Artenschutz oder Tierschutz: Boyle verwirrt Matussek.

Landschaft & Oekologie

Gastbeitrag von

Simon Putzhammer

Im Spiegel (10/2012) findet sich unter der Überschrift „Ratten und Schildgrillen“ eine von Matthias Matussek verfasste Rezension eines als „Öko-Thriller“ bezeichneten Romans von T. C. Boyle[1]. Es scheint in diesem Buch unter anderem um die Konfrontation verschiedener Naturschutzauffassungen, vertreten durch typische Protagonisten, zu gehen. Ich habe es noch nicht gelesen und nehme auf dieses Buch nur insoweit Bezug, wie sein Inhalt im Artikel wiedergegeben ist. Zitate entstammen, soweit nicht anders gekennzeichnet, dem Artikel.

Das Motiv des radikalen Naturschützers ist bei Boyle nicht neu, und ich bin der Ansicht, dass es ihm bisher[2] gut gelungen ist, verschiedene Varianten dieser Spezies zu porträtieren. Was ich an Boyle schätze, ist, dass er, soweit ich sein Werk kenne, nicht plump Partei ergreift, sondern extreme Szenarien entwirft und darin sehr überzeugend Repräsentanten von Weltanschauungen aufeinander und auf Widrigkeiten des Lebens treffen lässt. Totale, oft ethisch motivierte Begeisterung für „hippe“ Ideale wird gern mit hartem Realismus konfrontiert und häufig ad absurdum geführt, während zugleich die Faszination der zugrundeliegenden Ideen durchscheint.

Auch im neuen Buch scheinen die Protagonisten radikal zu sein, wobei sich hier zwei Entwürfe gegenüberstehen: Eine Wissenschaftlerin will auf einer Insel die wohl der Phantasie entsprungenen Arten Schildgrille und Tüpfelskunk retten, indem sie einen eingeschleppten Prädator, die „gemeine Schwarze Ratte“, auszurotten versucht. Dem stellt sich ein Tierschützer-Veganer entgegen, der der Ansicht ist, dass man die Ratten nicht töten dürfe. „Anna geht es eher um die Rettung bestimmter Vogelarten, Dave LaJoy um jedes einzelne Lebewesen. Die Forscherin hegt in Gottes Garten, LaJoy möchte ihn sich selbst überlassen sehen, und er geht dafür über Leichen.“ Da denkt man doch sofort an Kulturlandschaft, Wildnis und die andauernde Diskussion über Gefahren und Bereicherungen durch Neobiota.

Boyles Darstellungen von Naturschützern sind üblicherweise provokativ, z. B. im Klappentext von A Friend of the Earth: „To be a friend of the earth, you’ve got to be an enemy of the people.” Diese – meiner Ansicht nach nicht unbedingt die persönliche Meinung des Autors wiedergebende – Einschätzung ist selbstverständlich nicht neu. Der „Öko-Terrorist“ wird auch nicht zum ersten mal treffend parodiert: Etwa der mit LaJoy skizzierte Fanatismus von Tierschützern, der bis zu Mord und Totschlag an uneinsichtigen „Artgenossen“ führt, ist z. B. auch im Kurzfilm Lemming Aid[3] anschaulich. In diesem versucht eine Aktionsgruppe von Tierschützern zu verhindern, dass – wie es als Mythos verbreitet ist, aber wohl nicht real stattfindet – Lemmingen durch Klippenspringen Massensuizid begehen. Eine Touristin, die eben dieses als Schauspiel goutieren will, ruft Reaktionen hervor, die sehr im Gegensatz zur Idee der Erhaltung jeden Lebens stehen – und das, obwohl sie selbst die naiven Tierschützer warnt, den Ansturm der Lemminge nicht für eine Wanderung niedlicher kleiner Tierchen zu halten und lieber etwas weiter von der Klippe wegzugehen.

Was mir für dieses Blog interessant erscheint, ist, dass Diskussionen, die wohl meist ausschließlich in Naturschützerkreisen geführt werden, durch derlei literarische Werke ein großes Publikum erhalten. In Bezug auf die vorliegende Rezension allerdings stößt mir ein bitterer Beigeschmack auf, der darauf zurückgeht, dass Matussek in einer Diskussion, für die er offensichtlich nicht kompetent ist, Partei ergreift. Er schreibt: „[D]as schlimmste ist wohl, dass er [der Protagonist LaJoy] recht hat, und zwar in einer Konsequenz, die zum Frösteln ist. Die Ratten müssen leben! Dürfen wir etwa Gott spielen und das eine Leben gegen das andere abwägen?“ Es scheint also entschieden: Das Töten von Ratten ist nicht erlaubt, auch oder gerade nicht, um Arten vor dem Aussterben zu retten. Leben wäre demnach immer gleichwertig, unabhängig davon, wie es von Menschen wahrgenommen wird – als vom Aussterben bedrohte Art oder als gemeiner Schädling. Ich würde Matussek ja gerne mal ein paar Ratten in den Keller setzen und ihm aber auch gleich ein paar Fallen schenken, um zu sehen, ob er dann „Gott spielt“. Er könnte gerne auch die Ratten von jener Insel bei sich aufnehmen und sie, um zu verhindern, dass sie seltene Arten ausrotten oder auch nur Kellerasseln töten, mit Getreide füttern. Genug davon – es sei Matussek verziehen, dass er Partei ergreift, er darf ja gerne Tierschützer sein, wenn ich ihm das auch nicht abnehme.

Am Ende des Textes habe ich den Eindruck, dass Boyle unrecht getan wird: Auf die Frage, ob die Selbstabschaffung des Menschen nicht der heimliche Traum aller Umweltschützer sei, habe er mit einem heiteren „selbstverständlich“ geantwortet. Ich vermute hier Sarkasmus oder Ironie, Matussek wirkt verunsichert: „Das wäre dann wohl die gänsehauttreibende grüne Variante der Erbsünde: Der Mensch ist schuldig, schon dadurch, dass es ihn gibt.“ Vielleicht wäre es angebracht, Herrn Matussek zu beruhigen: Selbstverständlich sind nicht alle „Umweltschützer“ – es sind hier wohl Naturschützer gemeint – Feinde des guten Lebens.

Dass wir uns als moralische Menschen rühmen, das Leben auch in seinen widerwärtigsten Formen zu achten, hindert uns zumindest in der christlich-abendländischen Tradition nicht daran, Biester und Ungeziefer zu töten – zumindest, soweit wir nicht anders verhindern können, dass sie uns schaden. Wenn wir es zugleich als Teil eines erfüllenden Lebens sehen, dass wir und auch unsere Kinder die Möglichkeit haben, Buckelwale und Apollofalter zu erleben und wir es schade finden, dass es keine lebenden Moas und Mammuts mehr gibt, ist das zum vorher genannten für sich genommen ja kein Widerspruch.

Wenn jemand versucht, etwas gegen das Verschwinden von Arten zu unternehmen, indem er Tiere tötet, mag das erschreckend und fanatisch klingen. (Dass sich empfundene Gegensätze bis zu Mord und Totschlag steigern können, ist natürlich nichts für diese Diskussion spezifisches.) Wenn aber jemand auf einer Insel eine eingeschleppte Tierart ausrotten will, die dort einmalige Schöpfungen der Natur vernichtet, so ist das sicher kein Zeichen dafür, dass er letztlich am liebsten die Menschheit abschaffen will – selbst, wenn er es selbst so formulieren würde: Wer bliebe denn übrig, die Einmaligkeit wahrzunehmen und zu erleben? Ebenso, wie es den Konflikt mit dem Töten nur für ihn als Mensch und nicht etwa für die Ratte gibt, sind auch nur Menschen in der Lage, die Vielfalt der Natur zu schätzen. Arten sind in ihrer Einmaligkeit, die sich u. a. auf ästhetische und ökologisch-interessierte Weise erschließt, Kulturgüter, die unwiederbringlich verloren gehen können. Wer würde nicht auf Ratten losgehen, wenn sie eine ägyptische Mumie oder einen Picasso anknabbern? Zugleich ist es selbstverständlich nachvollziehbar, dass die Lust am Erschlagen einer Ratte irritieren kann und dass auch Rattus rattus in Deutschland auf der Roten Liste steht.

Die Ratte auf der Roten Liste – das irritiert aber doch auch. Sollte man vielleicht auch gleich verschiedene Krankheitserreger aufnehmen? Den mitleidbedürftigen Nacktmull immerhin würde man wohl trotz seiner Häßlichkeit akzeptieren. Ein weiteres Beispiel macht deutlich, welche Konsequenzen Sympathien und Antipathien für Tiere auch im Alltag haben: Z. B. eine Bremse zu erschlagen ist, auch unabhängig von ihrer Bedrohung für Arten oder Gesundheit, wohl für die meisten Menschen nicht das gleiche wie wenn man dasselbe mit einem Schmetterling machen würde. Man kann dies zugunsten der Bremse ändern wollen, weil man eben das Verbot zu töten als wichtigste moralische Regel ansieht – ebenso wie man, entgegen der traditionellen Konvention, Schmetterlinge verabscheuen kann. Unabhängig davon gibt es aber wohl niemanden, der nicht Tierarten unterschiedliche Symbolwirkung zuweist[4], mögen die konkreten Zuweisungen auch, vor allem im Vergleich verschiedener Kulturkreise, variieren.

Ob das Auswirkungen auf die Schutzwürdigkeit von Arten hat und ob Arten neben ihrer Schönheit oder anregenden Lebensweise z. B. auch gerade deswegen als schutzwürdig angesehen werden können, weil sie für uns unglaublich hässlich oder hinterhältig sind, wäre nochmals eine ganz andere Diskussion. Selbstverständlich kann man nicht wirklich überzeugend die größere Schutzwürdigkeit bestimmter Arten ästhetisch begründen – man würde einerseits wie beschrieben mit unterschiedlichen Symbolzuweisungen in Konflikt geraten und andererseits ignorieren, dass die Beobachtung wohl jeder Art faszinierend sein kann. Man kann aber das Wissen über verbreitete oder eingängige Vorstellungen des Charakters von Arten – anschaulich etwa in Brehms Tierleben[5] – selbstverständlich nutzen: So kann man z. B. durch anthropomorphe Darstellungen Begeisterung für den Artenschutz wecken[6] oder durch attraktive Leitarten die Popularität von Schutzgebieten steigern.

So sehr es mir selbst ein Anliegen ist, für den Artenschutz zu begeistern, freut es mich doch auch, wie schonungslos Boyle gern mit den fanatisch Begeisterten unter seinen Lesern umgeht. Das ist wieder kein Widerspruch: Ich hege eben die Hoffnung, dass er solche Leute zum Nachdenken bringt, auf dass sie sich konstruktiver engagieren können. Leider hat sich Boyle in seinem Roman für Ratten entschieden: Wäre das aggressive Neozoon in seinem Buch auch noch niedlich wie ein Eichhörnchen, könnte ich mir als glaubwürdigen, amüsanten Einschub in die Geschichte vorstellen, dass es einem der Veganer-Tierschützer zu süßlich wird und er durchdreht und mit einer Schaufel auf die kuscheligen Pelzviecher losgeht.


[1] Boyle, T. C. (2012): Wenn das Schlachten vorbei ist. (Engl. Originalausgabe 2011). Hanser Verlag, München.

[2] Z. B. Boyle, T. C. (2000): A Friend of the Earth. Viking Penguin, New York.

[3] „Lemming Aid“ von Grant Lahood, 1994, Neuseeland, Englisch und Norwegisch. Veröffentlicht als Teil des Videos bzw. der DVD „Dark Tales“.

[4] Ausführlicher dazu: Elitzer, Birgit; Ruff, Anne; Trepl, Ludwig & Vicenzotti, Vera (2005): Was sind wilde Tiere? In: Berichte der ANL. Heft 29. 51-60.

[5] Z. B. Brehm, A. E. (1863-1869, Ausgabe 1893): Brehms Tierleben. Allgemeine Kunde des Tierreichs. 3., gänzlich neubearbeitete Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien.

[6] Hier muss selbstverständlich auch auf Douglas Adams’ erklärtes Lieblingsbuch von ihm selbst hingewiesen werden, in dem er mit seiner humorvollen Neugierde für seltene Tierarten und deren Schutz zu begeistern sucht: Adams, D. & Carwardine, M. (1991): Die Letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde. Deutsch von Sven Böttcher. Rogner & Bernhard, Hamburg

 

Ludwig Trepl

Veröffentlicht von

Ich habe von 1969-1973 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der FU Berlin Biologie studiert. Von 1994 bis zu meiner Emeritierung im Jahre 2011 war ich Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsökologie der Technischen Universität München. Nach meinem Studium war ich zehn Jahre lang ausschließlich in der empirischen Forschung (Geobotanik, Vegetationsökologie) tätig, dann habe ich mich vor allem mit Theorie und Geschichte der Ökologie befaßt, aber auch – besonders im Zusammenhang mit der Ausbildung von Landschaftsplanern und Landschaftsarchitekten – mit der Idee der Landschaft. Ludwig Trepl

4 Kommentare

  1. Boyle bewertet nicht

    Mein Eindruck des Buches war, dass eben genau der Gegensatz der verschiedenen Naturschutzgedanken dadurch so gut dargestellt wurde, dass alle Aspekte diskussionswürdig bleiben. Boyle ergreift nicht für einen Protagonisten Partei. Sowohl der Tierschützer mit seiner Frage, wer Gott spielen darf, als auch die Ökologin, die die menschliche Einwirkung rückgängig machen will, bleiben verständlich in ihren Meinungen und Handlungen und müssen auch zeitweise daran scheitern. Die Ökolgin wird, in ihrer Überzeugung, dass es bereits zu viele Menschen auf der Erde gibt, die die Natur zerstören, dadurch aus dem Konzept gebracht, dass sie schwanger wird. Der Tierschützer, der in einer Villa am Meer mit Rollrasen und dickem Auto wohnt lebt vegan und will jedes Lebewesen retten. Er gerät nach starkem Aufwind heftig in die Diskussion als bei einer Protestaktion ein junges Mädchen stirbt.
    Das Thema wie süß/wert ein Tier ist, wird ebenfalls aufgegriffen. Es werden eben zunächst nur Ratten ausgerottet als nächstes auf einer größeren Insel alle Schweine. Die Ökologin kommt in Zweifel, als sie ein Eichhörnchen überfährt und der Tierschützer als Waschbären seinen Rasen zerstören. Es zeigt sich, dass beide Gedankenmodelle in ihrer letzten Konsequenz nicht tragbar sind. Wo jedoch die Grenze/ der Konsens ist, lässt Boyle offen.
    Für mich als Wissenschaftlerin/Ökologin war das Buch eine gute Lektüre. Situationsbedingt konnte ich mich besser mit der Ökologin identifizieren und habe viele Denkanstöße bekommen. Gerade der treffenderweise als “schonungslos” bezeichnete Umgang mit Einstellungen und festen Denkmustern kann dieselben ja immer wieder ein wenig aufweichen… Oder zumindest dazu führen, dass andere Meinungen nicht in dem Maße Unverständnis und Härte hervorrufen, wie in Boyles Buch, das letztlich bitter enden muss.

  2. @ Martin Holzherr: Leerstellen?

    Na ja: Was Sie meinen, sind ja keine wirklichen Leerstellen. Wenn es um solche ginge, könnten die auch irgendwo im Universum sein. Es geht Ihnen – unterstelle ich – um Wildnis im Sinne von Bereichen, wo sich belebte Natur ohne menschliches Zutun entwickelt.
    So sehr es selbstverständlich praktisch keinen Fleck auf der Erde mehr gibt, der physisch völlig frei von menschlichem Einfluss ist und so sehr es keine weißen Flecken mehr auf den Landkarten gibt: Auch ich mag die Vorstellung, dass es Orte auf der Welt gibt, wo Leben sich mehr oder weniger unbeeinflusst von Zivilisation entwickelt. (Ich mag z. B. Wälder, in denen es große alte Bäume gibt und Totholz herumliegt, weil die so urwaldmäßig wirken, wenn sie auch keine “Urwälder” sind.) Da das etwas ganz anderes als Arten- oder Tierschutz ist, gehe ich davon aus, dass sich Ihre Anmerkung auf meine Aussage bezog, dass Natur z. B. als Arten oder Landschaften nur geschätzt werden kann, solange es Menschen gibt, die dies tun. Dass man sich, um Natur wertzuschätzen, nicht in ihr aufhalten muss, dürfte das von Ihnen vermutete Paradoxon auflösen. Allerdings entsteht ein neues, wenn man sich “Natur” wünscht, die gar nicht von Menschen betreten wird: Wer soll nachsehen, ob das so ist? Man kann das natürlich vermuten und es dabei belassen, aber wissen kann man ja immer nur von “Natur”, in der schon mal jemand war. (Vgl. den Artikel “Wilde Träume Teil I” und die Diskussion dazu in diesem Blog.) Wo ist die Grenze zur Nicht-mehr-Leerstelle? Noch eine Frage: Dürfen dort “Wilde” leben?
    Was ich übrigens einen schönen Gedanken finde angesichts dessen, dass viel “Wildnis” auf der Welt für mich aufhört, welche zu sein, weil sich zu viele aufmachen, sie zu erleben: So kultiviert unsere mitteleuropäische Landschaft sein mag, so sehr kann man doch überall die Natur “am Werk” sehen – nicht nur auf Brachen und in verbliebenen Auwäldern, sondern auch z. B. in der Käferpopulation, die sich im Sandstreifen vor dem Haus eingefunden hat. Vielleicht ist das mit den “Leerstellen” nur eine Wahrnehmungssache: Zwischen den Überformungen durch Menschen, die die Wahrnehmung häufig dominieren, finden sich, zumindest bei näherem Hinsehen, fast immer welche. Sie sind nur unterschiedlich groß und reichen von der Pflasterritze bis zum Regenwaldrelikt.
    Dass “Wildnis”, in welcher Forma auch immer, eine “Kastration” erfährt, wenn es sie nur noch gibt, weil wir sie aktiv schützen, ist auch so ein ärgerliches Paradox im Naturschutz. Vermutlich lässt sich dieses ganze Geparadoxe allerdings auflösen, wenn wir unterscheiden zwischen uns, die wir gewillt sind, höchstens ehrführchtige Besucher zu sein und jenen, die mit einer übermächtigen, ausser Kontrolle geratenen Maschine aus mächtiger Technik und Wirtschaftszwängen über sie herfallen und die nicht grundlos gelegentlich das Bild vom Parasiten der Erde heraufbeschwören.
    (Wir sollten allerdings – das ist aber nochmal ein ganz anderes Thema – nicht vergessen, dass wir von dieser Maschine nicht unabhängig sind. Ich will kein Bild von den Guten, uns, und den Bösen, den Arbeitern mit der Kettensäge, zeichnen.)
    Bezüglich der eingeschleppten Arten auf einer Insel z. B. ist es übrigens nicht so einfach, mit den “Leerstellen” oder der “Wildnis” auf eine Grundlage für sinnvolles Handeln zu kommen: Bleibt die Natur dort eher wild bzw. “leer”, wenn wir die Ratten wieder ausrotten oder nur, wenn wir sie eben doch gewähren lassen, weil das ja auch ein natürlicher Prozess ist? Wildnis und Arten schützen zu wollen sind eben zwei Paar Schuhe.

  3. Der Mensch muss nicht überall sein

    Wo der Mensch dafür sorgt, dass das Richtige geschieht, ist nicht mehr die Natur am Werk. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Wenn es aber keinen Fleck mehr gibt auf der Erde ohne Oberaufsicht des Menschen, so geht doch etwas verloren, wenn es auch nur die Abwesenheit des Menschen ist. Wenn alle Leerstellen ausgefüllt werden, so ist das paradoxerweise ein Verlust – ein Verlust an Leerstellen.

  4. Kaninchen

    In der Kapregion Suedafrikas gibt es gleich zwei Beispiele dieses Problems – mit etwas “angenehmeren” Probanden als Ratten.
    Auf dem Tafelberg gab es lange eine grosse Population von Himalaya-Tahr (Hemitragus jemlahicus), die die einheimische Vegetation zerstoerte (durch Fressen und Huftritte). Da die Art in ihrer Heimat bedroht ist, war eine Ausrottung durch Cape Nature (die provinzielle Naturschutzorganisation) natuerlich sehr umstritten. Am Ende wurden die Tiere in einer Nacht und Nebel Aktion erschossen, weil sich die Tierschuetzer (organisiert als Friends of the Himaylayan Tahr) vehement dagegen eingesetzt haben.
    Auf Robben Island haben sich Europaeische Kaninchen angesiedelt. Sie haben sich dort so stark vermehrt, dass sie die Insel fast kahlgefressen haben (was zum Verhungern der einheimischen Buntboecke (bedroht) gefuehrt hat). Auch hier gab es heftige Proteste gegen die Ausrottung der Kaninchen – bis hin zu Vorschlaegen, die Tiere koennten doch von interessierten Privatpersonen adoptiert werden.