Jack mit der mörderischen Axt

BLOG: Labyrinth des Schreibens

Die Suche nach dem roten Faden
Labyrinth des Schreibens

Ein Reisebericht in der Süddeutschen Zeitung. Tom Noga auf Spurensuche in Oregon. Ich lese das nur, weil ich einige Tage zuvor bei einem gemütlichen Glas Rotwein den Rohschnitt einer Dokumentation über Oregon anschauen konnte, den ein benachbarter Journalist für das Bayrische Fernsehen gedreht hat.

Doch die Timberline Lodge, welche der SZ-Reporter aufsuchte, wird in diesem Dokumentarfilm nicht vorkommen. Dort wurde ein anderer Film gedreht: 

Der Weg zur Timberline Lodge führt durch dichten Nadelwald, flankiert von Mount Jefferson und Mount Hood, den höchsten Bergen des amerikanischen Bundesstaats Oregon. Rechts und links des Highways türmt sich der Schnee meterhoch. An einer Kreuzung mitten im Nichts zweigt die Timberline Road ab. Sie windet sich in engen Serpentinen bergauf und endet nach zwölf Kilometern an einer zu groß geratenen Berghütte, die in den Schneemassen versinkt. Das soll es sein, das Hotel aus The Shining, Stanley Kubricks Gruselfilm, der auf dem gleichnamigen Roman von Stephen King basiert?

Die meisten [aber] wollen das Labyrinth sehen, durch das Jack Torrance seinen Sohn hetzt und in dem er schließlich selbst erfriert. Linny seufzt. Wie oft muss sie das erklären: Timberline war lediglich Kulisse für die Außenaufnahmen. Alles andere wurde in London gedreht, inklusive Verfolgungsjagd durch den Irrgarten. [ . . .]

Zwei Millionen Besucher jährlich wähnen sich seither im Hotel am Originalschauplatz, obgleich die Lodge nur als Kulisse für die Außenaufnahmen diente.

Dieser Bericht regte mich dazu an, die DVD mit dem Film zu kaufen. Jetzt wollte ich es wirklich wissen. Der berüchtigte Irrgarten taucht darin, sehr geschickt inszeniert, dreimal auf:

° gleich zu Beginn (als Mutter Shelley und Sohn Danny darin neugierig harmlos herumstreifen – eine Art Introitus)

° als Modell in der Hotel-Lobby (das der Vater neugierig beobachtet – wobei er schon seine erste Halluzination hat, als er Frau und Sohn als winzige Püppchen im Modell herumlaufen sieht)

° am Schluss (als kalte und verschneite Bedrohung – wenn der Vater den Sohn in mörderischer Absicht mit der Axt darin verfolgt – das Finale). 

Bevor ich es vergesse: den irren Schriftsteller Jack Torrance spielt Jack Nicholson, in einer seiner berühmtesten Rollen. 

Quellen
Noga, Tom: "Gruseln vor dem Kamin": In: Südd. Zeitung vom 22. Nov 2007
Kubrick, Stanley (Regie): Shining. USA 1980 (Warner Bros.) 

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal bei den früheren Beiträge dieses Blog rein! Hilfreich könnte vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog sein.

Avatar-Foto

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

Schreibe einen Kommentar