Yutu in Schwierigkeiten

Der am 14. Dezember auf dem Mond ausgesetzte chinesische Rover Yutu (“Jadehase”) ist derzeit nicht mehr ansprechbar. Yutu wurde von der Sonde Chang’e 3 zum Mond befördert und sollte dort u. a. den Boden auf seine Dichte und verwertbare Bestandteile hin analysieren. Erste Ergebnisse liegen bereits vor. So hat zum Beispiel das Lunar Ultraviolet Telescope (LUT) schon einige aufschlussreiche Aufnahmen des Sternenhimmels gemacht und das CE-3 Lunar-Penetrating Radar lieferte erste Analysen der Bodendichte. Auch das Active Particle-induced X-ray Spectrometer (APXS) kam bereits zum Einsatz und sandte Daten zur chemischen Zusammensetzung des Bodens zurück zur Erde. [1] In 2017 wollen Yutus Betreiber den Rover 2017 samt der entnommenen Proben wieder zur Erde zurück holen.

Bereits Ende Januar hatte es Probleme bei der Koordination der Solarpaneele, des Kamera-Mastes und der Antenne gegeben. Der Rover sollte sich für die unmittelbar bevorstehende, ca. 14 Erdtage dauernde Mondnacht so positionieren, dass ein Solarpaneel am darauffolgenden Morgen auf die aufgehende Sonne ausgerichtet ist. Den Mast und die Antenne hingegen sollte er einfahren und das zweite Solarpaneel wie einen isolierenden Deckel darüber klappen. Auf diese Art können die Geräte im Inneren auf einer betriebsfreundlichen Temperatur gehalten werden. Das ist nötig, damit die Elektronik keinen Schaden nimmt, denn die Nächte auf dem Mond sind nicht nur lang, sondern mit bis zu -180°C auch sehr kalt.

Vor der ersten Nacht, Ende Dezember 2013, hatte die gesamte Prozedur gut funktioniert; der Rover überstand die Ruhephase unbeschadet. Diesmal jedoch kam offenbar die Reihenfolge durcheinander, so dass die Geräte des Rovers nicht im vorgesehenen Maß vor der Kälte geschützt waren. Als Folge dieser Fehlfunktion war zunächst die Farbkamera nicht mehr einsetzbar, aber auch die Kommunikation lief nicht mehr ganz reibungslos. Der Rover war jedoch vor Beginn seiner zweiten Ruhephase noch ansprechbar, und die Kontrollteams hofften, die Probleme doch noch rechtzeitig beseitigt zu haben.

Der heutige Versuch, zu Yutu wieder Kontakt aufzunehmen, scheiterte hingegen bisher. Yutu antwortete zunächst stundenlang gar nicht und reagiert seitdem nur minimal auf die Befehle der irdischen Kontrollteams. Es ist leider anzunehmen, dass die Elektronik während der gerade vergangenen Mondnacht tatsächlich größeren Schaden genommen hat, und offiziell gilt der Rover derzeit als verloren. Sollte dies der Fall sein, wäre der Verlust für Chinas Mondprogramm und die Wissenschaft allgemein natürlich enorm. Noch besteht allerdings etwas Hoffnung, die Funktions- und Kommunikationsfähigkeit wenigstens teilweise wieder herzustellen.

Update 13. Februar 2014

Pei Zhaoyu, der Sprecher des chinesischen Mondprogramms, gab heute bekannt, dass der Rover nicht mehr als verloren gilt, sondern evtl. noch gerettet werden kann. Der Rover empfängt bzw. sendet Signale.

Nicht klar ist hingegen, inwieweit der Rover doch Schäden an Mechanik und Elektronik davongetragen hat. Es ist zwar möglich, dass er mit zunehmender Wärme einige (mit viel Glück sogar alle) seiner Funktionen wieder aufnimmt. Dennoch besteht die Gefahr, dass vieles nicht mehr funktioniert. Angesichts der Tatsache, dass in 14 Tagen bereits die nächste Mondnacht beginnt und sich die Probleme wiederholen könnten, stehen die Chancen nicht gut, dass der Rover noch über einen längeren Zeitraum weiter einsatzfähig bleiben wird.

Update 22. Februar 2014

Auch zu Beginn der dritten Mondnacht sind die technischen Schwierigkeiten nicht vollständig behoben. Radar und Kameras funktionieren einwandfrei, jedoch gibt es noch immer Probleme mit der Kontrolle des Rovers.


Update 14. März 2014

Nach der 3. Mondnacht hat Yutu seine Funktionen planmäßig wieder aufgenommen. Die bereits beschriebenen technischen Probleme bestehen weiterhin, so dass auch am 4. Tag nur Radar und Kameras einwandfrei funktionieren.

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[1] “Chang’e-3’s Progress and Achievement” http://www.oosa.unvienna.org/pdf/pres/stsc2014/tech-08E.pdf

Ute Gerhardt hat nach dem Abitur einen B.A. in Wirtschaft, Sprachen und Politik an der Kingston University sowie eine Maîtrise in Industriewirtschaft an der Universiät Rennes abgeschlossen. Seit 1994 arbeitet sie in der Privatwirtschaft, derzeit im IT-Bereich. Ute hat zwei Kinder (*2005 und 2006) und interessiert sich neben Raumfahrt und Astronomie auch für Themen aus den Bereichen Medizin und Biologie.

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