Neonazis und Naturschutz

BLOG: Landschaft & Oekologie

Unsere Umwelt zwischen Kultur und Natur
Landschaft & Oekologie

Mißbrauchen Rechtsradikale de Naturschutz oder haben sie ihn erfunden? Diese Alternative ist falsch.

„Neonazis …. haben den Naturschutz, den ökologischen Landbau, das neue Gesundheitsbewusstsein und den Anti-Atomkraftprotest für sich entdeckt. Der Bayrische Rundfunk (Report München) zeigte neulich wie eine Zeitung mit dem harmlosen Namen Umwelt und Aktiv unter dem Öko-Deckmäntelchen rechtsextremes Gedankengut verbreitet. Unter den Autoren sind führende Neonazis. ‚Autonome Nationale Sozialisten’ aus dem ländlichen Raum in Schleswig-Holstein starteten in diesem Jahr eine Kampagne, in der die Logos und Symbole der Umweltbewegung dreist imitiert wurden. Der Experte für Rechtsextremismus, Andreas Speit, erklärt das Denkmuster der Rechtsextremen: ‚Der Grundgedanke ist hier: Umweltschutz ist Heimatschutz ist Volksschutz.’“ Das schreibt jemand auf Zeit-Online.[1]

Jemand, für den die Geschichte nicht erst mit der Gründung der BRD anfängt, wird vielleicht einwenden: Es sind nicht die Neonazis, die da dreist imitieren. Was sie angeblich für sich entdecken, d. h. von einem Original übernehmen, das haben sie entdeckt, und andere haben es imitiert, oder freundlicher formuliert: aufgegriffen und mehr oder weniger verändert in ihr linkes oder liberales Weltbild integriert. – Das hat man in den Nachkriegsjahrzehnten oft, wohl vorwiegend so gesehen, bzw. man hat gemeint, Naturschutz sei Bestandteil einer Ideologie, die man insgesamt als „reaktionär“ bezeichnen muß und die auch den Nationalsozialismus umgreift.

Manchmal kommt das auch heute noch vor, allerdings selten. Im Gekeife der Amateurpolitiker auf den Internetforen aber treibt es oft unglaubliche Blüten. So stand in Spiegel Online: „Öko ist alternativ und links? Nicht nur. Auch Rechtsextreme haben das Thema entdeckt. Sie verkaufen Bio-Gemüse, machen Wahlkampf mit Umweltthemen und vertreiben sogar eine Zeitschrift mit netten Gartentipps – inklusive rechter Ideologie und rassistischer Hetze.“[2] Dazu schreibt dann ein Kommentator unter dem Pseudonym „SozLib“: „Das ist nun wirklich nichts neues. In den Anfangszeiten der Grünen bestanden sie in vielen ländlicheren Regionen zu 80% aus Menschen mit nationalem Einschlag bis zu Ultrarechten. Erst ganz allmählich hat sich auch auf dem flachen Land die eher linke Fraktion durchgesetzt.“ Das ist natürlich glatt gelogen; ich war dabei und hätte es gemerkt. Es gab „Menschen mit nationalem Einschlag“, aber es waren wenige. Mir ist in den mehr als 10 Jahren, in denen ich da sehr aktiv war, nicht ein einziger begegnet.

Aber wie ist es mit der obigen Behauptung darüber, was hier Original, was Kopie ist? Man trifft sie unter Ökologismus-Kritikern[3] oft: Es handle sich beim Naturschutz, wie immer er heute einzuordnen sein mag, um eine ursprünglich braune Angelegenheit. Ich will zeigen, daß das falsch ist. Denn auch der Nationalsozialismus hat die Ideen des Naturschutzes nicht erfunden, sondern vorgefunden, aufgegriffen und verändert in sein Weltbild integriert.

Das Original ist nicht nationalsozialistisch, sondern konservativ. (Es ist damit auch nicht, anders als man ebenfalls vielfach lesen kann, romantisch, auch wenn die Romantik einen gewissen Anteil hat; den hat aber auch die Aufklärung, siehe dazu mein Buch „Die Idee der Landschaft“.) Aus der Sicht der Progressiven, also historisch der „Liberalen“ und der „Demokraten“ (bzw. „Sozialisten“, zu denen sich letztere entwickelten), ist es zwar zu bestimmten politischen Zwecken nützlich, die nicht-progressiven politischen Gegner, die Antimodernen, alle in einen Topf zu stecken, und es ist daran auch etwas Richtiges, denn natürlich gibt es Gemeinsamkeiten zwischen all ihren verschiedenen Richtungen, und die Gemeinsamkeiten überwogen zu manchen Zeiten und in manchen Situationen und führten zu politischen Bündnissen. Aber wenn man nur die Gemeinsamkeiten sieht, übersieht man sehr wichtige Unterschiede. Damit meine ich hier nicht, daß die Konservativen sich in großen Teilen – sehr spät und zunächst widerwillig – mit der Demokratie arrangiert haben, die Nationalsozialisten nicht. Relevant ist in unserem Kontext vielmehr die sehr unterschiedliche Stellung von (klassischen) Konservativen und Nationalsozialisten zum technisch-industriellen Fortschritt.

Die klassischen Konservativen lehnten ihn ab. Die Nationalsozialisten verteidigten zwar ebenso wie die Konservativen die gewachsenen organischen Land-und-Leute-Einheiten („Kulturlandschaften“) – also das, was der klassische Naturschutz, der zugleich Heimatschutz war, vor allem schützen wollte –, und sie feierten den „Ursprung“, es gab einen Kult um die Germanen und um die nordischen Urwälder. Sie feierten aber zugleich den technisch-industriellen Fortschritt euphorisch. Wie das möglich war, wo doch eben dieser Fortschritt die Urwälder ebenso wie die gewachsenen Kulturlandschaften in ihrer Vielfalt und historischen Eigenart zerstört, und daß es der Rassismus bzw. dessen besondere Form „völkischer Rassismus“ war, der das ermöglichte, ist vor allem von Stefan Körner[4] und von Margrit Bensch[5] detailliert herausgearbeitet worden.

Körner hat auch gezeigt, wie und in welchem Sinne die spezifische Prägung des Nachkriegs-Naturschutzes als „angewandte Ökologie“ (also als angewandte Naturwissenschaft, also als technische Aufgabe und nicht als eine Kulturaufgabe, was er für den klassischen Naturschutz war) in Deutschland nur möglich wurde durch den Zwang der damaligen geschichtlichen Situation, sich von der eigenen nationalsozialistischen Vergangenheit zu distanzieren. Denn wenn der Naturschutz auch keine Erfindung des Nationalsozialismus war, so gelangte er unter ihm doch zur Blüte und die Naturschützer waren ihm darum typischerweise sehr verbunden. Ja, viele haben ihr Denken über das Wesen von Natur und Naturschutz so modifiziert, daß sie dem Nationalsozialismus nicht nur verbunden, sondern sein Teil waren. Deshalb mußten sie später eine Last loswerden. Zugleich mit den Distanzierungsversuchen wurde jedoch auch der Weg fortgesetzt, der man in der NS-Zeit begonnen hatte: Naturschutz stand nicht wie in der klassisch-konservativen Naturschutzbewegung dem technisch-industriellen Fortschritt feindlich gegenüber, sondern war im Einklang mit ihm.

Das ist der historische Hintergrund dessen, was heute weithin als „fortschrittlicher“ Natur- und vor allem Umweltschutz gilt und gegen den konservativen Naturschutz, der wie seit über 100 Jahren mit dem Heimatschutz verbunden ist, abgesetzt wird. Diese Verbindung von Bewahren und Fortschritt ist damals, im aufkommenden Nationalsozialismus, entstanden im Rahmen der Idee, daß das höchste, was die Natur – unsere innere Natur und die Natur der nordischen Wälder, aus denen wir kommen und die uns geformt hat – hervorgebracht hat, die allen anderen überlegene nordische Rasse ist. Ein Dienst an dieser Rasse bzw. dem von dieser Rasse geprägten Volk kann darum gar nicht gegen die Natur gerichtet sein, auch wenn er sich der fortgeschrittensten technischen Mittel bedient: Hier ist ja die Natur in Gestalt ihrer höchsten Hervorbringung selbst am Werk – was man auch daran sieht, daß diese Rasse ihren Kampf immer gegen das Unnatürliche führt: gegen die moderne Demokratie mit ihrer Auflösung aller natürlichen Bindungen, gegen den Liberalismus, gegen den Bolschewismus, gegen den jüdischen Geist, der an all diesen modernen Verirrungen die Schuld trägt, gegen das jüdisch-angloamerikanische „Händlerwesen“, das jede Bindung an die Natur (dem Heimatort, den „Boden“) verloren hat usw.

Diese Denkfigur allerdings ist aus den modernen, „technokratischen“ Varianten des Naturschutzes verschwunden. „Der Grundgedanke … Umweltschutz ist Heimatschutz ist Volksschutz“ (s. o.) ist in dem Naturschutz, den wir seit 50 oder 60 Jahren kennen, in der Tat nicht vorhanden. Zwar kommt die Idee des Heimatschutzes mitunter schon, und insgeheim, als private Motivation, vielleicht sogar vorherrschend, noch vor. Aber „Völker“ gibt es im mainstream des heutigen Naturschutzes, sowohl des konservativen als auch des „basisdemokratischen“ und ebenso des sich für progressiv haltenden technokratischen, nicht mehr. Auch Rassen gibt es, bei allem Biologismus, der hier das Denken beherrscht, nicht mehr: Man kennt nur noch die biologische Spezies „Mensch“.

Doch kann man fragen, wie haltbar das ist. Denn es scheint nicht gar so abwegig, daß der im Naturschutz übliche Biologismus, für den der Mensch nichts als eine biologische Spezies ist – weshalb er sich keine Vorrechte herausnehmen darf –, sich doch wieder mit dem Gedanken anfreunden könnte, daß diese Spezies biologisch in Untereinheiten zerfällt und daß diese, da es ja andere Unterschiede als biologische für den mainstream der Naturschützer nicht einmal den Tieren gegenüber gibt (die Intelligenz ist auch eine Natureigenschaft), auch in ihrem Wert verschieden sind.

[1] 21.1.2012

[2] http://forum.spiegel.de/f22/neonazi-strategie-braune-bio-kameradschaft-57953.html

[3] Man findet diese Art von Kritik z. B. auf den Seiten des „Science Sceptical Blog“.

[4] Körner, Stefan (2001a): Theorie und Methodologie der Landschaftsplanung, Landschaftsarchitektur und Sozialwissenschaftlichen Freiraumplanung vom Nationalsozialismus bis zur Gegenwart. Landschaftsentwicklung und Umweltforschung, Technische Universität Berlin, Nr. 111. (Dissertation Technische Universität Berlin).

Gesunde Erholung in gesunder Landschaft: die Entwicklung der Landespflege zu einer versachlichten, legislativ geregelten Planungsdisziplin.

[5] Bensch, Margrit (1995): Die „Blut und Boden“-Ideologie. Ein dritter Weg der Moderne. Beiträge zur Kulturgeschichte der Natur 2.

 

Ludwig Trepl

Veröffentlicht von

Ich habe von 1969-1973 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der FU Berlin Biologie studiert. Von 1994 bis zu meiner Emeritierung im Jahre 2011 war ich Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsökologie der Technischen Universität München. Nach meinem Studium war ich zehn Jahre lang ausschließlich in der empirischen Forschung (Geobotanik, Vegetationsökologie) tätig, dann habe ich mich vor allem mit Theorie und Geschichte der Ökologie befaßt, aber auch – besonders im Zusammenhang mit der Ausbildung von Landschaftsplanern und Landschaftsarchitekten – mit der Idee der Landschaft. Ludwig Trepl

20 Kommentare

  1. Die Nationalsozialisten … feierten aber zugleich den technisch-industriellen Fortschritt euphorisch.

    Mir fällt in dieser Hinsicht die linke Position ein, die Anna Seghers in der Kurzgeschichte “Sagen von Artemis” vertritt. Dort sitzen Jäger in einer Hütte fest und vertreiben sich die Zeit mit Geschichten darüber, wie Ihnen Artemis leibhaftig erschienen ist. Dem letzten erschien sie, als er es gerade mal wieder nicht ausgehalten hat, wie die Wäler reihum verschwanden. Er will getröstet werden, aber “Sie antwortete: So ist das also mit dir. Du hast deinen alten Wald gesucht, und er war nicht mehr da. … Und weil du deinen alten Wald nicht mehr findest, deshalb schiltst du die Baumfäller Frevler und Schufte, die Maurer und die Städtebauer Narren. … Du vergißt, daß sie meine Schwester ist, die Göttin dieser Stadt. Da drunten sitzt sie rittlings auf einem Hebekran, sie winkt mir zu und lacht. Ich freue mich mit ihr.”

    Auch die Kommunisten haben also versucht, Naturschutz und Industrialisierung ideologisch zu vereinen.

  2. Wobei der Webbaer hier natürlich sozusagen in Watte gepolstert kommentarisch beiträgt, niederrangig wie immer und sich seines Standes bewusst, aber dann doch in Bezug auf den letzten Absatz der hier versandten Nachricht “ein wenig” aufsteift und -natürlich nur konstruktiv ergänzend, zumindest um Konstruktivität bemüht, sogar in Anbetracht der Umstände solidarisch (Kritik sollte ansonsten natürlich nie konstruktiv und solidarisch sein, sie darf auch vernichtend und sozial unbekömmlich sein, Old Adorno bspw. lebte von dieser Einsicht)- zwar wie folgt eben zum letzten Absatz der versandten Nachricht (letzte Absätze sind oft fazitärisch).

    Doch kann man fragen, wie haltbar das ist. Denn es scheint nicht gar so abwegig, daß der im Naturschutz übliche Biologismus, für den der Mensch nichts als eine biologische Spezies ist – weshalb er sich keine Vorrechte herausnehmen darf –, sich doch wieder mit dem Gedanken anfreunden könnte, daß diese Spezies biologisch in Untereinheiten zerfällt und daß diese, da es ja andere Unterschiede als biologische für den mainstream der Naturschützer nicht einmal den Tieren gegenüber gibt (die Intelligenz ist auch eine Natureigenschaft), auch in ihrem Wert verschieden sind.

    1.) Zeitgenössischer Naturschutz meint das Bemühen um die Natur, den Nutznießer dieser Natur, den Menschen, zuvörderst im Auge behaltend.
    2.) Intelligenz ist keine ‘Natureigenschaft’, sondern sie ist im Laufe des letzten Jahrhunderts entwickelt worden, sie hat die Primäreigenschaft Indices bereitzustellen, die auf Verständigkeit hindeuten könnten.
    Die Intelligenz ist eine abstrakte Größe derart Entwickelnder, eine Messgröße, erkennende Subjekt sind davon unbeeindruckt regelmäßig bspw. klug oder schlau oder abgefeimt oder weise oder verständig.
    Die Intelligenz ist insofern etwas für die anderen, auch wenn sich hier (bevorzugt: wirtschaftlicher) Nutzen ergeben könnte, korrekt.
    3.) Zusammengefasst ist dies hier – ‘daß diese Spezies biologisch in Untereinheiten zerfällt und daß diese, da es ja andere Unterschiede als biologische für den mainstream der Naturschützer nicht einmal den Tieren gegenüber gibt (die Intelligenz ist auch eine Natureigenschaft), auch in ihrem Wert verschieden sind’ – korrekt, aber insofern “politisch unrichtig”, wie Nachbars Lumpi mit dem Schwanz wackelt, also: jederzeit.
    Sie meinen natürlich nicht den (abstrakten) Menschenwert, werter Herr Trepl, sondern einen Nutzwert oder einen Wert des Erkennens, im Philosophischen oder Kulturellen und so.
    Ihr Kommentatorenfreund, dem bekanntlich “politische Richtigkeit” unwichtig ist, würde hier schon gerne präzisiert sehen wollen.
    Denn alle Leutz sind plus-minus i.p. Veranlagung OK, sie könnten besser, wenn sie es vielleicht zurzeit, kulturell oder politisch motiviert vielleicht nicht können, aber sie könnten besser, woll?!

    MFG
    Dr. W

    • PS:
      Aja, schon verstanden, schwieriger Text, das war antithetisch gemeint, sr, lol, das Intro – ‘Aber „Völker“ gibt es im mainstream des heutigen Naturschutzes, sowohl des konservativen als auch des „basisdemokratischen“ und ebenso des sich für progressiv haltenden technokratischen, nicht mehr. Auch Rassen gibt es, bei allem Biologismus, der hier das Denken beherrscht, nicht mehr: Man kennt nur noch die biologische Spezies „Mensch“.’ – hat hier irritiert.

      MFG + GN
      Dr. W

    • @ Webbär

      „Kritik sollte ansonsten natürlich nie konstruktiv und solidarisch sein, sie darf auch vernichtend und sozial unbekömmlich sein“

      Sehr richtig. Noch ein gewichtiger Zeuge:

      „Es gibt eine Redensart, daß man nicht nur niederreißen, sondern auch wissen müsse aufzubauen, welche Phrase von gemütlichen und oberflächlichen Leuten allerwegs angebracht wird, wo ihnen eine sichtende Tätigkeit unbequem entgegentritt. Diese Redensart ist da am Platze, wo obenhin abgesprochen oder aus törichter Neigung verneint wird; sonst aber ist sie ohne Verstand. Denn man reißt nicht stets nieder, um wieder aufzubauen; im Gegenteil, man reißt recht mit Fleiß nieder, um freien Raum für Licht und Luft zu gewinnen, welche überall sich von selbst einfinden, wo ein sperrender Gegenstand weggenommen ist.“ (Gottfried Keller, aus dem Grünen Heinrich)

      „Zeitgenössischer Naturschutz meint das Bemühen um die Natur, den Nutznießer dieser Natur, den Menschen, zuvörderst im Auge behaltend.“

      Abgesehen von der albernen Formulierung: Zustimmung. Zwei Kant-Zitate:

      Der Mensch ist „der letzte Zweck der Schöpfung hier auf Erden, weil er das einzige Wesen auf derselben ist, welches sich einen Begriff von Zwecken machen und aus einem Aggregat von zweckmäßig gebildeten Dingen durch seine Vernunft ein System der Zwecke machen kann.“

      “Der vierte und letzte Schritt, den die den Menschen über die Gesellschaft mit Tieren gänzlich erhebende Vernunft hat, war: daß er (wiewohl nur dunkel) begriff, er sei eigentlich der Zweck der Natur, und nichts, was auf Erden lebt, könne hierin einen Mitbewerber gegen ihn abgeben.”

      „Intelligenz ist keine ‘Natureigenschaft’“

      Kommt auf den Naturbegriff an. An den Stellen in der philosophischen Literatur, wo diese Formulierung vorkommt und auf die ich mich normalerweise beziehe, wird ein Naturbegriff zugrundegelegt, der „Intelligenz ist eine ‘Natureigenschaft’“ möglich macht, ja erzwingt. Abgesehen davon: an dieser Stelle gebe ich ja nur eine unter Naturschützern verbreitete Meinung wieder.

      3.) „Zusammengefasst ist dies hier …“

      In diesem Absatz habe ich nichts verstanden.

      „Sie meinen natürlich nicht den (abstrakten) Menschenwert …“

      Ich meine die konkrete Menschenwürde.

      „sr, lol, das Intro“

      Nichts davon verstehe ich. Obwohl ich mein Leben lang von Kindern umgeben war, hab ich doch diese infantile Sprache nicht erlernt. Sie, Dr. W., haben offenbar gezielt derartige Dinge gesammelt, um anzugeben. Unterlassen Sie das bitte. Es gibt kaum einen Text von Ihnen, in dem nicht so eine affige Buchstabenkombination vorkommt, die ich nicht kenne.

      • Obwohl ich mein Leben lang von Kindern umgeben war, hab ich doch diese infantile Sprache nicht erlernt. Sie, Dr. W., haben offenbar gezielt derartige Dinge gesammelt, um anzugeben.

        Nervsprech, das Fachwort, Sie wünschen dieses abgestellt, lässt sich machen & ist notiert.
        MFG

  3. Hier die Kerngedanken:

    Enzyklika Laudato si, § 5:

    “Die Zerstörung der menschlichen Umwelt ist etwas sehr Ernstes, denn Gott vertraute dem Menschen nicht nur die Welt an, sondern sein Leben selbst ist ein Geschenk, das vor verschiedenen Formen des Niedergangs geschützt werden muss. Alle Bestrebungen, die Welt zu hüten und zu verbessern, setzen vor allem voraus, »dass sich die Lebensweisen, die Modelle von Produktion und Konsum und die verfestigten Machtstrukturen [von Grund auf] ändern, die heute die Gesellschaften beherrschen«. Die echte menschliche Entwicklung ist moralischer Art und setzt die vollkommene Achtung gegenüber der menschlichen Person voraus, muss aber auch auf die Welt der Natur achten und »der Natur eines jeden Wesens und seiner Wechselbeziehung in einem geordneten System […] Rechnung tragen«. Daher muss sich die Fähigkeit des Menschen, die Wirklichkeit umzugestalten, auf der Grundlage der ersten Ur-Schenkung der Dinge von Seiten Gottes entwickeln.”

    Das steht jedem Biologismus fern.

    • @Paul Stefan

      „Das [Gedanken aus der Papst-Enzyklika] steht jedem Biologismus fern.“

      Das stimmt. Genauso wie der klassische Naturschutz jedem Biologismus fernstand.

      Übrigens: Eine evangelische Forschungseinrichtung hatte mich vor ca. 2 Jahren zu einem Gespräch mit Theologen eingeladen, Vertreter verschiedener Konfessionen waren da, auch ein Muslim. Es ging um die Frage, was denn „Bewahrung der Schöpfung“ eigentlich heißen soll. Wenn wir alle Lebewesen auf der Erde ausrotten, ist „die Schöpfung“ ja immer noch da, die läßt sich, ebenso wie „die Natur“, gar nicht zerstören. Die Theologen standen allesamt völlig hilflos vor dieser Frage. Das kommt daher, daß sie sich darauf eingelassen hatten, über „die Schöpfung“ oder „die Natur“ in naturwissenschaftlichen Begriffen zu reden (anders als die klassischen Naturschützer), und da kann die Frage weder gestellt noch beantwortet werden.

      Der Schriftsteller Dahl hat vor 30 oder 40 Jahren mal geschrieben: Wenn es tagelang Blausäure regnet, dann gibt es auf der Erde immer noch ein „funktionierendes Ökosystem“. Denn es gibt ein Bakterium, dem es in einem Ozean von Blausäure besonders gut geht.

  4. Martin Holzherr: “Zudem sieht er in der Verneigung vor der Natur auch eine Verneigung vor Gott.”

    Nicht so sehr eine Verneigung vor der Natur, sondern vor der Schöpfung, der Schöpfung Gottes. Die Gedanken des Papstes haben selbstverständlich eine theologische Fundierung.

  5. Das Bundesamt für Naturschutz verweist derart kurz auf seine Geschichte:
    -> https://www.bfn.de/0106_geschichte.html

    Genschman gab der Sache dann beginnend 1970 einen besonderen Drive, hat hier verstärkt politische Aktivität gezeigt, hat sich -sofern die Erinnerung des Schreibers dieser Zeilen nicht trügt- auch quasi als Erfinder des bundesdeutschen Naturschutzes bezeichnet, zum Vergleich:
    -> http://www.zeit.de/1970/17/genschers-wunschzettel

    Die “Ökos” haben dann der FDP das Thema insofern abgenommen, als dass sie sehr dezidiert und zentriert auf Naturschutz pochten, vielleicht beginnend 1977.

    Dies nur ergänzend, die Einordnung, wie im WebLog-Artikel vorgenommen, soll nicht kritisiert werden, vielen Dank für diesen Artikel, der i.p. Naturschutz und Nationalsozialismus aufklärt.

    MFG
    Dr. W

    PS @ Herr Holzherr:
    Naturschutz idealerweise als angewandter Humanismus ginge für Sie?

    • @Webbaer

      „Genschman gab der Sache dann beginnend 1970 einen besonderen Drive, hat hier verstärkt politische Aktivität gezeigt, hat sich -sofern die Erinnerung des Schreibers dieser Zeilen nicht trügt- auch quasi als Erfinder des bundesdeutschen Naturschutzes bezeichnet“

      Wenn Ihnen ein Experte für irgendwas irgendwas über dieses Irgendwas erzählt, dann sollten Sie es dankbar zur Kenntnis nehmen und nicht daran rumkritisieren. Genscher und die FDP hab ich nicht erwähnt, weil sie es nicht verdienen. „Als Erfinder des bundesdeutschen Naturschutzes“ hat sich z. B. auch Strauß (oder war es ein anderer CSU-Politiker?) bezeichnet, mit weitaus mehr Recht. Aber er hatte auch nur ein ganz kleines bißchen recht. Der Naturschutz wurde vor über 100 Jahren „erfunden“, als wichtigste Figur wird gewöhnlich Rudorff genannt, und er hat in den frühen 70ern als Ideologie eine Veränderung insofern erfahren, als Massen von meist jungen Leuten mit „basisdemokratischer“ Einstellung, die sich selbst als links einsortierten, das aber zum großen Teil zu Unrecht, der Naturschutzbewegung anschlossen. Die „Sprecher“ dieser Bewegung, z. B. Weinzierl, waren aber immer, all die Jahrzehnte seitdem, im klassischen Sinne Konservative.

      “Die ‘Ökos’ haben dann der FDP das Thema insofern abgenommen, als dass sie sehr dezidiert und zentriert auf Naturschutz pochten, vielleicht beginnend 1977.”

      Nein, nein. Die FDP hatte dieses Denken aus strukturellen Gründen nie, auch wenn da mal einer gesagt haben sollte: das schreiben wir jetzt in unser Programm rein, die Leute wollen es hören.

      Die “Ökos” hatten “das Thema” einerseits von Anfang an, und der Anfang war nicht 1977, sondern etliche Jahre früher. Andererseits hatten sie es nie richtig, es war gegenüber einem technokratischen Umweltschutz da immer in einer ganz schwachen Position. Ich weiß das, denn ich war dabei. – In einer schwachen Position ist es da noch immer, wie man an der Windenergie-Diskussion sieht.

      Diejenigen, denen man “das Thema” abgenommen hat, waren ganz andere: Naturschützer halt, meist in grüne Lodenmäntel gekleidete Herren, die schon wegen ihres Aussehens weder zu den Ökos noch zur FDP paßten.

      • @ Herr Trepl :

        Nun mal vom Brimborium (‘dankbar zur Kenntnis nehmen’ + ‘ich war dabei’) abgesehen, sollte ja gerade nicht widersprochen, sondern ergänzt werden.

        Nun hält der Schreiber dieser Zeilen vom real existierenden bundesdeutschen Partei-Liberalismus wohl nicht viel mehr, als Sie es tun, dennoch oder abär (wir stellen uns hier das rollende R des Willy Brandt vor) hat die FDP in der sogenannten sozialliberalen Regierung, sie konnte ja nun nicht mehr forsch liberal sein, sofern sie es zuvor war, was bezweifelt werden muss, Themata gesucht, die sie in einer linken Regierung [1] verkaufen konnte.

        Der Naturschutz war ein solches Thema und auch der Schreiber dieser Zeilen war “dabei”. Genschman war hier schon, Witterung über Stimmungslagen in der Menge aufnehmend, eine Art Vorreiter, der, natürlich nur: ergänzend, genannt werden darf, wie hier befunden wird.

        Nö!, nochmals vielen Dank, der Artikel war schon ein rundes Ding, sofern der Schreiber dieser Zeilen so einschätzen kann und darf, natürlich nur.

        MFG
        Dr. W

        [1]
        Eine liberale Partei in einer Regierung als Juniorpartner (gemäßigter) Sozialisten ist natürlich per se ein Jokus.

  6. Pflegt auch Papst Franziskus Natur-/Erdsystem-schutz als Heimatschutz und hat er gar eine ähnliche Haltung zur Natur wie die Nationalsozialisten, die Naturschutz im Einklang mit dem technisch-industriellen Fortschritt sahen?

    Mir scheint die Enzyklika ist eher von Büchern wie “Der stumme Frühling”, “Limits to Growth”, The population bomb” und von der allgemeinen “ökologischen Diskussion” beeinflusst. Auch eine Spur Konsumkritik mischt sich herein. Zudem sieht er in der Verneigung vor der Natur auch eine Verneigung vor Gott. Zur Figur und Haltung von Franz von Assis schreibt er

    »Eingedenk dessen, dass alle Geschöpfe ihren letzten Ursprung in Gott haben, war er von noch
    überschwänglicherer Zuneigung zu ihnen erfüllt. Auch die kleinsten Geschöpfe nannte er deshalb
    Bruder und Schwester.“
    Diese Überzeugung darf nicht als irrationaler Romantizismus herab gewürdigt werden, denn sie hat Konsequenzen für die Optionen, die unser Verhalten bestimmen. Wenn wir uns der Natur und der Umwelt ohne diese Offenheit für das Staunen und das Wunder nähern, wenn wir in unserer Beziehung zur Welt nicht mehr die Sprache der Brüderlichkeit und der Schönheit sprechen, wird unser Verhalten das des Herrschers, des Konsumenten oder des bloßen Ausbeuters der Ressourcen sein, der unfähig ist, seinen unmittelbaren Interessen eine Grenze zu setzen. Wenn wir uns hingegen allem, was existiert, innerlich verbunden fühlen, werden Genügsamkeit und Fürsorge von selbst aufkommen.

    Die häufige Verwendung des Begriffs Ökologie und

    Die Enzyklika Laudation si wurde ja von vielen als Klimaenzyklika interpretiert. Die häufige Verwendung des Begriffs Ökologie oder

    • @ Martin Holzherr

      “Pflegt auch Papst Franziskus Natur-/Erdsystemschutz als Heimatschutz …“

      garantiert, auch wenn er es noch nicht gesagt haben sollte. Man muß ihn nur fragen. Es ist gar nicht möglich, eine Haltung, wie er sie vorgetragen hat, zu haben, ohne für Heimatschutz zu sein.

      „… und hat er gar eine ähnliche Haltung zur Natur wie die Nationalsozialisten, die Naturschutz im Einklang mit dem technisch-industriellen Fortschritt sahen?“

      Garantiert nicht. Man muß da aber aufpassen. Naturschutz im Einklang mit dem technisch-industriellen Fortschritt zu sehen macht noch keine Ähnlichkeit zum Nationalsozialismus. Der ganze heutige „technokratische“ Natur- und Umweltschutz, wie er vor allem auf internationaler Ebene dominiert (die Aktivisten dieser Art sind meist Sozialdemokraten oder etwas entsprechendes), sieht hier einen Einklang und hat doch mit dem NS gar keine Ähnlichkeit. Erst in einem völkisch-rassistischen Kontext wird „Naturschutz im Einklang mit dem technisch-industriellen Fortschritt“ zum Teil der NS-Ideologie.

      „Mir scheint die Enzyklika ist eher von Büchern wie “Der stumme Frühling”, “Limits to Growth”, The population bomb” und von der allgemeinen “ökologischen Diskussion” beeinflusst.“

      Ja schon, aber das ist ja hier nicht Thema, eher schon: wovon sind diese Bücher beeinflußt? Von einer Weltanschauung, die man klassisch-konservativ oder konservative Zivilisationskritik nennt und die seit 100 oder 200 Jahren im mitteleuropäischen Bürgertum mehr oder weniger vorherrschend ist. Und nirgends hat sich diese Weltanschauung so gut erhalten wie im Katholizismus. Deshalb funktioniert es auch so gut, wenn Eisel seine Analysen des Konservativismus so oft anhand päpstlicher Enzykliken vornimmt: da hat er diesen ganz unverfälscht.

      • Ich habe ein wenig Probleme mit dem Begriff “Heimatschutz” bezüglich des Papstes. Er spricht in der Enzyklika nur einmal von Heimat, aber im Sinne, dass die Erde die Heimat aller Menschen sei, dass ein Volk sei.

        § 164.
        “Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts und nach Überwindung vieler Schwierigkeiten hat sich allmählich die Tendenz durchgesetzt, den Planeten als Heimat zu begreifen und die Menschheit als ein Volk, das ein gemeinsames Haus bewohnt.”

        Ich war bislang der Meinung, dass “Heimatschutz” sich lokal, regional oder national entwickelt hat und nicht, dass ein universaler Gedanke auf eine Gegend oder ein Land angewandt wurde. Der Heimatschutzgedanke war/ ist m.E. nicht universalistisch wie die katholische Kirche.

        • Das war von Anfang an (vielleicht bei Herder schon) mit dem Heimatbegriff verbunden. Es ist offenbar im Konservativismus unvermeidlich, so zu denken: Jede Heimat ist ja in eine größere Heimat eingebunden, und dann landet man irgendwann da, wo es nicht mehr weitergeht: die Erde als Wohnhaus der Menschheit oder so ähnlich hat man es im 19. Jh genannt. Eisel hat viel darüber geschrieben, ich weiß aber nicht mehr wo. Aber man darf auf keinen Fall Formulierungen wie “Menschheit ist ein Volk” im liberalen Sinne mißverstehen. Die Menschheit bleibt immer gegliedert in ineinandergeschachtelte Völker, Stämme, Dorfgemeinschaften, Familien mit ihren jeweiligen Wohnräumen, die alle eigene “Wesen” sind, sie wird nicht der Idee nach homogen.

          “Der Idee nach”, wohlgemerkt. In der Wirklichkeit haben die progressiven Weltanschauungen recht: die Menschheit wird homogenisiert, die Individuen lassen sich immer weniger voneinander unterscheiden nach Kriterien ihrer Herkunft.

  7. Die modernen Varianten des Naturschutzes sind möglicherweise nicht primär biologistisch sondern universalistisch grundiert. Damit wären wir dann sogar sehr weit weg von einem Rassismus. Denn beim universalistischen Ansatz betont man ja die Gemeinsamkeiten und nicht die Unterschiede. Anstatt zwischen verschiedenen Menschenrassen zu unterscheiden, sehen wir die Gemeinsamkeiten von Menschen mit anderen Primaten und betonen schliesslich, dass Menschen höhere Säugetiere oder einfach Tiere sind. “Warum sollen Primaten so viel weniger Rechte haben als Menschen und warum sollen einfachere Tiere überaupt keine Rechte mehr haben” überlegt man sich in dieser universalistischen Betrachtungsweise.

    Zudem: wenn man den Menschen als Geschöpf unter anderen Geschöpfen betrachtet, dann ist das nicht in erster Linie eine biologistische Betrachtungsweise sondern ein Abschied von der Sonderrolle des Menschen und eine stärkere Betonung der gemeinsamen Grundlagen. Darum hat auch Papst Franziskus die Enzyklika Laudatio si folgendermassen untertitelt: ÜBER DIE SORGE FÜR DAS GEMEINSAME HAUS

    • @ Herr Holzherr :

      Der Schreiber dieser Zeilen interessiert sich ebenfalls für das, was Herr Bergoglio verlautbaren lässt oder direkt verlautbart.

      Die modernen Varianten des Naturschutzes sind möglicherweise nicht primär biologistisch sondern universalistisch grundiert.
      […]
      “Warum sollen Primaten so viel weniger Rechte haben als Menschen und warum sollen einfachere Tiere über[h]aupt keine Rechte mehr haben” überlegt man sich in dieser universalistischen Betrachtungsweise.

      Statt ‘universalistisch’ wäre vielleicht i.p. Kritik mit dem ‘Biozentrismus’ besser zu hantieren.
      Dieser ist problematisch, er ähnelt dem reinen Theozentrismus (die RK ist duozentrisch, theozentrisch und anthropozentrisch, vermutlich in dieser Reihenfolge, sie schließt die Vernunft nicht aus, Herr Ratzinger wurde nicht müde dbzgl. zu erklären, nun ja, zuletzt vielleicht doch).

      Darum hat auch Papst Franziskus die Enzyklika Laudatio si folgendermassen untertitelt: ÜBER DIE SORGE FÜR DAS GEMEINSAME HAUS

      Herr Bergoglio muss zum Biozentrismus, auch zum Ökologismus, hier pejorativ verwendet, gegenrednerisch werden.
      Die genannte Enzyklika ist hier grob gescannt worden.
      Der Bezug zum Dominium terrae ist vermisst worden, was allerdings am Schreiber dieser Zeilen liegen kann.

      Insgesamt scheint der aktuelle Papst ziemlich progressiv zu sein, woll?!, der Schreiber dieser Zeilen wird mit ihm jedenfalls nicht umfänglich glücklich, stellt sozusagen peronistisches, bestimmtes jesuitisches und eben progressives (gerne i.p. Marxismus und aktueller Papst ein wenig recherchieren) Gedankengut fest.
      Wobei sich der Pontifex natürlich nicht an liberaler Meinung zu messen und gar zu reiben hat, loge.

      MFG
      Dr. W

      • @ Webbär

        “Insgesamt scheint der aktuelle Papst ziemlich progressiv zu sein“

        Nein, der ist konservativ wie seine Vorgänger, er holt nur andere Aspekte des Konservativismus ans Licht. Was er zum Natur- und Umweltschutz sagt, folgt dem klassisch-konservativen Muster. Auch wenn die frühen „Ökos“ sich selbst als progressiv (links) verstanden: sie waren es nicht. Jeder, der sich in der Ideen- und Ideologiengeschichte ein wenig auskannte, sah das sofort. Sie wiederholten ziemlich genau das, was man als „konservative Kulturkritik“ des 19. Jahrhunderts kannte – mit kleinen Modifikationen, die sie weitgehend aufgaben, als es nicht mehr Mode war, für den Sozialismus zu sein,

        Auch der angebliche Marxismus von Papst Franz ist keiner. Es ist konservativer Antikapitalismus, den es lange vor dem marxistischen gab.

    • @ Martin Holzherr

      „Die modernen Varianten des Naturschutzes sind möglicherweise nicht primär biologistisch sondern universalistisch grundiert. … beim universalistischen Ansatz betont man ja die Gemeinsamkeiten und nicht die Unterschiede. Anstatt zwischen verschiedenen Menschenrassen zu unterscheiden, sehen wir die Gemeinsamkeiten von Menschen mit anderen Primaten und betonen schliesslich, dass Menschen höhere Säugetiere oder einfach Tiere sind.“

      Ich wußte gar nicht, daß man das universalistisch nennt. – „Biologistisch“ liegt auf einer etwas anderen Ebene. Der Mensch wird als Gegenstand der Biologie und damit als „einfach ein Tier“ betrachtet, die Biologie kann ja nicht anders. Man kann das natürlich machen. Man kann genauso den Menschen auch „chemistisch“ als eine Ansammlung verschiedener Stoffe oder „physikalistisch“ als ein Stück Materie von bestimmtem Gewicht betrachten. Das ist ja nicht falsch. Nur kann man auf diesen Ebenen nicht die Frage “Warum sollen Primaten so viel weniger Rechte haben als Menschen…“ stellen oder beantworten. Denn „Recht“ kommt in diesen Wissenschaften nicht vor und kann nicht vorkommen. Darum muß man, wenn es um solche Fragen geht, den Menschen im Hinblick auf das betrachten, was an ihm nicht Natur ist. Dazu gehört z. B., daß er eine „Würde“ hat oder daß man ihn moralisch und ggf. rechtlich für das verantwortlich macht, was er tut.