• Von Ludwig Trepl
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Wie die Ökologie in die Landschaft kommt – Teil 3 von “Zur Geschichte der Ökologie und des Naturschutzes”

Landschaft & Oekologie

Ich sagte eben: Diejenige Kulturlandschaft, die so ist, wie sie sein soll, die also vollkommen ist, vereint darum für die klassisch-konservative Weltanschauung Vielfalt und Eigenart, und eben deshalb ist sie schön. Damit aber verschwindet der Unterschied zwischen dem (physisch) Angenehmen, dem (moralisch) Guten und dem Schönen. Die Kulturlandschaft zu entwickeln ist Gottes Auftrag, das Ergebnis ist also gut; in ihr lebt es sich angenehm, denn gerade an sie sind die jeweiligen Gemeinschaften ja angepaßt; und sie ist, weil in ihr alles vollkommen zusammenstimmt, schön. Das aber bedeutet: Die Vollkommenheit der Kulturlandschaft ist nicht (nur) die eines Bildes, sondern die der Realität.

Das ist folgenreich. Landschaft wird nämlich zu einem (auch) materiellen Gegenstand. Man wird vielleicht denken: Natürlich ist sie das; besteht sie denn nicht aus materiellen Dingen, aus Bergen und Flüssen und Bäumen? Für die Aufklärung und auch für die Romantik aber war Landschaft nicht ein materieller Gegenstand. Sie war ein Bild – auf der Leinwand, ein Bild im Auge des Betrachters dieses Gemäldes, ein Bild in Geist und Seele des Wanderers. Landschaftliche Harmonie war die Harmonie eines Bildes. Daß eine Landschaft harmonisch ist, bedeutete darum nicht, daß die materielle Realität „harmonisch“ ist, also etwa: ökologisch und sozial gut funktioniert. Daß die Landschaft schön ist, daß es sich in dieser Landschaft gut lebt und daß die Menschen in dieser Landschaft sich moralisch richtig verhalten, das hatte für Aufklärung und Romantik nichts miteinander zu tun (sieht man einmal davon ab, daß Schönheit der Bildung moralischer Menschen zuträglich sein konnte). So denken wir das ja auch heute alle: Von einem gemalten Braten wird man nicht satt, und der Jesus-Darsteller von Oberammergau muß kein guter Mensch sein. Er versinnbildlicht dieses Ideal nur, und so kann auch die ästhetische Harmonie einer Landschaft eine harmonische Gesellschaft oder ein harmonisch  funktionierendes ökologisches System nur symbolisieren.

Im klassisch-konservativen Denken dagegen fällt die Schönheit der Landschaft mit der Vollkommenheit der realen Gegend zusammen. Das Bild der Landschaft ist nicht schön, wenn die physischen und die sozialen Dinge in der realen Gegend nicht so funktionieren, daß es sich angenehm lebt und wenn die Menschen nicht gut sind. Die wahrhaft schöne Landschaft sieht nicht nur vollkommen aus, ist nicht nur im Auge des Betrachters harmonisch und symbolisiert nur die vollkommene Harmonie, sondern sie ist vollkommen und sie ist Ausdruck einer kulturellen Entwicklung, wie sie sein soll. Die Landschaft ist etwas Reales, Materielles und als solches etwas Moralisches.

Es ergab sich also eine völlige Veränderung der Vorstellung davon, was Landschaft überhaupt ist, d. h. wo sie ontologisch hingehört, ob sie Bild oder die auf ihm dargestellte Wirklichkeit oder beides zusammen ist. Das hatte eine weitreichende Folge. Diese Veränderung war nämlich die Voraussetzung dafür, daß man meinen konnte, Landschaft könne ein Gegenstand der Naturwissenschaft, insbesondere der Ökologie sein. Wenn heute im Alltagsgebrauch von „Landschaft“ in Deutschland und einigen anderen Ländern[1] und auch in manchen wissenschaftlichen Disziplinen die Auffassung so verbreitet ist, Landschaft sei vor allem ein Gegenstand der Ökologie, so verdankt sich das der Wirkung der konservativen Weltsicht. Die deutsche Geographie, die diesem Fach auch in anderen Ländern das Gepräge gegeben hat (vor allem in den USA und in Rußland) beruft sich auf Carl Ritter (1779-1859) als ihren Gründer. Dessen Schriften zeigen deutlich die Herkunft der entscheidenden Gedanken aus Herders Geschichtsphilosophie. Vor allem im Rahmen der (physischen) Geographie aber hat sich die Ökologie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer eigenständigen Wissenschaft entwickelt.

Im Rahmen dieser Denkweise ist der Naturschutz entstanden, im Rahmen der konservativen Kulturkritik also – besser sollte man wohl konservative Zivilisationskritik sagen, denn man kämpfte gegen die moderne Zivilisation für die Erhaltung wahrer Kultur. Und das konnte nichts anderes heißen als Erhaltung und Entwicklung von Kulturlandschaften, denn diese Land-und-Leute-Einheiten – die Heimat der Leute – waren ja das, worin Natur und Kultur so beschaffen und so miteinander verbunden sind, wie es dem Willen Gottes entspricht. Der Naturschutz, wie er gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand, kämpfte nicht für die Natur gegen den Menschen, sondern sein Ideal war die Kulturlandschaft. Er war darum keineswegs statisch, sondern stand für die Entwicklung der Kulturlandschaft – dies aber im Rahmen des durch das Wesen der Gemeinschaft und der umgebenden Natur Vorgegebenen. Der klassische Naturschutz war für die Entfaltung des Wesens der Natur. Das war eine kulturelle Aufgabe und konnte nur im Zusammenhang mit der Entfaltung des Wesens der Gemeinschaft geschehen, so daß Heimatlandschaft entsteht. Nichts anderes bedeutete eben Kultur – im Gegensatz zur kalten, äußerlichen, rein nutzenorientierten, ortlosen, weltbürgerlichen Zivilisation.

 

Warum es möglich wurde, daß man in Bezug auf die Landschaft der Ökologie überhaupt irgendeine Rolle zuschreiben konnte, habe ich eben schon angedeutet: Landschaft galt (in Deutschland) nicht mehr nur als ein Bild, sondern als die materielle Realität selbst. Als schön, also vollkommen geltende Landschaft mußte auch in ökologischer Hinsicht vollkommen funktionieren. Ich will nun skizzieren, wie in der Ökologie im Hinblick auf die Fragen, die den Naturschutz überhaupt zu begründen erlauben und die ihn motivieren, zwei grundverschiedene Richtungen entstanden. Denn ich habe ja gesagt: Naturschutz kann schon deshalb nicht einfach angewandte Ökologie sein, weil es in der Ökologie im Hinblick auf jene fundamentalen Fragen nicht die Erkenntnisse gibt, auf die man sich verlassen könnte, sondern einen Dauerstreit. Dabei gab und gibt es zwei Hauptrichtungen: 

 

Die erste nennt man individualistisch. Die Gesellschaften der Tiere und Pflanzen sind bloße Gesellschaften, nicht Gemeinschaften von einander dienenden Teilen. Wichtigste Interaktionsform der Einzelorganismen ist nicht Kooperation, sondern Konkurrenz. Das Agieren des Einzelorganismus ist, anthropomorph gesprochen, allein davon bestimmt, daß es ihm selbst nutzt, nicht davon, daß es eine Funktion für andere oder für die Gesellschaft hat. Den Einzelorganismen kommen ihre Eigenschaften prinzipiell unabhängig von anderen und von der Gesellschaft als ganzer zu. Einzelorganismen brauchen nicht bestimmte andere Organismen und nicht eine bestimmte Gemeinschaft. Erzeugt wird die Gesellschaft durch die unabhängig und vor ihr vorhandenen Einzelnen. Gesellschaft entsteht dadurch, daß die Einzelnen, indem sie ihren je eigenen Vorteil verfolgen, in Beziehungen zu anderen Einzelnen treten. Eine solche Gesellschaft ist bezüglich Quantität und Qualität ihrer Mitglieder und auch bezüglich ihrer raumzeitlichen Grenzen nicht festgelegt. Jeder Organismus, der hier genügend Ressourcen findet, der in der Lage ist, sich der Konsumtion durch andere zu entziehen und der der Konkurrenz standhält, kann sich der Gesellschaft anschließen. Die Entwicklung der Gesellschaft – die Sukzession – hat kein Ziel, das erreicht oder verfehlt werden könnte. Die Veränderung ist damit prinzipiell unabgeschlossen. Wer mit wem gemeinsam vorkommt, ist offen und kann sich jederzeit ändern.

Das hat eine wichtige Konsequenz:

Ob man sagt, durch das Hinzutreten oder Entfernen von Organismen habe sich die Gesellschaft verändert, d. h. es ist noch diese Gesellschaft, sie habe nur andere Eigenschaften als vorher, oder ob man sagt, die Gesellschaft bestehe nicht mehr, statt dessen eine andere, ist reine Konvention. In diesem Sinne „gibt“ es die Gesellschaft nicht. Es ist darum, und das ist die für den Naturschutz wichtigste Konsequenz, sinnlos zu sagen, die Gesellschaft sei geschädigt oder zerstört. Das wäre im Wortsinne gegenstandslos (ich komme darauf zurück).

Erkenntnistheoretisch betrachtet ist es der Wissenschaftler, der die Gesellschaft erzeugt: Er konstruiert sie durch interessengelenkte Auswahl von Arten und durch Ziehen von Raum- und Zeitgrenzen. Es gibt zu jedem Zeitpunkt so viele verschiedene Gesellschaften, wie es Fragen gibt, die der Wissenschaftler an sein Objekt stellt, also prinzipiell beliebig viele.

 

Diese Grundauffassung von der Natur auf der Ebene der biologischen Gesellschaften, also des Hauptgegenstands der Ökologie, herrscht seit Darwin in der Biologie vor. Nun ist ja bekannt, daß man die darwinsche Natursicht von Anfang an als die in die Natur hineingesehene politische Weltanschauung Darwins, nämlich als im Geiste des Liberalismus gedeuteten Konkurrenzkapitalismus, betrachtet hat. Und es ist sicher aufgefallen, daß im individualistischen Ansatz die biologischen Gesellschaften ziemlich genau so beschaffen sind, wie dem Liberalismus zufolge die Gesellschaften der Menschen: Gesellschaften unabhängiger, egoistischer, einander bekämpfender Einzelner.

 

Die gegenteilige Weltanschauung, die konservative, diente aber ebenfalls dazu, die biologischen Gesellschaften nach einem bestimmten Muster zu sehen: Die Gesellschaft ist eine organische Gemeinschaft, ein Superorganismus. Man nennt diese Variante der Ökologie meist holistisch-organizistisch.

Die Denkfigur der Landschaft als Einheit von Land und Leuten wurde in geographienahen Teilen der Ökologie um 1900 gleichsam um eine Stufe nach unten verschoben: Der Volksgemeinschaft entspricht die biologische Gesellschaft oder Biozönose. Der umgebenden Natur, dem Lebensraum entspricht der Biotop. An die Stelle der Entwicklungseinheit „Land und Leute“ tritt die Einheit von „Biotop und Biozönose“ (seit den 1930er Jahren als „Ökosystem“ bezeichnet).

Daß die Gesellschaft eine organische Gemeinschaft ist, heißt[2]: Es wird nicht betont, daß die Einzelorganismen auf Kosten anderer zu (über)leben versuchen, sondern daß sie einander wechselseitig ihre Existenz ermöglichen, damit voneinander und von Ganzen abhängig sind, so wie umgekehrt das Ganze vom Einzelnen. Jeder Einzelorganismus hat seine essentiellen Eigenschaften, um von der Gemeinschaft vorgegebene Funktionen erfüllen zu können.

Gemeinschaften sind nicht durch Zusammenschluß  zuvor unabhängiger Einzelorganismen entstanden. Es hat vielmehr die Gemeinschaft immer schon vorher gegeben, so wie es den Einzelorganismus immer schon vor den Organen und Zellen gegeben hat, die von ihm zu seinen Zwecken erzeugt werden.

Erkenntnistheoretisch betrachtet konstruiert nicht der Wissenschaftler eine Gesellschaft, indem er bestimmte Räume abgrenzt, bestimmte Organismen aus vielen möglichen auswählt, so daß sich je nach Wahl eine andere Gesellschaft ergibt, sondern er findet die Gemeinschaft in der Natur vor, so wie er einen Einzelorganismus vorfindet und nicht konstruiert. Es gibt nicht beliebig viele Gesellschaften in der Natur, so viele, wie es interessenabhängige Fragen gibt, sondern eine ganz bestimmte Anzahl, so wie es eine ganz bestimmte Anzahl von Einzelorganismen gibt.

Die Entwicklung der Gemeinschaft, die Sukzession, ist auf ein Ziel gerichtet. Dieses kann erreicht oder verfehlt werden. Es besteht in wechselseitiger Erzeugung und Erhaltung einer größtmöglichen Vielfalt. Diese ist keine beliebige Vielfalt, bei der es allein auf die Anzahl der Elemente ankäme, sondern die „normale“ – „normal“ nicht als: gewöhnlich, häufig, durchschnittlich, sondern: der Norm entsprechend. Die Norm setzen die vorgegebenen Umweltbedingungen. Die Gemeinschaft paßt sich in ihrer Entwicklung an diese von ihr selbst nicht veränderbaren Bedingungen an und gestaltet die veränderbaren Umweltbedingungen ihren Ansprüchen gemäß um. (Ein Wald schafft sich z. B. ein eigenes Mikroklima, aus seinen eigenen Abfällen einen bestimmten Boden etc. und paßt sich gerade dadurch und durch Vielfaltserhöhung, d. h. durch Aufnahme ganz bestimmter, angemessen funktionierender Arten an das von ihm unbeeinflußbare Großklima an.)

Wo die Entwicklung hinführt, ist, wenn sie normal verläuft, prognostizierbar: zu einem Zustand, in dem sich Gemeinschaft und Umwelt im Gleichgewicht befinden. Diesen Zustand nennt man „Klimax“. Das Klimaxstadium, das Ziel, zu dem sich jede Einheit von Biotop und Biozönose entwickeln soll und auch entwickelt, wenn keine Störfaktoren einwirken, ist das naturwissenschaftliche Pendant zur kulturellen Vollkommenheit oder „Reife“, zu der sich Völker, auf je unverwechselbare, eigene Art, entwickeln (sollen).

 

Ob die Ökologie ihre Objekte im Sinne des einen oder der anderen Ansatzes auffaßt, hat weitreichende Konsequenzen für die Ethik des Naturschutzes.

Wenn die Einzelorganismen nach dem Modell Organ-Organismus wechselseitig aufeinander angewiesen sind, dann folgt: Durch jede Beeinflussung eines Teiles sind typischerweise alle anderen Teile mit betroffen. Es folgt auch, daß ein Satz wie „Schädigung (oder Zerstörung) der Lebensgemeinschaft“ ein sinnvoller Satz ist. Denn die Gemeinschaft ist ein sich selbst erzeugendes und erhaltendes System. Eine Schädigung ist jede Veränderung, die diesen Bestrebungen zuwiderläuft. „Ökologisch“ bezeichnet hier einen Gesundheits- und Normalitätszustand.

Für die individualistische Richtung ist das kein sinnvoller Satz. Eine Veränderung der Gesellschaft ist nur eine Veränderung. Denn die Anwendungsbedingungen der Begriffe Schädigung und Zerstörung sind nicht gegeben. Bei einem Gegenstand des Typs „Gesellschaft unabhängiger Einzelner“ lassen sich, anders als bei einem Organismus, beliebige Sollzustände festlegen und jede Veränderung kann man statt Schädigung bei Vorgabe eines anderen Sollzustands eine Verbesserung nennen. Eine Forderung nach „Erhaltung der Lebensgemeinschaften“ oder „der Ökosysteme“ ist hier im Wortsinne gegenstandslos. Redet man doch von einem Schaden für ein Ökosystem, so  kann das nie etwas anderes sein als ein Schaden im Hinblick auf einen von uns definierten Zweck.

Doch wenn auch damit im organizistischen Ansatz ein Ansatzpunkt für eine Naturschutzethik gegeben ist in Form einer Mindestbedingung – ökologische Objekte werden als etwas gedacht, das überhaupt als beeinträchtigt gedacht werden kann – so führt dieses Naturbild doch nicht zu einer nicht-anthropozentrischen Ethik. Die Antwort auf die Frage, warum man eine Art nicht ausrotten darf, ist zwar: weil das Schäden für die ganze Gemeinschaft nach sich zieht. Aber es bleibt die Frage: Warum sollte man denn die Gemeinschaft nicht schädigen? Die Antwort kann nur sein: Weil Zwecke von uns Menschen dadurch beeinträchtigt werden. Eine andere Antwort liefe auf einen Sein-Sollens-Fehlschluß hinaus.

Warum sich die Hoffung auf eine nicht-anthropozentrische Naturethik mit dieser organizistischen Ökologie dennoch verbinden konnte, zeigt sich erst, wenn wir die Naturwissenschaft verlassen und sehen, in welchem weltanschaulichen Zusammenhang diese Ökologie entstanden ist und nur sinnvoll ist. Diesen weltanschaulichen Zusammenhang – konservative Kulturkritik – habe ich vorhin skizziert.

 

Ich fasse zusammen:

Die Idee des Naturschutzes entstammt der konservativen Kulturkritik, und der Naturschutz verstand sich entsprechend anfangs als kulturelle Aufgabe, nicht als Teil dessen, was wir heute Umweltschutz nennen, damit nicht als angewandte Ökologie. In der Denkweise des klassischen Konservativismus gehörte zur wahren Kultur die Entwicklung der umgebenden Natur zur in ihr angelegten Vollkommenheit, d. h. die Entwicklung von Kulturlandschaften als Einheiten von Land und Leuten. Diese Entwicklung, die zugleich Anpassung an Natur war, galt als von Gott gesetzte Aufgabe.

Daß Landschaft als Gegenstand der Ökologie gesehen werden könnte, war in der Vorstellung des klassischen Konservativismus von Landschaft bereits angelegt. Während vorher, in Aufklärung und Romantik, Landschaft ein Bild war und nicht das materielle Gebilde, das auf diesem Bild dargestellt war, wurde Landschaft nun zu einem (auch) materiellen Gegenstand. Schönheit der Landschaft wurde in ihrer Vollkommenheit gesehen, und zur Vollkommenheit gehörte auch das perfekte ökologische Funktionieren.

Die grundlegend verschiedenen Auffassungen der liberalen Aufklärung und des Konservativismus vom Wesen menschlicher Gesellschaften zeigen sich auch in den Vorstellungen der Ökologie von biologischen Gesellschaften. Der Vorstellung der Gesellschaft unabhängiger Einzelner steht die der organischen Gemeinschaft der einander wechselseitig unterstützenden Teile einer Ganzheit gegenüber. Hinsichtlich seiner wichtigsten Fragen kann der Naturschutz darum nicht die Wissenschaft Ökologie um Antworten fragen, denn er wird grundverschiedene Antworten erhalten.

(Teile dieses Vortrags sind wörtlich übernommen aus: Trepl, Ludwig 2012: Die Idee der Landschaft. Bielefeld: transcript.)


[1] Drexler, Dóra 2010: Landschaft und Landschaftswahrnehmung. Untersuchung des kulturhistorischen Bedeutungswandels von Landschaft anhand eines Vergleichs von England, Frankreich, Deutschland und Ungarn. Dissertation Technische Universität München, = https://mediatum.ub.tum.de/doc/738822/738822.pdf.

[2] Das Folgende ist aus der Dissertation von Annette Voigt (https://mediatum.ub.tum.de/doc/632738/632738.pdf).

 

 

Ludwig Trepl

Veröffentlicht von

Ich habe von 1969-1973 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der FU Berlin Biologie studiert. Von 1994 bis zu meiner Emeritierung im Jahre 2011 war ich Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsökologie der Technischen Universität München. Nach meinem Studium war ich zehn Jahre lang ausschließlich in der empirischen Forschung (Geobotanik, Vegetationsökologie) tätig, dann habe ich mich vor allem mit Theorie und Geschichte der Ökologie befaßt, aber auch – besonders im Zusammenhang mit der Ausbildung von Landschaftsplanern und Landschaftsarchitekten – mit der Idee der Landschaft. Ludwig Trepl