Die Grube Messel – ein fossiler Ponyhof

Eine Woche nach dem großartigen Spektrum Bloggerwochenende letzte Woche, über welches hier wohl in großer Zahl berichtet wurde so dass ich es nicht auch tun werde, traf sich ein kleiner Trupp der Blogger mitten im Wald. Diese Taskforce, bestehend aus der großartigen Ute Gerhardt, dem furchtlosen Lars Fischer, der galaktischen Bettina Wurche samt Gatten, zwei weiteren Gästen und natürlich yours truely, machte sich also auf, die Grube Messel zu erkunden. Was hatte ich mich gefreut, als Ute mich zu ihrer Geburtstagsfeier einlud und diesen dann auch noch zu einem Wandertag durch das Eozän machte.

Die Grube Messel sieht erstmal aus wie ein Tal.

Die Grube Messel sieht erstmal aus wie ein Tal.

Die Grube Messel ist nämlich die Fundstelle von tausenden Fossilien aus dieser Zeit (56 bis 33.9 Millionen Jahre). Keine Dinosaurier, sondern Säugetiere, Reptilien und Fische werden hier gefunden. Ich kenne sie seit Jahren aber besucht hatte ich sie noch nie. Mit einem Guide machten wir uns auf den Weg in die Grube. Wer nun an ein Bergwerk denkt liegt falsch. Die Grube wirkt erst einmal wie ein Tal. Als man dort Anfang des letzten  Jahrhunderts Ölschiefer fand, begann man diesen abzutragen und das Öl darin aufzureinigen. Es war zwar nicht sonderlich hochwertig, schien jedoch seinen Zweck zu erfüllen.

Ölschiefer aus der Grube Messek. Trotz gründlicher Untersuchung fand ich keine Fossilien.

Ölschiefer aus der Grube Messek. Trotz gründlicher Untersuchung fand ich keine Fossilien.

 

Explosionen

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Abbau des Ölschiefers eingestellt. Es war bereits ein ziemlich großes Loch entstanden, welches man zu einer Müllkippe umfunktionieren wollte. Die Bauarbeiten waren bereits abgeschlossen als man sich wieder dagegen entschied. Nicht, weil man dort wertvolle Fossilien fand, sondern weil die Müllwagen sonst durch das nahegelegende Dorf brettern würden.

2016-04-23 15.07.10

Große Bohrer um dem geologischen Geheimnis der Grube auf den Grund zu kommen. Die Fossilien werden jedoch übrigens mit Kettensägen herausgeschnitten, weswegen Lars kurz überlegte, diese Karriere zu verfolgen.

Von den Fossilien wusste man aber schon lange. Mittlerweile weiß man, dass die Grube Messel einst ein unterirdischer Vulkan war. Als dieser ausbrach stieß die heiße Magma auf Grundwasser: eine explosive Mischung. Stark genug, um einen riesigen Krater zu hinterlassen, der sich über die Jahre mit Wasser füllte. In stehenden Gewässern gibt es jedoch wenig Sauerstoff, was zu einem hohen Algenwachstum führen kann, welche sich am Grund ablagern. Eben jene Algen bilden heute den Ölschiefer. Dabei geriet ab und an ein Tier dazwischen, welches auf welche Weise auch immer in den See fiel. Im Ölschiefer wurden die Tierleichen teilweise perfekt konserviert, so dass heute noch viele Details zu sehen sind.

 

Funde aus der Zeit der Morgenröte

Der kleine Vorfahre des heutigen Pferdes Hyracotherium. Bild: Hyracotherium vasacciensis, skaliert, Ryan Somma, CC BY-SA 2.0

Schon als Kind, als ich in Vorträgen im Mainzer Naturkundemuseum saß, hörte ich von den kleinen Urpferdchen, die früher durch Hessen rannten. Eohippus war in etwa so groß wie ein Terrier und hatte im Gegensatz zu den einhufigen Pferden heute mehrere Zehen. Auch war es wohl Waldbewohner und kein Steppentier. Das Eohippus, was mit in etwa mit Pferd der Morgenröte übersetzen kann, heißt mittlerweile Hyracotherium, was „murmeltierähnlich“ heißt und damit eigentlich eine deutliche Verschlechterung des Namens bedeutet. Mittlerweile hat man schon 70 Urpferdchen aus der Grube Messel geholt: Offensichtlich war dort also mal ein Ponyhof.

Ida, ein Übergang zwischen Halbaffe und Affe? Auf jeden Fall ein früher Primat und ein ganz seltenes Fundstück. Bild: “Main slab of Darwinius masillae (specimen PMO 214.214), new genus and species, from Messel in Germany.” skaliert Franzen et. al CC BY SA 2.5

Ebenso fand man hier eine Verwandte von uns allen, Ida. Sie war ein Zeitgenosse des Eohippus und ist ein Darwinius. Sie ist nach Charles Darwin benannt, denn Sie wurde eine Weile als „Missing Link“, also eine Übergangsform, von Affe und Halbaffe, gehandelt. Dem scheint nach neuester Erkenntnis nicht so zu sein, doch ist sie nur einer von zwei Funden ihrer Art.

Zart schimmert hier ein Käferpanzer hindurch

Zart schimmert hier ein Käferpanzer hindurch

Eine Besonderheit an der Grube Messel ist, dass man dort manchmal noch die Farbe von Tieren erkennen kann. Manch ein Käfer leuchtet nach Millionen von Jahren noch einmal auf. Bei der Präparation kann man die Farbe noch einmal sichtbar machen.

 

Wie versenkt man eine Fledermaus?

Was man viel in der Grube findet sind Fische. Sie sind so häufig, dass sie aus Ausschussware gelten. Auch Fledermäuse findet man alle paar Wochen. Die sind sogar ein ziemliches Rätsel, weil Fledermäuse eigentlich zu leicht sind um im See unterzugehen. Mittlerweile beschäftigt sich ein Forscherteam mit eben diesem Thema.

Fische findet man hier wie Sand am Meer.

Fische findet man hier wie Sand am Meer.

Es ist auch unklar, wieso so viele Tiere im See landeten. Bei Fischen ist es sicherlich klar, aber warum so viele Pferdchen? Oder Fledermäuse? Eventuell produzierte der eutrophierende See, bzw die Algen darin, toxisches Gas. Sofort überlegte ich mit Lars zusammen, ob sich dieses Gas vielleicht auch hätte entzünden können. An den Fossilien weist aber nichts auf eine Explosion hin, woraufhin wir die Theorie wider Willen verwarfen.

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Fossiles Krokodil-Kaka.

Fast dreieinhalb Stunden verbrachten wir in der Grube und hörten viel Geologisches und auch so manches Paläontologisches. Letzteres hätte meines Erachtens mehr sein können, aber das kommt ganz auf den Guide an und die Tour die man sich aussucht. Wir waren auf jeden Fall alle zufrieden, wenn auch ein bisschen nass und eingematscht, als wir wieder die Grube verließen.

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After ‘while crocodile.

Veröffentlicht von

1ife5cience.de

Mein Name ist Anna Müllner, ich bin irgendwie so Mitte 20 und wohne in einer beschaulichen Neckarstadt mit einem hübschen Schloss. Nach meinem Abitur beschloss ich Biologie zu studieren. Das tat ich zunächst an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die weder in Bonn ist, noch am Rhein aber einer der drei Campusse liegt wirklich an der Sieg. Das letzte Jahr dieses Studiums verbrachte ich in Schottland, an der Robert-Gordon University of Aberdeen wo ich ein bisschen in die Biomedizin und die Forensik schnuppern durfte. Danach entschied ich mich für ein Masterstudium an der Universität Heidelberg in Molekularer Biotechnologie und seitdem ich das hinter mich gebracht habe versuche ich mich an einer Promotion.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vermutlich war es Kohlendioxid, eventuell exhalativ aus dem ehemaligen Vulkan. Vergleichbar dem heutigen Lake Nyos in Kamerun könnte es zu katastrophalen Entgasungen gekommen sein. Das würde auch die Vielzahl von Land- und Lufttieren in den Fossilien erklären. Wer, wie Fledermäuse, eventuell dicht über der Wasseroberfläche in eine Kohlendioxid-Wolke stieß, hatte schlicht verloren.

    https://scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/csi-geology-2/

  2. Bettina hat’s mir am Abend übrigens mal erklärt, warum der “Missing Link” von vornherein nie einer sein konnte: Sein Alter liegt ca. 40 Mio. Jahre vor der Entwicklung des Menschen. Die Forscher hatten seinerzeit den Journalisten die Formulierung “Missing Link” quasi in den Mund gelegt – sei es aus Versehen, sei es, um die eine Sensation zu forcieren -, haben selbst diese Behauptung aber nie aufgestellt.

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