GENug McDoNAlds?

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Einfach. Erklärt.
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Es ist ganz furchtbar. Jetzt kommt da ein Konzern daher, der schon immer für seine hochqualitativen Produkte berühmt war und schmeißt Gene in sein Essen. Und die ganze Welt schreit auf.

Auch ich mag McDonalds-Essen, ab und an. Oft ist es einfach bequem. Ich sehe den Laden dennoch an vielen Punkten kritisch. Dass in einem 1-Euro-Chicken-Burger kein glückliches Huhn seine Bestimmung gefunden hat dürfte klar sein. Aber werden nun die armen Hühner noch Mutanten, weil sie genmanipuliertes Soja gegessen haben? Nehmen wir auch noch, zusammen mit den Chemiegürkchen, fiese Gene in uns auf, ohne von den Folgen auch nur irgendetwas zu ahnen?

Nun, die Hühner werden durch genverändertes Soja wohl nicht sonderlich profitieren. Vielleicht werden sie aber doch etwas glücklicher, denn der Grund wieso man Pflanzen gentechnisch verändert ist häufig, damit weniger Pestizide eingesetzt werden müssen. Aber was passiert da eigentlich und wieso macht uns das so Angst?

Der Ausdruck „Genmais“, den man vielerorts zu lesen bekommt ist denkbar ungünstig gewählt. Es gibt kaum etwas, dass wir Essen, das nicht von Natur aus Gene beinhaltet. Grundsätzlich hat jede Pflanze, jedes Tier und jedes Tierprodukt Gene. Und die nehmen wir täglich zu uns. Jede Tomate, jeder Apfel, jedes Brot und auch Käse, Fleisch oder Eier: Sie enthalten alle Gene und wir essen dies nun schon seit Jahrhunderten.

Gene sind nichts kryptisches, abstraktes. Gene sind ganz reelle, erfassbare Konstrukte. Sie sind nichts anderes als Abschnitte der DNA in unseren Zellen, die der Bauplan für die Proteine sind, durch unser Leben erst möglich ist. Zum Gen gehören noch regulatorische Bestandteile, also Teile, die der Zelle sagen, wann dieses Protein hergestellt werden soll. Auch diese bestehen ganz einfach aus DNA.

Die DNA ist in allen Lebewesen gleich. Sie besteht, wie ich bereits erklärt habe, im Grunde genommen aus einem Gerüst und vier verschiedenen Basen. Und diese Basen sind immer gleich, nur die Reihenfolge ändert sich. Die Reihenfolge der Basen ergibt den Gencode. Um Gene zu entschlüsseln muss diese – bei uns Säugetieren – zunächst einmal in die Zelle, am besten in den Zellkern, gelangen. Dort gibt es spezielle Proteine, die die DNA abschreiben können und aus dieser Abschrift können dann Proteine hergestellt werden.

Wie aber kommt DNA in unsere Zellen? Das ist gar nicht so leicht. Viren können dies sehr effizient bewerkstelligen, ansonsten benötigt man Chemikalien oder auch gezielte Elektroshocks um eine Zelle dazu zu bewegen, die DNA aufzunehmen. Einfach nur DNA auf ein paar Zellen träufeln reicht nicht aus.

Die fremden Gene im Futtermittel für McDonalds-Hühnchen werden also gleichermaßen verdaut, wie alle anderen Gene die wir so essen auch. Ganz gleich was in der DNA zu lesen steht.

Was befürchten wir also? Genmanipulierte Pflanzen sind besser kontrolliert als alle anderen Pflanzen die wir essen. Sie bergen das Potential, dass wir weniger Pestizide benötigen oder die Pflanzen resistenter gegen Dürren sind – oder aber sie werden so verändert, dass sie Vitamine produzieren an denen Mangel herrscht. Sie sind aber kein Allheilmittel. Es ist immer noch ein sehr kleiner Schritt und Quasi-Monopol-Mächte sehe ich auch sehr kritisch. Aber ist es legitim etwas zu verbieten weil eine Firma davon profitiert? Ist es weise, den Fortschritt zu bekämpfen, anstatt ihn klar zu reglementieren und dann im wahrsten Sinne des Wortes die Früchte zu ernten? Ich bin gespannt auf eure Meinung und beantworte auch in den Kommentaren gerne Fragen.

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zellmedien.de

Mein Name ist Anna Müllner, ich bin Biologin und habe in der Krebsforschung promoviert. Ich wohne im schönen Hessen und bin als PR-Beraterin für Gesundheitskommunikation tätig. Nach meinem Abitur beschloss ich Biologie zu studieren. Das tat ich zunächst an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die weder in Bonn ist, noch am Rhein. Aber einer der drei Campusse liegt wirklich an der Sieg. Das letzte Jahr dieses Studiums verbrachte ich in Schottland, an der Robert-Gordon University of Aberdeen wo ich ein bisschen in die Biomedizin und die Forensik schnuppern durfte. Danach entschied ich mich für ein Masterstudium an der Universität Heidelberg in Molekularer Biotechnologie was ich mit der Promotion fortsetzte.

3 Kommentare

  1. Das Hauptargument der Gegner der grünen Gentechnik ist mW, dass da etwas verändert wird, aufs Feld ausgebracht wird und ab dem Zeitpunkt eben nicht mehr kontrollierbar ist, weil sich die Pflanzen ja dann über die Feldgrenzen hinaus ausbreiten.
    Dass die klassische Züchtung im Prinzip nichts anderes ist und noch viel schlechter kontrollierbar, weil die verschiedenen DNAs der gekreuzten Pflanzen sich mehr oder weniger willkürlich mischen, das wird dann wiederum abgewiegelt mit dem Argument, dass der Prozess der DNA-Veränderung da aber viel langsamer ablaufe und man deshalb besser die ökologischen Folgen abschätzen könne. Die ökologischen Folgen des chemischen Pflanzenschutzes werden hingegen in Kauf genommen, bzw. es wird außer acht gelassen, dass die Anbauflächen immer weniger werden und die Weltbevölkerung steigt. Dass grüne Gentechnik durchaus der nachhaltigere Weg sein kann, scheinen viele nicht zu verstehen.
    Wenn ich dann immer noch pro grüner Gentechnik argumentiere, dann kommt irgendwann die Frage, ob ich das ernsthaft essen wolle und es womöglich sogar meinen Kindern zu essen geben wolle.

  2. ob das mit den Pestiziden noch lange so hinhaut? bei Insektiziden beobachtet man derzeit ja wieder einen Anstieg in der verwendeten Menge, da die kleinen Racker da wohl Resistenzen entwickelt haben
    (per se bin ich aber deiner Meinung, greife mir auch oft an den Kopf, wenn ich die Forderung “genfreies Essen” erspähe und sehe nicht ein, warum Greenpeace z.B. den “Golden Rice” bis aufs Messer bekämpft)

  3. hab mehrfach gelesen dass eben doch nicht alle DNA im magen abgebaut wird. eine quelle behauptete mal, die gene der magenwand würden irreversibel beeinflusst, aber auf die dort zitierte studie hatte ich keinen zugriff und jetzt ist mir der gespeicherte link abhanden gekommen.
    hier steht zumindest was zu der nicht abgebauten DNA
    http://gruppen.greenpeace.de/wuppertal/service_files/infoliste_files/landwirtschaft_gentechnik/gen_food_risiken_gp_cee.pdf
    weiß nicht recht ob ich vor den enzymen und signalstoffen aus künstlichen genen mehr angst haben soll als vor denen, die die evolution ständig hervorbringt. aber die vorgehensweise, mit halbwissen munter draufloszuproduzieren und die genveränderten pflanzen in umlauf zu bringen, bis nicht andere kommen und ihr halbes leben dem dagegenhalten widmen, die macht mir angst. selten steckt da weisheit oder umsichtiges vorgehen dahinter, und DANN hab ich kein gutes gefühl bei genmanipulation und was “man” über ihre “nicht-“einflüsse zu wissen glaubt.

    würden wir die pflanzen essen statt der tiere in die erst unmengen pflanzen und pflege geflossen ist, bis sie uns satt machen, bräuchten wir auch nicht so lächerlich riesigen effizienten massenanbau, der genmodifikationen aus dem labor “notwendig” macht. zweimal die fleisch/fisch statt täglich und aus purer launigkeit, würde die ganze welt ernähren ohne “gene im essen”. zumindest könnte man es darauf ankommen lassen.

    forschung ist die eine sache, sie in gezügelten bahnen lenken eine andere. wenn industrieforschung gelder frisst und kapazitäten bindet, nur um ungezügelt unvorhergesehene folgen zu verursachen, tu ich mich schwer das als fortschritt gutzuheißen. erstmal müsste jeder nochmal umgangsformen im kindergarten lernen, und von da aus kann die menschheit vielleicht weiter-entwickeln.

    “moral enhancement” ist ein großer evolutionärer schritt den die menschheit wuppen muss, um die kognitiven und technologischen enhancements sicher einsetzen zu können.

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