Mit DRAGON im Labyrinth

Labyrinth des Schreibens

Hier mein angekündigtes Text-Experiment mit der Diktiersoftware DRAGON. Es kommt in drei Varianten.

Die eine Variante habe ich von Hand getippt – die andere mit der DRAGON-Software diktiert. Die Fehler habe ich violett markiert, mit der Korrektur in [eckigen Klammern]. Versuchen Sie mal herauszubekommen, welche Variante welche ist (ich verrate es am Ende dieses Eintrags hinter der nachkorrigierten Fassung, also der dritten Variante). 

 

Variante 1

Der Begriff Labyrinth ist so verwirrend und geheimnisvoll wie das, was er bezeichnet:

° Es handelt sich zum einen um eine – sehr komplexe – Erzählung mit vielen interessanten Figuren;

° und es geht zugleich um zwei graphische Darstellungen: nämlich einerseits das bekannte, wie eine Schlange aufgerollte kritische [kretische] Labyrinth mit einem einzigen Gang, in dem man sich gerade nicht verlaufen kann (auch ein dingliches [eingängiges] Labyrinth genannt) und andrerseits das verwirrende Abbild vieler Gänge, Sackgassen und unerwarteter Abzweigungen, die man besser als Irrgarten bezeichnet oder mit dem Neologismus Yrrinthos. Von den vielen ineinander verschlungenen Geschichten, welche die Labyrinth-Sage erzählt, seien hier zwei besonders eindrucksvolle genannt, die heute noch häufig zitiert werden:

1.  Die eine Geschichte handelt vom Kampf des argentinischen [athenischen] Helden T. soll es [Theseus] mit dem Stier köpfigen ungeheuer [stierköpfigen Ungeheuer] Minotaurus, bei dem die Königstochter Ariadne dem Helden hilft, indem sie ihm ein Schwert und den nach ihr benannten roten Faden oder Ariadne fragten [Ariadnefaden] gibt.

2. Die andere Geschichte erzählt von der Flucht des Erfinders leider anders [Daidalos] (der das Labyrinth ursprünglich erfunden und erbaut hat) und seines Sohnes Ikarus: Mithilfe künstlicher Flügel verlassen sie das Labyrinth, in dem sie von König Minos gefangen gehalten werden. Für Ikarus endet die Flucht tragisch: er steigt so hoch, dass das Wachs seiner Schwingen schmilzt und er ins Meer stürzt, wo er ertrinkt.

 

Variante 2

Der Begriff Lqbyrinth [Labyrinth] ist so verwirrend und geheimnisvoll wie das, was er bezeichnet:

° Es handelt sich zum einen um eine – sehr – komplexe Erzählung mit vielen interessanten figuren [Figuren];

° und es geht zugleich zugleich um zwei graphische zwei [Doublette] Darstellungen: nämlich einerseits das bekannte, wie eine Schlange aufgerollte kretische Labyrinth mit einem einzigen Gang, in dem man sich gerade nicht verlaufen kann (auch eingängiges Labyrinth genannt) und andrerseits das verwirrende abbild [Abbild] vieler Gänge, Sackgassen und unerwarteter abzweigungen [Abzweigungen], die man besser als Irrgarten bezeichnet oder mit dem Neologismus Yrrinthos. Von den vielen ineinander verschlungenen Geschichten, welche die Labyrinth-Sage erzählt, seien hier zwei besonders eindrucksvolle erwähnt, die heute noch häufig ziziert [zitiert] werden:

1. Die eine Geschichte handelt vom Kampf des athenischen Helden Thesues [Theseus] mit dem stierköpfigen Ungeheuer Minotauros, bei dem die Königstochter Ariadne dem Helden hilft, indem sie ihm ein Schwert und den nach ihr benannten roten Faden oder Ariadnefaden gibt.

2. Die andere Geschichtre [Geschichte] erzählt von der Flucht des Erfinders Daidalos (der das Labyrinth ursprünglich erfunden und gebaut hat) und seines Sohnes Ikaros: Mit Hilfe künstlicher Flügel verlassen sie das Labyrinmth [Labyrinth], indem [in dem] sie von König Minos gefnagen [gefangen] gehalten werden. Für Ikaros ebndet [endet] die Flucht tragtisch [tragisch]: er steigt so hoch, dass das Wachs seiner Schwingen schmilzt und er ins Meer stürzt, wo er ertrinkt.

 

Fazit  

Ich habe zunächst die von DRAGON nicht erkannten oder falsch geschriebenen Wörter trainiert und dann den Text nochmals diktiert. In der dritten Fassung gab es dann nur noch einen einzigen Fehler: :

Dem Stier köpfigen ungeheuer [stierköpfigen Ungeheuer] Minotauros gegenüber war und blieb der DRACHE hilflos. Macht aber nichts. Nobody is perfect.

Und welche der beiden obigen Varianten wurde von mir getippt – welche von der DRAGON-Software nach meinem Diktat?  Haben Sie es erraten? Wahrscheinlich konnten Sie es an den typischen Buchstabendrehern und den Klein- statt Großschreibungen erkennen sowie an den mir eigentlich vertrauten aber vertippten Begriffen wie "Labyrinth", dass die zweite Variante von mir stammt. Gerade die schwierigen Wörter schreibt die DRAGON-Software nämlich korrekt – vorausgesetzt, sie sind in ihrem Vokabular enthalten und wurden vom Diktator ergänzt und trainiert.

13 Tippfehler stammen von mir, 7 von ihr – also fast halbe-halbe. Da hat sich die Software doch wacker gehalten! Das ist gewiss kein Test, der den Kriterien von Computer-Zeitschriften und von der Stiftung Warentest genügen würde. Aber er bestätigt meine bisherige gefühlte Erfahrung, dass die Software zumindest meinen persönlichen Tippleistungen weit überlegen ist. Wahrscheinlich würde eine erfahrene Schreibkraft, die das Zehn-Finger-Blindsystem besser beherrscht als ich, sich in so einem Wettbewerb erfolgreicher schlagen; ich bezweifle jedoch, dass ihr das auf Dauer gelingt. Schnelligkeit und Fehlerhäufigkeit sind auf jeden Fall proportional voneinander abhängig. Und was die Schnelligkeit angeht, so ist der DRAGON unschlagbar: Ich diktiere in normalem Sprechtempo. Das bewältigt die Softeware allerdings nur mit einem sehr schnellen Prozessor : ich habe einen Dual Core mit einer Taktrate von 2 x 2,23 = 4,26 GigaHertz – das sollte man schon "unter der Haube haben" – aber dann ist es ein Vergnügen).

 
Abb.: So sieht er aus: Der DRACHE bei der Arbeit (Foto: JvS)

Außerdem…

… möchte ich noch darauf hinweisen, dass gerade die manchmal ungewöhnlichen Fehlleistungen des DRAGON angesichts (angehörts?) ihm unbekannter Wörter nicht nur erheiternd sind (und Erheiterung braucht´s einfach immer wieder bei der Arbeit) – sondern die Kreativität sehr anregen können, gerade bei einem Schriftsteller, der Erzählungen schreibt. Für einen Physiker wäre das wahrscheinlich nicht so sinnvoll. Aber da das naturwissenschaftliche oder überhaupt jedes fachwissenschaftliche Vokabular sehr klar ist, lässt sich dies leicht in einer speziellen Datei versammeln und dem Stammvokabular en bloc einfügen resp. nach und nach trainieren. Nach kurzer Zeit versteht der DRAGON dann eigentlich alles. Und 100 % perfekt sind nicht einmal Computer resp. Softwares, da mag die KI im Speicher noch so super sein. 

Für Juristen und Ärzte gibt es bereits sehr umfangreiche (allerdings auch sehr teure) Spezial-Vokabulare. Als Angehöriger von wenig formalisierten Disziplinen (Schriftsteller, Psychologe etc.) muss man sich das Persönliche Wörterbuch nach und nach selbst aufbauen. Bedenkt man jedoch, das es kaum 30 Sekunden dauert, einen der Software vorher unbekannten Begriff zu trainieren, dann ist das ein Klacks. Von da an taucht der Fehler einfach nicht mehr auf (es sei denn, dass ein anderer Begriff sehr ähnlich klingt und deshalb seinerseits eigens trainiert werden muss). 

 

Ergänzung (10. Sep 2008)

Inzwischen ist die – nochmals verbesserte und schnellere – 10. Fassung der Software erschienen. Details zu Neuerungen und Preisen auf dieser Website: Nuance.de

(Siehe auch meinen vorangehenden Beitrag, in dem ich die Software genauer vorstelle: Mit dem DRAGON unterwegs in der deutschen Sprache.)

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich sein könnten vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog und die Zeittafel. Die wichtigsten Personen und Begriffe werden erläutert in Fünf Kreise von Figuren sowie im Register dieses Blogs.

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

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