Inhalt und Metapher

BLOG: Labyrinth des Schreibens

Die Suche nach dem roten Faden
Labyrinth des Schreibens

Die einzelnen Elemente der Labyrinth-Geschichte werden in den Medien auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten verwendet, die sich eigentlich ausschließen: als Inhalt und als Metapher.
Im Falle des Labyrinth-Motivs verstärken sich diese beiden Aspekte jedoch interessanterweise, wenn sie gezielt eingesetzt werden. Ein aktuelles Beispiel anhand einer Theaterkritik in der Süddeutschen Zeitung soll veranschaulichen, wie mit dem Inhaltlichen (= Elemente aus der Labyrinthsage) die Kritik metaphorisch verstärkt wird. Das erste Zitat bezieht sich, im Rückblick, auf ein Drama des aus Bulgarien stammende Schriftsteller Dimitrev Dinev. Sein Stück Das Haus des Richters hatte 2007 am Wiener Burgtheater Premiere:

[Dinev] bevölkerte das minoische Königshaus mit Zeitgenossen. Das Labyrinth des Minotauros war der Traum vom absoluten Gefängnis, ein Disneyland der Isolationshaft, das die Sehnsucht nach Leben und Freiheit gar nicht mehr aufkommen lassen wollte, und man fragte sich, ob wir in diesem Labyrinth nicht längst schon selber besitzen. Auf die spannende Lektüre folgte im Theater ein Abend aus Blei. Das hatte auch damit zu tun, dass Dinev zwar ein glänzender Prosaautor ist, was er nicht nur mit seinem Roman Engelszungen bewiesen hat, und alles blitzschnell in eine Pointe verwandeln kann – aber für das Dramatische hat er wenig Geschick.

Das zweite Zitat bezieht sich auf eine aktuelle Inszenierung im Mai 2008 des neuen Stückes von Dinev: der Farce Eine heikle Sache, die Seele. Hier benützt der Rezensent Helmut Schödel die beiden Stichwörter Minotauros und Labyrinth als Verstärker, um dem Verriß noch zusätzlich Wucht zu verleihen – gewissermaßen mit der Aussage im Subtext:
° diese Aufführung war verwirrend (Labyrinth – als Irrgarten)
° und für die Zuschauer (und den Rezensenten) eine schreckliche Zumutung (Minotauros, das Monster in der Tiefe):

Aber die Regiekunst von Hans-Ulrich Becker reichte leider nicht zur Schülertheaterklamotte in einer schräg abfallenden, gekachelten Wohnküche des Bühnenbildners Alexander Müller-Elmau. Und das Ensemble sah so abgestorben aus, als hätte es sein Leben mit Minotauros im Labyrinth verbracht.

Quelle: Schödel, Helmut: "Nächster Halt: Hades". In: Südd. Zeitung vom 16. Mai 2008

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich könnten vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog und die Zeittafel sein.

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

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