Neuronischer Irrgarten mit Filigranem Sensor

Labyrinth des Schreibens

Vergrößerungen von Vorgängen und Gegenständen aus dem Bereich der Natur eröffnen manchmal großartige Einblicke und ungewohnte Perspektiven. Dass sich darunter auch ein veritabler Irrgarten befinden könnte, hätte ich allerdings nicht gedacht. So hat dieses Bild jedenfalls auf mich gewirkt:

 

Abb.1: "Filigraner Sensor" in einem natürlichen Irrgarten (Foto: Jürgen Berger / Courtesy Jürgen Berger, Teresa Nicolson, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie und NEURON/Elsevier) 

Obige "nachkolorrierte rasterelektronenmikroskopische Aufnahme" entdeckte ich in einer Publikation der Max-Planck-Gesellschaft. Ihre geheimnisvolle Schönheit spricht für sich selbst. Entdecker und Fotograf dieses Fundes ist Jürgen Berger; erstmals publiziert wurde er in einem Artkel von Teresa Nicolson in der amerikanische Zeitschrift NEURON. Diese verwendete das Motiv als Eyecatcher und Titelbild für die Februar-Ausgabe 1998 (Vol. 20, Issue 2).

Der Wissenschaftler interessiert sich natürlich mehr für die im Vordergrund aufragende Sinneszelle. Der Labyrinthologe wundert sich, wie die Natur es fertigbringt, diese Zelle aus einer Art mikroskopischer Landschaft herauswachsen zu lassen, die einem Irrgarten verblüffend ähnlich sieht.

Im Katalog der MPG zur Ausstellung "Bilder aus der Wissenschaft" (2007, S. 28) heißt es dazu:

Wie eine im Wind flackernde Kerze erscheint diese Haarsinneszelle einer Zebrafischlarve. Haarsinneszellen leiten mechanische Reize an das Nervensystem weiter. Solche mechanischen Reize können zum Beispiel durch Bewegung oder Schall ausgelöst werden.

Im selben Katalog fand ich noch eine andere aufschlussreiche Aufnahme, die zeigt, wie die Umkehr einer Kreisbewegung entehen kann, die nötig ist, wenn man ein kretisches Labyrinth resp. einen Ariadnefaden zeichnen will:

Abb.2: Verdrehte Spirale (Computersimulation von Oliver Rudzick, Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft Berlin / Courtesy MPG) 

Im Katalog steht diesbezüglich (S. 24):

Ob Schneckenhäuser, Galaxien oder Tiefdruckwirbel – Spiralen kommen in der Natur in den unterschiedlichsten Zusammenhängen vor. Und doch haben sie eines gemeinsam: Sie sind stets nur in einer Richtung verschlungen. Dass das nicht immer so sein muss, zeigt diese Computersimulation einer verdrehten Spirale. [… Diese] kann nur auftreten, wenn im Raum verteilte Oszillatoren zusammenwirken: Wird den Oszillatoren nämlich durch eine periodische äußere Störung eine andere als ihre natürliche Frequenz aufgezwungen, dann können sie sich zu einer verdrehten Spirale organisieren.

Zum Schluss noch vielen Dank für die geduldige Hilfe bei der Genehmigung für die Veröffentlichung der Bilder
° an Manuela Gebhard von der MPG
° and many thanks for friendly help to Laura Steward of Elsevier 

Quellen
Max-Planck-Gesellschaft, Referat  für Presse und Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.): Bilder aus der Wissenschaft (Begleitkatalog zur gleichnamigen Ausstellung). München 2007, S. 24/25: Verdrehte Spirale / S. 28/29: Filigraner Sensor 
Nicolson, Teresa und Berger, Jürgen: Titelbild / Titelstory. In: Neuron, Vol. 20, Issue 2 (Februar 1998)  (Elsevier)

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich sein könnten vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog und die Zeittafel. Die wichtigsten Personen und Begriffe werden erläutert in Fünf Kreise von Figuren sowie im Register dieses Blogs.

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

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