenschaftlichen Erkenntnisse festgelegt. Die Drosten-Studie allerdings ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie zwiespältig der Umgang mit Daten, Verfahren und Kommunikation in der Öffentlichkeit ist und aufgefasst werden kann. Ich vermisse in Ihrer Auflistung das Versagen der Wissenschaft. Vor allem vermisse ich bei Ihnen jedoch ein grundlegendes Vermögen an Selbstreflexion. Sie beschweren sich über das verantwortungslose Verhalten von Coronaleugner haben aber selbst die eigene Entscheidungen auf die Maske verzichten zu wollen. Daher stellt sich die Frage, ob es Ihnen genauso nur um das geht wonach Coronaleugner buhlen…

    Ich kenne Patienten und Ärzte und Pfleger, denen die nackte Angst ins Gesicht geschrieben stand, als sie mit SARSCoV2und/oder schweren Verläufen zu tun bekamen. Im Vergleich hierzu erachte ich Ihre prätentiöse Anmerkung, den sehr milden Verlauf als psychisch traumatisch empfunden zu haben, als blanken Hohn.

  23. @Jeckenburger
    Sie haben einen wichtigen Punkt angesprochen:
    Jetzt sind staatlich verordnete Kontaktbeschränkungen noch gerechtfertigt, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Sobald im Sommer alle die Möglichkeit hatten, sich impfen zu lassen, sind Kontaktbeschränkungen nicht mehr zu rechtfertigen.
    Dann ist jede Person selbst für die eigene Gesundheit verantwortlich.

    Und noch ein Detail aus dem US-Wahlkampf:
    In einem TV-Bericht wurde gesagt, dass als Folge von Trump´s Wahlkampfveranstaltungen über 700 Leute wegen Corona gestorben sind. Das ist ein konkretes Beispiel wie Evolution funktioniert.

    • @KRichard (Zitat): „ In einem TV-Bericht wurde gesagt, dass als Folge von Trump´s Wahlkampfveranstaltungen über 700 Leute wegen Corona gestorben sind. Das ist ein konkretes Beispiel wie Evolution funktioniert“.
      Stimmt grundsätzlich wobei die Evolution wohl Parteiangehörigkeit und andere kulturelle Dinge kaum beeinflusst. Doch biologisch gesehen selektiert der Tod durch Infektion diejenigen, die die Infektion aus welchen Gründen auch immer überstanden haben. Unser komplexes, aus vielen Komponenten bestehendes Immunsystem verdanken wir solchem evolutionärem Druck.

  24. Martin Schmidt,
    Es ist lobenswert, dass Frau Müllner so offen über ihre Erkrankung gesprochen hat. Ich war selbst zu Beginn der Krise drei Wochen außer Gefecht, die Merkmale ähnelten sich nicht, was ich da hatte, das weiß ich nicht, zumal ich auch kein Fieberthermometer besaß. So K.O. wie damals, das war einzigartig.

    Wie sagt der Volksmund “nach dem Markt sind alle Weiber klug”. Nach diesem Vorbild urteilen Sie hier über Frau Müllner. Wem helfen Sie damit ?

    • @hwied

      Das Verhalten von Anna Müllner ist zu 100 Prozent verantwortungslos. Erst recht als Biologin musste sie bzgl. Corona im Bild sein. Es gab neben Regierungsbeschlüssen (Maskenpflicht) für jeden annehmbare Maßnahmen, um einer Infektion vorzubeugen (Abstand, Verzicht auf persönlichen Kontakt, etc.). Es gibt keinen vernünftigen Grund ihre Geschichte in irgendeiner Art zu heroisieren.

      JEDER sollte sich zunächst einmal an die eigene Nase fassen bevor er Andere für irgendetwas verantwortlich macht und ein einfältiges Bild zeichnet (so wie etwa Anna Müllner), denn damit ist niemandem geholfen. Ganz im Gegenteil. Die Kritik an (oder das Urteil über) Anna Müllner ist insofern berechtigt, da sie (offensichtlich, leider) ein Paradebeispiel an Gedankenlosigkiet darstellt und sie die alleinige Verantwortung für ihre Infektion trägt; aber so ziemlich alle Anderen in die Verantwortung nimmt (obwohl die Kosten für jeden Gedankenlosen wohl von der
      Allgemeinheit getragen werden müssen).

      Verstehen Sie das nicht falsch: Jene Personen, die zu Beginn der Corona-Pademie 2020 aufgrund Fehlens entsprechender Daten/Informationen erkrankten haben mein tiefstes Mitgefühl. Menschen – erst recht Wissenschaftler – die selbst nach 9 Monaten mit klaren, horrenden (Todes-)Zahlen ihr Ego nicht unter Kontrolle haben und in absurder Naivität glauben, sie würden über den Dingen stehen oder naturgemäss vor Corona gefeit wären sind in meinen Augen der Würde derer, die sich berufsbedingt um Corona-Erkrankte kümmern müssen, nicht wert.

      Wenn Sie während Corona jemals in die angsterfüllten Gesichter von Ärzten, Intensivmedizinern und Pflegepersonal hätten blicken müssen würden Sie das vielleicht besser verstehen. Anna Müllners Verhalten und Pamphlet ist eine schallende Ohrfeige für jene, die ihre Gesundheit für u. a. Gedankenlose aufs Spiel setzen.

      • Lieber Martin Schmidt,
        Ihre Methode, Martin Schmidt, die Problematiken in der Coronakrise zu individualisieren, ist nicht zielführend. Zum einen wissen wir schon lange, dass es schwierig ist, massenhaft individuelles Verhalten zu verändern. Sonst wären Klimawandel, Hunger, Armut und vergiftete Blogkommentare schon lange passé.
        Das Versagen der unterschiedlichen Maßnahmen hat allerdings weniger mit meinem individuellen Verhalten zu tun. Ich leite kein Gesundheitsamt, dass Kontaktnachverfolgungen versäumt. Ich bin für die Texte in der CWA nicht verantwortlich. Ich gestalte keinen digitalen Unterricht. Ich war nicht in der überfüllten Innenstadt, am Skilift, auf Anti-Corna-Demos, “weil es erlaubt war”. Sollten Sie, Martin Schmidt, hier doch sehen wie ich persönlich diese Regelungen, Maßnahmen und Programme hätte *konkret* verbessern können, dann sagen Sie dies doch bitte hier.
        Aber, lieber Martin Schmidt, was werfen Sie mir vor? Ich habe eine weitere Person besucht, einen auserkorenen Knuffelkontakt – sowie meine Eltern. Das sind 3 Personen, zwei davon leben in häuslicher Gemeinschaft. Martin Schmidt, ich hätte dies verschweigen können. Oder beschönigen. Verschwiegen habe ich nur die wahren Gründe meines Besuchs, Martin Schmidt. Fragen Sie sich nicht, Martin Schmidt, wieso ich, als Biologin, mit offensichtlichem Verantwortungsgefühl, diese 2 Besuche machte?
        Überlegen Sie mal, Martin Schmidt, ob es nicht auch dringliche Gründe geben könnte. Sie sind doch offensichtlich ein Mensch, der sich gut in das komplexe Leben anderer Menschen hineinversetzen kann, um mit dem Finger auf sie zu zeigen. Doch, Martin Schmidt, was mir wichtiger ist als Ihr Bild von mir, dass ist die Privatssphäre dieser Menschen.
        Ob diese Besuche wirklich notwendig waren – nur ich kann das beurteilen, Martin Schmidt. Ob ich diese Besuche im Nachhinein durchgeführt hätte, mit dem Wissen was folgen würde? Sicherlich nicht, denn hinterher, Martin Schmidt, sind wir immer klüger. Hinterher, Martin Schmidt, hätten wir alles anders gemacht.
        Sich an anderen Menschen regelrecht abzuarbeiten, Martin Schmidt, weil diese menschlich sind, dass macht die Welt zu keinem besseren Ort. Es sorgt eher dafür, dass andere Menschen, die in dem einen Augenblick, wo es darauf ankam, zu menschlich waren, ihre Geschichten nicht teilen werden. Und deswegen habe ich so gut wie möglich alles niedergeschrieben, damit sich jeder ein eigenes Bild und eigene Gedanken machen kann. Auch Sie, Martin Schmidt. Menschen wie Ihnen habe ich mich zum Fraße vorgeworfen.
        Ich schalte Ihre Kommentare hier persönlich frei, auch wenn sie mir nicht gefallen. Sollten Sie aber weiterhin lediglich ad hominem Attacken gegen mich fahren, dann werde ich dies nicht mehr tun. Sie haben ja ein eigenes Blog, Martin Schmidt, und können mich dort gerne weiter für alles verantwortlich machen. Ggf. auch für Ebola, AIDS und wenn Sie sich den kleinen Zeh am Schrank gestoßen haben.

        Mit freundlichen Grüßen
        Anna Müllner

  25. Hallo Herr Schmidt,
    wenn man gereizt ist, dann kann man eine Überheblichkeit aus Frau M. Aussagen entnehmen.
    Betrachten Sie ihre Aussagen einmal entspannter, dann entpuppt sich die Überheblichkeit als eine Form von Alleingelassensein, weil Frau M. zu hohe Ansprüche an den Staat und seine Institutionen stellt. Hildegard Knef hat das psychologisch in ihrem Lied „Für mich solls rote Rosen regnen „ ausgedrückt.

    Die rhetorische Hemdsärmlichkeit, die direkt ausdrückt , was sie stört, die kann man auch positiv sehen. Kein Grund sich aufzuregen.

  26. @Anna Müllner

    Obwohl es sicher einiges am Staat zu kritisieren gibt, halte ich ihre Schuldzuweisungen an diesen für leicht überzogen. Auch die geschilderte Angst, fast Panik, vor der Krankheit halte ich nicht für ganz angemessen.

    Für völlig überzogen und ungerechtfertigt halte ich allerdings die in einigen Kommentaren aufkommende Kritik an Ihrem eigenen Verhalten. Das halte ich für vorbildlich, eher schon für etwas übervorsichtig. Geht es doch gar nicht darum das Virus auszurotten, sondern darum, dessen Verbreitung zu verlangsamen. Dazu sollte jeder seine Kontakte einschränken, und zwar so weit, dass wir alles in allem ein R unter 1 hinbekommen. Nach meiner Einschätzung haben Sie dazu einen überproportional großen Beitrag geleistet. Auch wenn Sie sich selbst infiziert haben, lässt sich daraus sicher kein Fehlverhalten ableiten. Bemerkt werden könnte z.B. auch, dass Sie vermutlich keinen weiteren angesteckt haben und damit das Ende einer Infektionskette repräsentieren. Ihr vorsichtiges Agieren hat also genau das bewirkt, was wir uns wünschen.

    Auch wenn die dort dargestellten Masken nicht als Mund-Nasen-Schutz interpretiert werden sollten, finde ich diese (aus bessere Tagen stammende, nicht mehr vorhandene) Malerei an einer Frankfurter Hauswand sehr passend, vielleicht kennen Sie sie ja:

    There is something better than perfection

    • Das Bild kenne ich und finde es wunderschön! Vielen Dank, dass sie ed mir in Erinnerung gerufen haben.:)
      Und danke auch für ihren differenzierten Blick auf meine Erlebnisse. 🙂

  27. @hwied

    Überheblichkeit ist, wenn man dem imperialistischen Erbensystem eine Berechnung der “Ungleichverteilung” aufzeigt und erwartet das die logisch daraus resultierende Minderheit demokratisch entmachtet, womöglich auch enteignet wird, dabei aber das Erben für sich und die Seinen unangetastet bleiben soll!

    Erkennst Du Deine “Philosophie”?

    • Ich verstehe es nicht: Anna Müller ist wunderbar offen und ehrlich. Sie lässt uns teilhaben an ihrem Erleben, an ihren Ängsten und Erfahrungen. Sie zeigt auf, wo es Probleme gibt. Vielen Dank dafür!
      Sicherlich kann man wie immer über einige Aspekte diskutieren. Aber dass so ein random dude vulgo Ar.. wie M. Schmidt ankommt und die Offenheit von Anna Müller ausnutzt, um sie niederzumachen, das ist unterste Schublade. Troll dich.

      • Nachtrag:
        Googlen sie mal etwas zu Schuld,Schuldzuweisung,Schuldvermeidung und Schuldabwehr.
        Da sind wir Deutsche spitze.

  28. hto,
    Überheblichkeit ist in diesem Fall ein rhetorisches Stilmittel um Misstände aufzuzeigen. Jeder der Mißstände aufzeigt wird etweder als Störenfried empfunden, Nestbeschmutzer zu sein, oder er wird isoliert, indem man ihn bezichtigt sich über die anderen zu stellen.
    Jesus ist das Paradebeispiel . er wurde bezichtigt Gotteslästerung zu begehen indem er sich Sohn Gottes nannte. Dabei sagte er nur: Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

  29. @KRichard hat die Sorglosigkeit zu erst erkannt und das Problem beschrieben.
    Niemand haut irgendwen in die Pfanne.
    Es geht um Eigen- und Gesamtverantwortung.
    Und Staat ist nicht nur die Staatsverwaltung sondern jeder Bürger.
    Die beiden haben sich nur getraut das anzusprechen und klar zu machen.
    Und da das mehr oder weniger öffentlich ist, verdienen alle Respekt sich persönlich zu äußern.

  30. @hwied

    🤔Mannomann, diese “Gewandtheit im (Um)Schreiben”, wie oft habe ich schon gedacht hinter dem Nicknamewechsler steckt bestimmt M. Blume!?🤭🤗

    Ich finde die Frau Müllner hat keineswegs überheblich geschrieben, ein wenig naiv, kapitulativ-ohnmächtig und deshalb (wie fast alle in den zeitgeistlich bespielten Foren und blogs) ohne eine Konsequenz zu Forderungen von/zu wirklich-wahrhaftiger Vernunft (Forderungen die wegen der Sinnlosigkeit NICHT an die Spitzen der fachidiotischen “Verantwortungsträger” gestellt werden), demokratische Kommunikation beginnt und bestimmt von einer unkorrumpierbaren Basis aus!?

  31. hto,
    Bei dem Beitrag von Frau M. geht es um Corona und es geht um Gedanken darüber, was man besser machen könnte. Dass du das auch so siehst, das lässt hoffen.

    Mal am Rande gefragt, was ist das Gegenteil von kapitulativ-ohnmächtig ?
    Wenn man krank ist, dann ist man in seiner Macht eingeschränkt. Kapitulativ ist man nur, wenn man sich aufgibt. Das hat Frau M. nicht getan.
    Wie steht es bei dir ? Bist du ohnmächtig, kapitulativ bist du ja nicht, eher das Gegenteil. (Spaß muss sein, das stärkt unser Immunsystem)

    • @hwied

      Es ist immer der K(r)ampf zwischen Wahrheit und heuchlerisch-verlogene Spielchen!?

      Frau Müllner hat das typische systematische Versagen beklagt, das Versagen das aus der Symptomatik heraus resultiert, Symptomatik vor der die “braven” Bürger mit systemrationaler Bildung lernen ohnmächtig zu kapitulieren, kapitulieren vor der spalterisch-konfusionierenden Propaganda, die da behauptet es ginge nicht besser/menschenwürdiger, von der sich sogar “Die Linke” trotz ideologischer Inkompatibilität assimilieren, einordnen und zu “Wirtschaftsweise” transformieren lässt!?

  32. In Deutschland hat man jetzt die 2 Mio. Zahl nachgewiesener Corona-Infektionen überschritten – mit über 43 Tausend Toten. Rechnet man dies auf die Gesamtbevölkerung von 82 Mio. Leuten in Deutschland um, dann besteht die Gefahr von 1,7 Mio. Toten – bei einer kompletten Durchseuchung. Dazu kommt eine große Zahl von Langzeiterkrankungen.
    Diese grobe und sehr ungenaue Überschlagsrechnung zeigt die ungefähre Größenordnung und das Risiko welches vom Covid-Virus ausgeht.
    Die meisten Toten/Kranken sind nicht nur ein isoliertes Einzelschicksal – sondern es sind meistens noch Familienangehörige Freunde und Arbeitskollegen betroffen.

    Frau Müllner erlebte selbst, dass trotz vorbildlichen eigenen Verhaltens ein einziger Fehler ausreicht (Treffen mit Alex) um krank zu werden.

    Unser/e Staat/Landesregierungen haben unangenehme und belastende Verhaltensregeln angeordnet – mit dem Ziel, dass sowenig Menschen wie möglich krank werden; bis ausreichend Schutz durch Impfstoff möglich ist.

    Alle Bürger sollten mittlerweile genau wissen warum und wie man sich vor dem Virus schützen sollte – und, dass in absehbarer Zeit ein Schutz durch Impfen möglich ist. Aus diesem Grund muss man im Eigeninteresse auch die Eigenverantwortung für sein Handeln übernehmen – um die Anzahl der Erkrankungen möglichst gering zu halten.

  33. @hwied

    Um es speziell in Deiner konfusionierten Logik zu formulieren:

    Es ist immer der K(r)ampf zwischen vorverurteilter Überheblichkeit und systemrationaler Hoch-/Tiefstapelei, damit das imperialistische Erbensystem, bzw. das Virus der Unwahrheit erhalten bleibt!?

  34. KRichard,
    Alle Bürger sollten mittlerweile wissen…..
    Das eben bezweifle ich. Mir begegnen beim Morgenspaziergang die meisten , fast alle, ohne Mundschutz. Ich trage einen, auch beim Joggen, weil die Radfahrer zu 100 % keinen Mundschutz tragen. auch die Autofahrer tragen keinen Mundschutz im Auto. Die vergessen wohl, wohin die Klimaanlage ihre Atemluft hinbläst. Und wenn man dann noch 10 Minuten im Stau steht, dann hat man gute Chancen sich anzustecken.
    In Bezug auf Information haben wir den Stand einer Bananenrepublik.

    • @hwied

      ⏰💥🗣📢🙉🍌🤤
      🔥📈💩🙈🍌🤤
      ♻️⁉️🙊🍌🤤

      Das ist die Kommunikation im Internet und in der Wirklichkeit!?

  35. auch die Autofahrer tragen keinen Mundschutz im Auto. Die vergessen wohl, wohin die Klimaanlage ihre Atemluft hinbläst

    Herrlich, mein Witz des Tages. 🙂

  36. hto,
    Der Volksmund sagt: Lügen haben kurze Beine.
    Der Psychologe sagt, Lügen ist unökonomisch, das zieht weitere Lügen nach sich.
    Goethe würde sagen, das ist der Fluch des Lügenvirus, dass er sich fortwährend neu muss gebären.
    Du sagst, Es ist K(r)ampf zwischen vorverurteilter Überheblichkeit und systemrationaler Hoch-/Tiefstapelei.
    Deine Formulierung erinnert an den Klassenkampf.

    Also, was brauchen wir, einen Mundschutz gegen die historisch etablierten Irrtümer. Und….. nur wenn der Mensch seinen Irrtum selbst erkennt, dann besteht die Hoffnung auf Veränderung.

  37. @hwied: “Und….. nur wenn der Mensch seinen Irrtum selbst erkennt, dann …”

    Wie ein wirklich-wahrhaftiger Kenner der biblischen Texte wissen und bekennen muss, bedeutet Mensch ALLE, der/die/das Einzelne/Einzelnen/Individualbewusstsein gibt es nicht, weshalb Wahrheit und die volle Kraft des Geistes erst Sinn und … findet, wenn Mensch gemeinsam den Wettbewerb und somit den geistigen Stillstand in zweifelsfrei-eindeutigen Maßnahmen beendet – Aber das ist natürlich nicht die Sache der unzähligen kleinen und großen “aufgeklärt”-zivilisierten Imperialisten dieser Welt- und “Werteordnung”, die wollen lieber auch noch die kosmische Ordnung korrumpierbar verstanden wissen!?

  38. hto
    Deine und meine Logik unterschieden sich nicht wirklich.
    Betrachte mal die Welt von oben im Zeitraffer. Du siehst kein einzelnes Individuum und doch siehst du wie die Wolkenkratzer immer höher werden. Wie von Geisterhand werden sie immer höher. Wer war es ? Es waren einzelne Menschen (meine Sicht). Man kann auch sagen, es war ein Bautrupp (deine Vorstellung).

    Einer aus dem Bautrupp hat jetzt Corona. Wer soll ins Krankenhaus. Der Kranke oder gleich der ganze Bautrupp ?

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