Mal wieder in den Mond geguckt

Ein brandneues Teleskop und eine geliehene, unvertraute Kamera, obendrein ewig nicht mehr “manuell” fotografiert… Na prost Mahlzeit, das kann ja eigentlich nur ein Desaster werden. Dachte ich. Ganz so schlimm wurde es dann aber doch nicht:

Mond, Dortmund, 26. September 2015, 22:35 Uhr, Skywatcher Maksutov Cassegrain 127/1500,  Canon EOS 400D, f=11,8 bei ISO 200 und 1/320s.
Credit: Ute Gerhardt. Mond, Dortmund, 26. September 2015, 22:35 Uhr, Skywatcher Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 400D, f/11,8 bei ISO 200 und 1/320s.

Das Seeing war überraschend gut und das Teleskop samt Kamera bei der Aufnahme gründlich an die Außentemperatur angepasst. Das obige Bild ist aus dem RAW-File generiert, auf 50% verkleinert und natürlich komprimiert, ansonsten aber unverändert.

Zwei Probleme muss ich vor der Mondfinsternis noch lösen:

1) Die EOS 400D hat kein Live View, also klebe ich im Stockdustern – natürlich ohne meine Brille – mit dem Auge am winzig kleinen Sucher. Den hatte ich mir zwar bei Tag schon auf meine Dioptrienzahl eingestellt, aber so ganz haut das wohl doch nicht hin. Und so muss ich nun beim Fokussieren versuchen, dieses Defizit auszugleichen und quasi “blind” scharf zu stellen. Das ist hier noch nicht gut gelungen. (Sterne anzuvisieren hat mit diesem Sucher übrigens noch überhaupt nicht geklappt. Ich kann sie in diesem winzigen Fensterchen schlicht und ergreifend nicht erkennen.) Eins steht also schon fest: Gekauft wird auf jeden Fall eine Kamera mit Live View, am besten noch mit ausklappbarem und schwenkbarem Display. Mein Limbo hinter der 400D ist für Zuschauer sicher ein phantastischer Quell der Erheiterung, aber einen Genickbruch möchte ich für ein Hobby nun doch nicht riskieren. ^^

2) Die Quelle der Verwacklungen ausfindig machen. Auch die Kombination Fernauslöser + verzögertes Auslösen hat (wie man oben rechts im Bild gut sieht) nicht ausgereicht, um alle Schwingungen auszuschalten. Die Fotos mit höherer Belichtungszeit als 1/200s kann man allesamt vergessen. Das ist ein bisschen blöd, denn einen verfinsterten Mond kann ich so nicht gut aufnehmen, und mit höherer ISO-Zahl wird’s wahrscheinlich zu körnig. Versuchen werde ich es natürlich dennoch.

Fazit: So richtig zufrieden bin ich mit dem heutigen Ergebnis nicht. Ob das nun eher an der Kamera liegt oder eher an mir (was ich sehr befürchte… ähem) muss sich noch heraus stellen. Eine Weile werde ich noch mit der 400D herum experimentieren. Als Nächste wird dann in ein paar Wochen eine 1200D ausprobiert. Zunächst hoffe ich jetzt allerdings auf gutes Wetter für Montagmorgen. Am liebsten so klasse wie gerade eben.

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Nachtrag, 27. September: Das Fokussierproblem mit Hilfe des APT Astro Photography Tool anzugehen hat leider nicht geklappt. Zwar kann ich alle Einstellungen für die Belichtung darüber regeln und anschließend auch auslösen, aber Live View geht in dem Programm mit Digic 2 leider nicht.

Nachtrag, 28. September: Mein Kollege leiht mir für eine Weile seine EOS 5D Mark II. Da bin ich ja mal gespannt… Die Mondfinsternis konnte ich leider “nur” mit bloßem Auge verfolgen, denn die Korrekturlinse des Mak war morgens um 3 Uhr dann doch beschlagen. Vermutlich hätte es mangels Licht aber ohnehin nicht richtig geklappt. Aber immerhin: Das neue Teleskop und ich konnten uns bei den Vorübungen durchaus miteinander anfreunden.

Nachtrag, 30. September: In der Tat, die 5D II ist a) mit ihrem Live View wesentlich leichter einzustellen und b) liefert sie nochmal ganz andere Bilder als die 400D:

Dortmund, 30. September 2015, 22:21 Uhr, Skywatcher Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 5D II, ISO 1600 und 1/1000s.
Credit: Ute Gerhardt, Dortmund, 30. September 2015, 22:21 Uhr, Skywatcher Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 5D II, ISO 1600 und 1/1000s.

Das Bild ist wie auch das obige nur von RAW zu JPG komprimiert und auf 50% verkleinert, ansonsten aber unverändert. Das Seeing war diesmal nicht ganz so gut wie vor vier Tagen; obendrein lag ein leichter Dunstschleier in der Luft. (Man könnte aus dem Bild durch Nachschärfen, Kontrasteinstellung, Stacking etc. sicherlich noch einiges heraus holen, aber mir geht es ja zunächst mal um einen Vergleich, was ich mit welcher Kamera überhaupt zustande bringe.)

Ute Gerhardt

Ute Gerhardt hat nach dem Abitur einen B.A. in Wirtschaft, Sprachen und Politik an der Kingston University sowie eine Maîtrise in Industriewirtschaft an der Universiät Rennes abgeschlossen. Seit 1994 arbeitet sie in der Privatwirtschaft, derzeit im IT-Bereich. Ute hat zwei Kinder (*2005 und 2006) und interessiert sich neben Raumfahrt und Astronomie auch für Themen aus den Bereichen Medizin und Biologie.

3 Kommentare

  1. Was ist denn das für ein Mak?

    Und, ja, ohne Liveview ist das Fokussieren hochgradig nicht-trivial. Es muss gar keine neue Kamera sein. Eine EOS1000D reicht für den Mond vollauf, Man kann bis ISO 800 gehen (die Kamera kann 1600, aber das wird zu verrauscht) und da hat man Belichtungszeiten um 1/640 – schnell genug auch bei Luftunruhe.

    Ich muss sagen – für eine Fokussierung ohne Liveview ist das hier schon sehr gut.

    • In die Richtung gehen meine Überlegungen derzeit auch. Allerdings eher EOS 1200D, denn die 1000D hat soviel ich weiß keine Videofunktion. Auf jeden Fall ist es schon mal ein ziemlicher Vorteil, eine Reihe von Kameras ausleihen und damit ohne Zeitdruck herumprobieren zu können. Das macht die Entscheidung am Ende zwar auch nicht unbedingt leichter, aber wenigstens etwas informierter.
      😉

      Mir bleibt noch viel zu lernen, aber zur Abwechslung im Alltagstrott mal ein paar neue Sachen in den Kopf zu bekommen, tut trotz aller Fehlschläge doch ziemlich gut. Danke fürs Feedback übrigens. Freut mich wirklich sehr!

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