Schleimpilze – oder Sarah Palin?

BLOG: Labyrinth des Schreibens

Die Suche nach dem roten Faden
Labyrinth des Schreibens

Heute die Qual der Wahl – buchstäblich ebenso wie im übertragenen Sinn. Folgen Sie mir in die Mysterien der Maislabyrinthe!

Meine Quellen sind zwei Zeitungsmeldungen, die es schwer machen, das Lachen zu verkneifen:

° Wer möchte schon durch Sarah Palin, die alaskische Bewerberin um das Amt der Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten wandern, sich gar darin verirren – und sei es nur durch ihr Portrait in Form eines Irrgartens in einem Maisfeld?
° Oder würden Sie sich lieber mit einem der Schleimpilze identifizieren, die von Psychologen in einem der dafür üblicherweise konstruierten Irrgärten ausgesetzt wurden?

Mais"labyrinthe" scheinen immer beliebter zu werden. Das mit dem Gesicht von Sarah Palins Kopf wurde im Verlauf nur acht Stunden von einem Künstler aus Idaho im Feld des Bauern Duke Wheeler in Whitehouse / Ohio angelegt. Ob der Farmer einer von Palins Fans ist oder einer ihrer Gegner, das ging aus der Meldung auf den Vermischten Seiten der Süddeutschen Zeitung nicht hervor. Geschäftstüchtig ist der Mann auf alle Fälle: Er verlangt "für den Eintritt in Palins Gesicht acht Dollar". Ein Schelm der Böses denkt – vor allem angesichts der amerikanischen Finanzkrise, wo jede(r) schauen muss, wo er/sie bleibt.

 

Und was hat es mit den Schleimpilzen auf sich?

Seit 1991 werden als eine Parodie auf die Verleihung der echten Nobelpreise die "IG-Nobelpreise" verliehen. "Ignobel" – das ist ein Wortspiel aus "nicht (oder ig-itt?) Nobel" und "ignobel = unwürdig". Man spendiert diese Auszeichnung Wissenschaftlern, deren Forschungsergebnisse eher als Kuriosität oder Gag betrachtet werden. Womit wir zu den "Wissenschaftler aus Japan und Ungarn" kommen, die (lt. SZ vom 4. Okt 2008) "Schleimpilze durch Labyrinthe krabbeln ließen – ohne dass sich diese amöbenhaften Wesen verirrt hätten."

Ich bin jetzt, zumindest was die Schleimpilze angeht, etwas ratlos: Was hier als Gag oder nichtswürdige Kuriosität vorgestellt wird, käme einer echten Sensation gleich, wenn die Meldung zutrifft. Denn sowohl Laborratten wie Menschen tun sich recht schwer, einen Irrgarten (und nur so einer kann bei diesem "Labyrinth" im geschilderten Versuch eigentlich gemeint sein) fehlerlos zu durchlaufen. Wenn der Bericht zutrifft, würde dies in der üblichen psychologischen Terminologie und Testwelt bedeuten, dass Schleimpilze, die ja nun wirklich sehr weit unten auf der biologischen Entwicklungsleiter anzusiedeln sind, uns Menschen intelligenzmäßig überlegen sind!

Oder liegt da ein Missverständnis vor und es handelte sich bei diesem "maze" (wie es wohl in der mit hoher Wahrscheinlichkeit englisch formulierten ursprünglichen Meldung hieß) ausnahmsweise mal um ein Labyrinth im ursprünglichen Sinne, in dem man sich – anders als in einem Irrgarten – gar nicht verirren kann?

 

Apropos "Maislabyrinthe"

Lieber als durch ein Maisfeld mit dem Antlitz der Gouverneurin von Alaska würde ich durch eines mit dem von Arnie Schwarzenegger irren. Gibt es aber meines Wissens – noch – nicht. Dafür kann man ein Mais-Labyrinth in Drachenform nahe dem südhessischen Ort Groß-Umstand begehen; zumindest entnehme ich das einem Programmhinweis des Musik-Fernsehsenders MTV. In diesem Maislabyrinth spielte nämlich am 18. September 2008 "Simple Plan aus Kanada ihren poppigen Punkrock".

Leider kann ich Ihnen auch dazu kein Bild zeigen. Das ist anders bei "Ray Charles im Maislabyrinth". Weil ich schon immer ein Fan von Ray Charles war (zumindest bevor er sich mit Geigen und Chören drapieren ließ), freut mich dieses Beispiel ganz besonders. Leider kann ich aus Gründen des Copyrights die Abbildung hier nicht direkt präsentieren. Aber wenn Sie den Link im Rähmchen anklicken, gelangen Sie auf eine Seite von "Sueddeutsche Zeitung online" mit der Luftaufnahme dieses sehenswerten LandArt-Projekts:

Ich zitiere aus dem dazugehörigen Bericht (aus dem Jahr 2004):

In der Kleinstadt Canton entsteht bis 4. September [2004] ein Abbild des US-Bundesstaats Georgia, und zwar als Labyrinth in einem Maisfeld. Eine örtliche Molkerei schneidet bis dahin Formen und Figuren in die Stauden. Sie sollen den Bundesstaat, in dem sonst vor allem Pfirsiche angebaut werden, symbolisieren.
Insbesondere die Skyline von Atlanta im Mais sei deutlich sichtbar, teilt die Tourismusorganisation Georgias mit. Das jährliche Maislabyrinth bei Canton ist das älteste in Georgia. Diesmal trägt es in Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Ray Charles und sein berühmtestes Lied das Motto "Georgia on my mind".

Quellen
Stirn, Alexander: "Was Forscher von Stripperinnen lernen". In: Südd. Zeitung vom 4. Okt 2008
anon: ""Sarah Palin . . .". In: Südd. Zeitung vom 27. Sep 2008

anon: "Verloren im Mais". In: Südd. Online" vom 17. Aug 2004 

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich sein könnten vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog und die Zeittafel. Die wichtigsten Personen und Begriffe werden erläutert in Fünf Kreise von Figuren sowie im Register dieses Blogs.

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"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

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