Zwischenmahlzeit: Blogger-Treffen in Deidesheim war wieder sehr eindrucksvoll

BLOG: Labyrinth des Schreibens

Die Suche nach dem roten Faden
Labyrinth des Schreibens

Das Essen war wieder hervorragend in Deidesheim und keineswegs nur “Zwischenmahlzeit”, und auch die Weine mundeten beim sechsten Treffen der SciLogs-Blogger. Aber mindestens so schmackhaft waren die Vorträge und die Diskusssionen in den vier Austausch-Workshops.

 Um es gleich vorwegzunehmen: Das Wichtigste war für mich auch bei diesem Treffen das Kennenlernen der Autoren, die man sonst nur über ihre Texte erlebt. Natürlich sind es nur wenige Blogger, die man dabei etwas näher kennenlernt – so wie man ja auch nicht alle Blogs lesen und schon gar nicht ständig beobachten kann. Aber ein wenig mehr Vertrautheit hier – ein wenig mehr Informationen dort – das ist das Schöne an Deidesheim, wo ich schon das dritte Mal dabei sein durfte.

Vorschlag zur Diskusssion: Ein Jahr bis zum nächsten Treffen ist lang. Könnte man nicht da und dort Regionalgruppen initiieren, die sich in kürzeren Abständen treffen? In und um München ist ja zum Beispiel ein richtiges Nest von SciLoggern! Das muss nicht unbedingt ein Stammtisch im Hofbräuhaus werden, Gott bewahre – aber ein Treffen im Vierteljahresrhythmus?

Ich berichte über dieses Treffen besonders gerne, weil mein Blog Labyrinth des Schreibens sich ja speziell mit allem befasst, was mit Schreiben zu tun hat. Da steht das Blogging bei mir inzwischen ganz hoch oben. Und ist nicht außerdem diese Bloggersphäre von SciLogs, mit ihrer geradezu beängstigenden Fülle von Themen und Informationen, bei genauer Betrachtung längst so etwas wie ein Labyrinth geworden? Aber zunächst mal

 

Schreiben Schreiben Schreiben

Was wären die SciLogs ohne das Schreiben? Sie würden gar nicht existieren. Bei den Vorträgen (die natürlich auch in irgendeiner Form schriftlich vorbereitet und fixiert werden mussten), war jedoch eindrucksvoll, dass da niemand “am Papier klebte” (oder am Bildschirm des Laptop) – sondern dass alle angenehm frei vortrugen. Mich haben besonders diese Themen beeindruckt (die keineswegs nur für Blogger interessant waren):

Mareike König lieferte aufschlussreiche Infos zur wissenschaftlichen Blogger-Szene in Frankreich,

Lou Woodley von nature.com referierte über ähnliche Aktivitäten in England.

Michael Blume vom Blog Natur des Glaubens erläuterte in einem Spontan-Referat die Möglichkeiten, als Blogger in der super-aktuellen Form des elektronischen Buches (E-Book) Texte zu publizieren, die sonst leicht durch den Raster fallen, weil sie zu kurz sind. Gerade dieses kleine Format (bis zu 60 Seiten etwa) ist in diesem Fall besonders sinnvoll. Dazu kommen die Möglichkeiten, beliebig Fotos und Grafiken einzubauen, aber auch Links zu Websites, Blogs, Pod-Casts und Filmschnipsel (beispielsweise auf YouTube) einzubinden. Michaels Erfahrungen sind dabei keineswegs nur theoretischer Natur, sondern basieren auf dem von ihm und seiner Frau Zehra gegründeten Verlag sciebooks.de.

In einem Workshop, den Spektrum-Verlagsleiter Richard Zinken moderierte (bei den anderen Workshops konnte ich leider nicht dabei sein, weil ich die Kunst der Bilokation nicht beherrsche), ging es um das, was dieses Bloggertreffen und die ganze Bloggersphäre von SciLogs überhaupt erst möglich gemacht hat (die Drei-Gänge-Menüs vom Samstagabend und Sonntagmittag  – s. unten – inbegriffen): Wie man all dies finanziert. Passenderweise hatte ich während der Zugfahrt von München nach Deidesheim in einem Buch geschmökert, in dem gerade dieses Thema der Finazierung gesellschaftlich und kulturell wichtiger Netzwerke erstaunlich naiv behandelt wurde: So als könne / müsse man Derartiges nur mit Idealismus betreiben – und dass dies ja leider dann doch nur Ärger gäbe und nicht so recht funktioniere. Die SciLogs haben mich längst vom Gegenteil überzeugt – was nicht heißt, dass es da noch einiges zu tun gibt – diridarimäßig, wie die Bayern sagen.

Die anwesenden Blogger durften auch dieses Jahr den Preisträger “SciLogs-Blogger des Jahres” küren. Den diesjährigen Preis gewannen diesmal, mit gleicher Stimmenzahl, gleich zwei Kandidaten: Michael Khan von Go for Launch und Karl Urban von AstroGeo.
Mein Favorit hat diesmal nicht gewonnen: Boris Hänßler von den Robotergesetzen als dritter Kandidat. Gewählt hätte ich ihn, weil sein Laudator mir mit seinen Hinweisen bewusst machte, dass es Isaac Asimov mit seinen Robotergesetzen und speziell seine Story-Sammlung I Robot war, der mich zum Psychologiestudium veranlasst hat. Es gab da nämlich, in der Rahmenhandlung, eine Robotpsychologin namens Susan Calvin, die mich sehr beeindruckte. Aber das ist eine andere Geschichte, die muss nicht unbedingt hier erzählt werden.

Herzlichen Glückwunsch jedenfalls den beiden Gewinnern (und vielleicht klappt es mit den Robotergesetzen und Klaus Hänßeler ja das nächste Mal!)

Und last, but not least: Herzlichen Dank an Martin Huhn und Carsten Könneker, die sich so verdient um die SciLogs gemacht haben und sich nun anderen Aufgaben im Spektrum-Verlag zuwenden:

° Carsten hatte 2006 die zündende Idee und entwickelte diese Bloggersphäre, die inzwischen von – derzeit – 74 Bloggern mit wissenschaftlichen Themen beschickt wird; außerdem war er für uns alle so etwas wie ein Mentor in Sachen Blogging, nicht zuletzt durch sein Buch Wissenschaft kommunizieren, das ich als Bibel für Blogger, denke ich, treffend charakterisiert habe.

° Martin war der Programmierer, der die SciLogs technisch möglich gemacht hat. Er war aber viel mehr – zum Beispiel Ratgeber, wenn ich irgendeinen Kniff bei LifeType nicht kannte oder veregssen hatte, und hilfreicher Engel, wenn ich mal etwas vermurkst habe. Ich denke, dass ich diesen Dank auch im Namen der anderen SciLogger aussprechen darf.

Ach ja: Das Essen. Hier noch das Drei-Gänge Menue vom Samstag:

Rahmsuppe vom Hokkaido-Kürbis mit frittierter Banane
Gefülltes Fleischpflanzerl mit Feta, Pilzrahmsauce und Couscous
Quittensorbet mit kaltem Hagebuttensabayon

Neidisch? Vielleicht lockt dieser dezente Hinweis ja nächstes Jahr die Blogger an, die diesmal nicht dabei waren. Wenn es schon nicht die (sicher auch im nächsten Jahr) interessanten Themen sein werden.

→ Weitere Berichte über dieses Treffen – mit vielen Fotos haben Trota von Berlin , Stefan Schleim und Stefan Oldenburg publiziert.

 

Nachschlag: Die Plagiats-Affaire um zu Guttenberg ist jetzt im Fernsehen angekommen

Ein kleiner Nachschlag zu den Schavan-Beiträgen: Heute Abend, 12. März, wird die Guttenberg-Affaire zunächst satirisch auf SAT 1 in dem Film Der Minister aufgewärmt (Regie: Uwe Janson). Danach kommt auf dem selben Sender, um 22:20 Uhr, zum selben Thema eine Dokumentation zu diesem nicht nur politischen Skandal: Abgeschrieben – die Guttenberg-Story

 

Allgegenwart des Labyrinth-Mythos

Ich möchte an dieser Stelle wieder einmal darauf hinweisen, weshalb ich dieses Labyrinth-Thema überhaupt beobachte, referiere, analysiere und kommentiere: Weil es für mich die Metapher schlechthin für unser modernes Leben ist. Und im Zusammenhang mit dem Schreiben habe ich zudem noch keinen besseren anschaulichen Vergleich für den kreativen Prozess beim Verfassen von Texten gefunden, als den allmählichen Übergang von anfänglicher Verwirrung (Irrgarten – Yrrinthos) zur Klarheit eines kretischen Labyrinths mit seinem einzigen Gang, in dem man sich unmöglich verlaufen kann.

Für eine einzige Fernseh-Woche sind mir folgende Beiträge aufgefallen, in denen das Stichwort Labyrinth vorkommt oder ein Element der Labyrinthiade:

° Gestern, am 11. März 2013, schaute ich mir auf ARD den ersten Teil der eindrucksvolle Doku über den nordamerikanischen Fluss “Mississippi” an. Dabei wurden unter anderem das unterirdische Tunnelsystem einer maulwurfähnlichen Mäuseart gezeigt – das man passenderweise als Labyrinth bezeichnete.

° Vorher fiel in einer anderen Sendung ebenfalls das Stichwort Labyrinth – aber ich habe vergessen, in welcher Sendung und in welchem Zusammenhang. Alles notiere ich mir diesbezüglich nicht mehr.

° Später kam, am selben Abend, auf Tele 5 den SciFi-Horror-Thriller “Cube Cero“. Dessen Schauplatz ist ein “tödliches Labyrinth aus würfelartigen Räumen”.

° Am Samstag, 16. März 2013, um 20:15 Uhr wird Eins Festival das Melodram “Bloch: Das Labyrinth zeigen. Keine Ahnung, worum es dabei gehen wird – vermutlich um eine Beziehungskiste, aber eben mit yrrinthischen Verwicklungen. Der MindCatcher Labyrinth wird jedenfalls seine Wirkung tun, nicht nur bei mir.

° Ebenfalls am Samstag um 20:15 Uhr kommt auf SAT.1 der Fantasy-Thriller “Percy Jackson: Diebe im Olymp” (Regie: Chris Columbus). Darin gibt es eine sehr eindrucksvolle Szene mit einem wutschnaubenden Minotauros. Wer gute action mag und gerne mal wieder fünfzehn ist, wird in diesem Film auf seine (ihre?) Kosten kommen.

Quellen
anon (Regie): Mississippi (1). Sendung am 11. März 2013 um 20:15 auf TV-Sender ARD Das Erste
anon (Regie): Abgeschrieben – die Guttenberg-Story. Sendung am 12. März 2013 um 22:20 auf TV-Sender SAT.1
Columbus, Chris (Regie): Percy Jackson – Diebe im Olymp. Sendung am 16. März 2013 um 20:15 auf TV-Sender SAT.1
Barbarash, Ernie (Regie): Cube Cero. Sendung am 11. März 2013 um 22:00 auf TV-Sender Tele 5
Janson, Uwe (Regie): Der Minister. Sendung am 12. März 2013 um 20:15 auf TV-Sender SAT.1
Zahavi, Dror (Regie): Bloch: Das Labyrinth. Sendung am 16. März 2013 um 20:15 auf TV-Sender Eins Festival

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich sein könnten zum Thema Labyrinthe und Irrgärten vor allem Willkommen im Labyrinth des Schreibens und die Zeittafel. Die wichtigsten Personen und Begriffe werden erläutert in Fünf Kreise von Figuren sowie im Register dieses Blogs.
Wichtige Stichwörter zum Schreiben werden erfasst im BloXikon dieses Blogs.

Aktuelle Informationen zu meinen Schreib-Seminaren.
Das nächste Seminar ist ÜBER DIE SCHWELLE (22.-24. März 2013) aus dem Jahreskurs Minotauros-Projekt: Roman schreiben.
Der Titel des Seminars verweist auf eine wichtige Station der Heldenreise – die gewissermaßen den Roten Faden dieses Kurses darstellt.

 

Zwischendurch: Blogger-Treffen in Deidesheim war wieder sehr eindrucksvoll
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BloXikon: Blogging / Marketing
Begonnen in der Virtuellen Schreib-Werkstatt #330 vom 09. März 2013
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"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

1 Kommentar

  1. Regionaltreffen

    Hallo Jürgen,

    regionale Treffen der Scilogger gab es schon. Im Heidelberger Raum bis hoch nach Darmstadt haben sich schon einige Blogger getroffen. In Berlin wohl auch. In München gibt es ja auch ein paar. Da wäre dann die Eigeninitiative der Blogger vor Ort gefragt. Teilweise ist vielleicht auch ein Hinweis auf eine Veranstaltung günstig, wenn ein Blogger einen Vortrag hält oder ähnliches.

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