Roter Faden durchs Erdöl: Eschbachs “Ausgebrannt”

BLOG: Labyrinth des Schreibens

Die Suche nach dem roten Faden
Labyrinth des Schreibens

Die Medien sind voll davon: Das Erdöl wird zwar nicht sofort dem Ende zugehen –

– aber der gefürchtete Peak Oil, ab dem die Probleme sich rasend schnell akkumulieren werden, rückt im Saußeschritt näher. Im Februar-Heft von Spektrum der Wissenschaft (ja, es ist schon eine Weile her) las ich eine Rezension von Frank G. Gerigk zu Andreas Eschbachs Thriller Ausgebrannt über das absehbare Ende unserer Erdölversorgung. Hier will ich aus der sehr umfangreichen (und insgesamt positiven) Besprechung nur den Abschnitt zitieren, der zum L-Blog paßt:

Der erste Teil des Buchs gewinnt seine Spannung dadurch, dass er gekonnt mit Rückschauen spielt und ein Schreckensszenario aufbaut. Einen Teil des Potenzials verschenkt der Autor, indem er mit zu vielen Nebenhandlungssträngen den roten Faden zerfasern lässt. Der Eschbach-Kenner weiß, dass sie zuletzt zu einem eleganten Gesamtkunstwerk verflochten werden – aber derweil drohen die Hauptperson und ihre Geschichte aus dem Blick zu geraten.

Mein Tipp: Lesen Sie den Roman – damit Sie gut vorbereitet sind, wenn der letzte Tropfen Öl in Ihre Heizung fällt und Ihr Auto an allen Tankstellen nichts mehr bekommt vom begehrten Nass. Eschbach hat da den richtigen Riecher gehabt: Als er den Roman schrieb (ich vermute, dass dies Ende 2006, Anfang 2007 war), betrug der Ölpreis etwa ein Drittel von dem, was dieser wichtigste Energieträger heute, Mitte Juli 2008, kostet, nämlich mehr asls 140 Dollar pro Fass. Im Horror-Szenario der Dresdner Bank (Einecke 2008) geht man von 150 bis 160 Dollar je Fass für Ende dieses Jahres aus. Die künftige Entwicklung deutet also fatalerweise sehr in die Richtung von Eschbachs Prognosen!

Gut unterhalten werden Sie außerdem. Falls Sie meine Meinung zu Eschbachs Roman in voller Länge interessieren sollte, so finden Sie diese Rezension hier: Eschbachs "Ausgebrannt" .

Ach ja: Zum L-Thema gibt´s in Eschbachs Roman selbst auch was zu berichten. Auf S. 570 heißt es:

Inzwischen arbeitete er nicht mehr im Stall, sondern im Silo, wie man den großen, düsteren Bau nannte, der im Inneren wie ein Labyrinth aus lauter kleinen Kammern, Gängen und Behältern wirkte. Die Vorräte an Weizen, Gerste und Hirse wurden hier gelagert, und seine Aufgabe war es, das Getreide zu belüften . . .

Sowas freut den Labyrinthologen natürlich zusätzlich.

Quellen:
Einecke, Helga: "Der Fluch des teuren Öls". In: Südd. Zeitung vom 12. Juli 2008
Eschbach, Andreas: Ausgebrannt. Bergisch-Gladbach 2007 (Lübbe)
Gerigk, Frank: "Ausgebrannt" (Rezension). In: Spektrum der Wissenschaften, Februar-Heft 2008 

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich sein könnten vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog und die Zeittafel. Beachten Sie bitte auch das Register dieses Blogs.

Avatar-Foto

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

1 Kommentar

  1. Aber was ist mit den Motorölpreisen?

    Ein interessanter Artikel.

    Was mich nur immer – wahrscheinlich auch alle anderen – wundert ist diese Benzinpreishopserei an den Tankstellen. So wirklich kann ich das alles nicht nachvollziehen.

    Als Motorradfahrer interessierte mich das und mich wundert es nur dass die Motorölpreise aus meiner Sicht konstant bleiben. Einem Autofahrer wird das nicht auffallen, doch meine Yamaha FZR 1000 “friesst” schon bald Öl.

    Warum macht sich das dann dort nicht auch bemerkbar?

    LG,

    Martin

Schreibe einen Kommentar