Endlich: Gottesmutter experimentell erforscht

Landschaft & Oekologie

Dies ist ein Beitrag zur Diskussion über den Sinn derjenigen Wissenschaft, der es gelingt, öffentliches Interesse zu wecken.

 Neulich, Anfang März, erfuhr ich aus einer Wissenschafts-Fernsehsendung – leider habe ich vergessen, welcher Sender es war – folgendes: Gläubige, jedenfalls Katholiken, sind weniger schmerzempfindlich als Ungläubige, jedenfalls wenn jene, die Katholiken, gerade beim Glauben sind. Hirnforscher haben das herausgefunden. Sie setzten Katholiken und Konfessionslose Schmerzen aus. Anhand von Messungen an bestimmten, auf dem Bildschirm schön rot leuchtenden Stellen im Gehirn, Messungen, die, wie die Forscher glauben, zeigen, welchen Grad von Schmerz jemand empfindet, stellten sie fest, daß es Katholiken weniger weh tut, wenn man ihnen ein Marienbild vorhält. Konfessionslose aber leiden unvermindert weiter.

Ein Portrait einer „weltlichen“ Frau war bei beiden Gruppen ohne Wirkung. So lassen sich allerlei Heilungen, die man seit eh und je dem Glauben oder dem Wirken des Geglaubten zuschreibt, erklären, bzw. man kann aus dem Experiment schließen, daß Religion heilende Wirkung hat. Oder so ähnlich. Jedenfalls freuen sich die Atheisten, weil man wieder einmal eine natürliche Erklärung für etwas gefunden hat, was sich den Religiösen zufolge nicht natürlich erklären läßt, und die Religiösen, wenigstens die Katholiken freuen sich, daß man endlich nachgewiesen hat, wie heilsam doch Marienbilder sind. Ob das nun Wissenschaftler oder Journalisten verbrochen haben, konnte ich nicht erkennen, zuzutrauen ist es beiden.

Das ist wieder so ein Fall, wie wir ihn bei der Savannentheorie hatten: Man sollte den Alltagsverstand einschalten und schon hellt sich’s auf. Nur ist es bei der Savannentheorie so, daß es da doch eine Menge ungelöster Fragen gibt; wenn man durchschaut hat, welch ein Unfug diese Theorie ist, weiß man damit noch lange nicht, wie es kommt, daß die Leute manche Gegenden schön finden, andere nicht. Im Fall des Marienexperiments ist es aber so, daß man – „man“ heißt hier: so gut wie jeder, außer den Wissenschaftlern natürlich – das Ergebnis schon völlig hinreichend kannte. Wahrscheinlich kannten es bereits die Steinzeitmenschen. Wenn man an etwas denkt, das angenehm ist, das für einen von solcher Bedeutung ist, daß man genügend abgelenkt ist, wenn man an etwas Tröstendes, Bergendes denkt usw., dann tut’s halt nicht mehr so weh.

Aber sein Gutes hat es gehabt. Einige junge Wissenschaftler konnten wieder ein paar Jahre lang mit Projektmitteln ihren Lebensunterhalt verdienen und manche davon mit ein paar Publikationen einige Schritte auf der Karriereleiter hochsteigen, ein Professor hat seinen Ruhm vermehrt, die Öffentlichkeit ist wieder ein bißchen aufgeklärter, d. h. mehr von der Macht der Naturwissenschaft überzeugt und glaubt wieder ein bißchen mehr, daß auch solche Phänomene, von denen man bisher dachte, daß sie gar nicht in deren Zuständigkeit fallen, z. B. Religion, nun kurz vor der endgültigen Erklärung durch die experimentelle Forschung stehen. Und die Katholiken haben jetzt den wissenschaftlichen Beweis, daß sie nicht vergeblich ihre Bildchen anschauen.

 

Wahrscheinlich wird, in Reaktion auf jenes Experiment, bald einer mit großem Getöse einen Forschungsantrag stellen und dann für viel Geld ein anderes Experiment machen. Er könnte z. B. statt eines Marienbildes dem Probanden das Bild seiner geliebten Mutter vorhalten, oder Anhängern einer bestimmten Partei(-fraktion) das der Mutter der Nation, oder Monarchisten das des geliebten Königs, und parallel dazu jeweils das Bild einer Person, die den Versuchspersonen gar nichts bedeutet. Das Ergebnis kann man vorhersagen: Bei den Gruppen derer, die ihre Mutter hassen, die Anhänger einer anderen Partei sind und der überzeugten Republikaner wird es mit der Schmerzlinderung nicht so gut klappen oder es wird gar das Gegenteil der erwünschten Wirkung eintreten, und bei dem bedeutungslosen Bild wird überhaupt nichts passieren. Man hat mit dem vorigen Experiment nichts über das Wesen der Religion oder die Wirkung der Gottesmutter herausgefunden, was man nicht schon wußte. Allerdings auch nicht mit dem zweiten Experiment über die Wirkungen der Bilder von leiblichen Müttern, Müttern der Nation und Königen. Aber einige junge Wissenschaftler konnten wieder ein paar Jahre lang mit Projektmitteln ihren Lebensunterhalt verdienen und manche davon mit ein paar Publikationen einige Schritte auf der Karriereleiter hochsteigen, und ein Professor hat seinen Ruhm vermehrt. Der wird vielleicht geltend machen: Ein bißchen mehr hat es doch gebracht,  die Öffentlichkeit ist wieder ein bißchen skeptischer gegen die Naturwissenschaft geworden und glaubt wieder ein bißchen mehr, daß diese zu allem immer auch das Gegenteil herausfinden kann, sieht also das, was sie von den zahllosen Widerlegungen wissenschaftlich untermauerter Ernährungsratschläge her schon weiß, wieder einmal bestätigt. – Schon gut, ich sag’ ja nichts, es ist verdienstvoll, Skepsis zu schüren, sie ist die Grundlage einer kritischen Öffentlichkeit, und die wollen wir doch alle. Aber hätte es dazu einen solchen Aufwand gebraucht? Wie gesagt, die Steinzeitmenschen wußten alles, was in diesem Zusammenhang von Bedeutung ist, mit hinreichender Sicherheit und Präzision auch schon.

 

Ludwig Trepl

Veröffentlicht von

Ich habe von 1969-1973 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der FU Berlin Biologie studiert. Von 1994 bis zu meiner Emeritierung im Jahre 2011 war ich Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsökologie der Technischen Universität München. Nach meinem Studium war ich zehn Jahre lang ausschließlich in der empirischen Forschung (Geobotanik, Vegetationsökologie) tätig, dann habe ich mich vor allem mit Theorie und Geschichte der Ökologie befaßt, aber auch – besonders im Zusammenhang mit der Ausbildung von Landschaftsplanern und Landschaftsarchitekten – mit der Idee der Landschaft. Ludwig Trepl

13 Kommentare

  1. @ Martin Holzherr

    Stimmt ja alles irgendwie, was Sie anführen, aber es gibt halt auch immer nicht nur ein Ja, sondern auch ein Aber. Manche Kriege „ganzer Kontinente“ wurden sicher durch deren Vereinheitlichung durch Monotheismen und Religionen und Ideologien begünstigt, aber erstens waren das alte China, das alte Rom und das mongolische Reich auch von Kontinentsgröße und sie haben auch Kriege geführt, und zweitens weiß ich nicht, was schlimmer ist: so etwas wie der Zug des gerade entstandenen Islam durch drei halbe Kontinente oder der Dauerzustand eines Krieges eines jedes Dorfs gegen jedes, wie er für die Zeit der sog. Naturreligionen typisch war. Und was den Kommunismus angeht: Den Klassenkampf gibt es ja wirklich, seit es Klassengesellschafen gibt, auch im alten Rom, es ist ziemlich egal, in welchen Ideologien er sich selbst versteht. Das Spezifische und Schlimme des Kommunismus liegt woanders. Und die Demokratie: Es stimmt sicher, daß free speech, rule of law, and human rights erstrebenswerte Ziele sind, aber man sollte nicht vergessen, daß das Aufkommen der modernen Demokratie damit begann, daß Europa mit einem zwanzigjährigen Krieg überzogen wurde.

    Darum möchte ich dem relativen Friedlicherwerden der letzten Jahrzehnte auch nicht trauen. In der Tat, eine Periode von weltweiten Kriegen, die es ohne bestimmte Ideologien wohl nicht gegeben hätte, ging zu Ende, aber solche Perioden gab es halt auch schon früher, ohne daß organisierte Ideologien (und Religionen) eine nennenswerte Rolle gespielt hätte, sondern es trafen halt einfach Interessen aufeinander. Also: Es ist alles etwas komplizierter.

  2. @Trepl: Krieg bei Schimpansen+Menschen

    Die tiefere Ursache von Krieg ist wahrscheinlich die höhere und komplexere Sozialisierung zu der bereits Schimpansen, erst recht aber Menschen fähig sind. http://www.janegoodall.de/m2link2_7.php\”>Schon Schimpansen führen regelrechte Kriege. Gruppendenken und gemeinsames geplantes Handeln sind vielleicht der Kriegsvoraussetzungen genug.

    Mit dem Monotheismus und den Ideologien (wie dem Kommunismus) wurde es aber erstmals möglich, dass sich Grossgruppen bildeten – Christen, Kommunisten, etc. – die über ganze Kontinente hinweg sich zusammengehörig fühlten und ähnliche Ziele verfolgten.

    In den letzten Jahrzehnten ist die Gewaltätigkeit der Menscheit allerdings stark zurückgegangen, was Steven Pinker in seinem Buch The Better Angels of Our Nature feststellt. In Interviews zu diesem Thema äussert sich Pinker negativ zur Rolle des Kommunismus, denn dort wurden oft Menschen als Feinde und Hemmnisse für die zu schafffende paradiesische Gesellschaft ausgemacht (Zitat) “I think that communism was a major force for violence for more than a 100 years, because it was built into its ideology: mainly that progress comes through class struggle, often violent”.
    Auch Religion spielt eine, allerdings wechselnde, Rolle: (Zitat) “Yes, violence and religion have often gone together, but it’s not a perfect correlation, and it doesn’t have to be a permanent connection, because religions themselves change”.
    Positiv beurteilt er Demokratie, sowie (Zitat): “we should fortify the institutions that are designed to prevent that [Rückfall in Gewalt] from happening, like free speech, rule of law, and human rights.”

  3. Aufgeklärtes Denken

    Zu der Pasage: “die Öffentlichkeit ist wieder ein bißchen aufgeklärter, d. h. mehr von der Macht der Naturwissenschaft überzeugt”
    – mir ist kürzlich mal wieder aufgefallen, wie sehr Vorstellungen von einer Zuständigkeit der Naturwissenschaft auch in ganz alltäglichen Dingen dem Glauben an die Alltagsvernunft überwiegen: Man vertrete in einem Gespräch die Position, “die Sonne geht unter” könne eine absolut zulässige Sachausaage sein. Viele scheinen die Position zu vertreten, das könne man schon sagen im Alltag, aber genau genommen, wenn man sachlich und wissenschaftlich bleiben will, gehe die Sonne natürlich nicht unter. Die Erde drehe sich eben. Stimmt ja auch, dass sie das tut. Aber dass die Sonne untergeht, stimmt nicht weniger, setzt keine schlechteren Definitionen voraus (nur andere) und bedeutet einfach nur einen Perspektivenwechsel. Es kann eine absolut wissenschaftliche Aussage sein, dass die Sonne untergeht, manchmal ist so eine Aussage sogar notwendig in der Wissenschaft. So beginnt z. B. bekanntlich bei Sonnenuntergang die aktive Zeit vieler Tiere. Für die ist es ja unerheblich, was sich worum dreht – es wird eben dunkel, die Sonne versinkt im Horizont. In diesem Kontext wäre jegliche astronomische Beschreibung sogar absolut daneben. Wenn man z. B. die astronomische Dimension bei einer Beobachtung ausklammert, heißt das nicht, dass man ungenau wird oder “eigentlich” falsch liegt. Diese Dimension muss ja nicht das Thema sein. Ebensowenig wie es bei Gedanken eine Rolle spielt, in welchem Hirnareal sie schwerpunktmäßig “ablaufen”.

  4. Wissen schaffen

    Es finden sich doch sicher einmal pro Woche in einer der vielen Wissenschafts-Fernsehsendungen ähnliche Meldungen. Es geht oft so los: “Wissenschaftler der Sowieso-Uni oder des Soundso-Instituts haben jetzt herausgefunden…” (auf privaten und auf öffentlich-rechtlichen Sendern). Von einer spannenden Entdeckung bis zum hanebüchenen Unsinn handelt dann der Beitrag.

    Ich würde mir eine Sendung über drei Abende wünschen, in der diskutiert wird, was Wissenschaftlerinnen erreichen können, und was nicht, was sinnvolle Wissenschaft ist, und was nicht und was Wissenschaftsjournalisten zeigen sollten, und was nicht. Dann würde ich vielleicht mal wieder öfter den Fernseher anmachen. Bis dahin lese ich lieber Scilogs.

  5. @ Mona

    Ich vermute, daß das alles stimmt, was Sie schreiben. Eben deshalb – weil man sowohl von der schmerzlindernden Wirkung der tröstenden Mutter als auch der Übungen von Kampfsportlern usw. seit eh und je weiß – finde ich das wissenschaftlich gesehen so unsäglich lächerlich, was man da für viel Geld veranstaltet. Interessant daran ist nur die ideologische Wirkung der Publikation solcher „Forschungsergebnisse“, und die geht durchaus, das versuchte ich anzudeuten, in mehrere Richtungen.

    Die Hauptrichtung aber ist die: Man tut so (oder glaubt ernsthaft, das ist wohl häufiger), irgend etwas darüber, was Religion ist oder zum Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen herausgefunden zu haben, wenn man irgend etwas auf naturwissenschaftliche Weise (z. B. psychologisch oder evolutionsbiologisch) erklären kann, was in irgendeinem Zusammenhang mit Religion steht. Das reicht von psychologischen Erklärungen der magischen Wirkungen von Marienbildchen oder vom Medizinmann geschwungener Kuhschwänze bis zur Erklärung des Glaubens an „übernatürliche Entitäten“ durch Selektionsvorteile für die Glaubenden. Aber im allgemeinen reicht das nicht einmal zu einem bescheidensten Beitrag selbst nur zur Klärung von Fragen nach den Wirkungen von Religion. Denn man ntersucht nicht diese, sondern z. B. Wirkungen autoritätsgläubigen Denkens, irrationalen Verhaltens, moralischen Verhaltens oder abstrakter Haltungen wie „Vertrauen in etwas“, die innerhalb und außerhalb dessen, was man Religion nennt und einigermaßen berechtigt so nennen kann, ziemlich gleichmäßig verteilt auftreten.

  6. Das stimmt

    Und keine weltliche Ideologie hat wohl so viele Menschenleben gekostet wie der Liberalismus; frei nach dem bekannten Zitat: Ein Federstrich in London vernichtet wirtschaftliche Existenz und Leben von zehntausend Indern.

    … zwar nicht, aber ergänzt Ihre Einschätzungen allgemein recht gut.

    Wenn Sie die historischen und prähistorischen Zustände (“Naturreligionen”) erkennen und auch dem noch jetzt stattfindenden primitiven Kampf folgen, fragt sich zumindest dieser Leser nach Ihrem Maßstab.

    MFG
    Dr. Webbaer (der Sie von der Artikelthese aber abgerückt sieht, was nicht schlecht ist)

  7. @Ludwig Trepl

    Vielen Dank für Ihre geduldigen Ausführungen an @Holzherr! Ich bin immer wieder erstaunt, wie einfach es sich manche doch vermeintlich gebildete Menschen mit ihren Urteilen machen…

  8. @Martin Holzherr

    Ein bißchen einfach machen Sie es sich schon:
    „Wobei ihr [nämlich der monotheistischen Religionen und ihrer späteren weltlichen Abarten Faschismus/Nationalsozialismus und Kommunismus] Ziel gerade auch die Elimination eines Ungläubigen sein kann, also eines Anhängers einer anderen Variante des Monotheismus/Ideologismus. Denn es gibt nur eine Wahrheit und jeder der von ihr abweicht ist verdammt und des Todes“.

    Gewiß, unter bestimmten Gesichtspunkten kann man all das in Eins fallen lassen, unter anderen aber erscheint es als extrem gegensätzlich. Ich kann den Unterschied nicht sehen zwischen Ihrer Argumentation und der eines typischen Religiösen, der die Leichenberge der nicht-religiösen Ideologien anführt, und der z. B. eines typischen bekennenden Atheisten, der die Leichenberge der Religionen anführt, und die jeweils eigenen verschweigt.

    Sie ziehen zwar den Schnitt anders, nämlich zwischen denen, die eine Wahrheit / einen Gott kennen, und denen, die das nicht kennen. Aber Sie verschweigen, daß es auf der Seite derjenigen säkularisierten oder nicht-säkularisierten Religionen, die nicht den einen Gott anbeten, nicht weniger blutig zugeht. Kein Zustand der Menschheit war wohl so entsetzlich wie der durch die sog. Naturreligionen geprägte – ein endloser und äußerst grausamer Kriegszustand aller kleinsten Menschengruppen, sog. Stämme, gegen alle. Und in Indien massakrieren heutzutage nicht nur monotheistische Moslems nicht-monotheistische Hindus, sondern auch umgekehrt. Im monotheismusfreien Ostasien ging es über die letzten paar Jahrtausenden nicht friedlicher zu als in den christlichen und islamischen Teilen der Welt. Und keine weltliche Ideologie hat wohl so viele Menschenleben gekostet wie der Liberalismus; frei nach dem bekannten Zitat: Ein Federstrich in London vernichtet wirtschaftliche Existenz und Leben von zehntausend Indern. – Gewiß, das ging mit einem Fortschritt in politischer, technischer und ökonomischer Hinsicht einher – aber das machen die Eingott-Religionen und -Ideologien auch geltend, und im allgemeinen auch mit guten Gründen.

    Und wenn Sie schreiben, daß das „Ziel gerade auch die Elimination eines Ungläubigen sein kann“, dann sollte man doch hinzufügen: Ja, kann. Kann aber auch das Gegenteil. Im Namen beispielsweise des Christentums oder des Kommunismus wurden nicht nur Ungläubige umgebracht, es wurde auch – weil es sich um Ideengebilde mit universellem Anspruch handelt – das Lebensrecht der „Ungläubigen“, d. h. derer, die nicht so ganz als Menschen gelten z. B. wegen anderer ethnischer Zugehörigkeit, verteidigt

    Also: Es ist alles ein wenig komplizierter

  9. Autosuggestion

    Leider finden sich so simple Erkenntnisse heutzutage zuhauf. Es ist auch nicht verwunderlich, dass kath. Gläubige, durch das Vorhalten eines Marienbildes, weniger schmerzempfindlich sind als Ungläubige. Bei kleinen Kindern kann die Mutter oft auch den Schmerz wegblasen, wenn sie sich beim Spielen weggetan haben, weil die Kinder daran glauben. Die Frage wäre, warum das so ist. Versetzen sich die Gläubigen da in einen andern Bewusstseinszustand wie bei einer (Selbst-)Hypnose oder Trance?

    Ein Zustand von Schmerzunempfindlichkeit kann allerdings auch erreicht werden ohne dass man an höhere Mächte glaubt. Auch Meditierende, Yogis oder Kampfkünstler können sich in einen solchen Zustand versetzen. Berühmtestes Beispiel sind die Shaolin-Mönche, die mit ihrer Kampfkunst-Show auf Tournee gehen. Außer körperlicher Fitness ist hohe Konzentration vonnöten, wenn sie sich mit Säbeln und Nagelbrettern traktieren oder Eisenstangen auf ihren Köpfen zerschlagen. Kung-Fu-Kämpfer lernen ihre gesamte Energie auf einen Punkt zu konzentrieren. Dabei versetzen sie sich selbst in eine Art Trance. Mit Atemübungen wird ein Zustand der Selbstberuhigung eingeleitet. Dann wird mit höchster Konzentration die Technik ausgeführt. Äußere Einflüsse werden dabei völlig ausgeblendet und der Shaolin-Mönch führt seine Bewegungen wie in einem Film aus. In diesem Zustand ist die Empfindungsfähigkeit des Körpers stark herabgesetzt und der Kämpfer fühlt deshalb kaum Schmerzen. So ein Training ist allerdings auch gefährlich, denn wenn die Konzentration aus irgendeinem Grund nicht ausreicht, kann es zu schwersten Verletzungen kommen. Shaolin-Mönche müssen deshalb jahrelang trainieren, um ihre Kunst gezielt einsetzen zu können.
    http://www.alsfelder-allgemeine.de/…geid,68.html

  10. Monotheismus,Nationalsoz.,Kommunismus

    Wer an eine höhere Macht und ein Ziel im Leben glaubt kann mehr aushalten – mehr Schmerz bis zur Folter, mehr Zurückweisung und Ausgrenzung. God’s soldiers können aber auch besonders brutal und rücksichtslos zuschlagen – immer im Dienste eines höheren Ziels.

    Der Bund Gottes mit Abraham stand am Anfang der monotheistischen Religionen und ihrer späteren weltlichen Abarten Faschismus/Nationalsozialismus und Kommunismus. Diese Religionen und Ideologien haben äussert leidensfähige Menschen hervorgebracht, die für ihr höheres Ziel vieles in Kauf nehmen. Wobei ihr Ziel gerade auch die Elimination eines Ungläubigen sein kann, also eines Anhängers einer anderen Variante des Monotheismus/Ideologismus. Denn es gibt nur eine Wahrheit und jeder der von ihr abweicht ist verdammt und des Todes – entweder schon auf dieser Welt durch die Hand eines Gläubigen oder dann bei der letzten Abrechnung – dem jüngsten Gericht.

    Die Leidensfähigkeit und Bereitschaft irrational und grausam im Namen eines höheres Ziel zu handeln kommt am besten in der Geschichte von Isaaks Opferung zum Ausdruck – einer eigentlichen Initiation in den bedingungslosen Glauben, durchlebt vom ersten Gläubigen, dem Vater der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum, Islam und damit auch dem Vorgänger der modernen Ideologien Faschismus/Nationalismus und Kommunismus.

    Schon in der monotheistischen Urreligion – dem Judentum – kommt auch die Aufforderung vor “Seid fruchtbar und mehret euch” . Wenn dieser Auftrag ausgeführt wird und sich die Zahl der Gläubigen immer mehr vermehrt werden die alten Menschen, die von Tag zu Tag lebten, ersetzt durch neue beseelte Menschen, die dazu bereit sind ihr Leben einer höheren Idee zu opfern.

  11. ergänzend

    Wenn man an etwas denkt, das angenehm ist, das für einen von solcher Bedeutung ist, daß man genügend abgelenkt ist, wenn man an etwas Tröstendes, Bergendes denkt usw., dann tut’s halt nicht mehr so weh.

    Das Denken an Schokoladeneis (oder an eine schöne weiche Überdecke) dürfte aber nicht helfen, d.h. es geht schon “ein wenig” um die Beschaffenheit dessen, was ‘angenehm’ ist.

  12. @ Webbaer: Schmerzfrei als Religionsfrei

    Wie mann sie schmerzfrei machen könnte, Dr.Webbaer ist klar, wenn man ihre Aussage liest: “Schmerzfrei angemerkt lohnt es sich vielleicht auch einen Blick auf jene seit Längerem vordringende kräftige Religion zu werfen, begutachend auch die Militanz und entsprechende Konzepte.”

  13. schmerzfrei angemerkt

    (…) stellten sie fest, daß es Katholiken weniger weh tut, wenn man ihnen ein Marienbild vorhält. Konfessionslose aber leiden unvermindert weiter.

    Kann schon sein, wirkt nachvollziehbar. Schmerz ist in Teilen (bewusst/unbewusst) kontrollierbar.

    Schmerzfrei angemerkt lohnt es sich vielleicht auch einen Blick auf jene seit Längerem vordringende kräftige Religion zu werfen, begutachend auch die Militanz und entsprechende Konzepte.

    MFG
    Dr. Webbaer