Jupiter. Wieder viel gelernt.

Pünktlich zur Anschaffung des Mak vor ein paar Wochen gab es natürlich nicht nur schlechtes Wetter, sondern es verdrückten sich auch noch sämtliche Planeten samt Mond vom Nacht- an den Morgenhimmel. Das war ein bisschen doof, denn über das Alter der durchzechten Nächte bin ich inzwischen hinaus, während aber dasjenige der senilen Bettflucht offensichtlich noch auf sich warten lässt.

Aber was tut man nicht alles, wenn man denn endlich mal schönes Wetter, ein Teleskop und Kameras zum Experimentieren hat? Man steht sogar eine Stunde vor dem eigentlichen Weckerklingeln auf, um beispielsweise zur Abwechslung mal den Jupiter einzufangen.

Jupiter, Kalisto, Io, Europa, Ganymed

Credit: Ute Gerhardt, Jupiter und (von unten) Kallisto, Io, Europa und Ganymed. Dortmund, 12.10.2015, 06:24 UTC+2, Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 5D II, ISO 3200, 0,3 s

Nachdem bisher immer der Mond als Fotomodell herhalten musste, war dies mein erster Versuch, einen Planeten zu erwischen. Tja, und von ca. 30 Fotos mit verschiedensten Einstellungen sind gerade mal vier halbwegs brauchbar geworden. Der Rest war zu hell und verwischt, zu dunkel und verwischt, dann wieder scharf, aber zu detailarm, und, und, und. Mal sieht man die Streifen des Jupiter, aber dessen Konturen sind verwaschen und die die Monde sind weg. Dann wiederum sieht man die Monde recht plastisch, aber der Planet ist überstrahlt, so wie auf dem obigen Foto. (Zugeschnitten, aber ansonsten unverändert.) Da hilft auf die Dauer wohl nur ein Komposit bzw. Stacking, nehme ich an. Und vermutlich wäre es daher auch sinnvoller, statt einzelner Fotos ein Video aufnzunehmen. Ob das aber ohne Nachführung überhaupt einen Sinn hat, möchte ich bezweifeln. Denn so schnell, wie mir die Planeten aus dem Gesichtsfeld rasen, bekäme ich nur Aufnahmen von bestenfalls ein paar Sekunden hin. Über kurz oder lang steht also wohl die nächste Anschaffung ins Haus. 😉

Aber immerhin ist mir bei den bisherigen Experimenten eines klar geworden: Fotos von ganzen Konstellationen wie der heutigen (Jupiter, Mars und Venus wie ein Strang Perlen am Osthimmel) sind zwar sehr schön anzusehen, reizen mich persönlich aber bei meinen eigenen Versuchen überhaupt nicht. Ich möchte “nah ran” und Details sehen, so wie beim Mond der letzten Wochen, so wie heute morgen, so wie damals im Verein, und so wie eigentlich auch schon als Kind mit dem Fernglas meines Vaters. Optisch dort hin reisen, wo ich persönlich nie hin gelangen werde. Eine Ausnahme könnte die Milchstraße sein, von der Mitblogger Jan Hattenbach vor einer Weile großartige Aufnahmen aus Chile gepostet hat. Die Milchstraße allerdings bekommt man hier erst im tiefsten Sauerland zu sehen – wenn überhaupt.

Ute Gerhardt hat nach dem Abitur einen B.A. in Wirtschaft, Sprachen und Politik an der Kingston University sowie eine Maîtrise in Industriewirtschaft an der Universiät Rennes abgeschlossen. Seit 1994 arbeitet sie in der Privatwirtschaft, derzeit im IT-Bereich. Ute hat zwei Kinder (*2005 und 2006) und interessiert sich neben Raumfahrt und Astronomie auch für Themen aus den Bereichen Medizin und Biologie.

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  1. Galileo schreibt: “Am 7. Januar dieses Jahres 1610, zur ersten Stunde des folgenden Tages, als ich die Sterne mit dem Fernrohr ansah, zeigte sich mir Jupiter; und weil ich ein wirklich ausgezeichnetes Instrument gebaut hatte, sah ich nahe bei dem Planeten drei Sterne, zwar klein, aber sehr hell.”

    Nun, auf dem obigen Bild scheinen die Monde doch recht gross zu sein. Ein wirklich ausgezeichnetes Instrument braucht es wahrscheinlich nicht, um sie zu erkennen. Aber Teleskope (Fernrohre) gab es ja gerade erst zur Zeit Galileos.

    Übrigens verwundert mich, dass man von den 4 galileischen Monden spricht, obwohl doch das obige Zitat nur 3 erwähnt.

    Interessant finde ich, dass Galileo Galilei sich bereits eine praktische Anwendung der Jupitermondbeobachtung ausdachte, nämlich eine Universal Time Coordinated, eine UTC-Zeit also, die überall auf der Erde den gleichen Zeitpunkt angeben kann. Es wurden sogar Tabllen erstellt und diese wurden später angepasst um die endliche Lichtgeschwindikgeit zu berücksichtigen. Hier ein paar Sätze aus der Wikipedia:

    Galilei hatte als Erster vorgeschlagen, den Umlauf der vier Monde als weltweit beobachtbare Uhr zu verwenden. Mit Tabellen und Beobachtungen der Verfinsterungen der Monde sei es möglich, die Ortszeit und damit den Längengrad zu bestimmen. Doch 1676 wies Ole Rømer durch Vergleich von Tabelle und Beobachtung in Paris erstmals nach, dass die Lichtgeschwindigkeit endlich ist. Danach mussten die Tabellen um die Lichtlaufzeit korrigiert werden.

    • Übrigens verwundert mich, dass man von den 4 galileischen Monden spricht, obwohl doch das obige Zitat nur 3 erwähnt.

      Ich vermute, dass der vierte Mond zu dem konkreten Zeitpunkt noch vom Jupiter verdeckt war und erst später zum Vorschein kam.

      • Ich vermute, dass der vierte Mond zu dem konkreten Zeitpunkt noch vom Jupiter verdeckt war und erst später zum Vorschein kam.

        Das vermute ich auch ganz stark.
        Dann stellt sich noch die Frage, wann zu der Zeit der Tageswechsel stattfand? Wenn man davon ausgeht, dass ein Tag mit Sonnenuntergang beendet war, dann könnte mit der “ersten Stunde des folgenden Tages” nämlich auch die erste Stunde nach Sonnenuntergang gemeint sein, und da waren wirklich nur 3 Monde sichtbar, wie das rechte Teilbild dieser Simulation von Stellarium zeigt. Und dann ist auch noch die Frage, ob das “Field of View” (FOV) von Gallileos erstem Teleskop so gross war, wie in der Simulation? – Interessanterweise gilt das auch für die erste Stunde nach Mitternacht (linkes Teilbild), wenn man davon ausgeht, dass sein Fernrohr noch nicht so sonderlich hoch auflösen konnte. Da lagen Io und Europa nämlich so eng beieinander, dass sie noch zu einem verschwimmen konnten.
        Ausserdem hat er ja auch während der darauf folgenden Tage weiter beobachtet und notiert. Dabei ist ihm der vierte Mond aufgefallen und schliesslich das revolutionäre für die Zeit, nämlich das die alle um den Jupiter kreisen.

        • Toll dieser Kommentar über die Rekonstruktion des 7.1.1610. Astrohistorie übertrifft in ihrer Genauigkeit offensichtlich jede andere Form der Geschichtsschreibung.

        • Ich hatte mal im Netz gefunden (weiß nicht mehr, wo…), dass Galileis erste Fernrohre etwa 0,25 Grad Gesichtsfeld gehabt haben dürften. Also nur ein Viertel dessen, was im Bild von Hans zu sehen ist. Wenn man das in Stellarium einstellt, ist meiner Meinung nach eher 18-19 Uhr wahrscheinlich – Io und Europa bedecken sich fast perfekt, das konnte er vermutlich nicht auflösen. Später in der Nacht stehen sie dann deutlich näher an Jupiter – ich finde, das passt dann nicht mehr so gut zu der Zeichnung, wie sie im Sidereus Nuncius auf Seite 17 dargestellt ist.

  2. EOS5D? Vollfettstufe!

    Die gezeigte Aufnahme ist noch nicht ganz im Fokus. Dann wäre auch die chromatische Aberration weg. Stacken bringt erst bei größerer Brenweite etwas, weil dann der helle Jupiter über sehr viel mehr Pixel verteilt ist, was die Kontrastunterschiede verringert. Dazu müsste man eine Barlow-Linse verwenden. Allerdings kommt man dann um eine nachführende Montierung nicht mehr herum, weil sich bei Vervielfachung der Brennweite die erforderliche Belichtungsdauer erheblich erhöht.

    Die Alternative wäre dann in der Tat ein Komposit. Dann kann man jeweils für Monde und Jupiter die optimale Belichtungszeit wählen.

    • Vollfettstufe!

      In der Tat. Das ist in meinem Fall ungefähr so, als hätte man einem Sechsjährigen eine signierte Goldschnitt-Erstausgabe des Goethe-Gesamtwerks für erste Leseübungen in die Hand gedrückt. ^^

      Spaß beiseite: Die Kamera gehört meinem Kollegen Markus Mickelat (http://www.micktriques.de/ ). Er hat sie mir auf unbestimmte Zeit zum Ausprobieren geliehen, weil er u. a. längst das Nachfolgemodell besitzt. Die 5D ist natürlich ein ziemliches Geschoss, aber als Vollformatkamera für dieses Teleskop der komplette Overkill.

      Gleichzeitig habe ich noch die EOS 400D meines Ex-Mannes hier, ebenfalls eine Leihgabe. Die hat allerdings kein Live-View und kommt somit nicht auf Dauer in Frage. Ein Astro-Freund leiht mir demnächst noch die ALccd5l-IIc, eine USB-Cam, die für Planetenaufnahmen wohl gar nicht schlecht sein soll, und ein anderer Bekannter mit Teleskop will sich eine Panasonic Lumix DMC-GX8 zulegen. Die würde mich schon alleine wegen ihres nett geringen Gewichts interessieren. Irgendwann muss ich mich dann halt entscheiden, was genau ich mir selbst kaufen möchte. Eine EOS 1200D eventuell? Ich weiß es noch nicht, ich verstehe einfach noch zu wenig davon.

      Die obigen Tipps werde ich beherzigen und beizeiten mal ausprobieren, vielen Dank! (Der Kauf der Nachführung ist somit nun für die noch nähere Zukunft geplant.) Mein Kollege hat mir übrigens in der Tat noch seinen dazugehörigen 2xTelekonverter angeboten. Damit wäre das Brennweitenproblem evtl. gelöst. Die Blende allerdings…? Das könnte lustig werden. ^^

      Heute morgen schlug mein Versuch, den Jupiter nochmals und schärfer abzulichten leider fehl. Es war schlicht zu dunstig und ich hatte auch nicht genug Zeit. Somit hat sich das Thema “Komposit” wohl erst einmal erledigt.

  3. Hallo,
    schöner Bericht … das gehört einfach zum Hobby Astronomie dazu!
    Als Alternative zu Canon kann ich eine m4/3 Kamera empfehlen – hab selber inzwischen eine Panasonic Lumix DMC-G6, die an der ‘Russentonne’ für Sonne, Mond und auch Planeten ein richtig guter Kompromiss ist … und mit einem geeigneten Zoom Objektiv nicht viel größer und schwerer als die üblichen Kompaktkameras, dass sie auch locker in der Tasche oder dem Tagesrucksack Platz finden und einfach immer dabei sind.

    • Das klingt ziemlich interessant, vielen Dank! Kann man deine Lumix-Fotos irgendwo online ansehen? Bist du mit Kontrast, Farbtreue etc. zufrieden, oder musst du viel nachbearbeiten?

      Hier steht allerdings sowieso erst die Anschaffung einer Nachführung an. Ich habe nämlich in Kombination mit der APT-Software folgendes Problem:

      APT zeigt mir die voraussichtliche spätere Aufnahme in Gänze, bei ca. 10% der eigentlichen späteren Bildgröße. Um die Aufnahme bzw. die Vorschau im Live View am Rechner scharf zu stellen, muss ich mir den Ausschnitt des Gesichtsfeldes, der das anvisierte Objekt enthält, mit 100% oder wenigstens 50% der tatsächlichen Bildgröße auf den Bildschirm zoomen, sonst sehe ich ja die Kanten des Objekts gar nicht. Das hat aber natürlich ungefähr denselben Effekt, als hätte ich bei der visuellen Beobachtung von z. B. einem 32er auf ein 10er Okular gewechselt: Das Objekt läuft mir mit rasender Geschwindigkeit aus dem Bildausschnitt des Preview.

      Das ist zum Haareraufen! Ich hoffe, dass eine Nachführung dieses Problem beseitigen wird und ich endlich gescheit und in Ruhe fokussieren kann, ohne immer wieder das Teleskop per Hand nachführen zu müssen.

      Anschließend werde ich erst einmal mit der 5D weiterexperimentieren, denn ich sehe an den Aufnahmen bei Tag, (Blätter und Obst an Bäumen in weiter Entfernung, Stromleitungen im Nachbarort, deren einzelne Stränge an jedem der Seile ich noch scharf trennen kann) dass die Kombi 5D und Mak vollkommen in Ordnung ist. Falls also selbst mit Nachführung, Live View am Rechner und einer EOS 5D bei Astroaufnahmen noch etwas schief geht, kann es nur noch an mir liegen. Sobald ich dann mehr gelernt habe, kann ich mich vermutlich auch besser für eine eigene Kamera entscheiden. Ich habe ja Zeit…

      • Hallo,
        ich hab die Mondfinsternis mit der Kombi G6 + Russentonne photographiert, aber noch nicht online gestellt – kann aber gerne ein paar Aufnahmen zuschicken – die Optik ist zwar ordentlich scharf, aber die Bilder sind relativ flau, auch bedingt durch die große Obstruktion, da muß mit Software nachgeholfen werden (gilt aber für die meisten Maks, denke ich).
        Ein Composite hab ich mit dem 14-42 Zoom Objektiv gemacht, das ist da zu sehen:
        http://astrob.in/215876/0/
        Bin insgesamt sehr zufrieden mit den Kameras, natürlich sind 16 MPixel in Zeiten von Nikon D810 und Sony A7R nicht mehr üppig, aber mehr als ausreichend, wie ich finde.

        • Das Kompositbild gefällt mir gut. Das war sicher einiges an Arbeit. 16 Megapixel an sich fände ich OK. Die EOS 1000D hat nur 10, die 1200D hat 18. Die Pixelgröße müsste ich halt mal vergleichen, und Videofunktion ja oder nein… Ich muss sagen, im Moment tendiere ich doch noch eher zu einer Canon, aber es ist ja auch noch nicht so weit.

          • Also in Sachen Video sind die neuen Lumix Modelle schon richtig gut, da kann Canon, zumindest in derselben Preisklasse, nicht wirklich mithalten.
            Bei schlechten Lichtverhältnissen ist der kleinere Sensor der m4/3 Kameras einfach im Nachteil, gar keine Frage.
            Die Akku-Laufzeit ist bei den ganzen ‘Spiegellosen’ ein Thema – meine EOS 60Da hat – allerdings mit dem Batteriegriff – gut zwei Nächte durchgehalten, vorausgesetzt es war nicht zu kalt … die Lumix G6 schafft mit einem Akku vielleicht 3 Stunden, das ist nicht wirklich üppig.
            Du hast ja APT erwähnt – die Unterstützung für Canon und Nikon ist bei den meisten Programmen sehr gut, danach wird es mau.
            Astrotaugliche Umbauten (Filter aus- bzw. umbauen) ist allerdings kein größeres Problem mehr, da gibt es Anbieter.
            Auf Canon (oder Nikon) zu setzen bedeutet ganz sicher weniger technische Hürden überwinden zu müssen … und wenn man Einsteiger ist hilft das schon unglaublich viel, und verhindert manchen Frust. 🙂

  4. Servus Ute

    Das 5 Zoll MAK ist schon ein tolles Teil, gelle? Hab ich auch und bin damit außerordentlich zufrieden. Glückwunsch zu der Anschaffung.

    Ein Bild mit Jupiter und seinen Monden wirst du mit einer einzigen Aufnahme nicht zufriedenstellend schaffen. Fotografiere zweimal, einmal belichtet auf den Planeten und einmal länger belichtet auf die Monde. Das Genze dann zusammenbasteln (mach ich mit GIMP) und gut isses.

    Versuche so zu fokussieren, daß die Monde so klein wie möglich erscheinen. Bei der Brennweite siehst du dann nur noch sternenförmige Punkte. Dann stimmt der Fokus. Dann sollte auch der Farbsaum vom Planeten weg sein. Das Scharfstellen bei solch langen Brennweiten ist ein Geduldsspiel. Willst du mehr Details im Bild haben, dann kommst du um eine Nachführung und eine Videoaufnahme mit anschließendem Stacking nicht herum.

    Die 5D2 ist ne prima Kamera. Aber es fehlt leider das Klappdisplay. die meisten meiner Astroaufnahmen mach ich mit meiner 600D. Die hat ein Klappdisplay. Zudem kann ich dieser Kamera mit einer 3fach-Crop-Videoaufnahme das Maximum aus dem Sensor rausholen (annähernd 1:1). Meine 6D hat zwar ein weitaus besseres Rauschverhalten als die 600D, aber ihr fehlt das Klappdisplay. Ich muß dann einen externen Monitor dranhängen oder unter der Kamera rumturnen. Nicht so optimal.

    Wenn du schaun willst, was mit den Kameras möglich ist, schau doch bei mir im Blog vorbei. Jupiter hab ich noch nicht drin, der folgt aber noch in der nächsten Zeit.

    https://seescho.wordpress.com/

    Ein fröhliches Sternegucken wünscht

    Edgar

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